Terror in Paris: Von der Anschlagsserie zum Kriegszustand?

Am (gestrigen) 13. November ist die französische Hauptstadt Paris von einer Terrorwelle bislang unbekannten Ausmaßes getroffen worden. Mindestens 128 Menschen starben, als Terroristen mit Kalaschnikows Menschen in Restaurants angriffen, Bomben zündeten und in einem Konzerttheater Geiseln nahmen. Frankreichs Präsident François Hollande rief den Notstand aus und machte am (heutigen) Samstagmorgen die islamistischen ISIS-Milizen für die Angriffe verantwortlich, die er als kriegerischen Akt bezeichnete – und inzwischen gibt es auch eine Bekennerbotschaft, die das zu bestätigen scheint.

Terrorismus und innere Sicherheit kann aus guten Gründen in der Regel nicht Schwerpunktthema hier bei Augen geradeaus! sein. Angesichts der Auswirkungen, die die Attacken von Paris über Frankreich hinaus auf Europa und damit auch auf Deutschland haben werden, und angesichts der Sicherheitsdebatte über den engen Begriff der inneren Sicherheit hinaus (und auch weil es ein großes Leserbedürfnis gibt), hier ein Sammelthread zu diesem Thema.

Kleiner Umbau:Um Doppelungen zu vermeiden, hier (jetzt doch eingebettet) meine Storify-Sammung zu neueren Informationen, die ich immer wieder ergänze (das Neueste oben):

239 Kommentare zu „Terror in Paris: Von der Anschlagsserie zum Kriegszustand?“

  • MikeMolto   |   15. November 2015 - 20:32

    Also ich bin oefter in Farnkreich und den Territoires, ich kenne die Gendarmerie nur als Polizei, und zwar in laendlichen Gebieten. In den Citees (sorry mein L hat kein accent egu)
    hat man die Police Municipale.

  • Woody   |   15. November 2015 - 20:36

    @Andreas Poggendorf | 15. November 2015 – 14:13

    So ein klein wenig muss ich das doch kommentieren. Konsens spare ich der Länge wegen mal aus.

    Thema Dysbalancen und Ausgleich: … Wenn das das strategische Ziel unserer Regierung ist, kann ich dieses Ziel nicht teilen.

    Deutschland schafft ebenfalls Dysbalancen, jedoch nicht getrieben durch ein geopolitisches Ziel, eher durch das nicht Vorhandensein eines solchen Zieles. Daher das reaktive Verhalten. Aber darüber sind wir uns ja seit dem ersten Post einig. DEU selbst muss aber keine Globalstrategie entwickeln, das wäre eine Überschätzung der eigenen Rolle in der Welt. Es würde für den Anfang schon mal reichen, wenn man versteht, was die Treiber der verschiedenen Entwicklungen auf der Welt sind.

    Auch Erhalt/Stabilisierung der EU ist kein strategisches Ziel. Die EU ist ein taktisches Werkzeug, um Frieden und Völkerfreundschaft zwischen den europäischen Staaten zu organisieren.

    Ob etwas ein Ziel oder ein Mittel darstellt hängt von der Perspektive ab. Aus Globalstrategischer/Weltordnungssicht ist sowas nur ein Mittel. Aufgrund des Mangels an Globalstrategie, stellt es für die bundesrepublikanische SiPo daher schon ein strategisches Ziel dar. Sie beschreiben hier die Zielsetzung nach Innen, Europa hat aber auch eine Funktion nach Außen. (Ja, da ist es auch Mittel)

    Auch Stabilität von Ägypten, Türkei Libanon … ist kein strategisches Ziel von uns. Das diesbezügliche strategische Ziel unsererseits ist, dass von diesen Ländern für uns und unsere Werteordnung keine Gefahr ausgeht.

    Ein halber Einspruch! Es gibt andere Regionen in denen Krisen einem es egal sein müssen. Ich wollte damit auf zwei Punkte hinaus:

    1. Eine Verschlechterung der Sicherheitslage in diesen Ländern würde zusätzliche Migrationsbewegungen auslösen, welche die EU-Staaten nicht willens sein werden aufzunehmen. Insbesondere Türkei ist in diesem Punkt wichtig.

    2. Israels Sicherheit als „Deutsche Staatsräson“ wäre hierdurch einer weiter steigenden Gefahr ausgesetzt. Wenn man es denn unbedingt heraufbeschwören möchte könnte man Israel als das „Westberlin“ in einem Konflikt Westliche Welt / islamischer Fundamentalismus heraufbeschwören, ist nicht das gleiche aber es gibt spieltheoretische Parallelen. Ich will den Stresstest nicht wirklich erleben müssen.

    Stichwort unsere moralische Position in der Welt (Drohnenkrieg etc.): Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass wir nicht von allen Menschen in der Welt geliebt werden.

    Das Ziel ist auch nicht jedermanns Liebling zu sein. Ist Deutschland nicht und wird es auch nicht. Der Drohnenkrieg ist auch in den Vereinigten Staaten umstritten.

    Der Klimazirkus sollte vielleicht langsam den Weg des Waldsterbens gehen. Wir haben wieder echte Probleme und sollten unsere Ressourcen nicht mehr für imaginäre Probleme verwenden.

    Wenn sie mit Ihrer Ablehnung auf den „Wir verhindern das irgendwie – Aktionismus“ anspielen gebe ich Ihnen Recht, andernfalls Einspruch! Der Klimawandel ist tatsächlich eine strategische Herausforderung. Verhindern werden wir überhaupt Nichts. Beschränkt Begrenzen möglicherweise. Die zu befürchtenden Anpassungskosten und Konflikte rechtfertigen dass man sich mit dem Problem auseinandersetzt. Hinauslaufen wird es aber im Endeffekt darauf, dass man die als Resultat auftretenden „echten Probleme“ dann lösen muss. Ein nicht zumindest Versuchen des frühzeitigen begrenzen dieser induzierten Probleme ist somit genau das was gefordert wird; Stategisches Handeln.

  • Thomas Melber   |   15. November 2015 - 20:48

    Aus Wiki (DEU)

    „Die Gendarmerie nationale (deutsch Nationalgendarmerie) ist eine Polizeitruppe in Frankreich. Sie war seit ihrer Gründung Teil der französischen Streitkräfte und daher im Unterschied zu den übrigen französischen Polizeikräften dem Verteidigungsministerium unterstellt. Seit dem 1. Januar 2009 ist sie gleichzeitig auch dem Innenministerium unterstellt.“

    Zur GN gehört auch die Garde républicaine (nicht zu verwechseln mit den CRS).

    Daneben sind noch die Feuerwehren von Paris und Marseille militärisch organisiert (FRA Armee), unterstehen aber dem IM.

  • Wolfgang-2   |   15. November 2015 - 21:22

    > Es gibt fast sechs Millionen registrierte Schusswaffen auf zwei Millionen Privatbesitzer in Deutschland, da sollte es wohl machbar sein davon 200.000 zuverlässige Personen ausfindig zu machen die als aktive Reserve genutzt werden. Der Missbrauch durch qualifiziertes Personal ist im Ausland unter ähnlichen Umständen sehr gering.

    Das Problem in Deutschland wird weniger der Missbrauch sein. Das Problem ist in vielen Fällen einfach nur die Blödheit der Bevölkerung. In Israel gab es mal einen verwirrten Juden, der auf dem Tempelplatz rumgelaufen ist und dabei den Schlachtruf der Muslime von sich gab. Den hat man dann erschossen. Natürlich war hinterher schnell klar, dass er eigentlich etwas verwirrt war aber das wurde dann erst danach geklärt.

    Aktuell – so habe ich gerade gelesen – zünden irgenwelche Schwachköpfe nun in Paris einfache Böller und erzeugen so eine Panik.

    Und auch solche Nummern wie hier könnten ins Auge gehen: https://www.youtube.com/watch?v=08BDu4REDl8

    Leute, die verantwortungsvoll mit der Waffe umgehen können, die gibt es mit Sicherheit. Es gibt aber zu viele, die ohne Waffe verantwortungslos sein werden. Wer in der aktuellen Zeit eine Waffe in die Hand nimmt, der wird damit klar kommen müssen, dass er ggf. auch mal den Falschen erschießt.

  • Andreas Poggendorf   |   15. November 2015 - 21:30

    @ Woody | 15. November 2015 – 20:36

    Weit auseinander scheinen wir nicht (mehr) zu sein.

    Der eklatante Mangel unserer Politik ist das Fehlen einer globalen Strategie (aktiv wie passiv, also was wollen wir gestalten und wo werden wir gestaltet und können nichts dagegen tun) incl. unserer Einordnung in diese. Dazu gehört eine realistische Einordnung unserer Rolle in der Welt, im Positiven wie im Negativen.

    Ein realistisches Bild der Lage wäre dabei hilfreich. Dafür müssten wir aufhören, selbstreferenziell unseren eigenen Wünsch-Dir-Was-Reden zu glauben.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   15. November 2015 - 22:02

    Frankreich fliegt umfangreiche Luftangriffe gegen IS in Raqqa. (n-tv/CNN)
    Es wird von 20-30 sorties gesprochen. Unbekannt von wo do FRA Jets aufsteigen.

  • T.Wiegold   |   15. November 2015 - 22:05

    Ich verweise immer wieder gerne darauf, dass meine Info-Sammlung oben (das Storify-dokument) immer wieder aktualisiert wird… (Die Jets sind in Jordanien und den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet.)

  • Zimdarsen   |   15. November 2015 - 22:21

    @Andreas Poggendorf

    „Der eklatante Mangel unserer Politik ist das Fehlen einer globalen Strategie (aktiv wie passiv, also was wollen wir gestalten und wo werden wir gestaltet und können nichts dagegen tun) incl. unserer Einordnung in diese. Dazu gehört eine realistische Einordnung unserer Rolle in der Welt, im Positiven wie im Negativen.“

    In Deutschland bestimmt die Regierung diesen Teil der Republik und deren Strategie steht im Koalitionsvertrag:

    https://www.cdu.de/sites/default/files/media/dokumente/koalitionsvertrag.pdf

    Mittelfristig wird die Finanzsituation in Europa ein mehr Gefahrenpotential (einschl. der möglichen Opfer) bieten als Attentate von religiös motivierten Terroristen. Langfristig wird unsere Sicherheit vom Klimawandel bedroht werden. Dazu gibt es Strategien.

    Was soll Deutschland mehr wollen als Frieden in Freiheit, den europäischen Einigungsprozess zu führen, den Welthandel zu fördern, die UN zu stärken plus allndem was im Weißbuch 2006 steht wollen? Unsere Einordnung in Europa dürfte bekannt sein.

    Wie soll diese globale Strategie anders aussehen?

  • Zimdarsen   |   15. November 2015 - 22:40

    …..und noch ein Strategiepapier:

    http://m.bundesregierung.de/Content/DE/_Anlagen/Nachhaltigkeit-wiederhergestellt/2012-05-21-fortschrittsbericht-2012-barrierefrei.pdf?__blob=publicationFile&v=1

    Viel wichtiger ist was wird die Rolle Europas in der Welt sein?
    Deutschland wird in der Zukunft zwischen USA, China, Russland, Indien, Brasilien eher keine wahrnehmbare Rolle spielen.

    Wenn Deutschland seine Bürger schützen will, dann geht dies wohl nur im europäischen Bündnis, auch militärisch.

  • Mitleser   |   15. November 2015 - 22:41

    Klaus-Peter Kaikowsky | 15. November 2015 – 22:02

    Frankreich fliegt umfangreiche Luftangriffe gegen IS in Raqqa. (n-tv/CNN)
    Es wird von 20-30 sorties gesprochen. Unbekannt von wo do FRA Jets aufsteigen.

    Bitte, geht doch. Wäre mit direkter Ankündigung durch Hollande im Rahmen seiner Rede politisch noch stärker gewesen. Aber das ist schon „Meckern auf hohem Niveau“.

    Medien berichten, daß ein Trainingscamp und eine Kommandozentrale von ISIS in Raqqa zerstört wurden. Die USA hat Frankreich bei dem Einsatz unterstützt.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   15. November 2015 - 22:52

    Die Angriffe gegen Raqqa richten sich auf das Kommunikations- und Ausbildungszentrum von Daesh. Das Targeting für die FRA Jets wurde/wird durch U.S. intelligence ermöglicht. Diese nachrichtendienstlichen Erkenntnisse sind natürlich nicht neu, wurden aber bislang nicht in konkrete Operationen umgesetzt, um nicht dem Vorwurf wahllosen Bombardierens, colloteral damage ausgesetzt zu werden.
    Es wird von zwölf Jets und zwei Tankern berichtet, die beteiligt gewesen seien. Auch von der
    „Charles de Gaulles“ sollen Jets aufgestiegen sein(CNN).

  • Zimdarsen   |   15. November 2015 - 23:14

    Der Schlüssel für die Prävention vor Terrorismus liegt wohl in den Problemvierteln der europäischen Zentren, wie Molenbeek. Der Brüsseler Vorort, welcher schon bei früheren islamistischen Anschlägen im Fokus stand, ist wohl eine der Quellen für Gewalt. Diesen Kampf kann man nicht mit Militär führen. Es ist wohl auch ein gesellschaftliches Problem und wird uns auch noch durch die Rückkehrer beschäftigen.

  • Unreal   |   15. November 2015 - 23:21

    Klaus-Peter Kaikowsky | 15. November 2015 – 14:01
    @Unreal
    Gar nichts außer „Knast“ brächte das, also einfach vergessen, was Sie da herauszulesen glauben. Ernsthaft hat das jedoch nach meinem Textverständnis auch kein Diskutant gefordert, wäre ggf nämlich ein Fall für die Staatsanwaltschaft.

    Die Konsequenzen aus einem Verstoß sind mir durchaus bewusst.

    Jedoch die Diskussion über Effektivität einer Armee ohne/trotz Kriegsverbrechen in Kombination mit „Unmenschen“, etc. führt mir mehrfach vor Augen, dass ich Ihrem Wunsch bezüglich vergessen nicht entsprechen kann.

    Ich empfinde diese Tatsache gelinde gesagt, als fragwürdig und hege Zweifel am jeweiligen Berufsverständnis.

    Herr OTL melde mich ab.

  • Andreas Poggendorf   |   15. November 2015 - 23:27

    @ Zimdarsen | 15. November 2015 – 22:21

    Verzeihen Sie mir meine Skepsis.

    Das Definieren von Zielen ist noch lange keine Strategie, insbesondere wenn diese Ziele illusorisch sind. Hehre gesellschaftliche Ziele zu definieren, ist ja gar nicht mal so falsch, weil man damit eine Richtung vorgibt. Man darf halt nur nicht seiner eigenen Propaganda auf den Leim gehen. Wenn die UN verkünden, den Hunger in der Welt in 15 Jahren besiegt zu haben, so kann diese Verkündung richtig sein, auch wenn man selbst genau weiß, dass auch in 15 Jahren Menschen auf der Welt verhungern werden.

    Viele angerissene Probleme bzw. Zieldefinitionen mögen einen realen Kern haben, zwischen unseren Fähigkeiten und Möglichkeiten und den Realitäten dieser Welt klafft dann aber eine große Lücke. Eine Klimakanzlerin, die die Welttemperatur global um zwei Grad nach unten drehen will, in der Gegenwart aber nicht mal einen Grenzübergang sichern kann, hat ein Glaubwürdigkeitsproblem.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   15. November 2015 - 23:51

    „Charles de Gaulle“ doch noch in Toulon:
    https://twitter.com/michaelh992 @BlogsofWar PT: Charles de Gaulle is set to leave Toulon port in two days, carries 18 Rafale jet fighters and 8/9 Super Étendard.

  • Nikom   |   16. November 2015 - 1:05

    @ A.Poggendorf
    Die -inzwischen ehemalige- Klimakanzlerin will nicht “ die Welttemperatur global um zwei Grad nach unten drehen“, sondern sie will, gemeinsam mit anderen Staaten, den Temperaturanstieg auf zwei Grad begrenzen.

  • Sir Henry   |   16. November 2015 - 7:58

    Eine Frage zu einem theoretischen DEU Engagement.
    Könnte die Lw überhaupt derartige Lufteinsätze führen im Hinblick auf die erforderliche Bewaffnung?
    Ich kann mir schwerlich vorstellen, dass wir über genügend Luft-Boden Kapazität verfügen um in einem ähnlichen Unfang wie FRA zu wirken.
    Anschlussfrage: gibt es HH-Mittel und Verfahren, um verbrauchte „Hochwert“ Munition zu beschaffen?

  • politisch inkorrekt   |   16. November 2015 - 8:45

    @Zimdarsen

    [blockquote] Der Schlüssel für die Prävention vor Terrorismus liegt wohl in den Problemvierteln der europäischen Zentren, wie Molenbeek. … Diesen Kampf kann man nicht mit Militär führen. [/blockquote]

    Challenge accepted.

    Operationsplan:
    1. Phase (Shape)
    Ausrufung Notstand. Abriegeln des Vorortes mit militärischen Kräften. Abschaltung jedes Kommunikationsweges innerhalb des Viertels.

    2. Phase (Shape)
    OpInfo an alle im Viertel: Bleibt in euren Wohnungen. Ausgangssperre.
    Besetzung von Schlüsselpunkten mit Militär.

    3. Phase (Clear)
    Abschnittsweise flächendeckende Hausdurchsuchungen mit kompletter biometrischer Erfassung der angetroffenen Personen. Zuwiderhandlungen werden unter Einsatz von Waffengewalt und vorher festgelegter RoE im Keim erstickt.

    4. Phase (Clear)
    Sämtliche identifizierte Verbrecher/Illegale/Terroristen werden in vorbereiteten Sammelpunkten interniert. Selektion von Kriminellen von illegalen Kämpfern/Terroristen.

    5. Phase (Hold)
    Ausgangssperre wird aufgehoben. Offene Präsenz von Sicherheitskräften.

    6. Phase (Build)
    Kommunikation mit local power brokers (Geistliche, Familienoberhäupter usw.) zur Schaffung eines dauerhaften friedlichen Umfeldes mit echter Perspektive auf wirtschaftlich-gesellschaftliche Teilhabe.

    7. Phase (Shape/Clear/Hold)
    Wer es nicht kapiert bekommt noch ne Runde.

    pi

  • f28   |   16. November 2015 - 8:47

    gestern abend wollte ich mal sehen, was unsere Verteidigungs-Ministerin bei Günter Jauch zum Thema „Terror in Paris“ beizutragen hat.

    Erster Eindruck: krasser Kontrast im Auftreten zwischen vdL und Martin Schulz: dieser beantwortete alle Fragen ausführlich und bedächtig, aber stets sachbezogen und konkret.
    VdL hingegen perfektionierte die Kunst, konkrete Aussagen durch ausdrucksvolles Augenklimpern zu ersetzen. Weitschweifige Ausführungen, durchaus wohlklingend, aber meist ohne erkennbaren Bezug zur Frage. Eine weitere Auseinandersetzung mit vdL Thesen und Aussagen muss leider entfallen, in Ermangelung von erkennbaren Inhalten.

    Aber halt, ein Klops fiel mir im Wortgestöber dann doch vor die Füße: habe ich das richtig rausgehört, dass vdL davon redete, Deutschland habe ja bereits die „Verantwortung für die Sicherheit des Nord-Iraks übernommen“???

    Habe ich in der Entwicklung der letzten Monate etwas verpasst? War das ein dreister Versuch der Zuhörer-Täuschung?? Oder sind Uschis Phrasendreschmaschine ganz einfach nur wieder die Fakten durcheinandergeraten??

  • Robur   |   16. November 2015 - 9:12

    Djihad-Rückkehrer – eine 5. Koolonne?

    Junge Männer, teilweise noch Jugendliche, die sich aus “freien Stücken”, aus Abenteuerlust, oder vielleicht auch durch Gehirnwäsche, die ihnen österreichische oder deutsche Anwerber verabreicht haben, diesen pseudoreligiösen Mördern angeschlossen haben, bitten um “Rettung”. Sie seien ernüchtert und wollen dass man sie nach Hause holt. Wirkt auf einmal nicht mehr die romantische Vorstellung, die häufig als Motivation für den Dschihad.Tourismus genannt wird, vor allem bei jungen Mädchen, die sich unbegreiflicherweise ebenfalls für solcherlei mittelalterliche Glaubensauslegungen begeistern lassen. Oder wollen sie zurück um sich bei uns für ihre Vorstellung von Gott und einer vorgegaukelten Paradiesversprechung in die Luft zu sprengen und möglichst viele von uns mitzunehmen? Wollen sie Terror verbreiten? Was sind die Hintergründe? Gibt es einen Plan? Einen faustischen Märtyrer-Selbstmordpakt ?

    Es ist nicht so einfach zu durchschauen, die Gesellschaft befindet sich daher in einer Zwickmühle. Die perfideste Form der Subversion ist die Indoktrination der eigenen Nachfolgegeneration. Das trifft eine der verwundbarsten Stellen. Eine brennende Frage ist auch, sind die vermeintlich Reumütigen als Glaubenskämpfer an Verbrechen beteiligt gewesen? An Kriegsverbrechen sogar ? Haben wir es mit Kriminellen zu tun oder wirklich nur mit Opfern? Sollten Sie an Übergriffen beteiligt gewesen sein, so müssen derartige Taten nach unseren Recht gesühnt werden. Kriegsverbrechen gehören vor den Gerichtshof von Den Haag. Vielleicht schreckt das potentielle Rekruten zukünftig ab.

    Wie sollen bzw. wie müssen wir mit der Situation umgehen? Lassen sich diese Aussagen, dass sie wieder nach Hause wollen, um in Frieden zu leben und die Erlebnisse der Kriegsgrausamkeiten zu bewältigen, überhaupt sinnvoll überprüfen? Muss man sie nicht erst einmal unter Beobachtung stellen?! Es fast wie bei einer Seuche, Quarantäne ist notwendig. Wo und wie ist dies möglich, ohne ihre Freiheit einzuschränken? Jetzt hat sich ein Verdächtiger trotz Fussfessel ins Ausland abgesetzt. Was macht man mit den Minderjährigen, die sind nicht so leicht zu internieren. Gibt es Einzelunterricht für die Dschihad-Teenager? Oder will man sie mit “normalen” Gleichaltrigen zusammen in eine Schule schicken? Braucht man sogenannte Experten für die Deprogrammierung von ehemaligen Sektenmitgliedern ?

    Es kommen riesige Probleme auf uns zu, und die staatlichen Behörden lassen die Anwerber der IS-Anhänger weiter auf freiem Fuß und fleissig Mitglieder rekrutieren. Auch an der EU-Front nicht viel Neues. Gerade hier wäre stärkerere europäische Schlagkraft in der Bekämpfung solcher Umtriebe gefordert. Diesen atavistischen Religionskriegern kann man wahrscheinlich nur mit ebensolchen Gegenreaktionen beikommen. Müssen wir bald eine Art Guantanamo einrichten? Steht Stammheim noch zur Verfügung? Das hat man extra wegen ein paar RAF-Terroristen gebaut. Die waren nur halb so gefährlich für die Öffentlichkeit, wie die neuen Gotteskrieger. Aber da hat man reagiert, weil die Zielpersonen nicht normale Staatsbürger waren, sondern die Angehörigen der Oberschicht. Darüber sollte man auch mal nachdenken.

    Dieser Post war eigentlich schon letztes Jahr geplant nachdem dann scheinbare Ruhe eingekehrt war, habe ich ihn zurückgestellt. Leider ist es nun traurige Realität geowrden.
    Was werden uns äussere Verteidigungsmassnahmen hier nützen?

  • Rado   |   16. November 2015 - 10:11

    @Elitegaertner3 | 15. November 2015 – 20:13
    Gestatten, die Gewehre der frz. Gendarmen sind „Ruger mini 14“. Mit den Ausfräsungen im Holzschaft ähneln sie zwar dem M1 Carbine, das dürfte aber eine frz. lokale Spezialität sein.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   16. November 2015 - 10:40

    @f28
    Die Lesart, bzw wie in diesem Fall konkrete Aussage des „Verantwortung für die Sicherheit des Nord-Iraks übernommen“??? ist nicht neu, sondern wird durch UvdL seit Beginn der Ausb- und Ausrüstungshilfe für Kurden/Peschmerga und Jesiden in 2014 so dargestellt.
    Die aktuelle Wiederholung vor großem Publikum hat somit eher
    – die Qualität automatisierter Reflex, „wir sind schon da, mehr können wir nicht (wollen)“ und
    – Beruhigung des verunsicherten Zuschauers „wir machen da nicht mit“, sowie
    – nicht direkt ausgesprochene Erkenntnis, mit welchen Lfz, von welchen Basen, mit welcher Munition denn auch, von Aufklärungsergebnissen, die bei anständigem Targeting benötigt würden, ganz zu schweigen. Müssten Airforce/CIA sowieso aushelfen.
    Zusätzlich hat sie ja auch ausgeführt, Flugzeuge zur Luftunterstützung seien genug vorhanden (von anderen). Beide höchst politischen Aussagen versteht bei NATO/EU in Brüssel jeder Alliierte. Wir werden daher gar nicht erst gefragt werden.
    Ansonsten gilt, wer noch – politische – Karriereziele hat, bietet keine angreifbaren Ecken und Kanten. DAS hat sie richtig gut „performed“!
    https://bw2.link/k4yjj

  • Boots on the Ground   |   16. November 2015 - 11:20

    @politisch inkorrekt: Wo ist ihr Gefechtsstand, kann ich mich anschließen?

    Kommentar zur 6. Phase: Auf keinen Fall Kooperation mit lokalen, ungewählten und u.U. nicht-repräsentativen Autoritäten, denn dadurch wird deren Macht legitimiert und zementiert. Sowas kann man im Irak und Afghanistan machen, aber bestimmt nicht in Europa.

  • AoR   |   16. November 2015 - 11:21

    @pi: Für mich noch eine Runde! Ehrlich wenn mich jemand biometrisch erfasst, nur weil ich einer Ethnie angehöre, „frisst“ der Beamte/Soldat seinen Scanner und vermisst seine Waffe… den Rest überlasse ich ihrer Fantasie.

    GG Artikel 22!

    @KPK: Wir haben in der Bilad As-Sham ausreichend leichte bis mittlere Infanterie. Embedding ist die Kunst :)

  • f28   |   16. November 2015 - 11:50

    Klaus-Peter Kaikowsky | 16. November 2015 – 10:40
    „@f28
    Die Lesart, bzw wie in diesem Fall konkrete Aussage des „Verantwortung für die Sicherheit des Nord-Iraks übernommen“??? ist nicht neu, sondern wird durch UvdL seit Beginn der Ausb- und Ausrüstungshilfe für Kurden/Peschmerga und Jesiden in 2014 so dargestellt.“

    Puh. Wenn sie mit solchen Aussagen unwidersprochen durchkommt…dann ist ja der Terrorismus bereits so gut wie besiegt. Rhetorisch jedenfalls.

  • T.Wiegold   |   16. November 2015 - 12:00

    @all

    Damit es nicht zu unübersichtlich wird, habe ich zu dem Thema einen neuen Thread (und ein neues Storify-Dokument) aufgemacht – bitte die Debatte dort weiterführen (in der Hoffnung, dass sie nicht allzu sehr zerfasert…).

  • SER   |   16. November 2015 - 12:05

    @ AoR

    Nett gebrüllt aber im Ton deutlich vergriffen … Nach dem Vorschlag von @ pi wird JEDER erfasst und nicht aufgrund seiner Ethnie !
    Das ist pragmatische Umsetzung der Anforderungen der öffentlichen Sicherheit !!!
    Und wer dort eben reinen Gewissens ist muß auch nicht ausfällig oder auffällig werden …
    Vielleicht müsste man sich mal wieder daran gewöhnen ein Sicherheitssystem zu haben was handlungsfähig und auch -willig ist !?! Im heutigen Geschwurbel schwer vorstellbar, aber es gibt noch Leute die sowas denken und umsetzen könnten …

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   16. November 2015 - 12:09

    @f28
    Klar kommt sie durch! Der Kanzlerin ist es recht so. Wer aus der Generalität was laut „denkt“ ist a.D., sowas von schnell…!

  • ThoDan   |   16. November 2015 - 12:15

    Ich sehe nirgends wo die Verstärkung des Militärs, Szenarien wie Mumbai, Paris o.ä. nennenswert beeinträchtigen würde!

    @Andreas Poggendorf

    Meine Antwort wäre Nein, wenn dann sollten die Syrer komplett aufgestellt werden und nicht nur als Hilfstruppen.

  • Thomas Melber   |   16. November 2015 - 12:31

    @KPK@f28
    Mir scheint, die Bedeutung des implizierten Begriffs „Raumverantwortung“ scheint der Frau Minister nicht geläufig.

  • AoR   |   16. November 2015 - 12:36

    @SER: PI hat es auf entsprechende Wohngebiete eingegrenzt. Das war Diskriminierung erster Ordnung. Da brülle ich gerne weiter, was politischer Widerstand so an sich hat.

    P.S: Entschuldigen Sie den Ton, der Scanner flöge dann durch den Raum. Ansonsten embedde ich mich mal in den Gefechtsstand zur inneren Sicherheit. Daher:

    1. Alle wurden bereits biometrisch gescanned unter den Tätern.
    2. Wir treten bitte öffentlich in Zivil auf.
    3. Wiedereinführung allg. Wehrpflicht besonders auch für Leute mit Sprachkenntnissen und kultureller Erfahrung.

  • politisch inkorrekt   |   16. November 2015 - 12:53

    @Boots on the Ground

    Ich führe von vorn. Gefechtsstand vor Ort. Stadtrand. Irgendwas mit Strom, Wasser, Telefon und freier Sicht. Und Buchsbäume im Garten!!!

    Sowas kann man im Irak und Afghanistan machen, aber bestimmt nicht in Europa.

    Hmm.
    1. Gehen wir mal davon aus, dass die Bevölkerung in erster Linie nicht-europäisch ist.
    2. Das Vorgehen hatte in deren Herkunftsländern Erfolg (für die Dauer der Maßnahmen)
    3. Notstand ist ausgerufen (Phase 1).
    4. Welche realen Machtmittel (Power) haben Bürgermeister, Polizisten usw., wenn sich diese schon länger nicht mehr im Viertel frei und wirksam bewegen konnten?

    Vielleicht wäre es ein Weg diese LPB einzubinden, denn offensichtlich sind die vorhandenen legalen Repräsentanten dieser Viertel gescheitert und unwirksam. Ich verstehe worauf sie hinauswollen.

    pi

  • Zimdarsen   |   16. November 2015 - 13:32

    @Andreas Poggendorf

    Tija, was nützt das beste Papier/Strategie wenn einen die Partner im Stich lassen und man die Regierungsmehrheit verliert. Das nennt man dann Leben und ob ein Ziel realistisch ist, hängt selten vom Ziel und Zeitplan ab (siehe Mondlandung) sondern meist vom Wille, Vermögen, Macht und unvorhergesehenen politischen Zwängen ab. Doch wir sind zu Großem fähig (siehe Beitritt der DDR an die BRD), soch leider sind Mrd für Militäreinsätze schneller genehmigt als nachhaltige Projekte.

    Doch selbst der Umbau der Energiewirtschaft in DEU wurde für undurchführbar gehalten und nunbsind wir mitten drin.

    Wo ein Wille ……

  • Zimdarsen   |   16. November 2015 - 13:38

    @politisch inkorrekt

    Kann man so machen, ist aber eine Polizeimaßnahme und selbst im Aisland würde da das Militär nur unterstütze. Zurch Durchführungsmöglichkeit fehlt mir der Einblick in die Gesetze unseres Nachbarn.

  • AoR   |   16. November 2015 - 13:40

    @pi: Wie kommen Sie darauf, dass die Menschen vor Ort keine deutsche/europäischen Pässe haben?

  • Boots on the Ground   |   16. November 2015 - 14:03

    @politisch inkorrekt: Ich verstehe Ihren Ansatz, allerdings haben genau diese LPBs zugelassen, dass sich die Zustände so entwickeln wie sie sind – sonst müsste man das „P“ da rauslassen. Eher sollten so bald wie möglich (freie und faire) Wahlen durchgeführt werden, die ebenfalls überwacht werden müssen.

  • politisch inkorrekt   |   16. November 2015 - 17:32

    @all

    Um zu einem sinnvollen Ende zu kommen.

    Das Ganze war ein Planspiel auf Grundlage einer Aussage von Zimdarsen.
    @ AoR
    Ich sprach nicht von Pässen sondern von Herkunft. Und mir sind Pässe oder Ethnie egal. Alle die angetroffen werden, sind erstmal biometrisch zu erfassen und zu selektieren.
    Auch Bio-Europäer sind nicht immer Unschuldslämmer, darunter finden sich auch gesuchte Kriminelle oder radikalisierte Konvertiten usw..

    @Boots
    Ich suche noch einen J5 im Gefechtsstand. Interesse? ;)

    pi

  • Andreas Poggendorf   |   16. November 2015 - 19:07

    @ Nikom | 16. November 2015 – 1:05

    Richtig, danke für Ihre Korrektur. Da habe ich mich in der Formulierung sinnverfälschend verhaspelt.

    An der inhaltlichen Aussage ändert das nichts. Eine deutsche Regierung hat nicht die Macht, die Welttemperatur zu bestimmen/ihre Veränderung zu begrenzen oder den Rest der Welt verlässlich zu gemeinsamen Handeln zu zwingen. Alle diesbezüglichen Aussagen sind meiner Ansicht maßlose Selbstüberschätzung.

    Eine bundesdeutsche Regierung sollte sich bei relevanten Fragen auf das beschränken, was tatsächlich in ihrer nationalen Macht steht. Alles, was nicht unwesentlich im ausländischen Machtbereich anzusiedeln ist, ist als unsicher und unzuverlässig zu betrachten. Man kann ja trotzdem mal drüber reden, darf sich aber nicht drauf verlassen (müssen).

  • Zimdarsen   |   16. November 2015 - 19:27

    Deutschland hat natürlich nicht die Macht Verhaltensänderung von Staaten mit Anspruch auf Gehorsam einzufordern.

    Aber Deutschland-die EU-der Westen kann Trands setzen und viele wurden von DEU gesetzt. Deutschland hat ein ganz anderes Problem es setzt Trends und verabschiedet sich dann (siehe E-Mobilität, Umweltschutz, Luftfahrtb uvm).

    Das Agieren von DEU wird genau beobachtet.