Kanadas neuer Verteidigungsminister: In Indien geborener Sikh

Canada_Sajjan_2014

Die Nachricht einfach mal unkommentiert: Neuer Verteidigungsminister Kanadas ist Harjit Sajjan. Ein Sikh, der in Indien geboren wurde und im Alter von fünf Jahren nach Kanada kam. Er arbeitete als Polizist und war später als Soldat in Bosnien und mehrfach in Afghanistan im Einsatz. Für seinen Einsatz in Kandahar wurde er auch hoch ausgezeichnet. Der Oberstleutnant wurde kürzlich ins Parlament gewählt und jetzt als neuer Chef des Wehrressorts berufen.

Ich freu‘ mich ja schon auf die Bilder von den NATO-Verteidigungsministertreffen.

Nachtrag mit einem Link zu einem TV-Porträt aus dem Jahr 2011:

Und noch ein interessanter Nachtrag zur Biographie:

You have no idea how badass Trudeau’s Defence Minister really is

(Archivbild Juni 2014: The Governor General of Canada presented the Order of Military Merit at the Officer level (O.M.M.) to Lieutenant-Colonel Harjit Sajjan, O.M.M., M.S.M., C.D., The British Columbia Regiment (Duke of Connaught’s Own), Vancouver, British Columbia – Photographer: MCpl Vincent Carbonneau, Rideau Hall)

46 Gedanken zu „Kanadas neuer Verteidigungsminister: In Indien geborener Sikh

  1. @TW

    „Er arbeitete Polizist“?
    Ich glaube, das soll so nicht.

    Harter Typ. Vorzeige-Vita. Echt beeindruckend.

    pi

  2. Laut seiner Kurzvita hat er mehr Fachkompetenz als alle deutschen Verteidigungsminister der letzten Jahrzehnte zusammengenommen.
    Dieser Minister wird die kanadischen Streitkräfte sicherlich in die richtige Richtung weiterentwickeln und nicht so inkompetent wie unsere Ministerin agieren.

  3. Trägt er einen Orden am Dastar/Turban? Oder kennzeichnet das eine militärische Kopfbedeckung, die er stattdessen tragen würde?

  4. Ein Migrant aus einem „fremden Kulturkreis“? Es gibt tatsächlich noch Länder in den Menschen nach individuellen Leistungen und nicht nach Gruppenzugehörigkeit bewertet werden? Man will es ja nicht mehr glauben…

  5. hm. damit bieten sich drei Diskussionsstränge an:

    A: Ein Migrant, der in einem westlichen Land ein sicherheitspolitischen Top-Posten bekommt (und nebenbei kein Muslim ist)

    B: Kanadas strenge Auswahl seiner Einwanderer und die Förderung der zugezogenen.

    C: Das ein ehemaliger Militär mit anscheinend ausgeprägten Stallgeruch und (Kriegs?) Einsatzerfahrung nun die zivile Funktion eines Verteidiungsministers annimmt.

    Ich wähle C:

    Toll dass so etwas klappen kann. Ich bin gespannt, ob ein ehemaliger Militär sich in diesem politischen Umfeld behaupten kann. Wäre so etws in deutschland denkbar? Ich glaube nicht. Zuviel Eifersüchteleien innerhalb der Parteisoldaten und eine Kanzlerin besetzt solche Posten eher nach Parteiproporz anstatt Qualifizierung.

    Einen Trull als Verteidigungsminister. Das hätte schon was.

  6. Ich nehme an, niemand in Kanada nimmt daran Anstoß, dass es sich um einen Soldaten handelt. Interessant wird es auch für die kanadische Generalität, da der Herr Oberstleutnant die Hierarchien nun deutlich durchbricht. Neben der Tatsache des Migrationshintergrundes, ist der Hinweis auf sein Geburtsdatum, Wikipedia entnommen, ein weiteres I-Tüpfelchen für diese interessante Vita. …(born 1970 or 1971)…

  7. Ich finde ebenfalls erstaunlicher, dass ein aktiver Militär Verteidigungsminister wird als das er Immigrant ist. Wird es hier nicht geben. Die oberste Führung hat sich vom militärischen weit genug entfernt zu halten, sonst droht schlimmstes. Lange gedient ist zwar hilfreich, aber in einer Partei.

  8. @Carabas
    Plädierte auch für C, absolut.
    Das Bild des Offiziers in ungewohnter Uniform fällt bei uns auf, im britisch/angelsächsischen Kulturkreis, in dem die kanadischen Streitkräfte erzogen wurden, gilt das als normal. Immerhin ist Königin Elisabeth II. nominelles kanadisches Staatsoberhaupt, durch einen Generalgouverneur vertreten wird.
    In dieser Tradition dient seit 200 Jahren eine Brigade nepalesischer Gurkha in der britischen Armee. Das Erscheinungsbild dieser Soldaten vom indischen Subkontinent ist dem des neuen CDN VgMin nicht unähnlich und somit den CDN Streitkräften sowie der militäraffinen Bevölkerung durchaus vertraut. Nun betrifft die Gewöhnung an Soldaten aus Südasien nicht allein die Gurkha. Offiziere aus dem früheren Commonwealth erhalten immer noch oft gemeinsam ihre Ausbildung in Sandhurst (Royal Military Academy Sandhurst), an der regelmäßig Pakistani, Inder, Nepalesen, Bruneier usf teilhaben.
    Aus genannten Gründen also nichts Ungewöhnliches in Kanada, Klasse setzt sich eben durch, was wesentlich darin begründet ist, dass Zuwanderer unter Anwendung von Qualitätskriterien einreisen dürfen.

  9. @Mufflon:

    Am Turban dürfte das selbe Abzeichen sein, welches seine Kameraden vom The British Columbia Regiment (Duke of Connaught’s Own) – dessen Kdr er war – sonst am Barett tragen.

  10. @Carabas:
    +1
    und auch ich kaufe ein „C“:
    Die Strukturen in Kanada kenne ich nicht, aber die Bundeswehr hat ja den Generalinspekteur als „obersten Soldaten“. Wenn auch der Minister aus der Truppe käme, sehe ich den Primat der Politik in Gefahr. Und das wäre heikel.

  11. Das ist zwar nur ein sehr punktueller Eindruck und mag mit South Vancouver zu tun haben, was ich nicht weiss. Aber wie dem Wikipedia-Artikel zu seiner Person zu entnehmen ist, haben in diesem Wahlbezirk fast ausnahmslos Personen mit Migrationshintergrund kandidiert. Das ist aus meiner Sicht für eine Demokratie förderlich, wenn auch viele Migranten sich dort einbringen wollen und zeigt eine gelungene Integration. In Deutschland sind die Kandidaten mit Migrationshintergrund ja immer noch eine gewisse Besonderheit, die von den Parteien als Zeichen für Weltoffenheit besonders herausgestellt werden.

  12. Ehe sich hier ein Irrtum festsetzt: Sajjan wechselt ja nicht nahtlos von seiner Offizierslaufbahn an die Ministeriumsspitze. Sondern ist – ich weiß nicht, ob das mit Ausscheiden aus den Streitkräften verbunden war – neu gewählter Abgeordneter im Parlament und als solcher dann als Minister berufen worden. Also auch die Kanadier machen nicht einen Militär zum Minister.

  13. Soweit ein Offizier bzw. generell Soldat bei uns Abgeordneter wird, pausiert m.E. die militärische Laufbahn. Sollte er dann politischer Beamter (zB auch StS, Referent etc.) werden, wäre damit das Ende der militärischen Laufbahn verbunden. Eine Rückkehr in die alte Laufbahn gibt es meines Wissens nicht. Wer dann im Anschluss nicht wiedergewählt wird, muss sich eine neue Arbeit suchen. Hat irgendwer Kenntnis wie ehem. Abgeordnete weiterverwendet werden, falls sie in die SK zurückkehren bzw. gab es sowas schonmal?

  14. Mal ne Frage nebenbei; Die drei Streifen am Ärmel als OTL? Oder sind das keine Dienstgradabzeichen?

  15. Zum einen ist The British Columbia Regiment (Duke of Connaught’s Own) ein Reserveregiment der CAN-Panzertruppe, zum anderen ließ er sich suspendieren, um in die Politik zu gehen.

    Neben der kanadischen Einwanderungspolitik generell kommt hier noch dazu das der Mann Inder ist, diese gehören ja mehr oder weniger zur „Familie“. Speziell UK und CAN sind für Inder, Sri Lankaer, Bangladeschi und Pakistani nicht direkt Heimat, aber auch nicht wirklich Ausland bzw. „Fremde“, zumal fast jeder Verwandtschaft dort hat. Ab Upper Middle Class ist die Ausbildung bzw. Teile davon in UK oder CAN fast selbstverständlich.
    Außerdem sind die, die auswandern, hier wieder besonders Inder und Sri Lanker, ausgesprochen „hard working“ und „aspiring“ und betrachten den sozialen Aufstieg -zumindest der Kinder- quasi als Pflicht. Interessanterweise gilt diese Aussage für (muslimische) Pakistani und Bangladeschi nur eingeschränkt.

  16. Der Mann hat eine sehr interessante Vita. Laut der Biographie auf seiner Webseite war er vor seiner militärischen Karriere elf Jahre lang Polizeibeamter in Vancouver. Eine seiner Verwendungen war Detective in der Gang Crime Unit.
    (Quelle: https://harjitsajjan.liberal.ca/biography/ )
    Respekt! Der hat sich in seinen beiden Laufbahnen den Ehrentitel „Badass“ ehrlich verdient.

  17. @Sir Henry,
    meines Wissens nach, war Minister Philipp Rösler für seine politische Laufbahn beurlaubt und hätte seine Restdienstzeit abdienen müssen. Das hat bekanntlich nicht stattgefunden.
    Abgesehen davon legt man einen Commander nicht ab wie eine schlechte Angewohnheit. Insofern ist der Sachverstand, der zusätzlich mit Einsatzerfahrung kombiniert ist, sehr zu begrüßen.

  18. @Cerberus | 05. November 2015 – 10:22

    Ja, das ist das kanadische Dienstgradabzeichen für einen Oberstleutnant. Die Streifen der kanadischen Offiziere auf der Uniformjacke lehnen sich an die Streifen der Navy an. Lieutenant Colonel entspricht dem Commander = drei volle Streifen.

  19. @Cerberus
    Zu der Zeit waren drei Streifen (gerade) noch das Dienstgradabzeichen eines LtCol. Im Laufe des Jahres 2014 wurden die Army-Dienstgradabzeichen dann auf die „alten“ umgestellt bzw. wiedereingeführt – seither wieder ein Stern, darüber St.Edward’s Crown.

    Im Zuge der Unification der CAN-SK wurden auch einheitliche Dienstgrade eingeführt. Für alle galt: Bezeichnungen der Army, Abzeichen der Navy (ohne „Curl“) für Offiziere bzw. der Army für NCO.

    Die „Curls“ wurden bei der Navy ab 2010, die alten Armyabzeichen im laufe 2014 und die „alten“ Air Force Diesntgrade und Abzeichen dieses Jahr wiedereingeführt.
    Aus der Begründung zur Wiedereinführung von „Stars and Crowns: „our officers who accepted the (German) surrender, were wearing Stars and Crowns. This in no way diminishes Canada’s identity, and I would suggest we are returning to the insignia that was so much a part of what the Canadian Army accomplished in Canada’s name

  20. Im Empire überhaupt nichts neues.
    Sikhs gehörten immer zu den „Martial Races“ und hatten auch schon im Empire zumindest in ihren Regimentern eigene Offiziere.
    Sikhs prägen das Bild des britischen Offizierskorps schon sehr lange, und in anderen ex Empire Staaten ist es ähnlich.

    Revolutionärer wäre ein ganz normaler Hindu (womöglich ein „unberührbarer“), aber die arbeiten nach wie vor eher bei der IT ;)

    Lustig ist immer wenn deutsche Beamte Probleme mit Sikhs haben.
    „Wie, warum sind Sie nicht Frau Singh, sondern Frau Kaur? Sie sind doch verheiratet!“ ;)))

  21. Vielleicht irre ich mich ja, aber Commander (Navy) entspricht doch eher dem Major, oder? Dann würden die drei Streifen ja auch passen. Als Commander in einem Battalion ist er aber nocht der Kommandeur. Schlecht übersetzt? LtCol (Army), also Oberstleutnant, hätte doch drei dicke und einen dünnen Streifen. Colonel hat dann ja vier dicke Streifen.

  22. Sie irren ;)

    NATO Rank Code/ Navy/ Army/ Heer
    OF-1: Mis/SLt// 2nd/1st Lt// L/OL
    OF-2: Lt/ Cpt/ H
    OF-3: LtCmdr/ Maj/ M
    OF-4: Cmdr/ LtCol/ OTL
    OF-5: Cpt (N)/ Col/ O

    Und im täglichen Dienst wird ein LtCol in UK/ US/ CAN/ FRA als Colonel angesprochen.

  23. @Cerberus | 05. November 2015 – 12:24

    Sorry, das ist mit Sicherheit OT…

    Laut STANAG 2116 entsprechen sich Commander, Lieutenant Colonel, Oberstleutnant und Fregattenkapitän. Sie haben alle NATO Code OF-4. Die dreieinhalb Streifen für den NATO OF-4 (Navy) haben nur manche Staaten, darunter Deutschland. Die anderen folgen der britischen Tradition, z.B. zweieinhalb Streifen Lt. Commander, drei volle Streifen Commander, vier volle Streifen Captain. In der englischsprachigen Wikipedia gibt es eine sehr schöne Aufstellung zu dem Thema:
    https://en.wikipedia.org/wiki/Ranks_and_insignia_of_NATO

    Das kanadische Heer ist allerdings im Jahr 2014 zu den traditionellen Sternen, Kronen usw. für die Offiziere zurückgekehrt, wie MBehringer oben schon erwähnt hat.

  24. Nur mal zur Klarstellung: Auch in Deutschland kann jederzeit eine Person Minister werden, die kein MdB ist! Nur der Bundeskanzler muss MdB sein. Es könnte rein technisch also auch ein Generalinspekteur zum Minister berufen werden. Politisch wäre das sicher nicht gewollt, aber das ist eine ganz andere Frage.

  25. @David Ermes – 05. November 2015 – 13:59

    Nur der Bundeskanzler muss MdB sein.

    Oh, diesen Passus im GG muss Kurt Georg Kiesinger wohl überlesen haben. ;-)

  26. Das mit dem „Soldaten zum Minister“ ist auch in der Bundesrepublik schon fast passiert. Generalleutnant Schönbohm (ehem. Befehlshaber Bundeswehrkommando Ost) wurde vom Soldaten zum beamteten Staatssekretät ernannt und somit Teil der politischen Leitung des Hauses.

  27. OK, da hätte ich eher über den Status des Herrn Sajjan recherchieren können.

    Natürlich steht einem ehemaligen Offizier eine politische Karriere offen, und dann ist aus meiner Sicht auch nichts gegen die Ernennung zum Verteidigungsminister zu sagen, solange er nicht in alte Gehorsamstrukturen zurückfällt. Beim neuen kanadischen Minister scheint eine solche Befürchtung überflüssig zu sein.

  28. David Ermes | 05. November 2015 – 13:59
    Der/die Wehrbeauftrage muss MdB sein …
    ;-))

  29. @all

    Empfehle den obigen zweiten Nachtrag mit der Story zur Afghanistan-Mission in der Vergangenheit des neuen Ministers.

  30. Heiko Kamann | 05. November 2015 – 16:27:
    Das Gegenteil ist korrekt: Der Wehrbeauftragte darf kein Abgeordneter sein – er war (!) es zumeist davor. Aber mit Übernahme des Amtes muss er sein Mandat nieder legen.

  31. @Bartos
    Ich stimme Ihnen voll zu.
    Der kanadische MP hat heute auf die Frage warum sein Kabinett zu 50% aus Frauen bestehe geantwortet: Because its 2015!
    Das läuft gerade auf Twitter heiß: #becauseits2015

  32. habe eben aus reinem Interesse mal gegooglet ob es in der Bundeswehr auch Sikh gibt. Dabei bin ich auf Welt.de auf einen interessanten Artikel gestoßen.
    Da hat ein Sikh seine Religion aufgegeben, um in der Bundeswehr dienen zu können.

    Ich weiß nicht ob ich den Link hier veröffentlichen darf? Deshalb google ich es mal für euch :-)

    [Nice Try. Aber auch so machen wir das nicht. Wer sich für die Geschichte interessiert, wird mit der Überschrift Warum ein Sikh seine Religion für den Bund aufgibt auch so fündig. T.W.]

  33. @Mufflon

    Der Turban der Sikhs ist eine militärische Kopfbedeckung, tragen die Sikhs in den Streitkräften seit Sickhs in Streitkräften dienen.

  34. Erste Amtshandlung, die CAF steigt aus der IS-Mission aus …., aber dafür ist ja jetzt Putin mit bei. Und was ist jetzt so toll an der Meldung? Die Aussies haben auch eine Frau mit Kopftuch als Commander auf einem Zerstörer …

  35. Die Welt hat hat aus den im zweiten Nachtrag verlinkten Inhalten die Überschrift „Ein Superspion wird Kanadas Verteidigungsminister“ gemacht. Auch eine Variante ;-)

  36. Der neue Verteidigungsminister ist nur einer von drei Sikhs im neuen Kanadischen Kabinett, die neuen Minister für Infrastruktur sowie für Innovation, Wissenschaft und wirtschaftliche Entwicklung sind ebenfalls Sikhs.

    Gerade Amarjeet Sohi, der Infrastrukturminister, hat eine interessante Biografie, er ist auch der a-religiöse unter den dreien, trägt keinen Turban, das Haar kurz und nicht das „Singh“ als Namen(szusatz).

    Die Ministerin für Demokratische Institutionen ist übrigens in Afghanistan geboren und andere Minsiter haben ebenfalls „Migrationshintergrund“.

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