Jüngste Entscheidungen zum Rüstungsexport: Kleinwaffen für Nahost

RGW90n

Die Bundesregierung hat dem Parlament in der vergangenen Woche die jüngsten Entscheidungen über genehmigte Rüstungsexporte mitgeteilt – und auffällig an der Liste vom 6. November ist: Der geheim tagende Bundessicherheitsrat und dessen Vorbereitender Ausschuss haben recht viele Genehmigungen für so genannte Kleinwaffen – automatische Gewehre, Maschinenpistolen, Panzerabwehrwaffen – erteilt, die in Länder des Nahen Ostens gehen. Zwar ist das finanzielle Volumen dieser Genehmigungen überschaubar, interessant sind jedoch die Empfängerländer:

• Jordanien erhält 600 tragbare Panzerabwehrwaffen der Firma Dynamit Nobel Defence, vermutlich (wenn auch noch nicht endgültig bestätigt) vom Typ RGW90 (Foto oben). Zum finanziellen Umfang des Geschäfts machte das Bundeswirtschaftsministerium keine Angaben, da sonst Rückschlüsse auf den Einzelpreis der Waffe möglich wären.

• Nach Oman dürfen 1.600 vollautomatische Gewehre (also Sturmgewehre), 48 Granatmaschinenwaffen und 100 Maschinenpistolen von der Oberndorfer Firma Heckler&Koch geliefert werden. Das Geschäft, zu dem auch einige Ersatzteile gehören, hat ein Volumen von 3,14 Millionen Euro.

• An die Vereinigten Arabischen Emirate liefert Heckler&Koch 14 vollautomatische Gewehre, 500 Maschinenpistolen und 63.000 Schuss Munition, Gesamtwert rund 508.000 Euro.

• In den Libanon gehen, wiederum von Heckler&Koch, acht Maschinenpistolen und 25.000 Schuss Munition, Gesamtvolumen 20.000 Euro

Das größte – finanziell exakt bezifferte  – Geschäft der aktuellen Genehmigungsliste ist die Lieferung von Zubehör für den Betrieb und die Wartung von Torpedos an Ägypten: 9,3 Millionen Euro Umfang, gelieferte von Atlas Elektronik. Auch zu den größeren Posten, auch wenn erneut kein finanzielles Volumen angegeben ist, dürften Lieferungen der Daimler AG an Algerien gehören: 92 Lastwagen mit verschiedenen Aufbauten und 88 Lastwagen als Teilesatz.

Über die Region Nahost hinaus gibt es vor allem asiatische Empfängerländer von Waffenlieferungen, die wiederum meist von Heckler&Koch stammen: 215 vollautomatische Gewehre plus Ersatzteile für Brasilien, Wert 340.000 Euro; für Malaysia 100 vollautomatische Gewehre, 100 Maschinenpistolen und 10 Maschinengewehre, Wert 465.000 Euro, für Indien 100 Maschinenpistolen und Zubehör für 271.000 Euro und für Hongkong 55 Rohre für Maschinenpistolen (ohne Wertangabe).

Neben diesen Kleinwaffenlieferungen verzeichnet die Liste drei Großprojekte, bei denen das finanzielle Volumen nicht angebeten wird: Materialpakete und Lizenzen für sechs Patrouillenboote für Malaysia von der Fassmer Werft; Umbau von zwei mit Torpedo-Halterungen ausgerüsteten Seeatrouillenflugzeugen für Pakistan von der Rheinland Air Service GmbH und die Modernierung einer derzeit nicht seefähigen Fregatte für Nigeria bei den German Naval Yards in Kiel.

(Foto: Dynamit Nobel Defence)

 

33 Kommentare zu „Jüngste Entscheidungen zum Rüstungsexport: Kleinwaffen für Nahost“

  • aufmerksam   |   09. November 2015 - 15:32

    H&K an VAE, in den Oman und nach Brasilien – nicht schlecht, Herr Gabriel!

    Doch wie – bitte – war noch mal Ihr Ausfuhrgenehmigungskonzept?
    Ach ja, Stichwort „Untätigkeitsklage“ (…)

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   09. November 2015 - 16:37

    Seit langem stört mich die unreflektierte Übernahme bzw ungenaue Übersetzung rüstungstechnischer Begriffe aus dem Angelsächsischen, die im technischen und taktischen Bw-Deutsch unpräzise oder irreführend sind und leider ebenso oberflächlich in Presse und selbst im Parlament aufgegriffen werden.
    KLEINWAFFEN
    Als Kleinwaffe (engl. small arms) werden Waffen bezeichnet, die von einer Person getragen und bedient werden können. Der Begriff entstand in den letzten Jahren aus der schlechten wortwörtlichen Übersetzung des Begriffs small arms (dt. leichte Waffen).
    Dazu zählen
    – Handwaffen wie Faustfeuerwaffen (Pistole/Revolver) oder
    – Langwaffen (Gewehr, Karabiner, Sturmgewehr, Maschinenpistole, Schrotflinte, leichte Maschinengewehre), daneben aber auch militärisch genutzte
    – Sprengmittel wie Handgranaten oder Minen. [Alles nach Wikipedia]
    Wenn künftig mithin „leichte Waffen“ als kennzeichnender Begriff Verwendung fände, wäre die Irreführung, um nicht zu sagen Verdummung, von Öffentlichkeit und Medien eingegrenzt.

    Ausdrücklich, PANZERABWEHRWAFFEN sind keine Kleinwaffen. Gerade an diesem Begriff erläutert sich leicht Ungenauigkeit und das Gefährliche am „Kleinwaffen-Begriff“. Für Fachpersonal hier bei AG nicht, aber beim tagtäglichen „newskonsomenten“ verbindet sich damit unbewusst ein Demunitiv, verkleinernd, verniedlichend, verharmlosend.
    Die „Waffenlehre für die Bundeswehr“ nach Heinz Dathan kennt den Begriff überhaupt nicht. Genannt sind ausschließlich Infanteriewaffen, Artilleriewaffen und Flugkörper.
    Selbst Panzerkanonen fallen, vom Ursprung her gefolgert unter Artilleriewaffen, ebenso sind Panzerabwehrwaffen, weil letztlich rückstoßfreie Geschütze, such nur Artilleriewaffen. Beides verwundert im landläufigen Sprachgebrauch, weil ungewohnt, der Unkenntnis geschuldet.

    Kurz zu den eingangs und von mir genannten
    „PANZERABWEHRWAFFEN“
    Eine RPG-7 mit effektiver Reichweite von 350 m gegen stehende Ziele fällt unter diesen „OBERBEGRIFF“, ebenso die TOW (hier bei AG oft er besprochen) mit aber 4.000m.
    Die RPG ist jedoch eine Panzerabwehrhandwaffe (PzAbwHdWa) die TOW, wie auch die HOT oder die MILAN ein Panzerabwehrlenkflugkörper (PzAbwLFK). Genannte Leistungangaben sind geeignet, taktische Leistungsfähigkeit und damit militärische Eignung der jeweiligen Waffe zu verdeutlichen. Die bloße Verwendung des Oberbegriff ist also ungenau und verharmlosend, denn wenn der BSR der Ausfuhr von PANZERABWEHRWAFFEN zustimmt, können dies auch MILAN etc sein. (Und wer liest schon wesentlich über die Schlagzeile hinaus).
    Zur PzAbwHdWa RGW 90, mit ihr können Kampf- oder Schützenpanzer und in der Zweitrolle Bunker, befestigte Unterstände oder Gebäudeinfrastruktur bekämpft werden und zwar bis 500 m. http://www.dn-defence.com/rgw-90-hh.html
    Bin gespannt, wie sich S. Gabriel als Vorkämpfer der Exportbegrenzung äußern wird, sofern ihm die Fragen zum subsidiären Flüchtlingsnachzug nicht die Luft nehmen.

  • Alarich   |   09. November 2015 - 16:46

    Warum nicht warum dürfen wir das Geschäft nicht machen und die andere lachen uns aus Verkaufens
    Daimler darf nach Algerien verkaufen aber zu uns bringen die nicht mal die rechtzeitige Lieferung von Grennliner hin

  • SvD   |   09. November 2015 - 17:29

    Wenn ich mich recht erinnere gab es von DND früher noch so etwas wie eine Preisliste auf der Webseite, hoch professionell als Word Dokument. Ein bisschen was zu den erwarteten Produktionsvolumina stand da glaube ich auch noch drin.
    Und heute ist das alles geheim, na denn.

    Das sich nun in der Auflistung vieles findet was nicht mehr sein soll ist allerdings… seltsam?! Einige der Lieferungen sind auch von der Wertschöpfung her so überschaubar, das man sich fragen muss, ob man die nun wirklich genehmigen muss.
    Groß wirtschaftlich kann da eigentlich nichts von abhängen.

    Interessant ist aber auch „die Modernierung einer derzeit nicht seefähigen Fregatte für Nigeria bei den German Naval Yards in Kiel.“

    Das klingt doch ganz nach einer F122, die ihr zweites Leben antritt.

  • T.Wiegold   |   09. November 2015 - 17:35

    @KPK

    Das mit den Handfeuerwaffen müssen Sie der Bundeswehr noch mal erklären.

    (Ich erinnere mich noch gut, wie bei Angriffen auf Patrouillen in Afghanistan von Handfeuerwaffen die Rede war. Auf Nachfrage waren es dann RPG7, und laut offizieller Darstellung waren das auch Handwaffen. Es gibt da wohl auch unter denen, die professionell damit umgehen, etwas unterschiedliche Ansichten.)

  • JCR   |   09. November 2015 - 17:37

    Mal sehen, wie viel davon bei „moderaten“ Gruppierungen landet ;)

  • RüOffz SK   |   09. November 2015 - 17:48

    @T.Wiegold
    Hallo Herr Wiegold,

    vielen Dank fuer Ihre herausragende Arbeit, ich lese immer wieder gerne bei Ihnen mit, der Wahnsinn mit wieviel hingabe und Sachverstand Sie ihrer journalistischen Arbeit nachgehen.
    Mit den Handwaffen ist das eine echte Plage, da sind sich auch die Waffentechniker nie einig, weder was eine Handwaffe ist, noch wie man z.B. bei leicht, mittel und schwer definieren soll.
    Ich halte mich da irgendwo zwischen Bundeswehr und Rheinmetall Taschenbuch.
    Zur RPG-7: ist fuer mich „eindeutig“ (haha) eine Panzerabwehrhandwaffe (PzAbwHaWa).
    Wuerde auch die Schiesslehrerinspektion so sehen. Zumindest steht es in der ATN.

    Beste Gruesse
    Ihr RüOffz

  • Prevent Suicide   |   09. November 2015 - 17:51

    Was sehen wir von unten nach oben? 2x Spielzeug für Erwachsene nach nahöstlich-schowinistischer Wahrnehmung. 1x Oman stattet 800 Mann mit moderner Ausrüstung aus, OK.

    Aber Jordanien? Panzerabwehrwaffen gegen wen? Natürlich kann es nicht sein, dass ein Land derartiger Stabilitätslage Panzerabwehrwaffen erhält und damit irgendwann auf Israelis schießt? Denn Israels Sicherheit ist Staatsrä…..

    STOP! Dynamit Nobel Defence ist eine Tochter der israelischen RAFAL. Herr Gabriel verhindern sie diesen Deal! Aus Nothilfe an einem Regime, das offensichtlich zunehmend Suizidgefährdet ist. Oder sucht JO dringend nach einem Weg, die drohende zukünftige Invasion moderner SY T-90 aufzuhalten, nachdem man die Rebellion ( vermutlich erfolglos) […] hat.

    Was ist erniedrigender ihre Hoheit? Von SY überrollt oder von den eigenen Leuten mit israelischen Waffen erschlagen zu werden. Sie kennen die Launen und die Weltanschauungen der Bevölkerung, und die ist in den letzten Jahren nicht besser geworden. Mit der zunehmenden Überfremdung durch Flüchtlinge aus allen Himmelsrichtungen, bei ständig steigenden Nahrungspreisen, weil SY keine Landwirtschaft sondern Bürgerkrieg betreibt.

    [Ich merke mal nur an, dass das Wechseln des Nicks hier als ziemlich unfein gilt. Kann auch den Grund dafür nicht recht erkennen? T.W.]

  • Perikles   |   09. November 2015 - 18:03

    @SvD: Das ist wohl die Aradu, eine Meko 360 die bei Blohm & Voss gebaut wurde und in der englischen Wiki als momentan nicht einsatzfähig angegeben wird. 33 Jahre nach der Indienststellung dürfte hier mal eine größere Überholung fällig sein, vor allem weil das Schiff wohl seit Jahren in sehr schlechtem Zustand ist.

    Interessant finde ich eher die Überarbeitung von Seefernaufklärer bei Rheinland Air Service. Mir sagt die Firma nichts, laut ihrer Website haben sie aber eigentlich mit Militärflugzeugen nichts am Hut. Kennt sich da jemand aus?

    Was mir bei vielen Exportberichten auffällt, sind die geringen Mengen die einzelne Staaten kaufen: Was machen die VAE mit 14 Sturmgewehren oder Malaysia mit 10 MGs? Sind das Waffen für Spezialeinheiten oder warum die geringen Stückzahlen? Bei den ganzen Maschinenpistolen tippe ich einfach mal auf MP5 für Polizeieinheiten, aber die militärischen Waffen ergeben für mich wenig Sinn.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   09. November 2015 - 18:15

    @T.W.
    Das lass ich sein, interessiert nicht wirklich, würde lediglich als Korinthen … belächelt werden. Habe da so meine Erfahrungen gemacht. Das Geschäft sprachlicher Klarheit ist ein schwieriges, langwieriges.
    RPG-7 ist wieder ein treffendes Beispiel, denn: Kaliber Rohr 40 mm, Kaliber Granate 85 mm, versus Definition für Handfeuerwaffe ist die Bezeichnung für eine von einer einzelnen Person tragbare und ohne weitere Personen sowie zusätzliche Hilfsmittel, wie z. B. Lafetten, einsetzbare Feuerwaffe mit einem allgemein unter 20 mm liegenden Kaliber. Sagt doch alles, oder.
    Die Oberflächlichkeit hat inzwischen dermaßen Platz gegriffen dass, zumindest ich, bei offiziellen Verlautbarungen aus dem BMVg, äußerst vorsichtig und hellhörig werde. Wenn, wie im Sommer ein Sprecher im Luftwaffenrock sich zum G-36 äußert, ist mir klar, da kommt wenig Gutes bei rüber. Man stelle sich umgekehrt vor, der Sprecher des Heeres, weil er zufällig „dran/verfügbar“ ist, nimmt zu irgendeinem fliegerischen Thema Stellung.

  • JCR   |   09. November 2015 - 18:58

    Die Aradu…
    Als die gebaut wurde war Klabautermann noch kein Stabsoffizier….
    ;)

    Die Pakistaner haben da eine ziemlich bunte Flotte.
    Sowohl P-3 wie immer noch Atlantic, aber auch Fokker F27 und ATR-72 beide anscheinend auch als MPA einsetzbar.

  • Hans Schommer   |   09. November 2015 - 19:26

    Klaus-Peter Kaikowsky | 09. November 2015 – 18:15:
    “ … Wenn, wie im Sommer ein Sprecher im Luftwaffenrock sich zum G-36 äußert, ist mir klar, da kommt wenig Gutes bei rüber. Man stelle sich umgekehrt vor, der Sprecher des Heeres, weil er zufällig „dran/verfügbar“ ist, nimmt zu irgendeinem fliegerischen Thema Stellung.“
    Vor einem solchen Urteil sollte man aber genau hinsehen und auf die Kragenspiegel achten. Gleich vorweg – ich hab den Beitrag nicht vor Augen. Aber wenn es ein Generalstabsoffizier war, ist Ihr Einwand, werter KPK, zu verwerfen.

  • SvD   |   09. November 2015 - 19:46

    @Perikles

    Ja, öhm, kann schon sein.
    Ist mir schleierhaft wie ich die Fregatte übersehen hab, ist ja immerhin das Flaggschiff.

    Dann wird die wohl zur Wiederbelebung nach Kiel geschleppt.

    Das mit RAS ist mir allerdings auch aufgefallen.

    Zur Rheinland Air Service GmbH gibt es was bei RP-Online (Rheinische Post) vom 13. August 2013 ein bisschen zu lesen. Das war auch das einzige was ich auf die schnelle finden konnte.

    Ziviler Betrieb, existiert seit min 27 Jahren, hatte früher selbst eine kleine Fluggesellschaft.
    Größtes Flugzeug das gewartet werden kann ist nach Stand 13. August 2013 eine ATR-72.

    Was die nun mit Seeaufklärern und deren Modifikationen zu tun haben weiß ich auch nicht. Vielleicht kommt dieses Know How ja von Ex Luftwaffenpersonal?

  • JCR   |   09. November 2015 - 20:13

    Wie gesagt, die Pakistaner setzen ATR-72 als Seeaufklärer ein.
    Um die geht es wohl

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   09. November 2015 - 20:20

    @Hans Schommer
    Herr Schommer, danke für den Hinweis und die von Ihnen doch wohl unterstellte Qualifikation des Generalisten, der ich zustimmte.
    Andererseits erkenne ich immer noch die Genst-Spiegel vor dem Hintergrund von Lw-Blau.
    Bin dennoch erneut in mich gegangen: war Lw+Genst.
    Andererseits sind das wirklich lediglich Äußerlichkeiten. Besorgnis erregender scheint die Beliebigkeit der Aussagen in BPK, wie sie bei ‚Schutzzonen in Afghanistan“ zurecht beklagt werden. Da sitzen Erwachsene ab A-16 aufwärts und geben derart DÜNNES von sich.
    Hättest Du geschwiegen …!

  • Andreas Poggendorf   |   09. November 2015 - 21:26

    Wenn man Waffen liefert, mischt man sich ein, wird Partei. Warum kommuniziert unsere Bundesregierung nicht mal ein Konzept, was genau sie mit welchen Waffenlieferungen bezwecken will? Bei den irakischen Kurden hat man das mal ansatzweise getan mit dem Ergebnis, dass die Waffenexporte an Kurden in unserer Bevölkerung weitgehend akzeptiert sind. Warum macht man das bei anderen Waffenexporten nicht auch so? Waffenexporte, die unseren außen- und sicherheitspolitischen Interessen dienen, kann man gut erklären. Darüber hinaus sollte man dieses gefährliche Zeug eh nicht exportieren. Luxusautos und Diamantenschmuck kann man gern jedem Diktator verkaufen, um damit Geld zu machen. Bei Waffen sollte man dann doch etwas differenzierter vorgehen, sonst werden unsere Soldaten bald mit von uns gelieferten Waffen beschossen …

  • Hans Schommer   |   09. November 2015 - 21:37

    @ Andreas Poggendorf | 09. November 2015 – 21:26:
    „Wenn man Waffen liefert, mischt man sich ein, wird Partei. …“
    So einfach läuft das nicht, werter Poggendorf. Denn da ist zu unterscheiden, ob Waffenexporte „genehmigt werden“ oder „angeordnet werden“. Ersteres erfolgt auf Antrag der Händler und Hersteller, letzteres auf Entscheid der Regierung. Und danach erst kommen Sie.

  • Andreas Poggendorf   |   09. November 2015 - 23:20

    @ Hans Schommer | 09. November 2015 – 21:37

    Sehe ich anders. Schon wenn Waffenexporte „nur“ genehmigt werden, mischt man sich als Nation ein. Waffenlieferungen verändern das Gefüge im Zielgebiet. Darum besteht ja eine Genehmigungspflicht. Muss vielleicht mal wieder ins Bewusstsein gerufen werden, dass Waffen ein anderes Produkt sind, als Sektgläser. Es ist durchaus sinnvoll, Waffen zu exportieren. Nur eben nicht an jeden. Und mit Verstand.

  • Stubenviech   |   10. November 2015 - 10:01

    Moin, vielleicht geben die Jordanier die RGW90 ja auch weiter… Etwa an jemanden der den IS bekaempft. Ich halte es fuer moeglich, dass die Waffe durchaus einen Unterschied machen koennte. Ein wesentlicher Vorteil ist, dass im Gegensatz zu anderen Handfeuerwaffen, der gefaehrliche Teil bei der Benutzung verschwindet, eine Weitergabe also weitgehend ausgeschlossen ist.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   10. November 2015 - 10:13

    @Stubenviech
    Möglich, sofern keine Endverbleibsklausel im Vertrag enthalten ist, von der ich unterstelle, dass sich Jordanien an Verträge hielte.
    Nebenbei gilt, auch die RGW-90 ist KEINE Handfeuerwaffe, wie gestern lang und „schmutzig“ erörtert, es sei denn, anerkannte Definitionen werden nach Gusto interpretiert.
    Treffer wäre, Panzerabwehrhandwaffe!

  • Samir Awwad   |   10. November 2015 - 11:02

    Diese Panzerabwehrhandwaffen bekämpfen ausschließlich Fahrzeuge? Oder gibt es da verschiedene Gefechtsköpfe?

  • Perikles   |   10. November 2015 - 13:00

    @Samir Awwad:

    Grundsätzlich kann man damit auch Löcher in Hauswände machen, es kommt aber auf das Model an. Für Häuserkampf gibt es spezielle Versionen, die Bundeswehr hat eine davon für den ISAF-Einsatz beschafft um gegen dicke Lehmmauern vorgehen zu können, was mit den vorherigen Panzerabwehrhandwaffen wohl nicht ideal leistbar war. Was die Jordanier genau bekommen ist aus den vorliegenen Informationen nicht klar.

    Sie können sich mal auf der von Herrn Wiegold verlinkten Website die Herstellerangaben anschauen, ansonsten finde ich den Wikiartikel sehr gelungen: https://de.wikipedia.org/wiki/MATADOR

    Auf dem Youtube-Kanal der Bw gibts auch ein ganz nettes Video: https://www.youtube.com/watch?v=4zg9Z_WEhcM Das könnte allerdings auch ein Werbefilm sein :D

  • Stubenviech   |   10. November 2015 - 13:07

    Moin

    @KPK: Treffer fuer Sie, Panzerabwehrhandwaffe
    @Samir Awwad: Die RGW 90 hat eine Vielzahl von Gefechtskoepfen, welche u.A. extra fuer die Bekaempfung von Struktur ausgelegt sind. Des weiteren ist die Reichweite der Waffe erheblich, die Bedienung ist einfach und die Rueckstrahlzone ist kein Problem mehr. Daher meine ich, dass die Waffe durchaus einen Unterschied machen koennte. Nicht ganz so extrem wie die Stinger in Afghanistan gegen die Sowjets, aber doch erheblich. Hinzu kommt wie gesagt, dass wenn man den Nachschub einstellt, sich das Problem der Weitergabe nicht in der Groessenordnung wie bei jahrelang haltbaren Handfeuerwaffen (?), wie etwa Sturmgewehren stellt.

    Vielleicht finden sich ja noch Quellen, die die Waffe an die Kurden liefert.

    https://de.wikipedia.org/wiki/RGW_90

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   10. November 2015 - 13:38

    @Samir Awwad
    http://www.dn-defence.com/rgw-90-hh.html, Näheres zur Aufgabe, auch gegen Infrastruktur für die RGW-90.
    Ansonsten Google: Panzerfaust-3, Bunkerfaust, z. B.: https://www.google.de/search?q=bunkerfaust+bundeswehr&oq=Bunkertfaust&aqs=chrome.3.69i57j0l3.7516j0j4&sourceid=chrome-mobile&ie=UTF-8
    Kurz:
    – Der Gefechtskopf kann je nach Ziel gewechselt werden und muss unterschiedlichen Anforderungen genügen
    – eine Reaktivpanzerung erfordert andere Leistungsdaten als z.B. ein Bunker
    – Fahrzeuge schon, aber natürlich gepanzerte Fz, deutlicher noch: Kampfpanzer (KPz) und Schützenpanzer (SPz), denn ein Lkw ist kein „lohnendes Ziel“ als Fz für eine PzAbwHdWa. Das wäre einerseits Munitionsverschwendung (logistisch bewertet), andererseits taktisch die falsche Entscheidung, da für Lkw auch Handfeuerwaffen genügen können.

  • Stubenviech   |   10. November 2015 - 16:24

    @KPK: Kurz, ein „One size fits all“. Der Einzelschuetze bekommt so noch nie dagewesen Feuerkraft. Einsatzbewaehrt und auch von den Israelis genutzt.

  • AoR   |   11. November 2015 - 0:07

    Die jordanischen Streitkräfte verfügen über Panzerabwehrhandwaffen vom Typ Javelin Block 1. Man darf also davon ausgehen, dass im Zuge der zunehmenden Instabilität, gewisse „Türöffner“ in Erwägung gezogen werden.

    Die Kurden, so denke ich, könnten die Waffe auch offiziell bestellen.

  • Stubenviech   |   11. November 2015 - 16:42

    @AoR: Und wir sollten diese Bestellung dann wohlwollend pruefen, ggf. mit Mitteln (AA, Kanzleramt) unterstuetzen und zuegig liefern. Tueroeffner ja nur eine Option unter vielen…
    P.S.: Ich bin mit dem Hersteller weder verwandt noch verschwaegert.

  • Stubenviech   |   11. November 2015 - 16:54

    @AoR: Davon abgesehen sollte Deutschland/die EU alles tun um Jordanien als einzig stabiles Land der Region (ausser Israel) zu stuetzen. Dies waeren sicherlich gut angelegte Mittel.

  • AoR   |   11. November 2015 - 17:57

    @Stubenviech: Welchen Kunden meinen Sie? Zweiter bräuchte erstmal neue Stiefel, Klamotten und Medpacs, also her mit den Restbeständen :)

    Und Jordanien, klar die Sicherheit Israels ist Staatsräson, also los geht’s Palästinenser klein halten per Nachfahren des Propheten Mohammed!

    Let’s make a mockery of Islam, yepey… / SCNR

    Mann, Mann, Mann Stubenviech… Kaum sind Gaddafi, Ben Ali, Mubarak und Maliki Geschichte, geht das Diktatorenlancieren wieder los. Die haben dann intelligence auf 30% der Bevölkerung und der Rest flieht oder geht schlimmstenfalls zum sog. IS, den AlQis, [fill the gap], … weil lieber Tot als so Leben und erschießt mal so als Polizeioffizier n paar Leute auf der Base. Also in etwa so wie vorgestern.

    P.S: Jordanien zahlt so oder so mit unserem Geld ;)

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   11. November 2015 - 17:59

    Die Javelin ist keine Panzerabwehrhandwaffe, sondern ein PzAbwLFK. Mit Reichweite 2.5000 m, mit fire-and-forget/top-attack/und direct-attack-Fähigkeit gegen Gebäude/Bunker ist sie mit der hier bisher in Rede stehenden RGW-90 und Reichweite 500m nicht zu vergleichen.
    Beide Systeme fallen unter den Oberbegriff PANZERABWEHRWAFFE.
    Der taktische Einsatz und damit Zweck und Verwendung sind wegen der unterschiedlichen Reichweiten differenziert zu betrachten.
    Eine PzAbwHdWa ist die klassische Waffe in der Inf/PzGrenGrp im abgesessenen Einsatz. Ein PzAbwLFK hingegen ist zum einen die Waffe der Inf/PzGrenTr auf ZgEbene in mittlerer Kampfentfernung, in eingen Staaten auch als PzJg verwendet, zugweise zusammengefasst aber auch bei Inf und PzGren, z.B. bei den U.S-Marines.
    Für Jordanien stellt RGW-90 eine sinnvolle Ergänzung in naher Kampfentfernung unterhalb der Reichweite der Javelin für die Gruppenebene dar.
    Kurden setzen auf PzFst-3/Bunkerfaust und MILAN-2 und sollten gut beraten sein, sich nicht auf ein drittes System zu stürzen, um log Überforderung auszuschließen.

  • Hans Schommer   |   11. November 2015 - 18:17

    Klaus-Peter Kaikowsky | 11. November 2015 – 17:59:
    “ … Eine PzAbwHdWa ist die klassische Waffe in der Inf/PzGrenGrp im abgesessenen Einsatz. …“
    Würde ich noch auf die vielleicht ein wenig in Vergessenheit geratene „Panzerabwehr aller Truppen“ erweitern wollen. Ursprünglich für die Väter der Bw eine Lehre aus dem Weltkrieg. Bei uns (HFla) hatten sogar die Funktrupps ’ne Panzerfaust.

  • Samir Awwad   |   11. November 2015 - 18:34

    Klaus-Peter Kaikowsky | 11. November 2015 – 17:59

    Klar, alles was über 2-3 Kilometer geht wäre vernünftigerweise ein Fall für die LuWa der alliierten Kräfte. Die Kurden agieren gerne mit aufgeschüttetem Sand/Erde als Verteidigungslinie und erwarten diese Raid-Ähnlichen Angriffe der Terrormilizen mit Pickups und erbeuteten Humvees.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   11. November 2015 - 19:42

    @Hans Schommer
    Ja, richtig, natürlich. Wollte aber nicht alles benennen. Meine KpFüGrp – im PzBtl – hatte natürlich auch eine. Zumindest die lePzFst im kal-44. Mir kam es darauf an, den Unterschied PzAbwLFK/PzAbwHdWa herauszuarbeiten. War wohl zu unpräzise. Schade, denn habe in meiner späteren 1./- viel Wert auf Ausb von PzAbwTrp im Sinn von PzAbwaTr gelegt.

    @Samir Awwad
    Nicht zwingend Luftwaffe. Dazu bedarf es ausgeklügelter Kenntnisse und Fähigkeiten in den Bereichen CAS, JFST, FAC/JTAC und des Zusammenwirkens Lu/Bo. Das zu erläutern, geht hier nicht. Etwas Google hilft vielleicht. Nur so viel, einen FAC ‚combat ready‘ auf den Hof zu stellen, kostet nach NATO-procedures etwa 12 Monate.
    Sind da Dillettanten bei Kurden am Boden im Einsatz, gibt es unbeabsichtigt „Feuer auf eigene Stellung“. Im übrigen lässt sich kein NATO fighter pilot (darf auch gar nicht) darauf ein.