Untersuchung bestätigt: MH 17 von Rakete abgeschossen, Luftraum (fahrlässig?) nicht gesperrt

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Mehr als ein Jahr nach dem Abschuss einer Zivilmaschine über dem umkämpften Osten der Ukraine, bei dem 298 Menschen starben, haben niederländische Experten jetzt offiziell bestätigt, dass das Flugzeug von einer Flugabwehrrakete getroffen wurde. Der niederländische Onderzoeksrat, ein Verkehrssicherheitsgremium, legte am (heutigen) Dienstag seinen Abschlussbericht zum tödlichen Ende des Malaysia Airlines-Flugs MH17 von Amsterdam nach Kuala Lumpur vor. Die Experten vermeiden darin jede Schuldzuweisung oder Aussagen über die Verantwortung für den Abschuss der Maschine. Allerdings verweisen sie darauf, dass die Ukraine den Luftraum über dem Kampfgebiet nicht gesperrt habe, obwohl bereits in den Tagen vor dem MH17-Abschuss die Treffer an ukrainischen Militärmaschinen belegt hätten, dass in dieser Gegend Flugabwehrsysteme installiert waren.

Mit der Aussage, dass der Gefechtskopf einer Rakete die Ursache des Absturzes war, wiedersprachen die Niederländer endgültig den zeitweise – vor allem von Russland – geäußerten Angaben, ein Kampfflugzeug, möglicherweise eine Su-25 der Ukraine, habe die Boeing 777-200 abgeschossen. Aus dem in englischer Fassung veröffentlichten Bericht:

The in-flight disintegration of the aeroplane near the Ukrainian/Russian border was the result of the detonation of a warhead.

The detonation occurred above the left hand side of the cockpit. The weapon used was a 9N314M-model warhead carried on the 9M38-series of missiles, as installed on the Buk surface-to-air missile system. Other scenarios that could have led to the disintegration of the aeroplane were considered, analysed and excluded based on the evidence available.

Der Bericht bestätigt damit Vermutungen, die bereits unmittelbar nach dem Abschuss kursierten: Ein Buk-Flugabwehrsystem aus sowjetischer Entwicklung und Produktion habe den Absturz verursacht. Allerdings bleibt damit offiziell weiterhin offen, unter wessen Kontrolle das Raketensystem stand und wer die tödliche Rakete auf das Flugzeug abfeuerte. Aus offenen Quellen waren nach Juli 2014 Fotos eines solchen Systems im Separatistengebiet in der Ostukraine aufgetaucht. Auch hatten sich die Separatisten bereits vor dem Abschuss von MH17 gerühmt, von Russland ein Buk-Flugabwehrsystem erhalten zu haben.

Der niederländische Bericht verweist auf Fehler im System des Luftraummanagements über Kriegs- und Konfliktgebieten. So sei Malaysia Airlines – wie auch andere zivile Fluglinien – davon ausgegangen, dass der Luftraum über der Ostukraine oberhalb einer von den ukrainischen Behörden gesperrten Flughöhe sicher sei. Nach Ansicht der Experten hätte aber die Ukraine den kompletten Luftraum sperren müssen. Aber auch andere Länder, die sich politisch um eine Beilegung des Konflikts bemühten, und ihre mit Aufklärung befassten Behörden hätten nur militärische Aktivitäten sowie die geopolitischen Auswirkungen der Kämpfe im Auge gehabt und nicht auf die Flugsicherheit geachtet:

On 14 July, the Ukrainian authorities reported that a military aeroplane, an Antonov An-26, had been shot down above the eastern part of Ukraine. On 17 July, the authorities announced that a Sukhoi Su-25 had been shot down over the area on 16 July. According
to the authorities, both aircraft were shot down at an altitude that could only have been reached by powerful weapon systems. The weapon systems cited by the authorities, a medium-range surface-to-air missile or an air-to-air missile, could reach the cruising
altitude of civil aeroplanes. Consequently they pose a threat to civil aviation.
Although (Western) intelligence services, politicians and diplomats established the intensification of fighting in the eastern part of Ukraine, on the ground as well as in the air, it was not recognised that as a result there was an increased risk to civil aeroplanes flying over the conflict zone at cruising altitude. The focus was mainly on military activities, and the geopolitical consequences of the conflict. (…)
The Ukrainian authorities did not consider closing the airspace over the eastern part of Ukraine to civil aviation completely. The statements made by the Ukrainian authorities on 14 and 17 July 2014, related to the military aeroplanes being shot down, mentioned the use of weapon systems that can reach the cruising altitude of civil aeroplanes. In the judgment of the Dutch Safety Board, these statements provided sufficient reason for closing the airspace over the conflict zone as a precaution.

Das ist ein Vorwurf natürlich auch an Deutschland, dass sich zwar politisch um eine Beilegung des Konflikts bemühte, aber offensichtlich keinen Grund sah, deutsche Fluglinien vor dem Überfliegen der Ostukraine zu warnen.

Das niederländische Sicherheitsgremium veröffentlichte mit seinem Bericht eine Reihe von Empfehlungen an die zivile Luftfahrtorganisation ICAO wie auch an Fluglinien und an andere Nationen. So könnten die Fluglinien nicht automatisch vermuten, dass ein nicht gesperrter Luftraum über einem Konfliktgebiet auch sicher sei – eine entsprechende Pflicht zur Risikoabschätzung fehle bislang in den Vorschriften. Darüber hinaus sollten Staaten und Fluglinien mehr als bisher Informationen über solche problematischen Regionen austauschen.

Die entscheidende Frage bleibt damit natürlich weiter offen: Wer schoss MH17 ab und trägt damit die Verantwortung für den Tod von 298 Menschen?

Bereits vor Veröffentlichung des niederländischen Berichts hatte der Hersteller des Raketensystems, die russische Firma Almaz-Antey, ebenfalls am heutigen Dienstag die Ergebnisse eigener Untersuchungen vorgestellt. Darin kommt das Unternehmen zu dem Ergebnis, der Abschuss könne nur Folge des Abschusses mit einer älteren Buk-Version sein, die von der ukrainischen Regierung betrieben wurde. Auch ehemalige russische Militärs stützen diese Version:

The modification and type of the Buk missile, as well as the position of the Buk missile system that brought down the Malaysian Flight MH17 Boeing in 2014, suggest that the Ukrainian Armed Forces might have downed the airliner, Alexander Luzan, a former deputy chief of the Russian army air defense, said on Tuesday.
„The 9M38, 9M38M, 9M38M1 missiles are former modifications of the Buk system missiles, but they all have the same warhead. They are not in service with the Russian Armed Forces, but Ukraine has them. And we have been for the past 15 years using missiles of another type — 9M317,“ Luzan said.

Die Niederländer haben ihre Ergebnisse in einem animierten Video zusammengefasst:


(Direktlink: https://youtu.be/KDiLEyT9spI)

Nachtrag: In dem 280-Seiten-Papier stecken natürlich noch jede Menge Details, die in den nächsten Tagen sicherlich noch genauer betrachtet werden. Wie zum Beispiel der Hinweis auf Seite 42, dass die russische Flugüberwachung keine Radardaten des Fluges herausgab – mit der Aussage, sie sei nach nationalen Vorschriften nicht zur Speicherung verpflichtet, wenn es sich um den Flugweg außerhalb der Russischen Föderation handele. Allerdings, merken die niederländischen Ermittler an, hätte Rusland über diese Abweichung der nationalen Regeln von den internationalen Vorschriften die ICAO informieren müssen. Was offensichtlich nie geschah.

(Foto: Rekonstruktion der abgeschossenen Maschine – Edo Tams/BLNDR via Onderzoeksrat)

32 Gedanken zu „Untersuchung bestätigt: MH 17 von Rakete abgeschossen, Luftraum (fahrlässig?) nicht gesperrt

  1. @ T.W.

    Ein Buk-Flugabwehrsystem aus sowjetischer Entwicklung und Projektion habe den Absturz verursacht.

    War hier evtl. nicht eher „Produktion“ gemeint? ;-)

  2. Na gut, das wusste man vorher alles bereits. Frage war: wer ist verantwortlich.
    Antwort: Offizielles Schweigen.
    Damit ist nur den Buerokraten genuege getan.

  3. MikeMolto | 13. Oktober 2015 – 16:03
    „Buerokraten“? Das verstehe ich in diesem Zusammenhang nicht.

  4. Bürokraten? Bißchen arg dünn. Das Problem ist doch, dass, selbst wenn auf der Titelseite der Studie die Wahrheit zu lesen wäre: „Die Russen waren es“ – dann hätte es für Putler keine Konsequenzen, da man ihn in Syrien braucht, auch wenn es in Deutschland ausgerechnet nur Herr Drehhofer sagt.

  5. Die Untersuchung hatte nie das Ziel herauszufinden wer die Rakete abgefeuert hatte – und das war auch die ganze Zeit klar.

    Es wird wohl auch keine unabhängige Untersuchung dazu geben, oder?

  6. Sorry fuer den short-title.
    Unter ‚Buerokraten‘ subsummierte ich die internationalen Gremien, welche genau nach Vorschrift und ameisenfleissig die Ursache ermittelt hatten, welche von kundigen Erstermittlern on scene bereits vor einem Jahr erkannt war.

  7. @Robert – 13. Oktober 2015 – 16:17

    Die Untersuchung hatte nie das Ziel herauszufinden wer die Rakete abgefeuert hatte – und das war auch die ganze Zeit klar.

    Es wird wohl auch keine unabhängige Untersuchung dazu geben, oder?

    Doch. Das Joint Investigation Team legt seinen Bericht vermutlich um den Jahreswechsel vor.

  8. Schade, dass dieser Bericht natürlich sofort wieder aus ganz bestimmten Interessens-Perspektiven zerfleddert wird. Der Bericht ist imho sehr ausgewogen und sehr zielgerichtet auf ganzheitliche Frage der umfänglichen Verantwortlichkeiten in Sachen der internationalen zivilen Luftfahrt-Sicherheit fokusiert. Und selbst wenn der Bericht nun den „Schützen“ der BUK benennen würde, ändert dies nichts an den im Bericht klar benannten Versäumnissen staatlicherseits in Sachen air safety over a conflict zone. Und da muß man ganz klar auf die im Bericht (besser noch im Video dargestellte) „scheibchenweise“ Höhenbegrenzung des Flugverbotes für zivilen Verkehr über der gesamten Ukraine seitens Kiew hinweisen, wohl in erster Linie deswegen (wie im Video sehr schön illustriert) um den eigenen militärischen Flugoperationsraum zu erweitern. Meiner Meinung nach hat damit Kiew militärisch-operativ-taktische Überlegungen ganz eindeutig über die internationalen air-safety-standards gestellt. Kiew wußte auch, dass es nicht nur in Rußland sondern auch in der Ukraine BUK-Syteme gibt und von daher war – angesichts der ganzen „Auflösungserscheinungen“ in der ukrainischen Armee und angesichts des verdeckten „Sponsoring“ der Separatisten seitens Rußlands- nicht auszuschließen, dass früher oder später ein BUK-System in „die falschen Hände“ kommen könnte, insbesondere dann nicht, wenn man den Höhenbereich für militärische Einsätze pauschal erhöht und so unterterhalb des weiterhin nicht „kanalisierten“ internationalen zivilen Luftverkehrs militärische Einsätze fliegt. Die Verantwortung für diese Vorgehensweise kann die Ukraine nicht abstreiten, auch dann nicht wenn der „Schuldige“ für den Abschuß in den russisch-separatistischen Strukturen zu vermuten ist, was allerdings immer noch nicht „gerichtsverwertbar“ bewiesen ist.

  9. @klabautermann: Schon zynisch, dass Sie Kiew hier eine Mitverantwortung für den Abschuss unterstellen. Ihr Zitat landet sicher bald by Russia Today.

  10. @LTC007

    Die Mit-Verantwortung unterstelle ich nicht: Sie können sie im Bericht nachlesen.

  11. Wenn die internationale Untersuchungskommission 14 Monaten zu zweifelsfreien Klärung der Abschuss Ursache benötigt, wird das die Ukraine ja wohl innerhalb von 12 Stunden schaffen.

    Ich glaube sogar, dass es länger gedauert hat zu realisieren, dass sich die Ukraine nun zweifelsfrei mit den Russen angelegt hat, denn dieses Waffensystem wurde nicht von ein Paar Rebellen bedient……..

  12. Der NLD „Onderzoeksraad voor Veiligheid“ [Untersuchungskommission für (Luft)sicherheit] stellt zu MH 17 fest:
    – die Ukraine hatte ausreichend Anlass den Luftraum zu schließen
    – die mit den Kämpfen einhergehenden Risikos wurden nicht (international) kommuniziert
    – niemand hat über Bedrohung der Zivilluftfahrt nachgedacht
    – weder die NLD Regierung noch der Nachrichtendienst hatten Informationen zu konkreten Bedrohungen von Zivilflugzeugen.
    Warnungen vorab:
    – drei Tage vor dem crash wurde ein UKR Transportflieger in sechs Km Höhe abgeschossen
    – General Breedlove [U.S. European Command and NATO Allied Command Operations as the Supreme Allied Commander Europe] hatte zuvor vor Luftabwehrgeschützen im Separatistengebiet gewarnt
    – gem „Chicago Convention“ ist jede Nation für Sicherheit im eigenen Luftraum und die Information dazu selbst verantwortlich
    – die Ukraine hat das nicht gemacht, obwohl es hinreichend Anlass dazu gab.
    http://www.nu.nl/vliegramp-oekraine/4144268/oekraine-had-voldoende-aanleiding-luchtruim-mh17-sluiten.html

  13. Provokative These:

    In 20 Jahren leaken dann Berichte, dass die Rakete von einem ukainischem BUK, gesteuert von amerikanisch gesponsorten bzw. beeinflussten Söldnern, am Rande des Separatistengebiets abgeschossen wurde. Somit wurde das Feindbild Russland in Europa und der NATO wieder verstärkt, die amerikanische War Machine wieder angefeuert und von innenpolitischen Themen abgelenkt.

    Aktuell zielt man mit der potentiellen Gefahr für die baltischen Staaten durch Russland sowie den Stellvertreterkrieg in Syrien ja auch in diese Richtung.

    Sobald das Baltikum von grünen Männchen unterwandert wird, dauert es nicht lange und der Kollektivschlag auf Kaliningrad steht auf der Tagesordnung in Brüssel.

  14. Wenn ich die Kommentare hier so lese, dann ist wahrscheinlich die Ukraine in Russland einmarschiert und nicht umgekehrt. Und wahrscheinlich ist die Ukraine auch dankbar für alle Tips, was ihre hochprofessionellen Streitkräfte wann hätten machen müssen, als sie Russland angegriffen haben, also in einem Kriegszustand. Und deshalb ist auch die Ukraine für die Bedrohung und permanente Verletzung ihres eigenen Luftraums selbst verantwortlich und alles, was damit zusammenhängt. Denn die russische „Selbstverteidigung“ inkl. Raketeneinsatz, also die „Nutzung“ des ukrainischen Luftraums, ist ja was Natürliches, gelle?

  15. @klabautermmann: Mal wieder 1+ zu Ihrem Kommentar von 16:49 !!!

    Letzendlich ist auch das das Fazit hinter der Spiegel Co-Produktion. Wer sollte die „russisch-speratistischen“ militärischen Potentiale samt Einsatzgrundsätze denn besser gekannt haben, als die Ukraine selber?
    Was war den mit einer kompletten Luftraumsperrung,

    Für die Ukraine gilt: „Also mitgegangen, mitgehangen“

    Fast O.T.: Da lobe ich mir doch die Initiative und Aufgeschlossenheit des ehemalige ehemalige Partisanengenerals Staatspräsident Franjo Tudjman, der nach jahrelangem Hin-und-Her in der Krajina mit der Operation „Blijesak / Blitzschlag“ – auch dank gewisser Herren (*) „tabula rasa“ machte.
    ———————————
    (*) Diese Herren schoben zwar im Gespräch in Masse den Unterkiefer vor und ließen „der Räede ihr’n frei’n Lof“, aber Sie haben aus ihrem abrupten Ende ihrer militärischen Karriere nochmals ehrlich etwas Vernünftige gemacht.
    Prompt und dennoch zufällig bin ich damals während eines „Ausweichsurlaubs“ in Rovinje in diesen Kreis im Kasino in Pula hineingeschliddert, denn mit dem gewohnten Šibenik – nahe Knin und Benkocovac in der Krajina – war schon zuvor mehr als 2,5 Jahre Sendepause, aber es war ein „Deutsches Erlebnis“ (vgl. auch http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9207955.html).

  16. @LTC007
    Ich denke Sie kämpfen hier erbost gegen Gegner, die es gar nicht gibt. Die Zusammenfassung, die klabautermmann zum Thema Luftraum abgegeben hat, ist keinerlei „Entlastung“ für den Täter. Aber es gibt nunmal hoheitliche Aufgaben die für das internationale Zusammenleben extrem bedeutsam sind, und der Schutz des eigenen Luftraums ist eine davon. Wenn man die Aufgabe nicht mehr bewältigen kann, dann hat man das kundzutun. In dem Punkt entlastet der Bericht also die Airlines und belastet die Ukraine, die nunmal hätte eingestehen müssen, dass der Luftraum nicht mehr sicher ist und ihn folgerichtig hätte sperren sollen.
    Das alles mach die Geschichte nicht weniger abstoßend, aber es zu verschweigen, weil das besser in die politische Meinungslandschaft passt, ist nicht zielführend. Man hat in Kiew, entweder aus Überforderung, aus falschen Stolz, aus Propagandagründen oder aus kalkulierender Berechnung heraus, falsch gehandelt. Ich hoffe sehr, dass nicht irgendwann glaubhaft nachgewiesen wird, dass es in purer Berechnung passierte, denn das wäre ein GAU für jede Bemühung die derzeitige russische Politik mittelfristig auf gemäßigten Kurs zu drängen.

  17. Ohne die Ukraine entlasten zu wollen,
    waren die ‚Machthaber‘ und Instanzen in Kiew zu der Zeit nicht gerade mit ‚ueberleben‘ beschaeftigt und konnten sich kaum vorstellen, dass ein naiver Asiat ihr Territorium harmlos- als Nichtkombattant- ueberfliegen wuerde?

  18. @ MM
    Was sie aber nicht daran hinderte, die Hand aufzuhalten und für diesen Flug und andere Flüge Gebühren zu kassieren.

    @drd
    Doch, genau das wird dabei herauskommen. Denn für die Ukraine war es eine win-win-Situation. Fliegen die Airlines, gibt es das dringend benötigte Geld für den korrupten, zerfallenden Pleitestaat. Erfolgt ein Abschuss sind die Russen die Bösen und die westliche Welt wird sich entgültig auf Seiten der Ukraine schlagen und ihnen helfen.
    Hat ja auch geklappt.

  19. Carabas | 13. Oktober 2015 – 22:08

    Danke, mir war als Seemann nicht bekannt, dass man Ueberfluege bezahlen muss.

  20. @ T. Wiegold:

    „obwohl bereits in den Tagen vor dem MH17-Abschuss die Treffer an ukrainischen Militärmaschinen belegt hätten, dass in dieser Gegend Flugabwehrsysteme installiert waren.“

    Der Bericht verweist darauf, daß bis auf die Frachtmaschine alle Luftfahrzeuge in deutlich niedrigerer Höhe von MANPADS getroffen wurden. Der mehrfach in einer Höhe >6000m zitierte Abschuss der Frachtmaschine wird nicht belegt, sondern beruht ausschließlich auf Kiewer Quellen, die dies im Zusammenhang mit einer Pantsir oder AAM genannt hatten (S.183), um so eine russische Beteiligung zu belegen. Allerdings muss man sich fragen, ob die zur Versorgung eingesetzte Frachtmaschine wirklich einen Air drop aus 6000m durchgeführt hat, oder deutlich tiefer unterwegs war. Zumindest spricht zu diesem Zeitpunkt nichts dafür, daß auf ostukrainischer Seite entsprechende Waffen vorhanden waren, zumal dies die gleichen Kiewer Quellen noch nach dem Abschuss der MH17 bestritten.

    „den zeitweise – vor allem von Russland – geäußerten Angaben, ein Kampfflugzeug, möglicherweise eine Su-25 der Ukraine“

    Von russischen Offiziellen ist mir lediglich die PK kurz nach dem Abschuss bekannt, in der sie die Frage aufwerfen, was die Maschine dort verloren hatte. Das auf dem russischen Radar wirklich ein weiteres Primärziel zeitweise sichtbar ist, bestätigt auch der Bericht, vermerkt es aber als Reflexion von Trümmerteilen. Weiterhin gibt es Videomaterial von Anwohnern der Gebiete, die ein Kampfflugzeug bei der Maschine gesehen haben. Das von offizieller Seite ein Flugzeug für den Abschuss verantwortlich gemacht wurde, ist mir jedoch nicht bekannt.
    Allerdings wurde bei der PK ausführlich auf die hohe Aktivität ukrainischer Radarsysteme hingewiesen, während im Bericht (S.38) steht, daß der militärische Radar nicht aktiv war, da keine Militärmaschinen in der Luft waren.

    „Aus offenen Quellen waren nach Juli 2014 Fotos eines solchen Systems im Separatistengebiet in der Ostukraine aufgetaucht.“

    Die Bilder mit der Autohauswerbung im Hintergrund, oder gab es noch Bilder eines anderen Systems?

    „Das ist ein Vorwurf natürlich auch an Deutschland, dass sich zwar politisch um eine Beilegung des Konflikts bemühte, aber offensichtlich keinen Grund sah, deutsche Fluglinien vor dem Überfliegen der Ostukraine zu warnen.“

    Ehrlich gesagt war ich entsetzt, daß nur Wenige dies getan haben. Ich hätte nicht erwartet, daß der Luftraum überhaupt noch genutzt wird.

    „die russische Firma Almaz-Antey, ebenfalls am heutigen Dienstag die Ergebnisse eigener Untersuchungen vorgestellt. “

    Hatten die ihre Ergebnisse nicht schon vor einiger Zeit veröffentlicht? Zumindest, daß sie das Trefferbild nur der alten Version zuordnen können, hatten sie bereits präsentiert.

    „Hinweis auf Seite 42, dass die russische Flugüberwachung keine Radardaten des Fluges herausgab – mit der Aussage, sie sei nach nationalen Vorschriften nicht zur Speicherung verpflichtet“

    Das ist leider nicht wirklich sachlich wiedergegeben.
    Die Russen haben wie die Ukrainer Videoaufzeichnungen der Radarbilder geliefert. Die Russen sogar inklusive Primärradardaten. Das sie nach eigenen Aussagen die Rohdaten nicht gespeichert haben, liest sich anders als die Aussage, daß sie die Daten nicht herausgegeben haben. Zumindest erwähnt der Bericht (S.40), das beide Videoaufzeichnungen identische Daten enthalten. Damit sollte es von begrenztem Nutzen sein, auch die russischen Rohdaten zu haben. Lediglich für die Signale zum Zeitpunkt des Absturzes wären sie wichtig, da das ukrainische Radar keine weiteren Primärziele zeigt.

    S. 43 und die Liste der Anhänge verweisen jedoch auf andere, nicht herausgegebene Daten. Die Kommunikation mit dem Tower liegt weiterhin nur als Abschrift vor, soll aber (S.45) mit den vom Cockpit Voice Recorder aufgezeichneten Gesprächen übereinstimmen. Trotzdem stellt sich die Frage, warum Kiew nicht die Aufzeichnung bereitstellt.

    S. 49 Der ELT wurde gefunden, und das Wrackstück an dem er befestigt war, geborgen. Der ELT jedoch nicht.

    Auf Seite 137 wird auf drei identische Studien verwiesen, dem eine russische Studie widerspricht. Von wem die Studien verfasst wurden, kann ich aber nicht herauslesen.

    Während mehrfach darauf hingewiesen wird, daß die Absturzstelle aus Sicherheitsgründen nicht betreten werden konnte, wird auf Seite 159 landwirtschaftliche Tätigkeit zwischen den Trümmern erwähnt. Weiterhin widersprechen Journalisten, die vor Ort waren dieser Darstellung, obwohl immer wieder von Beschuss der Absturzstelle berichtet wurde.

    An der Absturzstelle wurden (allerdings erst durch die Bergungsmission) Teile gefunden, die einer SAM zugeordnet wurden (S.80/81). Es verwundert mich, daß diese Teile dort lagen. Eigentlich würde ich diese Trümmer an ganz anderer Stelle vermuten.

    Trotz der Ungereimtheiten, sollte die Beschreibung der ausführlichen Tests all jenen den Wind aus den Segeln nehmen, die behauptet haben, die Beweise müssten erst gefälscht werden.

  21. Die Niederländer waren angetreten um die Schuldigen des Abschusses vor ein ordentliches Niederländisches Gericht zu bringen. Davon spricht jetzt keiner mehr, weil von Anfang an nur nach Politischen Vorgaben unter Missachtung jeglicher Strafrechtlichen Grundsätze ermittelt wurde. Jetzt will man ein Politischen PR Tribunal einrichten, was die Russen aber verhindern können und tun.

    Die Farce unter NLD Leitung fing an, als Malaysia lange Zeit von den Ermittlungen ausgeschlossen wurde. Davor soll es schon Weisungen gegeben, dass keine Autopsien in den Heimatländer der Opfer durchgeführt werden dürfen. Ging dann weiter, dass Russland beschuldigt, aber nicht angehört wurde.

    Der Schuldige für das Scheitern der Strafrechtlichen Ermittlungen liegt sicherlich bei den Ukrainischen Euromaidanern und deren US Lobby. Die Ukrainer hatte bei den Ermittlungen Veto Rechte eingesetzt und die US Lobby hat die Ermittlungen PR mäßig gelenkt . Ohne Strafrechtliche Ermittlungen wird man die Ukraine wegen der Nichtsperrung des Luftraums für Finanzielle Schäden haftbar machen.

    Wird aber die Euromaidaner nicht stören, da die dann eh im VIP Exil in den USA, Israel oder in der EU leben werden. Außer Schaum schlagen können die nichts.

  22. Sperrung von Lufträumen oberhalb kritischer Gebiete scheint als selbstverständliche und einfache Forderung daher zu kommen. Aber wurde diesbezüglich aus dem Abschuss der MH 17 gelernt? Letzte Woche flog ich mit einer Verkehrsmaschine über den Süden des Kaspischen Meeres und über den Nord-Iran in westliche Richtung. Vor dem Hintergrund, dass im Kaspischen Meer von Russischen Kriegsschiffen ausgehend mit Marschflugkörpern Syrien bombardiert wird, eine beunruhigende Vorstellung.

  23. @Benedikt, AKlein: Wozu noch das Geschwätz? Ich erinnere nur mal an den Anfang der russischen Lügen mit „die Insasssen waren schon vorher alle tot“ über den angeblichen Angriff per Flugzeug, erst mit Rohrwaffe dann LFK oder die beweiskräftigen „Aussagen eines spanischen Fluglotsen“. Den neueren (zum Teilauch von Ihnen hier nachgekäuten) Erzählungsmüll aus Moskau schenk ich mir und halte fest: Die Summe der russischen Lügen ergibt doch schon das vollständige Geständnis. Ob die Tatbegehung den regulären russischen Truppen (wie sich bei Bellingcat ergibt) oder irregulären russischen Truppen („Separatisten“) zugerechnet wird, ist dabei völlig belanglos. Die Russen sind in jedem Fall voll verantwortlich.

  24. Ist das aber nicht egal, solange niemand den Gegenbeweis zu den dort aufgestellten und sorgsam begründeten Thesen liefert / liefern kann?

    Nur weil derjenige, der blumig versichert, dass 1 plus 1 rechnerisch 2 ergibt, ein Gebrauchtwagenverkäufer ist, ist die Behauptung nicht falsch.

  25. Zum Thema Bellingcat: Mir ist schon bewusst, dass Bellingcat/Elliot Higgins von verschiedenen Seiten sehr unterschiedlich beurteilt wird. Dennoch wird das hier bitte keine Grundsatzdebatte, ob man ihn für vertrauenswürdig/seriös/unseriös/fremdgesteuert etc. hält. Danke.

  26. @Carabas: Kleiner haben Sie es nicht? Wie oben schon gesagt, dieser Teil ist belanglos. Aber wenn man es nötig hat, am falschen Ende Rummel zu veranstalten . . .

  27. Hat ja ne Weile gedauert, und ich hatte gehofft, das vermeiden zu können…. jetzt sind in diesem Thread alle Kommentare auf moderiert. Das bremst zwar den Debattenfluss, zumal ich heute nachmittag unterwegs bin, aber angesichts der sich abzeichnenden Streitigkeiten hatte ich da nicht so viel Auswahl.

  28. @ Zivi
    Sehe ich nicht so und ich bitte den pöbelnden Unterton zu unterlassen. Falls sie hinter jedem anderen Nutzer hier, der eine abweichende Meinung vertritt, einen Russen-Troll vermuten, dann ist diese Diskussion nicht fruchtbr. Für keinem von uns (beiden).

    Unabhängig von der Bewertung über Bellingcat.

    Bei vielen hier lese ich raus, dass sie der einen oder anderen Seite Vorsatz unterstellen. Dann stellt sich die Frage: Wem nützt es? Wobei man diese weiter ausdifferenzieren muss: Wem nützt es, ein Zivilflugzeug abzuschießen? Und da zeigen aus meiner Sicht mehr Finger auf die UKR. Wem nützt es, einem Flugzeug den Zugang zu einem bestimtmen Luftraum zu verwehren? Da kommen mehrere Seiten in BEtracht.

    Aber was ist, wenn es einfach nur Zufall war? Oder eine blöde Verkettung von Umständen? Die Buk kann auch ohne das Hauptradar abgefeuert werden, die Bediener übermüdet oder überfordert gewesen sein. Wenn es also höchstens fahrlässig war? Was dann?

    Es läuft spätestens dann wieder auf die Fluglinie zurück: Was zum Teufel hat die geritten, mit einem Airliner über ein aktives Kriegsgebiet zu fliegen?

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