Drone Watch: Bewaffnete Drohnen, die USA und die Rolle Deutschlands

Predator UAV

In der Sendung Breitband von Deutschlandradio Kultur, ausgestrahlt am (heutigen) Samstag, habe ich über das Thema (Kampf)Drohnen, den US-Drohnenkrieg und den deutschen Plan für die Beschaffung bewaffneter unbemannter Systeme diskutiert. Drohnen: Tötungsmaschinen mit deutscher Hilfe? hieß das Thema; moderiert von Philip Banse waren Constanze Kurz vom CCC (und netzpolitik.org) dabei, der Kollege John Goetz von der ARD und eben ich.

Die US-Einsätze und deren targeted killings standen im Mittelpunkt, aber auch zum Thema Drohnen für die Bundeswehr gab’s eine muntere Debatte (hier im Podcast ab Minute 34:55):

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(Archivbild 2010: The Unmanned Aerial System Predator aircraft ready for take-off on the runway – Cpl Scott Robertson/Crown Copyright/MoD News License)

 

26 Gedanken zu „Drone Watch: Bewaffnete Drohnen, die USA und die Rolle Deutschlands

  1. Ihre Rolle ist wirklich bemitleidenswert. Ständig versucht sie das Hirngespinnst vom bösen namens- und gesichtslosen Tötungsapperat zu entwickeln. Die Bundeswehr warte ja scheinbar nur darauf abseits jeglicher legaler Bindung an das GG oder Völkerrecht irgendwo in der Welt (unschuldige!) Menschen umzubringen.

    Als dann Kunduz zur Sprache kam wollte ich fast in den Laptop schreien…
    …Der ROE-Ausflug war auch unterirdisch.
    …und dann immer diese unsägliche Falschnutzung des Wortes „Anschlag“.

    Der „Luftanschlag“. Da wird mir übel.

    Der Einwurf: Militärlogik = Umsetzung geltenden Rechts. Treffer. Versenkt.

    pi

  2. @T.W.:
    Vielen Dank für ihre engagierten und sachlichen Beiträge.
    Frau Kurze wiederum zeigt an mehreren Stellen, dass es gar nicht um die pösen, pösen Drohnen geht, sondern um die super pöse Militärlogik.

    Es ist eben wie an vielen Stellen: Unter dem Deckmantel des pseudo-Experten stecken ideologische Meinungsmacher.

    Die Unterstellungen bzgl. der Bundeswehr waren da schon sehr bezeichnend.

    Ein Blick in die Realität:
    Trotz all der „Militärlogik“ ist weiterhin keine Beschaffung einer bewaffneten Drohne für die Bundeswehr in Sicht.

    Wann kommt denn nun die Brückenlösung?
    Da gab es dich große Pläne bezüglich Leasing.
    Der Vertrag für Heron läuft ja bald aus.
    Oder wird nochmal verlängert, wegen Verlängerung der RDM-Präsenz im Norden?

    Bei MALE2020 ist man sich weiterhin nicht über die Ziele und Inhalte einig:
    http://www.nationaldefensemagazine.org/archive/2015/November/pages/PlanforEuropeanManufacturedUnmannedAerialVehicleUncertain.aspx

    Angeblich ist eines der Haupthemmnisse die weiterhin unklare Haltung der Deutschen zur Bewaffnung.

  3. @TW:

    Sie müssen eine Engelsgeduld haben. Die Diskussion zeigt aber, was für irrationale Vorstellungen in Teilen der Gesellschaft existieren. Wenn wir das Mantra der Bundeswehr als Armee aus der Mitte der Gesellschaft ernst nehmen, muss man doch zumindest attestieren, dass die Botschaft der Bundeswehr bzw. der Drohnen nicht angekommen ist. Ob das daran liegt, dass die Ministerin bei ihren vielen Bild-Exclusiv Interviews über alles Mögliche spricht, aber selten über Drohnen, oder ob ein Teil der Gesellschaft einfach nicht verstehen will wäre wohl ein eigenes Thema.

  4. @Woody:
    Richtig. Die Ministerin hat es ja auch versäumt beim Thema Drohnen eine echte Debatte über die Anwendung militärischer Gewalt zu führen, stattdessen Gerede von Schutz, Parlamentsbeteiligung und Leasing.

    Bald 1 1/2 Jahre nach der „Entscheidung“ sind wir in der Realität keinen Schritt weiter: http://augengeradeaus.net/2014/07/von-der-leyen-will-kampfdrohnen-leasen/

    Man kann davon ausgehen, dass Heron 1 im Frühjahr 2016 nochmal unbewaffnet verlängert wird (oder will man ab dann etwas bewaffnungsfähiges leasen?). Das sind dann bald 10 Jahre Anfangsausstattung mit Leasing. Allein das ist politisch, militärisch, haushalterisch und wirtschaftlich wirklich mal zu hinterfragen.

    Stattdessen pflegen weite Teile der Medien, der Politik und der selbsternannten Drohnen-Experten weiterhin ihre weltanschaulichen Vorstellungen ohne Realitätsbezug.

  5. Da wir nach dem Weißbuch wieder die Priorität auf Bündnis- Landesverteidigung im herkömmlichen betreiben, werden bewaffnete, verngesteuerte unnd unbemannte Motorsegler eher unbedeutend.

    Robuster CAS auch bei Feindkontakt benötigt wohl eher andere fliegende Plattformen.
    Autonomität (durch Rechner oder Mensch), EP Härtung und schnelle Schwerpunktverlagerung mit Skalierbarkeit wird wohl wichtiger werden.

    Zur Aufklärung kann man selbst in DEU gute Produkte erwerben……wenn man will.
    Auch und Airbus kann seine RPA Frachter auch ohne 15Bw RPA Bauen.
    Es gibt keine tech Hindernisse ab ca. 2020 aber viele Luftfahrtrechtliche.

  6. Allein schon der Titel „Drohnen: Tötungsmaschinen mit deutscher Hilfe?“ ist ja schon ein schlechter Witz. Clickbait vom Feinsten. Und da soll dann der interessierte Zuhörer eine rationale und fundierte Diskussion erwarten?

  7. Ich korrigiere: nicht 10 Jahre Anfangsausstattung, sondern fast 10 Jahre Zwischenlösung.

    Die Anfangsausstattung soll ja noch in diesem Jahr mit einer AWE vorbereitet werden. Aber rein formal kommt man dann erst 2018 in den Haushalt. Also nach der Wahl.

    Wenn man es jedoch politisch befördert, dann geht das vielleicht auch noch mit ner Lieferung in 2017.

    Aber wer hat Interesse dies zu befördern?
    Und dann sogar ein bewaffnungsfähiges System?

  8. Zu Jahresanfang gab es sehr eindeutige Ansagen der Koalitionspolitiker noch dieses Jahr die Beschaffung einzuleiten (Welt.de, SPD fordert Beschaffung neuer Kampfdrohnen).

    Allzuviel Zeit hat die Ministerin da nicht mehr.
    Die AWE scheint weiterhin nicht unterschrieben zu sein, im Anschluss Vertragsverhandlungen, 25-Mio-Vorlage, Auftragsvergabe, Lieferung.

    Da wird dann wohl vor 2018 nichts auf dem Hof stehen.

  9. „die US-Armee will Guantanamo zurück für bessere HUMINT“
    „deutsche Militärs wollen auch Angriffskriege führen“
    „Deutschland wird auch Leute auf kill-Listen töten“
    „die Ermordung Osama bin Ladens“
    „Mordwerkzeuge“
    „Hinrichtungen“
    „Militärlogik“
    und so weiter …

    Man kann meiner Meinung nach die Drohnenkampagne der CIA aus guten Gründen ablehnen (ich tue das jedenfalls), aber diese beiden Gesprächspartner von TW sind doch das was man im englischen Sprachgebrauch als „partisan hacks“ bezeichnen würde – ideologisch voreingenommene Schreiberlinge – unfähig dieses Thema objektiv zu beurteilen und zu kommentieren. Mit einer solch perfiden und haltlosen Argumentation tut man seiner Sache meines Erachtens nach keinen Gefallen, wenn man die Dronenpolitik der Vereinigten Staaten oder der Bundesrepublik ändern will.

  10. Zum Thema HUMINT.
    Was bringt mir denn ein Gefangener, völlig isoliert, nach Jahren der Gefangenschaft für taktische bzw. strategische Erkenntnisse?
    Hier sollte sich die betreffende Person mal den Pinguin von Dieter Nuhr anhören….. und berücksichtigen.

    Dass Guantanamo taktisch und strategisch nix gebracht hat, ist doch allen bekannten Personen klar. Das Problem ist doch nur, dass das die Entscheidungsträger nicht offen zugeben wollen bzw. Keine Exil Strategie haben.

    Was Guantanamo mit Drohnen zu tun hat, ist für mich eh sehr weit hergeholt. Wie emdemaa schrieb, hatte das für mich den Eindruck nach „bullshit bingo“, in der Pazifistenvariante.

  11. Ich verstehe offen gesagt nicht womit Sie alle hier Problemen bei dem Podcast haben. „Pseudo-Experten“, „Ideologische Meinungsmacher“, „Bullshit Bingo“, „partisan hack“. Darf ich mal fragen wer von Ihnen tatsächlich praktische Erfahrung mit diesen Systemen hat und wer von Ihnen weiss, was aktuell in der Entwicklungsroadmap ist?

    Offenbar haben wir es mit eine Technologie-/Waffentyp zu tun (zumindest so neu dass es seitens Deutscher Bundeswehr bis jetz kein wirklich schlüssiges Einsatzkonzept gibt), den zumindest eine Partei, die USA sehr fragwürdig einsetzt. Nun sieht man aus den im Podcast zitierten docs, dass der Einsatz nicht nur fragwürdig ist, sondern dass durch „Schlampigkeit“ – in dem man sich teilweise nicht mal mehr die Mühe macht ein konsistentes Lagebild aufzubauen und so Kollateralschäden in erheblichem Ausmass einfach akzeptiert. Man sollte dieses Vorgehen schon anfragen dürfen ohne gleich als pöser pazifistischer bullshitbingo pseudo-experte hingestellt zu werden.

    Im Übrigen: In Richtung eines „armed oversight“ scenarios sind einige Industrieprogramme in den letzten Jahre in frühen Phasen abgebrochen worden, weil speziell vom Deutschen BMVg keinerlei committment oder wenigstens irgendein support in der Richtung gegeben wurde.

    Was „autonome systeme“ betrifft. UAV Systeme bekommen immer mehr autonome Funktionen, angefangen von sensor cueing bis zur Koordination einer Bekämpfungsstrategie im Schwarm. Deshalb ist es schon anzuraten sich Gedanken darüber zu machen wie (rechrskonforme) Einsatzkonzepte für solche Systeme aussehen und nicht nur ob man Predator oder Heron beschafft.

  12. Nun muß ich mal einen kleinen Zwischenruf ausstoßen:
    die in jüngster Zeit so demonstrativ aufgezogenen „freedom-of-navigation“-Veranstaltungen der US-Streitkräfte auf dem Boden und auch in der Luft in „NATO-Europa“ – ohne so recht nachvollziehbaren, konkreten militärischen „Mehrwert“ – kommen imho schon a bisserl „hegemonial“ daher….Truman läßt grüßen. Die „neuen“ Europäer mag das erfreuen, die „alten“ Europäer können da nur gähnen. Da Deutschland ja nun mal die zentrale Lage geographpolitisch zwischen dem alten und dem neuen Europa einnimmt, werden wir also erfreut gähnend diese Übungen „in und über uns“ dulden und ertragen…..mittragen muß man sie ja nicht. Falls die US allerdings in ihrer Diplo-Anmeldung keine Angaben über aktiv zu nutzende Frequenzen etc. gemacht haben, dann sollte man in der Tat mal einige Grundsatzfragen stellen mit Blick auf einen zeit- und geschichtsgemäßen Umgang miteinander…..wir schreiben 2015 und nicht 1985.

  13. @rich:
    Die Rechtskonformität eines Drohneneinsatz wird jedoch im wesentlichen vom jeweiligen Rechtsrahmen im Einsatzgebiet bestimmt. Dies wurde auch in dieser Diskussion das legitime Bekämpfen von Zielen in einem bewaffneten Konflikt eine Verfolgung der „Militärlogik“ sei.

    An der Stelle zeigt sich dann recht klar: Im Kern geht es nicht juristische, ethische und technische Probleme, sondern um die Beförderung der eigenen politischen Vorstellungen unter dem Deckmantel des „Drohnen“-Experten.

    Man kann zweifellos die USA für deren Drohnenkrieg kritisieren und die Autonomiethemen genauer betrachten.
    Aber in D wird ja fortlaufend das alles vermischt und unterstellt, dass wenn die Bw bewaffnete UAS beschaffen will, dass man eigentlich schon die kill-Listen in der Schublade hat.
    Dies zeigt dieser Podcast besonders gut.

    Echte Widerworte gab es nur von Herrn Wiegold.

    Die Aktivistin von Netzpolitik.org darf ihre Einschätzungen mittlerweile auch weitgehend widerspruchsfrei in der FAZ veröffentlichen.

    Es ist genau diese pseudo-sachlich, aber in Wahrheit rein ideologische, Herangehensweise die zumindest mich immer mehr stört. Oder besser mich stört, dass diese Vorstellungen selbst in den konservativen Bereichen von Politik und Medien weitgehend unwidersprochen bleiben.

    Militärlogik ist eben kein Argument, wenn man über ein einzelnes Waffensystem spricht.

  14. @ Klabautermann

    Zitat:
    „Falls die US allerdings in ihrer Diplo-Anmeldung keine Angaben über aktiv zu nutzende Frequenzen etc. gemacht haben, dann sollte man in der Tat mal einige Grundsatzfragen stellen mit Blick auf einen zeit- und geschichtsgemäßen Umgang miteinander…..wir schreiben 2015 und nicht 1985.“

    Das kann man nur unterstreichen und die Umgehensweise der Amerikaner mit uns Verbündeten (Stichwort: NSA-Abhörskandal, Relaisstelle in Ramstein für die Drohnensteuerung, Beteiligung von Africa-Command in Stuttgart bei Drohnenangriffen in afrikanischen Ländern) und deren öffentlichen Erklärungen dazu, ist nicht vertrauenserweckend.
    Insofern ist gesundes Misstrauen gegenüber den amerikanischen Aktivitäten auf deutschen Boden oder im deutschen Luftraum durchaus angebracht.

  15. @Memoria

    Ich kann Ihre Argumentation sachlich gut nachvollziehen. Ich gehe nun auch nicht davon aus, dass die Bundeswehr UAS mit der Zielsetzung von „kill listen“ zu beschaffen plant. Das zentrale Problem scheint mir zu sein, dass die Einsatzkonzepte nicht wirklich klar zu sind was dann wiederum ein sehr breitgefächertes „Befürchtungsspektrum“ nach sich zieht, zumal ja das „Vorbild“ USA ersichtlich ist.

    Und die Lage ist in der Praxis unübersichtlich: Wir haben – in 2014 zusammen mit einen kontinentaleuropäischen Hersteller an einem multi-UAV Konzept für bewaffneten Konvoy Schutz gearbeitet (basierend auf einem bestehenden UCAV Demonstrator). Es wurde zwar fachlich Interesse daran gezeigt – aber es kam keinerlei ernstes comittment, nicht einmal unter der bedingung dass die Hersteller die R&D Kosten selbst tragen und man lediglich um fachliche Begleitung gebeten hat. Das Projekt wurde eingestellt bzw. Teile davon nur in UK weiterverfolgt. Was soll man also von der BMVg UAS Strategie halten?

    Im Übrigen ist – wie klaubtermann schreibt – das Verhältnis USA/DE schon ein merkwürdiges. Man fordert Unterstützung ein, lässt den Partner aber über ganz weite Strecken vollkommen im Unklaren für was er da Unterstützung gibt. Aktuell ist es offenbar infrastrukturelle, aber ist es wirklich so undenkbar dass sich DE in konkret solche Operations mit hineinziehen liesse, wenn die Fähigkeiten dazu vorhanden wären?

    Auch hier ist die zivile Befürchtungslage offenbar zurückzuführen auf einen Mangel an Klarheit was Einsatzszenarien uva einem wenig selbstbewussten Auftreten dem Partner gegenüber (klar, wo soll dieses herkommen in der aktuellen Situation).

  16. @Georg

    Für mich ist das keine Frage von Vertrauen oder nicht, sondern eine Frage des korrekten, international üblichen diplomatischen Umganges miteinander.

  17. @Rich

    Zustimmung.

    Es gibt für bewaffnete Drohnen kein mir bekanntes Einsatzkonzepte.
    Man entwickelt den Bedarf nach der neuen Fähigkeit um diese zu begründen.
    Nicht etwa, dass man den Bedarf analysiert und dann die geforderten Fähigkeiten ableitet um sie dann im Werkzeugkasten abzubilden, ggf diesen zu ergänzen.
    Wenn Landesverteidigung im Bündnis wieder Grundlage der Beschaffung wird, werden es unautonome (leicht störbare Waffenplattformen) in der Beschaffung schwer haben.
    Genau deshalb gab es Kampfhubschrauber, Tornado, Alphajet, Cl 289, Taurus uvm und keine RPA.

    Und die Lage ist in der Praxis unübersichtlich: Wir haben – in 2014 zusammen mit einen kontinentaleuropäischen Hersteller an einem multi-UAV Konzept für bewaffneten Konvoy Schutz gearbeitet (basierend auf einem bestehenden UCAV Demonstrator). Es wurde zwar fachlich Interesse daran gezeigt – aber es kam keinerlei ernstes comittment, nicht einmal unter der bedingung dass die Hersteller die R&D Kosten selbst tragen und man lediglich um fachliche Begleitung gebeten hat. Das Projekt wurde eingestellt bzw. Teile davon nur in UK weiterverfolgt. Was soll man also von der BMVg UAS Strategie halten?

    “ Man fordert Unterstützung ein, lässt den Partner aber über ganz weite Strecken vollkommen im Unklaren für was er da Unterstützung gibt. Aktuell ist es offenbar infrastrukturelle, aber ist es wirklich so undenkbar dass sich DE in konkret solche Operations mit hineinziehen liesse, wenn die Fähigkeiten dazu vorhanden wären?“

    Da interessiert es den Michel nicht, dass da auch mal ein B1 Bomber kommt und was die KSK macht.

  18. @Rich

    Sorry, ist noch ein Textanteil von ihnen drin den ich nicht entfernen konnte.

    „Und die Lage ist in der Praxis unübersichtlich: Wir haben – in 2014……. der BMVg UAS Strategie halten?“

  19. @Rich | 25. Oktober 2015 – 11:25:
    Ich glaube sie überbewerten etwas das fehlende „commitment“ und die Konzeptlosigkeit des BMVg.

    Allgemein sind immer weniger Leute in der Bw bereit, sich für etwas mit Nachdruck einzusetzen. Eine schlüssige Konzeption hat man ja noch nichtmal für die Bewaffnung der Infanteriegruppe. Bei Drohnen kommt dann noch „Angst essen Seele auf“ dazu.

    Der Umkehrschluss die Bw würde, aufgrund erkennbarer konzeptioneller Lücken, mit bewaffneten Drohnen handeln wie die USA halte ich für sehr fragwürdig.
    Denn bisher halten wir uns in ähnlichen Bereichen auch erheblich zurück:

    – Kill-Aufträge mit Spezialkräften
    – offensiver Einsatz konventioneller Kräfte
    – paramilitärische Einsätze von Nachrichtendiensten, etc

    Wir sind ja nichtmal bereit den IS im Irak mit Luftangriffen zu schaden (vielleicht mal Aufklärung…)..

    Da stellt sich eher die Frage, ob wir das knappe Geld wirklich für so ein „nice-to-have“-System ausgeben sollten, wenn zeitgleich die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr unteriridisch ist.

    Aber diese Realitäten werden gar nicht diskutiert, man pflegt lieber irgendwelche Vorstellungen von „Todeslisten“ und „Militärlogik“.

    Dadurch entsteht erst die „zivile Befürchtungslage“.

    Es verfestigt sich eine krudes Weltbild von angeblichen völker- und verfassungsrechtlichen Rahmenbedingungen, angeblichen Planungen der Regierung, technischer Entwicklungen, etc.

    Ein ganz großer Hokus-Pokus – eine starke Stimme der Vernunft fehlt hingegen.

    Diese Stimme müßten eigentlich die bürgerlichen Parteien und Publizistik sein, aber dort drückt man sich auch lieber um die faktenbasierte Diskussion und befördert so die Extremmeinungen einer Minderheit.

  20. Zwei Aspekte hätten in dieser Runde, nach meinem Dafürfinden, angesprochen werden können. Die Ethik des einzelnen Informatikers, in Richtung Frau Kurz, welcher solche komplexen Überwachungs- und Steuerungssysteme entwickelt. Dieser ist in der Regel nicht mehr in einem abgedunkelten, mit leeren Pizzakartons, Cola-Dosen und viel Computertechnik gefüllten, Zimmer zu finden. Gibt es allerdings eine individuelle Verantwortung, bei einer Einbettung in einem internationalen Entwicklerteam, unter Vertrag bei einem multinationalen Unternehmen? Zweitens die zunehmende Privatisierung der Dronensteuerung bzw. des Einsatzes. Das Unternehmerische Ziel liegt bei der Gewinnmaximierung, ob bei Pauschalabrechnung oder auf Stundenbasis. Daraus leitet sich die Motivation ab, die Anzahl der Systeme und Einsätze zu erhöhen.

    Aber es ist dennoch sträflich Dronen als Option vornherein auszuschliessen. Vor Allem mit solch einer engstirnigen Sicht- und Argumentationsweise, wie bei Frau Kurz. Ein Ziel des amerikanischen Dronen-Programms ist schliesslich der Schutz der Soldaten (und Diplomaten; s. Benghazi Report). Innenpolitisch motiviert, um die Anzahl der heimkehrenden Särge zu reduzieren.
    Dies wird auch die Motivation sein, für die weitere militärische, nennen wir sie mal, Automatisierung. Die Autonomisierung wird hauptsächlich motiviert durch die personelle Reduktion beim Betrieb. Als Beispiel ARGUS-IS welches wohl selbständig Bewegungsmuster ganzer Personengruppen über Tage hinweg erkennen kann.

  21. @Memoria

    „Eine schlüssige Konzeption hat man ja noch nichtmal für die Bewaffnung der Infanteriegruppe. Bei Drohnen kommt dann noch „Angst essen Seele auf“ dazu.“

    ….und selbst wenn wir ein Konzept hätten, hätten wir keine Munition.

    „Da stellt sich eher die Frage, ob wir das knappe Geld wirklich für so ein „nice-to-have“-System ausgeben sollten, wenn zeitgleich die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr unterirdisch ist.“

    …..und man nicht mal gewillt die vorhandenen eigenen CAS Mittel einzusetzen.

    „Aber diese Realitäten werden gar nicht diskutiert, man pflegt lieber irgendwelche Vorstellungen von „Todeslisten“ und „Militärlogik“.“

    Nicht mal in AG werden umfassend, bis auf: – Konvoi wird überfallen und Drohne schaut nur zu-, die Szenarien diskutiert.

    SAT Infra, Signallaufzeit, verwendbare Munition, Plattformen, Störsicherheit uvm.

    Man muss die Diskussionsbereiche trennen und nicht permanent mischen.
    Das Buch von T.W. ist ja evtl ein Schritt in die richtige Richtung.

  22. @all

    Wozu bedarft es eines ausformulierten Einsatzkonzepts bei Beschaffung von Rüstungsgütern. Ich verstehe diesen Zwang nicht. Was bringt es?

    Warum reichen die Bindung an das GG und das Völkerrecht nicht aus?

    Ein Beispiel wie sich der Einsatz von Waffensystemen ändert:
    Der Kampfpanzer

    Die Briten nahmen als Einsatzstrategie ihre Seekriegstaktik und wollten mit Panzern auf dem Gefechtsfeld wie mit Kriegsschiffen auf See operieren.
    Guderian und seine Gefährten im Geiste erkannten die Möglichkeit zum konzertierten Einsatz als Durchbruchswaffe und damit zur Auflösung des starren Stellungskrieges. Das Ganze wurde eingebettet in eine mobile Landkriegsführung mit massiver Unterstützung der Luftwaffe (Blitzkrieg).

    Diese Vorstellung zum Einsatz der Panzertruppe prägten bis in die 90er deren tatsächlichen Einsatz.

    Und heute? Heute schreibt die Panzertruppe weltweit an Konzepten zum Einsatz von Panzern im engen Zusammenwirken mit Infanterie im urbanen Umfeld.

    In Deutschland wurde aus einer allgemein einsetzbaren Standardwaffe ein Politikum mit strategischer Wirkung. Die Stückzahlen werden fast wie im Kalten Krieg die Anzahl der Atombomben behandelt.

    …Das soll jetzt nur ein kurzer Husarenritt durch 100Jahre Panzer sein. Aber: Niemand wusste wohin der Panzereinsatz führen wird. Niemand hatte ein entgültiges Konzept. Jedes Szenario erforderte neue Lösungsansätze.

    Deshalb finde ich diese Konzeptfrage so hirnlos. Die UCAV sind schlicht neue Fähigkeiten und, solange im Rahmen von GG und Völkerrecht eingesetzt, nicht der Diskussion wert.

    pi

  23. @politisch inkorrekt

    Verzeihen Sie, dass ich da widerspreche. Ohne ganzheitliche Operationskonzepte (joint end-to-end) beschafft man keine operativ und taktisch strukturkonformen „Fähigkeiten“ sondern technische stand-alone Produkte, die man anschließend mit sehr viel Aufwand – und teilweise erfolglos – in das Fähigkeitsspektrum der Streitkräfte integrieren muß – logistisch und operativ.. Anstatt „Capability Requirement drives Technology“ hat man dann auf der Zeitachse „Technology drives the Capability Requirement“-Streitkräfte, was dazu führt, dass man immer mehr Geld für immer weniger „Bang“ ausgibt….siehe F-35 etc.
    Man definiert immer mehr operative Fähigkeitsbreite in eine technische Plattform hinein und steht auf einmal vor Raum-Zeit-Kräfte-Problemen der ganz besonderen Art: Interoperabilität und Kompatibilität selbst der nationalen Streitkräfte……von Durchhaltefähigkeit willich gar nicht erst anfangen.Von der Tragtierkompanie bis zur bewaffneten MALE oder gar HALE-Drohne ist irgendwann nur noch eine Karikatur von Streitkräften.

  24. „Deshalb finde ich diese Konzeptfrage so hirnlos. Die UCAV sind schlicht neue Fähigkeiten und, solange im Rahmen von GG und Völkerrecht eingesetzt, nicht der Diskussion wert.“

    Was ist an dieser Fähigkeit neu?

    Kämpfen auf Distanz?
    Unbemanntes fliegen?
    Fernkontrolliertes Fliegen?
    Lange Stehzeit?
    Abbildende Aufklärung?
    Satelliten gestützte Kommunikation (einschl Video)?

    Gab es alles vorher, man hat es nur nicht in der Kombination verwendet, da leicht störbar, nicht härtbar.

    Gegen Taliban und andere kaum technisierte Truppen zur Aufklärung, CAS mit Rover am Boden und targeted killing einsetzbar.
    Für Abschreckung und Kampf mit Armee auf Augenhöhe eher nicht (siehe Ukraine).
    Also wenn UAV für Deu dann als Ergänzung ohne robusten CAS zu vernachlässigen.
    ……und dafür braucht es ein Konzept (es muss ja nicht eng gefasst sein) aber man muss wissen wofür man was, wo und wieviel benötigt/beübt.

  25. Anti-UAS-Drohne. Israel Aerospace Industries (IAI) unveils the Drone Guard.
    http://www.armyrecognition.com/october_2015_global_defense_security_news_uk/iai_unveils_new_counter-uav_systems_at_adex_2015_the_drone_guard_22010152.html
    „Drone Guard“ systems have been extensively and successfully tested against a variety of different drones and scenarios, including simultaneous multiple drone penetrations or attacks. Und auch „… advanced adaptive jamming systems …“

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