Stühlerücken im Verteidigungsministerium: Großer Umbau an der Spitze

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Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen baut die militärische Spitze ihres Hauses massiv um: Bereits Ende Mai hatte die CDU-Politikerin angekündigt, die Amtszeit von Generalinspekteur Volker Wieker über das eigentliche Ende 2016 hinaus bis Sommer 2017 zu verlängern und den derzeitigen Abteilungsleiter Strategie und Einsatz im Ministerium, Generalleutnant Markus Kneip (Foto oben mitte 2011 beim Einsatz in Afghanistan) zum stellvertretenden Generalinspekteur zu berufen. Nach einer Mitteilung des Ministeriums vom (heutigen) Donnerstag ist diese Versetzung zum 1. Oktober vorgesehen.

Die Beförderung Kneips, der voraussichtlich eine stärkere Stellung bekommen soll als die stellvertretenden Generalinspekteure vor ihm (von der Leyen sprach von einem ganz starken Stellvertreter), aber auch andere Personalentscheidungen der Ministerin setzen eine ganze Kette von Veränderungen in Gang. So feuerte von der Leyen faktisch nicht nur den bisherigen stellvertretenden Generalinspekteur, den Luftwaffen-Generalleutnant Peter Schelzig – im Verwaltungsdeutsch: sie versetzte ihn in den Ruhestand. Auch ein Abteilungsleiter im Ministerium, wie Schelzig noch unterhalb der Altersgrenze, muss in den Ruhestand gehen: Der bisherige Leiter der Abteilung Führung Streitkräfte, Vizeadmiral Heinrich Lange.

Das führt zur neuen Besetzung von gleich zwei Abteilungsleiterposten: Auf Kneip soll als Abteilungsleiter Strategie und Einsatz Generalmajor Dieter Warnecke folgen, derzeit Abteilungsleiter Einsatz im Kommando Streitkräftebasis. An Langes Stelle tritt der derzeitige Kommandeur der Division Schnelle Kräfte (DSK), Generalmajor Eberhard Zorn. Die Division übernimmt daraufhin der bisherige Büroleiter des Generalinspekteurs, Brigadegeneral Andreas Marlow – an dessen Stelle wiederum tritt der derzeitige stellvertretende Sprecher des Ministeriums, Oberst Ingo Gerhartz.

Auch außerhalb des eigentlichen Ministeriumsbereiches steht eine Veränderung an: Der Inspekteur der Streitkräftebasis, Vizeadmiral Manfred Nielson, wird zum 1. April kommenden Jahres stellvertretender Kommandeur des Allied Command Transformation der NATO in Norfolk und damit voraussichtlich Admiral. Neuer Inspekteur wird Generalleutnant Martin Schelleis, derzeit Kommandeur Kommandierender General des Luftwaffentruppenkommandos.

Was nicht in der Pressemitteilung des Ministeriums steht: Nicht nur der Generalinspekteur wurde über sein eigentlich reguläres Dienstzeitende hinaus verlängert, sondern auch ein weiterer Vier-Sterne-Posten: General Werner Freers, Chef des Stabes im militärischen NATO-Hauptquartier SHAPE in Mons, bleibt ebenfalls bis 2017 – zum einen ein Anzeichen dafür, dass Kneip nach dem Ausscheiden von Wieker und Freers einen der beiden Posten bekommt; zum anderen schafft von der Leyen sich damit ein bisschen Luft, indem über die Nachfolge Freers‘ eben noch nicht entschieden werden muss.

Auch unterhalb der Abteilungsleiterebene gibt es eine Veränderung: Der bisherige stellvertretende Leiter der Politikabteilung, Alexander Weis, geht für ein Jahr zum Royal College of Defence Studies in London. An seine Stelle tritt Rüdiger Huth, bislang stellvertretender (ziviler) Amtschef des Planungsamts der Bundeswehr.

Nachtrag 1: Als stellvertreter Amtschef Planungsamt ist Generalmajor Erich Staudacher, derzeit bei der Bekleidungsgesellschaft LHBw, vorgesehen.

Nachtrag: Damit es etwas übersichtlicher wird, malen wir uns doch mal einen Teil des Organigramms ab 1. Oktober:

Generalinspekteur: General (Heer) Volker Wieker
Stellvertreter des Generalinspekteurs: Generalleutnant (Heer) Markus Kneip

und die Abteilungsleiter

Politik – Geza von Geyr (zivil, unverändert)
Ausrüstung, IT, Nutzung – GenLt Benedikt Zimmer (Heer, unverändert)
Planung – GenLt Erhard Bühler (Heer, unverändert)
Führung Streitkräfte – GenMaj (noch) Eberhard Zorn (Heer, neu)
Strategie und Einsatz – GenMaj (noch) Dieter Warnecke (Heer, neu)
Haushalt/Controlling – Karl Henning Bald (zivil, unverändert)
Recht – Dieter Weingärtner (zivil, unverändert)
Personal – Vizeadmiral Joachim Rühle (Marine, unverändert)
Infrastruktur, Umweltschutz, Dienstleistungen – Alice Greyer-Wieninger (zivil, unverändert)

(Archivbild 2011:Baghlan Province, Afghanistan. (Aug. 13, 2011) Incoming Observation Post North Commander Lt. Col. Peter Mirow poses with International Security Assistance Force Regional Command North Commander Maj. Gen. Markus Kneip and the outpost’s outgoing commander Lt. Col. Heico Hübner at the post’s change of command ceremony on Aug. 13 – RC North Mazar-e Sharif Public Affairs photo by Staff Sgt. Florian Krumbach)

Ministrables · 14:38h ·  

80 Kommentare zu „Stühlerücken im Verteidigungsministerium: Großer Umbau an der Spitze“

  • Zimdarsen   |   10. Juli 2015 - 16:34

    Es wird wohl als Nachfolger für Schelleis Badia kommen.
    Mit Wundrak ein interessantes Gespann …… es werden schwere Zeiten auf die Soldaten in der Lw zukommen.

  • CRM-Moderator   |   10. Juli 2015 - 17:12

    @Zimdarsen:

    Da hab ich wohl einen guten Riecher gehabt.

    ;o)

  • EloKa   |   10. Juli 2015 - 17:16

    Wieso schwere Zeiten?

  • CRM-Moderator   |   10. Juli 2015 - 18:12

    Ich glaube die „schweren Zeiten“ sind im Fliegerischen Dienst der Luftwaffe jahrelange Realität.
    Mit dem aktuellen oder zukünftigen Führungspersonal hat das nichts zu tun.
    Keine Arme – keine Keckse.

  • gc   |   10. Juli 2015 - 18:36

    @Zimdarsen:
    Seh ich nicht so. Nur weil beide keine „Kuschelkurs-Fahrer“ sind, muss das keine schlimmen Zeiten bedeuten (vielleicht bedeutet das für die Lw sogar mehr Charakter). Der Grund für die schlimmen Zeiten sind vom CRM-Moderator schon richtig beschrieben. Interessant wird dann, welcher General aus dem Lufttransport (Siegmann oder Lebert) dann ins EATC gehen wird, so die Info mit GM Badia richtig ist. Oder doch wieder ein Jety? Oder Nationenwechsel?

  • Zimdarsen   |   10. Juli 2015 - 18:52

    @gc

    Hatte nicht geschrieben schwere Zeiten für die Luftwaffe, sondern für die Soldaten der Luftwaffe.

    Ja und die Zeiten sind schon schwer für die Luftwaffe

  • Wanderer   |   10. Juli 2015 - 19:51

    @Zimdarsen und die anderen Insider:

    Was bedeuten die eventuellen Personalentscheidungen für die Luftwaffe? Warum sind die drei Genannten ein interessantes Gespann? Warum werden es jetzt schwere Zeiten für die Soldaten der Luftwaffe?

    Ich war nur Offizier der Luftwaffensicherungstruppe und bin schon länger raus aus der Materie. Ich würde mich sehr freuen, wenn jemand Licht ins Dunkel bringen könnte :)

  • Zimdarsen   |   11. Juli 2015 - 9:30

    @Wanderer

    Welche Rolle hatte Badia und Wundrak bei der fehlgeleiteten Neuausrichtung der Lw?
    Warum war die Lw gezwungen die Neuausrichtung ganz neu auszurichten (gelächter wenn als Begründung LufABw und LUH erhalten muss).
    Zum Thema Menschenführung, da ist es besser wenn man es pers. erfährt als es im Blog zu diskutieren.

  • Zimdarsen   |   11. Juli 2015 - 9:36

    @CRM-Moderator

    Das Problem ist, das wir angeblich zuviel Arme (Hände) haben und warum ist dies so?
    Was haben Wundrak und Badia dafür getan?

    Gut wäre gewesen Personal in die Verantwortung zu bringen, welches nicht für den Zustand nach Neuausrichtung der Lw verantwortlich ist. Ja die Decke ist dünn :-)

  • CRM-Moderator   |   11. Juli 2015 - 10:31

    @Zimdarsen:

    Keiner, der in seinem Werdegang regelmässig durch „putzmuntere Opposition“ auffällt, wird General,.
    Insofern bin ich [vermutlich auch sie und viele andere im Forum] Realist und glaube mittlerweile, dass es im Großen und Ganzen nebensächlich ist, wer im Führerstand der Dampflokomotive die Dampfpfeife wie oft und wie lange betätigt. Die Hauptgleise und -weichen und damit die grobe Richtung wurden/werden von Anderen verlegt und gestellt.

    Das entbindet den Lokführer jedoch nicht die Befeuerung zu verändern und damit die Geschwindigkeit in die richtige/falsche Richtung zu beschleunigen/verlangsamen in der Hoffnung, dass das Gleisbett hinterm Berg noch verändert werden kann.

    Interessant wirds allerdings – und da bin ich voll bei Ihnen! -, wenn der Lokführer in seiner vorherigen Verwendung Teile der Wegstrecke/Nebengleise/-weichen mitgeplant hat…. Da lohnt es sich schon genauer hinzuschauen inwieweit er nun als Lokführer mit der Streckenführung zufrieden ist oder – sollte der Zug gar entgleisen – mit dem Finger auf andere zeigt.

    tuuuuuut tuuuut

  • audio001   |   11. Juli 2015 - 10:39

    re: Zimdarsen

    Da gebe ich Ihnen recht!- Entscheidungen an denen man selbst beteiligt war kontinuierlich selbst zu prüfen und ggf. auch in Frage zu stellen, fällt dem einen oder anderen verdammt schwer!- Da bedarf es nicht nur fachlicher Befähigung, sondern auch eines gefestigten Charakters!

    Diese „Befähigungs-Kombi“ trifft man (ganz allg.) auf den Führungsebenen immer seltener an!- Woran auch immer dieses liegen mag …

  • Wanderer   |   11. Juli 2015 - 11:38

    @Zimdarsen: Vielen Dank, aber wie ich schon schrieb, bin ich schon länger raus aus der Materie. Und zwar schon weit vor der Neuausrichtung. Da war gerade „Transformation“ ein Modewort geworden und die Namen Wundrak und Badia haben noch keine allzu große Rolle gespielt.

  • Voodoo   |   11. Juli 2015 - 11:51

    Wie ich bereits früh schrieb, scheint der Laden jetzt deutlich heereslastig geworden zu sein – ich frage mich nun seit geraumer Zeit, ob dies spürbare Auswirkungen für die anderen TSK/Orgbereiche haben wird, denn von Ausrüstung, über Führung und Planung bis hin zur Strategie ist alles fest in grauer Hand.

    Gerade für die Luftmacht-Phantasien der Lw muss dass doch nahezu grausam sein?

  • CRM-Moderator   |   11. Juli 2015 - 12:15

    @Voodoo:
    Heereslastig? Heute ist doch alles joint…. ;)

    Wenn ichs richtig verstehe sind einige Posten (längerfristig) vakant. M.E. ein Zeichen dafür, dass man mit dem aktuellen Personalpool nicht so ganz zufrieden ist und man lieber wartet bis die Wunschkandidaten verfügbar sind.
    Wer weiss es besser/genauer?

  • soldat   |   11. Juli 2015 - 16:44

    Zum Thema Staudacher… der kam als das Kind schon in den Brunnen gefallen war und um ihm Ruhe zu verschaffen. Das ging nach hinten los und so durfte er unmittelbar wieder gehen und wurde dann zbv….

  • Napoleon   |   11. Juli 2015 - 18:28

    wer wird denn neuer Deputy beim CAOC5 / DACCC?

  • Zimdarsen   |   11. Juli 2015 - 19:59

    Löwenstein, Schelleis, Müllner und Dr Rieks haben die Webfehler der Neuausrichtung klar benannt (nur eben nicht in der Öffentlichkeit).

  • Naphtalin   |   11. Juli 2015 - 22:22

    Es gibt ja auch gute Tage: endlich ist dieser Dreistreifer N. weg. Dann kann er ja endlich auch in Norfolk alles auflösen und hinterher behaupten, das sei toll.
    Hoffentlich wird´s hier nicht noch schlimmer…..

  • Zimdarsen   |   12. Juli 2015 - 9:31

    ….und dann ist da noch ein General in der Lw zbV …. Gen Keller.
    Hat den Schwachsinn mit OSLlw und TAZ geerbt und musste gegen Widerstand versuchen es umzusetzen ……. hat es dann gelassen wie es ist und seinen Nachfolgern übergeben.

  • FK70   |   12. Juli 2015 - 10:00

    @CRM-M.:

    Ein derartiger Personalwechsel lässt zwei Schlüsse zu:

    1. man ist sich bezüglich der Nachfolge von GI/stvGI noch nicht sicher und sichtet noch bis 2017.
    Rühle:
    – hat Potential samt Breite
    – hat noch nicht Durchsetzungskraft bewiesen und muss in der P nun erstmal zeigen, dass er die guten von den sehr guten Beamten in der Abteilung unterscheiden kann und Leitung sachdienlich berät.
    Vollmer:
    – kennt bisher nur Einsatz
    – fuhr zuletzt einen fast zu unterwürfigen Kuschelkurs mit der polLtg (kommt nicht immer an)
    – muss nun Führungsqualität auf gesamter Breite (über den Einsatz hinaus) zeigen und dabei die Meschen des Heeres nicht „verlieren“
    Kneip:
    – wird später vss. int. verwendet werden.
    Und vielleicht ist unter den weiteren jungen Dreisternen (Schelleis, Zorn etc.) ebenso Potential vorhanden. Es ist genug Zeit vorhanden, sich das anzusehen.

    2. man überlegt inwieweit man endlich doch in Sachen Neuausrichtung nachsteuert und dazu benötigt man eine neue Führungscrew unterhalb der LtgBMVg. Das wären zumindest meine Schlüsse. Warten wir es ab. Schönen Sonntag…

  • CRM-Moderator   |   12. Juli 2015 - 10:59

    Danke!

  • klabautermann   |   12. Juli 2015 - 14:28

    @FK70

    Andreas Krause nicht vergessen….der hat 2017 alle „ticks in the box“ in seinem Verwendungsaufbau zum 4Sterner.

  • O. Punkt   |   13. Juli 2015 - 10:09

    Sofern hier noch einer mitliest/ kommentiert.

    Kann nochmal ein Fachkundiger die Zusammenhänge erklären, warum die Grobstruktur der Luftwaffe nochmal verändert wurde?
    An mir ist dieser Prozess leider irgendwie vorbei gegangen, da mein Fokus nicht so sehr auf Luftwaffe liegt.

    Habe mir nochmal folgendes angeschaut:
    http://augengeradeaus.net/2011/09/die-grobstruktur-steht/
    und auch hier:
    http://augengeradeaus.net/wp-content/uploads/2012/06/Realisierungsplanung_Luftwaffe.pdf

    Nirgendwo die Rede von einem Luftwaffentruppenkommando.
    Gab es zur Veränderung in der Struktur auch mal ein offizielles Statement (Inspekteur/ IBuK)?

  • Zimdarsen   |   13. Juli 2015 - 11:07

    @O. Punkt

    Man will das Versagen der Neuausrichtung bezgl Org, im BMVg nicht eingestehen.
    Trotzdem hat Müllner zum großen Teil das Notwendige getan ohne große Presse das Notwendige getan. Viele was noch zu tun wäre, ist leider gegen den Widerstand im BMVg nicht durchsetzbar, da es die Standortfrage tangieren würde.
    Erblast CH 53 erledigt sich auf der Zeitachse und das Fehl von takt. Gerät versucht man über Verbündete (Streitkräfte) zu kompensieren.

    Für das nicht Verlegen von Truppenteilen der Lw ist Die fehlende Infra die Begründung.
    So ist es, wenn man ins Blaue plant ohne Gesamtkosten Betrachtung.

    OSLw, TAZ uvm läuft nicht.

    P.S.: Was macht eigentlich die Luftumschlagausbildung der Lw?

    Die neue Führung plant wohl schon für die Ganz- Neuausrichtung nach 2017.

  • O. Punkt   |   13. Juli 2015 - 11:48

    @Zimdarsen:
    Danke für die kurze Erläuterung. Also täuschte der Eindruck nicht, dass man das eher stillschweigend über die Bühne bringen wollte.
    Allerdings ist mir immer noch nicht klar, was die veränderte Struktur gegenüber der ursprünglich avisierten Trennung zwischen EinsVbd und UstgVbd für Vorteile hat (bzw. haben soll). Da muss doch was kommuniziert worden sein. Auf der Ebene kann man das ja wohl kaum ohne Worte abtun.

  • Zimdarsen   |   13. Juli 2015 - 12:58

    @O. Punkt

    Ist wohl eher Desinteresse des Volkes und das kommt dem BMVg entgegen.
    Man erspart sich so Nachfragen mit dem Hinweis warum eine nachhaltig angelegte Reform in der Lw schon nach 5Monaten neu konzipiert wurde und was die anderen Org-Bereich zu tun gedenken :-)

  • O. Punkt   |   14. Juli 2015 - 9:19

    @Cato:
    Vielen Dank.

  • Zimdarsen   |   14. Juli 2015 - 10:19

    „Die Bedeutung der Technik und Logistik (enschl Logistik ist Technik, Ausbildung und alles was zum Wirken erforderlich ist, ja Piloten sehen das anders( LKW-Fahrer nicht :-)) für die Auftragserfüllung für die Lw ist allseits anerkannt.“

    Wenn das so wäre, warum haben wir dann Luftfahrzeuge und Piloten aber keine Ersatzteile, Munition und ausgebildete Techniker?

  • Fähigkeitstransfer   |   14. Juli 2015 - 22:41

    Die Personaldebatten in allen Ehren, wann kommen Inhalte?