DroneWatch: Entscheidung über Korvetten-Drohne für dieses Jahr geplant

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Bei ihrer Sommerreise am (heutigen) Donnerstag war Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen nicht nur beim Heer, sondern auch bei der Marine: Sie besuchte in Rostock-Warnemünde das 1. Korvettengeschwader und besichtigte die Korvette Magdeburg (Foto oben).

Dabei kam auch was zur Sprache, was den Korvetten nach wie vor fehlt: Die Schiffe waren von vorherein für den Einsatz eines unbemannten fliegenden Systems ausgelegt. Der zunächst favorisierte CamCopter der österreichischen Firma Schiebel wurde nach einem Stopp des Beschaffungsprozesses im vergangenen Jahr nicht gekauft.

Auf der Magdeburg kündigte die Ministerin nun an, dass voraussichtlich in diesem Jahr über die Drohne für die Korvetten entschieden werden soll. Wichtig war ihr dabei offensichtlich, dass es sich um Aufklärungsdrohnen ohne jegliche Bewaffnung handeln wird (angesichts der politischen Debatte über bewaffnungsfähige Drohnen ja auch verständlich):

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Nachdem die modernsten Kriegsschiffe der Welt (Bundeswehr-Spruch) seit kurzem ihre Hauptwaffensysteme haben, wird’s nun langsam vielleicht doch ein komplettes System…

 

24 Gedanken zu „DroneWatch: Entscheidung über Korvetten-Drohne für dieses Jahr geplant

  1. Da bin ich ja mal gespannt, ob es die Marine schafft nach Frankreich, Italien und der maltesischen Hilfsorganisation MOAS (the Migrant Offshore Aid Station) den Camcopter an Bord zu betreiben. Geübt und für gut befunden wurde die Drohne ja schon. Aber an den Schreibtischen in Koblenz hat man anders entschieden. UvdL vs BAAINBW, bin mir nicht sicher wer da gewinnt. Falls die Marine endlich den Camcopter bekäme wärs toll. Wird Zeit für das Komplettsystem

  2. „(angesichts der politischen Debatte über bewaffnungsfähige Drohnen ja auch verständlich):“

    ich finde das zwar auch verständlich aber keineswegs richtig.

    wer das amt des verteidigungsministers ausfüllt ist ex officio dazu berufen sich der hierzulande herrschenden irrationalen wirkmittelphobie zu widersetzen und sich offensiv für eine moderne und auftragsgemäße bewaffnung der streitkräfte einzusetzen.

    dazu gehören bewaffnete drohnen ob nun see oder landgestützt definitiv.

    wer das entsprechende amt natürlich nhur als durchlauferhitzer für höheres begreift muss sich entsprechend präventiv rhetorisch wegducken wie von VdL permanent unschön vorgeführt.

    ein gesundes amtsverständnis offenbart das aber eher nicht

  3. hmm,

    da ist die Ministerin aber wieder mal recht forsch. Ihr Abteilungsleiter Haushalt teilte mit Datum 14.7.2015 MdB Lindner mit:

    „Zur Realisierung von unbemannten Luftfahrzeugen für die Korvetten der Klasse
    K130 der deutschen Marine werden derzeit verschiedene Lösungsvorschläge
    untersucht, darunter Lösungen mit einem „Vertical Take Off and Landing“
    (VTOL) Luftsegment. Eine AWE wird frühestens im Herbst 2015 vorliegen.“

  4. Richtig komplett werden die Korvetten auch dann nicht. Polyphem war integraler Bestandteil des Konzepts und die wirkliche „Hauptbewaffnung“. Zusammen mit der Drohne hätte man weit reichende Präzisionszielbekämpfung mit „man in the loop“ gehabt. Und bei weitgehender Kommonalität über alle drei TSK wäre der einzelne Schuss zu vertretbaren Kosten zu haben gewesen.

  5. Auch wenn es hier nicht gewollt ist. Damit jeder weiß was Polyphem ist und warum die Marine hier ausgestiegen ist. Der Link führt auf die Hp der Marine selbst. Habe ihn zumindest gekürzt und hoffe das dies TW genehm ist?

    http://goo.gl/0Fajxn

  6. Wer sagt denn, dass es für die Korvetten unbedingt ein Camcopter oder sonstiger Drehflügler sein muss? Der ein oder andere zieht hier möglicherweise voreilige Schlüsse. Die AWE wurde wohl noch nicht öffentlich kommuniziert. Und bis es soweit ist, muss man davon ausgehen,dass auch ein Starrflügler als Lösung durchaus denkbar sein könnte. Die Betonung von Frau Ministerin, dass es eine „kleine Drohne“ für Aufklärungszwecke geben soll, kann man auch so deuten, dass die Präferenz in Richtung eines Systems etwas unterhalb der Leistungs- und Gewichtsklasse eines Camcopter geht.
    Egal was letztendlich dabei herauskommt: Es wird höchste Zeit, dass die Marine die Gelegenheit bekommt, in den operativen (Einsatz-)Flugbetrieb mit UAS einzusteigen.

  7. Wenn man betrachtet, dass die letzte Marktsichtung durch das übliche Unternehmen in Ottobrunn durchgeführt wurde und dass das BAAINBw sehr stark an der Eigenentwicklung der EMT beteiligt war, wage ich die Prognose: Es wird der Museco von EMT.

  8. @D. Frank: Ich weiss nicht so recht, 3h endurance des Museco (Lizenz von UMAT, heavy fuel, 35kg Nutzlast) vs. 6h Camcopter (50kg Nutzlast)? Mit anderen Worten 1 Museco = 1/2 Camcopter. Wenn man sich dann noch die urpsprünglichen Wünsche anschaut, dann würde selbst ein Camcopter weit dahinter zurückbleiben.

  9. Bei dem Audio-Mitschnitt des Statements von UvdL bzw. deren Betonung „k_l_e_i_n_e_ Drohne … _a_u_s_s_c_h_l_i_e_ß_l_i_c_h_ Aufklärungszwecke … “ kann man hell wach werden.

    Die offizielle Antwort auf die Anfrage des MdB Hunko zum Schiebel A-100 Camcopter , u.a. „Die Bewertung ergab ein nicht akzeptables zeitliches, technisches und finanzielles Risiko für den Zulassungsprozess. Die vorliegenden zulassungsrelevanten Unterlagen waren für eine Musterzulassung unzureichend. … „.und dagegen die Ausführungen des Admiral a.D. Achimpf, waren mir da doch ein wenig zu kontrovers (vgl. hddp://augengeradeaus.net/2014/10/dronewatch-camcopter-fuer-die-marine-wurde-wegen-zulassungsproblemen-gestoppt/#comments

    Tippe mal auf folgende Reihenfolge bei der AWE:

    1.) http://militaryaircraft-airbusds.com/Aircraft/UAV/Tanan.aspx (Max Payload (realistisch) max. 50 kg, Kreiskolbenmotor 23 kw: Jet A1, JP5, JP8)

    2.) http://umsgroup.aero/products/vtol-systems/r-350/system-overview/ (via EMT, max Payload 35 kg, Turbine 25 kw: Jet A1/JP8, A6, F34/44/54)

    3.) hddps://www.esg.de/division/aerosystems/umat-fuehrt-fluege-von-einsatzschiff-der-bundespolizei-durch/ (baugleich zu 2.)

    Zu 1) Der Drehmomentverlauf und das max. Drehmoment eines Wankelmotors läßt als Hubschrauberantrieb weitere Skepsis aufkommen. Hinzukommt, daß das System von einem schwedischen Unternehmen stammt und keine echte AIRBUS-Entwicklung ist.

    Wenn man beim BAAINBw clever gewesen wäre, hätte man längst einen Entwicklungs- vertrag an ein Konsortium „ESG – EMT – UMS“ vergeben und man hätte ein Weltklasse-Team, welches der Marine etwas maßgeschneidertes aufs Schiff gestellt hätte, wie bereits ausgeführt. (vgl. hddp://augengeradeaus.net/2014/10/dronewatch-camcopter-fuer-die-marine-wurde-wegen-zulassungsproblemen-gestoppt/comment-page-1/#comment-158140).

  10. Warum eigentlich keine Bewaffnung? Klar beim Camcopter wirds schwierig wegen der Nutzlast, aber da es nun etwas anderes wird… vdl nimmt der Marine die Bewaffnungsoption, weil sie im vorauseilenden Gehorsam selbige ausschließt. Und wenn die Marine sich im Nachhinein doch für eine Bewaffnung ausspricht, ist der mediale Aufschrei um so größer.

  11. Auch für Tanan soll es eine optionale Bewaffnung geben, genauer: 4x TDA rockets.

    Aber abgesehen von auszuwählenden Modell: Besser der Spatz in der Hand als weiterhin gar kein „Drohne“.

  12. Gerade nocheinmal nachgelesen: Laut Newsletter Verteidigung sind die Anforderung mittlerweile recht genügsam:

    „- betreibbar mit dem Flugkraftstoff F34 bzw. F44
    – Einsatzradius von mindestens 30 NM (ca. 55km)
    – Geschwindigkeit des Fluggerätes von mindestens 70 Knoten (ca. 130km/h)
    – 2 Flüge pro Tag mit einer Dauer von jeweils mindestens 4 Stunden
    […]
    Die derzeitigen Planungen gehen von einer Verfügbarkeit des ersten neuen AImEG-
    Systems im zweiten Halbjahr 2018 aus.“

  13. „– Einsatzradius von mindestens 30 NM (ca. 55km)“

    Irgendwann ist der Punkt erreicht, dass man sich fragt, ob eine VTOL-Lösung wirklich der Weisheit letzter Schluss ist, oder ob man nicht besser Start- und Landeeinrichtungen für eine Starrflügellösung à la Scaneagle einrüstet.

    Wenn man die Drohne nutzen will, um in küstennahen Gebieten over-the-horizon (OTH) Kontakte zu identifizieren und zu bekämpfen, wie viel Sinn hat eine Kombination aus 55 km Drohnenreichweite und >200 km Bekämpfungsreichweite eines RBS-15? Man könnte ja immerhin an die LOS-Datenlink-Reichweite rangehen, die von EMT und ADS mit 100 bzw. 130 km angegeben wird.

  14. @K.B.

    Einsatzradius bedeutet, dass ich einen Kreis mit Radius xyz Seemeilen um die Korvette herum komplett sensorisch abdecken kann während eines Surveillance- Drohneneinsatzes…hat also mit maximaler Reichweite des Fluggerätes weniger zu tun.. Diese Reichweite ist allerdings ausreichendd, um als Reconnaissance/Spotter-Drohne auch die max. Reichweite des RBS abzudecken…..

  15. Einsatzradius ist der Radius eines Kreises um die Korvette, den ich während eines Drohneneinsatzes komplett sensorisch abdecken kann. Reichweite der Drohne im Reconnaissance/Spotter-Profil deckt die Reichweite des RBS durchaus ab.

  16. Ich will noch einmal aus einem Artikel von R. Brinkmann aus 2007 nachlegen:

    – Lageaufklärung im Radius von 350 km
    – Es ist ein 60° Grad Sektor bis zu einer Entfernung von 350 km bezogen auf den Verband abzudecken (korreliert mit der Reichweite des RBS 15)
    – Tägliche Verfügbarkeit von mindestens vier Zeitblöcken a drei Stunden im Einsatzgebiet für Ziel- und Wirkungsaufklärung
    – Echtzeitnahe Informationsbereitstellung, d.h., dass 20 Minuten nach dem Tasking das Ziel aufgeklärt ist und die Zieldatenübermittlung einsetzen kann
    – Informationsalter < 2h

    Zu obigem posting: Die 2x 4h täglich scheinen mir auf ein Gerät bezogen zu sein, nicht auf ein typisches System mit zwei Geräten.

  17. Da freue ich mich doch schon auf das nächste Highlight….nämlich wer steuert/wartet diese Drohne?
    Meines Wissens nach gibt es an Bord kein Personal was dafür ausgebildet ist/werden soll.
    Und da die Einschiffungskappa auch nicht die größte ist wäre es spannend zu erfahren wie viel Zusatzpersonal an Bord genommen werden muss.
    Aber sehr schön ein Boot mit der Besatzung von 1 1/2 Schnellbooten fährt die Einsätze einer Fregatte.

    BZ

  18. Bis zu 5 Personen sind vorgesehen, also z.B. 2x Operateur und 2x Techniker (da Bordbetrieb in 2 Wachen).

  19. Ich würde auch auf die EMT-Lösung tippen. Bei einem der vergangenen TdoTs im BMVg war das Ding mal ausgestellt und ein eifriger Angestellter des BAAINBw erläuterte jedem, der vorbeikam, die Vorteile gegenüber S-100.

    Zentral war dabei offenbar die Fähigkeit, das RPAS mit dem Kraftstoff der Korvette betreiben zu können und nicht noch extra JP-8 o.ä. an Bord mitführen zu müssen.

  20. @ATLAS Doe: Die Basis-UAV-Systeme von EMT und ESG sind identisch, nicht jedoch die dahinter stehende Gesamtsystemtechnik samt aller Innovationen! Deshalb gilt http://augengeradeaus.net/2014/10/dronewatch-camcopter-fuer-die-marine-wurde-wegen-zulassungsproblemen-gestoppt/comment-page-1/#comment-158140 um ein Optimum für unsere Marine zu erreichen. Wieso als nicht zwei Deutsche und ein Schweizer Systemhäuser in einem Konsortium vereinen?

    Denn AIRBUS TANAN (vgl. http://www.cybaero.se/en/18-newsfeed/109-cybaero-receives-another-order-from-airbus) sehe ich nicht zuletzt wegen seiner höhen- und treibstoff-abhängigen Wankel-Engine und seines Zweiblattrotorsystems als „Totes Pferd“ für den Wirkverbund VTOL-RPAS – Schiff.

    Im Vergleich zu 2-Blatt-Rotorsystemen (z.B. Schiebel S 100, AIRBUS TANAN) zeichnen sich 3-Blatt-Rotorsysteme durch folgende, speziell für den Bordeinsatz und den Seeflugbetrieb relevanten Charakteristika aus:

    • Durch das zusätzliche Blatt werden die Kreiselkräfte erhöht, somit kommt spürbar mehr Ruhe in das System, und jedes einzelne Blatt wird weniger stark belastet.
    • Die Steuerführung ist bedeutend „weicher, sensibler und präziser“
    • Bauartbedingt müssen diese Systeme zwar relativ „hart“ gedämpft werden, trotzdem liegt der Resonanzbereich weit außerhalb der Betriebsdrehzahlen.
    • Die Scherkräfte am Rotorkopf sind geringer und die Gefahr des extrem gefährlichen Mast-Bumbings ist nicht gegeben.
    • Eine virtuelle Taumelscheibendrehung ist nicht erforderlich, da i.d.R. auch bei RPAS eine geometrisch korrekte Anlenkung problemlos realisierbar ist.
    • Der Geräuschpegel sinkt drastisch, da bei gleicher Last entweder der Rotordurchmesser oder die Drehzahl um ca. 1/3 veringert werden kann, oder die Ein- und Anstellwinkel reduziert werden.

    Die Landeplattform einer Korvette ist nun mal kein stationärer Modellflugplatz, von den widrigen WX-Einflüssen auf See einmal ganz abgesehen.

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