Journalisten sind gefährlicher als Jihadisten

Der Präsident des Militärischen Abschirmdienstes (MAD), Christof Gramm, erregt seit gestern Aufsehen mit einem Interview, in dem er vor der Gefahr warnt, dass die Bundeswehr als Ausbildungscamp für gewaltbereite Islamisten missbraucht werden kann. Nun kann man drüber streiten, ob die von Gramm genannte Zahl von etwa 20 solcher Islamisten wirklich ins Gewicht fällt (auch wenn jeder einzelne Fall einer zu viel ist, genau so wie bei Rechtsextremisten), aber der Präsident hat schon eine Antwort, was man da tun könnte. In dem Interview der Welt (Link aus bekannten Gründen nicht) sagt er:

Ich glaube, wir müssen die Handlungsmöglichkeiten des MAD so weiterentwickeln, dass wir in der Lage sind, diejenigen, die zur Bundeswehr kommen, im Vorfeld einem Basischeck zu unterziehen. Wir würden gern überprüfen, ob es ernsthafte Zweifel an der Verfassungstreue der zukünftigen Soldaten gibt. (…)
Es geht mir nicht um nachrichtendienstliche Mittel, sondern um eine präventive Überprüfung mit Realismus und Augenmaß bei der Ausbildung an Kriegswaffen.

Was genau Gramm da vorschwebt, bleibt leider etwas offen – vermutlich dürfte es auf einen Abgleich der Daten für Bewerber bei der Bundeswehr gehen, zwischen MAD, Polizeibehörden und vielleicht Verfassungsschutz.

Ich hab‘ übrigens gerade mein Akkreditierungsformular für den Pressetermin des Heeresinspekteurs am morgigen Dienstag in Marienberg fertig gemacht. Da will das Deutsche Heer von mir unter anderem Geburtsdatum, Geburtsort, Personalausweisnummer und Ausstellungsort wissen. Wofür, steht auch drin:

Zur Realisierung der Teilnahme akkreditierter Medienvertreter/innen unter Berücksichtigung sicherheitsbezogener Anforderungen werden die nachfolgend aufgeführten personenbezogenen Daten benötigt.
Rechtsgrundlage für die Erhebung, Verarbeitung und Nutzung dieser Angaben ist § 12 Abs. 1 i. V. m. §§ 13 ff Bundesdatenschutzgesetz (BDSG). Zum Zweck der Überprüfung sicherheitsrelevanter Belange werden die Daten an das BKA bzw. das zuständige LKA übermittelt.

Na bitte, geht doch. Man muss sich nur auf die wirklich sicherheitsrelevanten Belange konzentrieren. Und was sind schon gewaltbereite Islamisten gegen die Vielzahl von Medienvertretern, die gefährliche Gegenstände wie Mikrofone, Kameras oder gar Kugelschreiber mit sich führen.

Nun ist diese Überprüfung von Journalisten, auch wenn man sie unter Sicherheitsaspekten für richtig hält, natürlich eine grandiose Verschwendung von Steuergeldern. Ich hab nämlich solche Formulare in den vergangenen Jahren zigmal ausgefüllt – für jeden Pressetermin im Verteidigungsministerium oder bei der Truppe aufs Neue. Dabei hatte schon das Bundespresseamt vor Ausstellung meiner Dauerakkreditierung mal vorsorglich beim BKA nachgefragt. Aber für den immer wieder wiederholten Datencheck scheint ja Manpower und Geld genug da zu sein.

Da hätte ich mal einen Vorschlag: BMVg und Bundeswehr könnten einfach ihren Kollegen glauben, die paar Wochen oder Monate vorher die Überprüfung sicherheitsrelevater Belange durchgeführt haben, und die freiwerdenden Mannstunden einsetzen, um nach Extremisten in der Bundeswehr zu gucken. Keine Ursache, die Prämie für diesen Einsparvorschlag kann gerne mit dem Haushaltstitel Materialerhalt verrechnet werden.

(Foto: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen im Kreis von potenziell gefährlichen Personen bei der Einweihung des Bundeswehr-Showrooms in Berlin am 19. November 2014)

37 Gedanken zu „Journalisten sind gefährlicher als Jihadisten

  1. @ Thomas Wiegold

    Ich hoffe, dass ihr Vorschlag angenommen wird, gehe aber nicht davon aus.
    Gute Journalisten sind leider immer weniger erwünscht, vor allem wenn sie dann noch die richtigen Fragen stellen (s. Jung & Naiv ;-). Das kann man recht ienfach durch einen sehr hohen bürokratischen Aufwand reduzieren (Akreditierung, Zeitspannen, Informationsfluss,etc…)
    In meinen Augen würde es reichen einmal eine Akreditierung vorzunehmen und nur wenn der begründete, und der betroffenen Person mitgeteilte Verdacht besteht, dass sich etwas geändert hat, dann eine erneute Akreditierung durchzuführen.

    Und bzgl gefährlicher Gegenstände: So ein Kameraobjektiv mit 50x Zoom und PiPaPo tut schon echt weh wenn es geworfen wird :-D

  2. Moin Hr. T.W,
    das ist doch der ganz „normale“ Wahnsinn und der hat Methode, aber nur wenn Sie auch das gelbe Antragsformular genommen haben :)

  3. @Thomas Melber

    Ist ja nicht so, als ob unsereiner im Ministerium nicht unabhängig davon noch durch den Metalldetektor müsste, damit man einem das Schweizer Taschenmesser wegnehmen kann…

  4. Die ganze Meldung in der WELT (Kompakt und Online, „Schläfer in der Bundeswehr“) ist ein Witz. Da wird, ganz Cpt. Obvious, von einer recht vage bleibenden Gefahr durch radikale Islamisten in der Bw fabuliert:

    „Wir sehen das Risiko, dass die Bundeswehr als Ausbildungscamp für gewaltbereite Islamisten missbraucht werden kann“

    Aha.

    Dann werden die Anschläge in Paris „bei dem die Attentäter ganz offenbar eine militärische Grundfertigkeit besessen hätten“ ins Spiel gebracht, obgleich die Terroristen dort ihre „Ausbildung“ keineswegs bei der Armee erhalten hatten.

    Und das ganze wird dann genutzt, um (und bei dem was genau gefordert wird, bleibt man dann vage…) mehr Geld/Personal/Kompetenzen zu fordern.

    Mag ja sein, dass in einigen Bereichen Handlungsbedarf besteht (bspw. wird die Spionageabwehr angesprochen, bei der der MAD offenbar nur dünn aufgestellt ist), aber dann soll der Chef das doch bitte intelligent begründen und nicht solches widersprüchliche Zeug verbreiten. Und wie TW schon anmerkt, ließe sich viel bereits über ne bessere Kooperation zwischen den bestehenden Diensten lösen – das BfV hat ja in der Vergangenheit bereits Hinweise auf extremistische Anwärter für Polizeidienst und Bw hingewiesen, bevor diese eingestellt wurden.
    Ob allerdings eine generelle SÜ1 für alle Bewerber (und um mehr kann es ja eigentlich nicht gehen), ausreichen würde, um das Problem – „Wenn da [Karrierecenter der Bw] ein einigermaßen intelligenter Islamist vorstellig wird, der die Beweggründe für sein Interesse verschleiert, lässt sich seine Einstellung also kaum verhindern“ – lösen würde, scheint mir nicht wirklich sicher.

    Abgesehen davon: Der MAD hat laut Wiki 1135 Planstellen, d.h. jeder Mitarbeiter betreut derzeit theoretisch knapp 150 Bw-Angehörige. Das sollte – da die ja hoffentlich kaum alle „dauerüberwacht“ werden müssen) doch zu machen sein…

  5. Also was den Basischeck für angehende BW-Soldaten angeht, so kann ich mich noch gut daran erinnern, wie wir (d. h. frisch eingezogene Grundwehrdienstleistende) eines Tages in einen Raum geführt wurden und vorne saßen zwei Herren in Zivil (die uns, glaube ich wenigstens, sogar ausdrücklich als MAD-Mitarbeiter vorgestellt wurden). Wir mussten dann alle einen Fragebogen ausfüllen, in welchem unser Vorleben mit einer gewissen Gründlichkeit erforscht wurde. Kann mich noch erinnern, wie ich bei einer Frage etwas ratlos war und zu meinem Nachbarn zur Rechten rüberschielte, worauf ich prompt einen Anpfiff bekam.

    Das war allerdings im (ersten) Kalten Krieg, in den 80er Jahren. Gibt es solche Überprüfungen denn heute nicht mehr?

  6. Natürlich mag der Umfang der Akkreditierungen übertrieben sein. Aber erstens weiß ich nicht, ob der seriöse Thomas Wiegold von gestern noch der Thomas Wiegold von heute ist (Mohammed Atta soll über Jahre hinweg auch als ganz netter Kerl aufgetreten sein, wenn der schräge Vergleich erlaubt ist ;-) ). Und zweitens: Wer sagt denn, dass jeder, der eine Akkreditierung ausgefüllt hat, auch anschließend tatsächlich so geprüft wird wie vielleicht beim ersten Mal – wenn überhaupt ..?

  7. So eine Journalistendatenbank beim BKA macht mir ein mulmiges Gefühl. Eine entsprechend gründliche Eingangskontrolle wäre doch ausreichend.

  8. Journalisten sind natürlich eine Gefahr für das rosarote Bundeswehrbild der BW-Führung. Aber natürlich sollte eine Dauerakkreditierung mehr als ausreichen.

    Die geforderten Daten wie Gebutsdatum und Geburtsort oder Ausstellungsort ist doch völlig belanglos. Die Personalausweisnummer reicht doch aus um alle anderen vorgenannten Daten festzustellen. Und ob jemand Islamist oder Rechtsextremistisch ist, wird man nur feststellen können, wenn jemand schon mal strafrechtlich in Erscheinung getreten ist oder auf einer US-Terrorliste steht.

    Was will man mit dem Geburtsort anfangen, außer dass dann vielleicht jeder Journalist der in der Ex-UdSSR geboren worden ist oder in einem arabischen Land deshalb unter Generalverdacht gestellt wird?

    Ich gehe davon aus, daß der MAD schon heute Daten mit Verfassungschutz und Polizei abgleicht. Aber die meisten BW-Bewerber werden nicht auf einer Extremistenliste stehen und keine einschlägigen Vorstrafen haben.

    Ein Islamist der sich normal gibt, um bei der BW ausgebildet zu werden, und sich erst in den letzten Jahren radikalisiert hat, kann der MAD nicht erkennen.

    Vor ein paar Tagen ist ein Bundeswehrsoldat vorzeitig entlassen worden, stand in mehreren Medien, war aber bisher kein Thema in AG glaube ich, der 5 mal am Tag gebetet hat, sehr islamisch aufgetreten ist(Allah sei die höchste Instanz für ihn usw.) und da hat man auf seinem Laptop islamistische Videos gefunden. Seine Klage gegen die Entlassung wurde abgewiesen. Da hat das Gericht gesagt, daß die BW Zweifel haben durfte, daß er sich zur freiheitlich demokratischen Grundordnung bekennt.

    Aber ein Islamist, der nach außen unauffälig ist, um ausgebildet zu werden, kann man nicht erkennen und daß jemand 5 mal am Tag beten will, kann kein Maßstab für die Verfassungstreue sein. Viele Christen beten auch ein paar mal am Tag und das Beten 5 mal am Tag ist unstrittig den Moslems vorgeschrieben vom Koran. Und Österreich-Ungarn hatte Bosnische Regimenter, die selbstverständlich auch beten durften.

  9. Moin, m. unmaßgeblichen M. nach handelt es sich hier (Präses MAD) um einen Versuchsballon kombiniert mit einem Persilschein.
    1. Ma gucken ob es mehr Geld/Stellen/Hardware/Wissen etc. gibt
    2. Wenn wieder welche durchflutschen: Ich hab es euch ja gesagt, mit der Ausstattung lässt sich nicht mehr machen.
    Davon mal abgesehen, hielten sicherlich auch einige Anhänger/Mitstreiter von. M. Atta
    diesen für seriös. Alles eine Frage der Betrachtung.

    All dieser ganze Datenerhebungswahn, immer und immer wieder macht die Sache oder eine Person noch lange nicht sicher, ist nur einen Momentaufnahme verknüpft mit einer Erwartungshaltung.
    Aber was weiß ich denn schon.

  10. @T.W.
    Sie haben da nur im Kleinen erlebt, was sich wie ein roter Faden durch unsere staatlichen Institutionen zieht. Dass unsere Soldaten die in den Einsatz gehen, für das betreffende Land einen Reisepass mitzuführen haben, ist ein ähnliches Beispiel. Würde man, anstatt die eigenen Leute immer wieder den gleichen unsinnigen Überprüfungen zu unterziehen, mal genauer darauf achten, wen man sonst so alles unbehelligt ins Land (und dessen Streitkräfte) lässt, wäre schon sehr viel gewonnen. Von daher halte ich Herrn Gramms Vorstoß für durchaus diskussionswürdig, ich fürchte allerdings er ist politisch nicht opportun.

  11. @Wolfsmond
    Auch im privatwirtschaftlichen Bereich. Wenn ein Unternehmen in die USA exportiert und als „zuverlässiger Versender“ eingestuft werden will muß bei Betriebsfremden (z.B. Besuchern) eine Sicherheitsabfrage bei „den Diensten“ durchgeführt werden.

    Es soll sogar schon ‚mal jemand hängengeblieben sein, ‚war aber eine Namensgleichheit.

  12. Naja, …

    Die Reservisten der Bw haben jahrein, jahraus bei ihren Übungen immer wieder „Personalbögen“ ausfüllen bzw. richtiger: überprüfen/ ergänzen müssen, in denen mit schöner Regelmäßigkeit falsche Führerscheinangaben, falsche Wehrdienstzeiten etc etc etc enthalten waren.

    Alles berichtigt.

    Und beim nächsten Mal stand alles genauso drin wie vorher auch.
    Aber die Personalbögen mußten wiederum ergänzt/ berichtigt werden …

    Es soll auch Sicherheitsüberprüfungen gegeben haben, bei denen der freundliche Herr des MAD sich über eine halbe Stunde lang mit einem „zu Überprüfenden“ unterhielt, der einen mehr oder weniger ähnlichen Namen wie der eigentlich Gemeinte hatte, bevor er bemerkt hat, daß da wohl etwas nicht stimmt, da offenbar ca 10 Jahre Differenz zwischen den beiden Herren lagen …

    Zumindest die Sache mit dem Personalbogen hat sich m.W. inzwischen tatsächlich erledigt.

    Und: Herr Wiegold: Seien Sie froh, daß Sie Ihre Schuhe bei dem Termin anlassen dürfen …

    ;-)

  13. Ganz ehrlich:

    Was sollen diese „Terroristen“ denn bei der Bundeswehr lernen?
    -Innere Führung
    -Dienst nach Dienstplan unter Einhaltung der EU-Arbeitszeitrichtlinie
    -Koscheres Essen in der Kantine
    -KiTa-Plätze

    Da gibt es wesentlich effektivere Wege, als seine Zeit mit solchen Kinkerlitzchen zu verschwenden….passt aber schön in das Bild der „realitätsfremden“ Führung….

  14. Hätten wir eine Art Duffelblog der Bundeswehr, wäre das die Schlagzeile:
    „ehemaliger Bundeswehrsoldat entsetzt über Arbeitsbedingungen im IS“

    Mossul:
    Zulfiquar al Nemsi, ehemals Maik Konnetzke, Zeitsoldat in der Streitkräftebasis und nun islamischer Konvertit im Dienste des IS, äußerte sich „entsetzt“ über die Arbeitsbedingungen der Kämpfer „Dienstzeitausgleich findet nicht statt und wird wenn, nur unzureichend dokumentiert“

  15. „Ehemalige Soldaten“ sind auch solche, die vor x Jahren ihre 15/ 12/ 10/ 6 Monate Wehrdienst abgeleistet haben.

    Wenn es um längergediente SaZ oder womöglich ehemals BS geht, sieht die Sache schon wieder etwas anders aus.

    Aber vielleicht sollten wir aufgrund der Gramm-Äußerung ernsthaft über ein „Heimatschutzministerium“ nachdenken ?!

    ( ääähemmm )

  16. 10/6 Monate gut.Aber es gab viele W15er,die manch altgedienten Sesselfurzer alt aussehen liessen

  17. Also meine zwei Punkte dazu:

    1. Das ist ja noch harmlos, wenn man bei einem externen Dienstleister arbeitet und dann noch als Sub, kann man in die schöne Lage versetzt werden eine Ü2 zu brauchen. So die wird über die Firma an das Wirtschaftsministerium gestellt. Soweit so gut, aber wechselt man jetzt den Dienstleister oder das Subunternehmen, dann verfällt die Überprüfung und man muss wieder neu überprüft werden. Das habe ich in den letzten Jahren 2 mal mit gemacht.

    2. In meiner AGA (2001) war einer dabei, der war vorher Smutje auf einem Öltanker. Als der die Liste mit Staaten, in die man nicht Reisen darf abgab (Irak, Iran, Syrien usw.), fragte der Kollege vom MAD nur, ob er ihn denn verarschen wolle. Darauf durfte er Stunden plaudern gehen.

  18. @ Schiff:

    Zweifellos.

    Ich wollte nur den Begriff „ehemalige Soldaten“ etwas relativieren. Das klingt im ersten Moment wie „desertierte Bw-Soldaten“, zumindest aber denkt man(n) nicht zuerst an ehemalige GWLer.

  19. @Herr Wiegold

    Wie ihr Text beweist, haben sie Recht.

    Die ironische Feder schneidet schärfer als das Schwert

  20. Interessant ist doch, dass der Inspekteur sich gem. Programm 15 Minuten Zeit für die Presse nimmt. Herr Wiegold, fühlen Sie sich damit ernst genommen?

  21. Na ja, man kann den aktuellen Jihadisten-Hype nicht ungenutzt vorbei gehen lassen, ohne für sich mehr Personal, mehr Geld und mehr Kontrollrechte zu fordern, und die eigene Wichtigkeit ins rechte Licht zu rücken. Da muss man schon mal die eine oder andere Sau durchs Dorf jagen. Ist in Braunschweig oder Bremen inzwischen was handfestes rausgekommen, …oder ausser Spesen nix gewesen. Nach den Schützenvereinen jetzt die Bundeswehr … irgendwo muss er sich doch verstecken, dieser bedrohliche Islamist.

  22. Naja verstehen kann man den zu Grunde liegenden Gedankengang schon. Es haben sich zwar meines Wissens bisher keine (ehemaligen) Militärangehörigen dem IS angeschlossen, aber bei der Größenordnung (ca. 600 Deutsche) die sich angeschlossen haben is die Besorgnis dass es dann halt mal doch passiert schon irgendwo gegeben.

    Aber warum man gerade jetzt dann plötzlich das als große neue Besorgnis ausgräbt ist mir nicht ganz klar. Vielleicht denkt man weil sich ehemalige Soldaten anderer Länder den Anti-IS Kräften angeschlossen haben (vor ca. einer Woche ist ein ehemaliger Royal Marine auf Seiten der Kurden in Syrien gefallen http://www.bbc.co.uk/news/uk-31720274?ns_mchannel=social&ns_campaign=bbc_breaking&ns_source=twitter&ns_linkname=news_central), dass es bald andersherum auch so ist.

    Glaube aber eher auch dass es trotz der wahrscheinlich authentischen Besorgnis vor allem um einen Versuchsballon handelt wie oben schon kommentiert bei dem es in erster Linie darum geht mal die Wassertemperatur zu testen wenn es darum geht den MAD bei der Existenzberechtigung (tatsächlichen und wahrgenommenen) nachzuhelfen.

  23. Journalisten sind gefährlicher als Jihadisten

    Ja, könnte sein, wenn auch anders, als dann im Artikel beschrieben.

    Die größte Gefahr, die von Journalisten für Deutschland ausgeht, besteht darin, dass sie mit der Macht des Wortes fünfte Kolonne von Feinden spielen. Nur das bekämpft man in einer freiheitlichen demokratischen Grundordnung nicht mit Sicherheitsüberprüfungen, sondern mit dem besseren Narrativ, was dieser Feindpropaganda (gibt’s da ein besseres Wort, das nicht historisch belastet ist?) entgegengesetzt werden muss. Hier sind unsere Fähigkeiten und Aktivitäten sicherlich noch ausbaufähig.

    Wir sollten in dieser Diskussion aber nicht Äpfel mit Birnen vermengen.

    Die meiner Ansicht richtigen Gedanken von Christof Gramm haben nichts zu tun mit möglicherweise unsinnigen Verfahrensweisen der Bundeswehr beim Umgang mit Journalisten. Verbesserungsvorschläge durch betroffene Journalisten, auch gern öffentlich, wenn nicht öffentliche Kritik mal wieder ignoriert wird, sind wohl sinnvoll. Eine Vermengung mit dem Thema „Islamisten bei der Bundeswehr“ erscheint mir jedoch an den Haaren herbeigezogen.

    Jede Armee sollte darauf achten, dass sie ihre Feinde nicht selbst ausbildet. Inwieweit es hier sinnvoll sein könnte, bestimmte Journalisten von der Truppe fernzuhalten, könnte man ja auch mal diskutieren. Gerade in Zeiten hybrider Kriege sind auch Worte Waffen und Wissen in den falschen Händen kann zur Gefahr werden.

  24. @ Closius & Chickenhawk:

    Mit Aussetzung der allg. Wehrpflicht erfolgt keine routinemäßige Überprüfung von Rekruten mehr, es sei denn diese werden in Bereichen eingesetzt, wo eine SÜ1 aufwärts erforderlich ist.

    Auch dann erfolgt die Einleitung der SÜ erst bei Versetzung auf DP, ausschließlich anlassbezogen und auf Anforderung sowie mit ca. 3-6 Monaten (Bearbeitungs-) Verzögerung nach Dienstantritt.

    Dies resultiert wohl aus den juristisch- / datenschutzrechtlichen Trennungen der MAD Abt. II und IV sowie den allgemeinen Datenschutzrechtlichen Trennungen von Polizei, Justiz und Geheimdienst, welche eine Überprüfung ohne konkreten Anlass zur Wahrung von individuellen Persönlichkeitsrechten unterbindet.

    Das zugrunde liegende MAD-Gesetz ist nach Ende Kalter Krieg, Aussetzung Wehrpflicht und gefühlt zunehmender Radikalisierung von Individuen (links, rechts, islam,…) wohl auch mal wieder überarbeitungsbedürftig, aber wer wird diese potenziell heiße Kartoffel (NSA Untersuchungsausschuss, etc) wohl freiwillig in die Hand nehmen?

    Ich denke da tut sich erst was wenn der Leidensdruck hoch genug ist, sprich das Kind schon im Brunnen liegt…

  25. @Freiherr vom Stein

    Mit ihrer Bedrohungsanalyse betreffs Worte und Feinde auszubilden haben sie sich um ca. 2000 Jahre im Datum geirrt.

  26. Es ist immer die Frage wie sehr man dazu bereit ist einer bestimmten Gruppe auf die Füße zu treten.
    Wobei ich nicht ganz nachvollziehen kann warum man ausgerechnet Journalisten mittels wiederholter Akkreditierung traktiert.

    Wenn man es eiskalt und rein sachlich betrachtet, müsste man sich in Reihen des MAD als Folge der letzten 12 Monate eher fragen, ob man russlanddeutsche Bw-Angehörige „besonders“ im Blick haben sollte.
    Dummerweise gibt es eventuell keine einzige Person aus dieser Gruppe die nicht treu und verlässlich ihren Dienst tut, eventuell aber auch ein Dutzend bei denen dies nicht der Fall ist.
    Wie man es dreht und wendet, es ist so oder so falsch. Was Dinge wie Akkreditierung und Screening angeht, wird man wohl nie eine Lösung finden die gleichzeitig Sicherheit gewährleistet und niemandem „weh tut“.

  27. @ Prometheus:

    Wer wann wie überprüft werden darf/muß wurde im Sicherheitsüberprüfungsgesetz aus dem Jahre 1994 (natürlich auch mit entsprechenden späteren Änderungen) eindeutig festgelegt. … Viel Spielraum gibt das Gesetz nicht her, so daß eine Einleitung einer Sicherheitsüberprüfung vor Dienstantritt so gut wie nicht möglich sein dürfte.

    @ Patrick S.:

    Man möge mich Lügen strafen, aber es soll einen solchen Fall bereits gegeben haben. Soweit mir zugetragen wurde soll es ein russischstämmiger Mannschaftsdienstgrad von den Fallschirmjägern gewesen sein. – Für die 100%ige Richtigkeit des Gehörten kann ich aber nicht garantieren.

  28. @ ThoDan | 09. März 2015 – 15:48

    Mit ihrer Bedrohungsanalyse betreffs Worte und Feinde auszubilden haben sie sich um ca. 2000 Jahre im Datum geirrt.

    Verstehe jetzt nicht ganz, was Sie mir damit sagen wollen.

    Möglicherweise sind wir heute anfälliger denn je für „verbale Angriffe“ und Subversion. Gerade weil wir uns so selbstgefällig erhaben hinstellen und für gesellschaftlich demokratisch gefestigt halten, sind wir möglicherweise über diese Schiene angreifbarer als das alte Rom vor 2000 Jahren.

  29. Herr Wiegold, Ihr Verbesserungsvorschlag bzw. das geforderte Einsparpotenzial setzt voraus, dass Ihre Daten auch tatsächlich in irgendeiner Form verarbeitet und/ oder geprüft bzw. weitergeleitet werden. Ich kann das für den Fall der Journalisten-Akkreditierung nicht im Einzelnen bestätigen, weiß aber aus eigener Hand, dass oftmals auch in Sicherheitsfragen einfach nur ein Standardformular verwendet wird, dass man von einem Kameraden/ Lehrgang/ ehemaligen Dienststelle hat, das ausfüllen lässt und dann verschwindet es in einem Ordner ohne das damit auch nur einmal gearbeitet wurde.
    Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass der gesamte Überprüfungsworkflow jedes einzelne Mal und bei jeder einzelnen Person durchgezogen wird. Und auch das Formular an sich mag da vllt. schon ein gewisses Abschreckungspotenzial haben.

    Zum Einsparen an Man-Power.
    Ich habe da mal vor einigen Jahren in einer dieser üblichen Gesprächsrunden der Vertrauenspersonen mit dem Generalinspekteur bei dessen Standortbesuch auf dessen Frage, was uns am Dienst zu plagt, gesagt:
    „50% meiner Arbeit als KpChef bestehen aus Tätigkeiten, die genauso irgendwo oder irgendwann ein anderer KpChef exakt gleich durchgeführt hat. Weil es aber weder ein Dokumentenmanagement- noch ein Wissensmanagementsystem gibt, bin ich gezwungen, trotz besseren Wissens einfach die selbe Tätigkeit noch einmal auszuführen und das ist sehr frustrierend“.
    Auch wenn die Prozentangabe damals etwas ad hoc gegriffen war, so dürfte es real in etwas so in der Größenordnung liegen. Und jeder der in der Runde anwesend war, hat je nach Verwendungsreihe (Stab oder Truppe) und Laufbahn (Mannschaft oder Stabsoffizier) ähnliche Zahlen genannt (20% bis 70%).
    Was für ein Einsparpotenzial da vorhanden ist, selbst wenn man nur von dem kleinsten Wert ausgeht und ihn mit der gesamten Truppe multipliziert!

    Es gab dann übrigens ein paar Jahre später (Sommer 2010) mal eine „ganz großen Wurf“ indem der GI ein Dokument namens „konzeptionelle Grundvorstellungen Wissensmanagement BW“ unterschrieben und erlassen hat.
    Was daraus geworden ist und wie Wissens- und Informationsmanagement heute in der Truppe gelebt und erlebt wird, mag da ein jeder selbst beurteilen.

  30. @ Patrick S. und @ Schnellmerker:

    Unter dem Suchbegriff „Bundeswehrsoldat Ukraine“ finden sich einige Artikel vom 16.10.2014 zum Thema. Es handelte sich nach ersten Meldungen um einen aktiven Fallschirmjäger, der nach einer Krankschreibung im Oktober 2014 nicht wieder zum Dienst erschienen war und anscheinend mitsamt seiner Ausrüstung (aber ohne Waffe) in die Ukraine reiste.
    Allerdings meldete das Hamburger Abendblatt eine Woche später unter der Überschrift „Angeblich Fahnenflüchtiger war kein Bundeswehr-Soldat mehr“, dass der Mann kurz vor seiner Ausreise zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden war und bereits aus der Bundeswehr entlassen worden war (oder auch nicht, die vom Abendblatt benannten Quellen bei Staatsanwaltschaft und Bundeswehr (DSK) widersprachen sich da).

  31. @Freiherr vom Stein

    Das Rom diese Probleme vom Bundesgenossenkrieg über Cäsars Gallischem Krieg über den Teutoburger Wald etc. erlebt hat.

    Train them well, the men who will be fighting by your side
    And never turn your back if the battle turns the tide

    Ist das klassische Problem jeder Art von Kolonialstreitkräften, Auxiliarsoldaten etc. wem gehört ihre Loyalität, wie gewinnt man ihre Loyalität

  32. Auch wenn ich mich mit diesem Beitrag nicht gerade beliebt mache, so möchte ich doch eine Lanze für den MAD oder zumindest für einen seiner Offiziere brechen: Es gab in irgendeinem Einsatzland irgendwann einmal einen Presseoffizier, der sofort zum Hörer griff, machdem Thomas Wiegold ihn angerufen hat, um die MAD-Stelle zu bitten, diesen Journalisten zu überprüfen. Jener MAD-Offizier gab seinem Kameraden einen geharnischten Einlauf, dass es nicht die Aufgabe des MAD sei, Journalisten zu überprüfen, und dass Journalisten nur ihren verfassungsmäßig Auftrag erfüllten, wenn sie Presseoffizieren Fragen stellten. Das fand ich einen guten nachrichtendienstlichen Ansatz.

  33. @Freiherr vom Stein & ThoDan: Entgegen der vorherrschenden landläufigen / populärwissenschaftlichen Meinung war Arminius zwar Angehöriger des römischen Ritterstandes aber kein Offizier cheruskischer Auxiliartruppen, sondern lediglich „Ductor Popularium“, d.h. der Führer eines cheruskischen Stammeskontingentes. Die Auxiliarkohorten wurden zwar von Präfekten aus dem Ritterstand geführt, aber die Zenturionen waren von den Legionen abkommandiert. Die Auxiliarkohorten hätten also nicht nur ihre Offiziere ermorden, sondern auch noch unbemerkt in den germanischen Wäldern verschwinden müssen… Das Beispiel passt aus meiner Sicht deshalb nur hinsichtlich OPSEC ;)

    ThoDan | 10. März 2015 – 19:08

    Ist das klassische Problem jeder Art von Kolonialstreitkräften, Auxiliarsoldaten etc. wem gehört ihre Loyalität, wie gewinnt man ihre Loyalität.

    Wobei das eine äußerst interessante Frage ist. Aus meiner Sicht ist die Qualität und die Haltung des Führerkorps entscheiden, weil eben dieses für Führung, Ausbildung und Erziehung der unterstellten Soldaten verantwortlich ist. Wie entscheidend das ist, kann man u.a. daran sehen, dass die nigerianischen Streitkräfte sich auf Friedensmissionen durch Plünderung und im Kampf gegen Boko Harram durch Unfähigkeit auszeichnen, während sich das Nigeria Regiment der Royal West African Frontier Force im Zweiten Weltkrieg in den Kämpfen in Burma auszeichnete.
    Die neuen irakischen Streitkräften hatten nach jahrelanger US-Ausbildungsunterstützung auch ein annehmbares Ausbildungsniveau erreicht. Nachdem Maliki die nationalistischen Offiziere jedoch durch politisch loyale (schiitische) Offiziere ersetzt hatte, ging die Kampfkraft zurück – mit den bekannten Folgen. Gleiches gilt für die jordanischen Streitkräfte, bei denen die massive Vergrößerung in Verbindung mit der Entlassung der britischen Offiziere zu einem massiven Rückgang der Qualität führte.

  34. @Boots on the Ground

    Ich bezog mich bei beim Beispiel Rom z.b. auf Arminius selber, aber nicht nur auf diesen einen Fall.
    Beim Bataveraufstand sind mkn Auxiliareinheiten direkt und geplant in der Schlacht zu ihrem “ Aufständischen“ Volk „übergelaufen“
    Den Sepoyaufstand etc.

    Die Auswahl der Fuehrer ist von entscheidender Bedeutung( siehe Gurkhas)aber es ist wohl genau so wichtig das soziale Umfeld und dessen Loyalität en zu bedenken.
    Fuer Minderheiten mag die Anlehnung an eine andere Macht von Vorteil sein (klassisch britische Methode) aber wenn es das nicht(mehr) ist, dann wird diese belastet und bei wem gilt dann was mehr?

    Ich habe es bisher nur von Mitgliedern ( Offizieren )der BW gehört, das die Verpflichtung als Soldat zur BW alle anderen negieren.
    Sorry für mich steht diese Pflicht stark abgeschlagen hinter der zur Familie.

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