Deutsche Milan-Raketen in der Hand von ISIS?

Mit aller Vorsicht: Im Internet kursieren jetzt Fotos, die belegen sollen, dass die islamistischen ISIS-Milizen bei ihren Kämpfen mit den Peshmerga Milan-Panzerabwehrraketen erbeutet haben sollen, die von Deutschland in den Nordirak geliefert wurden. Siehe unter anderem den Tweet oben.

Nun ist die Herkunft dieses Bildes, die Aufnahmezeit etc. ziemlich unklar. Außerdem: Selbst wenn es ein Bestandteil des Milan-Systems sein sollte (ich bin da nicht sicher), sieht das doch eher nach der Transportverpackung einer Rakete aus?

Hier gibt’s bestimmt Berufenere, die zu diesem Foto was sagen können…

Und noch ein Tweet aus gleicher Quelle – wiederum kein Foto eines einsatzfähigen Systems, oder?

14 Gedanken zu „Deutsche Milan-Raketen in der Hand von ISIS?

  1. Das Bild sagt nicht viel aus. Das können durchaus leergeschossene Abschussrohre sein die wieder mit Schutzkappen versehen wurden.

  2. Das ist jetzt aber nicht so neu, wir hatten das Thema im Dez.. Die ISIS hat die Waffen vermutlich aus einer Lieferung von 4400 Milan-Raketen, die das Assad-Regime 1978 von Frankreich erwarb. Ihre Ausfuhr hatte damals eine Kontroverse im Bundestag und Proteste Israels hervorgerufen.

    Hilflos muß Bonn zusehen, wie Bundesgesetze unterlaufen und deutsche Raketen in das militärische Spannungsgebiet Syrien verkauft werden.

    Wie Strauß den Syrern helfen wollte, den Russen-Einfluß einzudämmen, machte wenig später die syrische Militärzeitschrift „Die Volksarmee“ publik. Sie zeigte Staatspräsident Assad bei der Inspektion einer mit Panzerabwehr-Raketen aufgerüsteten Elitetruppe.
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40616679.html

  3. @axel_f

    Ich wollte jetzt nicht die Debatte über die an Syrien gelieferten Milan wieder aufwärmen. Die Behauptung ist ja, ISIS habe Milan erbeutet, die von Deutschland 2014 an die Kurden geliefert wurden; also nix aus den syrischen Depots. Und da gibt es außer dieser Behauptung und einem Foto, das auch eine verschossene Hülle zeigen kann, bislang offensichtlich nichts.

  4. Auf dem oberen Tweet ist folgendes zu sehen: Startrohr mit den Schützern vorne und hinten sowie für die Schnittstelle zur Abschussvorrichtung unten. Davon hatten wir in der Ausbildung zum Richtschützen MILAN auch welche. Also quasi leere Startrohre. Da man Startrohr und die Schutzkappen wahrscheinlich auch da liegen lässt wo man den LFK abgeschossen hat, ist das Ding wohl eher leer, insbesondere weil der LFK etwa 13 Kilo hat und dann nicht „so easy“ auf der Schulter balanciert werden kann :)
    Falls es sich unten links tatsächlich um das Startrohr einer MILAN handeln sollte (erscheint mir vom Durchmesser her sehr Schmal), dann ist der LFK mit Sicherheit schon verschossen. Das Bild rechts zeigt ein Startrohr, auf dem „OT“ steht. Kannte ich aus meiner Zeit bei der Bundeswehr nicht und ich konnte auch kein Bild mit deutschen Soldaten und einer MILAN finden, auf der auf dem Startrohr dieses Zeichen aufgedruckt ist. Dahingegen scheint das bei den bei der französischen Armee eingesetzten Startrohren der Fall zu sein.

  5. @ T.W. Nein das wollte ich auch nicht.

    Ich denke es hat aber mit dem Besuch von Jan van Aken im Norden Syriens zu tun.

    Im syrischen Bürgerkrieg setzen islamistische Extremisten die deutsch-französische Panzerabwehrrakete „Milan“ ein. Das belegen Informationen, die die Berliner Zeitung und der NDR im von kurdischen Anti-Assad-Rebellen kontrollierten Norden Syriens gesammelt haben.

    unter: berliner-zeitung.de „Dschihadisten mit Milan-Raketen“
    Mit Bild von dem Rohr

  6. Normalerweise ist der IS ja schnell darin, Propagandaerfolge zu verbreiten. Und eroberte deutsche Waffen gehören da sicher dazu. Ich würde deshalb erwarten, dass es Bilder aus dem Irak gäbe.
    In Homs scheint es auch vergleichsweise ruhig zu sein. Ich sehe also keinen Grund für den IS die Milan von der östlichen an die westliche Front zu verlegen.

  7. Als Praktiker kann ich nur verdeutlichen das es sich um ein leeres Startrohr handelt. (Gewicht/Schwerpunkt)

    Ein Propagandafoto also. (Anschauen, lächeln und vergessen)

  8. @axel_F: Gegen den Export von Milan-Rakteten oder Alpha-Jets konnte Deutschland nichts tun bzw. wollte dies wohl auch nicht. Denn es gab ein Geheimabkommen zwischen Deutschland und Frankreich, das bei gemeinsamen Rüstungsprojekten Deutschland keine Einwendungen gegen französische Exportentscheidungen erheben würde und diese anerkennen würde. Unterschrieben war das Geheimabkommen von Helmut Schmidt als damaligem Verteidigungsminister!

    Es gibt also einen Ausweg aus German free, indem Deutschland sich vorher verflichtet, die Exportentscheidungen eines Partnerlandes bei Rüstungsexporten zu akzeptieren.

    Ob es 1978 Ärger um den Export gab, weiß ich nicht mehr, daran kann ich mich nicht mehr erinnern, aber Deutschland konnte den Export gar nicht verhindern, weil man sich verpflichtet hatte Exportentscheidungen von Frankreich anzuerkennen.

  9. Propagandakrieg. Man kann ss auch so sehen: ISIS will hier einen militärischen Erfolg verkaufen. Sie wissen auch, dass die Lieferung von Waffen an die Kurden in Deutschland nicht unumstritten ist. Also kann man mit solchen Bildern, wie auch Bildern von Milan etc. in den Händen der PKK sehr wohl Politik machen. Mit dem Ziel die Lieferung weiterer militärischer Güter an die Kurden zu unterbinden.

  10. Das bedeutet doch eigentlich, ISIS macht dort Geländegewinne wo mit Milan auf sie geschossen wurde, oder obwohl … .
    Die Geschichten von der Erschöpfung der Offensivkraft der Bande sind demnach also mit Vorsicht zu genießen.

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