Ziviler Profi an der Spitze der Bundeswehr-Medien

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Was in den vergangenen Wochen schon intern kursierte, ist seit dem (heutigen) Sonntag auch offiziell: Das Verteidigungsministerium hat einen zivilen Profi an die Spitze der Bundeswehr-Medien gesetzt. Die bisherige ARD-Fernsehkorrespondentin Andrea Zückert leitet die (Zentral)Redaktion der Bundeswehr, die von den gedruckten Produkten wie der Wochenzeitung Bundeswehr Aktuell bis zum Internetauftritt für die eigenen Medien der Streitkräfte verantwortlich ist. Offiziell mitgeteilt wurde das in der jüngsten Ausgabe von Bundeswehr Aktuell, die am (morgigen) Montag erscheint, aber bereits am Wochenende an Journalisten in Berlin verbreitet wurde (siehe Ausriss aus dem Editorial oben).

Mit der neuen, zivilen Frau an der Spitze ist offensichtlich auch ein Kursschwenk des Medienapparates der Bundeswehr geplant – der soll künftig neben der Truppe auch mehr die zivile Öffentlichkeit im Blick haben. Wie die neue Chefredakteurin in ihrem Editorial schreibt:

Die Idee von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ist: Bundeswehr-Medien sollen verstärkt auch in die Öffentlichkeit wirken. Dabei geht es nicht nur um den attraktiven Arbeitgeber Bundeswehr. Vielmehr soll die Überzeugung greifen, ohne Bundeswehr sind Frieden und Freiheit in Sicherheit kaum vorstellbar. Das Engagement der Soldaten verdient es, medial überzeugend dargestellt zu werden. Die Bundeswehr steckt voller guter Geschichten. Erzählen wir sie den Bürgern.

Wir sind gespannt.

62 Kommentare zu „Ziviler Profi an der Spitze der Bundeswehr-Medien“

  • Aufklärer   |   12. Januar 2015 - 7:23

    Es ist wirklich erstaunlich. Wenn es „um irgendwas mit Medien“ geht, zeigt sich vermeintlich jeder kompetent – genauso wie in Diskussionen über Schule, Religion und Weltpolitik. Die Nachricht war, glaube ich, dass die Führung der (Zentral-)Redaktion in die Hände einer zivilen Journalistin gelegt worden ist, die fachlich schon Einiges vorzeigen kann. Alles weitere, was hier hineingeheimst wird, ist in der Tat pure Spekulation: Zentralisierung, Themenfindung, Einbindung anderer Strukturen, Rolle von OpInfo und Nachwuchswerbung etc. – alles entweder selbstverständlich oder weit außerhalb der Zuständigkeit der Redaktionsleitung. Es gilt das Gleiche wie bei jeder Neubesetzung: Zunächst muss der Stelleninhaber/die Stelleninhaberin eine Weile gearbeitet haben, damit man sich ein erstes Urteil erlauben kann.
    Im Übrigen gilt für die Bw-Medien das, was T.W. jüngst für die gesamte (Online-)Medienlandschaft zusammengefasst hat (http://bit.ly/14nsr0N). Das sind die Probleme und das Umfeld, in dem sich alle Medien zurechtfinden und beweisen müssen. Ob da eine Stelle mit einer Blonden oder einem Brünetten besetzt wird, ist völlig irrelevant.

  • axel_f   |   12. Januar 2015 - 9:02

    So lange es solche Überschriften gibt haben wir ein Problem. Bild online von heute.

    Vier Bundeswehrsoldaten in Kabul vermöbelt

    „Zu den Hintergründen kann die Bundeswehr keine Angaben machen.“

  • Sascha Stoltenow   |   12. Januar 2015 - 10:30

    @Aufklärer: Grundsätzlich einverstanden, aber „Zunächst muss der Stelleninhaber/die Stelleninhaberin eine Weile gearbeitet haben, damit man sich ein erstes Urteil erlauben kann.“ stimmt nicht ganz. Mit Ihrem Editorial in der bw aktuell macht Frau Zückert einen Auftakt, den man nicht nur bewerten kann, sondern muss, wenn man das Thema ernst nimmt.

  • Mentor   |   12. Januar 2015 - 11:29

    Eigentlich bin ich auch dafür, dass jeder seine Chance bekommen sollte. Betreffs der Bw sehe ich das mittlerweile anders.
    Gerade was Öffentlichkeitsarbeit betrifft, wurden schon viel externe „Experten“ beauftragt. Die Ergebnisse hat Sascha Stoltenow ja zum Teil hinlänglich kommentiert, wobei ihm vielleicht nicht bewusst war, dass es sich nicht um Bw eigene Produkte handelte.
    Das kann man sich ungefähr so vorstellen. Der Stab für Presse und Öffentlichkeitsarbeit bekommt ein Budget für Werbung. Man beauftragt dann, meist nach einer Ausschreibung, eine Agentur. Darin sitzen dann spätestens sehr bundeswehrferne Spezialisten, die ein tolles Konzept vorlegen, das angeblich nach neuesten wissenschaftlichen Methoden entwickelt wurde. Weil das Geld dann auch schon weg ist, wird das ganze abgesegnet und auf die Gesellschaft losgelassen. Dann kann auch Kamerad Stoltenow wieder loslegen.
    Dazu gibt es im BwTV einen netten Beitrag. Beim Anblick der schick gekleideten Medienexpertinnen, wirklich was für die Dinnerparty, befiel mich einfach das Gefühl, dass die nicht wirklich wissen worum es geht.
    Vor diesem Hintergrund neige ich auch bei dem Neuzugang zu Skepsis.

  • Don Yogi   |   12. Januar 2015 - 15:32

    @Aufklärer:
    Nein, Zentralisierung und Nachwuchswerbung waren keine Spekulationen. Die sind bereits Tatsachen, wenngleich die finale Zentralisierung noch nicht abgeschlossen ist. Ja, außerhalb der Zuständigkeit der Redaktionsleitung.
    Zu OpKom hatte mich mich gar nicht geäußert und möchte ich auch an dieser Stelle nicht. Dennoch danke für den Hinweis.

  • Hensley   |   12. Januar 2015 - 16:05

    @ Don Yogi
    Das was Sie spekulieren würde nach meiner Meinung eine ganz entscheidende Verbesserung mit sich bringen: die Informationsarbeit, im Schwerpunkt die redaktionelle Arbeit, könnte querschnittlich wahrgenommen werden und nicht in den Schranken von TSK und Org-Bereichen. Hier wird Potential verschenkt. Die Geschichten der Bundeswehr und die interessanten Personen, die sie erzählen sitzenin der Fläche und nicht im unmittelbaren Berliner Zugriff. Im Grunde beschreiben Sie ein System von „Korrespondentenbüros“, die einer zentralen Redaktion in Berlin zuarbeiten.

    Jetzt spekuliere ich mal: die „Regionalpressezentren“ bekommen auch ein bisschen Material (VJ-Equipment, Recorder für Hörfunk etc.) und Personal mit entsprechender Ausbildung und recherchieren und produzieren in Absprache mit Berlin aber ansonsten eigenständig Themen aus dem regionalen Bereich. Von mir aus sitzen in der „Redaktionszelle“ in nördlichen Bundesländern immer auch Marineuniformträger als Fachleute aber ansonsten gilt: das Thema ist „die Bundeswehr“, ohne Trennung in Zuständigkeiten und deren Grenzen – zumindest was die redaktionelle Arbeit angeht.

  • Axel Schrader   |   12. Januar 2015 - 21:06

    @Mentor
    Der Pr-/InfoStab hat kein Budget für Werbung.
    Der Pr-/InfoStab beauftragt keine Agenturen, sondern vergibt Aufträge an die Zentralredaktion. Eine Bewertung des Rests Ihrer Ausführung erübrigt sich entsprechend.

  • Don Yogi   |   12. Januar 2015 - 22:57

    @Hensley
    (y)
    Warten wir mal ab….

  • Jan Stephan   |   13. Januar 2015 - 10:50

    Die Verbindungen zwischen dem ARD-Hauptstadtstudio und dem Regierungsapparat werden immer enger. Ähnlich den Ministern, die gerne in die Wirtschaft wechseln zieht es Journalisten in den Bereich des PR.

  • T.Wiegold   |   13. Januar 2015 - 11:29

    @Jan Stephan

    Der letzte Halbsatz stimmt – weil nämlich immer mehr Arbeitsstellen von Journalisten in Redaktionen abgebaut werden. Sonst allerdings hätte ich gerne einen Beleg für Ihre Aussagen.

  • bitte_so_nicht   |   13. Januar 2015 - 18:02

    @ Don Yogi & @ Hensley

    es wäre sehr wünschenswert, dass die Zentralisierung in der ZRed in Berlin „aufgeweicht“ wird und alle gemeinsam an einem gemeinsamen Auftrag & Produkt arbeiten würden. Dafür müsste die ZRed aber auch Kompetenzen (z.B. Videoproduktionen) an andere abtreten. Aber wenn sie dies tun würden, könnte vielleicht ein Neubau einer Medienzentrale in Berlin nicht mehr begründet werden…..

  • Lefti   |   14. Januar 2015 - 19:37

    Was wir brauchen ist kein Marketing oder bessere Kommunikation, sondern Soldaten/innen die dienen und Ihren Job machen. Ich bin Jg. 53 H.d.R und muss sagen, dies ist nicht mehr meine Bundeswehr, sondern ein Haufen für profilierungssüchtige Frauen und ein Auffangbecken von gescheiterten Existenzen. Im Zeichen der Wehrpflicht gab es noch den Bürger in Uniform, heute bezweifle ich das.