Wehrbeauftragter: 750 Millionen für marode Kasernen werden „sicherlich nicht reichen“

Mandatsverlängerung

Ein Nachtrag zum (scheidenden) Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus, der in der zurückliegenden Woche seinen letzten Jahresbericht vorgestellt hat: Die 750 Millionen Euro, die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen für die Sanierung maroder Kasernen angekündigt hat, würden sicherlich nicht reichen, sagte Königshaus in einem Interview der Wochenzeitung Das Parlament des Bundestages, das am 2. Februar erscheint.

Zur Dokumentation das Interview im Wortlaut:

Herr Königshaus, Sie mahnen den maroden Zustand vieler Kasernen an. Nun hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) – sicherlich nicht zufällig – einen Tag vor der Veröffentlichung Ihres Jahresberichts angekündigt, in den nächsten drei Jahren 750 Millionen Euro in die Sanierung der Kasernen zu investieren. Wird das reichen?

Rund 38 Prozent der Liegenschaften sind sanierungsbedürftig und neun Prozent eigentlich unbewohnbar. Und eine Sanierung ist, wenn ein Gebäude so heruntergewirtschaftet ist, dass es unbewohnbar ist, in der Regel genau so teuer wie ein Neubau. Hinzu kommt das Ziel der Ministerin, neue Standards für die Unterkünfte einzuführen, das heißt in der Regel Einzelbelegung der Stuben mit jeweils eigenem Sanitärbereich. Wir haben ein so großes Maßnahmenpaket vor uns, dass die 750 Millionen Euro sicherlich nicht reichen werden.

Sie kritisieren, dass die Evaluierung der Neuausrichtung der Bundeswehr nicht für eine Überprüfung des Standortkonzeptes genutzt worden sei. Wiegen bei der Standortauswahl die Begehrlichkeiten von Kommunen und Bundesländern schwerer als die Bedürfnisse der Truppe?

Natürlich ging es auch darum, die Neuausrichtung und das Stationierungskonzept politisch möglichst geräuschlos umzusetzen. Deshalb hat man versucht, die Länder alle gleich zu behandeln bei der Frage, welche Standorte geschlossen und welche erhalten werden. Das ist aber mit Blick auf eine Abfederung der Belastungen für die Soldatinnen und Soldaten keine zielführende Herangehensweise. Das habe ich schon bei der Vorstellung des Stationierungskonzeptes gesagt. Man hätte versuchen müssen, innerhalb der Verwendungsbereiche Cluster zu bilden, um die Zahl der Versetzungen von Soldaten quer durch die Republik zu verkleinern und ihnen damit die Pendelei zwischen Dienst- und Wohnort zu ersparen. Dort, wo es möglich ist, sollte zum Wohle der Soldatinnen und Soldaten nachgesteuert werden.

Die Neuausrichtung der Bundeswehr hat sich an der Maßgabe orientiert, einen großen Auslandseinsatz wie in Afghanistan stemmen zu können. Nun ist sie aber eher in vielen kleinen Einsätzen engagiert. Darauf sei die Struktur nicht ausgelegt, warnen Sie. Muss an der Reform nachgebessert werden?

Bei der Neuausrichtung gilt das Prinzip „Breite vor Tiefe“. Das heißt, man wollte der Bundeswehr ein möglichst breites Fähigkeitsspektrum erhalten, auf alles vorbereitet sein, aber möglichst nicht zu lang andauernde Einsätze durchhalten müssen. Das funktioniert aber nur dann, wenn ich mich international auf Partner als Ablösung stützen kann. Oder aber ich nehme in Kauf, dass die eingesetzte Truppe regelrecht verbraucht wird, weil die Regenerationszeiten der Soldaten zwischen ihren Einsatzzeiten nicht eingehalten werden können. Das erleben wir beispielsweise beim Einsatz der Flugabwehrraketentruppe in der Türkei. Es ist ja der Sinn der Evaluation der Neuausrichtung zu prüfen, an welchen Stellen nachgesteuert werden muss. Dieses Nachsteuern muss jetzt erfolgen.

Ist das Modell „Breite vor Tiefe“ nicht prinzipiell falsch?

Diese Entscheidung war eine politische und dies habe ich als Wehrbeauftragter nicht zu kritisieren. Wenn dies jedoch dazu führt, dass die immer gleichen Glieder aus einer breiten Kette von Fähigkeiten beansprucht werden, dann führt dies letztlich zu deren Bruch. Dies betrifft beispielsweise immer wieder den Sanitätsdienst, den Lufttransport, die Logistik oder wie gesagt aktuell die „Patriot“-Truppe in der Türkei. Wir sind auf dem besten Weg, die Soldaten zu überfordern. Und dies kritisiere ich als Wehrbeauftragter. Um dies zu vermeiden, müssen diese Bereiche entweder personell verstärkt werden oder wir benötigen ein mit unseren Verbündeten abgestimmtes Konzept für Ablösung nach einer bestimmten Einsatzzeit.

185.000 Soldaten soll die Truppe umfassen. Doch dies ist schon jetzt kaum zu halten. Muss die Zahl nach unten korrigiert werden, weil der Nachwuchs fehlt?

Die Bundeswehr benötigt etwa 40.000 Bewerber pro Jahr, um ihren Bedarf an qualifiziertem Nachwuchs an Soldatinnen und Soldaten decken zu können. Selbst wenn das Ziel von einem Frauenanteil von 15 Prozent erreicht wird, werden 85 Prozent des Truppenkörpers weiterhin von Männern gebildet. Bei einer derzeitigen Alterskohorte von etwa 315.000 jungen Männern pro Jahrgang, müsste sich fast jeder zehnte bei der Bundeswehr bewerben. Das ist ein sehr ehrgeiziges Ziel, um es vorsichtig auszudrücken. Vor allem weil sich das demographische Problem weiter vergrößert und die Bundeswehr in einem scharfen Wettbewerb mit der freien Wirtschaft steht, die unter dem gleichen Problem leidet. Unter den derzeitigen Rahmenbedingungen wird die Bundeswehr ihren Nachwuchsbedarf nicht decken können, dafür muss sie attraktiver werden.

Was muss vorrangig getan werden?

Zunächst müssen alle Faktoren abgebaut werden, die zu vermeidbaren Überlastungen der Soldaten etwa in den Einsätzen führen. Aber auch im Grundbetrieb müssen Belastungsfaktoren beseitigt werden, die in der Wirtschaft so nicht vorhanden sind. Das fängt bei der Qualität der Liegenschaften an und reicht bis zu einer vernünftigen Personalplanung. Ich plädiere dafür, dass die sogenannten Stehzeiten in einer Funktion und einem Standort zu verlängern. Es kommt bei der Bundeswehr zu häufig zu Versetzungen in kurzen Abständen. Wir haben eine wachsende Zahl von Soldatinnen, die wiederum mit Soldaten verheiratet sind und Kinder haben. Die sind auf eine langfristige und verlässliche Personalplanung angewiesen.

Sie haben den von der Ministerin vorgelegten Gesetzentwurf zur Attraktivitätssteigerung begrüßt.

In seiner Zielsetzung unterstütze ich den Gesetzentwurf. Aber die geplanten Maßnahmen müssen finanziell unterfüttert werden. Das Gesetz macht nur Sinn, wenn es sich dauerhaft und auskömmlich auch im Bundeshaushalt widerspiegelt.

Gleichzeitig mahnen Sie, nicht alle Probleme würden angepackt. Was fehlt?

Vor allem fehlt die Möglichkeit für die Soldaten, zwischen Umzugskostenvergütung und Trennungsgeld wählen zu können. Diese Wahlmöglichkeit ist im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD vereinbart worden, wird jetzt aber doch nicht umgesetzt. Es ist schon kurios, dass der damalige Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) diesen Punkt in die Koalitionsverhandlungen eingebracht hat, dies nun als Innenminister aber ablehnt.

Hat sich die aktuelle, hitzige Debatte über Migranten negativ auf die Stimmung in der Truppe ausgewirkt?

Nein, die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund hat in der Bundeswehr eher gut funktioniert. Wenn Probleme auftauchten, war dies auf konkrete Personen zurückzuführen. Wenn etwa ein Vorgesetzter seine Stellung ausnutzt, um seiner persönliche Abneigung gegen Migranten auszuleben, dann ist er als Vorgesetzter nicht tragbar. Die Bundeswehr ist genau wie die Wirtschaft vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung auf Migranten angewiesen. Klar ist aber auch, dass Migranten deutsche Staatsbürger sein müssen, um in der Bundeswehr dienen zu können.

Im Mai dieses Jahres endet Ihre Amtszeit als Wehrbeauftragter. Haben Sie für Ihren Nachfolger Hans-Peter Bartels einen Ratschlag?

Ja, aber den werde ich ihm auch persönlich mitteilen.

(Archivbild 2011: Königshaus im Bundestag während der Debatte über eine Verlängerund des ISAF-Einsatzes – Bundeswehr/Andrea Bienert)

91 Gedanken zu „Wehrbeauftragter: 750 Millionen für marode Kasernen werden „sicherlich nicht reichen“

  1. @Hugo803

    Die Vergütung für UvD/GvD/Wache war zu meiner Zeit ein Feigenblatt für Übung/Manöver nicht mal das und gebessert scheint sich das nicht zu haben.

    Der zivile Kraftfahrer fährt nicht durch Afghanistan.

    btw was verdient ein Soldat in vergleichbarer Funktion, einschliesslich Sozialleistungen, in den USA oder UK.?

    @BlueLagoon

    Sorry, ich sehe keinen Zusammenhang

  2. Kommt doch mal zum Thema zurück, nämlich dem wahnsinigen Verprassen von Steuergeldern, für eine Truppenreform die schon längst wieder überholt ist und wobei die Politiker sich nicht eingestehen können große Fehler gemacht zu haben bei den Standortfragen und bei der Transfornation von Truppenteilen, zb NH 90 zum Heer und CH 53 zur Luftwaffe …oder sind die Politiker nur falschen Informationen erlegen??

  3. „btw was verdient ein Soldat in vergleichbarer Funktion, einschliesslich Sozialleistungen, in den USA oder UK.?“

    Deutlich weniger als ein deutscher Soldat…

    Mich ärgert vdL Aussage, das die Truppe nun in einen „Reform-Marathon“ gehen müsse…..das hat die Bw seit 1995 getan…..und alle sind es leid….denn es kann nie zu einer Verbesserung….sondern nur zu mehr Generälen, mehr Bürokratie….und weniger „Soldat sein“..

  4. Es geht um Wettbewerb und Attraktivität.
    Wenn die Bundeswehr so gut zahlt, dann kann es ja kein Problem geben oder ist die Bezahlung evtl nicht alles.
    Was für junge ungebundenen Soldaten attraktiv ist, muss nicht für Menschen in anderen Lebenssituationen attraktiv sein. Wir haben schon jetzt Großstandorte mit all iheren Problemen Köln, Koblenz, Wilhelmshaven, Munster, Wunstorf, Strausberg uvm)
    Großstandorte müssen ihr Personal ebenfalls generieren und da wird es mit jedem Ausdünnen aus der Fläche schwer, ganz abgesehen von der militärischen Notwendigkeit zu dislozieren.
    Es ist mir unbegreiflich wie man gegen eine vernünftige Unterbringung von Soldaten im Grundbetrieb sein kann, zudem die Kosten von den Soldaten getragen werden.
    In vielen Bereichen wird inzwischen mit der Unterbringung der Soldaten auch noch Gewinn erwirtschaftet ohne das die Soldaten eine anständige Unterkunft bekommen.
    Viele wären inzwischen bereit sich einen Wohnwagen auf eigene Kosten zu beschaffen, doch es ist in Bw Liegenschaften nur das Abstellen (gegen Bezahlun) erlaubt und nicht das Bewohnen. Viele meiner Kameraden wären froh, sie hätten wenigstens die Unterbringung wie im Einsatz.
    Bei all dem ist es ja auch so, dass es Bereiche gibt die in Ordnung sind. Wenn man will, kann man.

  5. @huey

    Ich widerspreche.

    Ich nehme mal die USA als Beispiel:

    Einkommen Feldwebel (OR6) im Vergleich (5 Jahre Dienstzeit)

    Feldwebel: ca. 27.400€ (+ truppenärztliche Versorgung + temporär Unterkunft (25. LJ) + BFD)

    Staff Sergeant: ca. 30.275€ (+ free health care + retirement pay + education benefits + subsidised housing + subsidised food + etc) (( ein 8yr enlistment bringt etwa 250.000 – 300.000€ an benefits neben dem Gehalt laut US Congress))

    Wenn ich nun noch andere Faktoren einbeziehe wie Gesellschafstvergleich, uns sonstige Sozialleistungen für die Familien liegen US Soldaten trotz ihrer Masse weit vorne. Und etwa nicht gerade wegen dem Gehalt (das Kaufkraftbereinigt in etwa gleich ist) sondern gerade wegen den Leistungen.

    Der große Unterschied ist allerdings wie man dahinkommt, ergo was man dafür leisten muss und wie lange es dauert. Und da muss man international feststellen dass der dt. Feldwebel ungeschlagen der Krösus ist. Ich würde in der NATO keinem erzählen wie Man bei uns Feldwebel wird….

  6. Nach der Generaldebatte hier möchte ich nochmal fragen:
    Wieviel mehr Geld will vdL denn nun für was ausgeben?

    Es fehlt nun seit einer Woche die Faktenbasis für die Debatte.

    Die Ministerin geht ja nun in die Eckwerte-Verhandlungen mit dem Finanzminister. Da sollte ja schon klar sein was man will.
    Sie wird eine Aufstockung bekommen – da ist die Diskussion um marode Unterkünfte Rückenwind.

    Aber es wird auch dann nicht genug Geld für eine attraktive, einsatzbereite, moderne Bundeswehr sein. Zumal man ja weiterhin ungebremst Industriepolitik mit der Bundeswehr betreibt.

  7. Die Beoldung ist sicher nicht das Problem. Gerade für Ungelernte ist der Verdienst erheblich attraktiver als „draussen“. Auch Fachleute verdienen später nicht schlecht, die Krux ist eben das alte Beamtenbesoldungssystem, in dem man für’s älter werden bezahlt wird. Solange es die Bw nicht schafft, die Dienstgrade von der Besoldungsstufe zu entkoppeln, wird sich nicht viel ändern. Inzwischen läuft jeder der nicht bei drei auf dem Baum ist, als Oberfeldwebel herum, ohne von irgendetwas Ahnung haben zu müssen. Nur damit man die Leute mit höherer Besoldung anlocken kann, überträgt man ihnen Dienstgrade, ohne jegliche militärische Erfahrung vorweisen zu können. Warum kann ein Soldat, der nie in die Situation kommen wird Menschen zu führen, nicht Obergefreiter sein und trozdem nach A7 oder A8 besoldet werden, wenn er die entsprechende Fachtätigkeit ausübt ? Früher war es möglich, anhand des Dienstgrades auf den Ausbildungsstand des betreffenden zu schließen, heute muss man fragen „entschuldigen Sie Herr Oberfeldwebel, kann ich Sie etwas fragen oder sind sie noch in der Grundausbildung ?“. Ausbilder mit sämtlichen Lizenzen und Qualifikationen haben heutzutage den gleichen Dienstgrad wie ihre Auszubildenden. Wie sich das auf die Motivation der Truppe ausirkt, scheint aber niemanden zu interessieren. Nachwuchs anzulocken hat höchste Priorität, was mit den Leuten passiert wenn sie erstmal dabei sind, interessiert dann niemanden mehr.

  8. huey | 01. Februar 2015 – 8:30
    Q “btw was verdient ein Soldat in vergleichbarer Funktion, einschliesslich Sozialleistungen, in den USA oder UK.?”
    Deutlich weniger als ein deutscher Soldat…uq

    Ich kann es in GB nicht mehr beurteilen, jedoch in USofA machen die benefits eine erhebliche Verbesserung der ausgezahlten Bezuege>
    ueberall ermaessigte Tarife fuer Soldaten, commissary, Fluege nationwide gegen geringste Gebuhr, Versicherungen, housing/quartering…
    Und: das ist allerdings unbezahlbar – eine verlaessliche Personalplanung!

  9. Das Thema ist marode Kasernen und wie diese sich auf die Attraktivität auswirken.
    Das ist Unterkunft unabhängig vom Dienstgrad eben eines von vielen Themen.

    Im Moment ist die Situation, dass um Einzelbelegung zu erreichen viele über 25 die Kaserne verlassen müssen oder deshalb kein Bett in der Kaserne bekommen.

    Wie wird dieser Umstand verbessert welche Maßnahmen werden getroffen.
    Der nächste Schritt wäre, Unterkünfte zu renovieren und neue zu schaffen.
    Die Situation im Moment ist nicht haltbar.

  10. Elahan:

    „Im Moment ist die Situation, dass um Einzelbelegung zu erreichen viele über 25 die Kaserne verlassen müssen oder deshalb kein Bett in der Kaserne bekommen.“

    Das ist seit fast 10 Jahren ein Dauerthema…es gibt in diversen Kasernen seit Jahren einen extremen Unterkunftsamangel.

    „Wie wird dieser Umstand verbessert welche Maßnahmen werden getroffen.
    Der nächste Schritt wäre, Unterkünfte zu renovieren und neue zu schaffen.“

    Das wird nicht passieren, weil Unterkünfte per se nur noch für Unterkunftspflichtige, Lehrgangsteilnehmer und sehr geringe Prozentanteile unterer Dienstgradgruppen nach Schlüssel bereitgestellt werden.
    Um da grundsätzlich etwas daran zu drehen, müsste die Bundeswehr auch grundsätzlich eine Entscheidung treffen, sich wieder für Unterbringung nicht Kasernenpflichtiger zuständig zu fühlen… und da würde ich eher auf das berüchtigte Eis in der Hölle wetten…

  11. @Wolfmond:

    „Warum kann ein Soldat, der nie in die Situation kommen wird Menschen zu führen, nicht Obergefreiter sein und trozdem nach A7 oder A8 besoldet werden, wenn er die entsprechende Fachtätigkeit ausübt ?“

    Richtige Idee – hat nur einen brutalen Nachteil. Das Problem ist ja keines der Bundeswehr, sondern eines des öffentlichen Dienstes. Die Dienstgradinflation findet sich ja auch zum Beispiel bei der Polizei. Um derartiges Umzusetzen, müsste man ein völlig neues Zulagensystem erschaffen, welches auch von den anderen Ressorts mitgetragen wird. Solange die Soldaten kein eigenes Besoldungssystem haben eher unwahrscheinlich. Das will man aber teilweise auch seitens der Soldaten nicht, denn solange die Soldaten an den Beamten hängen, hat man halt wenigstens noch eine brauchbare Lobby.

  12. @Kerveros

    Es ist ein Dauerthema aber durch die Forderung der Einzelbelegung und durch die Neuausrichtung ist die Situation verschärft worden.
    Wenn junge Soldaten zum Bund gehen, dann rechnen sie mit allem, aber nicht damit sich eine Wohnung am Standort nehmen zu müssen.

    Diese Situation verschärft sich nun, weil wir auch Mannschaften weit über 25 haben die ständig auf Einsatz, Übung und Lehrgängen sind. Ihren Urlaub und Woe verbringen sie dort wo ihr soziales Netz ist und dies ist in der Regel nicht am Standort. SaZ sind Arbeitnehmer mit Zeitvertrag und da ist das Dienstende absehbar, deshalb halten viele ihre Verbindung zur Heimat, wo Haus, Hof und Familie ist. Der Mannschaftssoldat ist eben oft anders in seiner Lebensplanung aufgestellt als der BS (und an BS Bewerbern fehlt es oft nicht).
    Die SaZ Mannschaften werden uns fehlen und gerade sie sind in der Arbeitgeberwahl die Flexibleren.

  13. @Kervos
    “Im Moment ist die Situation, dass um Einzelbelegung zu erreichen viele über 25 die Kaserne verlassen müssen oder deshalb kein Bett in der Kaserne bekommen.”

    Ist nur teilweise richtig.
    Fakt ist das natürlich nur für Unterkunftspflichtige (alle Soldaten unter 25 egal wo sie wohnen) Unterkünfte kostenfrei zur Verfügen gestellt werden müssen. Ob deshalb eine Einzelunterbringung zur Verfügung steht entscheidet der KasKdt. Ein Rechtsanspruch darauf besteht leider nicht.
    Über 25 jährige können einen Antrag zum Wohnen in der Gemeinschaftsunterkunft stellen und müssen wenn sie eine Unterkunft zur Verfügung gestellt bekommen, dafür bezahlen.
    Gem. Trennungsgeldverordung müssen Trennungsgeldempfänger nach §6 (keine tägliche Rückkehr zum Wohnort) bei Vorhandensein von Unterkünften diese in Anspruch nehmen. Diese haben ein Vorrecht zu nicht Unterkunftspflichtigen Soldaten die kein Trennungsgeld erhalten. Sollten keine Unterkünfte am Standort für Trennnungsgeldempfänger zur Verfügung stehen, bekommen diese ein Trennungsübernachtungsgeld mit dem sie sich auf dem freien Wohnungsmarkt etwas anmieten müssen.
    Die über 25 jährigen die kein Trennungsgeld erhalten gehen hier leider leer aus. Um diesen Missstand zu beenden, gibt es aus meiner Sicht nur die Möglichkeit für diese Unterkünfte durch einen zivilen Investor in oder an den Liegenschaften. bauen zu lassen. Dafür müsste man aber auch den Willen haben dieses rechtlich und vertraglich umzusetzen. Dieser ist meiner Ansicht nach, aber derzeitig nicht vorhanden. Dementsprechend werden wir uns die nächsten Jahre immer noch mit dem derzeitigen Sachstand abfinden müssen.

  14. Wie schon gesagt, ich finde es als Unding, das ein Soldat für seine Unterkunft in der Kaserne zahlen soll und genauso als Unding wenn es an einer angemessenen Unterkunft am Standort fehlt.

  15. Oli,

    das Problem ist nur, dass so mancher Kaserne (ich spreche bewusst nicht von nahezu allen) in den letzten Jahren so mit Truppe vollgestopft wurden bzw. Unterkunftsgebäude in Bürogebäude umgestaltet wurden, dass selbst der Trennungsgeldempfänger keine Bude bekommt, sprich außer den Unterkunftspflichtigen U25/nicht verheiratet kommt überhaupt kaum jemand in den Genuss der Einzelunterkunft mit lautem, schnell vereisenden Kühlschrank, Flatscreen und Ganzkörperspiegel.

    Die Unterkunftsattraktivität erreicht somit 2/3 der Truppe überhaupt nicht.

  16. Faktencheck:
    Nahezu jede Kaserne die ich kenne und die derzeit noch existiert, hat mehr oder weniger große Probleme mit der Bausubstanz. Die Mittel Bauunterhalt sind zumeist ein Tropfen auf einem sehr heißen Stein, der Großteil der Inframittel wird durch die ständigen, extrem sinnvollen REFORMEN sinnlos verpulvert. Für ausschließlich politisch motivierte Entscheidungen wie die Verlegung Stab der 1. Panzerdivision an einen Einödstandort ohne Anbindung an eine dringend benötigte Verkehrsinfrastruktur zum Beispiel. Und da höre ich heute im Radio, in Hannover wäre kein Platz dafür gewesen, rofl…. Ist die Kaserne in der Böckler Allee jetzt durch den Winter oder zu heißes Waschen geschrumpft?Auch wenn der betreffende Staatssekretär jetzt zu Ende sekretärt hat, eine blamable und cirka 35 Mio teure Fehlentscheidung. Das in diesem Bereich investierte Geld ist wegen der langen Vorlaufzeit zwischen Planung und Ausführung in schöner Regelmäßigkeit verschwendet, Beispiele gibts genug.
    Für die betroffenen Soldaten hat das zur Folge, marode Buden, für Pendler Ü25 keine Unterkunft, Selbsteinmietung für TG Empfänger mit, für alle anderen ohne Mietkostenzuschuß. Kosten also, die der Soldat zu tragen hat. Attraktiv .ist.anders.
    Diese bescheidene Situation sollen jetzt 750 Fantasiemillionen, wie oben mehrfach treffend beschrieben, in heiteres Wohlgefallen verwandeln.
    Dazu fällt mir nur das Zitat meines Kaisers ein:
    ja Is denn scho Weihnachten?

  17. „Um da grundsätzlich etwas daran zu drehen, müsste die Bundeswehr auch grundsätzlich eine Entscheidung treffen, sich wieder für Unterbringung nicht Kasernenpflichtiger zuständig zu fühlen…“

    Warum sollte die Bundeswehr überhaupt für die Unterbringung zuständig sein?
    Für Lehrgänge-ja, natürlich.

    Aber seit der Umstellung auf eine „Freiwilligenarmee“ sollte dieses Thema nicht mehr akut sein.

    Ein Soldat erhält eine Zusage für eine Einstellung-und dann ist es ihm selbst überlassen, ob er an den Standort ziehen oder pendeln will-so sollte es zumindest sein.

    Wer sich im zivilen bei einem Arbeitgeber bewirbt, dessen Produktionsstätten weit weg vom eigenen Heim liegen, der kann sich auch nicht darauf verlassen, das der Arbeitgeber für Unterkunft sorgt…

  18. FlaOffz,

    Der Trennungsgeldempfänger hat halt auch leider keinen Anspruch auf eine Unterkunft. Somit bekommt er, wenn keine Unterkunft zur Verfügung steht, Geld um sich auf dem freien Wohnungsmarkt etwas anzumieten. Dieses ist natürlich nicht bequem und man muss dann seine Bude selber putzen und waschen muss man auch noch, aber dieses Spiel mache ich selbst schon über 6 Jahre mit und ich muss sagen für mich ist das o.k.
    Aus Erfahrung weis ich aber, dass in vielen Liegenschaften gute Unterkünfte extra für Trennungsgeldempfänger der gehobenen Gehaltsstufe zur Verfügung stehen und dementsprechend Unterkunftspflichtige noch nicht mal den vorgesehenen Standard zur Verfügung gestellt bekommen. Die Wahrheit hat halt immer auch zwei Seiten.
    Dieses Problem bekommt man meiner Ansicht nach, auch nur durch ein unabhängiges Unterkunftsmanagement in den Liegenschaften geregelt. Es unabdingbar, dass die Vergabe und die Kontrolle des Zustandes der Unterkünfte in eine Hand gehören. Somit Entlastung des KpFw und eine flexiblere Vergabe des Bestandes.
    Dieses wird in anderen Nationen auch so durchgeführt.
    Auch wäre es sinnvoll für jeden Nutzer einer Unterkunft einen Mietvertrag abzuschließen. Damit hätte man auch rechtliche Möglichkeiten gegen Personen vorzugehen die meinen für nichts verantwortliche zu seien.
    Dieses Unterkunftsmanagement würde natürlich auch festes Personal benötigen und nicht schon wieder die übliche Herangehensweise „das machen die wo da sind“ in der zweiten oder dritten Nebenfunktion.

  19. Zu spät für ein edit…aber nach meiner Erfahrung mit der Bundeswehr würde ich mir folgendes Szenario wünschen:

    -Grundsätzliches Wahlrecht zwischen Umzugkostenvergütung oder Trennungsgeld
    -Bereitstellung vergünstigter Mietwohnungen oder Unterkünften für Pendler (für die ein „NORMALES“ Mietverhältnis gilt-mit allen Rechten und Pflichten)
    -Änderung des Melderechtes-Wahlrecht für Soldaten für den „Erstwohnsitz“
    -Keine Zweitwohnsitzsteuer für Soldaten
    -kostenlose Bus-und Bahnfahrten für Soldaten in Uniform

    Zeitgleich damit sollte der gesamte Stationierungsplan auf den Prüfstand:
    Weg von „Groß-Standorten“, hin zu „Misch-Standorten“, an denen Kompetenzen gebündelt und zusammengefasst werden, und an dem Truppengattungen so zusammenarbeiten können, wie es auch im Einsatz vonstatten geht.

    Zusätzlich MUSS die Bürokratie verschwinden-wir können es uns nicht leisten, eine Kompanie von 2 „Chefs“ führen zu lassen, nur damit einer davon ausschließlich Papierkram bearbeiten kann (so sieht es nämlich zur Zeit aus).

    Die „Groß-Planungen“ müssen zudem aus den Händen der Ministerien zurück in die Hand des „Standort-Ältesten“ wandern…….eine Kaserne sollte ein Budget haben, und dieses für Renovierungen nutzen können, indem diese Aufträge im Nahbereich an lokale Handwerksbetriebe vergeben werden…..aber da kommen wir vermutlich wieder in Konflikt mit dem Europa-Recht….und der Verpflichtung zur Ausschreibung solcher Arbeiten….bis hin zu Problemen bei der Ausführung solcher Aufträge, weil die geschickten (ausländischen) Mitarbeiter aus Sicherheitsgründen keinen Zutritt zu den Kasernenanlagen bekommen…

  20. Noch etwas Lesenswertes aus dem September 2014 zu den Planungen in Altenstadt bei Merkur online („Tag der Fallschirmjäger in Altenstadt: Noch gilt die Verlagerungs-Entscheidung“).

    Alle Entscheidungen sind aufgeschoben, in Oldenburg geht nichts voran, unklar bleibt ob und wie man in Pau ausbilden wird.

    Aber gleich 2 BrigGen erzählen wie wichtig die Einsatzbereitschaft der Fallschirmjäger ist.

    Nun will man wohl 2017 Maßnahmen ergreifen – direkt vor der nächsten Wahl und der nächsten Reform.

  21. Da man der Fr. vdL nichts mehr schoenreden kann, sie tut es offenbar selber…

    .ist nun die Frage, wie bringt man/frau die tatsaechliche, desolate Unterkunftlage den politischen Entscheidungstraegern bei mit dem Ziel der zeitnahen Verbesserung der Situation???? Fr vdL mal zu einer harun-al-rachid-tour einladen?

  22. Eine Situation wie bei den amerikanischen Streitkräften (Bereitstellung von Unterkünften für Soldaten, Betreuungseinrichtungen für die Kinder etc.) wäre zwar ein gewaltiger Sprung nach vorne, ich halte es allerdings für absolut unrealistisch.
    Ich würde mir wünschen, dass bei künftigen Standortentscheidungen auch die „Lebensbedingungen“ bzw. die „Attraktivität“ mit in die Gesamtbewertung einfließt. Wie ist die Anbindung an die überregionale Infrastruktur? Wie sieht das Arbeitsplatzangebot für Familienangehörige aus? Wie sehen die Mietpreise aus? Wieviel Wohnraum steht zur Verfügung?
    Standorte ohne Bahnhof und mit miserabler Busanbindung, dutzende Kilometer von der nächsten Autobahnauffahrt entfernt und umgeben von winzigen Dörfern ohne ausreichende Dienstleistungs- und Wohnraumangebote sind nicht wirklich attraktiv, vor allem wenn man dann keine Unterkünfte für Ü25-Soldaten zur Verfügung hat. Die Anhebung dies Eintrittsalter und der Dienstzeit bei Mannschaften wird die Problematik meiner Meinung nach weiter verschärfen. Ob der Dienstherr sich dessen bewusst ist?
    Wenn man sich zumindest darum bemühen würde, Investoren an Land zu ziehen, um in Kasernennähe zusätzlichen Wohnraum für Soldaten zu schaffen – aber dann bräuchten besagte Investoren die Sicherheit, dass an diesen Häusern auch langfristig Interesse besteht. Wenn bei der nächsten Reform wieder das fröhliche Standortroulette losgeht, besteht diese Sicherheit natürlich nicht…

  23. @MikeMolto:
    Die Situation scheint zumindest grob (trotz aller geschönten Berichte und Besuche) bekannt zu sein.

    Man weiß offenbar nicht wie man für alle Wünsche (Industrieförderung, Breite vor Tiefe, Stationierung, Unterkünfte, Einsatzbereitschaft, Materialerhalt, etc) Geld organisiert.

    Anstatt nun den Stecker zu ziehen, wurschtelt man halt so weiter (muddling-through).
    Wenn die Großindustrie schreit, dann bekomt die etwas mehr als geplant (Boxer, Tandem-X), – zu Lasten der Unterkünfte.

    Ein paar Wochen später sind die Unterkünfte Thema, dann verspricht ma eben da mehr Geld – zu Lasten von ??? Wohl Kleinprojekte, Einsatzbereitschaft, Materialerhalt und Ausbildung.

    Bald braucht man wohl mehr Geld für NATO-Übungen, mal sehen wen es dann trifft…

    Und so dreht man immer weiter und schneller an der Abwärtsspirale.

    Aber solange vdL ungestört behaupten kann sie gebe nun 750 Mio EUR für Unterkünfte aus, ohne dass nachgefragt wird was das heißt, kann man das Spiel ja auch spielen.

  24. Zitat: „Wenn man sich zumindest darum bemühen würde, Investoren an Land zu ziehen, um in Kasernennähe zusätzlichen Wohnraum für Soldaten zu schaffen – aber dann bräuchten besagte Investoren die Sicherheit, dass an diesen Häusern auch langfristig Interesse besteht. Wenn bei der nächsten Reform wieder das fröhliche Standortroulette losgeht, besteht diese Sicherheit natürlich nicht…“

    Das ist tatsächlich das Hauptproblem, dass neue Unterkünfte entstehen. Selber will sie der Bund nicht bauen und den Investoren will er keine Sicherheit versprechen. Des weiteren hat man bei einem Versuch die Mietkosten für die Apartments ermittelt. Die wären so hochpreisig gewesen, dass vermutlich nur wenige Soldaten sie gemietet hätten, außer, ja außer der Bund hätte die Entschädigungspauschale zumindestens für die Trennungsgeldempfänger angehoben.

    Damit kommen wir zum Hauptproblem im Vergleich zu den amerikanischen Streitkräften. Die Bw will auf Kosten der Soldaten im sozialen Bereich sparen, die Amerikaner versuchen, dass der Soldat sich am neuen Stationierungsort wie zu hause fühlt und tut alles, damit das Umfeld für den Soldaten und seine Familie stimmt.
    (Housing allowances, BX, Commisary, Laundry, Housing area on base, TLQ Temporary Living Quarter gegen Mietzahlung auch bei Kommandierungen, Dependant Card, Kostenlose Mitflüge beim MAC auf einer Standby-Basis, extrem verbilligte Tickets bei vielen Airlines, Autovermietern usw. (Military Rates).

    Bei der einen Armee hat man den Eindruck die tun alles für ihre Soldaten was möglich ist, bei uns hat man den Eindruck, dass die allgemeine Verwaltung alles tut, damit nicht der Eindruck entsteht ein Soldat und seine Familie hat irgend einen Vorteil auf Staatskosten (amerik. priviliges)

  25. Ich wette ungeprüft einen Monatssold darauf, dass es VOLLKOMMEN problemlos möglich wäre, durch den Bund in Kasernennähe „Mietskasernen“ zu erreichten und zu betreiben, wo Soldaten für EXAKT den Unterkunftszuschuss 1-Zimmer-Apartments mit ordentlicher, moderner und zeitgemäßer Ausstattung und Infrastruktur bewohnen können … ähnlich dem Modell amerikanischer „BOQ’s“. Und dieses Modell würde – so meine persönliche Erfahrung aus bescheidenen 25 Dienstjahren – reißenden Absatz finden.

    Das würde allerdings bedeuten, dass man nicht alle zwei Jahre das Stationierungskonzept „auf Zuruf“ über den Haufen wirft, um irgendeinen anderen maroden Politikerwahlkreis „querzusobventionieren“.

  26. Im weiteren Sinne hatten wir ja schon ein ähnliches System, mit den sogenannten Bundesdarlehenswohnungen. Diese wurden mit staatlicher Förderung gebaut, und dann bevorzugt an Staatsbedienstete zu einem entsprechend festgesetzten Preis vermietet, der i.d.R. deutlich unter dem lokalen Mietspiegel lag. Ich habe selbst vor längerer Zeit ein solches Objekt bewohnt und war mit dem Gebotenen sehr zufrieden. Leider ist dieses Modell mittlerweile ausgelaufen, und die entsprechenden Wohnungen in den normalen Markt eingegliedert.

  27. Bundesdarlehenswohnungen kenne ich auch … das meine ich aber nicht. Ich rede von vollmöblierten modernen Pendlerunterkünften: 1 Zimmer, Küchenzeile, Toilette, Dusche. Internetanschluss, Kabelfernsehen und Nebenkosten inclusive. Das kann man EXAKT zu den ortsüblichen Mietzuschüssen finanzieren und würde beim Bund noch dran verdienen.

    Wer nur EINMAL dienstlich in die USA versetzt oder kommandiert wurde, weiss genau, was ich meine: Man kommt als Soldat irgendwo „neu“ hin und hat SOFORT eine vollwertige Unterkunft zu absolut vernünftigen Preisen.

    Freie Apartments könnte man im Rahmen der Kapazitäten an Soldaten im Urlaub – quasi als Hotelbetrieb – vermieten.
    Ich habe das mehrfach im Rahmen verschiedener USA-Urlaube genutzt und bin von Kaserne zu Kaserne gereist und habe mich überall für ein paar Tage eingemietet: San Diego, LA, San Francisco, Phoenix, Houston, Dallas/Fort Worth … teilweise besser als Hotelunterkunft und zu vergleichsweise Spottpreisen. Beispielsweise habe ich mal drei Tage in einer U-Boot-Basis mit Blick auf die Bucht von San Diego gewohnt … 22 Dollar pro Nacht … Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche, Bad, 2 Fernseher mit DVD und Balkon mit Meerblick. Schlichtweg SENSATIONELL.

  28. @Kommentator

    Ja, deutsche Soldaten werden in den USA besser behandelt als im eigenen Land.
    Musste mir mal für einige Jahre eine Wohnung mieten, mit allen Problemen und da ich ständig im Einsatz, Lehrgang, Dienstreise und Urlaub war ich von 3Jahren 30Tage in der Wohnung da hatten alle Verlust und ich riesen Gelaufe. Container on Base hätte mir gereicht.

    Zu allem kommt jetzt noch das neue Bundesmeldegesetz.
    Sie wollen keine Soldaten.

  29. In den Staaten läuft in der Hinsicht vieles völlig anders. Leider ist das alles bei uns nicht umsetzbar, alleine schon aufgrund der fehlenden Akzeptanz in der Bevölkerung. Wer mal erlebt hat, wie man selbst als Angehöriger verbündeter Streitkräfte dort behandelt wird, fragt sich wirklich was hier bei uns falsch läuft. Auch ohne den teils deutlich überzogenen Patriotismus der Amerikaner gutheissen zu wollen, wünscht man sich doch ein klein wenig von dem Respekt, den man dort Leuten entgegenbringt die ihrem Land als Soldaten, Polizisten, Feuerwehrleute oder sonstig dienen. Hier bei uns würde man mit billigem Wohnraum für Soldaten vermutlich nur eine Neiddebatte lostreten.

  30. „wünscht man sich doch ein klein wenig von dem Respekt, den man dort Leuten entgegenbringt die ihrem Land als Soldaten, Polizisten, Feuerwehrleute oder sonstig dienen“

    „Hört auf, nach Anerkennung zu gieren!“.
    Na-wer hat´s gesagt?

    (Sorry-aber DER musste sein…)

  31. @ T.W.

    Ja, bei der Veteranenversorgung in den USA ist Einiges schief gelaufen. Deshalb gibt es auch eine Untersuchung durch das FBI und Rücktritte von prominenten Vertretern der Veteranenversorgungsorganisation gibt es auch schon.

    Aber: Wir müssen uns nichts vormachen. Wenn es in Deutschland keine allgemeine Krankenversicherungspflicht gäbe, würde die Versorgung unserer Veteranen auch keine Substanz haben. Die Veteranen, die gerade die Anerkennung von PTBS als Wehrdienstbeschädigung nach Ausscheiden aus dem Dienstverhältnis versuchen, können bestimmt von ihren Erfahrungen berichten.
    Die „Radaropfer“, die Soldaten des kalten Krieges, die durch unzureichende Schutzmaßnahmen eine Radarverstrahlung abbekommen haben und später erkrankt sind, könnnen auch Geschichten erzählen.
    Nachdem um die Anerkennung der Soldaten mit Strahlenschäden, der „Radaropfer“ mehr als 10 Jahre gerungen wurde, böse Zungen haben behauptet, die Bundesregierung setze auf die „biologische Lösung“ dieses Problems, ist dies auch kein Ruhmesblatt für die hießige Veteranenversorgung.
    Was gut funktioniert sind die Bw-Krankenhäuser. Das muss man mal anerkennen. Die Versorgung auf San-Revierebene und die ambulante Facharztversorgung schaut schon nicht mehr so gut aus.

    @ huey

    In denke es war TdM, aber der sollte kein Maßstab für die Bw-Soldaten sein.

  32. Als interessierter Unbeteiligter verfolge ich die Thematik der Soldatenunterkünfte und die entsprechende Diskussion hier schon seit längerem. Für mich ist der große „elephant in the room“ die bereits erwähnten jährlichen Zahlungen der Bundeswehr für Mieten und Pachten im Zusammenhang mit dem Einheitlichen Liegenschaftsmanagement in Höhe von 2,5 Milliarden Euro.
    Mal ne ganz dumme Frage: Für was wenn nicht den Unterhalt der Liegenschaften für die sie ja schließlich entrichtet werden verwendet die BImA diese Gelder? Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen dass eine solche Summe für diesen Zweck nicht ausreicht, wo doch die Mittel für Bewirtschaftung und Bauvorhaben im Verteidigungshaushalt mit zusammen 1,1 Milliarden Euro deutlich geringer ausfallen. Und wenn sie nicht ausreicht kann dann eine einmalige Investition von 750 Millionen über drei Jahre – die ja gerade mal eine Steigerung um 10% bedeutet – nachhaltig etwas an den Problemen ändern?

  33. @T.W.

    Das ist jetzt aber etwas unfair. Der VA Healthcare Scandal war eine bürokratische Überforderung und hat nichts mit irgendeiner Wertschätzung der Veteranen zu tun.

    Das VA verwaltet 23 mio Veteranen. Ein bisschen mehr wie die AOK Mitglieder hat. Nach Vietnam gab es aber fast 30 Jahre keinen full fletched war. Also war das Verwaltungsaufkommen niedrig und (genauso wie bei uns) die Verwaltung an das Aufkommen angepasst. Dann Ende der 90er und nach 9/11 berädert man 2 Kriege und unzählige Konflikte. Das Aufkommen steigt astronomisch aber der Congress bewilligt keine Aufstockung des Haushalts zur Vorsorge. Dann irgendwann platzt das System und der Laden kommt zum erliegen…
    Probieren wir das doch mal hier aus: alle AOK mitglieder gehen jetzt einmal in der Woche zum Arzt…. Ich wäre gespannt ob es dann was gebe wie „die AOK mit ihren Versicherten umgeht“

    … Oh halt…

  34. @Jas

    Bei aller Wertschätzung in der Bevölkerung ist auch nicht unwichtig, wie der Staat mit Soldaten und Veteranen umgeht… und in den USA ist das alles doch etwas vielschichtiger als es hier zumeist dargestellt wird.

    (Offline-Lesetipp im aktuellen Spiegel: Alexander Osang über die Besatzungsmitglieder des Flugzeugträgers, der nach dem Tsunami in Japan zur Unterstützung geschickt wurde. Und die Folgen, die höchstwahrscheinlich eine Strahlenwolke aus Fukushima hatte…)

  35. Das konnte doch nun wirklich keiner ahnen.

    Bundeswehr braucht 220 Wohnungen
    Weiterer Druck auf Mietmarkt

    Oldenburg Soldaten auf Wohnungssuche: Der Umzug des Stabes der 1. Panzerdivision von Hannover nach Oldenburg setzt den hiesigen Wohnungsmarkt zusätzlich unter Druck. Im Bundeswehrdienstleistungszentrum geht man von einem zusätzlichen Bedarf für rund 220 Soldaten in Oldenburg und umzu aus.
    NWZonline

  36. Ein Bericht der beschreibt wie unmöglich es ist durch ständige Reformen vernünftige Unterkunftslösungen mit Privatinvestoren zu schaffen.

    „Das mühselige Ringen um Pendlerwohnungen
    Laupheim: Kommandeur sucht in Eigenregie Lösungen – Investor will mit spitzer Feder rechnen“ (Die Bundeswehr 11/2009)

  37. Die Bundeswehr war mal attraktiv:

    „In dem Bemühen, den Offizieren und Unteroffizieren der Bundeswehr gesellschaftliche Anerkennung in den neuen Garnisonen zu verschaffen, hat Bundesverteidigungsminister Blank vor einiger Zeit einen Erlaß herausgegeben, der vorschreibt, daß die Wohnungen der Bundeswehrbediensteten nur in „von der Zivilbevölkerung bevorzugten Wohnlagen“ errichtet werden sollen.“ (Spiegel 1959)

  38. Ich stimme dem „Wehrbeauftragten“ zu!- 750 Millionen für marode Kasernen werden “sicherlich nicht reichen”!

    Meiner Ansicht nach hat sich doch inzwischen herausgestellt, dass völlig intransparent ist nach welchen objektiven Kriterien in der Praxis „Bauzustandsbewertungen“ erfolgt sind (dieses korrespondiert auch mit dem Thema „marode Unterkünfte“) und nach welchen objektiven Kriterien in der Praxis u.a. „Standortauflösungen und Umzüge“ für das „Stationierungskonzept 2011“ beschlossen worden sind bzw. welche Kosten durch Standortauflösungen und Umzüge tatsächlich entstanden sind bzw. noch entstehen werden!?

    Und wenn man mal eines der Beispiele herausgreift, was den Umgang mit Steuergeldern im Zusammenhang mit der Umsetzung des „Stationierungskonzept 2011“ und der Sanierung praktisch beschreibt, dann weiß man auch warum:

    2002 wurde aus Standortüberlegungen und aufgrund der Tatsache das die Sanierungskosten für die „General-Oberst-Beck-Kaserne“ (diese steht übrigens unter „Ensembleschutz“) in Sonthofen mit den damals geschätzten 44 Millionen Euro zu hoch waren entschieden, die „Schule für Feldjäger und Stabsdienst“ nach Hannover (in die „Emmrich-Cambrai-Kaserne“) zu verlegen.

    Die Kosten für die Verlegung der Schule einschließlich der Umbauten und Sanierungen am neuen Standort in Hannover, sowie die eigentlichen Umzugskosten betrugen 58 Millionen Euro (teilweise werden sogar bis zu 80 Millionen Euro genannt!).

    2008 trifft man die Entscheidung die Liegenschaften „Jäger-Kaserne“ und „Grünten-Kaserne“ in Sonthofen aufzugeben und die „ABC- und Selbstschutzschule“ und andere in Sonthofen verbliebene Bundeswehr-Einheiten in die „General-Oberst-Beck-Kaserne“ zu verlegen. Die Sanierung der „General-Oberst-Beck-Kaserne“ generiert nun vermutlich bis 2018 Kosten von mindestens 110 Millionen Euro!

    D.h., die im „Stationierungskonzept 2011“ festgelegte Aufgabe zweier Liegenschaften („Jäger-Kaserne“ und „Grünten-Kaserne“) in Sonthofen wird, in der Abfolge diverser (nicht aufeinander abgestimmter) Standortentscheidungen, die Bundeswehr letztendlich mindestens 170 Millionen Euro gekostet haben!

    Vor dem Hintergrund des tatsächlichen Sanierungsbedarfs, und der bereits gebundenen Mittel (siehe „General-Oberst-Beck-Kaserne“), sind 750 Millionenn allenfalls ein Fligenschiss!

    Andrerseits,- es wird sich immer ein (übergeordnete) Begründung für den möglichen Mehraufwand finden lassen!

    Und letztendlich gilt doch auch für deutsche Politiker längst die Aussage des französischen Politikers Hollande: „Das ist nicht teuer, das bezahlt der Staat“.

  39. @ audio 001

    Wenn man in dem von Ihnen geschilderten Fall „hinter die Kulissen“ guckt, dann wird die Sache General-Oberst-Beck Kaserne in Sonthofen noch erbärmlicher !

    Die GOB oder kurz die „Burg“, weil die Kaserne auf das Ensemble einer nationalsozialistischen Ordensburg aus den 30er Jahren zurückgeht, sollte 2004 aufgegeben werden. Grund waren die enormen anstehenden Renovierungskosten u.a. wegen der Kanalisation aus den 30er Jahren. Also hat man 2004 beschlossen die Schule für Feldjäger und Stabsdienstsoldaten nach Hannover in ehemalige Offizierschule des Heeres zu verlegen. Rein zufällig war dies auch der Heimatwahlkreis von Gerhard Schröder.

    Wie verkauft man nun eine alte Ordensburg mit nationalsozialistischer Vergangenheit, die unter Denkmalschutz steht ? Ein reicher arabischer Hotelier sollte gefunden werden, der daraus ein Luxushotel in den Alpen machen sollte. Diese Hoffnung hat sich aber bald zerschlagen. Dann war eine östereichische Investmentgesellschaft im Gespräch, deren ideologischer Hintergrund jedoch nicht zweifelsfrei geklärt werden konnte. In den Kellern der Burg, bis zu 3 Stockwerke unter der Erde, kann im Zweifelsfall alles mögliche angestellt werden und es von außen durch hoheitliche Organisationen, durch die Polizei nur schwer zu kontrollieren was in den Kellergeschoßen passiert.
    Also hat man sich 2010 / 11 langsam von der Vorstellung verabschiedet, die Kaserne gewinnbringend zu verkaufen. Ein Umdenken hat eingesetzt. Zwei Kaserne in bester Stadtlage sollten dafür aufgegeben werden und die Schule für ABC/Se Aufgaben soll von einer dieser Kasernen in die GOB-Kaserne verlagert werden, nach derer erfolgreichen Renovierung.

    Dieser ganze Vorgang verursacht eben aufgrund politischer Inkompetenz und Dilettantismus diese enormen Kosten. Bei halbwegs realistischer Einschätzung der Lage, wäre auch vorher schon klar ersichtlich gewesen, dass man für so ein denkmalgeschütztes Gebäude mit diesen Sanierungsauflagen keinen Käufer finden würde.

    Die Umzugskosten für die ABC/Se Schule mit den gefährlichen Betriebsteilen A-, B-, C-Laboren und der Industrie-Chemikalien Teststrecke von der Jägerkaserne in die GOB-Kaseren hätte man allerdings vermeiden können. Ursprünglich sollte diese Schule von Sonthofen nach Hannover verlegt werden und die Feldjäger- und Stabsdienstschule in der GOB-Kaserne in Sonthofen verbleiben sollen.
    Man hatte jedoch auf Seiten der Poliker wie der Militärführung Bedenken, dass die damalige Rot-Grüne Landesregierung in Hannover die Betriebsgenehmigungen für die gefährlichen Betriebsteile der ABC/Se-Schule verweigert könnte und hat deshalb stattdessen die Stabsdienstschule umziehen lassen (Dank an Kommentor @ Klaus.K, dieses Detail hatte ich schon wieder vergessen).

    Man sieht sehr deutlich, die Kosten der Bw-Reformen werden von Politikern aufgrund von Eigensucht und Inkompetenz in der Entscheidungsfindung drastisch in die Höhe getrieben, zum Nachteil aller Steuerzahler und vor allen Dingen zum Nachteil aller Bw-Soldaten und deren Familien.
    Der Staat und hier insbesondere der Verteidigungshaushalt als Beute der Lokalpolitiker für ihre eigenen Interessen !

  40. @Georg
    Vollkommen richtig.
    NmK war der arabische Hotelier durchaus bereit ein 6-Sterne Haus mit Golfplatz zu errichten.
    Aber die Stadtväter …..
    Zudem existiert auf der Westseite der Bundesstraße nach Oberstdorf bereits ein solches Ressort, in dem sich auch deutsche Politprominenz tummelt.

    Ergänzung: keine Genehmigung inHannover hätte bedeutet, Zusammenbruch der eigenen Strahlen Schutz Ausbildung … etc

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