Arctic Watch: Dänemark erhebt Anspruch auf den Nordpol

Nur als Merkposten, auch wenn das Thema Arktis hier eher ein Randthema ist: Dänemark hat am (heutigen) Montag, als drittes Land nach Russland und Kanada, Anspruch auf den Nordpol angemeldet:

Denmark has presented a claim to the UN, arguing that the area surrounding the North Pole is connected to the continental shelf of Greenland, a Danish autonomous territory. (…) Canada and Russia have already asserted their own sovereignty over the energy-rich Arctic territory. Arctic nations have agreed that a UN panel will settle the dispute. (…) Back in 2008, a US Geological Survey report estimated that as much as 22% of the world’s undiscovered and recoverable resources lay north of the Arctic Circle, but the North Pole itself is unlikely to have much oil or gas beneath its deep waters.

berichtet (unter anderem) die BBC.

Nun findet sich mit ein bisschen Suchen sehr schnell, dass dieser Anspruch keineswegs überraschend kommt, und auch nicht die Anmeldung rechtzeitig vor dem Jahresende 2014:

According to a leaked draft of the official strategy for the Arctic, Denmark will make an official claim forthe territorial rights for the North Pole before the UN deadline in 2014. This approach marks a new direction for its Arctic strategy: From now on, human needs must go before the needs of the environment.

berichtete ein dänischer Journalist schon im Mai 2011.

Herrschende Lehre ist allerdings, so habe ich als Laie das bislang verstanden, dass die Bodenschätze im Bereich des Nordpols mit heute vorhandenen Methoden und zu heute erforderlichen Kosten nicht wirtschaftlich sinnvoll erschlossen und ausgebeutet werden können. Aber das kann sich ja noch ändern.

Und bislang ist auch noch nicht so klar, welche geopolitischen Implikationen der dänische Anspruch hat. Russland ist schon mal alarmiert, wie die heutige Meldung und ein vorangegangener Bericht des russischen Medien-Netzwerks Sputnik zeigen:

Denmark Makes Bold Claim on North Pole Ownership

Russia’s Lavrov Denies Existence of ‘Arctic Race’

 

Nachtrag: Was Grundlegendes zum Thema Arktis von Golo Bartsch für das  Planungsamt der Bundeswehr (zum Einlesen ins Thema vielleicht ganz passend; ich war irrütmlich der Meinung, das hätte ich hier schon mal verlinkt):

Klimawandel und Sicherheit in der Arktis nach 2014 – Hat die friedliche und kooperative internationale Arktispolitik eine langfristige Zukunft?

(Foto: Sturm über dem Nordpol, August 2012 – NASA Earth Observatory)

24 Gedanken zu „Arctic Watch: Dänemark erhebt Anspruch auf den Nordpol

  1. Wie sieht es eigentlich mit kanadischen Truppen im Hohen Norden aus? Rußland baut ja schonmal Militärbasen und russisch-orthodoxe Kirchen im Eis auf.

  2. Lasse er mich raten: Ein zweilichtiger Großkonzern verschwört sich gegen mutige Pinguinschützer, um mit Mordanschlägen und korrupten Ministerpräsidenten zu verhindern, daß eine dänische Untergrundaktivistengruppe, wer die Nordpolpinguine ausgerottet hat.
    Zwecks dieser Operation wird vorgetäuscht, russische Truppen hätten Militärbasen errichtet.

    SCNR

  3. Das mit der TV-Serie könnten wir jetzt natürlich nach Belieben auswalzen… Aber sollten wir vielleicht doch nicht. (Ich weiß, ich bin ja auch für so was anfällig…)

  4. @TW: Ja, die Kosten treiben die Verantwortlichen in den Wahnsinn. Demenstprechend ist wenig zu erwarten, dass es jetzt rund geht.

    Vielleicht mal ein paar Zahlen als Einordnung. Cairn Energy hat eine 1 Milliarde US-Dollar für die Exploration an der Küste Grönlands ausgegeben und dabei wurden nur sogenannte „dry holes“ gefunden, also Wasser.

    Shell soll in den letzten Jahren 5 Milliarden US-Dollar in der Region ausgegeben haben ohne wirkliche messbare Erfolge.

    Lundin Petroleum schätzt, dass man in den nächsten 15 Jahren erst gar nicht mit großen Aktivitäten rechnen soll.

    Wenn Sie mal nachfragen, was allein ein Exploration Well kostet, werden sie keine zitierbare Antwort bekommen. Ich hatte erst letztens das Vergnügen an einer Veranstaltung zum Offshore Enginnering in der Arktis auf Spitzbergen teilzunehmen. Der technische Aufwand allein aufgrund von Seeeis bringt manche um den Verstand ;)

  5. wobei es in der arktis durchaus beispiele für kooperative lösung von territiorialkonflikten gitbt.

    bsp. die seegrenzdemarkation zwischen Norwegen und Russland 2013.

    China sollte man pardoxerweise auch immer im Blick halten. die versuchen momentan über Island einen Hebel anzusetzen zwecks Explorationslizenzen usw.

  6. …dass neben Kanada und Russland auch Dänemark einen formalen Anspruch am geografischen Nordpol am Lomonossow-Rücken erheben würde, ist gar nicht so neu. Stand bereits 2011 klar in der Arktisstrategie des Königreiches Dänemark.

    Die Prüfung der Ansprüche durch die UN-Schelfkommission dauert locker 10 Jahre, da wird es also so schnell keine Neuigkeiten geben. Die wirtschaftliche und soziale Zukunft Grönlands ist da schon spannender, die Frage der mittelfristigen gänzlichen Unabhängigkeit von Dänemark ist damit eng verknüpft. Gerade vor zwei Wochen hat die Regierung der Insel gewechselt.

    Übrigens gibts dazu sogar was von der Bundeswehr: „Klimawandel und Sicherheit in der Arktis nach 2014 – Hat die friedliche und kooperative internationale Arktispolitik eine langfristige Zukunft?“ http://tinyurl.com/ogw94ju

  7. @TW: Sorry, hatte den Hinweis „berichtete schon im Jahr 2011“ überlesen und wunderte mich über die Formulierung „leaked DRAFT“ der Strategie.

    Ich glaube, der letzte kurze Aufreger über arktische Geopolitik ist ziemlich genau 12 Monate her. Seinerzeit ging es um den Claim der Kanadier und die russische Reaktion, wir haben hier darüber diskutiert. Ob es was mit Santas Überflügen in der Vorweihnachtszeit zu tun hat? ;o)

    Um aber mal auf die Frage der Implikationen zurückzukommen: Der Pol selbst hat allenfalls Symbolwert. Nutzbare Rohstoffe liegen gerade dort vermutlich keine, und wie schon angemerkt wurde, bremsen gerade die globalen Preisniveaus für Energierohstoffe die ohnehin schon extrem kostenintensive arktische Exploration an den Küsten massiv aus. Ein „Verlust“ des Nordpols ist daher für diejenigen, die vor der UN-Schelfkommission den Kürzeren ziehen, allenfalls ein politischer Prestigeverlust. Der kann allerdings ganz schön unangenehm sein, wenn man die Arktis pressewirksam als nationales Identitätsmerkmal deklariert (CAN, RUS) oder vorher sogar schon mal vorsichtshalber eine Flagge am Meeresgrund des Pols abgesetzt hat (RUS 2007). Auf die politische Wahrnehmung der Entscheidung der Kommission irgendwann in den 2020ern bin ich daher jetzt schon sehr gespannt…

  8. califax | 15. Dezember 2014 – 21:02
    „Wie sieht es eigentlich mit kanadischen Truppen im Hohen Norden aus?“

    naja, was heißt truppen. neben gelegentlichen patrouillen regulärer einheiten zeigen i norden vor allen dingen die ranger im wahrsten sinne des wortes flagge, gerne bettlakengroße maple leafs an jedem motorschlitten http://de.wikipedia.org/wiki/Canadian_Rangers

  9. Zufällig befasse ich mich gerade näher mit dem Thema Arktis und kann nur vorsichtig davor warnen, es als Randthema anzusehen. Ich kopiere einmal einen Aspekt, aus meinem Artikelentwurf, der die sicherheitspolitische Dimension hoffentlich klar beschreibt. Der ganze Beitrag soll im kommenden Jahr in der ÖMZ erscheinen.
    „Wesentlich komplexer sind aber alle Fragen, die mit der Anwendung eines Prinzips zusammen hängen, das die Kontinentalsockeltheorie, also die Fortsetzung der Landmassen unter der Wasseroberfläche, zum Maß über die Frage erhebt, wie weit das Staatsgebiet ins arktische Meer hinein reicht. Hier behauptet insbesondere Russland, dass der sogenannte Lomonosow Rücken die direkte tektonische aber unter dem Meeresspiegel liegende Fortsetzung von den Neusibirischen Inseln bis über den Pol hinaus ist und somit russische Gebietsansprüche belegen würde. Russlands Flaggensetzung auf dem Meeresgrund in fast 5000 Meter Tiefe am Nordpol im Jahr 2007 sollte diesen Anspruch untermauern helfen. Kanada aber auch Dänemark (mit grönländischem Territorium) vertreten ähnliche Ansprüche, die sich bis zum Nordpol erstrecken sollen, mit der Konsequenz, dass die Gebiete unter dem Meeresspiegel zum Staatgebiet erklärt werden könnten. Damit würden die exklusiven Schürfrechte in nationaler Verantwortung liegen und die anderen Anrainer von einer Nutzung ausschließen. Wie dieser Gebietsanspruchskonflikt entschärft und entschieden werden soll, ist nicht absehbar. Für die friedliche Nutzung der Transitrouten und Ressourcen der Arktis ist eine Beilegung dieser offenen Gebietsansprüche wesentlich. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese Fragen in der Zukunft nach dem Recht des Stärkeren entschieden werden.
    „Der Chef der russischen Denkfabrik „Zentrum für strategische Konjunktur“, Iwan Konowalow, befürchtet bereits heute eine Eskalation: „Es beginnt eine ernste militärisch-diplomatische Auseinandersetzung. Nicht nur die arktischen Staaten wie Kanada, Russland, die USA, Norwegen und Dänemark, sondern auch Länder außerhalb der Region nehmen daran teil. Zweifelsohne wird China ebenfalls einsteigen, aber auch weitere Länder, die Zugriff auf die arktischen Ressourcen bekommen wollen. Auf diplomatischer Ebene wird die Rhetorik äußerst hart sein. Doch wer im diplomatischen Kampf keine militärische Komponente besitzt, wird immer verlieren.“

  10. @califax
    Am Nordpol gibt es keine Pinguine, wie wär´s mit Eisbären?

    Ernst beiseite: Das Nordpol-Thema hat eine maritime Dimension, auch mit Auswirkungen für Deutschland, die aber von unsere bunten Regierung im seefernen Berlin vermutlich nicht wahrgenommen wird.
    Obwohl Deutschland vom Meer abhängt (Import und Export erfolgen zu einem großen Teil auf dem Seeweg) sind unsere Politiker auf diesem Auge blind.

  11. @oxtorne:

    Psssst! Die Behauptung, es gäbe keine Nordpolpinguine ist von der Verschwörung verbreitet worden, deren Existenz der zu erwartende Skandinavienkrimi doch erst aufdecken wird!

    Im Ernst: Wieso soll sich die Regierung um den Nordpol kümmern? Wir kriegen derzeit nicht mal Landesverteidigung hin. Das Material fehlt an allen Ecken und Enden. Ausbilder bald auch. Europa fängt Feuer. Wenn man auf der Schnauze liegt, sollte man nicht schon Wettkämpfe in der nächsthöheren Gewichtsklasse planen sondern erst mal den Ringarzt ran lassen.

  12. Ich bezog mich auf militärische Vorsorgemaßnahmen. Was alles auf diplomatischen Kanälen an Geschacher läuft, wird man uns sowieso nicht auf Silber servieren.

  13. Beim Thema Arktis hat Deutschland nicht ‚mal schlechte Karten, da sitzen wir nicht einmal am Spieltisch.

    Man sollte auch den Landweg nach China nicht vergessen – und, ja, für diesen wie auch für die Nordost-Passage ist man auf RUS angewiesen, das schenkt sich also nichts.

    Und auch die Nordwest-Passage führt an RUS vorbei, wenn auch nur ein kleines Stück (hier gibt es übrigens Differenzen zwischen Kanada und den USA).

    Viel interessanter sind: die Antarktis (da könnte man ggf. auch Ansprüche anmelden), und das deep sea mining.

  14. Deutschland steht in puncto Arktispolitik abseits des sicherheitspolitischen für einen Nicht-Anrainer eigentlich sehr gut dar: Das Alfred-Wegener-Institut ist bei der Polarforschung anerkannt Weltklasse, und nicht nur die Schiffseigner, sondern auch die Werftindustrie sieht hier ein Betätigungsfeld (im technisch anspruchsvollen Spezialschiffbau scheint noch eine lukrative deutsche Nische zu existieren). Entsprechend präsent sind ihre Vertreter auf entsprechenden Fachkonferenzen. Das BMWi schaut im Rahmen der langfristigen Rohstoffstrategien durchaus auch auf die (wie gesagt derzeit noch weitgehend unrentable) arktischen Optionen, z.B. auf Grönland. Das AA hat dazu im Jahre 2013 eine zusammengefasste Leitlinie zur deutschen Arktispolitik herausgegeben, da haben diverse Ressorts inkl. BMVg mitgezeichnet. Ein deutscher StOffz aus dem BMVg nimmt im übrigen stets an den Sitzungen des Arctic Security Forces Roundtable teil, eines Dialogformates der Militärs der Anrainerstaaten aus West und Ost (bisher jedenfalls).

    Was die Beteiligung der Bundeswehr betrifft: Auch wenn mancher von Marineeisbrechern träumt, so ist für ausnahmslos alle unsere NATO-Partner im Norden die Arktis erklärtermaßen eine grenzpolizeiliche- bzw. Küstenwachaufgabe. Eine Unterstützung durch NATO-Partner wird hier als nicht notwendig erachtet, in mindesten einem Fall (CAN) sogar explizit abgelehnt.

    Spannender für die BW ist eine andere Frage: Wenn Mitte des Jahrhunderts tatsächlich eine ganzjährige Möglichkeit zur Befahrung der Nordrouten besteht, eröffnet dies zwar nicht zwingend den Bedarf einer Einsatzfähigkeit IN der Arktis, sehr wohl aber die Überlegung eines Transits DURCH die Arktis im Rahmen weltweiter strategischer Verlegefähigkeiten (sofern dann gewünscht). Dazu gibt es seit neuestem einen Katalog von verbindlichen Anforderungen an Schiffe hinsichtlich Bauart, Emissionsschutz uÄ für Arktistransfers, herausgegeben von der International Maritime Organization (IMO) der UN. Hier lohnt sich vermutlich ein Blick der Marineplaner hinsichtlich neuer technischer Richtlinien – ich bin mir nicht sicher, ob die IMO Ausnahmen für Kriegsschiffe vorsieht.

    Arktis und Antarktis sind im Übrigen zwar beide kalt, dunkel und weit weg, aber ansonsten kaum vergleichbar: Fester Kontinent vs. schwimmende Eisfläche, Antarktisvertrag vs. Verträge-Konglomerat + Arktischer Rat usw…

  15. Deutschland ist in der Tat gar nicht schlecht aufgestellt. Der Neubau des Forschungseisbrechers Polarstern 2 befindet sich gerade in der Ausschreibungsphase. Die Kanzlerin war mit einer bemerkenswert geopolitisch gehaltenen Videogrussbotschaft auf der 2. Arctic Circle Konferenz im Oktober in Reykjavik vertreten. In 2015 wird sich Deutschland hier noch weit aus breiter präsentieren. Bedeutsam sind im Moment 2 Entwicklungen. Der Beginn des Uranabbaus im Süden Grönlands wurde zur Priorität der gerade gewählten Dreiparteienkoalition in Kalaallit Nunaat erklärt. Bisher hatte Kopenhagen Nuuk den Uranabbau untersagt. Dies geht mit einer Stärkung der Unabhängigkeitsbewegung einher. Diese Entwicklung ist für das Gleichgewicht in der Arktis besonders wichtig, vor allem dann, wenn eine raumfremde Macht Dänemark aus Grönland verdrängen könnte.

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