„Akte des schieren Bösen“: Kerry wirbt für globale Koalition gegen ISIS

US-Außenminister John Kerry hat zu einer globalen Koalition gegen die Kämpfer der islamistischen ISIS-Milizen in Irak und Syrien aufgerufen. Jenseits ihrer Akte des schieren Bösen  bedeute die Organisation eine Bedrohnung über die Region des Nahen und Mittleren Ostens hinaus, schrieb Kerry in einem Kommentar, der auch als Namensbeitrag in der New York Times erschien.

Wesentliche Auszüge aus Kerrys Text unter der Überschrift To Defeat Terror, We Need the World’s Help:

In addition to its beheadings, crucifixions and other acts of sheer evil, which have killed thousands of innocents in Syria, Iraq and Lebanon, including Sunni Muslims whose faith it purports to represent, ISIS (which the United States government calls ISIL, or the Islamic State of Iraq and the Levant) poses a threat well beyond the region. (…)
There is evidence that these extremists, if left unchecked, will not be satisfied at stopping with Syria and Iraq. They are larger and better funded in this new incarnation, using pirated oil, kidnapping and extortion to finance operations in Syria and Iraq. They are equipped with sophisticated heavy weapons looted from the battlefield. They have already demonstrated the ability to seize and hold more territory than any other terrorist organization, in a strategic region that borders Jordan, Lebanon and Turkey and is perilously close to Israel. (…)
With a united response led by the United States and the broadest possible coalition of nations, the cancer of ISIS will not be allowed to spread to other countries. The world can confront this scourge, and ultimately defeat it. ISIS is odious, but not omnipotent. We have proof already in northern Iraq, where United States airstrikes have shifted the momentum of the fight, providing space for Iraqi and Kurdish forces to go on the offensive. With our support, Iraq’s leaders have come together to form a new, inclusive government that is essential to isolating ISIS and securing the support of all of Iraq’s communities.
Airstrikes alone won’t defeat this enemy. A much fuller response is demanded from the world. We need to support Iraqi forces and the moderate Syrian opposition, who are facing ISIS on the front lines. We need to disrupt and degrade ISIS’ capabilities and counter its extremist message in the media. And we need to strengthen our own defenses and cooperation in protecting our people. (…)
In this battle, there is a role for almost every country. Some will provide military assistance, direct and indirect. Some will provide desperately needed humanitarian assistance for the millions who have been displaced and victimized across the region. Others will help restore not just shattered economies but broken trust among neighbors. This effort is underway in Iraq, where other countries have joined us in providing humanitarian aid, military assistance and support for an inclusive government.
Already our efforts have brought dozens of nations to this cause. Certainly there are different interests at play. But no decent country can support the horrors perpetrated by ISIS, and no civilized country should shirk its responsibility to help stamp out this disease.  ISIS’ abhorrent tactics are uniting and rallying neighbors with traditionally conflicting interests to support Iraq’s new government. And over time, this coalition can begin to address the underlying factors that fuel ISIS and other terrorist organizations with like-minded agendas.

(Archivbild: Kerry am 8. August in Kabul – US State Department Photo/Public Domain via Flickr)

14 Gedanken zu „„Akte des schieren Bösen“: Kerry wirbt für globale Koalition gegen ISIS

  1. In diesem Kommentar bleibt offen, wen er zu „the moderate Syrian opposition“ zählt. Hat er das an anderer Stelle konkretisiert?

  2. Nun ja, dann erwarten wir mal bitte die Erklärung aus Moskau, dass es bei dieser weltweiten Koalition gegen IS sich sehr bemühen wird, die syrische (und iranische) Regierung bei deren Kampf gegen IS zu unterstützen. Vielleicht lanziert Lawrow ja einen Namensartikel nun in der NYT.

    leading-from-behind klappt nur, wenn man nicht so weit hinter der „Front“ positioniert ist, dass man diese Front nicht mehr sehen kann und somit „Freund und Feind“ nicht mehr auseinander halten kann.

  3. Dem kann man nur zustimmen. Fangen wir in Deutschland mit unseren Islamisten an. Falls deutsch, keinen Pass und Meldepflichten verschärfen, falls ausländisch, keine Aufenthaltsgenehmigung und sofort inklusive direkter Familie in den Heimatstaat zurück.
    Die islamischen Organisationen in Deutschland verpflichten keine Hassprediger mehr zuzulassen, Verurteilung der Gräueltaten und Islamisten mit Ausschluss aus der Islamischen Gemeinschaft zu betrafen. Fatwa wäre noch besser.
    Die BW auf asymmetrische/hybride Bedrohungen ausbilden und ausrüsten, ohne das alles nach CPM (nov) organisiert werden muss. Bei LUNA ging das auch so ziemlich an den damals gültigen Vorschriften vorbei und wurde eine kleine Erfolgsgeschichte wenn man den Werdegang KZO verfolgt hat.
    Bei den Beratern innerhalb der Industrie hieß es in einer Faustformel erstmal theoretisch 60% des Personals und der Kosten weg. Man landete dann bei vielleicht 15-20 % in der Realität und Durchführung. Die neue Staatssekretärin wird es wissen. Aus eigener Erfahrung hat es den Unternehmen geholfen, um wieder auf eine gute Bahn zu kommen.
    Das sollte mindestens in Ansätzen begonnen werden, damit die BW wieder in ein vernünftiges Fahrwasser kommen kann, danach wieder eine international Akzeptanz erfährt und zusätzlich bereit ist diese Art von Bedrohungen mit den Verbündeten gemeinsam zu bestehen.

  4. wieder ein Reich des Bösen im Iraq.

    We’re putting the band back together!
    https://www.youtube.com/watch?v=dzOHq5WbQ8k

    Man darf gespannt sein, ob es dieses Mal eine Exit-Strategie geben wird.
    Noch spannender: Kann sich der ein oder andere Despot nun wieder mit dem Westen gut stellen, wenn er das Unternehmen unterstützt? Könnte ja sein, dass man sich doch wieder mit Assad einigt oder beim Thema Iran einfach mal ein Auge zudrückt.
    Vermutlich werden sich auch die Russen freuen, wenn die Amerikaner wieder das Böse im Nahen Osten bekämpfen.

  5. @Quino: und die ganzen Islamisten erkennen sie am Bart, am Händedruck, mit Hilfe eines Fragebogens? Bitte nicht falsch verstehen. Ich bin ja auch der Ansicht, dass es eine prima Idee ist sporadisch und ohne nachvollziehbare rechtliche Basis die Grundrechte von Bürgern einzuschränken… Ich fürchte nur die Umsetzung wird schwierig.

    @topic: Ich mag die hier verwendete Sprache nicht. Wär alles nicht so schlimm, wenn Kerry auf einige Floskeln verzichten könnte.
    „acts of sheer evil“: Katzenquälen ist strafrechtlich relevanter als „böse sein“.
    „these extremists“: Wie viel Prozent der Bevölkerung brauchen eigentlich Extrimisten um nicht mehr Extrimisten zu sein?
    „The beheading of an American journalist, has shocked the conscience of the world“: bei allem Respekt für Foley und seine Familie und all die Geiseln die da noch kommen werden, aber geschockt ist davon niemand mehr. Dafür läuft dieser Enthauptungsunfug schon zu lange.

    Es wäre schön wenn wir auf diese kindlich-moralisierenden Darstellungen verzichten könnten. Allen ist klar wer hier Koch und wer Kellner ist. Aber auch mit Kellnern sollte man wie mit Erwachsenen reden.

  6. Man muß nicht antiamerikanisch eingestellt sein, um festzustellen, daß die USA einen Schuppen voller brennbarer und explosiver Materialien nicht nur aufgebrochen, sondern gleich noch reichlich Feuerzeuge in den Eingang gelegt hat. Nun steht die Chose in Flammen und die USA rufen „Hilfe“, „Feuerwehren der Welt, vereinigt Euch“. Partnerschaft, Verantwortungsbewußtsein und Loyalität sind wichtige Beweggründe, doch will mir nicht in den Sinn, wieso ausgerechnet das „Alte Europa“ und auch Russland nun die Kohlen aus dem Feuer holen sollen. Mein Eindruck in Bezug auf amerik. handling von foreign affairs in der isl. Welt ist „avanti dilettanti“. Deshalb bin ich strikt dagegen, dt. Soldaten dort in die Hölle zu schicken. In der Pflicht sind zunächst einmal die Koalition der Willigen, die Türkei und unsere „Freunde“ von der arabischen Halbinsel.

  7. @Gustav Struve
    Feuerwehrtaktisch würde man das Gebäude kontrolliert abbrennen lassen und dabei die Nachbargebäude schützen. Bei akuter Explosionsgefahr ohne Chance diese zu verhindern – Gebiet evakuieren und weiträumig absperren und abwarten, auf den großen Knall oder bis es ausgebrannt hat und es nur noch ein Schwelbrand ist.

  8. A. Horstmann
    Ich verstehe das schon, nur wir haben schon sehr lange ein Umsetzungsproblem. Das ändert aber nichts an der Gefahr in die wir „reinschliddern“ wenn wir nicht im Rahmen der Gesetze (nicht Bärte) ohne Angst vor Umsetzungsproblemen handeln.

  9. „Das schiere Böse“ – oh je, evangelikale Märchenstunde des Ketchup-Milliardärs. Statt solche im Bereich des Politischen völlig närrische Bibelstellen zu kolportieren, sollte der Mann z.B. einmal Gunnar Heinsohns „Söhne und Weltherrschaft“ (Zürich 2003) lesen. Ich denke solche einfältigen Redensweisen stammen daher, daß die westliche Welt, dieses gigantische Kaufmannsladen-Imperium außer immer neuen, durchaus selbst terroristischen Ideen zur Senkung der „Lohnstückkosten“ keine, aber auch wirklich keine Idee mehr in der Schublade hat.

  10. Die Kräfte die am besten gegen die Jihadisten des IS kämpfen können sind die syrische Armee, die PKK und die Schiiten im Irak.

    Zudem wären jetzt unmittelbar Luftangriffe auf die von IS eroberten schweren Geräte/Fahrzeuge erforderlich.

    Aber statt die natürlichen Gegner der IS zu stärken werden weiterhin TOW an die Gegner der syrischen Regierung geschickt, statt der PKK wird die türkische Regierung hofiert die selbst nach Kräften IS unterstützt und dem Irak werden die bestellten und bezahlten Waffen aus den USA nicht geliefert weil irgendjemandem in Washington der gewählte schiitische Ministerpräsident nicht passt.

    Luftangriffe fliegt man zur Schau um ein paar Yazidiis zu helfen die sich mit Hilfe der PKK bereits Tage zuvor vom Sinjargebirgszug in PKK Gebiet gerettet hatten.

    Wer bei dieser Unlogik des Handelns die U.S.A . noch gegen ISIS unterstützt muß wohl mit dem Klammerbeutel gepudert sein. Falls sich die USA mal zu einer realistischen Politik entschließen, kann man ja noch einmal überlegen.

  11. @b | 30. August 2014 – 20:11
    eben avanti dilettanti. Die USA haben sich aussenpol. verrannt und haben nicht die Kraft zu einer Kehrtwende.

  12. FOCUS Online berichtet, daß sich auch ehem. Bw-Soldaten dem IS anschließen.

    „Der Militärische Abschirmdienst spricht von einem zunehmenden Islamismus-Problem bei der deutsche Truppen. Rund 20 ehemalige Angehörige der Bundeswehr sind in die Krisenregion in Syrien und dem Irak gereist, um sich dort offenbar dschihadistischen Einheiten anzuschließen.“

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