G36: Der Rechnungshofbericht, aufbereitet.

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Zur endlosen Geschichte der Probleme mit dem Sturmgewehr G36, wer wann was im Ministerium wusste, was getan wurde und was nicht: Der Kollege Hans-Martin Tillack vom Stern hat das anhand des Berichts des Bundesrechnungshofes aufbereitet und stellt die Frage, was eigentlich der frühere Minister Thomas de Maiziere wusste und getan hat oder eben nicht.

Den Link aus bekannten Gründen nicht, aber auf der Stern-Webseite ist es unter der Überschrift Kritik am Sturmgewehr G36 – Was de Maizière verschwiegen hat ja leicht zu finden.

Randbemerkung 1: Die erste, noch ein bisschen knappe Meldung war von mir im Spiegel am 1. April 2012. Seitdem tobt die Debatte über das Thema. Und ein Verteidigungsminister muss schon sehr am Lesen gehindert sein, um so was nicht mitzukriegen – mit anderen Worten: Dass de Maiziere davon nichts gewusst haben sollte, widerspräche jeder Lebenserfahrung…

Randbemerkung 2: In dem Stern-Bericht ist auch von Klagen der Truppe über die fehlende mannstoppende Wirkung des G36 die Rede. Da könnte ich mir vorstellen, dass etwas durcheinander geraten ist. In der Tat gab es solche Klagen – allerdings in erster Linie wegen der verwendeten Munition und/oder des Kalibers dieser Waffe. Nicht wegen mangelnder Treffergenauigkeit in heißgeschossenem Zustand.

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104 Gedanken zu „G36: Der Rechnungshofbericht, aufbereitet.

  1. Zitat:“ Damit sie unauffälliger sind. Als SOF im klassischen Sinne (Ausbildung befreundeter Truppen) kann es auch nicht schaden, wenn man die Waffen der Verbündeten benutzt.“
    • Jap und weil die AK47 kein völliger Mist ist mit dem man nicht kämpfen könnte.

    Zitat:“ Ich bitte Sie, wir reden über aktuelle Beschaffungen entwickelter Industrienationen, nicht über irgendwelche Dritte-Welt-Staaten, die keinen Zugang zu oder kein Geld für moderne, westliche Sturmgewehre haben.“
    • Definieren Sie entwickelte Industrienationen – westliche Staaten (die auch meist gleichzeitig Industrienationen sind) eher eine Tendenz haben in der NATO zu sein und 5,56 NATO zu führen ist Ihnen klar? Wie wäre es mit den emerging marktes, wo Geld für Streitkräfte weit weniger das Problem als bei uns ist? Dort findet man genügend AK104, AK74, Ak102 Derivate.

    Zitat:“ There are three levels of ”Marksmanship badges” that are worn by soldiers and officers. When SWE introduced the 5.56 ak5 rifle in 1986, the score had to be increased because otherwise everybody qualified as a Marksman.
    The same thing happened when we introduced the ak5C with its red-dot sight.”
    • Jop, aber Sie wissen schon, dass es sich hier um eine Umstellung von 7,62 NATO(einer ausgewachsenen Gewehrpatrone) zu 5,56 NATO handelte? Auch eine Optik ist kein originärer Bestandteil der Waffe. Schauen Sie mal in die Ukraine, Afghanistan, Irak etc.. – Ak47, Ak74, A102, Ak104 mit teuren Optiken (Aimpoint, Eotech etc..) aus den USA und z.t Schalldämpfern. Tatsächlich zeigen verschiedene Schießwettbewerbe in unterschiedlichen Disziplinen, dass AR15 Systeme und diverse Ak Derivate nicht weit auseinander liegen.

    Ich kann jetzt tausende Beispiele herausziehen für Ak oder gegen Ak – die Realität auf dem Gefechtsfeld ist ganz einfach: Alle Sturmgewehre die gegen Ende des 2 WK oder kurz nach dem 2 WK gebaut wurden, liegen in ihrem tatsächlichen Gefechtswert für einen durchschnittlichen Schützen sehr nahe beieinander (was daran liegt, dass die meisten Entwürfe sich gegenseitig befruchtet haben und das Stg44 der Großvater aller neueren Karabinerentwürfe ist) . Unterscheiden tun sich diese Waffen meist nur in der Fertigungsqualität (wobei man inzwischen auch die ganzen Ak Derivate in westlicher Edelausführung bekommen kann) und sehr spezifischen Features, die nur von tatsächlichen Experten ausgenutzt werden können um sich einen kleinen Vorteil zu verschaffen. Wirklich entscheidend hat sich jedoch seit 70 Jahren nichts mehr getan.
    Daher will die US-Army auch erst einen M4 Nachfolger einführen, wenn dieser eine signifikante Verbesserung gegenüber den jetzigen Karabinern darstellt.

  2. @Bang50:

    Wir drehen uns zunehmend im Kreise.

    Ich für meine Wenigkeit hätte gerne das marginal bessere Gewehr und würde mich freuen, wenn mein Gegner eine mindesens marginal schlechtere Waffe hat.

  3. Über die hier versammelte Fachkompetenz im Bezug „AK47 ist heuer noch den übrigen Sturmgewehren ebenbürtig“ kann man durchaus staunen. Und dabei geht es nicht rein um den taktischen Einsatz.

    Fassen wir mal zusammen:
    Wir haben bei der AK47 eine Patrone, die langsamer und mit deutlich gekrümmter Flugbahn fliegt als z.B. die 5.56mmx45. Dies macht das Treffen jenseits 300m deutlich schwieriger. Ja, sie bringt mehr Energie, wenn sie trifft. Wenn…

    Wir haben bei der AK47 eine recht grobe Kimme-Korn-Visierung mit extrem kurzer Visierlinie zwischen Kimme und Korn. Dies macht das Zielen und Treffen schwierig bzw. Zielfehler entstehen leichter und werden deutlicher bestrafft als bei einer langen Visierlinie z.B. des AR15 (offene Visierung). In Verbindung mit der langsamen Patrone ist das Treffen jenseits 300m deutlich erschwert.
    Die Montage von modernen optischen Zielmittel ist möglich aber kompliziert, das Konstruktionsmerkmal mit dem leicht verwindenden Blechdeckel und dem höherliegenden Vorderschaft läßt dies nicht ohne weiteres zu.

    Anordnung der Bedienelemente der AK47 ebenfalls suboptimal und nicht mehr zeitgemäß. Das entsichern der Waffe und Wählen der Feuerart ist unmöglich, ohne den Griff der Waffe aufzulösen und eine der beiden Hände vom Vorderschaft bzw. Pistolengriff nehmen zu müssen. Dies erfordert Zeit die man ggf. in einer Duellsituation nicht hat. Durchladen bei gesicherter Waffe unmöglich. Linkshänderbedienung des Spannhebels erschwert.

    Möglichkeit des einfachen Laufwechsels im Rahmen Instandsetzung oder ggf. sogar durch die Einheit im Felde ebenfalls aufwendig bis unmöglich.

    Mit anderen Worten:
    Wie die 1911er Pistole, das MG42 oder das schweren M2 HMG ist die AK47 sicher eine der Konstruktionen die so fortschrittlich und durchdacht waren, dass man sie als herausragende Entwicklung bezeichnen kann und diese Waffen sind dann sehr, sehr lange in der Nutzung geblieben. Und wirklich revolutionäre Entwicklungen gibt es bei den Handwaffen in den letzten 100 bis 60 Jahren auch nicht mehr, nur noch Evolution. Aber bei modernen Sturmgewehr-Designs ala SCAR, ACR, FN2000 (obwohl auch schon 50 Jahre alt mit Abstrichen dem AR15 bzw. seiner Evolution wie HK416 u.ä..) kann das AK47 nur noch teilweise mithalten bzw. hat auch kein „Aufwuchspotential“ mehr.

    Von daher eher fachkenntnisfreie Stammtischdiskussion, das moderne Armeen lieber die AK nutzen sollten. Es gibt inzwischen „besseres“ was in der Regel aber auch teurer oder deutlich teurer ist.

    Aber eigentlich wollten wir hier doch über den Bundesrechnungshof und das Kommunikationsverhalten und Krisenmanagement im BMVg und BAAIN beim G36 und dessen Probleme diskutieren.

    Besser BtT!

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