Merkposten: Irak


Die Ereignisse im Irak stehen hier zu Lande nicht wirklich im Mittelpunkt des Interesses, schon gar nicht mehr, seitdem die US-Streitkräfte abgezogen sind. Was am (gestrigen) Dienstag im Nordosten des Landes passierte, sollte aber die deutsche/europäische Aufmerksamkeit ein wenig wieder auf diese Region rücken: Islamistische Extremisten des Islamischen Staates in Irak und Syrien, auch Islamischer Staat im Irak und in der Levante genannt (ISIS), haben Mossul, die zweitgrößte Stadt des Landes erobert, zahlreiches (von den USA zur Verfügung gestelltes) militärisches Gerät in ihre Gewalt gebracht und kontrollieren einen strategisch wichtigen Teil des Iraks. Aus der Zusammenfassung von Associated Press:

In a stunning assault that exposed Iraq’s eroding central authority, al-Qaida-inspired militants overran much of Mosul on Tuesday, seizing government buildings, pushing out security forces and capturing military vehicles as thousands of residents fled the second-largest city.
The rampage by the black banner-waving insurgents was a heavy defeat for Prime Minister Nouri al-Maliki as he tries to hold onto power, and highlighted the growing strength of the Islamic State of Iraq and the Levant. The group has been advancing in both Iraq and neighboring Syria, capturing territory in a campaign to set up a militant enclave straddling the border.

Die Jihadisten-Organisation hatte ich wegen Syrien hier schon mal zur Beobachtung vorgemerkt; mit ihren jüngsten Erfolgen bekommt sie nun tatsächlich regionale Bedeutung für die Lage und das ohnehin labile Gleichgewicht in der Region.

Aus US-Sicht ist natürlich das Militärgerät bis zum Black Hawk-Hubschrauber (siehe Foto im Tweet oben) von Bedeutung, das den Islamisten in die Hände gefallen ist – wobei die Frage offen bleibt, was sie davon überhaupt benutzen/betreiben können (Hubschrauber vermutlich nicht). Besorgniserregend bleibt es allemal.

Mehr zu den Geschehnissen in Mossul hier; und bei der BBC ein Interview zu der Frage, ob die Islamisten-Organisation jetzt wirklich auf dem Weg zu dem angestrebten eigenen Staat ist. Der dann möglicherweise ein direkt an das NATO-Gebiet angrenzender radikalislamischer Staat wäre.

Nachtrag: Es gab Meldungen (die sind auch in dem verlinkten Text zur US-Sicht erwähnt), den Islamisten seien Blackhawk-Hubschrauber in die Hände gefallen. Das war vermutlich eine Ente; habe deshalb oben auch den ursprünglich eingebetteten Tweet mit einem Blackhawk-Foto rausgenommen.

 

112 Gedanken zu „Merkposten: Irak

  1. Mythos das die von alleine so stark sein sollen halte ich schon für sehr bedenklich.
    Ohne Katar und anders Staaten währen die niemals so stark.
    Und sollte dieses mal BW doch hinein dann ist der Bruderkrieg nicht mehr weit entfernt
    Wenn aus Köln der BW Soldat gegen den aus Köln Salav. Kämpft im Irak

  2. Ich wäre eher dafür das die Bundesregierung aktiv werbung für eine jihad Beteiligung im Mashrek macht.

    „Attraktive Beschäftigung „, „trostfrauen“,“flexible Arbeitszeiten“…

    parallel wird maliki mitgeteilt das man von einer Rückreise „überrascht “ wäre.

    Wie sagte es schili so schön „wer den Tod sucht, kann ihn haben“

  3. Mich vewirrt etwas die in einigen Medien auftauchende Meldung über „US Kampfflugzeuge vom Typ F1“, deren Auslieferung an den Irak angeblich durch US Firmen vorbereitet wird.
    Ich kenne nur die Mirage F1.
    Was mag das also für ein Vogel sein ? Oder hat die Presse mal wieder voneinander abgeschrieben und beim copy/paste ist die 6 hinter der 1 geklippt worden ?
    ;-)

  4. Können eigentlich nur die F16 sein. Oder der Irak hat irgendwelche internen Bezeichnungen vergeben. Das macht allerdings nur dann Sinn wenn man alleine die Flugzeuge betreiben und die Piloten ausbilden kann. Beides scheint nicht gegeben zu sein.

  5. F-16 mit der 6 vergessen.
    Die Iraker kriegen ja so ein „Monkey Model“ daß nur Sparrows verschießen kann.
    Ok, Air to Air dürfte die geringste Sorge der IrAF sein.
    Aber in Bagdad international spielen sich anscheinend gerade Saigon-artige Szenen ab.
    Die Franzosen haben angeboten, den Irakern gebrauchte Mirage F1 zu verkaufen, aber ich glaube den Zuschlag haben F-16 erhalten. Allerdings hat glaube ich der Iran auch kürzlich die Rückgabe der 1991 geflohenen Mirages angeboten.
    Amerikaner haben aber in keinem Fall etwas damit zu tun.

    Abu Bakr ist ein klassisch sunnitischer Extremist.
    Die Rückkehr zur Urgemeinschaft Mohammeds ist letztlich die Kernbotschaft des Salafismus. Sein Nom de Guerre weist sowohl auf diesen Anspruch (Abu Bakr war ein Kampfgefährte Mohammeds und nach seinem Tod der erste Kalif) als auch auf sein Ziel (Bagdad) hin.

    Die ISIL nahm ihre Anfänge unter anderem Namen als eine sunnitische Splittergruppe, die anfangs praktisch nur gegen Schiiten „kämpfte“, indem sie attentate auf Moscheen, Schreine und sonstige „weiche Ziele“ verübte. Der Kampf gegen die Schia war dieser Gruppe immer wichtiger als der Kampf gegen die Amerikaner.

  6. @JCR

    na ja, auf der anderen Seite schlachtet ISIS/L auch gnadenlos Sunniten ab, wenn sie sich nicht unterwerfen..daher meine Aussage „weder Sunna noch Shia“.

  7. http://www.spiegel.de/politik/ausland/irak-iran-verspricht-hilfe-im-kampf-gegen-isis-terroristen-a-974915.html

    Der Iran geht in die diplomatische Offensive. Geschickt auch, dass Rohani KSA nicht direkt, sondern gesichtswahrend über die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (Sitz in Dschidda, Vorsitz KSA) anspricht.
    Gleichzeitig schafft der Iran Fakten on the ground und versucht die USA abzublocken:
    „Brigadegeneral Mohammad Reza Naghdi, Kommandeur der paramilitärischen Bassidsch-Milizen, machte indirekt die Vereinigten Staaten für den Aufstieg der Dschihadisten verantwortlich. „Die USA manipulieren diese Terroristen, um den Ruf des Islam und der Muslime zu beschmutzen“

  8. wir werden es wohl alle noch erleben das der iran zum engsten verbündeten des westens wird. stabile regierung terrorismusfinanzierung nur in homöopathischer dosis und gegen israel (freut unsere linke) weniger eschatologisch weltrevolutionär und auch sonst kultivierter als salafisten und wohlstandsdegenerierte golfaraber.

    tempi passati

    mal sehen ob der südirak über kurz oder lang zur nahost krim wird.
    rapprochement USA-Iran führt zu nuklearisierung von SA….

    hach ja….zumindest wird es nicht langweilig

Kommentare sind geschlossen.