Lagebeobachtung Ukraine, 11. Mai

In der Ost-Ukraine hat am (heutigen) Sonntagmorgen das Referendum begonnen, mit dem die pro-russischen Kräfte der Bezirke Donetz und Luhansk ihre Unabhängigkeit von Kiew durchsetzen wollen. Die Abstimmung ist nicht nur in der Ukraine umstritten, auch vom Westen wird es als unrechtmäßig angesehen (siehe Erklärungen der USA und der Parlamentarischen Versammlung der OSZE). Nach den ersten Berichten aus der Region lief der Wahlprozess zwar ohne Auseinandersetzungen ab, dafür aber auch recht ungeordnet.

Die Bild-Zeitung meldet unterdessen unter Berufung auf den Bundesnachrichtendienst zwei brisante Geheimdiensterkenntnisse aus der Ukraine: Zum einen sollen rund 400 Contractors, also faktisch Söldner, der US-Firma Academi (vormals Blackwater) in der Ost-Ukraine zur Unterstützung der Armee tätig sein. Und nach US-Erkenntnissen sei die russische Luftwaffe mehrfach vorsätzlich in den Luftraum der Ukraine eingedrungen. (Die Bild-Geschichte ist hinter Paywall, einen Link gäbe es hier aus bekannten Gründen ohnehin nicht; Agenturmeldungen dazu u.a. bei SpOn).

Weiter nach Entwicklung, gerne in den Kommentaren. Aus technischen Gründen die Aktualisierungen diesmal als Storify, jeweils neueste Informationen oben:

78 Gedanken zu „Lagebeobachtung Ukraine, 11. Mai

  1. … scheint alles ziemlich unkoordiniert abzulaufen – keine Meldungen auch Charkow?

  2. AP zu Krasnoarmeysk: http://bigstory.ap.org/article/ukraine-guardsmen-open-fire-crowd

    AP spricht verharmlosend von „guardsman“ die dort schießen und bezeichnet die Kiewgegner als „insurgents“.

    Mir sieht das eher wie ein rechter Schlägertrupp aus, „Nationalgarde“ oder die Privattruppe eines Oligarchen. Auf keinen Fall irgendwelche regulären oder auch nur regulierten Kräfte.

    Noch ein Video aus anderem Blickwinkel
    https://www.youtube.com/watch?v=mtx-JkMwKWU

    Diversen Tweets nach kamen die gegen Mittag und machten, mit Gewalt, das Wahllokal zu. Leute protestierten dagegen und dann wurde gefeuert. Auf Seiten der Demonstranten sind keinerlei Waffen zu erkennen.

  3. Ich sehe dieser Bild mit Sorge den es treibt das Feuer noch weiter hoch
    Schüsse dann Messer, das die Wahrheit erst in 10 Jahre raus kommen wird, aber nicht jetzt
    Das kann sein das die Kugel selbst rausschnitten, das kann ein Messer Angriff sein oder anderes.

    Das hätte auch anders ausgehen können das Pro Russland Truppen die par lunchen dafür

  4. „Den Drang auf Bewaffnete, die Warnschüsse abgeben, zuzulaufen kann ich immer noch nicht nachvollziehen.“

    Dr Gedanke kam mir schon bei den gestrigen Videos.

    Mut und Dummheit liegen eindeutig nah beieinander

  5. „Tja, selber schuld wer auf Bewaffnete zuläuft. Wegbratzen das Gesocks!“

    Sagt mal, seid ihr alle krank? Hier schiessen illegale Söldner auf Zivilisten, und ihr versucht das irgendwie zu rechtfertigen?

    Die Verbrecher (Schütze und Auftraggeber) sind zu Rechenschaft zu ziehen. Wenn die Ukraine das nicht selbst kann, muss eben der FSB ran.

  6. tahesschau meldet 89 prozent Zustimmung zur Sezession bei „überwältigender Wahlbeteiligung“

    ein vorher feststehendes ergebnis beschleunigt das austzählverfahren scheinbar ungemein.

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    @ t. wiegold

    weil es mir erst gerade auffiel. Contractors sind KEINE Söldner. diese fehlerhafte analogie hat in seriösem journalismus nichts zu suchen.

    (blackwater hat selbst im irak nie offensiv operiert.)

    die korrekte bezeichnung ist PMC,PSC,Dienstleister oder jeder andere Begriff der keine wertende Konnotation hat.

  7. @wacaffe

    Danke, habe oben die AFP-Meldung eingefügt.

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    Die Begriffsdebatte können wir bei Gelegenheit mal führen; die Grenzen sind fließend… A mercenary is a person who takes part in an armed conflict, who is not a national or a party to the conflict and is „motivated to take part in the hostilities by the desire for private gain“, zitiert Wikipedia aus der Genfer Konvention.
    Aber das bitte nicht hier und jetzt, vielleicht lohnt das mal eine gesonderte Betrachtung…

  8. During clashes in the Donetsk region Krasnoarmeisk employees Battalion special police „Dnipro“ did not participate .

    This is stated in the statement of the Interior Ministry of Ukraine.

    “ Interior Ministry denies allegations that during the clashes involved members of the police special operations battalion “ Dnipro . “ This special police units not left the territory of Dnipropetrovsk region “ – said the Interior Ministry.

    However, the agency stressed the fact that the events in Krasnoarmeysk criminal investigations under “ murder .“

    The corresponding entry is included in the Unified Register of pre-trial investigations.

    http://www.pravda.com.ua/news/2014/05/11/7025029/

  9. Zur Begrifflichkeit: Söldner oder Contractors:
    Dachte selber schon an Todesschwadronen. Aber das passt auch (noch) nicht ganz.

  10. Mehrere Zeitungskorrespondenten haben eine private Umfrage in Donetzk und Region gemacht und kommen auf Ergebnisse die den „offiziellen“ Ergebnissen der Volksabstimmung recht nahe kommen.

    Washington Post:

    There were no independent exit polls Sunday. But it did appear that turnout was relatively high. Journalists from several Western news organizations interviewed 186 residents in the Donetsk region, away from polling stations, and found that 116 had cast ballots or intended to. A total of 122 favored self-determination. The results were not scientific but reflected the level of interest in the referendum.

    Residents’ attitudes appear to have hardened considerably with the deaths of dozens of pro-Russian activists in the city of Odessa this month and with reports that troops fired at a crowd in Mariupol last week.

    Laut FAZ, deren Korrespondent ebenfalls die Umfrage durchführte, lag die Wahlabsicht bei knapp 70%. Die sehr große Mehrheit davon für Autonomie.

    Die Sunday Times hat einen der rechten Schlägertrupps in Schwarz beim Training im Wald beobachtet. Der Sprecher der Gruppe (80 Mann) hatte Nazitätowierungen. Die Unterkunft war das Jagdhaus eines Oligarchen.

    Sunday Times
    Ohne Bezahlung (mit negativen Kommentaren)

  11. Könnte es sich um einen Querschläger gehandelt haben? Zugegebenermaßen ist das auf den Videos nicht gut erkennbar, aber unmittelbar bevor der Verletzte stürzt ist ein Funkenschlag auf dem Boden neben ihm zu erkennen. Die Waffe des Bewaffneten, der direkt vor dem Verletzten steht, zeigt jedoch nicht in die Richtung des Beines..

    Screenshot, 0:14, Youtube Video, #Krasnoarmeisk 11.05.2014 – Die Faschisten. KILLER.

    http://de.tinypic.com/r/1x14x/8

  12. Nato-Großübung Jawtex beginnt. Das Szenario gleicht laut Bundeswehrangaben der Krise in der Ukraine. Quelle: FAZ
    Wau ist es allso so weit?

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