Militärausgaben weltweit: Deutschland gegen den Trend

Die neueste Statistik des Stockhomer Friedensforschungsinstitutes SIPRI zeigt für die weltweiten Militärausgaben ein unter dem Strich nicht erfreuliches Bild: Zwar gab es im vergangenen Jahr einen weltweiten Rückgang dieser Ausgaben um 1,9 Prozent, der allerdings fast ausschließlich auf einen Rückgang in den westlichen Ländern und vor allem in den USA zurückgeht – schon ohne die USA in der Statistik stiegen die Ausgaben für Rüstung, Soldaten, Einsätze (und auch Pensionen) um 1,9 Prozent. Der Anstieg ist insbesondere auf mehr Geld für militärische Zwecke in Nahost, Asien und Afrika zurückzuführen.

Während die globalen Trends in vielen Berichten dominieren, fällt mir beim Blick auf den generellen Rückgang in den westlichen Ländern was auf:

In Western and Central Europe, a majority of countries continued to cut military spending as austerity policies were maintained in most of the region. The falls in the region since the beginning of the financial and economic crisis in 2008 are no longer confined to Central Europe and the ‘crisis’ countries of Western Europe. Falls of over 10 per cent in real terms since 2008 have now been recorded in Austria, Belgium, Greece, Ireland, Italy, the Netherlands, Spain and the UK, as well as all countries in Central Europe except Poland. In contrast, Germany’s military spending was 2 per cent higher.

Deutschland hat sich, bedingt durch die Kürzungen anderer Staaten, unter den Staaten mit den höchsten Militärausgaben weltweit, vom neunten auf den siebten Platz vorgeschoben – wenn auch immer noch hinter Frankreich und Großbritannien auf den Plätzen fünf und sechs (die ersten vier Ränge belegen weiterhin unangefochten die USA auf Platz eins, gefolgt von China, Russland und – neu – Saudi-Arabien). Weiterhin sieht auch der deutsche Verteidigungsetat in absoluten Zahlen wie im Anteil am Bruttoinlandsprodukt mit 1,4 Prozent deutlich geringer aus als bei den beiden europäischen Nachbarn mit 2,2 und 2,3 Prozent.

Allerdings: Sowohl bei Frankreich wie bei Großbritannien muss da ein Anteil für die Atomwaffen herausgerechnet werden – Faustregel 0,7 Prozentpunkte. Interessanter ist aber, dass Deutschland offensichtlich das einzige europäische Land mit einer leichten Steigerung und eben nicht einem Rückgang ist.

Nun dürfen die Zahlen der Militärausgaben insgesamt, darauf weisen die SIPRI-Autoren ausdrücklich hin, nicht verwechselt werden mit den Rüstungsausgaben allein: Der reale Rückgang der Ausgaben der USA heißt ja nicht, dass weniger Waffensysteme beschafft wurden – sondern dass die Ausgaben für Auslandseinsätze nach dem Abzug aus dem Irak und der Truppenreduzierung in Afghanistan gesunken sind. Insofern ist auch die deutsche Steigerung um zwei Prozent ohne genauere Aufschlüsselung nicht unbedingt aussagekräftig: Auch steigende Ausgaben für Immobilien wie die abgeführte Miete an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) oder höhere Pensionslasten fließen in die militärischen Gesamtausgaben ein.

So gesehen ist die Liste für viele europäische Länder ein Gradmesser für die volkswirtschaftlichen Kosten des Militärs. Aber noch keine Aussage darüber, inwieweit es eine tatsächliche Auf- oder Abrüstung gibt.

(Weil man ja solche Berichte immer mit einem Panzerfoto bebildern muss: Archivbild Januar 2014: Bei einer Angriffsübung vom Panzerbataillon 413 der Panzerbrigade 41 werden die Fähigkeiten und Besonderheiten vom Gefechtsübungszentrum Heer (GÜZ) vorgeführt. Frontalaufnahme vom Kampfpanzer Leopard im winterlichen Übungsgelände – Bundeswehr/Kazda via Flickr unter CC-BY-ND-Lizenz)

6 Kommentare zu „Militärausgaben weltweit: Deutschland gegen den Trend“

  • Sgt.Thrash   |   14. April 2014 - 13:49

    Ist dabei auch die eine Milliarde berücksichtigt die „gespart“ wurden berücksichtigt ? ;-)

    siehe FAZ vom 08.04.14, Bundeswehr spart eine Milliarde.

  • T.Wiegold   |   14. April 2014 - 14:47

    @ Sgt Thrash

    Logischerweise nicht, weil es um die Veränderung von 2012 auf 2013 geht…

  • drd   |   14. April 2014 - 14:54

    Schade dass der Investitionsanteil nicht separat betrachtet wird. Das ist eigentlich der bessere Indikator für eine Aufrüstung. Bei SIPRI habe ich dazu nur die Zusammenfassung von MatErhalt und Invest (ohne Forschungsmitteln) finden können. Diese Zahl soll sich nach russischer Budgetplanung von 11,7 Mrd EUR in 2012 auf 30,1 Mrd EUR in 2015 steigern. Dass sind schlappe 300% und damit eine Ecke mehr als einzelne Prozentpunkte. Zum Vergleich die deutschen Ausgaben MatErhalt und Invest: 8 Mrd EUR ind 2012. Dass der Wert ebenfalls eine Verdreifachung bis 2015 erfahren wird, ist wohl eher unwahrscheinlich.

  • Ghost Bear   |   14. April 2014 - 15:40

    @T.Wiegold:

    Das zeigt mal wieder, wie man mit Statistiken ein völlig falsches Bild der Realität zeichnen kann. Tatsächlich ist der Wehretat in den letzten Jahren dramatisch gekürzt worden.

    1. Mieten wir ja seit einigen Jahren unsere Liegenschaften, die wir abgeben mussten, vom Bund (minus ~2Mrd. p.a.).

    2. Der Fuhrparkservice ist ebenfalls ein erheblicher Mittelabfluss (Seit geraumer Zeit der größte Einzeltitel in der Masse der Bataillone)

    3. Der Wehretat ist ebenfalls der einzige Einzelplan, der die Pensionsansprüche der BS einrechnet.

    4. Von HIL, BWI, etc. ganz zu schweigen.

    Mir ist bewusst, daß Sie das wissen, aber der Rest der schreibenden Zunft in Deutschland wird es mal wieder falsch verstehen, bzw. kommunizieren.

  • Matthias Köhler   |   14. April 2014 - 17:21

    @Ghost Bear:

    In der „Süddeutschen“ (Link aus bekannten Gründen nicht :-) war heute etwa zu lesen: „Deutschlands Investitionen (sic) haben sich mit 48,8 Milliarden Dollar 2013 nicht wesentlich verändert.“ Nun ja…

  • Alarich   |   14. April 2014 - 17:22

    Deutschland spart Sich weg
    Experten schlagen schon die Hände über Kopf,
    Nordafrika kommt eines Tages was auf uns zu, Algerien und Libyen werden auf Dauer Islamistisch.
    Syrien Dank Westen auch es sei den Russland kann das noch Verhindern
    Aber Sämtliche Wackelstaaten sind die am Meisten rüsten
    Und dann ist Russland die irgendwann schon noch Einfallen Stück für Stück und dann unsere so Klugen Politiker die gut Reden aber von den Putin keine Angst haben braucht , und sein verbündeter China die USA von der anderen Seite behindern
    Rom hatte die gleichen Politiker zum Schluss wie wir und Rom ging mit ihnen Unter
    Das wird uns nicht besser gehen trotz Super Europa, wenn alle meinen soll doch der andere richten das ist nicht Gemeinschaft das ist Egoismus, und jeder sagt ich habe Gespart, aber du Grieche nicht, wie sollen die Sparen wenn grenze mit der Türkei hat die ihre Inseln wollen.
    Wie wollen Polen Sparen Nachbar Russland
    Italien Anrainer der kommenden Islamisten Staaten
    Finnland rüstet auch auf weil sie nicht mehr zu Russland gehören wollen
    Schweden muss auch wegen Russland rüsten
    Aber Deutschland und Frankreich wir sparen und geben unnötige Rüstung nicht aus (und hoffen das uns die anderen alles abhalten) das ist Europa
    Und sind so Edel das Geld zu Verpulvern anstellen wo das Geld nie ankommt und den schwarzen Löcher Vorsingt