Geschichten aus Afghanistan

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Die Zahl deutscher Journalistinnen und Journalisten, die ständig in Afghanistan leben und von dort berichten, ist, nun, extrem überschaubar (insbesondere verglichen mit der Zahl der Reporter aus den USA und Großbritannien). Deshalb ist es um so bedauerlicher, dass Ronja von Wurmb-Seibel, eine frühere Zeit-Redakteurin, in diesem Blatt zwar bis vor kurzem schrieb – aber: Meine Kolumne aus Kabul erschien sechs Monate lang wöchentlich in der ZEIT. Nach dem Tod von drei Journalisten in Afghanistan wurde sie eingestellt, teilt die Autorin lapidar auf ihrer Webseite mit.

Das hindert Wurmb-Seibel aber nicht daran, ihre Geschichten mit dem scharfen Blick auf den afghanischen Alltag weiter zu erzählen. Auf eigene Rechnung, auf ihrer eigenen Plattform. Und mit dem Wunsch, dass den Lesern diese Geschichten auch etwas Wert sind – denn einen zahlenden Kunden für ihre regelmäßige Kolumne hat sie nicht mehr:

Ich lebe in Kabul und möchte die Geschichten weiterhin schreiben. Ab jetzt finden Sie hier jede Woche, freitags, eine neue Ausgabe meiner Kolumne – für je einen Euro.

Ich finde nicht nur die Geschichten gut, sondern auch diesen Schritt mutig und gut. Meine Empfehlung: Lesen – und bezahlen.

(Natürlich bin ich auch gespannt, ob diese Art des Crowdfunding funktioniert. Ähnlich wie ich setzt Ronja darauf, dass ihre Art von Journalismus dem Leser auch dann etwas Wert ist, wenn er dafür nicht eine Zeitung kauft oder abonniert. Das Vorgehen ist etwas anders als bei meinem Projekt Straßenmusik – ich rufe meine Leser zu monatlichen freiwilligen Zahlungen auf, sie bittet um Geld für eine einzelne Geschichte. Mal sehen, welcher Ansatz besser funktioniert. Und, auch das erwähne ich vielleicht hier zu selten: Ja, die Finanzierung von Augen geradeaus! könnte noch eine breitere Basis gebrauchen. Der geneigte Leser findet dafür rechts in der Spalte einen PayPal-Button – aber gerne teile ich auf Anfrage meine Bankverbindung mit. So viel Mut wie Ronja, die offen ins Netz zu stellen, habe ich nicht. Aber ich lebe auch nicht in Kabul.)

(Foto mit freundlicher Genehmigung von ©Ronja v. Wurmb-Seibel)

 

4 Gedanken zu „Geschichten aus Afghanistan

  1. Ich finde es nach wie vor traurig, dass deutsche Medien Afghanistan so schlecht abdecken. Selbst als wir dort noch richtig viel Personal hatten, gab es so gut wie keinen Journalisten eines deutschen Nachrichtenmediums, der dauernd vor Ort präsent war.

  2. Herr Wiegold, bei vielen Tagesgeldkonten funktioniert die Auszahlung nur über ein vorher festgelegtes Referenzkonto, die Einzahlung ist aber von jedem Konto aus möglich. Vielleicht hilft das Ihre Sicherheitsbedenken etwas zu zerstreuen, mit den Kontodaten kann dann nicht mehr so viel Mumpitz getrieben werden.

  3. Ich verstehe nicht, wieso der Tod von anderen Journalisten ein Grund sein sollte, Artikel einer noch lebenden und weiterhin in Afghanistan arbeitenden Journalistin nicht zu drucken.

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