Alter Schwede! So geht Battlegroup-Kommunikation

EUBG15_orbat

Die Öffentlichkeitsarbeit der Schweden für die Nordic Battlegroup der Europäischen Union im kommenden Jahr hatte ich hier schon mal lobend geschildert. Jetzt gehen sie noch einen Schritt weiter und veröffentlichen mal eben etwas detaillierter ihre Planungen, inklusive Kästchenkunde für die vorgesehenen Anteile der verschiedenen nordischen Länder an der EUBG15 – siehe order of battle in der Grafik oben.

Alter Schwede. Hierzulande scheint es ja so, dass jemand, der etwas detailliertere Planungen über vorgesehene deutsche Kräfte für eine EU-Battlegroup (oder die NATO Response Force) öffentlich mitteilt, schon fast vor dem Kriegsgericht steht mit dienstlichen Konsequenzen rechnen muss. Auf die öffentliche Kästchengrafik zum deutschen Anteil an der EU-Battlegroup im zweiten Halbjahr 2014 warte ich noch… Aber wahrscheinlich haben diese Skandinavier einfach keine Ahnung, was alles unter Verschluss gehalten werden muss.

Die ganze Powerpoint-Präsentation kann hier angeschaut werden.

(Grafik: www.forsvarsmakten.se)

15 Gedanken zu „Alter Schwede! So geht Battlegroup-Kommunikation

  1. Mit solch‘ einer martialischen Typographie würde man in Deutschland nicht weit kommen …^^

  2. Das nenne ich mal ehrliche Presse-/Öffentlichkeitsarbeit. Ob wir das jemals hierzulande erleben werde? Wahrscheinlich nicht, wegen VS – sorry OPSEC -, Darmstädter Signal und dem lokalen Antifa-Trüppchen. *seufz*

  3. Interessant ist – neben der Pressearbeit – die Betonung von „mindset“ und flexibler Führung.
    Insbesondere der Cartoon am Ende und der OODA-Loop.

    Unsere EUBG wäre ja schon mit der Zusammenarbeit zwischen OHQ-FHQ-BtlStab komplett beschäftigt – da stört der Gegner in unserem OODA-Loop wirklich.

    Die Wikinger eben.

  4. Die Verteidigung in den nordischen Ländern hat eine bedeutende Dimension im Denken der Politik und Gesellschaft. Wehrhaftigkeit ist tief verankert in der Denkweise der Bevölkerung und Politik. In Deutschland wird die Verteidigung und die Streitkräfte einzig und alleine seit Jahren an Kostenstellen gemessen. Eine sinnlose Strukturreform Jagd die andere ohne das auch nur einmal die Endstruktur eingenommen und gelebt wurde. Weder materiell noch mit Soldatenanteilen. Die Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr lasse ich hier kommentarlos. Denn was nicht stattfindet kann auch nicht kommentiert werden. Was dort an scheinbar offiziell gewollt ist , ist unter aller Kanone. Hier ist ein Umdenken sehr notwendig . Zum Thema EU Battle Group und NRF : Was nutzen hochglänzende Präsentationen und Ankündigungen wenn nach politischen Entscheidungen immer Monate vergehen bis einmal was umgesetzt wird. Auch hier besteht großer Bedarf.Einzig im zweistelligen Mannbereich werden dann Beobachter oder „Ausbilder“ entsandt. Ob dies zielführend ist ???

  5. Die Auslassungen sind mal wieder interessanter…
    Einsatzbereich wird mit 6.000 km ab Brüssel angesetzt – Washington DC scheint etwas über 6.200 km entfernt zu sein – ein diplomatisches Zugeständnis?
    ;-)

  6. Erstaunlich, oder ?
    Und die europäische Wehrhaftigkeit fällt gar nicht um …
    Und das beste ist : „die“ machen das auch noch so…

    Man findet es in Norge, Sverige und Co offensichtlich nicht so problematisch, die Bevölkerung mit der militärischen Dimension von Politik zu konfrontieren. Vielleicht auch, weil sie dort in der öffentlichen Aufmerksamkeit tatsächlich wahrgenommen wird..

    Während wir noch die mögliche Notwendigkeit, Gefahren und politische Dimension einer potentiellen Einlassung (irgendwo südlich von Europa) erörtern, verweisen die nordischen Kameraden (und -innen) schon mal mit dem (Planungs-)Auftrag und seinen Möglichkeiten auf die Fähigkeiten auch der EUBG (Folie 7).

    Peinlich, peinlich…

  7. @ Uwe.U.S. qOb dies zielführend ist ???uq

    Dazu muesste die DL‘ Politik erst mal Ziele definieren oder benennen.

  8. @Querleser:
    Die Sache mit ZAR fand ich auch bemerkenswert.
    Die Folie 7 wäre bei uns undenkbar – selbst wenn es VS-NfD wäre.

    Das ist doch politisch…!

  9. Mit politisch hat das bei Folie 7 weniger zu tun, mehr mit der anscheinenden Meinung schwedischer Militärs, dass sustainability nicht festgeschrieben sein muss. Damit stehen sie aber eher allein da. Mit dem Argument (keine Auslegung auf deployment >120 Tage) wurde nämlich der Vorschlag, eine EUBG in der CAR einzusetzen, im Januar abgelehnt.

    Wobei das natürlich mehr damit zu tun hat, dass Griechenland (das aktuell die EUBG stellt) den Einsatz generell nicht unterstützt. Das wäre dann das politische.

  10. Folie 4 ist auch nicht schlecht. Den Winkel des Einsatzradius über Rußland zu ziehen dürfte hier jede militärische Karriere abrupt beenden, oder?

  11. Bei uns tut man sich vermutlich daher mit der Veröffentlichung solcher Informationen so schwer, da man die Doppel- oder Dreifachassignierung der Einheiten für EUBG, NRF oder sonstwas zugeben müsste, verbunden mit der Hoffnung, dass, wenn überhaupt, nur eine Karte gezogen wird. Ansonsten dürfte es peinlich werden….

  12. Warum werden den PPT anderer Nationen mehr Glauben geschenkt als den eigenen? Auch hier ist Papier geduldig und wenn man mit Schweden, Finnen und Norwegern spricht, sind die unter 4 Augen der gleichen Ansicht über Ihre Fähigkeiten wie wir über die unseren. Aber das Gras auf des Nachbarn Wiese ist immer grüner.
    Das trifft im übrigen auch auf UK und FR zu, lautes Trommeln, große Töne aber wenns drauf ankommt, sind die mit Ihren Kapazitäten genauso schnell am Limit. Lauter Bonsaivereine, mal Großbonsai, mal Minibonsai, aber alle miteinander allein zu nichts fähig.

  13. @diba

    Es ging ja ursprünglich nicht um die Fähigkeiten…. sondern darum, wie die Skandinavier öffentlich mit ihren Planungen umgehen. Die eigenen PPT bleiben ja unter Verschluss – vielleicht, damit man die nicht mit den Fähigkeiten abgleichen kann?

  14. D’accord, aber die Diskussion geht ja in die von mir angesprochene Richtung. Aber wer sagt uns denn, dass die PPT Darstellung mit den Fähigkeiten hoch im Norden in Einklang steht?
    Ich war an NRF/EUBG Planungen schon beteiligt, da hat sich n.m. Erfahrung KEINE der beteiligten Nationen mit Ruhm bekleckert. Es ging nahezu immer darum, das schöne Kästchen irgendwie zu rechtfertigen, mit wohlfeilen Argumenten, warum die angebotenen tatsächlichen Kräfte das schon irgendwie irgendwann hinkriegen müssen.
    Diese Folie ist n.m.K. seit vielen Jahren im wesentlichen nur durch die Flaggen geändert worden.

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