Ukraine: Das Merkel-Putin-Telefonat

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am (heutigen) Sonntagabend mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin wegen der Lage in der Ukraine telefoniert. Zur Dokumentation die Darstellungen der deutschen und der russischen Seite:

Die Mitteilung des Bundespresseamts:

Der stellvertretende Sprecher der Bundesregierung, Georg Streiter, teilt mit:
Bundeskanzlerin  Dr. Angela Merkel hat am frühen Abend mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefoniert.
In diesem Gespräch hat sie dem Präsidenten vorgeworfen, mit der unakzeptablen russischen Intervention auf der Krim gegen das Völkerrecht verstoßen zu haben, insbesondere gegen das Budapester Memorandum aus dem Jahre 1994, in der sich Russland zur Respektierung der Unabhängigkeit und Souveränität der Ukraine und ihrer bestehenden Grenzen verpflichtet hatte.
Auch gegen den Vertrag über die Schwarzmeerflotte von 1997 habe er verstoßen.
Die Bundeskanzlerin forderte den russischen Präsidenten erneut auf, die territoriale Integrität der Ukraine zu respektieren.
Präsident Putin akzeptierte den Vorschlag der Bundeskanzlerin, umgehend eine „fact finding mission“ sowie eine Kontaktgruppe, möglicherweise unter der Leitung der OSZE, einzurichten, um einen politischen Dialog zu beginnen.

Die Mitteilung des Kreml (in der englischen Fassung):

As per prior agreement, Vladimir Putin spoke by telephone with Federal Chancellor of Germany Angela Merkel.
In response to Ms Merkel’s concern regarding the developments in Crimea and Ukraine as a whole, Vladimir Putin drew the Federal Chancellor’s attention to the unrelenting threat of violence by ultra-nationalist forces, endangering the lives and legitimate interests of Russian citizens and the entire Russian-speaking population. It was stressed that the measures being taken by Russia correspond fully to the extraordinary current situation.
Mr Putin and Ms Merkel agreed to continue consultations both in the bilateral format (through the two nations‘ Foreign Ministries) and multilaterally to promote the stabilization of the situation in Ukraine.

Nachtrag 3. März: Laut New York Times hat sich Merkel in einem Telefonat mit US-Präsident Barack Obama zum Telefonat mit Putin geäußert (wobei mich jetzt die zeitliche Abfolge ein wenig interessiert; von einem Gespräch Merkel/Obama nach dem Putin-Telefonat war doch bislang offiziell nicht die Rede?):

Chancellor Angela Merkel of Germany told Mr. Obama by telephone on Sunday that after speaking with Mr. Putin she was not sure he was in touch with reality, people briefed on the call said. “In another world,” she said.

55 Gedanken zu „Ukraine: Das Merkel-Putin-Telefonat

  1. @ MikeMolto und Klabautermann

    So locker geht das alles auch für Putin nicht. Er reitet auf der Rasierklinge. Denn eine durchgreifende Verschlechterung der inneren wirtschaftlichen Lage Russlands kann er sich – trotz aller seit Jahrhunderten erprobten und gestählten Leidensfähigkeit des russischen Volkes – kaum leisten. Und der Rubel ist genauso wie der russische Aktienmarkt heute schon mal brutal abgestürzt …

  2. @KeLaBe

    Zustimmung, deswegen hatte ich Putin`s Spielraum als allenfalls taktischer Natur beschrieben…

  3. Ich hab leider dazu noch nichts in den Medien gefunden, aber gibt es irgendwelche Reaktionen aus Finnland bzw. Schweden in Richtung Nato Beitritt?

    Das Thema wurde ja in beiden Ländern in letzter Zeit wieder etwas aktueller.

  4. Ich habe die Pressekonferenz mit Putin nicht mitbekommen. Gibt es dazu eine Art Briefing irgendwo?

    Wenn ich die Gerüchteküche richtig verstehe, wäre ein Deal Janukowitsch gegen Krim möglich: Janukowitsch ist raus (Eine Wiedereinsetzung hätte auch die Weiterentwicklung des Aufstandes zu einem asymetrischen Krieg zur Folge) / Neuwahlen möglichst bald / Krim geht via Volksabstimmung an Rußland / Alle Seiten einigen sich darauf, Rußland habe bis jetzt keine Truppen in der Ukraine vertragswidrig eingesetzt, bzw man könne es nicht beweisen.

    Dann wäre die Frage, welche Extrawürste und Appetizer welche Partei noch zur Einigung braucht.

  5. Wie war das noch gleich mit der Einsatzbereitschaft eines Großteils unserer Streitkräfte?
    Wird da nicht durch BMVg proklamiert und an der FüAk groß was von Vorwarnzeiten <180
    Tagen gelehrt? Wie einen die aktuellen Ereignisse doch eines besseren belehren.

    Na eventuell wird der ein oder andere seine rosarote Brille absetzen und sich mal ernsthaft über die kurzfristige Fähigkeiten der gesamten Streitkräfte – außerhalb von EUBG und NRF* – Gedanken machen.

    *Hierbei ist jedoch nicht auf einem 1A Top Zustand dieser beiden Optionen zu schließen

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