Deutscher Beitrag zum Einsatz in Zentralafrika: Gecharterte russische Flugzeuge

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Deutschland wird die EU-Mission in der Zentralafrikanischen Republik mit weiteren Mitteln unterstützen – nämlich mit gecharterten Antonov-124-Transportflugzeugen, die von russischen Besatzungen geflogen werden. Aus der gemeinsamen Erklärung von Auswärtigem Amt und Verteidigungsministerium:

Die Bundeswehr wird für die Transporte nach Bangui auf Transportflugzeuge des Typs Antonov AN-124-100 aus dem so genannten Strategic Airlift Interim Solution (SALIS)-Vertrag zugreifen. Deutschland partizipiert seit 2006 an dem Vertrag der NATO Support Agency (NSPA) mit der RUSLAN SALIS GmbH mit Sitz in Leipzig. Für die 14 beteiligten Nationen würden damit dauerhaft zwei Flugzeuge mit einer Nutzlast von maximal 150 Tonnen zur Verfügung stehen.

Warum diese Lösung gewählt wurde, sagt Außenminister Frank-Walter Steinmeier (und nicht etwa Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen) sehr deutlich:

Es ist unsere gemeinsame europäische Verantwortung, alle dafür [die europäische Mission, T.W.] erforderlichen Fähigkeiten zusammenzubekommen. Deutschland wird deshalb zusätzliche Lufttransportkapazitäten anbieten. Dafür ist kein zusätzlicher Einsatz deutscher Soldaten vor Ort erforderlich.

Darüber hinaus sollen auch, wie bereits angekündigt, der MedEvac-Airbus zum strategischen Verwundetentransport und Stabsoffiziere für die Mission EUFOR RCA abgestellt werden.

Das Angebot, aus einem Chartervertrag Kapazitäten für diese Mission anzubieten, dürfte zwar Transportprobleme der EU-Mission lösen, und die waren bislang offensichtlich der Hauptgrund dafür, dass dieser europäische Einsatz bisher nicht begonnen werden konnte.

Allerdings scheint mir der Wunsch im Vordergrund gestanden zu haben, bloß nicht weitere deutsche Soldaten zusagen zu müssen. Und dass Deutschland dafür auf russische Chartermaschinen zurückgreift, ist in der gegenwärtigen geopolitischen Lage ein Signal – fragt sich nur, ob für den Willen zur weiteren engen Zusammenarbeit mit Russland oder die fehlenden Fähigkeiten.

Nachtrag: Ein Leser macht mich auf ein interessantes, offensichtlich verändertes Wording im Statement der Ministerin aufmerksam:

Ich bin sehr froh, dass Deutschland helfen kann, dieses Problem zu lösen, ohne die auch an anderer Stelle geforderten Kapazitäten der Bundeswehr für den Lufttransport etwa für den Rückzug aus Afghanistan zu überfordern.

(Hervorhebung von mir, T.W.)

Nachtrag 2: Der ZDF-Kollege Mathis Feldhoff, der kürzlich mit Entwicklungsminister Gerd Müller in Bangui war, sieht in dem deutschen Angebot einen Scheckbuch-Einsatz im Krisengebiet.

(Archivbild Dezember 2012: Antonov AN-124 auf der Landebahn in Masar-i-Scharif – Bundeswehr/PIZ MeS via Flickr unter CC-BY-ND-Lizenz)

 

24 Gedanken zu „Deutscher Beitrag zum Einsatz in Zentralafrika: Gecharterte russische Flugzeuge

  1. An der Ruslan Salis GmbH ist nicht nur die russische Wolga-Dnepr Airlines beteiligt, sondern auch das ukrainische Antonow Design Bureau beteiligt.

  2. Das ist eine Weiterführung (Wiedereinführung?) der Scheckbuchdiplomatie des vergangenen Jahrhunderts. So was von bitter …..

  3. Eine sehr gute Lösung von Outsourcing, um sich personell aus Konflikten herauszuhalten; selbst wenn es Probleme geben sollte, wären keine deutschen Soldaten, sondern Piloten einer privaten Firma betroffen. Aber warum wird dann die Bundeswehr zur Einsatzarmee umgebaut?

  4. @ Autostaedterin?

    q’Aber warum wird dann die Bundeswehr zur Einsatzarmee umgebaut?uq

    Gibt es dafuer Belege?

  5. @MikeMolto
    Das „neue“ Credo ist doch „vom Einsatz her denken“ – was wohl impliziert, daß man das bisher nicht getan hat. Dabei gab es in den 70ern und 80ern Ausbildungsfibeln wie „Kriegsnah ausbilden“ (wurde dann umbenannt in „Einsatznah ausbilden“ und dann zurückgezogen). Honi soit qui mal y pense.

  6. Warum nicht gleich eine Fremdenlegion? Dabei noch die Staatsbürgerschaft und einen neuen Namen mit ins Paket packen und es wird an willigen Fachkräften nicht mangeln. Deutsche Soldaten werden dann nur noch als Unterstützer gebraucht, kümmern sich um Logistik, medizinischen Versorgung und (leichte) Pionierarbeiten. Paart Schlagkräftigkeit mit Multikulti-Image und der politisch gewünschten Friedfertigkeit der eigentlichen BW …

  7. @MikeMolto | 28. März 2014 – 11:27

    Ich lese darüber, dass dies im Rahmen des Downsizing angestrebt wird. Inwieweit diese Absicht in der Praxis mit Leben erfüllt wird, kann ich als interessierte Zivilistin nicht direkt beurteilen. Jeder Umbau kostet zusätzliche Mittel, die bräuchte man nicht, wenn vorhat, sich im Prinzip doch eher herauszuhalten.

  8. Warum redet eigentlich keiner Klartext ? Es geht doch gar nicht ob „deutsche Soldaten“ erforderlich sind. Diesen so wichtigen „strategischen Lufttransport “ für die Anderen, die etwas bewegen möchten, kann die Bundeswehr mangels Flugzeugen nicht durchführen. Punkt. Folgedessen ist der Einsatz deutscher Soldaten hier nicht nötig – da unbrauchbar. Wir wollen nur „Letze Hilfe“ anbieten – MedEvac etc . Wie so oft in SiPol-Fragen, hat die deutsche Politik weder Konzept, noch Strategie. Also dann doch nur zur GG-konformen Landesverteidigung? Sorry, aber mit welchem Material? Wieviele kampfbereite Kampfpanzer und Kampffluzeuge haben wir denn? Wir, die Anlehnungsmacht?
    Wir haben uns unsere mil. Fähigkeiten gründlich kaputt reformiert. Fehler im Handeln und Planen werden entweder nicht als solche erkannt und wenn, dann nicht ehrlich korrigiert, bzw. rückgängig gemacht.

  9. Vielen Dank mwk! Die einfachsten militärischen Grundfertigkeiten werden hier zu einem nichterfüllbarem Kraftakt.

  10. Besser noch! Es wird mit Diskussionen über die Einstellung von angehenden Soldaten, mit einem BMI jenseits der 30 von den täglichen weltpolitischen Problemen abgelenkt.

  11. Wie reagieren denn eigentlich unsere Partner auf so ein bombastisches Angebot des angeblich wichtigstem und stärksten Land der EU? Kopfschütteln, mildes Lächeln oder Resignation?
    Wenn es nicht so traurig wäre könnte man lachen.
    (Eigentlich kein Freund polemischer Kommentare, aber nach und nach fällt es immer schwerer auf Entscheidungen zur Bundeswehr sachlich zu bleiben, ändert ja auch nix…)

  12. Da wirkt jedes ziehen eine „Roten Line“ für Putin lächerlich.
    Frankreich baut Militärschiffe für RUS, wir nutzen ihre LuTrans-Fähigkeiten und S. Gabriel stellt fest, dass wir alternativlos abhängig sind.
    Die Bw ist mit SAP, BWI, Fuhrpark, SALIS, fehlenden Reserven, Ganzneuausrichtung, Standortschließung, Verlegung, uvm beschäftigt. Wollte man die Streitkräfte ohne Waffengewalt lahmlegen, dann war das ein genialer Plan.

    Wir sind ohnmächtig.

    Selbst zu unnötiger -Show of Force- wären wir nicht in der Lage.

    Wenn Putin jetzt nicht die Gunst der Stunde im Osten nutzt um weitere Fakten zu schaffen, dann würde ich mich sehr wundern.

  13. @ elahan

    ich frage mich mittlerweile auch welcher aktion es eigentlich befürfte um die totalitär anmutende hiesige lethargie in punkto sicherheitspolitik zu durchbrechen.

    kundus 2010 hätte so ein moment sein können. man ist aber schnell wieder in alte denkmuster retardiert.

    lybien fiasko

    mali/car

    putin 2014 hätte so ein moment sein können. geantwortet wurde mit kita,quote,adipositaphilie.

    man möchte putin fast ermuntern. einfach mal richtung baltikum vorstoßen! was soll schon passieren?
    deutsche rotfront von gysi bis weit in die spd wird es irgendwie relativieren. steinmeier wird von nötiger deeskalation (seitens deutschlands) fabulieren.
    vdl und alle anderen werden in embryonalschockstarre verfallen, die mit irgendwelchen hanebüchenen bürokratischen hemmnissen und vermeitlich unüberwindbaren hürden legitimiert wird (arbeitszeitregelung/kein krieg ohne konsultation der gleichstellungsbaufragten).

    bei diesem kretin niveau muss sich jeder kontrahent geradezu provoziert fühlen diese offensichtliche schwäche auszunutzen

  14. Bei den letzten Manövern der deutschen Politik war ich schon fast konsterniert, jetzt aber, mit dem „Angebot“, russische Crews könnten ja in deutschem Auftrag in Afrika unterstützen, fällt mir absolut nichts mehr ein.

    Wir.Sind.Sprachlos.

  15. MULTILATERAL_ PRÄVENTIV_UMFASSEND :-))))))

    …AUCH in der Außen- und Sicherheitspolitik schaffen wir uns ab, bzw. waren noch die präsent.
    Die Berliner Republik ist in allen Belangen unzureichend.

    Gruß

  16. @FvS:

    Sie haben sowas von recht. Unseren amtierenden RegMitgliedern geht es doch nur noch um persönliche, bestenfalls parteipolitische, Machtausübung. Den Text des Amtseides haben diese eigenartigen Menschen längst vergessen. Schade nur, dass niemand diese Leute zur Verantwortung ziehen kann.

  17. Eine weitere Megapeinlichkeit unserer Kanzlerette und ihrer Spießgesellen Steini und Uschi. Solche Leute regieren unser Land, und Uli Hoeneß muss demnächst in Landsberg schmoren. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt.

  18. @RioAmazoco: Sie denken doch jetzt nicht etwa, daß der Uli zu unrecht alleine einsitzen muß und deshalb Gesellschaft aus Berlin bekommen müßte?

  19. Da hat man vor Jahren eine Fähigkeitslücke bei der Verlegung nach Afg entdeckt. Über 10 jahre später hat man NICHTS getahn um diese zu schließen und chartert wieder Antonovs. Nun könnte man wieder die diskussion lostreten ob man nicht einfach Antonovs hätte kaufen sollen, aber die sind ja dann nicht aus Europäischer produktion. Das ist so als käme der Paragraph und ich ignoriere seine Feststellungen einfach.

    MkG

  20. Verstehe die ganze Aufregung nicht- Hauptsache die Bananen sind sicher. Demnächst aus Afrika. Oder warum ist die DEU Flotte mit den hunderten von Einheiten rund um Afrika, demnächst wohl auch Westküste, unterwegs und nicht vor der Haustür? Sind die NATO Mittelmeeranrainer also noch schlechter als wir. Ein Trost.

  21. @Les Grossmann

    Guter Einwand……vielleicht sollten wir mal überlegen anstelle ins östliche Mittelmeer, ein Flottendienstboot in in die ösliche Ostsee zu schicken ;-) Begleitet von einer F 124, die kann zwar kein air policing machen, air surveillance aber schon……..Solidaritäts-technisch und so ;-)

  22. Bonjour a tous und Sdrastwitje!

    Was wollt ihr – Ist doch eigentlich alles wie immer:
    Deutsch-Russische undercover Waffen-Brüderschaft hat doch eine lange Tradition.
    Deutsche , Balten, und Russen kämpften gegen Napoleon,
    der deutsche Kaiser hat die rote Revolution finanziert und den Lenin durchgeschmuggelt, Stalin paktierte mit dem Gefreiten,
    hey – da sind SALIS-Antonovs in CAR auf deutsches Rechnung doch echt Peanuts -oder?
    semper fortis

  23. @klabautermann
    an FD Boot in der Ostsee (Danziger Bucht oder östlicher)glaube ich nicht mehr. Vermutlich würden die beunruhigendes Herausfinden. Da ist es im Mittelmeer doch vieeeel sicherer, Das Wetter schöner. Außerdem kann da jeder jetzt arabisch aber russisch? In einem anderen Beitrag habe ich was von einem DEU Führungsschiff für eine Nato mcm force in der Ostsee gelesen. Da bin ich fast aus dem Bett gefallen. Irgendein Tender als Führungsschiff, mit opz, sat verbindungen, und so. ne ist klar.f124 wäre da ne echte Alternative, wieviele hat die Maine davon noch?

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