RC N Watch: Machtkampf in Kundus

Seitdem die Bundeswehr – und damit ISAF – aus der nordafghanischen Stadt Kundus abgezogen ist, hört man hierzulande nicht mehr so richtig viel aus dieser Region. Deshalb ist es um so interessanter, was das Afghanistan Analysts Network aus Kundus berichtet:

In the beginning, it looked like good news: had Kunduz police chief, Khalil Andarabi, been sacked because he had led Afghan Local Police (ALP) and militia units on a looting rampage against civilians? If this were the case, it would have meant that the bad track record of the Local Police and illegal militias was finally being acknowledged and acted upon. A second look, however, finds that the situation is much more complicated. AAN’s guest author and researcher Lola Cecchinel tells a tale illustrating the intricate power plays in Kunduz and Baghlan before the elections.

Die ganze Analyse hier: The End of a Police Chief: Factional rivalries and pre-election power struggles in Kunduz

(Archivbild: Einfahrt nach Kundus 2004)

 

9 Gedanken zu „RC N Watch: Machtkampf in Kundus

  1. Es wird weiter spannend bleiben in AFG.
    Ich glaube die demokratischen Politiker und „Friedensbringer“ werden die Kultur in AFG nie verstehen. Diese funktioniert eben nicht wie „unsere“ Demokratie sondern afghanisch oder im Azerwad gem. der Kultur der Imushagh(Tuareg).
    Ich frage mich nur, wollen die Grossen der Politik das nicht verstehen oder sind sie nicht richtig informiert?

  2. @ Nawi
    Ein wichtiger Aspekt, den Sie da ansprechen.
    Die Vielschichtigkeit sozialer Wirklichkeiten wird allgemein von Wissenschaftlern beschrieben, meist mit dem Ziel sorgfältiger und ergebnisoffener Forschung.
    Dies kann dermaßen umfassend und genau sein, dass es sich nicht einfach verallgemeinert in politisch-idealisierten Konzepten darstellen lässt.
    Insofern erscheint es mir wahrscheinlich, dass eher einfach nachvollziehbare Parolen von „Experten“, Politikern und Medien aufgenommen und verbreitet werden.
    Somit werden wirklichkeitsferne Konzepte in praktische Politik umgesetzt.

  3. Einen Chief of Police einzusetzen, der mit MIR ALAM überkreuz liegt, ist natürlich eine weise Entscheidung! Das konnte nur gut werden. Und wenn der dann auch noch so wenig Polizisten auf seiner Tashkil hat, dass er auf den Einsatz der ALP angewiesen ist, ist es eine großartige Basis sich auf einen Machtkampf einzulassen. Aber wer ist schon MIR ALAM? Der hat zum Glück keine offizielle Funktion, keinerlei Einfluss auf die ALP oder andere Milizen im Raum und nicht den geringsten Einfluss innerhalb der alten Nordallianz-Netzwerke oder in KABUL. Ein Glück, dass das PRT nie, nie, um Himmels Willen nicht mit ihm sprechen wollte.
    All politics is local. Wenn man aber nie auf die Leute hört, die die lokale Lage analysieren, muss man sich nicht wundern, wenn die eigenen Konzepte irgendwann an der Realität scheitern.

  4. @ cynic2

    mit mir alam wurde durchaus gesprochen. allerdings nicht auf der ebene PRT.

    mal wieder ein paradebeispiel für die reformbedürftigkeit der feldnachrichtenverbände.

    innovative ansätze gibt es bei unseren eruopäischen partnern durchaus. fusion cells niederlande, uk und andere.

    ist natürlich nicht so sexy wie „kitas in die kaserne“

  5. @ wacaffe
    „mal wieder ein paradebeispiel für die reformbedürftigkeit der feldnachrichtenverbände.“

    Absolut nicht! Die haben es ja richtig gemacht und gute Erkenntnisse mitgebracht. Die PRT-Führung wollte nur nicht darauf hören und mal selbst ein Gespräch führen. Eher ein Beispiel das Kdr nicht auf ihre G-2 hören.

  6. Ja, die 2er sind nicht gerade beliebt – ‚tun aber auch nichts um ihren Beliebtheitsgrad zu erhöhen ^^

  7. an und für sich war der ansatz vlt garnicht mal so blöd, im sinne eines systems informeller checks and balances (das formelle institutionen in afghanistan keinen wert haben dürfte hier auf zustimmung stoßen, denke ich ).

    in dem man dem local power broker einen stachel ins fleisch setzt*, im idealfall vlt sogar einen ebenbürtigen konkurrenten, halten sich die beiden de-facto warlords in schach und achten peinlich darauf, dass keiner der beiden seinen herrschaftsbereich über gebühr ausweitet.

    * wer hat denn den polizeichef da eingesetzt? wars die lokale BW-kommandantur ? unsere US-Overlords? der Gouverneur? Karsai ? irgendwer zwischen diesen ebenen?

  8. @markus, d.Ä.
    Bei der Besetzung dieser Posten hat ISAF so viel Einfluss, wie auf das Wetter. Das wird in KABUL verhandelt.

  9. @Nawi, @dbw Dazu ein interessanter Hörtipp: Deutschlandfunk „Hier spricht Afghanistan“, gesendet Freitagnacht, noch nachzuhören online unter deutschlandfunk.de

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