RC N Watch: 2013 deutlich mehr Angriffe in Nord-Afghanistan

Nun gibt es doch eine Statistik für die Angriffe auf ISAF-Truppen in Afghanistan im vergangenen Jahr. Nachdem es zunächst geheißen hatte, diese Zahlen seien nicht verfügbar, meldet dpa vergangene Nacht:

Die Gewalt im nordafghanischen Verantwortungsbereich der Bundeswehr hat dramatisch zugenommen. Im vergangenen Jahr wurden dort bis November 1660 „sicherheitsrelevante Zwischenfälle“ erfasst und damit bereits 35 Prozent mehr als im gesamten Vorjahr mit 1228. Das geht aus Zahlen des Einsatzführungskommando der Bundeswehr hervor.
Die Statistik der internationalen Schutztruppe Isaf zeichnet sogar ein noch düstereres Bild.

Die Meldung hier.

Da waren die dpa-Kollegen hartnäckig und haben nicht nur der Bundeswehr, sondern auch ISAF eine Statistik entlockt, die sie eigentlich nicht mehr veröffentlichen wollten – weil die Zahlen inzwischen zu großen Teilen auf Angaben der afghanischen Sicherheitskräfte beruhen. Ob diese Zahlen als zu unzuverlässig eingeschätzt werden oder aber vielleicht doch einfach nur ein zu düsteres Bild vermitteln…? Die ISAF-Statistik würde ich ja gerne komplett sehen (und habe auch schon angefragt).

(Foto: Soldaten der Northern Reaction Unit am 23. Dezember 2013 in Masar-i-Scharif bei einer Vorführung für Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen)

18 Gedanken zu „RC N Watch: 2013 deutlich mehr Angriffe in Nord-Afghanistan

  1. Damit werden es wohl auch 2014 Steigerungen geben
    Damit frage ich mich was die Mission nach 2014 dann wohl bringen soll , wenn die dann auch kein Schutz mehr haben , und damit auf die Abhängig sind die sie ausbilden sollen
    Ich muss immer an den US Film denken da werden die US Soldaten freundlich im Dorf begrüßt.
    Freundlich Hände Geschüttelt und 2 Wochen Später bringen die jungen Leute wieder mit einem Schuss als sie die US Soldaten in einen Hinterhalt abschießen wollten und dafür von ihnen Getroffen wurden

  2. Da bin ja mal auf die kompletten Antworten gespannt.
    Das amtsseitige Fazit ist ja schon klar:
    That’s what winning looks like.
    Egal wie es aussieht.

    Wie auch in der gleichnamigen Dokumentation will man die Realität schon gar nicht mehr zur Kenntnis nehmen (LVU beim RC-S, Gespräch mit einem ANP-Mentor wird abgelehnt).

    Und die militärische Führung macht all das willfährig mit, um bei nächster Gelegenheit wieder von der großen Verantwortung des Offiziers zu reden. Willige Vollstrecker.

  3. @Memoria
    Das ist das letzte Aufbäumen der Militanz vor deren vollständigen Neutralisierung …

  4. @Thomas Melber

    +1

    Ich bitte Sie, ernsthaft, lassen Sie sich vom Presse- und Infostab verpflichten. ;-)
    Auch wenn es dann ein Propaganda- und Infostab wäre. Aber wenigstens DIE wäre dann professionell.

    SCNR

  5. @Thomas Melber:
    … da sehe ich es auch: das Licht am Ende des Tunnels.
    Oder doch ein Zug, der entgegen kommt?

    Aber interessiert ja eh niemand mehr.
    Der ganze ISAF-Einsatz war ein planloses Hineinstolpern in einem modernen Krieg.

    Das will man „oben“ einfach schnell vergessen und sich wieder dem Friedensbetrieb zuwenden.

    Es gibt ja für ne Armee auch so viele wichtige Themen, da kann man sich nicht auch noch ernsthaft (!) mit dem Menschen umbringen und Sachen kaputt machen beschäftigen.

    Noch einige Details zur (deutschen) Pressearbeit in dem Bereich:
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/gewalt-in-afghanistan-bundeswehr-verheddert-sich-in-statistik-falle-a-943598.html

  6. Yep, Kollege Gebauer hat das sehr schön auf den Punkt gebracht (auch wenn ich breit grinsen muss, wenn er dpa eine leicht übertriebene Schlagzeile vorwirft…)

    Meine (Twitter)-Anfrage von heute morgen nach der Statistik haben übrigens ISAF und IJC bislang noch nicht mal ignoriert.

  7. @T.W.:
    Dann war ich beim Grinsen also nicht alleine.
    Schön wie sich der ISAF-Sprecher BriGen Feldmann und COMISAF komplett widersprechen.

    Kein Wunder, dass der Krieg verloren ist – wenn man schon nicht mal mehr die Propaganda hinbekommt.

  8. Ist das im Hintergrund ein NH 90? Ich dachte die wären vollkommen unbrauchbar und flugunfähig?!

  9. @Dante: Das Bild muss wohl bei UvdL Besuch gemacht worden sein (Dynamische Waffenschau, oder so).

    Wieso vollkommen unbrauchbar und flugunfähig?

  10. Hab’s hier schon mal zitiert: Man kann nicht nicht kommunizieren. Wobei zur Ehrenrettung der PIZ-Leute im EFK gesagt werden muss, dass die Weigerung, Zahlen und Fakten zu veröffentlichen, eben nicht von den Sprechern zu verantworten ist, sondern anderen „Spezialisten“ mit A 16 und höher. Kommunikatives Leitziel dieser „Profis“ ist nicht die Wahrheit (auch wenn sie so oder so ans Licht kommt), sondern Ärger mit der Leitung inkl. Mutti, dem Bundestag und den Medien zu vermeiden.

  11. Mangelnde Transparenz führt zu Mißtrauen. Was ist so schlimm daran, die Zahl der SRZ bekannt zu geben, zu veröffentlichen, was als SRZ gezählt wird, und was die Ursachen für eine Zu- / Abnahme sein können? Und die Schwierigkeit der Erhebung aufzuzeigen (ANSF Meldeaufkommen)?

  12. @T.W.:
    Mit Blick auf die Gesamtlage (s.o.) fragt man sich schon warum gerade wir jetzt – auf höchster Ebene – Druck machen.
    „Zero Option“ hat ja auch seinen Charme.
    Wohl auch ein Indiz für den Realitätsverlust auf strategischer Ebene.

  13. Genau: Sieg verkünden und schnell
    abziehen scheint die beste Option zu sein;-)

  14. @Memoria

    Hinsichtlich Ihres SpOn-Artikels bzgl. Werbung Merkels bei Karzai wg. ISAF-Folgemission bin ich mittlerweile beim letzten sächsischen König, Friedrich August III: „Nu da machd doch eiern Drägg alleene“.

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