Afghanistan: Weniger internationale Truppen, mehr Gewalt gegen Frauen

Nein, das – militärische – Ziel der internationalen Truppenpräsenz war es nicht in erster Linie, am Hindukusch Menschenrechte durchzusetzen und nicht zuletzt Frauen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen – auch wenn das Politiker oft genug so darstell(t)en. Dennoch ist es bitter, wenn offensichtlich dieses Neben-Ziel nicht erreicht wird, im Gegenteil: Mit dem zunehmenden Abzug der internationalen Truppen scheint die Situation der Frauen in Afghanistan deutlich schlechter zu werden, wie Reuters berichtet:

Violent crime against women in Afghanistan hit record levels and became increasingly brutal in 2013, the head of its human rights commission said on Saturday, a sign that hard won rights are being rolled back as foreign troops troops prepare to withdraw. (…)
Sima Samar, chair of the Afghanistan Independent Human Rights Commission (AIHRC), told Reuters in a telephone interview that the brutality of attacks on women had greatly intensified. „The brutality of the cases is really bad. Cutting the nose, lips and ears. Committing public rape,“ she said. „Mass rape… It’s against dignity, against humanity.“
She attributed the increase in crime to a culture of impunity and the imminent departure of international troops and aid workers, leaving women more exposed to attack. In addition, more cases were reported as women became aware of their rights.

Eine ähnlich negative Bilanz hatte die Kommission bereits Ende November vergangenen Jahres gezogen. Siehe auch die dortige Diskussion.

(Nachtrag: Es gibt auch noch andere schlechte Nachrichten. New York Times: Afghanistan’s Worsening, and Baffling, Hunger Crisis – hier die Bilder dazu.)

(Foto: UNAMA/Fardin Waezi)

5 Gedanken zu „Afghanistan: Weniger internationale Truppen, mehr Gewalt gegen Frauen

  1. Nächstes Jahr geht der Endkampf los.
    Denn die meisten ANA sind aus Minderheiten, Taliban haben Geld aus Drogen und Saudis und Katar
    Und das Geld von uns geht überall hin aber nur nicht da wo es hin sollte, und manches bekommen die Taliban über ecken
    Und vor 3 Jahre gab es den Vorwurf und freien Journalisten das Hilfsorganisationen Geld an die Taliban Zahlen und die können dafür sich frei bewegen

  2. Das wird ja sicherlich im Zuge der Mandastsdebatte ordentlich aufgearbeitet oder auch nicht. Ich hoffe nur, dass die Medien am Thema dran bleiben.

  3. Bis jetzt weigert sich die Afg Regierung .
    Dann wird es kein Nachfolge geben USA nur mit Zustimmung der Afg Regierung und zu US Bedingungen

  4. @ Viva:
    Um mal Winfried Nachtweis Beobachtungen zur letzten Mandatsdebatte zu zitieren:
    Die ISAF-Mandatsdebatte am 31. Januar 2013 im Bundestag erlebe ich von der Zuschauertribüne aus. Meine Erwartungen sind dank langer Parlamentserfahrung nicht überzogen. Politische Ermüdungserscheinungen kann ich nachvollziehen. Trotzdem bin ich „enttäuscht, ja konsterniert: AFG wird nur noch mit links, mit dem kleinen Finger behandelt; richtig auszukennen scheint sich niemand mehr. Die konkreten Probleme/Herausforderungen AFG`s kommen nicht zur Sprache. Stattdessen entweder Selbstzufriedenheit (´Übergabe läuft`) oder Zweifel am Abzugsversprechen. Wo jetzt die Gewichte zum Zivilen gehen sollen, hat das Parlament dazu nichts an Anregungen/Impulsen!!“ (Kladde XXXV) Ich erfahre, dass es auch nirgendwo sonst im parlamentarischen Raum (Ausschüsse, Fraktionen) Debatte dazu gebe. Man sei nur auf den militärischen Abzug fokussiert. Auch bei der Münchener Sicherheitskonferenz war AFG kein Thema. Meinen Bericht überschreibe ich „Wie es wirklich um AFG steht, interessiert immer weniger“. (16.2.2013)

    Und daran wird auch eine Woche Medienaufmerksamkeit nichts ändern. Guter Journalismus ist halt eine wichtige Grundlage für das Beschäftigen mit einem Thema, aber kein Ersatz dafür – siehe auch Syrien. Und wenn es nicht interessiert wird es bei den meisten bei einem „schlim schlimm“ und einem geheuchelten „kann man ja leider nix machen“ bleiben.

    Fehlt jetzt nur noch die These, das sei Teil der afghanischen Kultur.

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