Längere Haare bei Soldatinnen sind ‚zulässiges Mittel der Förderung von Frauen‘

Das Urteil selbst überrascht nicht wirklich: Soldaten werden auch künftig nicht langhaarig zum Dienst erscheinen dürfen – der aktuelle Haar- und Barterlass, der bei Männern in der Bundeswehr die Haarlänge begrenzt, ist nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom (heutigen) Dienstag rechtmäßig. Ausschlaggebend dafür ist das einheitliche Erscheinungsbild, wie der 1. Wehrdienstsenat des Gerichts in Leipzig seine Entscheidung begründete:

Der 1. Wehrdienstsenat hat entschieden, dass der Bundesminister der Verteidigung befugt ist, im Zusammenhang mit der Uniform der Soldaten auch deren Haar- und Barttracht zu regeln. Mit dem geltenden Erlass hat er dabei den ihm zustehenden Einschätzungsspielraum nicht überschritten. Der spezifische Auftrag und die Funktionsfähigkeit der Streitkräfte sind unverändert in einem hohen Maß durch ein nach außen einheitliches Auftreten und einen nach innen engen Zusammenhalt ihrer Angehörigen geprägt. Einschränkungen der Soldaten in der freien Gestaltung ihrer Haartracht sind deshalb durch das Regelungsziel eines – für das Selbstverständnis und die öffentliche Wahrnehmung bestimmenden – einheitlichen äußeren Erscheinungsbilds der Bundeswehr bei der Erfüllung ihres Verteidigungsauftrags im In- und Ausland gerechtfertigt. Im Hinblick auf die auch den Soldaten in weitem Umfang gewährleisteten Freiheiten zur individuellen Lebensgestaltung stellt die im Äußerlichen bleibende Regelung der Haartracht ein verhältnismäßiges Mittel dar, zumal keine „Einheitsfrisur“ verordnet, sondern lediglich äußere Grenzen gesetzt werden.

Nun könnte ein Zivilist wie ich natürlich die Frage stellen, warum nicht alle Männer im Dienst lange Haare tragen, dann wäre das einheitliche äußere Erscheinungsbild ja auch gewährleistet. Die Frage verkneife ich mir, wundere mich aber ein bisschen: lange Haare bei Soldatinnen müssten dann doch auch der angestrebten Einheitlichkeit widersprechen? Da hat der Wehrdienstsenat recht interessant argumentiert:

Die Regelung über die Haartracht von Soldatinnen, die diesen auch das Tragen längerer Haare gestattet, stellt eine zulässige Maßnahme zur Förderung von Frauen in der Bundeswehr dar, die die striktere Regelung der Haartracht für männliche Soldaten nicht in Frage stellt. Im Anschluss an die allgemeine Öffnung der Bundeswehr für Frauen im Januar 2001 und bei einem Anteil der Frauen in den Streitkräften von derzeit rund 10 % hat sich für das äußere Erscheinungsbild von Soldatinnen noch keine Tradition oder Erwartungshaltung innerhalb der Bundeswehr und in der Öffentlichkeit verfestigt.

Ich vermute mal: auf so eine Begründung können nur Männer kommen. Längere Haare als zulässige Maßnahme zur Förderung von Frauen in der Bundeswehr?

(Foto: Die Soldaten vom Luftumschlagzug im Lufttransportgeschwader 61, in Penzing schlagen Material wie Reifen oder Pritschen für Afrika um. Das Palettieren voll im Visier: Stabsunteroffizier Vanessa K., überwacht im Luftumschlagzug des LTG 61, dass auch die richtige Fracht an den richtigen Bestimmungsort gelangt. – Bundeswehr/Andrea Bienert via Flickr unter CC-BY-ND-Lizenz)

42 Kommentare zu „Längere Haare bei Soldatinnen sind ‚zulässiges Mittel der Förderung von Frauen‘“

  • chickenhawk   |   17. Dezember 2013 - 19:14

    Und so funktioniert das bei den weiblichen Soldaten in den amerikanischen Streitkräften:

    The Sock Bun for Military Girls

  • chickenhawk   |   17. Dezember 2013 - 19:16

    Nachtrag: Für Soldatinnen steht das z. B. in der US Air Force sogar ausdrücklich auf dem Dienstplan in der Grundausbildung.

  • Chris   |   17. Dezember 2013 - 19:19

    Tut mir leid, dass das jetzt wieder nach Nörgerln klingt: Rein objektiv betrachtet ist es eine Ungerechtigkeit, auch wenn ich es nicht unterstützen würde, dass Männer lange Haare als Soldaten tragen. Denn es hat durchaus praktischen Nutzen, die länge der Haare zu begrenzen, neben dem Effekt des gepflegten, „einheitlichen“ äußeren Erscheinungsbildes. Warum Frauen da mal wieder rausgenommen werden bleibt mir, wie bei vielen anderen Themen wie z.B. der körperlichen Leistungsfähigkeit, schleierhaft. Respektive finde ich die Begründung dazu ebenfalls schwachsinning: Bei Männern wird mit Praxis und Erscheinungsbild argumentiert, bei Frauen mit „Förderung“… Ich muss schon sagen, das es mir immer mehr so vor kommt, dass man als Mann mittlerweile in der Bundeswehr in gewisser Hinsicht benachteiligt wird. Gleiches Recht und gleiche Pflicht für alle, das wäre stringent!

    Nebenbei: Das Foto zeigt eine Frau Hauptmann mit nicht zulässiger Haartracht. Da fehlen ein paar Haargummis, alle so und so Zentimeter…

  • chickenhawk   |   17. Dezember 2013 - 19:27

    Die älteren Semester erinnern sich übrigens vielleicht noch an den Haarnetz-Erlass:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Haarnetz-Erlass

  • huey   |   17. Dezember 2013 - 19:28

    Ich finde das Urteil richtig…

    Bin mal gespannt, wann dann endlich einmal ein „Körperumfang-Erlaß“ dazu kommt…

    Denn es schadet dem Ansehen der Bundeswehr wirklich EXTREM, wenn eine Kompanie oder ein Bataillon irgendwo einmarschiert, und dabei von einem OTl geführt wird, der seine Füße (der „Wampe“ wegen) zum letzten Mal im letzten Jahrtausend gesehen hat…(und dennoch das Bordeauxrote Barett mit Fallschirmjägerabzeichen, EK, und allen möglichen ausländischen Sportabzeichen trägt…….(während der anwesende US-General offensichtlich alle Anwesenden sportlich in die Tasche zu stecken scheint..)..

  • abcd   |   17. Dezember 2013 - 19:45

    Wir definieren uns die welt wie sie und gefällt; oder wie aus diskriminierung aufgrund des geschlechts ein maßnahme zur antidiskriminierung wird^^

    Aber das passt zu meinem bild von juristen -> so wie unser generalbundesanwalt, der auch einfach keinen anfangsverdacht gegen die NSA usw. erkennen kann.

  • TomTom   |   17. Dezember 2013 - 19:46

    @Huey:
    Sie sprechen mir aus der Seele.

    @all: Mich wundert es seit Jahren, dass wohl sämtliche Streitkräfte es schlicht anordnen, wie das Kopfhaar zu tragen sei.
    Subjektiv nur bei uns führt es zu Streit, Gerichtsverfahren und häufig genug Befehlsverweigerung.
    Das geht aber bei den Ausgehuniformen weiter.
    Und die Konsequenzen: Null.

  • Chris   |   17. Dezember 2013 - 19:51

    Die Vorschrift schreibt doch vor, auch wie Frau ihre Haartracht zu tragen hat oder irre ich mich da jetzt gewaltig? Soll nix wild abstehen und beim Zopf alle paar cm ein Haargummi (natürlich nicht bunt). Korrigieren sie mich bitte.

    Aber dem anderen Punkt kann ich nur Zustimmung: Der Punkt dicke Wampe ist viel wichtiger. Wobei ich da auch viele junge Kameraden, sowohl männlich als auch weiblich kenne… Ein Graus.

  • KeLaBe   |   17. Dezember 2013 - 19:55

    @ huey
    Da haben Sie hundertprozentig Recht. Das Thema und seine unglaubwürdige, oberflächliche Behandlung war mir schon immer ein Rätsel – über alle Dienstgrade hinweg. Und die physische Fitness gerade auch von militärischen Führern ist tausendmal einsatzrelevanter als die Haarlänge von Soldatinnen.

    Das zitierte Urteil mag merkwürdig begründet sein. Aber wer verkrampfte Fragen stellt, kriegt manchmal auch verkrampfte Antworten. Wir sind schon eine komische Gesellschaft, dass wir unsere Gerichte mit solchen Problemen beschäftigen. Ende.

  • Thomsen   |   17. Dezember 2013 - 20:12

    Bevor wir uns Gedanken machen, ob und wie weibliche Kameraden ihre Haare zu tragen haben, sollten die Auswüchse (sic!) unter den Herren der Schöpfung bewertet werden, sowohl auf dem Kopf als auch im Gesicht.

  • Hans   |   17. Dezember 2013 - 20:15

    Gerade bei Haartracht (und auch Tragen von Schmuck) werden die Vorschriften von Vorgesetzen einfach nicht umgesetzt bzw. deren Einhaltung nicht durchgesetzt. Das aktuell Mögliche ist vllt nicht ideal und gerade die US-Frisur von @Chickenhawk könnte bestimmt übernommen werden ABER es ist doch mehr möglich als man sieht.

    Zum Körperumfang: Der BS wird doch auch nach sportlichen Kriterien vergeben. Ist das dann die „Elite“ oder haben sich die Herren und Damen dann doch das DSA beim Kaffeetrinken „abgenommen“?

  • Insider   |   17. Dezember 2013 - 20:35

    Ich bin ja ein Befürworter von Frauen in der Bundeswehr, da sie oft andere Ideen und Denkanstöße geben. Vielen Soldatinnen sind diese Sonderbehandlungen ein Graus aber auf solche Begründungen können nur männliche Rechtsverdreher und unsere glorreiche Leitung kommen.
    Das ist genauso ein Schwachsinn wie die sprachliche Gleichbehandlung in wirklich jedem Satz von Vorschriften (ach nein, das heisst ja jetzt Regelungen) oder von Mitprüfungen von Befehlen durch die Gleichstellungsbeauftragte auch dann wenn von diesem Befehl auschliesslich Männer betroffen sind.

  • Florian   |   17. Dezember 2013 - 21:20

    @Chris:

    Die Regelung mit Bezug auf die Haargummis alle 10cm greift nur im Feldanzug.
    Zum Dienstanzug dürfen die Haare“ offen“ getragen werden, soll heißen, es bedarf keiner Haargummis alle 10cm.

  • Dien   |   17. Dezember 2013 - 21:38

    Mal aus der Sicht einer Frau:
    Ich finde viele Frauenfrisuren auch nicht gut und ich muss sagen, dass sich auch nicht alle Männer an die Vorgaben halten, aber solange der Vorgesetzte nicht durchgreift….
    Ich habe mal gelernt, zugegebenermaßen noch vor dem Jahrtausendwechsel, das die Haare ordentlich aus dem Gesicht gebunden gehören und nach Möglichkeit ein Dutt zu tragen ist, Wenn die Haare nicht lang genug sind, dann wenigstens ein ordentlicher Pferdeschwanz, oder eben auch gerne kurz. Grellbunt, schief geschnitten, Blockstreifen waren nicht dabei.
    In Bezug auf das Gewicht ist doch der Wunsch vieler hier schon erfüllt. Es steht in jeder ZdV die zur gesundheitlichen Begutachtung genutzt wird. Ab einem BMI über 30 ist man untauglich. (Bitte jetzt keine Kommentare zu BMI, es muss nun mal ein Wert festgelegt werden und blöderweise trifft man damit nur ganz wenige unberechtigte, ich kenne nur einen wirklich nachvollziehbaren Fall)
    Leider würden viele Einheiten ziemlich ausgedünnt in den Einsatz gehen oder so manches Schiff nicht auslaufen, wenn hier keine Ausnahmegenehmigungen erteilt würden. Auch hier sind meiner Meinung nach die Vorgesetzten gefragt, die ihre Soldaten zu einer besseren Lebensführung anhalten und nicht zuletzt sollte der Soldat sich selbst und seinem (hoffentlich) langem Leben zu liebe was für sich tun (Und damit meine ich nicht sich auch mal was zu Essen gönnen.
    Aber es gibt für alles eine Ausrede……

  • Der Belgarath   |   17. Dezember 2013 - 21:47

    Die Richter des BVerwG haben ganz offensichtlich dringenden Nachholbedarf zum Thema „Gleichberechtigung und Diskriminierung“ …

    In einem durchaus vergleichbaren Fall hat das Bundesverfassungsgericht nämlich geurteilt:

    „An das Geschlecht anknüpfende differenzierende Regelungen“ seien im Prinzip mit dem Grundgesetz nur vereinbar, „soweit sie zur Lösung von Problemen, die ihrer Natur nach nur entweder bei Männern oder bei Frauen auftreten können, zwingend erforderlich sind“.

    Davon sind wir im vorliegenden Fall weit entfernt – bleibt zu hoffen, daß ein Kläger die Sache möglichst bald vor das Bundesverfassungsgericht trägt!

  • Prometheus   |   17. Dezember 2013 - 21:55

    Na wo jetzt alles wichtige geregelt ist, können wir uns ja um die verbleibenden 2 oder 3 „Problemchen“ der Streitkräfte im Jahr 2014 kümmern…

    Evtl. muss man da, bei allem Brauchtum auch mal ein wenig etwas auf dem „Altar der Kompromissbereitschaft“ opfern. Ich für meinen Teil hätte lieber einen dienstwilligen- und fähigen Soldaten (m/w) auf der Stelle wo ich ihn brauche (bei regelmäßig > 30% Fehl) und dass wegen meiner auch gerne mit Pippi-Langstrumpf Zöpfen; als einen ZDv und Regelungskonform frisierten Praktikanten, welcher nach spätestens drei Monaten ob seines Unverständnisses für eben jenes Brauchtum zu einem anderen, Arbeitgeber wechselt.

    Beggars can´t be choosers.

    Und neben dem angeführten US amerikanischen Beispielen kenne ich im näheren europäischen Umland (NL, DK, NO, SW,) durchaus fachlich versierte und leistungsstarke Kameraden (m), welche ihre Haare lang tragen, ohne das sich deren Zahl an Läuse- und/oder Beulenpest Ausbrüchen in DE oder US nennenswert unterscheidet (überall so ziemlich 0)

    Alleine für die o.a. Verhandlungsakte, Stellungnahmen, Gutachten der Medizinalbürokatie, Mitzeichnungsgängen sowie der Beteiligung sämtlicher möglichen und unmöglichen neu erblühten Beteiligungsgremien, werden mit Sicherheit ein paar Quadratmeter Regenwald in die Papiermühle gewandert sein. Als hätten die Beteiligten, inkl. des Wehrsenates, gegenwärtig nichts wichtigeres zu tun.

    Den ganzen Vorgang bitte an die neu geschaffene „Deregulierungsbehörde der Bw“ senden (hab den genauen Namen vergessen und kann ihn auch nicht mehr nachlesen, da mein Postfach im Jahr 2014 weiterhin auf 150 MB beschränkt ist).
    Ein Treppenwitz.

  • TomTom   |   17. Dezember 2013 - 22:37

    Wer Soldat wird, weil er „bei vollem Gehalt studieren“ kann, weil gerade nix anderes ansteht, oder weil die vermeintlichen Reichtümer im Auslandseinsatz locken, und wer dann noch auf Vorgesetzte trifft, denen die regelkonforme Umsetzung von Vorschriften zu mühsam scheint, schließlich müsste man dazu seinen Schreibtisch verlassen, der säht solche blödsinnigen Verfahren.

  • Vtg-Amtmann   |   17. Dezember 2013 - 22:47

    Mir war der Haarnetzerlass seinerzeit als über 1-1/2 Jahre Stv. StffKpt i.V. und Olt ein Graus. Aber da gab es pragmatische Lösungen. Alouette-Astazuo-Abholen in Frankreich kein Problem. Der S3 hatte eine Fastglatze und die war wegen Unauffälligkeit abrasiert,. ich hatte einen Stiftenkopf mit ziemlich großen Geheimratsecken und mein Spieß, eine Maky-Frisur mit einem rießem Schädel. Das war das durchschnittliche Erscheinungsbild der Truppe im Ausland und wer nach Frankreich als Prüfer oder Mechaniker wollte, der ging freiwillig zum Frisör um u.a. den Flug und Marseille zu geniesen..

    Mein Fahrer, ein Abiturient und hoch begabter Musiker sowie Mitglied einer sehr bekannten bayerischen Band hatte übrigens die längste „Matte“ in der Staffel, aber eben extrem pflegt.

    Ergo mußten sich täglich die ungepflegten Kanditaten bzw. Stinkestiefel unter Aufsicht des SANFw die Haare waschen. Auch das hatte ziemlich schnell Erfolg gebracht und dem damalige Kasenernfrisör Umsatz.

    Der bzw. dessen Tochter haben noch heute einen ziviles Geschäft in meiner Heimatstadt. und wir lachen noch heute über „Haarerlasszeiten“!

    Man, oh mann, braucht man deshalb Beschwerden, Diszis und Gerichte? Kluger Menschenverstand reicht völlig aus, um diesen Schaf…ß zu verhindern!

    Und ob die Damen oder Herren heutzutage zum Waschen und Legen in die jeweilge Abteilung beim Frisör gehen, ist eigentlich schittegal, Hauptsache die Matte ist sauber und ansehlich. Das ist ist nicht unbedingt eine Frage der Länge, sondern der Praxis, der Hygiene und auch der Toleranz.

    Dafür braucht man kein BMVg und Erlasse oder Gerichte, oder ist die Truppe samt Vorgesetzter ein hilfloser Kindergarten?

  • Memoria   |   18. Dezember 2013 - 0:42

    Zum allgemeinen Thema Durchsetzen von Befehlen – das Wesensmerkmal von Führung! – empfehle ich den Facebook-Auftritt des RC-N.
    Dort wurde letzte Woche eine Bilderserie zu einer Medal Parade des Stabes RC-N veröffentlicht, die vom DCOM (USMC) geleitet wurde. Darin ein Bild von einem „deutschen Block“.
    Wildeste Kopfbedeckungskombinationen – bei der Medal Parade des Stabes, der den Basecap-Befehl des GenMaj Vollmer vorbereitet hat. Dabei ist es auch irrelevant, welche Stabsabtellung hier verabschiedet wird.

    Das Bild sagt alles über Führung. Es geht dabei eben nicht um die ZDv 37/10, sondern um Grundlagen von Führung.

    Bei Interesse stelle ich das Bild hier gern ein.

    Ohne Anspruch an sich selbst zerstört sich eine Organisation selbst.

  • Sailor1995   |   18. Dezember 2013 - 5:18

    @Memoria

    Couldn’t agree more. Und V. bekommt demnächst seinen dritten Stern…

  • Soldat   |   18. Dezember 2013 - 5:32

    Zu Zeiten auf Parlamentsebene vorangetriebenen Gleichbehandlung von Mann und Frau (Gedanken über Frauenquoten im Vorstand von DAX Unternehemen) nimmt der Haar- und Barterlass der Bundeswehr, an dem so beharrliche festgegahlten wird, zeremonielle Züge an. Hier wird Asche bewahrt, sachliche Gründe sehe ich nicht.

  • Doc Henry   |   18. Dezember 2013 - 6:27

    Das gehört mal wieder in die Rubrik “ Natürlich haben Sie recht, aber es ist nun mal politisch gewollt, also zählen Argumente nichts, so gut sie auch sein mögen. Nehmen Sie´s einfach hin, und gehen Sie wieder an Ihre Arbeit!“.
    Merke: wenn der „Politische Wille“ im Spiel ist, lohnt sich selber nachdenken leider nicht.
    Das erspart einem dann viel Frust, auch wenn die Freude am Dienst gelegentlich leidet…..

  • der_andere   |   18. Dezember 2013 - 6:46

    Der Haarerlass ist irgendwie ein Standardthema über das man immer diskutieren und lachen kann (nicht nur in der Bundeswehr), genau wie beispielsweise die 37/10. Ich vermute das wird jetzt nicht zu Ende sein.

    Zur sportlichen Leistungsfähigkeit:
    Genauso ein schönes Thema – da könnte man dann auch IGF und militärische Leistungsfähigkeit oder teilweise allgemein Ausbildungen/Wissen dazu nehmen.
    Wenn ich das bei uns in der Einheit sehe:
    -Anfang des Jahres wurde verkündet, dass JEDEN Freitag ein Batterie-Lauf oder -Marsch stattfindet. In der Realität habe ich Freitags an 2x -Lauf und 2x -Marsch teilgenommen. Sport wird erst gegen Ende des Jahres gemacht, zuerst weil die IGF-Leistungen auf’s Papier kommen müssen und dann ist irgendwann die Vorweihnachtsruhezeit.
    -Sport steht natürlich immer auf dem Dienstplan – somit sieht auf dem Papier alles ordentlich aus. Die hochübermittelten Leistungen sind auch alle erfüllt (“ Leg du mal deine 2x Marsch/30-min-Lauf ab; wir schreiben das dann entsprechend.“)
    -Nächstes Jahr wird alles besser. Mein Zugführer plant jeden Dienstagvormittag Sport zu machen „Sofern nicht gerade viel zu tun ist.“…

  • Flusskiesel   |   18. Dezember 2013 - 7:15

    An den Haarnetz-Erlass musste ich natürlich auch denken (auch wenn das lange vor meiner Wehrdienst-Zeit war).
    Für mich klingt die Begründung wie eine kleine Spitze gegen die Frauenförderung in dem Sinne wie:
    „Ich zeig Euch mal, welchen Quatsch man damit alles begründen kann!“
    Wobei das dann ganz schön mutig wäre …

  • diba   |   18. Dezember 2013 - 8:01

    Schon witzig, wenn es um Frauen geht, ist die 37/10 bei einigen plötzlich ein identitätsstiftendes Grundlagendokument, wenns aber um Glatzen, Tätowierungen, FleshTunnel und fantasievoll gestaltetete selbstbeschaffte Uniformen bei unseren „Elitekämpfern“ geht, ist es kleinkariertes „wer nix kann, kann Uniform“.

  • BausC   |   18. Dezember 2013 - 10:11

    Wenn sich die erste Frau skalpiert hat, weil sie mit ihrer Haarpracht sich in
    gnadenlos schnell bewegenden Teilen, sich verhäddert hat, dann ist das Geschrei groß. Auch im Nahkampf ist eine Lockenpracht eine gerne genommene Hilfe für den Feind. Es ko… mich einfach grundsätzlich an, dass uns Zivilisten erklären, was für den militärischen Dienst so richtig zu sein hat. Fast noch schlimmer ist für mich die Tatsache, dass die militärische Führung das so klaglis hinnimmt.

  • diba   |   18. Dezember 2013 - 10:20

    Ich habe in keinem meiner Einsätze bisher Frauen gesehen, die Ihre Haarpracht, wenns nach „draussen“ ging nicht ordentlich weggepackt haben. Die sind ja nicht alle blond und doof.

  • Forodir   |   18. Dezember 2013 - 12:23

    Wie viel Frauen gingen den tatsächlich nach „draußen“ ? Der Anteil an Truppe ist schon recht klein und meistens Kampftruppe und dort ist der Frauenanteil auch gering, die haben schon in den Vorausbildungen gelernt das lange Haare unzweckmäßig sind. Es wird gerne vergessen das es ja einen Grund hat das Männer die Haare kurz tragen und das dies in Modernen Armeen durchgesetzt wurde.
    Ich habe leider in den Einsätzen durchaus anderes gesehen ( nicht nur bei Frauen ).

  • Anton   |   18. Dezember 2013 - 15:20

    Schon merkwürdig welche Formen die Attraktivitätssteigerung zur Personalgewinnung annimmt. Leider hat dies nicht viel mit gleichberechtigung zu tun un die Argumentation wirkt etwas albacken, wenn man die Streitkräfte mal mit der Polizei vergleicht die bei vergleichbaren Anforderungen eine ganz andere Regelung hat. Aber offensichtlich wollen wir uns so viel Gleichberechtigung dann doch nicht leisten.

  • ThoDan   |   18. Dezember 2013 - 16:28

    Ich verstehe den Sinn und di Legitimität der 37/10 oder 11 heute noch weniger als vor gut 20 Jahren.

    Ehrlich welche praktische Rolle sollen Tattoo s, bunte Haare etc etc im Dienst haben?

    Wenn
    es aber um klimatisch passende Kleidung geht oder um passendes Schuhwerk frage ich mich warum diese Verletzung der Fürsorgepflicht eigentlich geduldet oder gar gutgeheissen wird?

  • Kerveros   |   18. Dezember 2013 - 16:40

    @BausC

    „Wenn sich die erste Frau skalpiert hat, weil sie mit ihrer Haarpracht sich in
    gnadenlos schnell bewegenden Teilen, sich verhäddert hat, dann ist das Geschrei groß. “

    Alles Schnee von gestern. Ich empfehle zum Sachverhalt das Studium der DVDs 50 Jahre Bundeswehr in welchem eine Frau Zietlow sich quer durch die Truppengattungen der Bundeswehr betätigt. Unter anderem kommt es dabei zu einem Abseilvorgang aus einer UH-1D, in dessen Folge der Hubschrauber landen muss, da das Haar der Frau Zietlow den Abseilvorgang vorzeitig terminierte.
    (Ich war sehr erstaunt, dass man die fragliche Szene nicht geschnitten hatte)

    Die Begründung für das kurze Haar der Männer war lange Zeit vor allem in der Unfallvermeidung und Hygiene zu suchen… beides gilt für Frauen 1:1.

    Auf der anderen Seite sind Männer mit längeren Haaren heutzutage durchaus Teil der Gesellschaft, wie es auch Zeit ind er Bundeswehr gab (60er/70er?) in denen lange Haare mir Haarnetz bei der Bundeswehr durchaus Vorschriftenkonform gesehen wurden.

    Ausserdem steht es Frauen frei zwischen kurzen und langen Haaren zu wählen, die beschriebene Einheitlichkeit ergibt sich daher auch nicht.

    Langer Rede kurzer Sinn: ich kann Letzteren in der Urteilsbegründung auch in kreativster Auslegung nicht lesen – „selten so einen Stuss gehört“. Das sich das Erscheinungsbild der Bundeswehr nach ‚der Erwartungshaltung der Öffentlichkeit‘ richten sollte ist grober Unfug.

  • ThoDan   |   18. Dezember 2013 - 17:31

    @Kerveros

    Waren das Problem wirklich die langen Haare oder lag das anderswo?

    Die Anzahl der Soldaten, die in den 50ern sowas machte dürfte sehr überschaubar gewesen sein im Vergleich zu denen, die nie einen Hubschrauber benutzt haben oder fast rappelling gemacht haben.

    Ich habe in gut 25 Berufsjahren es nie erlebt, das lange Haare ein Sicherheit sproblem waren , wenn die Sicherheitsvorschriften beachtet wurden und mir ist kein Fall bekannt wo etwas passiert wäre.

  • Kerveros   |   18. Dezember 2013 - 19:38

    @ThoDan:

    siehe US-Streitkräfte…da haben viele Frauen lange Haare – die sind dann aber gut verstaut.

    Bei der Abseilübung hatte die gute einen Zopf und der hat sich verheddert. Sie hat die Übung im Anschluss nochmal gemacht und die Haare mit einem Tuch zusammengebunden… lief super.

    Mir ist es prinzipiell egal ob die Leute lange oder kurze Haare haben…es sollte halbwegs gepflegt sein und wann immer Arbeitsschutz ein Thema wird, gehören die halt passend verstaut…

  • ThoDan   |   18. Dezember 2013 - 20:14

    @Kerveros

    stimmt, aber in Bezug auf Hygiene bzw Gepflegtheit frage ich mich ob das Problem die Haare waren oder ob dort die Symptome sichtbar wurden ?

  • Kerveros   |   18. Dezember 2013 - 21:07

    @ThoDan:

    1. Interview mit weiblichen US-marins nach 3 Wochen durchgehende Marsch in den Irak:

    Frage: Was werden Sie als erstes tun, wenn sie im Zwischenlager ankommen?

    Antwort: Die Haare abschneiden…. ;)

  • ThoDan   |   19. Dezember 2013 - 0:02

    @Memoria

    Ich las vor einem Jahr oder so, einen Artikel des Sargeants der US Army über Erscheinungsbild , Tattoo s etc.

    Mein Fazit im Einsatz waren Tätowierte gut genug, im Frieden stören sie das Bild .

    @Kerveros

    Aber das war deren Entscheidung und der Mangel an Hygiene war dem Einsatz geschuldet, was ich bei den „Hygiene“ Problemen mit dem Haarnetzerlass stark anzweifele.

  • Kerveros   |   19. Dezember 2013 - 5:24

    @ThoDan:

    Was konkret die akute Ausrede beim Haarnetz-Erlaß war ist mir auch entfallen…

  • ThoDan   |   19. Dezember 2013 - 13:31

    Laut Wiki

    Eitelkeit und Frivolitäten

  • Interessierter   |   19. Dezember 2013 - 17:09

    Immer wieder lustig die elende 37/10 Diskussion inklusive Haar- und Barterlass…

    Vielleicht kommt ja ein spitzfindiger Jurist im ministerium und sagt: „Tragen dürfen Sie Ihre Haare gerne lang. Nur frisieren Sie sie während des Dienstes bitte entsprechend folgender Maßgaben:
    -…
    -…
    -…

    Begründung: Die Maßnahme bleibt ja temporär, orientiert sich an militärischen und arbeitsschutzrechtlichen Erfordernissen und stellt keinen „inneren“ Eingriff in die Lebensgestaltung dar…

    Unabhängig davon sollte man meinen das bei einer FREIWILLIGEN Berufswahl die mit diesem Beruf unmittelbar Zusammenhängenden Einschränkungen und Erfordernisse billigend in Kauf genommen werden bzw. man die Bereitschaft dazu unterstellen kann. (mit Flugangst kann ich keine Stewardess werden, als Taubstummer nicht Radiomoderator).

    @Memoria
    Danke für den USMC-Link!
    Durchaus interessant, wie detailliert beim USMC dort die Frisuren für Damen geregelt werden. Da bleiben wenig Fragen offen.

    Noch besser als diese Chose hier, finde ich, das General V. es nicht mal schafft, seinen (sinnlosen/schwachsinnigen) Befehl in seinem eigenen Stab durchzusetzen…zeugt von immenser Führungsstärke und Durchsetzungsfähigkeit. RESPEKT!

  • Kommentator   |   20. Dezember 2013 - 19:41

    Das ist diskriminierend und sexistisch, ein Schlag gegen die Gleichberechtigung! …. Ach ne Moment, es benachteiligt ja Männer … dann ist es wohl doch kein Problem.

  • ThoDan   |   20. Dezember 2013 - 20:05

    @Interessierter

    a) selbst bei freiwilliger Berufswahl hatves legitim zu sein.
    b) War es bei mir nicht freiwillig,!
    C) hat 37/10 noch ganz andere Baustellen. Die zu Lasten der Gesundheit gehen können.
    Zu schwere und potentiell nicht gut oder gar nicht passende Stiefel, für Klima bzw. Wetter ungeeignete Kleidung