Bemerkungen vom Bundesrechnungshof: Vom Einsatz her denken?

Bei den jährlichen Bemerkungen des Bundesrechnungshofs (BRH) findet die Bundeswehr immer eine prominente Erwähnung – vor allem, weil es einer der Etats mit viel Investitionsanteil und sehr viel zu verwaltendem Personal ist. Der am (heutigen) Dienstag in Berlin vorgestellte Jahresbericht 2013 macht da keine Ausnahme. Und praktisch alle Medien haben die Kritik aufgegriffen, die BRH-Präsident Wolfgang Engels in seinem Statement erwähnte – an der Praxis der Bundeswehr, Material für Entwicklung, Erprobung und Forschung zu verleihen, aber längst den Überblick verloren zu haben, wo das Zeug nun eigentlich steht.

Auch wenn das mit fehlendem Material für 92 Millionen Euro schon eine Hausnummer ist (und offensichtlich seit 20 Jahren unverändert ein Problem): Es gibt bei den Bemerkungen zum Haushalt des Verteidigungsministeriums noch ein paar andere Kritikpunkte, öffentlich noch gar nicht so wahr genommen, die vor allem den Slogan Vom Einsatz her denken ad absurdum führen.

Am Auffälligsten finde ich da das Debakel bei der Verfolgung von Material im Einsatz – gerade angesichts der laufenden Rückverlegung aus Afghanistan. Auszug:

Für die Materialversorgung der Auslandskontingente in Afghanistan beschaffte die Bundeswehr im Jahr 2004 für 5 Mio. Euro ein Materialverfolgungssystem. Dabei beteiligte sie sich nicht an dem Verfahren anderer NATO-Mitgliedstaaten.

Die Bundeswehr wollte das System später in SASPF integrieren. Die hierfür eingeplanten Haushaltsmittel von mehr als 12 Mio. Euro gab sie für andere Teilprojekte aus. Da weitere Investitionen nötig gewesen wären, entschied die Bundeswehr, das System ab dem Jahr 2011 nicht mehr zu nutzen. Für die Materialrückführung aus dem Afghanistaneinsatz will sie sich nun von einem gewerblichen Dienstleister unterstützen lassen. Für insgesamt 8 Mio. Euro soll dieser mit seiner eigenen Technik die Materialverfolgung von etwa 4 800 Containern und 1 200 Fahrzeugen nach Deutschland sicherstellen.

Ob die Streitkräftebasis da auch mit ihrem Slogan wirbt Ich war’s? Schließlich lobt sie in ihren Berichten immer, wie toll das läuft…

Für die Einsätze ebenfalls relevant und für die betroffenen Soldaten noch ein wenig ärgerlicher dürfte sein, was der BRH zur Zahlung von Auslandsverwendungszuschlägen (AVZ) herausgefunden hat:

Die Bundeswehr führte die entsprechenden Akten nicht ordnungsgemäß. Sie konnte Unterlagen zu Zahlungen der AVZ nur mit erheblichem Arbeitsaufwand zur Verfügung stellen. Deshalb musste der Bundesrechnungshof den Umfang seiner Prüfung soweit einschränken, dass er die Qualität der Bearbeitung der AVZ durch die Bundeswehr im Ausland nicht sicher beurteilen kann. Er prüfte die Berechnung der AVZ auch im Inland. Bei einer Dienststelle waren 30 % der Fälle fehlerhaft. Soldatinnen und Soldaten wurden häufig unter- oder überzahlt.

Ein Drittel fehlerhafte AVZ-Berechnung bei einer Dienststelle, keine Klarheit über die Genauigkeit der AVZ-Berechnung im Einsatz… Ich würde da noch mal genauer auf meine Abrechnung gucken. Würde ich auch ohne Auslandseinsatz tun, denn auch der Sold wird gerne mal falsch berechnet:

Aufgrund von Prüfungserkenntnissen hatte der Bundesrechnungshof dem Bundesverteidigungsministerium empfohlen, die Gehaltszahlungen zu kontrollieren. Das Bundesverteidigungsministerium stellte daraufhin fest, dass nahezu 2 000 Soldatinnen und Soldaten überwiegend zu niedrige Gehälter erhalten hatten. Mit dem neuen IT-Verfahren zur Berechnung und Zahlung der Gehälter (SASPF) ist es nicht möglich, zentral und mit vertretbarem Aufwand die Zahlungen der Gehälter an die Soldatinnen und Soldaten zu kontrollieren. Die Besoldungsakten der Soldatinnen und Soldaten führt die Bundeswehr als Papierakten an verschiedenen Standorten. Deshalb ist es aufwendig die Zahlungen nachträglich manuell zu prüfen. Zusätzliche Kontrollfunktionen in SASPF und eine elektronische Besoldungsakte könnten diesen Mangel beheben. Diese hat die Bundeswehr aber aus finanziellen Erwägungen bisher nicht eingeführt.

Und ich hatte geglaubt, die Einführung des neuen IT-Verfahrens zur Berechnung und Zahlung der Gehälter mit SASPF diene gerade dazu, die Zahlungen zu kontrollieren? Wofür denn sonst?

Verglichen damit ist der Kauf von ungeeigneten Ökostrom-Zertifikaten für 3, 5 Millionen Euro ja eher Kleinkram.

(Foto: Hoffentlich in der Materialverfolgungsliste erfasst: Marder-Schützenpanzer nach Übergabe des Feldlagers Kundus bei Ankunft in Masar-i-Scharif – Bundeswehr/Christian Schneider via Flickr unter CC-BY-ND-Lizenz)

 

 

 

 

 

44 Gedanken zu „Bemerkungen vom Bundesrechnungshof: Vom Einsatz her denken?

  1. SASPF – die teuerste und unfangreichste SAP/R3-Modifikation der Welt – kann also in den zwei Hauptprozessen (Personal und Logistik) grundlegende Funktionen nicht erfüllen.

    Und was passiert? Wohl weiterhin sehr wenig.

    Auszug:
    „Der Bundesrechnungshof hat die bisherigen Schritte der Bundeswehr zur Verbesserung ihrer Materialverfolgung als unkoordiniert und unzureichend bewertet. Er hält es für dringend geboten, dass die Bundeswehr schnellstmöglich ein Materialverfolgungssystem in SASPF integriert.“

    Da fällt einem wirklich nichts mehr ein.

  2. SASPF und deren Abwandlungen sind ein riesiges, offensichtlich kaum zu beherrschendes Monstrum, das nur ungenau auf die Anforderungen der Zruppe hin angepasst ist.
    Aus fliegenden Verbänden hört man, dass bei Truppenteilen, die bereits mit SAP arbeiten müssen, Prüfungen von Luftfahrzeugen deutlich erschwert sind und die Organisation dieser Software immens viel Zeit frisst. Und Flugstunden vernichtet.
    Bei Verbänden, die es demnächst einführen müssen, munkelt man von einem knappen Drittel weniger an verfügbaren Flugstunden während der Umstellung. Leider gibt es schon seit Jahren viel zu wenig davon, so dass das richtig weh tut.
    Wer befiehlt diesen Schwachsinn? Wer übernimmt die Verantwortung?

  3. @T.W.:

    lustige Geschichte aus dem Märchenland SASPF-Phantasia ;)

    Erfahrungsstufe falsch berechnet und eingestellt… merkt der Soldat aber nicht unbedingt… manchmal bekommt er ja über Monate keine Gehaltsabrechnung -> dann doch gemerkt -> Die zuständige Bearbeiterin hat aber keinen Zugriff auf die Daten um dies zu prüfen… ähm ja

    Ein Soldat wird mit Beförderung neu eingeordnet… allerdings besser gestellt als er sein dürfte… fällt SAP nicht auf und irgendwann später hält die Verwaltung die Hand auf…

    Das Problem an SAP ist, dass SAP nur so gut ist, wie die darin abgebildeten Prozesse… und die sind eben oftmals entweder nicht richtig, oder nicht zuende gedacht ;)

  4. „Das Bundesverteidigungsministerium hat die Schwächen der Ökostrom-Zertifikate zwar eingeräumt. Gleichwohl hat es angekündigt, diese weiterhin zu beschaffen. Dabei hat es darauf verwiesen, dass es die Sichtweise von Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt hinsichtlich der Förderung von Ökostrom nicht teile.“

    Und dann der Truppe seitens BMVg laufend erzählen, es sei halt „politisch so gewollt“, dass nicht mehr Geld für notwendige Ausrüstung vorhanden sei.

    Freude an der Verantwortung?
    Wer im Ministerium wird dafür zur Verantwortung gezogen?
    Für das Geld hätte man wirklich viel sinnvolle Ausbildung oder Ausrüstung realisieren können. Aber kümmert offenbar niemand an der Spitze des BMVg.

  5. Warum heißt es immer die Bundeswehr ?
    Warum nennt man nicht einfach mal Ross und Reiter ?

    Was für eine Verschwendung….und vom Landser verlangen, die Heizung auf 2 zu stellen, um Kosten zu senken.

  6. SASPF macht eine „ad hoc“ Planung von Streitkräften aus meiner Erfahrung heraus leider nicht mehr möglich – und dazu müssen Streitkräfte im Rahmen der nationalen Krisenvorsorge und -reaktion vollumfänglich befähigt sein!
    Das System taugt bestimmt im privatwirtschaftlichen Bereich für mittel- und langfristige Planungen und auch zur Optimierung von Verfahrensabläufen, aber für Einsatzplaner, die kurzfristig auf sich ändernde (militär)politische Bedingungen reagieren müssen, ist SASPF ein „Showstopper“, bzw. lassen sich die „showstoppereigenschaften“ von SASPF nur durch unendliche Stunden an Mehrarbeit und daraus resultierenden menschlichen Fehlern kompenzieren.
    Mein Fazit: Da arbeite ich lieber mit 10 verschiedenen Excel Dateien!

  7. Sehen wir es positiv Tex:

    mangelndes Kapital für eine weitere Anpassung SASPF wird entweder dazu führen, das Reformen limitiert werden oder sich da ohnehin eine komplette Prallelwelt auftut ;)

  8. @all. Bei Vorgenanntem, egal ob Materialverfolgung, Prüfung von Lfz und damit dezimierteFlugstunden, Besoldung oder Ökostromzertifikaten, hilft wohl Schimpfen und Motzen nichts mehr. Bei diesen sich zunehmend in unkontrolliert und ungeandet sich verselbständigenden Systemimmanenzen hilft m.M.n. nur eine „Ultima Ratio“. Die heißt für mich ein öffentliches „Bw-Schwarzbuch“ beim Bund der Steuerzahler, welches den oder die jeweils Verantwortlichen namentlich benennt.

    Der entsprechende Informantenschutz dürfte nicht nur legitim, sondern auch sicherstellbar sein. Wenn das BMVg selber nicht in der Lage ist, derartige Dinge in den Griff zu bekommen, die parlamentarischen Kontrollorgane wie z.B. der Rechnungsprüfungsausschuss nicht Eingreifen können oder wollen und der BRH verfassungsgemäß nur den Finger heben, aber nicht mit der Faust auf den Tisch schlagen darf, gilt eben für den Volkssouverän und damit auch für den Insider, der Grundsatz und Schutz des verfassungsgemäß verbürgten höherwertigen Rechtsguts.

    Ich bin überzeugt, spätestens nach einer halben Legislaturperiode kommt zunehmend Ruhe und Ordnung in den Augiasstall!

  9. Na das hört sich ja an, als ob Beurteilungen in SASPF schreiben ja Kindergeburtstag war gegen die Auswüchse, welche das System im Kernauftrag der Truppe mit sich bringt. Und der Zeitaufwand für das Erstellen einer Beurteilung hatte sich schon etwa verdoppelt… aber in einer Organisation, in der Fehlerkultur mit „Daumen hoch“ gleich gesetzt ist, institutionelles Lernen ein Fremdwort ist und alles ein einziger Erfolg ist, kann ja langsam kaum etwas anderes mehr herauskommen.
    Ich empfehle dazu „Die Logik des Misslingens“!

  10. @MFG:

    „als ob Beurteilungen in SASPF schreiben ja Kindergeburtstag war gegen die Auswüchse, welche das System im Kernauftrag der Truppe mit sich bringt.“

    Hehe, wenn es denn mal so wäre…

  11. Die frage ist überhaupt ob da über Konzepte gibt
    Früher gab es listen was beschafft wird über Jahre, alles das ist CDU/FDP Verstummt.
    Man erfährt auch nicht wie das Vorhaben sein soll was bis 2020 Beschafft werden soll
    Da war man früher SPD / grün schon da gab es Listen im Internet Vorhaben, mit Einsatz Änderung aber heute gibt es nicht mehr
    Deshalb wundert mich dass nicht 92 Mio. keiner weiß wo das Material ist
    Das kann Verschrotet Fahrzeuge sein die man Vergessen hat Auszutragen, aber es kann auch Waffen sein die Zwischen Afg und BRD Verloren ging
    Das Neue Führungssystem soll in Fahrzeuge kommen aber irgendwie weiß keiner welche Fahrzeuge ( Außer Leo 2 A7 und der Puma aber nicht alle ) erhalten aber was sonst bekommen soll weiß keiner
    Und die alten Wolf mal Ja mal wieder Nein, dann gibt 100 Neue Eagle und es gibt auch keine Liste in welchen Versionen es geben soll
    Alles scheint so Plan los zu sein
    Früher gab es so ein Ziel 500 DINGO 272 Boxer 400 Mungo aber so eine Liste gibt es nicht mehr
    Was mit der Neuen Ausrichtung das man so viel Boxer so viel DINGO braucht und welcher Ausführung
    Ich denke das alles zu spontan ist jetzt hat man Geld und wo gibt man das aus
    Aber 70 % geht schief, in der Schweiz ging es in die Hose und Deutschland lohnt sich s
    Bin mal Gespannt wenn Fahrzeuge Nachgerüstet und andere Repariert werden wird und keine Fahrzeuge mehr da sind für Auslandeinsatz und Ausbildung ( wenn 20 % dann Einsatzfähig ist )

  12. Das Schöne an SASPF ist ja nicht nur, dass es in den wesentlichen Bereichen nicht ganz optimal funktioniert – man hat ja auch bei Einführung beschlossen, dass es weder einen zusätzlichen Bedarf an IT-Ausstattung rechtfertigt, denn die Umstellung von Papierarbeiten auf Arbeiten am Bildschirm kann ja keine zusätzlichen PC-Arbeitsplätze zur Folge haben, die sind ja in HERKULES nicht abgebildet, noch dass es ausreichende zusätliche und den Prozessen angepasste Ausbildung nach sich zieht.

    Von Flexibilität und Mobilität ganz zu schweigen. Mehr als 8 Wochen Vorlaufzeit, um eine Computer von einem Raum in den nächsten umzuziehen ist doch keine große Nummer, 6 Wochen Zeit zwischen Beantragung einer Chip-Karte und deren Nutzbarkeit bestimmt auch nicht.

    Aber wie in aller Welt schaffen alle möglichen Unternehmen (und sogar große Armeen anderer Staaten) es, ihr Personal so auszustatten, dass sie „von unterwegs“ auf ihre Daten zugreifen können, bei Besprechungen Daten mit anderen Personen austauschen und nötigenfalls sogar von zu Hause aus arbeiten können?

  13. Solange man weiterhin denkt, dass man Streitkräfte wie ein Wirtschaftsunternehmen mit allem Drum und Dran führen kann, solange wird sich an den umrissenen Problemen nichts ändern.

  14. Und dann befiehlt SAP (=Sanduhr-Ablauf-Programm) die Mun-Wälzung im Einsatz und plötzlich stellt man fest das man eine LOS-Nummer hat die es im System gar nicht gibt! – BV!!! – Hier ist Munition verschwunden – hoffentlich fängt da nicht einer seinen eigenen Krieg an :)

    Verfolgung von Material im Einsatz? – Gelächter !!!

    Merke: jedes System ist nur so gut wie der Typ der für Data Entry zuständig ist….und SAP wird kundenspezifisch gestrickt – es gibt das was man bestellt und bezahlt hat……

  15. Nein das ist in Deutschland selbst Verschwunden
    Das ging an die Industrie für Test
    Natürlich so eine Aussage 4 000 Fahrzeuge hätte die Bw zu viel
    Presse wird Gefeiert wenn man schweres Material Verkauft spart man
    Aber schaut man Welt China –USA kein Experte hätte das gedacht das in 1ner Woche das so Eskalieren konnte, und die USA weis nicht mal wie man wieder da hinaus kommt
    Weil Japan Fallen Lassen wär das Ende Macht der USA über den Pazifik.
    Und jetzt geht es oben kalten Norden los , keiner weiß was Morgen ist weil für die Reservisten gibt es nicht mal Fahrzeuge , da währ man froh wenn das eine oder andere gibt
    Schweiz will 4 000 MB G Modell Kaufen
    Niederlande 1 600 AMORAK und in Deutschland will Wolf wohl er am ende ist weiter Fahren

  16. @Vtg-Amtmann

    Volle Zustimmung. Eines unserer Kernprobleme ist ja die Verantwortungsdiffusion, je höher die Ebene desto schlimmer. Das gilt ja nicht nur im hier beschriebenen Bereich.
    Ich will jetzt nicht wider eine Zivilistenschelte triggern, aber was machen eigentlich die ganzen überhängigen, strukturell beschäftigungslosen Zivilangestellten?

  17. Ich denke, die Verwirrung in SASPF nennt sich „Customizing aus Sicht SAP“: Hier werden die Kundenwünsche bzw. -bedürfnisse nicht in die Software umgesetzt, sondern die Kundschaft hat sich an die Software anzupassen mit allen Mängeln und Kanten, ob Einsatz oder Grundbetrieb. Nur so ist es z.Bsp. zu erklären, warum im Beurteilungswesen der Beurteilende Vorgesetzte seine Daten nicht in eine Eingabemaske eingibt, die genau den Vorgaben der Vorschrift entspricht (Military-look-and-feel), sondern in verschiedene Registerkarten und das dann mehr oder weniger vorschriftenkonforme Ergebnis seiner Arbeit erst beim Ausdruck in hardcopy sieht.

  18. ist schon erschreckend! Ein System, dass nicht funktioniert, weil Verantwortliche Fehler machen. Und nun folgt eine Reform in der Personal wild umgesetzt wird und Aufgaben übernehmen muss für das es nicht unbedingt qualifiziert ist.

    Es kann nur noch schlimmer werden….

  19. @Lollo9900
    Naja, es gibt die Druckvorschau. Da kann man schon sehen, wie das Ding später aussieht ohne es auf Papier zu bringen.
    Und was ich an SAP im Personalwesen definitv gut fand, waren die Abfragen, die man fahren kann. Chef braucht ne Liste mit Kriterium a und Sortierung xyz? Kein Problem. Ach, er will die Liste anders sortiert nach xzy und einem neuen zusätzlichen Kriterium? Kein Problem… nach wenigen Klicks erledigt.

  20. @Lollo9000
    Kundenwünsche können nur innerhalb des bestehenden Systems realisiert werden.
    Es war vorher bekannt, dass sich das System, sprich System Bundeswehr, an die Struktur von SAP anzupassen hat. Dieses wurde eine ganze Weile nicht wirklich ernsthaft umgesetzt. Nun wird es sehr dynamisch und man realisiert auf was man sich da eingelassen hat. Die Schnittstelle Drehstuhl wird goldene Zeiten erleben. Nur funktioniert das nur noch bedingt. Eine Exceltabelle kann ich übersteuern, falls der Krieg ausbricht, bei SAP gelingt das nicht mehr. Wirtschaftlichkeit ist keine primäre Stellgröße für Streitkräfte. Will sagen, wenn es, z.B., 1 Std dauert um ein Luftfahrzeug zu bevorflugen dann sollte die Verbesserung sein, dass es mit einem neuen System/Verfahren nur noch eine halbe Stunde dauert. Schafft das SAP?

  21. @WB: Das ist richtig. Mein Punkt ist aber, warum man nicht bereits während der Eingabe das auf dem Schirm sieht, was gem. Vorschrift als Format vorgegeben ist. Natürlich muss SASPF insgesamt auch seine Vorteile haben, sonst wäre doch das ganze Geld schlecht angelegt…

  22. Die Abfragen, die man fahren kann, sind gut? Vielleicht in der Theorie, aber da kann ich Ihnen als ehemaliger Chef auch andere Geschichten zu erzählen:

    Sie sitzen am Schreibtisch und das Telefon klingelt; die Nummer des Teilnehmers kommt aus der Division (bzw. der äquivalenten Ebene). Tatsächlich ist es der G1-Gehilfe der fragt:
    „Sagen sie mal, Herr Hptm, sie haben da doch den HptFw XY, der hat folgende ATN/ATB sehe ich hier – der muss zu OMLT in den Einsatz, was spricht denn dagegen? Sie wissen ja selbst, der war vor einem Jahr das letzte Mal weg, das kriegen wir schon hin.“

    Und diese Gespräche waren nicht unbedingt selten, versuchen Sie da als Chef mal, ihre Leute zu schützen. Dass HptFw XY nämlich mitten in Scheidung lebt und gerade das ein oder andere Pils zuviel nimmt, sagen die Abfragen nämlich nicht aus – jedoch zählt die persönliche Stellungnahme von KpChef und Spieß oftmals nicht mehr, neben den supertollen Abfragen.

    Die Führungskultur und vor allem die Führungsebenen werden immer weicher gezeichnet – das ist mein Fazit von SAP.

  23. @Lollo9900
    Ich glaube eher, die vielen Sonderwünsche der Bundeswehr haben in vielen Bereichen (ich meine hier nur den Friedensgrundbetrieb) zu den jetzigen Problemen geführt. Man will und wollte jede Besonderheit der Bundeswehr abgebildet sehen und hat nun ein unüberschaubares Programm dessen Administration Unmengen an Personal bindet. Wer z.B. in der Teilaufgabe IAMS einen einmalig stattfindenden Kurzlehrgang abbilden will, der braucht dafür unter Umständen länger als für die Ausbildung selber.
    Im Einsatz würde ich mir hingegen auch eine angepasste Lösung wünschen… Ganz oben steht da übrigens die Autarkie auf meiner Wunschliste!

    @BausC
    Schneller wird in der mil Luftfahrt durch SASPF nichts! Viele Eingaben dauern länger, neben dem Drehstuhl und Excel wird auch das Telefon eine ungeahnte Renaissance erleben und ein Ausfall der Datenverbindung ist für den Arbeitsaufwand in jedem Fall ein Supergau da man wieder auf Papier zurückgreift. Warum man entsprechende Funktionen für die Kräfte im Einsatz „vergessen“ hat ist mir immer noch ein Rätsel. Immerhin verlegen Heer und Luftwaffe nicht erst seit 2000 Luftfahrzeuge und auch die Marine soll sich gelegentlich (manchmal sogar mit Luftfahrzeugen) nicht im Heimathafen aufhalten.

    Allerdings sollte man auch nicht vergessen, dass das System auch Vorteile bringt. Die Pflege der Daten in diversen Altsystemen (BMS, HoD, Netlog usw.) hat ebenfalls viel Personal hinter den Kulissen gebunden.

  24. Die unter der Nr. 51ff getroffenen Feststellungen sind doch „Peanuts“. Vielleicht miut Ausnahme der Bemerkung Nr. 54. Das hier 5 Mio Euro ohne Rechtsgrundlage ausgegeben wurden, schreit nach Nachfragen aus dem Parlament. Erhellend wird der Bericht erst, wenn man ihn vergleicht mit den Ferststellungen in den Berichten aus den Vorjahren. So kann man auf die Idee kommen, dass z.B. AVZ erst in 2013 falsch berechnet wurde. (2012 ist die Feststellung nicht enthalten) Das ist kaum vorstellbar.

    Wirklich spannend wird es aber erst wenn die Feststellung Nr. 50 aus dem Jahr 2013 betrachtet wird: Dort lesen wir von einer Reduzierung des Großgerätes um 60% und gleichzeitigem Anstieg der Aufwendungen für Materialerhaltung um 429 Mio Euro im Vergleich zu 2007. Ein weiterer Anstieg auf insgesamt 3,1 Mrd Euro bis zum Jahr 2017 wird verzeichnet. Eine ausführliche Begründung für diesen Anstieg ist da schon erforderlich.

  25. Eine weitere Anekdote zur Einführung SASPF in den damaligen Kreiswehrersatzämtern: die vorhandene und bewährte Organisationsstruktur konnte nicht in SASPF abgebildet werden, woraufhin die Organisationsstruktur verändert wurde. O-TON BAWV von damals: „Die Organisation hat sich der Software und nicht die Software der Organisation anzupassen!“

  26. @ Marmorklippe

    Die Frage, was sich wem anpasst, darf man nicht dogmatisch beantworten. Sondern, wie es so schön heißt: Es kommt immer darauf an.

    Das heißt in der Theorie: Wenn (und nur dann!) die Einführung von SASPF einen substanziellen Mehrwert in der übergreifenden Aufgabenerfüllung verspricht, der, um sich auszuwirken, allerdings einen organisatorischen Wandel voraussetzt, dann darf die Organisation nicht sakrosankt bleiben. Egal, ob und wie sehr sie sich in der Vergangenheit bewährt hat. Fortschritt verlangt Offenheit in allen Bereichen und auf allen Ebenen. Alles muss grundsätzlich anpassungsbereit und anpassungsfähig sein. Nur das Ergebnis zählt. Der von Ihnen zitierte Satz des BAWV muss also nicht zwingend falsch sein.

    Allerdings gebe ich mit Blick auf die Praxis und im Rückblick gerne zu: Das Wunschdenken war bei der Konzeption und Einführung von SASPF (allzu) sehr ausgeprägt. Vor allem wollte man zu viel auf einmal, und dies ohne erfolgreiche militärische Referenzbeispiele und oft ohne doppelten Boden. Fast möchte man hier von Tollkühnheit statt von wohlkalkuliertem Risiko sprechen. (Aber SAP hat es nicht geschadet.)

  27. Aus einer leidvollen Erinnerung heraus: Bei der Einführung des Personalwirtschaftssystem wurde seitens der Firma SAP häufiger nachgefragt, wie man manche Abbildungen denn nun gern hätte, nur Antworten bekam man nicht wirklich. Dann wurde eine Lösung vorgestellt, die gefiel nicht und auf die erneute Frage, wie man es gerne hätte, kam nur die lapidare Antwort: anders eben … Da kann selbst der beste Programmierer nicht helfen … und dass dann irgendwann nicht mehr gefragt wird verstehe ich irgendwie schon … Wenn ich etwas haben will, dann muss ich schon genau sagen könne, was ich will und nicht vega Vorstellungen in den Raum stellen und hoffen, dass das Gegenüber es schon richten wird.

  28. Warum werden zu dieser Meldung PzGren gezeigt? War in der FAZ auch so! Kann man dazu nicht Bilder aus zivil-militaerischen Behoerden zeigen? Passt doch viel besser.

    D’ran, D’rauf, D’rueber . . .

  29. @Jan Hoffmann

    Habe das Bild nicht deshalb genommen, weil es in der FAZ auch so war, sondern weil der Hauptpunkt die Erfassung von Material im Einsatz ist… Und ein Marder ist doch Material, oder?

  30. Das was da zurück geführt wird verschwindet irgendwo-nur wo weiß, wenn es mal wieder !! gebaucht werden sollte, niemand. Wer es nicht glaubt frage mal in Depots nach.
    Die ganze Rückführung ist eine Farce. Aufwand und nutzen stehen in keinem Verhältnis. Bis auf hochwert Material, Waffen und Mun alles verschrotten oder Werbewirksam verschenken.
    Weißbuch Schwarzbuch, abschaffen- interessiert eh keinen, weil keiner haftet. (ok ein bischen provokativ)
    @ACE das passt ins Bild, weil die Entscheidungsträger nicht wissen was sie wollen weil sie zu ….sind und es sie auch nicht interessiert.

  31. OT:

    vlt mag der hausherr mal recherchieren wie die BW ausrüstungsgegenstände in die Reihen der Miliz auf dem Maidan gelangt sind.

    [Mal abgesehen von OT, mal abgesehen davon, dass das Bild in der Auflösung kaum erkennbar ist – Links zu deutschen Verlagswebseiten finden hier i.d.R. nicht statt. T.W.]

  32. Der Punkt ist: bei SAP muss sich wirklich die Organisation dem Produkt anpassen. Und man glaubte, SAP kann alles, ohne extra dafür bezahlen zu müssen.
    Und wie so oft, haben die Entscheider keinen schimmer, was das bedeutet, z.bsp. : Prozess Orientierung!
    Ich kenne keinen goldbetressten, der in den 90ern eine systembeschreibung von SAP gelesen hätte.
    Und irgendwann kommt der Point of no return! Und man muss für jedes Komma extra bezahlen, bis man es nicht mehr kann oder will!

  33. Der Grundfehler bei dem Programm SAP ist es, dass man ein bewährtes System um einen Industriebetrieb, z.B. einen Betrieb zur Produktion von Kühlschränken, von der Warenwirtschaft, Personalwirtschaft, Bestandsbuchhaltung usw. übernehmen wollte, um damit ALLE Prozesse der Bundeswehr abzubilden.
    Damit sind wirklich ALLE Prozesse der Bw gemeint, von der Rekruitierung von Freiwilligen über die Personalwirtschaft, der Instandhaltung von Schiffen, Flugzeugen, Waffen usw., dem Betrieb von Schiffen, Flugzeugen und Waffen bis zur Beschaffung und Einführung von neuen Wehrmaterial. Nicht zu vergessen die Materialbuchhaltung mit dem gesetzlichen Auftrag über den Verbleib von beschafften Investionsmatearial (NVG) urkundlich einen Nachweis zu erbringen.
    Das dieser Auftrag in dieser Bandbreite vermutlich nicht zu erfüllen sein würde, war auch vor Einführung von SAP klar, d.h. in den 90er Jahren des letzten Jahrtausend !

    Warum hat man es trotzdem gemacht ?
    Weil man das ständig angewandte Verfahren der Beschaffung und Entwicklung von Wehrmaterial als größtes Industriesubventionsprogramm in der Bundesrepublik Deutschland auch auf dem Softwaresektor anwenden wollte ! Das Outsourcen der IT-Unterstützung der Truppe und die Entwicklung der SAP-Anpassungen für die Truppe wurden 2006 auf 6 – 7 Mrd Euro angesetzt in Scheiben von 600 Mio Euro/ Jahr auf 10 Jahre durch Gründung der BWI-Gesellschaft.

    Es ist richtig 2001 wurde die Devise ausgegeben:

    Zitat: „O-TON BAWV von damals: “Die Organisation hat sich der Software und nicht die Software der Organisation anzupassen!”

    Man wollte eigentlich nur 3 Anpassentwicklungen für SAP im BW-Einsatz entwickeln. 2007 war man bei über 100 Anpassentwicklungen. Dafür waren 100e IT-Offze der Bw und entsprechendes Fachpersonal der Industrie beschäftigt. Für jeden Insider ist es geradezu zwingend, das ein Universalprogramm zur Führung eines Industriebetriebes nicht dazu geeignet ist ein Lehrprogramm von über 1000 Lehrgängen bis auf Feinzielebene zu erstellen oder den Flugbetrieb in einem Jet-Geschwader zu organisieren. Dafür gab es Spezialprogramme, die von Fachleuten z..T. vor Ort entwickelt wurden und die für die jeweilige Aufgabe optimal geeignet waren. Diese Spezialprogramme hat man alle aufgegeben und hat jetzt ein Universalprogramm, dass für jede Aufgabe nur unzureichend oder sehr unpraktikabel geeignet ist und zusätzlich jede Menge selbst entwickelte Excel und Access-Programme die jedoch datentechnisch keine Verbindung mit den SAP-Daten haben. In der Folge gibt es im Jahre 2013 mehr „Drehstuhlschnittstellen“ als vor der endgültigen Einführung von SAP in der Truppe und in der Beschaffung. (kleiner Hinweis für diejenigen, die nicht wissen was eine Drehstuhlschnittstelle ist. Man liest die Daten in einem Programm aus z..B. in einem Altprogramm und gibt sie händisch in SAP neu ein, also nicht „copy und paste“, denn dies würde ja eine datentechnische Abschottung von SAP durchbrechen).

    Also im Endeffekt wie der der alte Witz, wie ein Schneider einen schlecht sitzenden Anzug genäht hatte, bei der Anprobe sagte er dem zukünftigen Besitzer, er müsse halt die linke Schulter hoch ziehen und das rechte Bein etwas nachziehen, dann passe der Anzug schon. Bei diesem Anblick auf der Straße hatte die Passanten Mitleid mit dem vermeintlichen „Krüppel“ und attestierten ihm, dass er trotz seiner Behinderung einen hervorragenden Schneider gehabt hätte!

    So ist das mit SAP für die Bw !

    PS: Ein „Cargo Tracking“ System sieht SAP nicht vor. Meines Wissen arbeiten auch Speditionen bei ihrer Transportverfolgung mit einem Spezialprogramm und nicht mit SAP.

    PS 2: Wenn Material an die Industrie abgegeben wurde und es nicht urkundlich ausgebucht wurde, dann kann keine Softwareprogramm etwas dafür, sondern die Organisation, die es nicht ausgebucht hat !
    Aus Erfahrung tippe ich eher auf das Heer, noch schlimmer auf die SKB seit 2001. Die Lw hat mit ihrem Materialbuchungsverfahren ZTBÜ-AR solche Materialflüsse erfasst ! Dies war aber auch ein Programm für die allgemeine Lw. Für Spezialaufgaben wie die Verlegung von Luftfahrzeuge mit den einzelnen Serialnummer erfassten Komponenten von einem Verband in den anderen Verband gab es BMS und für diesen Zweck gab es bereits seit 20 Jahren einem mobilen ZTBÜ-AR und BMS-Rechner in einem Container der erfolgreich auf der ganzen Welt eingesetzt worden ist, um den Flugbetrieb auf einem entlegenen Flugplatz der Welt zu organisieren – und dies alles ohne SAP ;-)

  34. @KlausK:
    Es ist ja viel schlimmer: Man hat – wie ACE schreibt – mehr bezahlt. Wußte aber nicht was man wollte.

    Nun hat man ähnlich wie bei FüInfoSys Heer IT-basierte Prozesse einzuhalten, die jedoch nicht zu den eigenen Anforderungen passen.

    Denn sie wissen nicht was sie tun…

  35. Der Grundfehler bei dem Programm SAP ist es, dass man ein bewährtes System um einen Industriebetrieb, z.B. einen Betrieb zur Produktion von Kühlschränken, von der Warenwirtschaft, Personalwirtschaft, Bestandsbuchhaltung usw. übernehmen wollte, um damit ALLE Prozesse der Bundeswehr abzubilden.
    Damit sind wirklich ALLE Prozesse der Bw gemeint, von der Rekruitierung von Freiwilligen über die Personalwirtschaft, der Instandhaltung von Schiffen, Flugzeugen, Waffen usw., dem Betrieb von Schiffen, Flugzeugen und Waffen bis zur Beschaffung und Einführung von neuen Wehrmaterial. Nicht zu vergessen die Materialbuchhaltung mit dem gesetzlichen Auftrag über den Verbleib von beschafften Investitionsmatearial (NVG) urkundlich einen Nachweis zu erbringen.
    Das dieser Auftrag in dieser Bandbreite vermutlich nicht zu erfüllen sein würde, war auch vor Einführung von SAP klar, d.h. in den 90er Jahren des letzten Jahrtausend !

    Warum hat man es trotzdem gemacht ?
    Weil man das ständig angewandte Verfahren der Beschaffung und Entwicklung von Wehrmaterial als größtes Industriesubventionsprogramm in der Bundesrepublik Deutschland auch auf dem Softwaresektor anwenden wollte ! Das Outsourcen der IT-Unterstützung der Truppe und die Entwicklung der SAP-Anpassungen für die Truppe wurden 2006 auf 6 – 7 Mrd Euro angesetzt und in Scheiben von 600 Mio Euro / Jahr auf 10 Jahre durch Gründung der BWI-Gesellschaft ausgegeben werden.

    Es ist richtig 2001 wurde die Devise ausgegeben:

    Zitat: „O-TON BAWV von damals: “Die Organisation hat sich der Software und nicht die Software der Organisation anzupassen!”

    Man wollte eigentlich nur 3 Anpassentwicklungen für SAP im BW-Einsatz entwickeln. 2007 war man bei über 100 Anpassentwicklungen. Dafür waren hunderte IT-Offze der Bw und entsprechendes Fachpersonal der Industrie beschäftigt. Für jeden Insider ist es geradezu zwingend, das ein Universalprogramm zur Führung eines Industriebetriebes nicht dazu geeignet ist ein Lehrangebot von über 1000 Lehrgängen bis auf Feinzielebene zu erstellen oder den Flugbetrieb in einem Jet-Geschwader zu organisieren. Dafür gab es Spezialprogramme, die von Fachleuten z..T. vor Ort entwickelt wurden und die für die jeweilige Aufgabe optimal geeignet waren. Diese Spezialprogramme hat man alle aufgegeben und hat jetzt ein Universalprogramm, dass für jede Aufgabe nur unzureichend oder sehr unpraktikabel geeignet ist und zusätzlich jede Menge selbst entwickelte Excel und Access-Programme die jedoch datentechnisch keine Verbindung mit den SAP-Daten haben. In der Folge gibt es im Jahre 2013 mehr „Drehstuhlschnittstellen“ als vor der endgültigen Einführung von SAP in der Truppe und in der Beschaffung. (kleiner Hinweis für diejenigen, die nicht wissen was eine Drehstuhlschnittstelle ist. Man liest die Daten in einem Programm aus z..B. in einem Altprogramm und gibt sie händisch in SAP neu ein, also nicht „copy und paste“, denn dies würde ja eine datentechnische Abschottung von SAP durchbrechen).

    Also im Endeffekt wie der der alte Witz, wie ein Schneider einen schlecht sitzenden Anzug genäht hatte, bei der Anprobe sagte er dem zukünftigen Besitzer, er müsse halt die linke Schulter hoch ziehen und das rechte Bein etwas nachziehen, dann passe der Anzug schon. Bei diesem Anblick auf der Straße hatte die Passanten mitleid mit dem vermeintlichen „Krüppel“ und attestierten ihm, dass er trotz seiner Behinderung einen hervorragenden Schneider gehabt hätte.

    So ist das mit SAP für die Bw !

    PS: Ein „Cargo Tracking“ System sieht SAP nicht vor. Meines Wissen arbeiten auch Speditionen bei ihrer Transportverfolgung mit einem Spezialprogramm und nicht mit SAP.

    PS 2: Wenn Material an die Industrie abgegeben wurde und es nicht urkundlich ausgebucht wurde, dann kann keine Softwareprogramm etwas dafür, sondern die Organisation, die es nicht ausgebucht hat !
    Aus Erfahrung tippe ich eher auf das Heer, noch schlimmer auf die SKB seit 2001. Die Lw hat mit ihrem Materialbuchungsverfahren ZTBÜ-AR solche Materialflüsse erfasst ! Dies war aber auch ein Programm für die allgemeine Lw. Für Spezialaufgaben wie die Verlegung von Luftfahrzeuge mit den einzelnen Serialnummer erfassten Komponenten von einem Verband in den anderen Verband gab es BMS und für diesen Zweck gab es bereits seit 20 Jahren einem mobilen ZTBÜ-AR und BMS-Rechner in einem Container der erfolgreich auf der ganzen Welt eingesetzt worden ist, um den Flugbetrieb auf einem entlegenen Flugplatz der Welt zu organisieren – und dies alles ohne SAP ;-)

  36. Man sollte vorsichtig sein, die Feststellungen des BRH gleichzusetzen mit der Wahrheit. Da sind die häufig fachfremden Prüfer gerne mal auf dem Holzweg und leider von Zeit zu Zeit unbelehrbar auch wenn sie unbenommen viele Missstände aufzeigen. Ob die dann so gravierend sind wie dargestellt, ist häufig zweifelhaft, da gerne mit Zahlen jongliert wird, die so recht keiner nachvollziehen kann. Nicht umsonst laufen sich die Bemerkungsverfahren meistens nach einiger Zeit auswirkungslos im Rechnungsprüfungsausschuss tot. Auch der BRH muss sich und sein Budget Jahr für Jahr aufs Neue begründen, dafür braucht auch er Schlagzeilen.
    Zu SAP auch noch mein Senf: Jeder der mal an dem System mitentwickelt hat weiß, dass die Betonköpfe der „Kundenseite“ das System zu dem gemacht haben, was es heute ist. Da sind einige Teil des Problems, werden nicht müde den Vergleich mit damals zu bemühen und fühlen sich natürlich im Recht. Auch hier unbenommen hat man überzogenen Erwartungen an das System gehabt, die man bis heute nicht zurücknehmen mag. Btw: Die erwähnte Divise des BAWV entstammt einem StS-Erlass der m.E. sehr richtig die Organisationsänderung statt Softwareänderung festgeschrieben hat. Hat sich nur niemand daran gehalten. My 2 Cent.

  37. Die 92 Mio. Materialwert von denen Man nicht weiß wo sie sindhalte ich für realistisch. Größtenteils wird es sich dabei um Material handeln was im Rahmen von Erprobungen/Übungen von einem Orgbereich an einen anderen verliehen wurde. Beispielsweise Heer an AIN (WTD). Das Material ist meist auch noch irgendwo in der Bundeswehr, man weiß halt nur nicht mehr wo. Teilweise wird es wohl auch genutzt und der Nutzer weiß garnicht, dass es nicht auf die eigene Dienststelle verbucht wurde. Da gilt dann einfach: „Keine Ahnung wem das gehört. Das war schon immer hier.“

    Solche Sachen passieren halt wenn pragmatisch gehandelt wird.

  38. @ Woody

    Das sehe ich deutlich anders !

    Wenn ich Ihnen mein KFZ oder meine Waffe leihe mit dem ich urkundlich belastet bin, dann will ich dafür eine Entlastung auf meiner Materialausgabeliste haben. Die bekomme ich aber nur, wenn der Buchführer wiederum den Artikel umbucht. Nachdem der Chef einer nachweispflichtigen Einheit erstmal mit „allen“ Artikeln einer Einheit, eines Verbandes belastet ist, bis die Belastung des endgültigen Materialnutzers erfolgt ist, haben mindestens zwei Leute im eigenen Bereich ein erhebliches Eigeninteresse, dass ordentlich gebucht wird.

    Es tut mir leid, aber alles andere ist schlicht und einfach eine ziemliche Schlamperei und Vetternwirtschaft und auch aus dem Gleichheitsgrundsatz für die anderen Soldaten ist diese Schlamperei nicht zu entschuldigen. Wie wollen sie einem Mannschaftsdienstgrad als Vorgesetzter erklären, dass er für die verlorenen Handschuhe, Schraubenzieher usw. zahlen muss, wenn der Chef nicht mal in der Lage ist auf sein Großgerät ordentlich aufzupassen ?

  39. Also zu den 92 Mio: Bsp: Projektleiter für ein neues Fahrzeug lässt Funkgeräte durch den Hersteller ins Fahrzeug einrüsten. Diese Funkgeräte wurden aus den Bw-Beständen zur Industrie disponiert und aufs ehemalige BWB gebucht. Ein MatNachweis wie man ihn aus der Truppe kennt (mit IDT, TBÜ etc) gab es nicht (aus welchen Gründen auch immer)…ergo entstand im Laufe der Zeit ein mind 92Mio Berg. Fakt ist aber, dass dieses Funkgerät bei Auslieferung durch den Hersteller (über Dp) dem Bw-Kreislauf i.d.R. wieder zugeführt wird. Wenn nun der Projektleiter nicht dafür sorgt, dass sein „Projektkonto“ entlastet wird, dann haben wir doppelt gebuchtes Material!!! Und da der ProjLtr meist halt auch nur ein Technikus ist und kein Materialbewirtschafter ….
    Der o.a. Verlauf deckt die meisten Fälle ab. BAAINBw ist ja nun auch aufgefordert einen zentralen MatNachweis einzurichten.
    Mal am Rande: Jeder MatNachwFw hat bei §78BHO schon wegen Unterbeständen von unter 50Euro geschwitzt oder stramm gestanden.

  40. Der Grundgedanke von SASPF, HERKULES und wie sie alle heißen ist wahrscheinlich jeder für sich sehr gut. Leider blieb es auch dabei. Die „Grundgedanken“, die vom Bundesrechnungshof geäußert wurden (und immer wieder werden. Seit 20 Jahren… oder so…? Da war ich aber noch nicht mal auf der Welt) sind auch stets lobenswert. Aber auch hier bleibt es beim „Grundgedanken“ (behaupte ich in meinem jugendlichen Leichtsinn).
    Grundprobleme gibt es viele. Wie alle Großprojekte stellen sich die Faktoren (bzw. die Verbindungen zwischen den einzelnen), die über Erfolg bzw. Misserfolg entscheiden doch recht komplex („Ultrakomplex“?? =) ) dar. Wer soll das überblicken? Ggf. der „eine Architekt“. Das wäre meiner „Grundvorstellung“ nach auch der „eine Verantwortliche“. Um den zu finden braucht man irgendetwas… was ich aber noch nicht gefunden habe.

    Allgemein bleibt vielleicht zu sagen, dass man dieses „vom Einsatz her denken“ (um den Beitrag zu zitieren und wieder zum Thema zu kommen) als „kundenorientierten Ansatz“ sehen könnte. Für wen bzw. für was führt man also „IT-Verfahren“ ein? Für wen oder was gibt es eigentlich „Verwaltung“? Das wäre vielleicht eine Frage, die man zur Diskussion mal aufwerfen sollte. Und wenn man dann eine Antwort darauf hat, sollte man auch zusehen, dass dies als Ziel nachhaltig verfolgt wird (den SinN des Seins oder so etwas in der Art).
    Das ist in der deutschen Kultur des „wir wollen alles schön machen“ vielleicht etwas schwierig (der Andere, meist Neue/Nachfolger will es halt auch „schön“ bzw. „schöner machen“), aber es würde helfen. In Zeiten des „verwaltungssicheren Handelns“ (soll ja in der Bundeswehr recht beliebt sein. Kann das leider nicht wirklich 100%ig beurteilen) kann die Priorität gerne mal ein „Mü“ vom „vom Einsatz her denken-Ansatz“ abweichen.
    Aber dann verliert man vielleicht ein Gerät des Einsatzes aus den Augen, das dann wieder von anderen gesucht wird? (Annahme: es war ein Kleines) Und wenn es nicht gefunden wird, kommt das in den Topf der „vermissten Gelder-Meldungen“?
    Spätestens jetzt muss sich irgendwer, irgendwie (irgendwann… ach ne, jetzt ist ja nicht relativ. Hmmm… kommt drauf an) entscheiden.
    Entscheiden ist immer doof, weil man sich dann festgelegt hat und wieder irgendeiner der es schön(er) machen will mir sagt, was nicht so schön ist bzw. sein soll (wir blenden die Komplexität unterschiedlicher Wirklichkeitskonstrukte und die sich mit diesen ergebenden Definitionen der Wahrheit (sind es dann nicht mehrere?) an dieser Stelle einmal aus. Einfach der Einfachheit halber… ich will ja nicht dass man den Faden verliert).
    Da hilft dann meist nur eine grandiose Idee, die alle anderen Ideen, die bis Dato aufgekommen sind (besonders meine Idee) in den Schatten stellt. Man spricht dann vom „großen Wurf“ (ich nutze gerne Begrifflichkeiten, deren Bedeutung ich nicht wirklich kenne. Da kann man dann stundenlang drum rum diskutieren ohne Ergebnis. Es weiß ja jeder schöner… bzw. besser… oder auch nicht. Bis der Spielverderber in sein Smartphone guckt und die Antwort verrät) der alles richten soll. Aber da man ja nicht mit allen und jedem reden kann (haben wir ein Kommunikationsproblem? 80% aller Beziehungen scheitern doch auf Grund Kommunikationsprobleme, oder?) kommt wieder irgendeiner, der weiß warum man was jetzt aber nicht darf/kann/soll…
    bis keiner mehr weiß wofür man überhaupt über eine Idee nachgedacht hat, man über die fehlenden Entscheidungen flucht und sich fragt, was jetzt eigentlich das Ziel nochmals war. Das letztere war jetzt mein persönlicher Beitrag zum optimistischen Ansatz.

    Schlussendlich:
    Man sollte versuchen alles einfach zu halten. Kompliziert wird es von ganz alleine. Auch bei vereinzelten Projekten könnte es ggf. sein, dass man die Komplexität vereinfachen könnte, wenn man denn nur nicht gleich den „großen Wurf“ anstreben, sondern Schritt für Schritt vorgehen und sich dabei auf das Wesentliche konzentrieren würde.
    Wenn ich lese, dass „eingeplante Haushaltsmittel von mehr als 12 Mio. Euro für andere Teilprojekte ausgegeben“ wurden, dann frage ich mich ob mir jemand erklären kann was da nun schiefgelaufen ist. Aber vielleicht bin auch einfach zu naiv…. =)

    P.S.: Auch ich habe mich nicht auf das Wesentliche beim Verfassen dieser Nachricht konzentriert. Merkt man das? =)

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