RC N Watch: Opiumrekord in Sicht – und zwei neue Anbauprovinzen in Nordafghanistan

Der Mohnanbau in Afghanistan und damit die Opiumgewinnung steuert auf einen neuen Rekord zu. Im Vergleich zum Vorjahr sei der Anbau um 36 Prozent gestiegen, teilten das afghanische Antidrogenministerium und die UN-Organisation für Drogen und Kriminalität (UNODC) am (heutigen) Mittwoch in Kabul mit. Aus deutscher Sicht zusätzlich bedeutsam: Im Norden des Landes, im deutsch befehligten ISAF-Regionalkommando Nord, sind die beiden zwischenzeitlich als drogenfrei eingestuften Provinzen Balkh und Faryab wieder zum Anbaugebiet geworden:

Opium poppy cultivation in Afghanistan rose 36 per cent in 2013, a record high, according to the 2013 Afghanistan Opium Survey released today in Kabul by the Ministry of Counter Narcotics and UNODC. Meanwhile, opium production amounted to 5,500 tons, up by almost a half since 2012.
(…)
The area under cultivation rose to 209,000 ha from the previous year’s total of 154,000 ha, higher than the peak of 193,000 hectares reached in 2007. Also, two provinces, Balkh and Faryab, lost their poppy-free status, leaving 15 provinces poppy-free this year compared with 17 last year.

heißt es in der Mitteilung der UNODC. Gerade Balkh hatte als Vorzeigeprovinz gegolten.

Mehr zu dem Bericht beim Guardian. Die Zusammenfassung der Statistik der UN-Organisation hier.

(Foto: Afghan uniform police use sticks to eradicate a poppy field near the city of Qalat, Zabul province, Afghanistan, May 4, 2011 – Photo by 1st Lt. Brian Wagner via ISAFmedia auf Flickr unter CC-BY-Lizenz)

7 Gedanken zu „RC N Watch: Opiumrekord in Sicht – und zwei neue Anbauprovinzen in Nordafghanistan

  1. Da sieht man es mal wieder!
    Wir haben die afgh. Sicherheitskräfte zu schlecht ausgebildet und ihnen zu wenig Material und Geld gegeben sonst könnten sie die org. Kriminalität und damit den Drogenabau wirkungsvoller bekämpfen! ;)

  2. Den Drogenanbau hätte man nur durch echte Alternativen bekämpfen können, und die gab es kaum. Wenn dann noch Korruption und militante Gruppen dazu kommen, die vom Drogenhandel leben…

  3. Dazu eine naive Frage: Warum werden die Felder nicht einfach zerstört? So große Gebiete müssten aus der Luft doch einfach zu identifizieren und zu treffen sein.

  4. @ kommentator. was meinen sie, wie lange lassen sich die lokalen warlords, die lokalen bauern und die sonstigen profiteure in kabul eine thermische aberntung ihres kapitals bieten ?

    mal abgesheen von den ökologischen kosten einer solchen maßnahme, der frage was die denn da sonst machen sollen, usw usf

    mohn ist eine ausgesprochen arbeitsintensive veranstaltung, sobald es in afghanistan so etwas wie beschäftigung abseits des primären sektors gäbe, wäre das geschäftsmodell tot (siehe goldenes dreieck). solange man aber noch geschickte hände findet, die jede kapsel anritzen, ja solange …

  5. In Südamerika werden die Felder aus gepanzerten Sprühflugzeugen totgespritzt. Da muss niemand auf dem Boden ran. Und nach ein oder zwei gescheiterten Ernten würden sich die Bauern überlegen, ob sie wirklich noch ein drittes mal Opium anbauen sollten.
    Da wir demnächst unsere Soldaten aus der Fläche abgezogen haben werden, können wir uns eigentlich Ärger mit den Drogenbossen erlauben. Die werden kaum Camp Marmal angreifen.

    Aber ohne Wille, da kein Weg.

    Wir sind dann mal weg.

  6. @markus, d.Ä.: Was sollen korrupte Polizisten, korrupte Politiker und Bauern denn machen, wenn es ihnen nicht gefällt? Die können der NATO ja den Krieg erklären, wenn sie wollen. Die Schnittmenge zwischen organisierter Kriminalität und Taliban&co ist doch ohnehin sehr hoch, wahrscheinlich macht sich das nicht mal bemerkbar.
    Ich finde den Hinweise von K.B. gut. Wenn überhaupt müssen aber die USA mit sowas anfangen, im Süden sind schließlich bei Weitem die meisten Opiumfelder.

  7. in einem land mit ohnehin rarer anbaufläche, diese auch noch zu verseuchen würde zwar gewisse anreize setzen, aber wäre moralisch höchst fragwürdig und würde auch in 1. linie die treffen, die am wenigsten vom mohnanbau profitieren und oft nichtmal eine wahl haben.

    @ kommentator auf eine formale erklärung wird vermutlich verzichtet, aber dann hätte man wohl erfolgreiche ALLE sozialen gruppen in Afgh. gegen sich aufgebracht. mission accomplished.

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