Niederlande schicken Spezialkräfte und Kampfhubschrauber nach Mali

Die Niederlande haben beschlossen, sich an der UN-Mission in Mali (MINUSMA) zu beteiligen – unter anderem mit Spezialkräften und Apache-Kampfhubschraubern. Das Kabinett informierte am (heutigen) Freitag das Parlament und die Öffentlichkeit über die Pläne, die die Entsendung von insgesamt 380 Soldaten in das westafrikanische Land vorsehen.

Die Zusammensetzung der Truppe – 90 Soldaten der Spezialkräfte, vier Apaches – deutet schon darauf hin, dass es die Niederländer nicht bei logistischer Unterstützung für die anderen Truppen der UN-Mission belassen wollen. Zu den 380 Soldaten gehören auch 70 Spezialisten des militärischen Nachrichtenwesens und 30 Beamte für die UN-Polizei in Mali:

Mali_Niederlande_01nov2013

Das Risiko, sagt die niederländische Verteidigungsministerin, sei nicht mit Afghanistan zu vergleichen. (Wie die hier im Blog bekannte Kollegin Natalie Righton twittert.) Die Spezialkräfte sollen nach Angaben des niederländischen Kollegen Hans de Vreij vor allem als Fernspäher (Long Range Reconnaissance Patrol) eingesetzt werden.

Die Bundeswehr beteiligt sich an MINUSMA mit zwei Transall, die Lufttransport bereitstellen (nach dem Mandat auch Luftbetankung für französische Kampfjets, dieser Teil der Mission wurde allerdings bereits eingestellt). Außerdem sind die Deutschen mit einem Feldlazarett und Ausbildern an der EU-Trainingsmission in Mali beteiligt, die aber von der UN-Mission getrennt agiert.

Nachtrag: Ein Blick auf die Lage in Mali – in Gao im Norden, wo die Niederländer ihre Hubschrauber stationieren wollen: Violent protest in Mali’s Gao over talks to heal north

Nachtrag 2: Die Reuters-Meldung zu der Entscheidung in Den Haag mit mehr Details

(Foto: Ein senegalesischer Blauhelm der UN-Mission in Kidal in Nord-Mali – MINUSMA/Marco Dormino / Grafik: rijksoverheid.nl)

19 Kommentare zu „Niederlande schicken Spezialkräfte und Kampfhubschrauber nach Mali“

  • Hans   |   01. November 2013 - 17:16

    Da setzt jemand Schwerpunkte. (Wir auch, nur anderswo). Ich bin gespannt, was die NLD hier erreichen und wie sie die Lessons Learned zB aus AFG umsetzen. Vllt sind sie ja bald Anlehnungsnation bei der wir lernen können wie man Streitkräfte EFFEKTIV und zielgerichtet einsetzt…

  • Memoria   |   01. November 2013 - 17:47

    Und die sollen sich an uns anlehnen??
    Interessante Fähigkeiten. Großer Intel-Anteil, SpezKr, Polizisten.
    Das ist ein comprehensive approach…

    Bei uns würde schon die im BMVg zu Angstzuständen führen.
    Aber wir sind ja die Anlehnungsmacht…

  • politisch inkorrekt   |   01. November 2013 - 18:03

    Die einen leisten einen sichtbaren Beitrag. Die anderen einen effektiven.

    Nein im Ernst, das klingt nach einer wirkungsvollen guten Mischung. Darüber hinaus sieht man, dass die Niederlande die Lage in Mali weiter m Blick haben. Bei uns ist der Deckel drauf und da kommt keine Diskussion über eine Weiterentwicklung des Einsatzes auf. Mal sehen, was wir nach der Ausbildung der vier malischen Battlegroups machen.

    Momentan sind wir ja schon beim dritten Gefechtsverband.

    pi

  • wacaffe   |   01. November 2013 - 18:22

    chapeau an den nachbarn. die hiesige kleingeistigkeit schmerzt allerdings umso mehr

  • STRANZKI   |   01. November 2013 - 18:47

    Hat jemand eine Idee wie lange die Bw bräuchte ein ähnliches Kontingent zusammenzustellen?

  • Kutscher   |   01. November 2013 - 19:01

    Beteiligung mit DEU Hubschraubern jedenfalls nicht bevor diese aus Afghanistan abgezogen werden und auch klar ist, dass die Nachfolgemission keine DEU Hubschrauber bindet.
    Tiger und NH90 gehen noch vor CH53 zurück, werden dann aber auch erstmal mit Regeneration und Ausbildung beschäftigt sein.

  • Schrosch52   |   01. November 2013 - 19:27

    DEU Hubschrauber: Tiger? Die NL verfügen über AH-64. Die ALAT war mit HAP unterwegs – nicht ganz erfolglos wie man/frau hier lesen konnten. GE hätte in disem Segment bestenfalls einige Panzerabwehr(!)hubschrauber anzubieten. Da wird sich hoffentlich nicht schon wieder die Frage stellen, warum die Bw auf dem PAH-2 besteht.

  • xyz   |   01. November 2013 - 20:03

    Schrosch52: Ihr Tiger-Bashing wird auch langsam etwas öde.

  • TomTom   |   01. November 2013 - 20:19

    @xyz: Recht hat er trotzdem.

  • xyz   |   01. November 2013 - 20:51

    Vollkommen wurst, ob man in Mali mit ner 30mm MK oder ner FN HMP 400 und Raketen hinlangt.

  • califax   |   01. November 2013 - 21:29

    Die Frage ist eher, ob die Dinger dort dann auch flugtauglich wären. Ist ja nicht so, daß Hubschrauber völlig überraschungsfrei wären, wenn man sie für eine Region entwickelt und in einer anderen einsetzt.

  • Vtg-Amtmann   |   01. November 2013 - 22:22

    @xyz (Zitat): „Schrosch52: Ihr Tiger-Bashing wird auch langsam etwas öde.[…] Vollkommen wurst, ob man in Mali mit ner 30mm MK oder ner FN HMP 400 und Raketen hinlangt. (Zitaende)

    Schwehrlich werden Sie die Unterlegenheit und den Mangel an Effizienz der Waffensysteme des Bw UH-Tiger vs. des RNLAF AH-64D APACHE mit einem „vollkommen wurst“ wegdiskutieren können.

  • Flame   |   01. November 2013 - 22:23

    Bonsoir à tous!

    Hier mal eine interessante Doku (en français seulement) http://www.youtube.com/watch?v=r7Aa1wl5UWc

    Zeigt mir, die können dort mit Tiger HAP und Gazelle(HOT, 12, 7MM) fliegen und kämpfen, warum also nicht UHT und Bo 105 PAH auch ?

  • Vtg-Amtmann   |   01. November 2013 - 22:58

    @Flame: Ein interessanter Film, aber kein Argument gegen meinen Einwand und schon gar kein Argument pro UHT und Bo 105 PAH.

  • der_andere   |   02. November 2013 - 8:17

    @Flame & xyz
    Das ist aber nicht die Goldrandlösung und die Geräte sind nicht die weltweit besten und tollsten.
    Damit würde man sich ja blamieren

    Was mich bei den Niederländern aber wundert: Es werden keine ‚regulären‘ Kampftruppen, Sani’s, TBD,… für Absicherung bzw. ‚Force-Protection‘, Lagersicherung usw. erwähnt.
    Sind die bei den ‚Unterstützern‘ schon mit eingerechnet/eingegliedert, müssen das die Einheiten selbst machen oder verläßt man sich da auf die Gastgeber?

  • Geronimo   |   02. November 2013 - 9:13

    Die Situation in Mali ist immer noch gefährlich. Vor drei Wochen ein TIGER HAP getötet 10 Dschihadisten.

    Ein älteres Video, Mali – TIGER Vs RPG-team : http://youtu.be/2VOh6iT9m2U

    Die niederländische Kraft wird sehr beschäftigt sein.

  • Stefan H.   |   02. November 2013 - 9:13

    @der_andere

    NLD hat sich bereits seit längerem auf das Konzept Rahmennation eingestellt. In KDZ wurde an DEU angelehnt und jetzt halt in Mali an FRA.
    Es steht nirgend wo, dass die Anlehnungspartner als vermeintlich „kleine“ nicht Hochwertfähigkeiten einbringen können. Jedenfalls wäre dieser Output im Verhältnis zur Kontingentstärke ohne Anlehnung unmöglich. Man denke nur was man für Logistik/San/Unterbringung/Bewachung alleine braucht. Für mich ist das eine erfreuliche Entwicklung, wenn nicht jeder versucht alles im eigenen Saft zu kochen und eine Effizienzsteigerung ist es eh. Wenn man jetzt noch „Train as you Fight“ durchgängig hin bekommt, ist da viel erreicht worden.

  • Memoria   |   02. November 2013 - 12:44

    Oh je, schon wieder die Tiger-Diskussion. Gähn.
    Wichtiger als die Bordkanone am Hubschrauber ist doch der offensichtlich offensive Ansatz der Niederlande im Rahmen einer UN-Mission. Offenbar hat man in NL eine andere Lagebeurteilung zu Mali und AQMI als in Deutschland.
    Wobei ein solcher Kräfteansatz in DEU ja schon an den militärischen Planern scheitern würde:
    Zu offensiv, zu aggresiv.
    Das Problem fängt nämlich nicht im Parlament an, sondern in der Führerausbildung der Bundeswehr.

  • Memoria   |   02. November 2013 - 15:00

    Vielleicht für manche hier Interessant – ein Überblick über die aktuelle Lage bei bei UN-Missionen in Afrika. Dabei auch der niederländische Beitrag zu MINUSMA:
    http://www.lanouvellecentrafrique.org/africa-peacekeeping-missions-struggle-to-find-troops/

    Nach meinem Eindruck versucht man seitens der UN (DPKO) immer mehr „robuste“ Elemente vorzusehen. Erst im Kongo, jetzt in Mali.

    Sollten gerade wir im Hinterkopf haben, wenn TdM wieder davon redet, dass DEU mehr Verantwortung bei UN-Einsätzen übernehmen soll.

    Dann erwartet man vielleicht nicht nur nette Blauhelme und Lazarette.