106 Gedanken zu „Lebenszeichen: SeaLion

  1. Es ist eine Bankrotterklärung…

    Dass der AW101 nicht auf den EGV passt, würde mich verwundern. Immerhin sind die EGV ja SeaKing-tauglich, und der AW101 wurde so gebaut, dass er in dessen „Box“ reinpasst. Unabhängig davon bleibt nur die Frage mit der Masse.

    Und natürlich die Frage, ob die F-125 so gebaut werden, dass AW-101 (sowie CH-53, V-22?) auf ihr landen können. Sollten wir bspw. mal mit den Dänen zusammenspielen, könnte das ja nicht schaden.

  2. Zitat:“ Wenn nein, woran hakt es?“

    Juristisch und ökonomisch –> Verfügungsrechte. Pooling u. Sharing erzeugt eine Tragik der Allmende, da Verfügungsrechte (Rechte u. Pflichten) nicht klar definiert sind aber keiner vom Nutzen ausgeschlossen werden kann.

    Zitat:“Wenn ja, was muss dafür getan werden?“

    Wenn ja, dann nur in der Konsolidierung des europäischen Rüstungsmarktes – dafür haben wir die organisatorischen Werkzeuge um ein effizientes Ergebnis zu erzielen.

    Europäische Armee oder teilbefähigte nationale Armeen sind im jetzigen Europa wahrscheinlich ineffizient, da prohibitiv hohe Transaktionskosten bei der Entscheidungsfindung entstehen und Verfügungsrechte schwer zu definieren/quantifizieren sind.

    Zitat: „Wenn nein, wäre das ja geradezu die Bankrotterklärung für die Politik…“

    Nein, es ist keine Bankrotterklärung der Politik, sondern es sind einfach grundlegende (bekannte) organisatorische Probleme, die bei bestimmten Sachverhalten bestehen. Die angesprochenen Allmende waren z.B. (Obst)wiesen im Mittelalter, die von allen Einwohnern frei genutzt werden konnten. Da jeder Einwohner seinen persönlichen Nutzen durch die Allmende maximieren wollte, aber im Gegenzug sich nicht verpflichtet sah die Allmende zu bewirtschaften, sank der Nutzen. Übersetzt: Jeder will profitieren, aber keiner will bezahlen – in genau diese Richtung läuft auch die politische Diskussion bzgl. pooling u. sharing. Jede Partei hofft einen Nutzenzuwachs durch die andere Partei zu erfahren, ohne dafür den Preis bezahlen zu müssen welcher dem Nutzen entspricht.

    Schon diese einfache Einordnung zeigt, dass pooling u. sharing unter dem Gesichtspunkt der Effizienz (genau die wollen wir ja eigentlich steigern) eine Schnapsidee ist. Das Problem lässt sich nur durch klare Verfügungsrechte lösen, was uns dann wieder direkt zu den nationalen Armeen zurück bringt.

  3. @K.B.
    Er passt zum landen, laschen und wieder starten.
    Einschiffen ist ein anderes Thema.
    Ebenso für F125. Das Gewicht ist nicht das Problem fürs Landedeck.
    Auch auf Gefahr das ich hiermit wieder nerve, suche ich nachher mal meine älteren Beiträge zum Thema Einschiffung von Hubschraubern raus.

  4. @memoria: Mal halbwegs intelligent geantwortet, man vergleiche bitte http://img5.fotos-hochladen.net/uploads/aw101folded87nku5gltj.jpg. Die F123- und die F124-Klasse scheidet bereits für den NH90 NFH komplett aus.Bei der F125 Klasse sind anspruchsvollere Wartungsarbeiten im Hangar für den NH90 NFH schlichtweg unmöglich (z.B. Verzurrung, Lage des Bordkrans, Freiräume li & re der Maschine, Triebwerkswechsel, Rotorblattwechsel, etc.). Hinzukommt das Verzurrproblem auf dem Landedeck und in den Hangars, u.a. aufgrund des nach der Landung und vor dem Start erforderlichen Wechsels des Adapterbolzens für die Verfahranlage am Bugradfahrwerk des NH90. Für den MH92 sieht es aufgrund der hochklappbaren seitlichen Waffenträger in der Breite der Hangars etwas besser aus, in der Höhe wird es kritisch.

    @Jugendoffizier: Von den bislang produzierten 167 NH90 Typen (Stand Nov. 2013) existieren (ohne die beiden Sea Lion-Varianten) mittlerweile bereits 37 verschiedene Varianten mit ganz erheblichen Unterschieden und extrem varierenden Zulassungsstati. Ergibt also eine „Gleichheitsfaktor“ von jeweils ca. 4,5 Maschinen! Soweit zur von @Memoria dargelegten Quadratur des Kreises “hamonization of military requirements” und zu einer „Gemeinschaftsentwicklung im Sinne des § 100c GWB und der „Richtlinie 2009/81/EG“ (Es werden gemeinschaftliche „Grundlagenforschung und Grundlagenentwicklung“ gefordert, Anpassungs- und Optimierungsentwicklungen fallen nicht unter diese Normen. Gemäß Production-MoU war die Bundesrepublik am NH90 NFH kostenmäßig nicht beteiligt, denn es gab nie verbindliche Bestellungen für einen NH90 NFH des Typs 4).

    @NMWC: Dürfte spannend werden, wenn Sie Ihre Unterlagen zur Einschiffung gesichtet haben und die Ergebnisse hier bei AG einstellen.

    @KB: „Immerhin sind die EGV ja SeaKing-tauglich, und der AW101 wurde so gebaut, dass er in dessen “Box” reinpasst.“
    Der AW 101 basiert auf dem EH101. Dessen Produktdefinition stammt aus Juni 1981. Der Entwicklungsauftrag zum Bau von neun Prototypen wurde am 7.03.1984 unterschrieben. Am 9.10.1987 flog der 1te Prototyp, 1996 flog die erste Serienmaschine des Merlin HM Mk1.
    Dem steht gegenüber:
    – Um der Zielsetzung eines Bauvertrages für die F 125-Klasse im Jahre 2006 gerecht werden zu können, wurde von der ARGE F125 für diese Fregatten im ersten Halbjahr 2005 in einem sehr intensiven Entwurfsprozess eine Bauspezifikation erarbeitet.
    – Die Definition der Einsatzgruppenversorger der Klasse 702 (EGV) geht bis 1996 zurück.
    – in beiden Fällen flog also längst der EH/AW101!

  5. @K.B.
    Hat ein wenig gedauert, habe es aber doch gefunden. Einfach mal um nur nochmal ganz grundsätzlich mit der Thematik „Einschiffung Hubschrauber an Bord“ und was das prinzipiell bedeutet, zu nerven.

    @Vtg-Amtmann
    Ob es dadurch jetzt wirklich spannender wird, weiß ich nicht. Sehe die Dinge ja aus einer anderen Richtung. Sie haben ja ein paar Punkte auch schon gebracht, während ich noch auf der Suche war. ;))
    Ich wiederhole mich aber auch bei diesem Thema immer wieder gerne und bringe dann mal den alten Beitrag zur Betrachtung Plattform Schiff (Tippfehler etwas beseitigt..). ;)))
    […]
    Der Bordhubschrauber ist eine organische eingeschiffte Komponente eines Schiffes. An dem Wort eingeschifft erklären sich vielleicht jetzt schon einige Ihrer Fragen.
    Das Schiff ist mit den Ausrüstungssätzen (Einschiffungspaket) für diese Hubschrauber ausgerüstet. Der Platz ist beschränkt im Hangar und Abschnitt, somit kann ich also nur für einen Typ mitnehmen. Der Hangar ist mit seinen Sicherheits- und Wartungsbereichen sowie mit dem Deckenkran auf den Hubschraubertyp eingerichtet. Er ist dafür gezeichnet und entworfen. Ebenso das Hangartor und die Hubschrauberverfahranlage, die ich benötige, um den H/C sicher vom Landedeck in den Hangar zu verfahren. Deswegen ist auf Fregatten derzeit der Lynx das Maß der Dinge, denn als die Schiffe gebaut worden sind war dies der Referenzhubschrauber für die meisten europäischen NATO-Marinen. Bei EGV ist es der MK41 SeaKing.
    Das Landedeck lässt zunächst einmal eine Vielzahl H/C zu, solange das maximale Gewicht für die Deckkonstruktion nicht überschritten wird. Daher kann auch ein “Merlin” durchaus landen (um mal den größten hier zu nennen). Er kann aber nicht lange verweilen, da er nur gelascht werden kann sich aber nicht per Harpune im Grid verankern kann. Die Position des Landegrids ist der nächste kritische Punkt. Das Grid ist so positioniert, dass der H/C auf Position mit seiner Harpune bei schwerer See schnell Verbindung zum Schiff herstellen kann. Auch hier ist wieder Lynx für Fregatte die Referenz. Für den “Merlin” ist das Grid zu weit vorne, seine Rotorblätter würden die Sicherheitsbereiche überschreiten und sich im schlimmsten Falle in den Hangar arbeiten wollen. Und dann ist als weiteres Bestandteil des organischen Teils Personal des MFG mit dabei, die einen eigenen Abschnitt bilden und für Wartung und Pflege des eingeschifften H/C zuständig sind.
    Daher rede ich immer wieder von den Auswirkungen auf die Plattform Schiff. Derzeit wird nur F125 in der Lage sein, NH90 einzuschiffen. Schon für F124 sind Anpassungen notwendig. Hangartore, Hangar, Verfahranlage, Landegrid, Einschiffungspaket und Stauplätze, Deckenkran, Dokumentation (Handbücher, Zeichnungen, IETD usw…).
    Ebenso EGV. Da ist nicht der Platz das Problem. Trotzdem sind Verfahranlage, Einschiffungspaket und Stauplätze, Deckenkran, Dokumentation und noch andere Dinge davon betroffen.
    […]
    Und dann war da noch „vor ganz langer Zeit“ dieser Austausch:
    http://augengeradeaus.net/2013/06/die-endspurt-woche-alles-muss-durch/comment-page-1/#comment-69886

    Vielleicht wird es hieran nochmal deutlich, dass Helikopter auf einem Schiff „einfach nur“ zu landen oder als organische Komponente einzuschiffen, zwei komplett verschiedene Dinge sind. Den „Merlin“ auf EGV und F125 zu landen ist nicht das Thema. Prinzipiell sind die meisten Landedecks für die Gewichtsbelastung ausgelegt (die Daten für die Hubschrauber sind ja bekannt). Alles was dann nur ansatzweise in Richtung dauerhaftes Verweilen an Bord geht, ist eine komplett andere Angelegenheit. Und da dürfte der „Merlin“ auf EGV im „gefalteten“ Zustand möglicherweise passen (die Zeichnung mit den Abmessungen bei wikipedia zeigt es im Prinzip recht gut). Ob die vorgeschriebenen Arbeitsbereiche, Freiflächen = Sicherheitsbereiche, Deckenkran und sonstiges ausreichen, wage ich jetzt erst mal zu bezweifeln. Und die Verfahranlage könnte auch Probleme bereiten (siehe Hinweis von @Vtg-Amtmann). Vom Einschiffungspaket ganz zu schweigen.
    EGV ist nunmal seinerzeit für MK41 ausgelegt worden, da dies der dafür vorgesehene H/C gewesen ist.

    Auf einem JSS sähe die Situation, wie gestern berichtigt, anders aus. Das wäre möglicherweise eine Neukonstruktion und die notwendigen Teilkomponenten wären dann einfacher zu berücksichtigen und zu integrieren. (…oder auch Nutzung und Anpassung eines verfügbaren Designs, ich mach jetzt bewusst nicht das Fass mit dem NLD JSS auf…aber auch da wäre es nicht die wirkliche Herausforderung. Dort ist Platz.)

  6. @Vtg-Amtmann:
    Ähm? F123 und F124 waren nicht mein Thema.
    Bei der F125 wurde 2009 (!) für 70 Mio. € eine Anpassentwicklung des Hangars vorgenommen (ausgelegt auf NH90). Aber ist auch nicht mein Punkt, sondern ihre Behauptung zum JSS.
    Aber dazu hat NMWC ja bereits alles notwenige gesagt.

  7. Mal wieder ganz „blöd“ gefragt:
    Wenn für einen Sea Lion sowieso aufwendige Umbauten an den Fregatten notwendig sind, dann können diese ja schwerlich einen Hubschraubertyp komplett ausschließen oder?
    Ergo wäre ein Alternativprodukt durchaus denkbar, wenn Umbauten das einzige Argument sind?

  8. @NMWC, zwei Fragen:

    Wie hoch würden Sie denn die Kosten für die 40 Sea Lion (Basis EGV + F125 + JSS) für deren Anpassung und Optimierung samt zusätzlicher Ausrüstung einschätzen, bis diese als Bordhubschrauber im Sinne einer realisierbaren Einschiffung FOC und zulassungsfähig sind?

    Wie hoch würden Sie die (Overhead-) Kosten für eine Anpassug und Optimierung der Schiffe (EGV + F125) einschätzen – dies unter Einbezug der erhöhten Personalkosten des Hubschrauberkaders aufgrund der extremen Wartungsintensität der Sea Lion (EGV + F125 + JSS) bis eine Einschiffung der Sealion realistisch und realisierbar ist?

    N.B. Das ganze langt „Pi mal Daumen“, auf ein paar Mio. € hin oder her je Bordhubschrauber und Schiffstyp kommt es sicherlich im ersten Ansatz nicht mehr an. Im Übrigen müßte es doch bei der seinerzeitigen Marinhubschrauberausschreibung (2010/2011) zu Analysen des Wirkverbundes „Hubschrauber – Schiff“ gekommen sein?

  9. @NMWC: Vielen Dank für Ihren guten Beitrag!

    Nur noch eine kurze Frage: Hat der SeaKing eigentlich eine Harpune? Über Google habe ich auf Anhieb nichts gefunden.

  10. @J.R – okay, jetzt haben Sie mich erwischt ;-)
    Wobei nicht ganz – ich bin jetzt Opfer meiner eigenen plakativen Darstellung geworden.

    Gehen wir die Sache grundsätzlich an:
    Privates Gut: Konkurrenz in der Nutzung, Ausschluss möglich.
    Allmende Gut (oder unreines öffentliches Gut): Konkurrenz in der Nutzung, kein Ausschluss möglich
    Öffentliches Gut: Keine Konkurrenz in der Nutzung, kein Ausschluss möglich

    Das öffentliche Gut Verteidigung: Zwischen Staat (Anbieter)und Bürgern (Konsument)

    In der Literatur wird Verteidigung stets als Beispiel für ein reines öffentliches Gut dargestellt, da wir niemanden von der Nutzung ausschließen können (selbst der überzeugteste Pazifist wird mit verteidigt) und niemand konkurriert um die Nutzung – schließlich kann man mit Verteidigung kein Geld verdienen ( PMC`s lassen wir mal außen vor) und deshalb wird dieses Gut auf einem Markt nicht bereit gestellt. Da wir Verteidigung jedoch benötigen um die Wohlfahrt zu erhalten, stellt der Staat dieses Gut aus Steuermitteln zur Verfügung. Dabei haben wir bei öffentlichen Gütern ein großes Problem den richtigen Preis zu finden. Auf einem normalen Markt wird das Angebot durch die Nachfrage bestimmt – diese Interaktion findet selbständig den richtigen Preis. Bei einem öffentlichen Gut müssten wir herausfinden, was jeder Bürger theoretisch bereit wäre für Verteidigung zu bezahlen. Da aber enorm hohe Kosten bei der Ermittlung der individuellen Zahlungsbereitschaft entstehen würden, legt die Bundesregierung einfach jedes Jahr einen Preis für Verteidigung im EP14 fest, von dem sie glauben dass er der Zahlungsbereitschaft der Bürger entspricht. Da man es hier niemanden recht machen kann (wie man auf augengeradeaus.net stets beobachten kann) ist der Preis für ein öffentliches Gut stets auch ein strittiges Thema.

    Das Allmende Gut Verteidigung bei pooling & sharing: Kollektiver Staatenbund als Anbieter und Konsument

    Nun erweitern wir diese Ansicht um pooling & sharing zwischen Nationalstaaten. Um das Gut Verteidigung herrscht zwischen den Staaten Konkurrenz in der Nutzung und ein späterer Ausschluss dürfte schwierig zu bewerkstelligen sein (wie wir momentan auch an der Eurokrise und der Diskussion um den Ausschluss Griechenlands sehen können). Durch die Nichtausschließbarkeit entsteht das Problem, dass jeder Staat das Gut Verteidigung nutzen kann und die Kosten der Nutzung auf die Gemeinschaft übertragen werden können. Dadurch entsteht ein Trittbrettfahrerverhalten, bei dem jeder Staat versucht den individuellen Nutzen zu Lasten der anderen Parteien zu maximieren.

    Nun könnte man vorschlagen, dass man Regeln dafür einführt wer wie, wann und in welchem Ausmaß das Gut nutzen darf und welchen Preis die Partei dafür zu bezahlen hat (Im Prinzip sind Genossenschaften genau diese Organisationsform). Das hört sich erst mal recht einfach an. In der praktischen Umsetzung ist es fast unmöglich diese Regeln hinreichend präzise zu formulieren und entsprechend durchzusetzen (Auch hier haben wir in der EU ein großes Problem, verbindliche Regeln wirklich durchzusetzen.) ohne dabei eine Partei zu bevorteilen oder schlechter zu stellen. Wir haben also keinen pareto-optimalen Zustand und somit eine ineffiziente Lösung.

    Beispiel 1: Frankreich interveniert in Afrika mit deutschen Fallschirmjägern. Welchen Preis müsste Frankreich für die Nutzung bezahlen? Bei der Bezahlung, der Ausrüstung fällt es noch einfach einen Preis festzusetzen. Wird jedoch ein deutscher Soldat verwundet, wird es plötzlich unglaublich kompliziert. Bezahlt Frankreich die Kosten der Rehabilitation nach deutschem Standard? Bezahlt Frankreich die langfristigen Verdienstausfälle welche der deutschen Volkswirtschaft und dem Soldaten zukünftig entgehen, da der versehrte Soldat nichts mehr produktiv leisten kann?

    Um es jetzt sehr kaltherzig zu sagen: In einer solchen Gemeinschaft wäre es die individuell dominante Strategie, stets die Soldaten der anderen Partei zu nutzen um die Folgekosten dieser Partei auf das Auge zu drücken.

    Beispiel 2: Welches Recht hat Frankreich deutsche Fallschirmjäger in Frankreich einzusetzen? Kann es das Gut Verteidigung nach eigenem Duktus nutzen oder installieren wir eine kollektive Entscheidung? Letztere erzeugt zusätzliche Kosten bei der Entscheidungsfindung und verringert somit die Effizienz. Gerade beim Thema Verteidigung in Europa dürfte eigentlich relativ schnell klar sein, dass es fast nicht möglich ist eine einstimmige Entscheidung zu erreichen. Damit kann das Gut Verteidigung nicht genutzt werden und die investierten Ressourcen wären komplett verschwendet. Wir hätten es also mit prohibitiv hohen Kosten der Entscheidungsfindung zu tun, die ein solches Konstrukt komplett in Frage stellen.

    Fazit: Auch in dem Fall dass wir Regeln für die Nutzung des kollektiven Gutes definieren, bleibt die inhärente Problematik bestehen bzw. wir haben es sogar mit zusätzlichen Problemen zu tun wie den Kosten der kollektiven Entscheidungsfindung.
    Wirklich lösen lässt sich dieses Problem nur durch absolut eindeutige Verfügungsrechte zwischen den Staaten. Dann hätten wir aber genau die nationalen Armeen, die wir jetzt schon haben oder den europäischen Superstaat, der von den Bürgern getragen wird. Hier muss der Staat für alle Kosten der Verteidigung direkt (Verteidigungsausgaben) oder indirekt (z.B. Kosten im Gesundheitswesen, Wohlfahrtsverluste etc…) aufkommen. Hat aber auf der anderen Seite das vollständige Recht, von diesem Gut Gebrauch zu machen. Kosten der Entscheidungsfindung beschränken sich auf den nationalen Entscheidungsprozess.

    P.S.
    Wer die Effizienz der europäischen Verteidigung erhöhen möchte, sollte bei den privaten Rüstungsgütern anfangen, da sich hier durch Skaleneffekte und marktwirtschaftliche Strukturen wesentlich einfacher und besser Effizienzgewinne realisieren lassen. Diese Chance wurde bei NH90 vertan (um auf das Thema zurück zu kommen) weil zahlreiche Akteure eine nicht marktgerechte Produktion stimulierten und sich durch die Inhomogenität des Gutes NH90 keine positiven Skaleneffekte realisieren lassen.

    –> Wer im Kleinen schon scheitert, sollte sich nicht im Großen versuchen.

  11. Zitat:“Wir haben also keinen pareto-optimalen Zustand und somit eine ineffiziente Lösung. “ – bitte gedanklich streichen ;-)

  12. Mit dem Inspekteurbrief zur Beschaffung des neuen Marinehubschraubers „Sea Lion“ (http://www.marine.de/portal/a/marine/!ut/p/c4/NYq7CsJAEEX_aGZDENHOGFBbmzy6MRnC4D7CMDGNH-9u4T1wmnNxxEykjyxkkiJ57HGY5PzaIZACvW1j7xm78psZphTZio2jSfaiZElhTWq-lE01F5AZB1e1jTu6_6rv6drdb-OhrttH88Q1hMsP3fhzBw!!/) ist bereits fast alles „zwischen den Zeilen“ gesagt.

    „[…] Durch die Reduzierung der Stückzahlen bei den bereits bestellten Hubschraubern NH90 und UH „Tiger“ wird die von uns seit langem geforderte Beschaffung eines Ersatzes für den MK41 „Sea King“ auch in Zeiten knapper Finanzmittel möglich. […]
    ln einem neuen Ansatz wird mit der Anpassung [!!!] der Verträge mit Eurocopter der Erhalt des Fähigkeitsportfolios unserer Marinehubschrauber nun in zwei [!!!] Schritten angestrebt. Mit dem „Sea Lion“ wird uns in einem ersten Schritt ein multifunktionaler und zukunftsfähiger Hubschrauber zur Verfügung gestellt, der die Aufgaben des MK41 „Sea King“ (Transport, Boarding und Seeraumüberwachung als Bordhubschrauber des Einsatzgruppenversorgers, Search and Rescue) übernimmt. […]
    Die Spezifika [!!!] dafür sind noch zu definieren und zu verhandeln. […]
    Weiterführende Fähigkeitsforderungen zur Überwasser-/Unterwasserseekriegführung aus der Luft werden im zweiten Schritt [!!!] zu einem späteren Zeitpunkt im Zusammenhang mit einer Nachfolgeplanung für den Bordhubschrauber „Sea Lynx“ MK88A aufgegriffen. Mit dem kürzlich eingerichteten INTEGRIERTEN PROJEKT TEAM NTH/NGEN1 hat die Phase der Planungsumsetzung begonnen.[!!!]
    […] Ziel ist die Einführung des Waffensystems NH90 „Sea Lion“ ab 2017. Die fristgerechte Auslieferung einsatztauglicher achtzehn Hubschrauber in den darauffolgenden Jahren hat für die Marine höchste Priorität.“

    Im Klartext: Vizeadmiral Schimpf hat sich sehr diplomatisch ausgedrückt. D.h.: Bis dato ist der NH90 für kein einziges der Missionsprofile des Sea King – d.h. Transport, Boarding und Seeraumüberwachung sowie Search and Rescue – als zukünftiger Bordhubschrauber der EGV auch nur näherungsweise zulassungsfähig und einsatztauglich. Bis es also soweit ist, kostet das in Anbetracht des MoU und dessen eher kurioser Ausrüstungsliste für einen Bordhubschrauber sowie der noch unerfüllten Zulassungskriterien kräftig extra. Die weiteren 22 optionierten Sea Lion für die Fregatten bzw. die ASW- und USW-Jagd dürften wohl damit preislich ins Astronomische steigen.

    TdM bezeichnet zwar das MoU als „durchweg positiv“ und „gut verhandelt“, allerdings sank das um 45 HS reduzierte Gesamtpaket nur um 224 Millionen bzw. 2,7 Prozent. Über die horrenden Erhöhungen der Stückpreise hüllt sich das BMVg in Schweigen.

    Der Bundesrechnungshof erachte selbst diesen Einspareffekt als „unsicher“. Es sei aus den vorgeliegenden Unterlagen „nicht erklärlich, dass sich die Stückzahlreduzierung von 45 Hubschraubern nicht stärker mindernd“ auf den Gesamtpreis auswirke. Die Stückpreise seien nun „unverhältnismäßig hoch“ rügte der BRH. Auch mußte StS SB vor dem VA auf Vorhalt einräumen, daß 89 Mio. € Regressforderungen an Eurocopter mit dem MoU fallen gelassen wurden. Dahinter steckt, daß ECD nicht vertragsgerecht liefern kann. Eigentlich war ECD verpflichtet, bis Ende 2012 insgesamt 172 UH Tiger und NH 90 im Status FOC zu liefern. Geliefert wurden aber nur 60 HS, davon 42 als Vorserienmodelle.

    Fazit des BRH soll sein: „Der Bund erspare dem Auftragnehmer das Herstellen des vertraglich geschuldeten Standards und verzichtet zudem auf die damit verbundenen Vertragsstrafen“. Weiterhin sei der BRH der Auffassung, „daß die Bevorzugung eines Bieters ohne hinreichenden Grund verboten ist“. Demnach sei es zweifelhaft“, ob bei dem geplanten Hubschrauberauftrag die Gebote der Gleichbehandlung und Chancengleichheit „hinreichend beachtet“ würden. Vor einer endgültigen Vergabe an die EADS-Tochter sollen die Prüfer des BRH gefordet haben, daß „das Bundesverteidigungsministerium Lösungen findet, die vergaberechtlich unbedenklich sind und größtmöglichen Wettbewerb schaffen“.

    Daß Eurocopter hervorragend bei Festschreibung des MoU verhandelt hat bzw. welche „Bauernfängerei“ das BMVg dann gegenüber dem Parlament inzenierte, ergibt sich aus folgender Excel-Tabelle (http://img5.fotos-hochladen.net/uploads/hcmoukosteneazyk738cg.jpg). Und rechnen kann der BRH auch, nicht nur kraft seines Namens!

  13. @K.B.: „@NMWC: Vielen Dank für Ihren guten Beitrag!“

    @NMWC: Diesem Dank kann man sich nur anschließen. Hätte ich fast vergessen.

  14. @NMWC | 26. November 2013 – 9:37
    Super erklärt – Danke
    @Vtg-Amtmann | 26. November 2013 – 21:12
    Am Besten ist der letzte Link – auch herzlichen Dank

  15. @Werner, @ all: Vorausplanender Zufall?
    Mal unter dem Aspekt „vorher 122 NH90, nachher 122 NH90, nur etwas teurer“, gemäß meinem letzten Link:

    „On Friday, January 16, 2009, an european community trademark registration was filed for SEA LION by EUROCOPTER SAS, Aéroport International Marseille Provence, Marignane Cedex FR 13725. The OHIM has given the trademark application number. The current status of this trademark filing is CTM registered. The correspondent listed for SEA LION is GRÜNIG Y BINIMELIS ASOCIADOS G.B.A. of La Rambla dels Ducs de Palma, 5-2-2, Palma de Mallorca, ES 07003.“ (Vgl. http://www.trademarkia.com/CTM/SEA-LION-691149_en-US.htm)

    Da verstehe ich gar nicht, daß in das zunächst vom BMVg als VS-NfD eingestufte MoU vom 15.03.2013 – wie für die Parlamentarier in der VS-Auslagestelle des Bundestages zunächst aufliegend und damit nicht Bestandteil der 25 Mio. € BMF-Vorlage – sich die für einen Marinehubschrauber „sehr unglückliche“ Bezeichnung „Sea Angel“ einschleichen konnte? Sicherlich auch ein Zufall, daß erst nach dem „Durchwinken“ des MoU durch den Haushaltsausschuss das bereits am 29.07.2009 auf Eurocopter eingetragene Warenzeichen „Sea Lion“ auftaucht?

    Über die GRÜNIG Y BINIMELIS ASOCIADOS G.B.A. sind auch 72 weitere Trademarks auf die Eurocopter SAS registriert, u.a. alle ECF- und ECD-Lfz-Typen, als auch „NHI samt Logo“, NH90 sowie „MI 38“. Sind letztere etwa reine EC-Produkte? (vgl. http://www.trademarkia.com/rss-company.aspx?id=415600)!

  16. Ich verstehe gerade den Hinweis mit den Handelsmarken und den Zusammenhang mit den Preisen nicht.
    Wer erklärt mir das?

  17. @jugendoffizier: ECD hat sich offenbar sehr gründlich und wie man an den extremen Preissteigerungen ersehen kann, auch sehr erfolgreich auf die seit Jahren absehbare Stückzahlreduktion der HS-Kontingente der Bw vorbereitet. Das Ganze mußte „nur noch“ dem BMVg verkauft, in dem seit 2012 verhandelten MoU vom 15.03.2013 festgeschrieben, dann vom BMVg wiederum dem Verteidigungsausschuss und dem Haushaltsausschuß untergejubelt und von Letzterem im Alleingang mit Mehrheit durch die Regierungsfraktionen durchgewunken werden. Ansonsten hätte man am Abend des 26.06.2013 gleich die Köpfe von TdM und SB auf einem Silbertablett auf das Rednerpult des Bundestages stellen und sich die spätabendliche Debatte zum EuroHawk ersparen können.

    In diesem Procedere der milliardenschweren Bauernfängerei – wie mit der Exceltabelle zu den „Einsparungen“ aufgezeigt steckt also System, wenn man die Inhalte der BMVg-Anlage zur 25 Mio. € BMF-Vorlage mit den teils verschwiegenen bzw. durch dessen VS-Vertraulich-Einstufung im Zugang erschwerten Inhalten des rechtverbindlichen MoU vergleicht. Unter dem Strich kommen bei dem MoU nicht 224 Mio. € „Einsparungen“ heraus, sondern aktuell bereits 894 Mio. € an Mehrausgaben, welche sicher bereits mit den ersten 18 „Sea Lion“ die 915 Mio. € und damit die Milliardengrenze deutlich überschreiten werden. Der Saldo des Hubschrauber MoU beträgt aktuell bereits 9.215.333.333,00 €!

    Derart mußte auch vom Bundesrechnungshof dessen Bericht bzw. Kritik am VS-Vertraulich eingestuften MoU (vgl. http://augengeradeaus.net/2013/11/lebenszeichen-sealion/#comment-82642, dort die letzten 3 Absätze) ebenfalls als VS-Vertraulich eingestuft werden.

    Nur ganz wenigen der Abgeordneten (41 Mitglieder) des „durchwinkenden“ Haushalts- ausschußes dürften damit die wahren Fakten und Hintergründe bekannt gewesen sein, im Gegensatz zum zuvor befaßten Verteidigungsausschuß (34 Mitglieder), der ja mit Mehrheit noch am 26.06.2008 die Notbremse gezogen hat. Leider war dies und auch der Brief der Vorsitzenden des Verteidigungsausschusses Susanne Kastner (SPD) – diese fasste die Ergebnisse der Ausschussberatungen in einem Brief an den federführenden Haus- haltsausschuss zusammen und verlangte die Einbeziehung des Verteidigungs- ausschusses in die weiteren Entscheidungsprozesse – erfolglos.

    Der Zweck der Übung bzw. der Überrumpelung des Bundestages war damit am 26.06.2013 gegen ca. 19:00 Uhr – mitten im EuroHawk-Tohowabahu und kurz vor der abendlichen sowie sehr hitzigen Bundestagsdebatte zum EuroHawk – in welcher TdM und StS SB im Mittelpunkt der Kritik standen – erreicht!

    Am Montag, den 12.08.2013 soll dann vom BMVg das MoU auf VS-nfD zurückgestuft worden sein. Ohnehin kursierte dieses MoU massenhaft und offen als Kopien in den Bereichen der darauf stolzen Industrie herum. Derart wurde auch bekannt, daß gemäß des von StS-AIN Stèphane Beemelmans und von Dr. Lutz Bertling (CEO EC S.A.S.) unterzeichneten MoU die neuen Marinenhubschrauber „Sea Angel“ benannt werden. Ferner, daß dessen zusammengestrichene Ausrüstungsliste (letztes Blatt des MoU) tatsächlich einer „Nackt- bzw. Ruderschnecke“ entspricht und derart die ersten 18 neuen Marinehubschrauber NH90 NTH weder anforderungsgerecht noch zulassungsfähig sein können!

    Am folgenden Sonntag, den 20.08.2013 äußerte sich dann anläßlich der Feierlichkeiten „100 Jahre deutsche Marineflieger“ in Nordholz das erste Mal der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Axel Schimpf zur neuen „Zwei-Rollen-Lösung“ namens „Sea Lion“

    Zwischenzeitlich tagte vom Di 23.07.20013 bis Do 25.07.2013 das „INTEGRIERTE PROJEKT-TEAM [IPT] NTH/NGEN1“ bei ECD in Donauwörth und am Mi 24.07.2013 war auch Vizeadmiral Axel Schimpf dort anwesend.

    Um mit dessen Worten aus dem „Inspekteurbrief zur Beschaffung des neuen Marinehubschraubers ’Sea Lion’“ vom 25.10.2013 ex-post zu sprechen, das IPT bekam den Auftrag, Lösungen zu erarbeiten, daß „mit dem „Sea Lion“ […] in einem ersten Schritt ein multifunktionaler und zukunftsfähiger Hubschrauber zur Verfügung gestellt [wird], der die Aufgaben des MK41 „Sea King“ (Transport, Boarding und Seeraumüberwachung als Bordhubschrauber des Einsatzgruppenversorgers, Search and Rescue) übernimmt. […] Die Spezifika dafür sind noch zu definieren und zu verhandeln. […]“ (Zitatende, vgl. http://www.marine.de/portal/a/marine/!ut/p/c4/NYq7CsJAEEX_aGZDENHOGFBbmzy6MRnC4D7CMDGNH-9u4T1wmnNxxEykjyxkkiJ57HGY5PzaIZACvW1j7xm78psZphTZio2jSfaiZElhTWq-lE01F5AZB1e1jTu6_6rv6drdb-OhrttH88Q1hMsP3fhzBw!!/)

    Damit „hat die Phase der Planungsumsetzung begonnen.“ Sprich die im MoU festgeschriebene Ausrüstungsliste des „Sea Angel“ konnte man schon seit der aufgehobenen Marinehubschrauber-Ausschreibung in 2010 / 2011 in die Tonne treten (was ECD längst bestens bekannt war). Bereits in dieser ersten Sitzung des IPT in Donauwörth sollen ca. 130 Nach-, Umrüstungs- und Zulassungsprobleme eines Hubschraubers (benannt mit dem NAHEMA Variant Code ’T1 – N1 FRC – N4 2013’, also weder „Sea-Angel“, noch „Sea Lion“) als (wiederum O-Ton A. Schimpf) “Spezifika definiert und verhandelt“ worden sein.

    Kurzum, der im MoU festgeschriebene „Sea Angel“ kommt mit seinem Up-Grade zum bereits seit 29.07.2009 auf Eurocopter als Warenzeichen eingetragenen „Sea Lion“ dem BMVg und damit uns allen in den ersten 18 Exemplaren nochmals deutlich teuerer als 915 Mio. € und wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit und wie von NH90 und UH-Tiger bestes bekannt, eine weitere 25 Mio. € BMF-Vorlage erfordern.

    Und was die weiteren 22 optionierten Marinehubschrauber anbetrifft, wird der teure „Sea Lion“ dann nochmals teurer! „Weiterführende Fähigkeitsforderungen zur Überwasser-/ Unterwasserseekriegführung aus der Luft werden im zweiten Schritt zu einem späteren Zeitpunkt im Zusammenhang mit einer Nachfolgeplanung für den Bordhubschrauber „Sea Lynx“ MK88A aufgegriffen“ (nochmals O-Ton A. Schimpf).

    Irgendwie ist doch da in den Gesamtzusammenhängen ein ziemliches „Geschmäckle“ dran. Oder etwa nicht?

    Natürlich war die „trübe Huschrauber-Brühe“ von den Vorgängern von TdM und SB längst eingebrockt, aber diese beiden zeichnet in einer Vielzahl von Beschaffungsvorhaben m.M.n. aus, daß es noch nie einen Minster und einen StS-AIN gab, die in so offenbar blinder „EADS- / AIRBUS-hörig“ die Industrie auf unserer aller Kosten und ohne Rücksicht auf Verluste mit den Brocken weiter füttern! Das wäre fast eine nächste Excel-Tabelle wert, nämlich mit den seit März 2011 von TdM und SB b.a.w. eingefahrenen horrenden Verlusten.

  18. @vtg-amtmann
    Herzlichen Dank für die Erläuterung. Die Kostensteigerung habe ich verstanden. Die Markenrechtseintragungen noch nicht ganz. Es scheint mir so, als ob EC einfach mal potentielle Namen frühzeitig reserviert hat.

    Die eigentliche Frage ist, ob sich die Medien und die Opposition diesen Sachverhalt für die erste Ausschuss-Sitzung des Verteidiungsausschusses / Haushaltsausschusses aufheben oder ob das Thema einfach untergehen wird???

    Offen gesagt erscheint es mir hier so, als ob man sehenden Auges in eine Kostenfalle gelaufen ist. WAS könnte dafür der Grund sein?

    a) Sicherung von Arbeitsplätzen in Bayern auf Kosten des Steuerzahlers mit Rückendeckung durch die CDU/CSU?
    b)oder einfach nur verdammt gutes Lobbying von EC???

    Irgendeinen Grund für diese Absurdität muss es doch geben. TdM und SB sind ja nicht blöd, da solch ein Fall durchaus dazu geeignet erscheint, den Druck im Kessel beachtlich steigen zu lassen.

  19. @Jugendoffizier: Wenn man die Eintragungen der jeweiligen Warenzeichen (insgesamt 72 verschiedene) durchgeht und es sich um solche konkreter Hubschrauberprojekte handelt, erfolgten diese stets in einer sehr frühen Phase der Projektarbeit (sofern nicht von MBB und/oder Aerospatial übernommen). Natürlich könnte EC mit der Eintragung des Warenzeichens „Sea Lion“ in Mitte 2009 auch schon an einen „potentiellen Namen“ für eine spätere zivile Vermarktung des NH90 NFH NGEN gedacht haben. Aber ich glaube EC hat die nächsten 10 – 15 Jahre genügend damit zu tun, seine militärischen Kunden mit NH90 fristen- und qualitätsgerecht zu beliefern.

    In der Tat scheint das BMVg sehenden Auges in eine Kostenfalle gelaufen zu sein und das wird sicherlich nicht im Verteidigungsausschuß, im Rechnungsprüfungsausschuss, beim Bundesrechnungshof und in den Medien untergehen.

    Die Sicherung von Arbeitsplätzen in Bayern, als auch ein verdammt gutes Lobbying könnten beide einen Grund darstellen. Bezieht man die aktuellen Nutzwerte und Wachstumspotentiale des Sea Lion von derzeit gleich „Null“ (gemessen an den Ergebnissen der aufgehobenen Marinehubschrauberausschreibung aus 2010 / 2011 sowie am aktuellen Zulassungs- und Entwicklungsstatus des NH90 SEA LION) für die Marine sowie die ganz erheblichen Kostenrisiken mit ein, dürfte dem MoU in der Tat auch ein verdammt gutes EC-Lobbying zu Grunde liegen.

    Was Arbeitsplätze und Wertschöpfungsprozesse anbetrifft, so liegt man beim NH90 NFH bzw. MH90 NGEN laut BMVg bei 97% innerhalb Europas bzw. NHIndustries. Sprich es liegt ein „Schwund“ von 3% vor, welcher nicht auf die Produktions-Gesellschafter und deren Produktionsanteile der NHI S.A.S. entfällt. Aktien- und Produktionsanteile bei NHI sind: EC S.A.S. = 62,5 %, davon ECD = 31,25 %, AW = 32 % und Storck-Fokker = 5,5 %. Höhere nationale Wertschöpfungsprozesse sind also unter den Aktionären zu kompensieren.

    National können damit auf Deutschland bzw. auf Donauwörth nur 31,25 % an Wertschöpfung entfallen, welche sich bei einem anteiligen Schwund (3 von 100) auf 30,3 % reduziert.

    Ein nationaler Lizenzbau – z.B. des Sikorsky MH 92 durch das GMRTH-Konsortium (Rheinmetall, RUAG, MTU & ZF) liegt jedoch wie vom BMVg selber ermittelt, bereits in der Investitionsphase bei deutlich über 40% nationaler Wertschöpfung. Auch wäre derart eine regionale Bevorzugung ausgeschlossen. Hinzukommt bei dieser „Life-Cycle-Cost-Betrachtung“, daß man bei einem German-Multi-Role-Marine-Transport-Helicopter zwar nur 30 Maschinen, statt 40 Maschinen benötigen würde. Für das BMVg bzw. den EP 14 wäre dies durchaus opportun und förderlich. Was die Deutsche Luftfahrtbranche anbetrifft gilt Gleiches, denn in der Betriebsphase ist bei einem Lizenzbau der nationale Wertschöpfungsprozess bei ca. 60%, weil die gesamt Bereitstellung, Wartung und Instandhaltung aller Systemkomponenten durch deutsche Unternehmen erfolgt.

    Ihre abschließende Frage möchte ich nur teilweise beantworten. Der Druck in dem seit Jahren angeheizten Kessel dürfte m.M.n. in der Tat beachtlich steigen. Allerdings wenn dieser Kessel denn platzt, dann fliegt er dem jeweils amtierenden Minister und dessen Gefolge um die Ohren! Vielleicht haben das TdM und SB längst – oder auch erst demnächst – verstanden?

  20. Vielleicht sollte ich doch in die Verteidigungsindustrie wechseln… dort scheint es eine Reihe von gut dotierten Kommunikationsposten zu geben… :-)

  21. So gut sind die Posten in der Projektarbeit auch wieder nicht dotiert und es sind auch noch relativ viele mittelständische Unternehmen (LTBs, CAMOs und Entwicklungsbetriebe) in der Branche, die beste Kontakte zu z.B. (Komponenten-) Herstellern pflegen. Hinzukommt, dass die „rotierende Fraktion“ ein relativ kleiner, eingeschworener und damit reaktionsschneller Haufen ist, dem z.B. Unternehmen wie AW, Bell Textron, Sikorsky, MD Helicopter, Rolls-Royce, ZF-Luftfahrttechnik und R&S, etc. durchaus Bedeutung beimessen. Da spricht sich relativ schnell herum, wann, wo, wie und warum etwas geleistet, oder auch Porzellan zerschlagen wurde. Auch beruhen die Kontakte zu Militärs, Polizei- und Rettungsfliegern sowie DLR – egal ob aktiv oder a.D. – meist auf langjährigen, persönlichen sowie fachlichen „Freundschaften“ und selten auf der Basis von Lobbyismus. Lobbyisten scheuen nämlch Wahrheiten und Fakten wie der Teufel das Weihwasser.

  22. Ich sehe mich auch nicht bei den Fliegern (keine Kenntnisse) sondern eher bei Landsystemen.
    Bin ich ein Mann für Corporate-Themen. Und der Mittelstand ist meine Welt. Ich mag das Familiäre einfach. Großunternehmen sind oft behäbig wie die Bundeswehr, wenn auch oft am Ende des Monats die besseren Zahler.

  23. @jugendoffizier
    kurz zum OT beitragend:
    Aber auch da wird die Luft relativ dünn, bzw sollten Sie in Ruhe schauen welcher Bereich Ihnen dort zusagt. Und vor allem versuchen über die Form der Beteiligung/ Gesellschaft Klarheit zu bekommen.
    Steht dahinter „Eigentümer geführt“ ist das schon mal ein angenehmer Aspekt.
    Wenn Sie sich bei Corporate-Themen sehen, dann sollten Sie sich nicht auf Landsysteme begrenzen.
    Mal als vereinfachtes Beispiel: Rheinmetall Defence Electronics GmbH. Ist in Ihrem Wunschsektor auch unterwegs, macht aber noch viel mehr. Ist aber eine Tochter des großen Konzerns. Dort finden Sie also wieder Strukturen, die Ihnen möglicherweise nicht so zusagen, trotz GmbH.
    Und zahlen tun eigentümergeführte Unternehmen im übrigen auch gut. Nur für diese „Kommunikationsposten“ sollten Sie entsprechend „abgebrüht“ sein und den Kontakt zur Basis eher nicht pflegen. Da pflichte ich @Vtg-Amtmann bei. Der Faktor persönliche und fachliche „Freundschaften“ ist auf der von ihm angesprochenen Ebene sehr wichtig. Unabhängig ob nun H/C Fliegerei, Land oder maritim. Man kennt sich.
    Und diese „Kommunikationsposten“ sind rar und ganz bestimmt nicht am Anfang zu bekommen. Das dauert, bis sie sich „elegant“ vernetzt haben. Denn auch der Kreis ist vielfach ein sich selbst befruchtender.

  24. @vtg-amtmann
    @NMWC

    Das Problem mit dem Wunschsektor kenne ich – es ist sehr schwer hinein zu kommen.
    Stellen sind gar keine ausgeschrieben. Und wenn doch mal eine offen ist, wird sie zumeist durch „Inzucht“ besetzt.
    In Süddeutschland hatte ich diesbezüglich ein Gespräch mit einem familiengeführten Unternehmen am Bodensee… Derzeit kaum Stellen zu besetzen (außerhalb der techn. Berufe).
    Wie gesagt… ich mag den heißen Dampf der Corporate-Küche…

  25. @Jugendoffizier, @all: OT: Hätte da was „land-, wüsten- und wassergängiges“ für militärisch, paramilitärisch, umweltschutz-, katastrophenschutz-, expeditons- und rettungsdienstlich ausgerichtete Bereiche zu bieten. Eine komplette Feasibility-Study zu einer Neuentwicklung liegt vor, aber nicht von einem „Gebraucht-Lkw-Vorstadt-Händler“, sondern aus einem professionellen Planungskonsortium samt vier Patentschriften für eine solide Lösung mit 700 kg Zuladung (LKF aufgerüstet, betankt und betriebsbereit), welches bei einem MTOW von 2.500 kg schwimmfähig und mit > 50 km/h schnell ist, über feste Hinternisse von bis zu 350 mm Höhe „fliegt“, aber hinter einer Zugmaschine auf eigenen Rädern auch fahren kann. Stichworte http://www.bundesrechnungshof.de/de/veroeffentlichungen/bemerkungen-jahresberichte/2012/einzelplanbezogene-entwicklung-und-pruefungsergebnisse/bundesministerium-der-verteidigung/langfassungen/2012-bemerkungen-nr-63-bundeswehr-sollte-erwerb-von-luftkissenfahrzeugen-nicht-weiter-verfolgen (link funktioniert nur nach copy & insert)
    Wir flogen in 2009 aus dem Auswahlverfahren des BWB genauso raus, wie ein Weltmarktführer und ein Europäischer Marktführer, denn das BWB baute nach zwei „Russischen Halblösungen“ auf eine angebotene „eierlegende Wollmilchsau“ und dann weiter auf gleiches „Australian Amphibious Kangaroo“, welches nie in die Sprünge kam. Wenn Interesse dann über T.W. bitte Kontakt aufnehmen.

  26. Warum will eigentlich die Bundeswehr Sturmboote durch Luftkissenboote ersetzen?

    Die Teile sind doch recht laut und somit fällt ein geräuschloses Übersetzen aus…

    Sollte diese Ausschreibung etwa wieder aufleben?

  27. @Jugendoffizier: Nein, diese Ausschreibung ist mausetot, denn ein Sturmboot ist genauso amphibisch, wüsten- und anhängertauglich wie ein DF (= Dienstfahrrad). Was die Lautstärke anbetrifft hat es einen kreischenden Aussenborder, statt einen sonoren 3 Ltr Diesel mit 225 kW und 600Nm. Aber um zum originären Thema „Sea Lion“ zurückzukommen. Man siehe http://www.yumpu.com/de/document/view/20928852/ist-sof-6-spezialkrafte-a-1-4-ber-70-nm-ist-9-schiffbra-1-4-chige .

  28. Laut Vorabbericht von Monitor kommt es zu weiteren Mehrkosten bei den Huschbraubern:
    http://www.wdr.de/tv/monitor/presse/2013/pressemeldung_131130.php5

    Nach meinem Eindruck „kalter Kaffee“ vom Hubschrauber-Deal – nun halt auf die neuen Stückzahlen umgerechnet.

    Etwas neues vom Marinebund auf facebook:
    „Nach Berichten aus Marinekreisen ist die ERFURT beim Anlegen an die Munitionspier in Kiel-Jägersberg derart beschädigt worden, dass eine Werftinstandsetzung fällig wird. Es sind bei der Ramming jedoch keine Personen zu Schaden gekommen. Die ERFURT hat in diesem Jahr ihre Einzelausbildung durchgeführt und am Übungsprogramm der Flotte teilgenommen, nachdem sie am 28. Februar in Warnemünde in Dienst gestellt worden ist.“

    Werftaufenthalt nach dem halben Jahr in Nutzung.
    Pech oder Ausbildungsmangel?

  29. Schon ein wenig befremdlich, dass diese Vorabmeldungen zu Bundeswehrthemen stets am Wochenende erscheinen. Mir war so, als ob die G36 Spiegelmeldung ebenso an einem WE erschien.
    Das BMVg hat sich wohl darauf eingestellt… bin gespannt, ob noch am Sonntag die gegenläufige PM aus dem Ministerium erscheint.
    Tenor wie immer: „…alles Kampagne…, …wie bereits wiederholt dargestellt… etc.“

    Jetzt brauchen wir hier nur noch einen Zusammenhang zwischen der ERFURT und EC Deutschland samt TdM und SB herzustellen. Gerne unter Benennung der Städtischen Schlösser und Gärten Sachsens und besonderer Pflanzengewächse im Schloss Pillnitz… :)))

  30. @Memoria
    Das es beim Anlegen mal knallt ist nun nichts besonderes. Und das ich mir dabei eine ordentliche „Delle“ in mein Boot/Schiff fahre, so dass eine Werftinstandsetzung (die aber dann auch keine Ewigkeit dauert. Das heißt einfach, es geht in die Werft zum reparieren dieser Beschädigung) notwendig ist, ist auch nichts besonderes.
    Der Platz zum Anlegen in Jägersberg ist nicht gerade perfekt. Da kann es schon einmal eng werden. Dort einen sauberen langen Anlauf, bei ungünstigen Wetterbedingungen zu bekommen ist nicht immer möglich. Der Kurs geht nämlich direkt durchs Fahrwasser dort (schauen sie mal bei Open Sea Map auf die Karte. Marinemunitionsdepot Laboe. Gegenüber ist Leuchtturm Friedrichsort und sozusagen die engste Stelle des Fahrwassers.) Wenn dann im falschen Moment der Wind auflandig zuschlägt (ein Boot/Schiff hat eine nicht zu unterschätzende Segelfläche und wenn da eine Böe reingrätscht wird es halt sportlich) dann kann ich manchmal halt nur noch gegenhalten soweit möglich, gegentendenz versuchen ins Boot zu bringen und hoffen das die fender das gröbste abfangen.
    Das hat nichts mit Ausbildungsmangel zu tun. Das ist tatsächlich Pech. Sowas gehört aber auch dazu.

  31. @NMWC:
    Danke für die Erläuterung. Aufgrund der dortigen Probleme wird ja wohl auch ein Schleppereinsatz bevorzugt.

    Es kam also zum Unglück auch noch Pech.
    Kommt vor, aber mit immer weniger Plattformen hat man hierdurch immer mehr Probleme bei der Einsatzgestellung.

    Da treffen dann die PPt-Planung der Kommandos auf die Realität zu Lande, zu Wasser und in der Luft.

  32. @Memoria: „Nach meinem Eindruck “kalter Kaffee” vom Hubschrauber-Deal – nun halt auf die neuen Stückzahlen umgerechnet.“ Richtig, und noch dazu bei der Gesamtstückzahl eher falsch und dafür braucht man auch kein „amtlich geheim“ eingestuftes Dokument des Bundesrechnungshofes (welches es so auch nie gab), sondern nur die Anlage des BMVg zur 25 Mio. €-BMF-Vorlage. Auch das „echte“ MoU scheint Monitor in Sachen Stückzahlen und „geschenkten“ Konventionalstrafen ebenso wenig zu kennen, wie die technischen und zulassungsrechtlichen Gesamtzusammenhänge, aus denen sich definitiv ergibt, daß der für den Sea Lion angesetzte „Finanzbedarf“ hinten und vorne nicht ausreicht. Das wissen das BAAINBw, das IPT Sea Lion und der Inspekteur Marine spätesten seit dem diese das MoU samt Ausrüstungsliste des Sea Lion erstmals zu Augen bekamen. AG hat mal wieder die Nase vorn!

    @Jugendoffizier: Von den fünf Ihrerseits benannten Zusammenhängen sind ja bereits vier existent. Beim Camcopter wird das nicht klappen, aber die Probleme sind ziemlich ähnlich wie zum EuroHawk (man vgl. bei ONLINE FOCUS „Die Bundeswehr hat schon wieder Ärger mit einer Drohne“ vom Dienstag, 01.10.2013, 08:39). Apropos „freihändige Vergabe“: Das dem BAINBw keineswegs unbekannte System des Deutschen Unternehmens ESG, das UMAT UAV auf Basis des Swiss UAV NEO S-350 ist längst auf dem Einsatzschiff der Bundespolizei BP 21 „Bredstedt“ in der Ostsee getestet und ist leistungsmäßig dem österreichischen Schiebel UAV Camcopter S100 fast ebenbürtig (vgl. http://www.esg.de/presse/pressemeldungen/pressemeldung/umat-fuehrt-fluege-von-einsatzschiff-der-bundespolizei-durch/). Über EMT-Penzberg hätte man dann auch Zugang zu einem Sense & Avoid-System auf LIDAR-Basis um sogar am allgemeinen Luftverkehr zu teilzunehmen, wie ebenfalls dem BAAINBw bestens bekannt, denn deren UAV MUSECO basiert wiederum auf dem SWISS UAV NEO S-300.

    @all: Ein MdB – „besagter“, wie im Haushaltsausschuss, Rechnungsprüfungsausschuss, Verteidigungsausschuss und Ausschuss für Wirtschaft und Technologie aktiv -, bemängelte öffentlich, > daß das Verteidigungsministerium weiterhin das Parlament nur unzureichend informiere. Trotz eigener Beteuerungen und Versprechen habe das BMVg offenbar keine Lehren aus dem Hawk-Debakel gezogen. Es beantworte konkrete Fragen nur indirekt oder schlichtweg gar nicht. TdM habe bereits genug Glaubwürdigkeit eingebüßt. Den Rest stelle nun sein Haus auch noch aufs Spiel. TdM müsse seinen Laden in den Griff bekommen und schleunigst dafür sorgen, dass seine Versprechen von mehr Transparenz umgesetzt werden. Statt konkrete Informationen zu erteilen, flüchtete sich das BMVg in Gemeinplätze. Zudem habe dieses nunmehr den Medien gegenüber Mängel bestätigt, die es dem Parlament nicht eingestehen wollte. Das zeige wie ernst es das BMVg mit den Lehren aus dem Euro Hawk Desaster meint – nämlich überhaupt nicht. Mit einer Informationspolitik, die darauf abziele, möglichst wenig bis gar nichts preiszugeben, behindere das BMVg eine effektive parlamentarische Kontrolle <, bemängelte der Abgeordnete.

    Im Nachgang – Mitte November – erhielt gleicher MdB noch die folgende ergänzende Antwort vom BMVg (auszugsweise): „[…] Für den UH-Tiger bestehen die Wesentlichen Einschränkungen zu den in der Spezifikation geforderten Funktionalität des Electronic Warfare Systems (EWS). […] Für die NH90 Forward AirMedEvac besteht die Wesentliche Einschränkung im Einsatz als Begleithubschrauber […] Mängel die zu einer Nichteignung für den Einsatz führen, sind nicht vorhanden. […]“

    Dem darf hinzugefügt werden: Herr StS Schmidt sollte sich vielleicht erst einmal damit auseinandersetzen, was und wofür ein EWS überhaupt ist und was ferner in den Auswertungsberichten zu FALCOR 2012 denn tatsächlich so alles geschrieben wurde bzw. zunächst geschrieben war, bevor er sich zu so wenig konkreten, ausweichenden und „abschmetternden“ Antworten, wie den seinigen hinreißen läßt! Das ist nicht nur schlechter Stil, sondern bestätigt eindeutig die – worauf auch immer beruhende – Verschleierungstaktik des BMVg bei den lfd. Beschaffungsvorhaben, u.a. UH-Tiger, NH90 und Sea Lion.

    Damit gilt: In Anbetracht der öffentlichen Diskussionen zum Beschaffungswesen der Bw – auch zum zukünftigen Marinehubschrauber „Sea Lion“, welcher immerhin zu ca. 75% mit dem NH90 TTH baugleich ist -, sind in den Antworten des BMVg doch eine Vielzahl an sehr gravierenden Mängeln geradezu dilletantisch unterschlagen bzw. verleugnet worden. Man kann also seine Uhr danach stellen, wann die öffentliche Diskussion erneut in den Medien aufflammt und ein Bericht bzw. „Report“ den nächsten jagt.

    Das BMVg provoziert seit der „EuroHawk-Herumlavierei“ von TdM und SB ja geradezu dieses „Bw-Beschaffungs-Monitoring“ und braucht sich deshalb auch nicht zu wundern, wenn einzelnen, auch noch so moderaten Abgeordneten dann irgendwann der Kragen platzt und diese auspacken! Soll ja schon des öfteren und quer durch die Fraktionen vorgekommen sein und wird sicherlich weiterhin vorkommen. Zudem gibt es seit jüngst auch viele „politische Insider“, für die „lebt es sich gänzlich ungeniert“.

    Im Übrigen täte der PrInfoStab des BMVg gut daran, erst einmal die weiteren Medienreaktionen auf die ARD-Pressemitteilung „MONITOR: Massive Kostensteigerungen bei Militärhubschraubern“ und die Monitorsendung am Donnerstag abzuwarten. Könnte ja sein, daß auch anderen der Kragen platzt oder bereits geplatzt ist? Da ist es immer schlecht sich schon im Vorraus vorschnell festzulegen, denn dann könnten z.B. MONITOR oder auch Andere flugs reagieren.

    Und daß ausgerechnet TdM heute in einem Interview mit „DER TAGESSPIEGEL“ die Kritik der Wirtschaft am Koalitionsvertrag scharf zurückgewiesen hat und kontert (Zitat) "Vieles, was ich an Kritik aus der Wirtschaft höre, entspringt der Enttäuschung, dass wir nicht mehr Subventionen verteilen, […] Aber marktwirtschaftliche Wirtschaftspolitik ist keine Subventionsmaschine", paßt zur seit März 2011 von TdM und SB maßgeblich geprägten Beschaffungspolitik der Bw wie die „Faust aufs Auge“ und ist wohl ein nächstes Eigentor des derzeit nur „geschäftsführenden“ IBUK!

  33. Wenn man die Pressestimmen so weiter beobachtet, finde ich es schon lustig (oder auch fürchterlich traurig) wie sich die ganzen Medien-Aasgeier durch primitives „Abkupfern“ an der ARD-Monitor-Meldung, daß angeblich der ganze Hubschrauberdeal 8,09 Milliarden Euro kostet, völlig unreflektiert „aufgeilen“.

    Erstens haben diese „UH-Tiger- und NH90-Suppe“ uns nicht TdM und SB eingebrockt, sondern der „Radfahrer“ samt Nachfolger.

    Allerdings, zweitens wurde diese Suppe von TdM und SB „nur zu Eurocopter-hörig“ und ziemlich ungeschickt ausgelöffelt und diese haben sich damit weiter selber „bekleckert“ (was man abstellen könnte).

    Drittens hat offenbar noch Keiner so richtig kapiert, was, wieviel und warum „summa summarum“ allein die „trübe Brühe Sea Lion“ uns in toto kosten wird.

    Viertens, genau diese Sea Lion“ gehen auf das Konto von TdM und SB. Das topt leider alles bislang Dagewesene (Eisberg-Theorie)!

    Fünftens, und auch noch der AFD-Bayern springt mit seiner neuesten Kolumne zur “Sicherheits- und Verteidigungspolitik” mit Ziffer 3. „Militärisches Beschaffungswesen“ auf den Zug auf. Wie können das BMVg, ein IBUK und dessen StS AIN sich nur solche Blößen geben??? (vgl. http://www.afdbayern.de/vertiefende-infos/sicherheits-und-verteidigungspolitik/)

    Sechstens, nur die politischen Konsequenzen für TdM, SB und das „Beschaffungswesen“ – z.B. für die Vertikale „Wolf – Seelhausen – Stein“ – bleiben leider aus? Mit dieser „Vertikalen“ hat man doch schon beim EuroHawk unter der Regie von TdM & SB die „Böcke zum Gärtner“ gemacht, um ihren eigenen Mist konstruktiv als Dünger darzustellen? „Management by Champignons“ sagt man dazu!

  34. @NMWC
    stimme Ihnen zum Thema Pech beim Anlegen zu, das kann schon mal passieren, ist sehr tückisch da.
    Allerdings glaube ich nicht an eine umgehende Instandsetzung wenn ich mir so anschaue wie lange die Erfurt jetzt schon wieder im Arsenal rumdümpelt. Aber darin hat diese Klasse ja leider Übung.
    Spannend wird m.E. die Frage, muss diese Reparatur europaweit ausgeschrieben werden? Falls ja, welches Zeitfenster hat man dann zu erwarten, Wiederaufnahme EAP 2015?

  35. Das BMVg hat in einer Pressemitteilung auf die erneute Berichterstattung von SPON und Spiegel (von morgen) reagiert.
    Erneut wird vom Spiegel berichtet, dass u.a. die Ausstattung des NH-90 NTH Sea Lion Sea Angel Wunderding unzureichend sei.
    Was mich am meisten erschreckt: Die Verhandlungen sollen kurz vor dem Abschluss stehen.
    Dies lässt zum einen die Klage von Sikorsky in greifbare Nähe rücken, zum anderen aber auch eine veröffentlichte Entscheidung, was an mission equipment geplant ist und vor allem noch entwickelt werden muss.
    Interessant wird auch, ob man weiterhin von dem schon lange unrealistischen und offen unwahrem Einführungsdatum 2017 sprechen wird.
    http://www.bmvg.de/portal/a/bmvg/!ut/p/c4/PU3LCsIwEPwWfyBpLOLjZulBr140XkqarHWhScp20178eBuwzsAMzMCMfMqFwUzYGcYYTC8fUls8tbNo_dSJgWAc4WcemQH7FDoIwpB949RsC1XKe15xIGwMwFkZAuOiHRmOJIZI3OcmES2NQCd1oeqqUMUK9TnWutaXndrX1-qWBxP7xoPD5KXmOX_TGo8xkYV__AJwcvD-UPrz5gsgLD4g/

  36. @Tom Tom: Es ist m.M.n. einfach nur noch lächerlich und höchst blamabel, wie in Anbetracht der Fakten und Realitäten der PRInfoStab des BMVg im Auftrag und unter Verantwortung seines Ministers TdM und des StS AIN SB in das offene Messer läuft! Setzen „Sechs“. Ein Teil der Realitäten ist folgende Tabelle http://img5.fotos-hochladen.net/uploads/hcmoukosteni5otd3ckvj.jpg.

    Auf die Ausrüstungstabelle des Sea Lion gemäß dem „offen in der Industrie herumschwirrenden“ MoU ist ja schon in früheren NH90- und Sea Lion-Threads bei AUGEN GERADEAUS eingegangen worden. Und daß spätestens seit 24.-26.07.2013 dieser eine richtig „fette“ Tabelle durch das „Sea Lion IPT“ gegenübersteht, müßte ja dem BMVg samt PrInfoStab zwischenzeitlich bekannt sein?

    Zumindest berichtet der PrInfoStab in seiner vorschnellen Gegendarstelung zum SPIEGEL-Bericht, daß die für einen Sea King-Nachfolger bzw. für einen Marinehubschrauber (50%der Einsatzkapazität) und für einen SAR-Hubschrauber (auch 50%) außerhalb jeder fachlichen Diskussion stehenden ULB- und AIS-Systeme – wie im MoU gestrichen – wieder aufgenommen wurden! Das sind doch auf „gut Fränkisch richtige Watschen“, die da der PrInfoStab dem Herrn StS AIN SB und dem Herrn Minister TdM erteilt!

    Der PrInfoStab sollte mal hinsehen, was sonst noch in der Liste des „Sea Lion IPT“ so zwischen ca. 150 bis ca. 900 Positionen steht und sicherlich steht dort auch drin, was bis zur Zulassung und bis IOC des Sea Lion noch zu tun ist, und vor Allem was das kostet!

    Aber, Nein, man schreibt dummes und hohles Zeug und blamiert sich weiter bis auf die Knochen. Ich schätze mal, morgen ist die aktuelle SPIEGEL-Ausgabe in Rostock und in Nordholz ausverkauft und heute kommt man bereits in den E-Paper-Shop des Spiegels nicht mehr rein. Zumindest bei mir hat es gerade nicht geklappt.

    P.S.:@Tom Tom: Übrigens Danke für den Tip.

  37. @Tom Tom, @all, Nachtrag: Nicht Sikorsky wiegt die „juristische Marmelade“, sondern das GMRTH-Konsortium, nämlich Rheinmetall, RUAG, MTU und ZF-LT, die den MH 92 / S92 angeboten haben und in Deutschland in Lizens bauen sowie mittels PPP-BWi-Vertrag über den vollen Life-Cycle „supporten“ wollten.

  38. @TomTom,@all: Zwischenzeitlich liegt mir der Artikel der heutigen Printausgabe des Spiegel „VERTEIDIGUNG – Die Nacktschnecke – Der Marinehubschrauber MH 90 wird noch vor Lieferung zum Millionenrisiko, Rechnungshof und EU prüfen den Deal. Minister Thomas de Maizière droht ein neues Rüstungs-Fiasko“ vor. Genau unter dem Suchbegriff „Verteidigung ….Fiasko“ findet man zum Inhaltsverzeichnis. Klickt man dort auf Seite 32 in den Text, kommt der komplette Bericht.

    Die Spiegel-Redakteure G. Traufetter und G. Repinski haben m.M.n. blitzsauber recherchiert und nur folgende Kleinigkeiten missverständlich formuliert. So gilt:

    – Bei den „gepanzerten Sitzen“ stecken Entwicklungsarbeit und -Kosten drin, nämlich das in die Sitze zu integrierende persönliche Life Raft.

    – Es müßte statt „Winde“ eben „Fast- Ropping-Galgen“ heißen.

    – Die Forderung nach einer neu zuentwickelnden Heck-Rampe mit 250kg Traglast beruht konkret auf dem Abwurf eines Schlauchbootes mit 250 kg Masse. Derzeit ist jeglicher Abwurf über die Rampe durch die WTD 61 untersagt.

    Damit ist auch alles zur blamablen Gegendarstellung des BMVg und dessen erfolgte Festlegung bereits gesagt. Wenn MONITOR also clever und nicht nur aggressiv ist, dann recherchiert man dort nochmals gründlich und legt mit der Sendung am Donnerstag zum „Engel des Meeres“ und unsere derart „beglückte“ Marine kräftig nach.

  39. @Les Grossmann
    Da Sie danach gefragt haben:
    Es wird zweiteilig. Die Instandsetzung zum Loch im Rumpf ist ein Thema Sofortinstandsetzung und wird bald gemacht, damit die Erfurt wieder bis April 2014 fahren kann. Die richtige Instandsetzung ist dann im Rahmen der Ausserplanmäßigen Instandsetzung dran:
    http://ausschreibungen-deutschland.de/136134_Ausserplanmaessige_Instandsetzung_der_Korvette_Klasse_130_Erfurt_2013_Wilhelmshaven
    Stichtag für Abgabe der Angebote oder Teilnahmeanträge war der 18.11.2013.
    Durchführung der Arbeiten Beginn 07.04.2014. Ende 20.06.2014.
    Es ist eine EU-Ausschreibung, aber anhand der Teilnahmebedingungen III.2 kann etwas „Auschluss“ an befähigten Werften betrieben werden.
    Vielleicht wird der EAP dann also doch vor 2015 fortgesetzt? Nein, ich werde nicht mit Ihnen diesbezüglich wetten… ;))

  40. Offenbar hat sich unsere Marine mit dem „Engel der Meere“ samt der Gegendarstellung des BMVg zum Spiegelbericht abgefunden und wartet auf die göttlichen Eingebungen des Erzengels Aloisius. Mit der Aufgabe des NH90 NFH N4 hatte man sich aus der NH90-Problematik im Detail abgekoppelt und diese lebte nur kurz wieder in 2010/2011 mit der Marinehubschrauber-Ausschreibung auf.

    Ist unserer Marine eigentlich klar, das die ganzen Probleme des NH 90 TTH der Vergangenheit und auch der Zukunft die Marine und den Sea Lion zumindest mit 75% aufgrund der Baugleichheit treffen werden und dann kommen noch die Marinehubschrauber-spezifischen Probleme hinzu?

    Erste Auslieferungen des Sea Lion in FOC und in 2017 ist m.M.n. soweit weg wie der Fixstern Beteigeuze vom Mond und die Probleme der Marine dürften der Masse von Beteigeuze, und nicht dem Mond des Heeres entsprechen.

  41. @Vtg-Amtmann | 02. Dezember 2013 – 22:21
    Vielleicht ist die Stimmung auch getrübt wegen der Probleme der F 125. Siehe Seefahrerblog….. das fängt ja gut an.

  42. @werner: Wo kein Schiff, da kein Bordhubschrauber: Dann nur noch 3x ICAO-SAR-Krücke in Helgoland, Glücksburg und beim Havariekommando, Die EU-Kommission dürfte dann ob der rein zivilen Einsätze bezüglich § 100c GWB und der EU-RL grüßen lassen.

  43. @Werner: Edit, der erste Satz muß natürlich heissen. „Wo kein Schiff, da kein Fregatten-Bordhubschrauber. Dann nur noch Sea King-Ersatz für die EGV und 3x ICAO-SAR-Krücke … usw.“

    Die Fregatten-BHS werden ja die mit dem MoU optionierten 22 Maschinen!

  44. @Vtg-Amtmann | 03. Dezember 2013 – 7:35
    Guten Morgen.
    Schon verstanden. Ich glaube den Bordhubschrauber für die Fregatten könnte man ja noch verschmerzen, aber die Fregatten…..? Mich würde mal interessieren ob das bei den Schiffen auch so läuft wie bei den Lfz mit IOC, IOC+, IOC++, – FOC, FOC, FOC+ usw.

  45. @Vtg-Amtmann | 03. Dezember 2013 – 7:35

    Andererseits wenn ich mir den Auftrag anschaue:
    • internationale Konfliktverhütung und Krisenbewältigung, einschließlich des Kampfes gegen den internationalen Terrorismus,
    • Unterstützung von Bündnispartnern,
    • Schutz Deutschlands und seiner Bürgerinnen und Bürger,
    • Rettung und Evakuierung,
    • Partnerschaft und Kooperation,
    • Hilfeleistungen
    sollte das Thema Hubschrauber nicht auf die lange Bank geschoben werden. Man hat doch nun schon viele Jahre verstreichen lassen, ohne dass sich Nennenswertes bewegt hat. Wie viel Marine Hubschrauber kann man sich den leisten? Ist die Auftragserfüllung gefährdet (keine F 125, keine Hubschrauber)?

  46. Gut zu wissen!
    Das Internet ist immer für eine Überraschung gut. Bisher kannten wir diese informativen Seiten nicht. Schön, dass wir über einen Hinweis hier gelandet sind. Gut gemacht mit tollen Berichten und Hintergrundinformationen. Gerne empfehlen wir auch unsere Seiten direkt aus der Truppe: http://www.deraufklaerer.de

    [Diese Art, mal eben so OT irgendwo reinzugrätschen, um seine eigene Seite zu bewerben, ist eigentlich nicht angesagter Stil seriöser Webseiten. Mir scheint aber, Sie kennen sich mit diesem Internet nicht so aus, dann will ich das ausnahmsweise mal freischalten. T.W.]

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