Gewalt bei Kommunalwahl im Kosovo: KFOR greift ein

Nach den Angriffen serbischer Extremisten auf Wahllokale bei der Kommunalwahl im Kosovo am (gestrigen) Sonntag hat die NATO-Truppe KFOR eingegriffen, um den Verlauf der Wahl im Norden des Landes sicherzustellen. Die Mitteilung der KFOR vom Montag:

Yesterday, early in the afternoon, as a result of attacks on polling stations in north MITROVICA, KFOR troops rapidly intervened. At the request of EULEX, KFOR troops, pre-deployed in the north of KOSOVO to contribute to a safe and secure environment and freedom of movement during the election, immediately intervened. Within 15 minutes of the EULEX request, KFOR deployed a Quick Reaction Force from the Carabinieri Multinational Specialised Unit (MSU) to MITROVICA north. Within 1 hour, reserve units from the KFOR Tactical Reserve Manoeuvre Battalion (KTM) were also deployed to areas of concern in MITROVICA and reinforced other KFOR units already deployed in the area.
In addition, in the town of ZVECAN, KFOR troops reacted to a disturbance and restored security within the area. Later in the evening, KFOR, as requested by EULEX, provided for a safe and secure environment and freedom of movement on the routes through which the election ballot material travelled to the counting centre.

Ob auch deutsche Soldaten daran beteiligt waren, ist im Moment nicht klar – aber es ist wahrscheinlich: Im Hinblick auf die Wahl war die  deutsche Einsatzkompanie im Camp Novo Selo in erhöhte Bereitschaft versetzt worden. Im Kosovo sind zurzeit 692 deutsche Soldaten im Einsatz.

11 Kommentare zu „Gewalt bei Kommunalwahl im Kosovo: KFOR greift ein“

  • LTC007   |   04. November 2013 - 11:05

    Damit dürfte die Debatte um eine Reduzierung bzw. Einstellung von KFOR erstmal ein Ende haben. Die Vorgänge gestern zeigen, wie wenig Einfluss Belgrad auf die Nationalisten im Norden hat. Für Serbien ist das ein kräftiger Rückschritt im Hinblick auf eine weitere Annäherung an die EU, die allein das finanzielle und politische Überleben des Balkan-Staates garantieren könnte.

  • Tom   |   04. November 2013 - 11:09

    Serbien hat Parallelstrukturen aufgebaut, deren Folgen es jetzt selbst einholen.
    Wenn ein Akteur, der jahrelang die faktische Staatsgewalt innehatte und die tatsächliche Staatsgewalt erfolgreich verdrängt hat, sich plötzlich aus der Praxis zurückzieht, dann entsteht ein Vakuum. Dieses müssen -und werden- beide staatlichen Seiten aber zeitnah füllen.
    Da droht kein jahrzehntelanger Freiraum, den nur KFOR bewältigen kann.

  • Alarich   |   04. November 2013 - 11:54

    Mit DINGO 1 die ISAF nicht mehr braucht ist das noch nicht getan
    Ich befürchte das da , ein Gewitter erst noch Zusammen baut .
    Aber da sollte NATO die KFOR mal Nachrüsten bzw es lauft aber auch über EURO Viel
    Da gehört auch schweres Gerät dazu wie Boxer und Marder

  • Wayres   |   04. November 2013 - 19:38

    man hat fast das Gefühl, als ob beide Seiten gut damit leben können, dass KFOR etc. ordentlich Geld in das Kosovo bringt…

  • Paule66   |   04. November 2013 - 20:06

    Irgendwie echt traurig was sich hier abspielt, nur 4 Kommentare. Wenn es um irgendwelche Rüstungsvorhaben oder ähnliches geht sind schnell 20 Kommentare beisammen.

    Da unten steht eine komplette Kp im aktiven Einsatz und man hört so gut wie nichts davon. Manchmal finde ich es komisch, das ist in Europa und man hört weniger als von Einsätzen in Asien oder Afrika. Irgendwie ein vergessener Einsatz, obwohl er wenigstens Erfolge vorweisen kann; kleine, sehr kleine aber es gibt immer wieder Vorschritte im Zusammenleben der beiden Staaten.

    Auf der andern Seite kann ich nicht verstehen, warum man es von Seiten der Kosovarischen Sicherheitskräfte, Eulex und KFOR nicht schafft eine Wahl abzusichern. Es gibt auf den Papier genügend Soldaten, Polizisten usw. aber wenn in PRZ und vielen andere Feldlagern riesiger Stäbe sich selber verwaltet und auch komplette keine Ausbildung und Material dafür haben bei solchen Aktionen eingesetzt zu werden wird uns jede Wahl und Abstimmung solche Bilder zeigen.

  • markus, d.Ä.   |   04. November 2013 - 20:11

    @ wayres. da dürfte es den lokalen nutznießern im K. nicht anders gehen als kommunen, die von der BW reform getroffen wurden.

  • Georg   |   04. November 2013 - 20:13

    Zitat:
    man hat fast das Gefühl, als ob beide Seiten gut damit leben können, dass KFOR etc. ordentlich Geld in das Kosovo bringt…“

    Fest steht auf jeden Fall, dass der kosovarische Staat ohne Unterstüztung von Außen nicht lebensfähig ist. Ähnlich wie in AFG, lebt der kosovarische Staat von ausländischer Unterstützung und die kosovarische Wirtschaft ist in erster Linie auf kriminellen Geschäften aufgebaut.
    Die Serben im Nordkosovo sind natürlich zur Räson zu bringen. Es muss nur die unbedingte staatliche Förderung aus Serbien aufhören. Verbilligtes Benzin, erhöhte Löhne für serbische Lehrer im Nordkosovo, verbilligte Lebensmittel aus Serbien ohne kosovarischen Zoll, also geschmuggelte Ware usw.
    Werden die Serben de facto nicht mehr von der Mutterrepublik unterstützt, dann ist sehr schnell schicht im Schacht !

  • Thomsen   |   04. November 2013 - 21:27

    @ Paule66:

    das ist in meinen Augen keine Frage des „Könnens“, sondern des „Wollens“. Wir deeskalieren seit 9 Jahren, wenn da plötzlich mehr Truppe als sonst auf den Straßen sichtbar ist macht sich der Stab in´s Höschen, weil sich ja jede ethnische Minderheit (je nach geografischem Standpunkt) provoziert oder diskriminiert fühlen könnte.

    Das Kind ist nur schon lange in den Brunnen gefallen, denn jegliche Lageentwicklung da unten gedeiht kurz- oder mittelfristig auf politischem Nährboden, welcher hintzer den Kulissen vorbereitet wurde.

    Es ist gewollt, dass KP das ganze managt. KFOR steht im dritten Glied. Wenn KFOR jetzt plötzlich das Zepter übernehmen muss, müsste man sich eingestehen, dass es nicht läuft.

  • EX-PMA   |   04. November 2013 - 22:57

    Ich stimme Thomsen zu.
    Wenn man wollte könnte man die Wahlen auch absichern.

    Man versucht aber den Kosovo immer mehr zu behandeln als wäre er ein Staat wie jeder andere.
    Und man wollte ihn als Vorzeigestaat haben, darum gibt es auch so wenig negatives über den Kosovo zulesen und zuhören ;) (Hierzu empfehle ich mal den Artikel aus der Zeit „EU redet sich die Wahlen im Nordkosovo schön“.)

    Dieses „Runterfahren/Reduzieren“ führte auch dazu, das ausländische Polizisten/Zöllner für 2 Tage in ungepanzerten Fahrzeugen rumgefahren sind.
    Was daraus geworden ist konnte man in der Zeitung lesen.
    Es musste erst ein litauischer Zöllner sterben, damit man die Entscheidung rückgängig gemacht hat.

    Die KP ist nicht fähig, das zu managen, EULEX ist auch nur begrenzt dazu fähig, also bleibt nur die KFOR.

  • cosmo   |   06. November 2013 - 0:03

    Zieht Ristic aus dem Verkehr und es wird ruhiger!!!! Und solange Rexhapi nicht wieder zwecks Muskelspiel „ROSU“ in den Norden schickt (…und den Arsch gehauen kriegt… man fährt halt nicht zweimal hintereinander mit Anlauf in den selben Hinterhalt….da freuen sich wieder die Scharfschützen…)

    Wie sagte ein Bewohner von Zupin Potoc zu mir: „Wir sind eine Großfamilie und die einzige Einnahmequelle ist die Rente meines Vaters: 40 € im Monat! Also, was soll ich tun, Schmuggel sichert das Überleben…!“

    Kann ich irgendwie verstehen….

  • Simulant   |   06. November 2013 - 18:28

    KOSOVO – und 2004 lässt schön grüssen.
    Wenn KFOR (aus welchen Gründen auch immer,) als gefühlter sixth-line-responder, schon nicht aktiv in die Sicherheitsstrukturen dieses staatlichen Kunstgebildes eingreifen kann oder darf, dann soll eine maximale Anwesenheit wenigstens die nicht lebensfähigen Wirtschaftsstrukturen vor Ort stärken so gut es geht.