Erste ‚Private Armed Security‘ zum Schutz vor Piraten für deutsche Schiffe zugelassen

Nach langem Vorlauf greifen nun langsam die deutschen Regelungen für den Einsatz privater bewaffneter Sicherheitsmannschaften zum Schutz vor Piratenangriffen auf Handelsschiffen unter deutscher Flagge. Zum 1. November wurde vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) die erste Zulassung nach den neuen Vorschriften mit den schönen Namen Seeschifffahrtsbewachungsverordnung und Seeschifffahrtsbewachungsdurchführungsverordnung erteilt: Die Result Group aus München darf als erstes Unternehmen ihre bewaffneten Sicherheitsteams auf die deutschen Schiffe bringen.

Das ganze hat eine ganze Weile gedauert – die Neuregelung hatte der (scheidende) Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Hans-Joachim Otto, bereits im Juli 2011 angekündigt. Aber bis so etwas in deutsches Recht umgesetzt ist…

Die Result Group wirbt auf ihrer Webseite schon damit, dass sie Begleitung von Schiffen in High-Risk-Areas (Golf von Aden, Golf von Guinea, Indonesien) anbietet und ihr Personal  aus ehemaligen Angehörigen internationaler Spezialeinheiten mit langjähriger maritimer Erfahrung bestehe. Aber offensichtlich nicht erst seit ihrer Zulassung durch das BAFA für deutsch geflaggte Schiffe – da dürfte das Unternehmen kaum genug verdienen. Und schon seit einiger Zeit ist in den Risikoregionen, vor allem vor Ostafrika, kaum noch ein Schiff ohne bewaffnete Sicherheitsmannschaft unterwegs, was neben der Präsenz von Kriegsschiffen deutlich zum Rückgang der Erfolge somalischer Piraten beigetragen hat.

Denn die Neuregelung ist eine typisch deutsche: Bis ins Detail durchdiskutiert, langwierig umgesetzt – und betrifft dann doch nur ein paar hundert Schiffe deutscher Reeder, die den größten Teil ihrer Flotte ausgeflaggt und aus Steuer- und Heuergründen in anderen Ländern registriert haben. Und auf diesen Schiffen deutscher Reedereien sind schon lange private bewaffnete Teams der Private Armed Security Companies (PASC) unterwegs. Nur eben nicht auf denen unter deutscher Flagge – obwohl das auch vor Inkrafttreten der Neuregelung nicht verboten war, wenn auch in einer Grauzone. Und wo die Unternehmen im Bereich der Seeschifffahrtsbewachungsverordnung und des deutschen Waffenrechts unterwegs sind, dürfen ohnehin automatische Waffen, die dem Kriegswaffenkontrollgesetz unterliegen, nicht eingesetzt werden. Was auf Schiffen unter etlichen anderen Flaggen wohl schon ganz anders aussieht.

Unklar scheint auch noch ein Punkt, auf den mich eine andere deutsche PASC hinwies: Nach dem deutschen Waffenrecht dürfen die zugelassenen Unternehmen ihre Gewehre und ähnliches nicht zwischendurch anderen überlassen. Was logisch klingt, scheint ein Problem zu werden: Weil manche Häfen das Einlaufen von Schiffen mit Waffen an Bord nicht erlauben, werden diese Waffen vor der Küste in so genannten schwimmenden Waffenkammern, Floating Armouries, abgelegt. Für die Firmen anderer Länder kein richtiges Problem – aber ein zertifiziertes deutsches Unternehmen darf seine Gewehre und Pistolen nicht aus der Hand geben.

(Foto: Dhau im Golf von Aden – die allgegenwärtigen Handelsschiffe der Region sind sowohl leichte Beute für Piraten als auch mögliche Mutterschiffe)

34 Kommentare zu „Erste ‚Private Armed Security‘ zum Schutz vor Piraten für deutsche Schiffe zugelassen“

  • Kommentator   |   04. November 2013 - 16:25

    Die ein oder andere Frage an die Profis:
    Gibt es eine (juristische deutsche) Grenze zwischen einem bewaffneten Sicherheitsunternehmen und einem Söldnerunternehmen?
    Und wie stark wird die Waffenwahl durch das deutsche Recht eingeschränkt? Reden wir von kleinkalibrigen Faustfeuerwaffen oder tatsächlich von reichweitenwirksamen Sturmgewehren und ähnlichem?

  • Dieter Deimel   |   04. November 2013 - 16:31

    HURRAAAAAHHH.
    Jetzt, wo´s fast vorbei ist, die Löhne für die Armed Guards aufgrund des großen Angebots aus osteuropäischen Ländern „im Keller“ sind, kommen „wir“ aus der Sonne.
    Einfach toll.

  • Roman   |   04. November 2013 - 16:35

    Reichweitenwirksam ist in der Regel kein Sturmgewehr. Wozu soll das überhaupt gut sein? Ein Sturmgewehr ist ein (meist) guter Kompromiss aus Durchschlagsleistung, Reichweite, Anzahl der Patronen, der möglichen Schussfolge, Handhabbarkeit und Robustheit. Wenn man Reichweite will, sollte man ein solides Jagdgewehr oder Scharfschützengwehr mit großen Patronen und hoher Treibladung nehmen. Ob das allerdings von einer sich bewegenden Plattform auf ein sich bewegendes Ziel sinnvoll ist, muss man vor Ort rausfinden.

    Vermutlich setzen die meisten Teams gar nicht so sehr auf teure Hochleistungswaffen, die immer dem Risiko der Beschlagnahmung ausgesetzt sind, sondern mehr auf Aufklärung und Überwachungstechnik. Denn so ein Riesenpott 24 Stunden lang inmitten einer der trostlosesten und reizärmsten Gegenden der Welt zu bewachen ist nicht einfach. Wenn ich den Gegner identifiziert habe, kann ich ihn auch in meiner optimalen Feuerdistanz bekämpfen. Denn Deckung, Schussfeld etc. sollten meist zum Vorteil der Verteidiger sein.

    @Deimel

    Ja so ist das halt mit der deutschen Politik im Allgemeinen und der CDU im Speziellen.

  • Zivi a.D.   |   04. November 2013 - 16:46

    @ Kommentator: Die jeweils zulässige Bewaffnung hängt vom Flaggenstaat des Schiffes ab, auf dem sich die Guards befinden und nicht von der Firma oder dessen Sitzland. Mindestens genauso interessant ist allerdings, dass da offenbar eine Grauzone zwischen privaten Sicherheitsfirmen und Piraten entstanden ist, wie aus dem hier schon genannten Fall der „MV Seaman Guard Ohio“ ablesen lässt, die für die US-Firma AdvanFort unter der Flagge Sierra Leones unterwegs ist (war) und von der Indian Coast Guard vor der Südküste Indiens einkassiert wurde, „which found it bristling with weapons and an international cast of elite former military personnel.“ …

    [Hm. Als Zitat ist es ein bisschen lang – und ausländische Quellen können hier doch gerne verlinkt werden… also lieber oben ein bisschen gekürzt, und hier der Link… T.W.]

  • chickenhawk   |   04. November 2013 - 16:49

    Ich will doch hoffen, dass die somalischen Piraten davon Abstand nehmen, beim Angriff auf Schiffe, welche von deutschen Sicherheitskräften geschützt werden, automatische Waffen einzusetzen. Das gebietet alleine schon die Fairness.

    Davon abgesehen ist dieser Fall in der Seeschifffahrtsbewachungsdurchführungsverordnung nicht vorgesehen, und damit sollten sich auch die Piraten abfinden.

  • Kommentator   |   04. November 2013 - 17:53

    @Roman: Ich denke, dass hängt von der Definition ab. Viele DMRs sind schließlich modifizierte Sturmgewehre. Echte Präzisionsgewehre sind wohl auf einem sich bewegenden Schiff ohnehin nicht sinnvoll einzusetzen, würde ich vermuten.

    @Zivi: Danke, ja interessant.

  • markus, d.Ä.   |   04. November 2013 - 17:59

    @ kommentator.

    mannziele sind damit auf 1000m+ mit sicherheit nicht mehr drin, aber für den „nahbereich“ solls reichen ;)

    http://www.slate.com/articles/news_and_politics/explainer/2009/04/open_sea_sniping.html

  • huey   |   04. November 2013 - 18:46

    Glückwunsch an die Result Group!

    Die „Jungs aus München“ haben sich vorher schon einen guten Namen gemacht-und sind nun die ersten, die sich durch diesen (absolut unnötigen und undurchsichtigen) bürokratischen Dschungel gekämpft haben…

  • Thomas Melber, Stuttgart   |   04. November 2013 - 18:48

    Nun, man kann auch Präzisionsrepetierer .50 o.a. einsetzen. Meist reicht ein Treffer in den Außenborder. Eigentlich ist ein großes Schiff eine relativ stabile Plattform, die Herausforderung ist eher das Skiff.

  • MFG   |   04. November 2013 - 19:08

    Selbstlader (die nächste Patrone wird geladen, aber kein Schuss ausgelöst), sind nach deutschem Waffenrecht durchaus legal zu bekommen, sowohl für Jäger als auch für Sportschützen, und sicherlich auch für Sicherheitsfirmen, wenn ein Bedürfnis besteht. Somit stehen der Verwendung von „kastrierten“ (kein vollautomatisches Feuer) zivilen Varianten von Sturmgewehren eigentlich keine unüberwindlichen Hürden entgegen.

  • Wayres   |   04. November 2013 - 19:36

    @ Kommentator:
    der Unterschied zwischen Söldner und Sicherheitsunternehmen ist reine Geschmacksfrage… der Begriff des Söldners stammt eigentlich aus dem Kriegsvölkerrecht (ich meine Zusatzprotokoll 1 zum Genfer Abkommen)
    wenn man so will, kann man sagen, dass es außerhalb bewaffneter Konflikte keinen Söldner geben kann – letztlich ist Söldner aber auch zu einem Kampfbegriff verkommen, um Sicherheitsunternehmen zu diskreditieren

    Präzisionsgewehre sind nicht pauschal ungeeignet für den Einsatz von Bord: die meisten zu schützenden Schiffe liegen allein aufgrund ihrer Größe bis zu einem gewissen Seegang relativ stabil und letztlich gilt auch hier: haben ist besser als brauchen

  • T.   |   04. November 2013 - 20:46

    Moin,
    also erst mal Glückwunsch nach München für den bestandenen Kampf in dem Paragraphendschungel –
    Was die Bewaffnung anbetrifft, wir reden hier nicht von Spielzeugwaffen im Kal. 223 – denn mit nem .308 DMR und einer guten Optik lassen sich durchaus auch auf See Ziele bis 1000 m bekämpfen, kommt immer auf den Schützen an…
    Vollautomaten sind eher sinnlos und bedeuten meist Munitionsverschwendung – denn man muss bedenken – man befindet sich auf einem Schiff und hat nicht unbegrenzt Mun. zur Verfügung und ein Waffenladen ist nicht um die Ecke.
    Und wer nicht in der Lage ist sein Ziel mit 2 – 3 Schuss außer Gefecht zu setzen, schafft es auch nicht mit 20 – 30 und hat dementsprechend nichts in diesem Bereich verloren!

  • Westfale   |   04. November 2013 - 21:51

    Dem Vernehmen nach haben die Waffen weniger die Funktion, die Piraten zu vernichten, sondern dienen in erster Linie dazu, diesen glaubwürdig die Botschaft zu vermitteln, dass für sie ein sehr hohes Risiko besteht, wenn sie näherkommen.
    Eine Vernichtung der Piraten wäre zwar sicherheitspolitisch wünschenswert, in diesem Fall aber rechtlich bedenklich, solange sie nicht im Rahmen von Notwehr zur Abwehr eines laufenden Angriffs stattfindet. Außerdem ist sie nicht Teil des Vertrags der jeweiligen Dienstleister und auch betriebswirtschaftlich zumindest außerhalb der Notwehrsituation nicht zu rechtfertigen.

  • wacaffe   |   04. November 2013 - 22:07

    @ kommentator

    wie wayres schon schrieb ist der Terminus Söldner außerhalb des Anwendungsgebietes der LOAC eigentlich bedeutungslos.

    Die jetzt erlassenen Regeln beziehen sich ja primär auf die gewerbe- waffenrechtliche Zulässung bei deutsch geflaggten Schiffen.

    Im Falle des Falles wird dann mit „ziviler“ Notwehr/Nothilfe operiert, so das der Rechtskreis in dem die PMC Problematik virulent ist nicht berührt wird.

    @ westfahle
    schon richtig was sie da ansprechen.
    lustig wird es dann wenn man die Störtebeckers denn mal leckgeschossen hat un diese im teich landen.

    gegenwärtige gefahr beendet/seenot/unterlassene Hilfeleistung

    Friedensrecht meets warzone. geht meistens schief

  • Westfale   |   04. November 2013 - 22:30

    @wacaffe
    Wenn so ein Boot tatsächlich leckgeschossen werden sollte, dürfte das aus der Distanz nicht zu erkennen sein. Es läge also kein Vorsatz (ein im Strafrecht zwingendes Tatbestandsmerkmal) vor, wenn wirklich einmal zufällig dieser Fall eintreten sollte. Für die Sicherheitsdienstleister gilt bis zum Beweis des Gegenteils durch die Piraten zudem die Unschuldsvermutung. Davon abgesehen ist schon deshalb kaum eine Strafanzeige durch die Piraten zu erwarten, da diese im geschilderten Fall ja nicht mehr lebend das Festland erreichen würden, was eine praktische Voraussetzung dafür ist, die Strafanzeige überhaupt stellen zu können. Der deutsche Rechtstaat ist hier also leider weitgehend machtlos, was den Schutz der Piraten vor den Risiken angeht, die ihnen bei ihren Angriffen entstehen. Ich bin mir aber sicher, dass in Berlin schon daran gearbeitet wird, auch in dieser Frage eine für die Piraten akzeptable Lösung zu finden.

  • wacaffe   |   04. November 2013 - 22:41

    ich hatte ja immer für eine völkerrechtliche Lösung a la „hostes humani generis“ plädiert da würde man sich den ganzen kladderadatsch der hier sonst aufgeführt wird sparen.

    die deutsche Lösung heißt dann aber wahrscheinlich Asyl für alle tatsächlichen und potentiellen Piraten Somalias(ach was… Afrikas!) samt erweiterter Großfamilie. Sie wissen ja, Kolonialismus und so..

  • huey   |   05. November 2013 - 6:23

    Um mal mit einigen Vorurteilen hier aufzuräumen:

    Die „Piraten“ stürmen keine Schiffe, in dem sie mit anderen Großschiffen hunderte ihrer Kampfgenossen das gegnerische Schiff entern lassen („Fluch der Karibik“ lässt grüßen), sondern nähern sich mit einem oder mehreren kleinen Booten („Skiffs“), und „testen“ die evtl. vorhandene Gegenwehr.

    Die Zeiten, in denen ein Skiff bei Nacht an einem Tanker anlegt, und diesen über Leitern entert, sind schon lange vorbei.

    Diese Skiffs sind im übrigen durch nichts von den hunderten anderer Fischerboote zu unterscheiden-selbst bei einer oberflächlichen Durchsuchung würde man die meisten nicht von den restlichen „unschuldigen“ unterscheiden können.

    Tanker sind zudem die erstrebenswerteren Ziele, da die Reeder i.d.R. zügig und ohne öffentliche Aufregung das Lösegeld bezahlen…
    Zudem führen Tanker oft mehrere Zehntausend-bis Hunderttausende Dollar mit sich…in bar.

    Da die Tanker aber schon seit Jahren überwiegend im Konvoi und/oder mit bewaffneten Teams an Bord fahren, sind diese größtenteils uninteressant geworden (siehe auch Verlagerung der Piraterie-Vorfälle vom Osten Afrikas (Somalia/Kenya) in den Westen.

    Dort „spezialisiert“ man sich zunehmend (wieder) auf „reiche Luxus-Jachten“, weil man dort Bargeld und Schmuck holen kann-und dort i.d.R. keine bewaffneten Teams zu erwarten sind….

    Das Problem ist also nicht gelöst-es hat sich nur verlagert..

    Bei der Schwerfälligkeit der europäischen Regierungen in dieser Hinsicht ist eine Lösung auch nicht zu erwarten-zumal die Bevölkerungsgruppen, aus der die Piraten überwiegend stammen, nur eine Sprache verstehen-und die ist nun mal (leider) die, welche Europa nicht sprechen mag…

    Alles andere wird im Übrigen hier (Mogadishu/Somalia) als „verweichlicht“, „weibisch“ und „un-männlich“ bewertet…..in „deren“ Augen sind wir keine Männer…und das lässt man uns im Großen und Ganzen hier auch täglich spüren, weil wir „verweichlicht“ sind, und man mit uns machen kann, was man will……

    Willkommen in der wirklichen Welt-in der die rosarote Weltanschauung von Merkel&Co keinen Platz findet…

  • Thomas   |   05. November 2013 - 8:56

    Cooles Foto, übrigens!

  • ADLAS-Doe   |   05. November 2013 - 10:24

    @Westfale: Na, wenn das alles so einfach ist, dann warten wir mal ab, ob und wie das AA sich schon darauf vorbereitet hat, bewaffnete deutsche Sicherheitsdienstleister im Fall des Falles aus fremden Knästen wieder rauszuholen. Die Italiener zeigen ja seit 2012, was da alles schief gehen kann. Und da handelt es sich sogar um Soldaten, nicht irgendwelche aus staatlicher Sicht eher „expendable-PMC-Typen“… ich hatte das auch im letzten ADLAS mal kurz zusammengefasst:

    http://adlasmagazin.wordpress.com/2013/09/16/689/

  • T.Wiegold   |   05. November 2013 - 10:39

    @Thomas

    Danke. Genau dafür ist ja das schicke Foto-Guckloch links im Cockpit der P-3C…

    (Ist übrigens gar nicht so einfach, den richtigen Moment zu erwischen, weil der Flieger in der Höhe ziemlich schnell drüber weg ist.)

  • -MK20-   |   05. November 2013 - 11:13

    @huey
    Wie lässt man Sie das täglich spüren?

    @wacaffe
    Nein, auch wenn das der eingelullte Deutsche gerne glauben will, während er sich seine Dolchstoßlegende zurecht schustert, aber somalische Großfamilien werden nicht nach Deutschland geflogen, um mit den Familienpiraten ins hiesige Traum-Asyl zu gehen. Die deutschen Juristen sind eher damit beschäftigt, Nachnamen und Geburtsdaten ihrer somalischen Freunde herauszufinden, bevor man überhaupt mit dem Anklageprozess nach unserem Recht beginnen kann. Oder Dolmetscher zu finden, die somalische Dialekte handhaben können.

    Reden wir nicht drum herum: hostis humani generis würde uns Ihrer Meinung nach einiges an Aufwand ersparen. Und wie tut man das? Indem man die Verantwortlichen noch auf See exekutiert. Richtig? Alles andere würde ja „kladderadatsch“ sein, inklusive Haftstrafen (man denke nur an den vielen Aufwand und Kosten!). Wenn es – d.h. hostis humani generis – aber nicht auf Exekutionen hinauslaufen sollte, auf was dann?

  • wacaffe   |   05. November 2013 - 14:30

    @ mk 20

    Die methode hhg hat sich in der vergangenheit jedenfalls bei. Der pazifizierung problematischer seeraume bewährt. Wie ich obig schon anriss lässt sich das deutsche friedensstrafrecht nicht einfach in völlig anders strukturierte gesellschaften und gemengelagen transplantieren. (Siehe hueys post)

    Manchmal muss man die leute normativ eben da abholen wo. Sie stehen.
    Verantwortungsethische lösungen orientieren sich zu lösenden problem vor ort und nicht der befindlichkeiten einer saturierten wohlstandsgesellschaft.

    Dem vernehmen nach haben inder und russen bei gelegenheit so gehandelt. Frei nach dem motto ‚wer sich in gefahr begibt. ..‘

  • -MK20-   |   05. November 2013 - 15:04

    Welche Vergangenheit (gemessen in Jahren) und welche Seeräume sind gemeint?

    Das man das deutsche Strafrecht nicht einfach so auf Somalia anwenden kann, hat man hierzulande bereits vor einiger Zeit gemerkt. Das ist nichts neues, siehe Taipan-Nachspiel. Die Niederländer haben die Piraten auf frischer Tat ertappt, festgenommen und an uns ausgeliefert, also wurde es auch zu unserem Problem, das wir mit unserem Rechtsverständnis angepackt haben.

    Jetzt heißt es aber, Inder und Russen hätten „bei Gelegenheit so gehandelt“. Aha. Also auch nicht immer, sondern nur vereinzelt. Dann hat man in der Vergangenheit diese Seeräume anscheinend mit einer anderen Methode befriedet, anstatt die gefangen genommenen Piraten auf der Stelle zu exekutieren.

    Außerdem, was würde sich ändern? Genug somalische Piraten sind nicht mehr wieder zurückgekehrt, und trotzdem gibt es sie weiterhin. Das Geschäft kann sich ja auch regional verlagern. Im Golf von Aden klopft man sich siegessicher auf die Schulter, während der Golf von Guinea bald kaum mehr befahrbar ist. Ein herrlicher „Erfolg“.

  • Zini a.D.   |   05. November 2013 - 15:59

    @wacaffe: Ihre Überlegungen sind m.E. das überzeugendste Argument dafür, die Privatisierung der Sicherheit auf See als gefährlichen Irrtum zu betrachten. Es reicht dazu völlig sich vorzustellen, dass nicht zwei italienische Marinesoldaten sondern private Sicherheitskräfte die indischen Fischer getötet hätten. Dann wäre Indien wohl kaum auf diplomatischem Weg (den die indischen Behörden ohnehin durch ein explizites Ausreiseverbot für den italienischen Botschafter, also eine Art Geiselnahme sehr weit interpretiert haben) vorgegangen und hätten den italienischen Tanker samt Besatzung und Crew einschließlich der privaten Sicherheitskräfte ohne viel Federlesens einkassiert und festgesetzt. Preisfrage: Wie groß die Chance ist, dass so eine Aktion dann noch friedlich abläuft?
    Bei genau solchen Konflikten werden wir jetzt aber landen, vor allem nach dem die wachsenden Probleme vor Westafrika (die Region um Somalia verliert bekanntermaßen an Bedeutung) den afrikanischen Staaten überlassen wurden.

  • Kommentator   |   05. November 2013 - 16:51

    Die Piraten sollte man einfach an die entsprechenden z.B. kenianischen Stellen übergeben. Oder, da das „Übergeben“ ja ein Problem ist, man lässt sie einfach irgendwo an Land und zufällig werden die da schon erwartet. Da kann man dann auch nix mehr machen, aufs Festland darf man ja nicht wirken.
    Ob die da einen Prozess nach europäischen Richtlinien bekommen…? Ach kommt, da sollten wir einfach tolerant sein und anderen Staaten ihre juristischen Gewohnheiten zugestehen.

  • wacaffe   |   05. November 2013 - 17:10

    @ zivi ad.

    die privatisierung ist ja aus der not geboren. nur weil die staaten nicht die nötigen kapazitäten bereitstellen können oder wollen gibt es einen Markt für PMC’s.

    Die indische Situation war offensichtlich auf etwas übereifrigen Schusswaffengebrauch zurückzuführen. Bei entsprechenden ROE (auch für Contractors) lässt sich diese Gefahr jedoch minimieren.

    Abgsehen davon ist die Begleitung ja letzlich nichts anderes als maritimer Werksschutz. das muss man nicht zwingend hoheitlich lösen. Der Türsteher um die Ecke is ja kein Beamter.

  • KeLaBe   |   05. November 2013 - 17:24

    @ wacaffe

    Sind die Türsteher um die Ecke seit Neuestem bewaffnet?

    Das Mitführen und Anwenden von Waffen ist doch der springende Punkt bei den PASC. Mit anderen Worten: Inwieweit billigt man ihnen (aus der Not des polizeilichen Mangels heraus) quasi hoheitliche Aufgaben zu? Das ist schon was anderes als maritimer Werkschutz.

  • chickenhawk   |   05. November 2013 - 17:31

    Hierzulande sind die Leute, die Geldtransporte durchführen, in der Regel auch bewaffnet. Und bei dem Herren, der den ganzen Tag vor einem Juwelier-Geschäft in Köln (nähe Dom) steht, beult sich der Anzug auf der linken Seite auch ein wenig.

  • wacaffe   |   05. November 2013 - 17:35

    es ging lediglich darum mit einer zuspitzung zu illustrieren, dass private wirtschaftliche interessen durchaus auch durch private dienstleister geschützt werden können. Den Preis zahlt dann der Konsument. Mir scheint das die effizienteste Lösung für die akuten Sypmtome der Piraterie. Auch Kernkraftwerke werden zivil geschützt. alles eine frage des willens pragmatische Regelungen zu finden.

    Es gibt durchaus auch argumente für eine staatliche Rolle, diese sollte sich dann aber eher auf die proaktive Seite der Pirateriebekämpfung konzentrieren, Boarding von Mutterschiffen, Landoperationen, Befreiungen, follow the money aktionen…

  • KeLaBe   |   05. November 2013 - 17:45

    @ chickenhawk
    Vielleicht sind das ja nur haribo in der Anzugtasche (wegen der Durchhaltefähigkeit).

  • Zivi a.D.   |   05. November 2013 - 20:21

    @wacaffe: Völlig einverstanden im ersten Punkt, der Einsatz privater Dienste ist eine Notlösung, weil die Politik sich verweigert, obwohl es hier ganz klar um hoheitliche Aufgaben geht. Der Knackpunkt liegt aus meiner Sicht noch nicht einmal bei der Bewaffnung, auch das wäre „pragmatisch“ zu lösen sondern bei dem Risiko, dass sich die recht zahlreichen unterschiedlichen staatlichen Player auf diesem Feld (Justiz, Polizei, Militär multipliziert mit der Zahl der beteiligten Staaten dazu die privaten Sicherheitsdienste) durchaus auch gegeneinander arbeiten können. Die schönen Beispiele machen das ja gerade deutlich: Die privaten Sicherheitsfirmen in den AKW oder vor der Tür des Juweliers oder wo auch immer hierzulande eingesetzt, halten immer auf ein gutes Einvernehmen mit der Polizei. Die Polizei muss ohnehin eingeschaltet werden, wenn es ernst wird. Und wenn die staatlichen Gesetzeshüter nicht mit den Methoden und Verfahren der privaten Sicherheitsleute einverstanden sind, finden Erstere am Ende des Tages immer einen Weg, Letztere so unter Druck zu setzen, dass entweder Verfahren und Methoden sich ändern oder die Sicherheitsfirmen vom Markt verschwinden. Daraus entsteht am Ende eine normalerweise gut funktionierende Kooperation/Arbeitsteilung zwischen den Beteiligten. Daher ist der Mann mit den dicken Hosentaschen vor der Tür des Juweliers kein Problem.
    Ob ähnlich gut funktionierende Strukturen entlang der wichtigsten Schifffahrtsrouten hergestellt werden können, ist fraglich schon allein wegen der Empfindlichkeiten gegenüber vermeintlicher oder tatsächlicher Bevormundung durch „den Westen“. Umgekehrt hat der Fall Blackwater/Irak wohl gezeigt, was im Extremfall von Seiten der Sicherheitsleute alles falsch gemacht werden kann wenn MV Murphy´s Law auf Piratenjagd geht.
    Außerdem dürften hier noch ein paar rechtlich Fallstricke liegen: Eine deutsche Genehmigung für Sicherheitsleute auf einem Schiff des deutschen Registers trägt genau genommen nur auf hoher See völlig sicher. Sobald fremde Hoheitsgewässer angelaufen werden, gibt es zumindest Probleme wenn eben keine Genehmigungen vorliegen, die dem Recht des betreffenden Staates genügen. Wo das nicht gegeben ist, täten die Sicherheitsleute im Zweifel gut daran, ihr Zeugs über Bord zu werfen und ein freundliches Lächeln aufzusetzen wenn die fremde Küstenwache zur Kontrolle an Bord kommt. Nun liegt das Haupt“arbeitsgebiet“ der Piraten im Golf von Guinea innerhalb der Hoheitsgewässer vor allem Nigerias, nur die Minderheit der Schiffe wird überhaupt in Fahrt angegriffen. Das wäre das wichtigste Einsatzgebiet der privaten Dienste.

  • wacaffe   |   05. November 2013 - 22:00

    d’accord
    nur ist die notwendigkeit externen eingreifens ja gerade auf ein fehlen funktionierender Institutionen zurückzuführen. Die somalische „Küstenwache“ wird ein Contractor wohl nicht fürchten müssen ;) . Dito vor Nigeria.

    Mit pragmatischen Lösungen meinte ich auch vor Einsatz ein bilaterales Einvernehmen mit dem Staat zu erzielen in dessen Hoheitsgewässer man potentiell operiert. Wenn der Entsendestaat schon nicht selbst aktiv werden will dann sollte er zumindest rechtssicherheit für seine Unternehmen herstellen. (Bsp. Ziviles SoFA mit Immunität für PMC’S)

  • schiff   |   06. November 2013 - 10:02

    die Italiener haben ein Boot mit 2 (in Worten zwei) Fischern unter Land beschossen.Entweder hatten die die Hosen voll,oder sie wollten mit einer ungefährlichen Heldentat prahlen.
    Skiffs 5-6m lang oder Whaler 8m lang sind mit 6-8 Mann besetzt und fallen durch
    reichlich Benzinfässer und lange Leitern auf.Ausserdem sind sie deutlich besser motorisiert und eher auf hoher See und nicht in Küstengewässern anzutreffen.
    Bei der Bekämpfung werden zunächst Warnschüsse abgegeben und dann i.d.R.
    auf Distanzen von 100-200m mit schnellem Einzelfeuer oder kurzen Feuerstössen
    die Boote beschossen.Scharfschützengewehre bringen keinen Vorteil,da die Plattform
    selten ruhig genug ist.Distanzen von 1000m sind eine tolle Sache wenn ich mir das
    Ziel (frühstückende Taliban siehe Youtube) eine halbe Stunde „zurechtlegen“ kann.

  • Bayern CS   |   11. November 2013 - 14:08

    Ich bin irgendwie erschöpft mich über alles nur noch aufzuregen. Deshalb sag ich nur noch…. wenn sie meinen… hoffentlich geht das nicht nach hinten los…

    LG,
    Bene von Werkschutz München

    [Hm, der Link, und dann gleich 2x, hat sich mir nicht richtig erschlossen. Machen die auch Anti-Piraterieeinsätze? Ich glaube nicht.. Des halb Link gelöscht. T.W.]