US-Truppen in Afghanistan: Die Null-Lösung ist wieder auf dem Tisch

Seit Monaten verhandeln die USA und Afghanistan über ein Abkommen für die Stationierung amerikanischer Truppen ab 2015, wenn die derzeitige ISAF-Mission ausläuft – bislang ergebnislos. Das Bilateral Security Agreement (BSA) kommt offensichtlich angesichts der afghanischen Forderungen nicht voran, und inzwischen scheint auch (erneut)  nicht ausgeschlossen, dass es zu einem Komplettabzug der US-Truppen kommen könnte, wie die New York Times berichtet:

The United States and Afghanistan have reached an impasse in their talks over the role that American forces will play here beyond next year, officials from both countries say, raising the distinct possibility of a total withdrawal — an outcome that the Pentagon’s top military commanders dismissed just months ago. (…)
“The time to conclude for us is now,” the administration official said on Friday. In the absence of a deal, “this fall, we are going to have to make plans for the future accordingly.”
The impasse, after a year of talks, has increased the prospect of what the Americans call the zero option — complete withdrawal — when the NATO combat mission concludes at the end of 2014.

Ein Scheitern des BSA hätte Auswirkungen auf alle Verbündeten, die bislang Truppen in Afghanistan stellen und eine Beteiligung an einer ISAF-Nachfolgemission erwägen – also auch auf Deutschland. Ohne die USA, die auch künftig den Großteil der Soldaten am Hindukusch stationiert hätten, wäre das geplante Szenario für ein weiteres militärisches Engagement für die anderen Nationen nicht haltbar.

In Kurzform: Kein Abkommen zwischen den USA und Afghanistan, kein weiterer Bundeswehreinsatz. Und ein kompletter Abzug bis Ende 2014.

(Foto: A U.S. Marine Corps V-22 Osprey aircraft prepares to land at Forward Operating Base Nawa in Helmand province, Afghanistan, Dec. 17, 2010 DoD photo by Mass Communication Specialist 2nd Class Kevin S. O’Brien, U.S. Navy via Flickr)

 

 

 

31 Gedanken zu „US-Truppen in Afghanistan: Die Null-Lösung ist wieder auf dem Tisch

  1. Kein Abkommen zwischen den USA und Afghanistan, kein weiterer Bundeswehreinsatz. Und ein kompletter Abzug bis Ende 2014.

    So wird es wohl, wie von mir erwartet, kommen.

    Das Erbe von General Vo Nguyen Giap lebt weiter. Er hat in Dien Bien Puh gezeigt das und wie „westliche“ Kolonialarmeen geschlagen werden können. Der globale „Süden“ hat daraus gelernt. Kriege werden an der gegnerischen Heimatfront gewonnen und wer es schafft die Heimatfront des Besatzers zu ermüden der gewinnt seine Souveränität zurück.

    Weder die Bürger der USA noch die Europas wollen die Afghanistankampagne fortführen. Ein Verbleiben von Truppen in Afghanistan wäre sicherlich auch gegen den Willen der Afghanen durchsetzbar. Da das aber Zuhause nicht mehr verkauft werden kann, wird man jetzt die Position der Afghanen zum Abzug nutzen.

  2. Ob wir jetzt noch bis Ende 2014 oder Ende 2017 in MeS sind, ist für die Lage vor Ort ja auch irrelevant. 3 weitere Jahre Beratung auf Korpsebene und Mentoring an der CSS bringen die ANSF auch nicht wirklich weiter.

    Ohne die USA werden die ANSF jedoch einige Probleme bekommen – Karzai will aber noch ein wenig den Helden spielen.

    Wie bei den Sondierungsgesprächen in Deutschland: Man ziert sich etwas und einigt sich dann. Und wenn nicht, dann muss man in MeS eben etwas schneller packen. Auch gut.

  3. Bei den Kommentaren kommt m.M.n. zu oft dieses Schwarz-Weiss-Sehen durch.
    Grundsätzlich finde ich Mentoring einen recht guten Ansatz …doch die Umsetzung…
    hier haben WIR gemessen an unserer Ausbildung,Erfahrung und materiellen Möglichkeiten die meisten Fehler gemacht. Das viele ANSF Kräfte „faul und gefrässig“ sind, ist unsere Schuld. WIR, das sind die KoalitionForces! Die Afghanen beherrschen nur das Spiel, nicht umsonst sagt man „einen Afghanen kann man nur mieten“. Habe die Erfahrung gemacht, dass es sehr wohl gute Soldaten (aller DG-Grp) bei der ANA gibt, die wollen lernen und wollen keine Dollars mehr sehen, sondern ausgebildet werden. Die wollen Mentoren, zu denen man respektvoll aufschauen kann und Ihnen keine BucheDekor Büroausstattung, keine „NewBoots“ oder Telefonkarten als Vertrauensbildung geben. Keine Mentoren,frisch von der Uni,wohnhaft bei Mama,Ersteinsatz etc. Wenn man das Thema“interkulturelle Kompetenz“ mal richtig ausgewertet hätte, würde mancher Mentor definitiv an der Sozialkompetenz scheitern. Wir haben Hoffnung geweckt und rauschen jetzt schnell ab. Alle Ampeln sind grün…auf geht es! Aber letztlich kann man auch nicht sagen,dass es gar nichts gebracht hat. Seit fast 10 Jahren gehen Mädchen in MeS wieder zur Schule …in Sicherheit. Die Infrastruktur hat gewonnen. Die Kommunikation im Land ist besser. Natürlich ist das teuer erkauft worden, aber schaut mal zurück ins Mittelalter nach Europa.
    Denkt mal beim Besuch einer Kirche oder Doms wie es wohl damals bei uns war…
    Ach ja …die Sache mit dem Umgang mit Frauen. Sind wir es nicht,die in einem liberalen,voller Freiheit lebender Menschen schönen Land unsere Frauen bei gleichem Job,Qualifikation und Alter, 1/3 schlechter bezahlen als Männer … da erscheint das „3 Schritte hinter einem Mann laufen“ in Afgh in einem ganz anderen Licht.

  4. b ist mal wieder am copy&paste-defätieren :-)

    Aber mal im Ernst, wen würde denn eine westliche Garnison in Afghanistan schon groß stören? Ausser ein paar Berufsweltverbesserern (ich wähle absichtlich eine Bezeichnung die von Taliban über ISAF bis b alles einschließt) nimmt keiner mehr die An- oder Abwesenheit westlicher Truppen in Afghanistan zur Kenntnis.

  5. @Mentor:
    „Grundsätzlich finde ich Mentoring einen recht guten Ansatz …doch die Umsetzung…
    hier haben WIR gemessen an unserer Ausbildung,Erfahrung und materiellen Möglichkeiten die meisten Fehler gemacht.“

    Zustimmung. Mir ging es lediglich darum zu hinterfragen wie effektiv 2015-2017 ein Mentoring auf Korpsebene ist – gerade weil wir aus unseren Erfahrungen zu wenig lernen.

  6. Der Größte Fehler war Karsei
    Nach den Angriff gegen den Westen, die Bösen sind auf einmal wir
    Für was sollen wir dann noch für Sie Kämpfen
    Wenn die Regierung selbst im Drogenhandel drin steckt

  7. @Alarich

    Politik ist meist die Kunst des Machbaren, selten die Kunst des Notwendigen…..
    Aber auch Herr Karsei braucht einen Plan C, (ich denke Plan B ist Politisches Asyl an der Côte Azur auf Kosten der internationalen Staatengemeinschaft)..und immer dran denken, wir haben die Uhren, die Einheimischen aber haben die Zeit!

  8. @memoria: möchte Ihren Gedanken auch nicht in Abrede stellen … Zustimmung

    @Alarich : grundsätzlich gilt doch “ wer die Kapelle bestellt, der bezahlt …aber er darf auch bestimmen was gespielt wird“
    Die USA konnte doch gut mit Karsai leben, sie fliegen doch bestimmt heute noch rüber mit Ihren Geldkoffern. Drogen, Unterdrückung, Machtspiele … das war alles bekannt und damit in allem Karsai kein Unbekannter!!!

  9. Falls man „win-win“ nicht hinbekommt, dann ist „loose-loose“ die zweitbeste Option und alle third parties sollen sich eben um sich selbst kümmern…….

  10. Ich denke auch das Geld eine Rolle Spielt
    Da USA China Krieg Gefahr immer Größer wird, und Zugeständnisse an Japan
    Es sollen ja 3 von X Strayker Brig Neue Strayker bekommen.
    M113 ersetzt werden und für den Pazifik braucht man mehr Flugzeuge und so weiter
    Dass das Wunsch Konzert wir Streichen mehre Brig, unter Realisieren schon bekannt ist das eine oder andere Brig wieder neu Aufgestellt werden
    Kampf Brig werden gerade 2 Btl gestrichen die anderen werden auf die anderen Brig Verteilt

  11. Ich würde das Thema gerne einmal sicherheitspolitisch erweitern und weg von einer reinen Streitkräfte Betrachtung. Als die Sowjets damals abgezogen sind und der Kampf in Afghanistan erledigt war sind viele Kämpfer nach Kashmir und Jammu und haben die Lage dort weiter massiv destabilisiert.

    Die Befürchtung ist, dass bei einem kompletten Abzug sich das ganze wiederholen könnte nur das heutzutage natürlich Indien und Pakistan nuklear bewaffnet sind und eine Eskalation in Kashmir und Jammu wirklich niemand gebrauchen kann.

    Und das ist nur ein Beispiel für die möglichen Ausweichfelder die Aufständige wählen können.

  12. Mal unabhängig vom Ausgang dieser bilateralen Verhandlungen: Ich frage mich, ob und welches Interesse die Amerikaner daran haben, dauerhaft mit einem Militärstützpunkt in Afghanistan vertreten zu sein. So ein Einsatz wie derjenige, der zur Tötung von Osama bin Laden führte, hätte kaum durchgeführt werden können, wenn man den Stützpunkt in Bagram nicht zur Verfügung gehabt hätte. Und das afghanische-pakistanische Grenzgebiet sowie die Stammesgebiete in Pakistan werden ja wohl noch auf längere Zeit Kriegsschauplatz sein.

  13. Mentor

    „Ach ja …die Sache mit dem Umgang mit Frauen. Sind wir es nicht,die in einem liberalen,voller Freiheit lebender Menschen schönen Land unsere Frauen bei gleichem Job,Qualifikation und Alter, 1/3 schlechter bezahlen als Männer … da erscheint das “3 Schritte hinter einem Mann laufen” in Afgh in einem ganz anderen Licht.“

    Wohl wahr. Wir Frauen in Deutschland verdienen im Verhältnis sogar noch schlechter als im Jahr 1908 (-20 Prozent). Aber wir sind ja so fortschrittlich und emanzipiert, da halten wir Frauen unsere Klappe und wir alle sowieso.

  14. Ich „mentore“ hier meist weniger die Afghanen, mehr die Coalition Forces mit immer neuen Ideen auf der Zielgeraden. Da kommt man sich meist dämlich vor immer nur dumme Fragen stellen zu müssen…
    @Mentor…volle Zustimmung, besonders die Qualifikation unserer Mentoren. Auch einen Kurs wie es die Briten haben, gibt es nicht… Mentoring Qualifikation mit Handauflegen … so long

  15. @J. Münster:
    Und dieses Defizit im Einsatz (Qualifikation durch Handauflegen) wird nun im Grundbetrieb fortgesetzt:
    Die OMLT-Abteilungen der Brigaden haben auch weiterhin kein Konzept zur Personalauswahl und -entwicklung.

    Vom Einsatz her denken…

    Dass ISAF/ CF untereinander keine gemeinsame Linie finden ist ja gerade beim Mentoring ein Evergreen (siehe Camp Victory auf YouTube).

  16. Vielleicht ist es Zeit für ein Planspiel: Wie sieht die Armee aus, die sinnvolles leistet, in der man seine Bestimmung finden kann und wie müsste das dafür nötige politische und gesellschaftliche Umfeld beschaffen sein

  17. @ Münster : Mich hat 2009 nach 7,5 Monaten mentoring eines InfKdk der SenMentor abschließend gefragt, was denn m.M. an Personal benötigt werde. Ich sagte „Erwachsene…aber dies kann man nicht mit ATN abfragen…….. Schweigen“
    Bis heute hat sich nicht viel verändert diesbezüglich. Wir können 1-2 Kontingente gut…
    danach nur max halbgut.

  18. @iltis:
    Interessant. Nur ist das Pferd falsch herum gezähmt.
    Zunächst ist doch die Frage was politisch-gesellschaftlich erwartet wird und daraus ergibt sich – zusammen mit den denkbaren Szenaren – die Größe und Art von Streitkräften.

    Und genau deswegen ist die Bundeswehr weiterhin zu groß und zu wenig Einsatz tauglich.

  19. Mit dem Einsatz He(e)r kämpfen oder träumen …. oder wie war das, Vom Einsatz quer denken …
    @Mentor / Memoria . Die tägliche Realität hier spricht Bände. In der Besetzung der Dienstposten haben wir aber versucht weiter mitzureden … nicht immer erfolglos aber nicht das Optimum, welches möglich ist.. ach es sind ja immer die Gleichen, die man her trifft… Aber was die Größe der Armee angeht, Kleiner geht natürlich aber der engl Spruch “ a smaler but better army“ und danach „frontline first“ helfen auch nicht… den Flexibel heißt nicht mit weniger mehr schaffen .. da sorgt schon der Verwaltungsapparat und Hasenfuss dafür .. so long

  20. @J. Münster:
    Vielen Dank für die Rückmeldung.
    Mit Blick auf RSM sollte man das Thema Personalauswahl und Einsatzvorbereitung von Mentoren ja noch dringender in den Griff bekommen.
    Scheint aber weiterhin eher persönliches Engagement und nicht gute Planung den Ausschlag zu geben.

  21. @Memoria: Da sehe ich keinen Widerspruch, denn mit „sinnvolles leistet“ meine ich natürlich das, wofür wir eine Armee haben. Aber Sie haben natürlich in sofern recht, daß wir nicht nur nicht wissen, was Deutschland will und braucht, sondern daß wir noch nicht mal mit einer gesamtgesellschaftlichen Diskussion dazu begonnen haben. Diese setzte natürlich eine gewissen Offenheit aller Beteiligten voraus und müßte abseits der üblichen ideologischen Schützengräben stattfinden.

    @autostaedterin: Vom Viehmarkt zu einer halbwegs ausgglichenen Situation zwischen den Geschlechtern ist es ein weiter Weg. Ein sehr weiter sogar. Und jetzt, wo die westlichen Armeen abziehen, wird das Loch, in das die Frauen zurückfallen werden nur um so tiefer und dunkler werden, je weiter sie in den letzten 10 Jahren über den Tellerrand hinausschauen konnten.

    Es gab übrigens vor der sowjetischen Besetzung in AFG durchaus westlich orientierte Familien, in denen das Geschlechterverhältnis deutlich anders war als in ländlichen Regionen. Aber es waren sicher Ausnahmen

  22. iltis | 05. Oktober 2013 – 20:10

    Ich habe es eigentlich so gemeint, dass ich es traurig bis peinlich finde, nach 12 Jahren Krieg und dem erheblichen Einsatz von Mensch, Material und Cash in Plastiktüten einen solchen Artikel lesen zu müssen. Ich glaube, die meisten Mädchen und Frauen haben gravierendere Probleme, als über irgendeinen Tellerrand zu schauen. Angesichts von Zwangsehen, unbetreuten Schwangerschaften und Geburten und eines rechtlichen Status in der 3. Klasse verschlimmert jede Art von Unsicherheit (also auch militärische Auseinandersetzungen) die Situation noch.
    Ich habe im Spiegel auch den Bericht über AFG in den Siebzigern gelesen. Schade, dass es danach mit der sowjetischen Intervention einen Bruch gab.

  23. Die Null-Lösung ist nicht WIEDER, sondern von Anfang an auf dem Tisch. Die Deu Planungen laufen entsprechend. Auf Nato-Ebene plant man parallel zum Ursprungsansatz ein weiteres bzw. kleineres Modell aus. Die USA will sich spätestens bis Januar entschieden haben. Aktuell boxt noch Pentagon gegen Weißes Haus – bin gespannt, wie es ausgeht. Wo ist eigentlich der deutsche Außenminister? Wir lesen stets von Generälen oder dem Verteidigungsminister zu AFG, leider nie von Westerwelle und Co.! Das birgt die Gefahr, dass ein späterer Shitstorm bei den Streitkräften ankommt und das wäre schlichtweg falsch.

  24. der politisch untote phrasenproliferator Guido W. ist wohl der letzte der sich jetzt noch zur situation äußern sollte. was könnte er auch sagen.

    die entscheidung über den abzug fällt wie alle anderen die deutschen truppen betreffenden strategischen ziele in washington.

    usa agiert ,europa reagiert ces’t la vie

  25. @Viva:
    „Aktuell boxt noch Pentagon gegen Weißes Haus – bin gespannt, wie es ausgeht.“

    Das find ich auch das Spannende. Während das Pentagon noch einen Minimalerfolg (Erhalt GoIRA, Befähigung ANSF) in AFG absichern will, hat das Weiße Haus offenbar das Interesse auch hieran verloren. Solange AQ nicht wieder Freiräume bekommt, ist es dem Weißen Haus offenbar egal wer in Kabul, Kandahar, Herat, Mazar und Jalalabad da Sagen hat.
    Rein strategisch betrachtet ist die Sicht des Weißen Hauses nachvollziehbar.
    Das Pentagon tut sich offenbar (noch) schwer nachzuvollziehen, dass die im letzten Jahrzehnt wichtigen Dinge nunmehr unwichtig sind.

    Krieg ist nunmal die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.

    Ach ja und von Westerwelle höre ich eigentlich ähnliche Allgemeinplätze wie vom Verteidigungsminister: http://www.dw.de/westerwelle-wir-werden-afghanistan-nicht-vergessen/a-16867827

  26. Uiii, das TdM nach AFG reist, war mir klar, aber dass Westerwelle dabei ist überrascht mich. Nun bin ich gespannt, ob heute aus den Statements etwas mehr Realität Afghanistans zu hören ist. Das wäre wünschenswert.

    @ T.W.: Begleiten sie die BMs?

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