Schließung der deutschen Botschaft in Kabul: Verstimmung zwischen Afghanistan und Deutschland

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Die andauernde Schließung der deutschen Botschaft in Kabul aus Sicherheitsgründen sorgt offensichtlich für Verstimmung zwischen der afghanischen Regierung und Deutschland. Der afghanische Innenminister Omar Daudzai habe den deutschen Botschafter Martin Jäger einbestellt und die von der deutschen Seite genannte Furcht vor Anschlägen als unbegründet bezeichnet, berichtet das Online-Nachrichtenportal Khaama Press am Sonntag unter Berufung auf das afghanische Innenministerium:

The German ambassador to Afghanistan was summoned by the interior ministry of Afghanistan for closing the embassy over security threats. The interior ministry of Afghanistan on Sunday announced that Afghan interior ministry met with the German ambassador in his office over inaccurate security threats against the German embassy in Kabul.
Afghan interior minister quoted in a statement issued by the interior ministry media office said, “The interior ministry of Afghanistan call the security threats against the German embassy as baseless.”
Interior Minister, Omar Daudzai said that the inaccurate security threats which led to teh closure of the German embassy in Kabul is unacceptable to the interior ministry of Afghanistan. Mr. Daudzai further added that the Afghan police forces are capable to thwart any threats against the diplomatic institutions in the country, and there are no concerns in this regard.

Die Schließung der deutschen diplomatischen Vertretung in Kabul beruhte offensichtlich auf Hinweisen des Bundesnachrichtendienstes auf einen drohenden Anschlag. Botschafter Jäger hatte am Freitag via Twitter betont, dass er dennoch in der afghanischen Hauptstadt bleibe: I want to let all of our Afghan friends know that I stay in Kabul. Be sure, Germany is a partner you can rely on.

(Mir ist schon klar, dass formal nur das Außen-, nicht aber das Innenministerium einen Botschafter einbestellen kann. Außerdem pflegen die beiden Herren, siehe Foto oben, ohnehin einen regen Gesprächskontakt. Von daher ist schon vorstellbar, dass die entsprechende Mitteilung des Innenministeriums vor allem auf die Innenpolitik zielt…)

Nachtrag: Fast täglich gibt es Meldungen, die den Ansatz ein wenig infrage stellen, dass die afghanischen Sicherheitskräfte Garant für eine stabile Entwicklung des Landes sein können – viele eher kleine Vorfälle, aber auch richtig Besorgnis erregendes wie dieser Vorfall, über den unter anderem Reuters berichtet:

An Afghan army special forces commander has defected to an insurgent group allied with the Taliban in a Humvee truck packed with his team’s guns and high-tech equipment, officials in the eastern Kunar province said on Sunday.
Monsif Khan, who raided the supplies of his 20-man team in Kunar’s capital Asadabad over the Eid al-Adha religious holiday, is the first special forces commander to switch sides, joining the Hezb-e-Islami organisation.

(Foto: Der afghanische Innenminister am 2. Oktober im Gespräch mit dem deutschen Botschafter – via Twitter)

7 Gedanken zu „Schließung der deutschen Botschaft in Kabul: Verstimmung zwischen Afghanistan und Deutschland

  1. Wie bezeichnend für die zwiespältige Einstellung der Politik…

    Abziehen weil die Afgh selbst für ihre Sicherheit sorgen können(kommt innenpolitisch in D auch besser) vs. Botschaft aus Angst vor Anschlägen schließen.

  2. Alternative? Warten bis tatsächlich etwas passiert und dann Briefe an die Angehörigen schreiben? Was dann passiert konnte man vor kurzem lebhaft in den USA bewundern.

  3. @A. Fischer
    Man sollte politische Verlautbarungen nicht allzu ernst nehmen. Man zieht doch nicht ab, weil der Einsatz so erfolgreich war, sondern eben weil die meisten Regierungen (vor allem die USA) in ihm keinen Sinn mehr erkennen. Der deutsche Beitrag war ohnehin an eher symbolisch gemeint. Jedem ist aber bewußt, das der zurückgelassene afghanische Staat und seine Sicherheitskräfte inkompetente, korrupte Gebilde sind, die in ihrer gegenwärtigen Form die nächsten fünf Jahre nicht überleben werden. Die Amerikaner bleiben zwar noch aktiv, setzen dabei aber offenbar nur auf Partner, die ihnen künftig ggf. Luftwaffenstützpunkte an der Westflanke Chinas und der Südflanke Russlands in halbwegs stabilem Umfeld garantieren können, und nicht auf das Ziel eines funktionierenden afghanischen Staates. Mazar-e-Sharif und Bagram sowie Kandahar haben die Amerikaner bereits als einige der künftigen Schwerpunkte ihrer Präsenz angegeben.

  4. Mir ist das durchaus bewusst ich fand es nur so schön offensichtlich, @Vodoo als uniformträger will ich natürlich nicht das man es darauf ankommen lässt, das war auch nicht meine Intention. Nur wäre es schön wenn endlich mal ein Politiker die ungeschönte Wahrheit sagen würde und sich nicht in irgendwelchen floskeln versteckt.

  5. K. Müller | 20. Oktober 2013 – 14:40
    @A. Fischer

    […]

    Mazar-e-Sharif und Bagram sowie Kandahar haben die Amerikaner bereits als einige der künftigen Schwerpunkte ihrer Präsenz angegeben.

    Genau dieser Punkt interessiert mich: Haben die Amerikaner von der (gegenwärtigen) afghanischen Regierung die Zusage erhalten, diese Stützpunkte auch weiterhin nutzen zu dürfen? Insbesondere an Bagram dürften die USA ein gewaltiges eigenständiges Interesse haben. Was wäre der Status, wenn sich die afghanische Regierung nicht halten kann? Dann hätte man sozusagen Brückenköpfe im (Bürger-)Kriegsgebiet.

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