Sammlung 22. Oktober: ISAF-Nachfolgemission und andere Details

Aus Zeitgründen gibt es hier derzeit, wie schon vergangene Woche, nur sporadisch etwas zu lesen – ich hoffe auf Verständnis. Und sammele hier nur ein paar Dinge, die mir heute aufgefallen sind:

Die NATO, berichtet Spiegel Online heute, wolle ihre geplante ISAF-Nachfolgemission ab 2015, Resolute Support, deutlich einschränken und unter anderem Kampfhandlungen der eigenen Truppe einschränken. Das klingt zum einen nachvollziehbar, zum anderen für die Leser von Augen geradeaus! wenig überraschend – hatte das doch Verteidigungsminister Thomas de Maizière hier schon im August angekündigt:

TdM: (…) Die Regierungschefs haben in Chicago beschlossen, dass die neue Mission keine combat mission, also keine Kampfmission ist. In so weit wird es das, eine solche Kampfmission, einen Kampfauftrag, ab dem 1.1.2015 für Resolute Support, für das neue Mandat, nicht geben. Es gilt allerdings immer, dass dort, wo wir Soldaten hinschicken, wir Wert darauf legen, dass sie geschützt und beschützt sind. Und deswegen gehört, wie wir das nennen, Force Protection, also Schutz der eigenen Soldaten selbstverständlich auch zum Auftrag einer beratenden Mission und das kann auch den Einsatz von Waffengewalt bedeuten, das kann auch mal Kampf bedeuten, aber es ist keine Kampfmission, sondern der Schutz der eigenen Soldaten.

T.W: Über den Schutz der eigenen Soldaten hinaus, ich sagte gerade in extremis, auch Unterstützung ANSF. Das ist ja ein bisschen mehr als nur Force Protection.

TdM: Die Einzelheiten muss man da sehen. Dieser in extremis support bezieht sich gegebenenfalls auf Staatsbürger unserer Staaten, auf Entwicklungshelfer, auf all das, ob man die da raus holt.

T.W.:Nicht auf die ANSF?

TdM: Ein Kampfauftrag an der Seite der ANSF ist nicht Teil der neuen Mission.

Darüber hinaus gehört auf die Leseliste (danke für den Leserhinweis):

Ein gemeinsames Papier von Stiftung Wissenschaft und Politik und German Marshal Fund: New Power – New Responsibility / Elements of a German foreign and security policy for a changing world

und die SWP-Publikation
Die GSVP nach dem Dezember-Gipfel
Weniger Einsätze, mehr Sicherheits- und Verteidigungskooperation

 

17 Gedanken zu „Sammlung 22. Oktober: ISAF-Nachfolgemission und andere Details

  1. Die „Inseln der Kooperation“ (aus dem GSVP-Studie) sind ja eine interessante Idee. Aber damit wird doch einfach nur ein Prozess fortgeführt, der sich aus der mangelnden strategischen Hinterlegung der GSVP und der weitgehenden Zurückhaltung der Mitgliedsstaaten bei der GSVP entwickelt hat.
    Das kann nicht allein der große Wurf sein. Es sei denn man konkretisiert das und schreibt es in einer ESS 2014 fest.

    Die Studie schweigt sich auch über das Problem der Kooperation mit der NATO aus. Gibt es Lösungsansätze wie das gescheiterte Berlin+ Abkommen neu angegangen werden kann?
    Das wird n interessanter Gipfel. Hoffentlich…

  2. Hier vielleicht auch interessant: Ideen von TdM zur Weiterentwicklung der NATO:
    http://tinyurl.com/pufdg9o

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/nato-reform-de-maiziere-will-deutschen-sonderweg-beenden-a-929141.html

    Da werden sich die Skandinavier aber sehr freuen…
    Das ist ja die Weiterentwicklung der Anlehnungsmacht-Idee.
    Nur leider kennen uns gerade die Skandinavier seit AFG sehr gut.
    Die haben wahrscheinlich hierdurch einen realistischeren Blick auf deustche Sicherheitspolitik und die Bundeswehr als das BMVg.
    Insbesondere die Norweger wissen doch sehr genau was wir können und wollen – und was nicht.

    Da helfen dann auch tolle Grundsatzpapiere der SWP zur deutschen Sicherheitspoliik nicht, die – bezeichenderweise – Gewaltanwendung gar nicht thematiseren.

    Den Deutschen gehört das Land der Trüme unbestritten…

  3. @ Memoria
    Wer hätte das gedacht: Die NATO nimmt den deutschen Vorschlag und defence wird künftig noch smarter. Jetzt muss Deutschland sich nur noch die NATO-Mitglieder suchen, die ähnliche verteidigungspolitische Vorstellungen haben, um einen unbeweglichen Kern des Bündnisses zu bilden.

    Volunteers, anyone…

  4. „Der Erfolg zeigt: Deutschland untermauert seinen Führungsanspruch im Bündnis.“

    Hä? Hab ich da in den letzten Jahren irgendwas anders mitbekommen als der Herr Gebauer von SPON?

  5. Vielleicht für den ein oder anderen hier von Interesse:
    Eine Podiumsdiskussion von der derzeitigen AUSA-Jahrestagung zu „Strategic Landpowers“ mit Gen Odierno (CSA), Gen McRaven (SOCOM), Gen Paxton (USMC).
    Bereits die Einleitung von Gen Cone (TRADOC) ist interessant.
    http://www.dvidshub.net/video/304593/contemporary-military-forum-strategic-landpower-applying-army-marines-and-special-operation-forces-achieve-national-objectives#.UmgfhVBShVU

    Auch wenn das Ganze ja als Gegenprojekt zu Air/SeaBattle angelegt ist, gibt es doch interessante Überlegungen dabei.

  6. @ Memoria
    Danke für den Hinweis auf das Interview.
    Der Herr Professor hat allerdings vergessen, dass wir im Feldlager- bzw. Festungsbau auch ganz gut sind. Das ist gewiss auch eine gefragte Nischenfähigkeit.
    Weiterhin könnten wir mit Exportschlagern punkten wie Innere Führung, die ist nämlich a) jeden Tag voll gelebt und b) haben die anderen ja nicht, weil die alle doof sind und c) ist die eine wichtige moralische Keule… äh ich meine Stütze und ohne moralischen Unterbau geht’s schon drei mal und sowieso nich‘!
    Alles im Übrigen total wesentliche Kernfähigkeiten ohne die die NATO, EU , UN oder wer auch immer in z.B. Mali gar nicht erst in der Lage gewesen wären, die Islamisten (vorerst) ruhig zu stellen.
    Btw: wie kriegen eigentlich alle anderen Doofis iher Verwundeten nach Hause? Mit’m Linienflieger von Aryana Airways?
    Sarkasmusmode aus

  7. @Memoria:

    Die CSS ist in Kabul und macht nicht in EOD.

    Der Bericht dreht sich um die AES (Afghan Engineer Branch School) in Camp Shaheen und deren EOD/IEDD-Lehrgaenge.

  8. @FlaOffz:
    Schon klar, dass es sich um Pionieranteile in MeS handelt.
    Ich hatte lediglich im Kopf, dass die PiS um Nicht-Pionierteile erweitert werden sollte. LogS/GAFTAG/CSS kenne ich auch.

    Da war meine Bezeicnung oben falsch. Mea culpa.

    Ändert aber nicht an den oben beschriebenen Problemen.

  9. Nee,
    an der Pionierschule wird nix erweitert. Definitiv nix.

    Es gehen die Feldjägerschule und die Fernmeldeschule von Kabul nach Mazar.

    Ansonsten beschreibt der Artikel aber das Problem recht gut. Die Afghanen machen mächtig Klimmzüge um eine ausreichende Anzahl an Lehrgangsteilnehmern zu finden, die den „Bombenjob“ machen wollen, die lesen und schreiben können und genug technisches Verständnis mitbringen.
    Nach der Ausbildung „verschwinden“ aber zu viele aus dem EOD-Aufgabenbereich. Sie kündigen oder werden von höheren Vorgesetzten als Kraftfahrer oder Vorzimmersoldat eingesetzt.
    Wären alle bisher ausgebildeten EOD-Soldaten auf Ihren Dienstposten wäre das Problem halb so gross.
    Und nun möchte die NATO natürlich Druck machen vor der Präsiwahl indem man mehr Ausbilder und ggf. Material anbietet um mehr Soldaten ausbilden zu können. Wird nur das Problem schwer lösen, wenn man nicht mehr Lehrgangsteilnehmer hat wie vorher.

  10. @FlaOffz:
    Danke für die Rückmeldung.
    „Es gehen die Feldjägerschule und die Fernmeldeschule von Kabul nach Mazar.“
    Sowas hatte ich im Hinterkopf, dass man eben nicht nur ne PiS in MeS hat, sondern ne Kombination zu einer Art „Ausbildungszentrum Einsatz- und Führungsunterstützung“ (ohne Logistik). Wohl mein Mißverständnis

    Wir versuchen halt immernoch die ANA nach NATO- bzw. US bzw. UK-Vorbild zu gestalten MIt jeweiligen nationalen Eigenheiten (siehe ANA Officers School, weil Karimi in Sandhurst war…).

    Das verwirrt die Afghanen ja noch mehr – leider ist das n.m.E. auch für RSM noch nicht glatt gezogen.

    Finde diesen Artikel bemerkenswert ehrlich:
    http://www.panzertruppe.com/pdf/pdf%20s-b/ana-sb48.pdf

    Oder ist das der falsche Blick??

  11. OT:
    Zufallsfund zu EUTM – MedEvac bei EUTM soll ab 2014 durch ein Privatunternehmen erfolgen:
    http://www.eutmmali.eu/wp-content/uploads/2013/09/EUTM-Mali-AIR-MEDEVAC-MILITARY-REQUIREMENTS.pdf

    Interessantes Out-Sourcing. Nachdem die Aufgabe – nach einigem hin und her – zu Beginn von den Belgier übernommen wurde (http://augengeradeaus.net/2013/02/rettungshubschrauber-aus-belgien-fur-eu-einsatz-in-mali/).

    Bei Gefahr kann der Auftragnehmer selbst entscheiden, ob er sein Personal in Gefahr bringt.

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