US-General in Afghanistan: Alles besser am Hindukusch

Fast wirkt es, als habe das Pentagon dem Eindruck des Interviews mit dem ISAF-Kommandeur vor ein paar Tagen etwas entgegensetzen wollen: Während der oberste Chef der internationalen Truppen am Hindukusch, General Joseph Dunford, einen eher düsteren Ausblick verkündete und vor allem fürchterliche Verlustzahlen der afghanischen Sicherheitskräfte meldete, zeichnet sein Stellvertreter ein deutlich optimistischeres Bild. Der Chef des ISAF Joint Command (IJC), US-Generalleutnant Mark Milley, hatte in einer Videoschalte mit Journalisten im US-Verteidigungsministerium weitgehend Positives zu berichten.

Das ganze Transkript des Gesprächs mit Milley hier; ein paar Auszüge:

  First of all, with the security forces, we in fact have almost 350,000 uniformed police or army and — and multiple different types of police and army that are out there fighting the fight and carrying the — carrying the load every single day. And, in addition to that, not only do they have the numbers, or they have capacity, but this army is capable.

So they’ve gone from zero to 350,000 in — in a relatively short amount of time. And they are capable at the tactical level, every day, day in and day out, and they’re proving it over and over and over again in this summer’s fighting season, the first summer that they’ve really and legitimately been in the lead.

I’ve been here now for about four, going on five months. I’ve gone through the pre-Ramadan part of the fighting season where the enemy laid out their objectives. Things toned down a bit during Ramadan. They picked back up.

But, for the most part, this army and this police force have been very, very effective in combat against the insurgents every single day. And I think that’s a — an important story to be told across the board.

Have there been one or two outposts that have been overrun? Yes. But you’re talking about 3,000 or 4,000 outposts that are in the country.

So the bottom line is, the Afghans have successfully defended the majority of the population of this country. If you looked at where they — population lives, you got Kabul, Kandahar, Mazar-e-Sharif, Herat, Jalalabad, Ghazni — you know all of the major urban areas.
(…)
So the bottom line is, that’s a huge change. That’s a significant condition change that has occurred, really in the last few years over here, and it’s culminating right now.

 

 

12 Gedanken zu „US-General in Afghanistan: Alles besser am Hindukusch

  1. „Have there been one or two outposts that have been overrun? Yes. But you’re talking about 3,000 or 4,000 outposts that are in the country.“

    Wie sind jedoch die Erfolge der ANSF im human terrain?
    Wie wirken sich die gezielten Tötungen von ANSF- und GoIRA-Führern auf die Einstellung der Bevölkerung aus?

    Und wie immer bei den ANSF:
    Ist das westliche Modell einer Armee überhaupt das zweckmäßige oder bedarf es einer „New Model Army“?

  2. D4 und M3 ziehen sauber an einem Strang. Beide wissen, dass Resolute Support auch noch massive Kampfunterstützung für die ANSF (insbesondere SOF und CAS) benötigt. Daher ist das düstere Bild notwendig, um auch auf US Seite die entsprechenden Umfänge und Fähigkeiten post 2014 zu los zu eisen. Gleichzeitig wissen beide, dass ohne die „good news stories“, die es ohne jeden Zweifel zu Hauf gibt, ohne Vertrauen der ANSF in sich selbst, alles komplett hoffnungslos ist. Daher ist die Vorgehensweise kein Widerspruch, sondern sauber komplementär. Denn im Kern heißt es doch, wollen wir die guten Ansätze herschenken, nur weil wir statt 15.000 nur 8.000 Soldaten für RS entsenden.
    Ich finde, endlich mal der Ansatz zu guter Stratcom. Interessanterweise durchgeführt von zwei US Generälen in Richtung ihrer eigenen Regierung.

  3. Nachdem Pakistan sich nun immer mehr der russisch-chinesisch-iranischen Koalition zuwendet (http://www.rferl.org/content/pakistan-russia-strategic-dialogue-/25089136.html) werden die USA Afghanistan so ziemlich aufgeben und als Drogen- und Terrorproblem der „neuen Sowjetunion“ (wie H.Clinton kurz vor ihrer Pensionierung die russische Politik in Zentralasien bezeichnete) vor die Füße rollen. Natürlich möchte die US Army und das USMC weiter ihren Anteil an den operativen Pfründen erhalten, der Etatkuchen ist aber am schrumpfen und Navy und Airforce haben da so ein paar Probleme in NMO/Nordafrika und dann ist da noch dieses lästige asiatische Szenario……

  4. @Lastboyscout:
    Nur leider scheint man in Washington gar nicht mehr wissen zu wollen, was die ANSF noch an Unterstützung nach 2014 brauchen.

    Im DoD scheint man noch gewinnen zu wollen, das Weiße Haus hat bereits weitaus bescheidenere Ziele:
    Declare victory and go home.
    Egal ob die ANSF dann bereits 2015/2016 kollabieren.
    Solange AQ sich nicht (wieder) festsetzt ist wohl alles gut.

    Ähnlich sieht man es wohl in Berlin – wobei wir auch gegen eine Verfestigung der AQ nichts unternehmen würden.

    Die CONOPS sind noch nicht gebilligt, oder?

  5. @Memoria
    Um AQ geht es doch längst nicht mehr. ISAF war ursprünglich eine aktionistische Antwort auf 9/11, in die die beteiligten Staaten ihre teils widersprüchlichen, nicht immer AQ-bezogenen Agendas hineinpackten. So hat sich ISAF rasch zu einer Art Vorhaben für bewaffnete Entwicklungshilfe mit völlig unrealistischen Zielen verselbstständigt. Auf die Bedrohung der USA und Europas durch militante Islamisten würde ein Ende von ISAF vermutlich keine spürbaren Auswirkungen haben. Diese brauchen Afghanistan dank der Präsenz an zahlreichen anderen Orten auch gar nicht mehr als Rückzugsraum, denn mittlerweile stehen dafür u.a. Libyen, Syrien und der Irak dank tatkräftiger Unterstützung der USA und anderer zur Verfügung. Über Afghanistan wird keiner mehr reden wenn die zahlreichen in Europa lebenden Muslime, die im Nahen Osten derzeit als Kämpfer engagiert sind, gut ausgebildet nach Europa zurückkehren.

  6. @memoria.

    So viel ich weiß, nein. Aber die Force Generation läuft trotzdem an.

    Das was Sie sagen, stimmt. Aber die Generale vor Ort stemmen sich dagegen. Verständlich. Wie wollten sie sonst ihre Jungs und Mädels raus kriegen auf die Strasse.

    Großen Einfluss wird die Wahl haben. Wird sie durchgeführt?. Gibt es eine gewaltlose Machtübernahme? Laden uns die Afghanen überhaupt ein, nach 2014 zu bleiben? (bisher auch noch nicht passiert) Laden sie uns zu Bedingungen ein, die wir akezeptieren? (auch das ist noch nicht absehbar)

  7. In der Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA) steht folgender Satz:

    „Der Vorschlag des Ministeriums sehe vor, dass noch 600 bis 800 deutsche Soldaten am Hindukusch bleiben, um afghanische Streitkräfte auszubilden. Das wäre dann keine Aufgabe für ein Kampfhubschrauberregiment.“

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