PTBS-Behandlung nach dem Auslandseinsatz künftig auch in der Privatpraxis

Bei psychischen Erkrankungen, vor allem nach einem Auslandseinsatz, können Soldaten künftig auch von Psychotherapeuten in Privatpraxen behandelt werden. Damit werde es leichter, zum Beispiel bei post-traumatischen Belastungsstörungen eine ambulante Behandlung zu finden, vor allem in ländlichen Regionen, teilte die Bundespsychotherapeutenkammer am (heutigen) Dienstag in Berlin mit. Eine entsprechende Vereinbarung sei jetzt mit dem Verteidigungsministerium unterzeichnet worden. Was das in der Praxis bringt, kann ich nicht beurteilen – aber es klingt für die Betroffenen positiv.

Die Details, in der Pressemitteilung der Kammer:

Psychisch kranke Soldaten finden zukünftig schneller einen psychotherapeutischen Behandlungsplatz. Dazu unterzeichneten gestern Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) und das Bundesministerium der Verteidigung eine Vereinbarung, die am 16. September 2013 in Kraft tritt. Soldaten mit psychischen Erkrankungen können damit künftig in einem geregelten Verfahren Psychotherapeuten in Privatpraxen konsultieren. „Traumatisierte Soldaten werden damit deutlich leichter einen ambulanten Behandlungsplatz finden“, erklärt BPtK-Präsident Prof. Dr. Rainer Richter. „Sie sind nicht mehr ausschließlich auf die überlaufenen Praxen der für die Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung zugelassenen Psychotherapeuten angewiesen.“

Bisher warten Patienten bei Psychotherapeuten mit einer Kassenzulassung durchschnittlich drei Monate auf ein erstes Gespräch. In ländlichen Regionen, in denen sich viele Bundeswehrstandorte befinden, sind mehr als sechs Monate Wartezeit die Regel. Der Vertrag mit der BPtK schafft erstmals eine rechtliche Grundlage für die Behandlung von Soldaten durch Psychotherapeuten in Privatpraxen. Bisher war dafür eine aufwendige Einzelfallprüfung notwendig.

Die BPtK wird die Bundeswehr dabei unterstützen, eine ausreichende Anzahl von Psychotherapeuten für die Versorgung von Soldaten zu finden. Außerdem sind spezifische Fortbildungsveranstaltungen für Psychotherapeuten vorgesehen. In der Regel wird für die Behandlung eine Vergütung in Höhe des 2,0-fachen Satzes der Gebührenordnung (GOÄ) gezahlt, was in etwa der Vergütung in der gesetzlichen Krankenkasse entspricht. Für die Behandlung von Soldaten durch zugelassene Psychotherapeuten ändert sich durch den Vertrag nichts. Diese erfolgt weiterhin ausschließlich nach dem bereits existierenden Vertrag, den die Kassenärztliche Bundesvereinigung mit der Bundeswehr geschlossen hat.

Die unzureichende psychotherapeutische Versorgung von Soldaten war in letzter Zeit immer wieder Gegenstand der politischen Debatte. So kritisierte der Wehrbeauftragte in seinem Bericht 2012: „So kommt es immer wieder vor, dass Soldatinnen oder Soldaten von Truppenärzten Probesitzungen bei Therapeuten verschrieben bekommen, eine Langzeittherapie aber von der Bundeswehr als nicht genehmigungsfähig abgelehnt wird, weil diese Therapeuten nicht über die erforderliche Zulassung verfügen. Die Betroffenen müssen sich dann einen neuen Therapeuten suchen. Bereits entstandene Vertrauensverhältnisse werden so obsolet. Solche Situationen sind für die durch ihre Traumatisierung schon genug belasteten Soldatinnen und Soldaten unzumutbar und unbedingt zu vermeiden.“

(Archivbild: Bundeswehrsoldat in Faizabad – Bundeswehr/Kazda via Flickr unter CC-BY-ND-Lizenz)

8 Kommentare zu „PTBS-Behandlung nach dem Auslandseinsatz künftig auch in der Privatpraxis“

  • FNU SNU   |   10. September 2013 - 11:09

    Hmm, also mir fällt dazu nur immer wieder ein, dass eines der (oftmals ignorierten) Probleme darin besteht, dass ein ziviler Arzt z.B. keine Sicherheitsüberprüfung hat.
    Zwar darf der Arzt nicht darüber reden, aber der Soldat hat ja auch das Problem, dass er über VS-vertrauliche Dinge nicht reden dürfte.
    Inwiefern gibt es hier Lösungen?

    Von 2004-2006 hatte man extra einen Psychologen am Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz mit einer Ü2 ausgestattet, damit eben die Soldaten nicht das Problem haben, ein Dienstvergehen zu begehen, indem Sie über teilweise eingestufte Vorgänge reden.

    Ich könnte mir schon vorstellen, dass z.B. bei der TF 47 eingesetzte Soldaten PTBS haben könnten, aber dort sicherlich einiges VS-Geheim eingestuft ist.

    Trotzdem ist das schon eine Verbesserung der Situation der Kameraden. Fraglich ist jetzt nur noch, wie viele Psychologen denn „nur“ den 2,0 fachen Satz nehmen wollen bzw. wieviel Kapazität zusätzlich dadurch frei wird. Einige Psychologen wählen ja bewusst keine Kassenzulassung, da Sie mit Privatpatienten 2,4 oder 3,2 bzw. ganz individuell vereinbart Abrechnen können.

  • Schwertfisch   |   10. September 2013 - 11:21

    Lohnenswerte Bemühung, aber:
    Ist eigentlich ncihts neues!
    Nach Begutachtung in der FU 6 durch TrPsychologen erhielt man durchaus schnell die Überweisung zum zivilen Behandler…

    also – im dem Bereich: Vieles Gut!!!

  • Interessierter   |   10. September 2013 - 11:58

    Es scheint sich etwas zu tun im PsychDst der Budneswehr…

    Es war wohl auch letzte Woche eine Tagung der TrPsych der SKB. Im Moment ist wohl vieles in Bewegung in den Bereichen:

    – Peer-Ausbildung (Peers sollen níchtmehr „debriefen“ sondern nur noch als Sensor dienen)
    – Begleitung Einsatznachbereitungsseminare durch TrPsych
    – Neuordnung/Neufokussierung PsychDst in den SK

    Anscheinend bereitet man sich auf den Ansturm der Uniformierten Psychologen der Bw in einigen Jahren vor:

    http://bit.ly/15lrd6g

  • Cynic2   |   10. September 2013 - 13:20

    @ Interessierter

    Einen Ansturm würde ich zwar nicht erwarten, aber so eine Maßnahme ist wirklich überfällig, um die Personallage zu verbessern. Es ist mir bis heute ein Rätsel, warum die Bw ihre Universitäten nicht nutzt, um zielgerichtet die Fähigkeiten auszubilden, die sie braucht, sondern stattdessen unzählige Pädagogen produziert. Bleibt zu hoffen, die so ausgebildeten werden dann auch entsprechend eingesetzt. Bislang scheint der Studienabschluss ja wenig Einfluss auf den Folgedienstposten zu haben.

  • FNU SNU   |   10. September 2013 - 13:34

    @Cynic2

    Die Bundeswehr nutzt generell bis auf IT, Instandsetzung und den wenigen Militärhistorikern generelld as Studium nicht für die weitere militärische Verwendung.

    Anstatt die eigenen BWLer sinnvoll einzusetzen, werden lieber Exsoldaten bei Unternehmensberatern für den Tagessatz eines A11er-Monatslohns beauftragt.

    Ich begrüße auch die Ausbildung von Psychologen, denn hoffentlich ist dann auch mehr Verständnis dann für den Soldatenberuf gegeben.
    Ich hatte bei einer überezugten Kriegsgegnerin eine Behandlung begonnen und das hat nicht unbedingt dem Behandlungserfolg geholfen…

  • Interessierter   |   10. September 2013 - 14:39

    @FNU SNU:

    Sie Mär mit den externen Beratern glaube ich kaum und wenn dann nicht flächendeckend..schauen Sie mal in die Statistik zu externen Beratern in den Ministerien…die Bw hat im Zeitraum von 2009 bis 2013 für externe Berater die „gigantische Summe“ von rd. € 550.000 [sic!] ausgegeben…

    http://bit.ly/15ejIMn

  • FNU SNU   |   10. September 2013 - 14:59

    @ Interessierter
    Das Ganze wurde zurückgefahren (zum Glück).
    Aber in der Legislaturperiode davor bzw. den beiden davor war das auch mal etwas anders.

    Flächendeckend war das nicht, davon habe ich auch nie gesprochen.
    Und da gibts sicherlich andere Ministerien die da mehr ausgeben bzw. sicherlich andere Baustellen im Verteidigungshaushalt mit mehr Problemen.

    Allerdings stimmt es, dass ein Großteil der Studierten Offiziere auf einem Dienstposten eingesetzt sind, der nichts konkretes mit dem Abschluss zu tun hat, wenn man mal von den Soft Skills absieht.

  • Dee   |   10. September 2013 - 17:12

    Wobei ich mal grundsätzlich in Frage stelle, dass jeder Psychotherapeut in der Lage ist, Trauma kompetent zu therapieren. Eine entsprechende Zusatzausbildung haben nur wenige.