Gesellschaft für die Oker

Priazovye_webcam

Im Unterschied zum deutschen Flottendienstboot Oker hat sein russisches Pendant, die Priazov’ye der Vishnya-Klasse, einen entscheidenden Nachteil: Die Priazov’ye gehört zur russischen Schwarzmeerflotte und muss deshalb auf dem Weg ins Mittelmeer den Bosporus passieren, sozusagen öffentlich. Bei dieser Gelegenheit hat sie heute der Bloggerkollege von Bosporus Naval News auf einer Webcam der Stadt Istanbul erspäht (Foto oben)  und den Moment festgehalten…

Die Priazov’ye mit ihrer COMINT- und ELINT-Ausstattungdürfte dann aller Voraussicht nach der Oker in den Gewässern vor der syrischen Küste Gesellschaft leisten und ebenso wie das deutsche Boot versuchen, Funkaufklärung zu betreiben – wenn vermutlich auch mit einem etwas anderen Schwerpunkt. Irgendwo sah ich auch Meldungen, dass sowohl die US Navy als auch die französische Marine ähnlich ausgerüstete Schiffe in das östliche Mittelmeer entsandt haben, finde sie aber nicht mehr. Weiß jemand mehr?

(Die AFP-Meldung zu den russischen Kriegsschiffen: Russian warships cross Bosphorus, en route to Syria – heißt das im  Französischen wirklich Bosphorus?)

Nachtrag: Ein besseres Bild der Priazov’ye beim Bosporus-Transit macht via Twitter die Runde; da mir die Quellen/Rechtelage nicht klar ist, binde ich es hier nicht ein.

30 Gedanken zu „Gesellschaft für die Oker

  1. Die US Navy hat meines Wissens nach keine spezialisierten Überwassereinheiten zur elektronischen Aufklärung mehr. Also keine, die ausschließlich diese Funktion haben.

    Entsprechende Hardware steckt man aber durchaus auch in U-Boote. Kann gut sein, dass die Jimmy Carter gerade vor Syrien liegt.

  2. Also die US Navy hat nach meinem Wissen 2 große Seefernaufklärer, die die größe eines kleinen Träger haben.
    Im Jahr 2010 war ich auf einen der beiden zu Besuch, in meiner Aktiven Dienstzeit, bei der Kieler Woche. Ich war mit meiner Besatzung sogar in einer der 4 OPZs. Die so groß sind wie eine Basketballfeld.

    Es würde mich Wunder wenn diese Schiff außer Dienstgestellt wurde, den die waren gerade aus der Werft.

    Zum Thema Seefernaufklärer Frankreich schau mal nach ob es die Webcam in Brest/Frankreich noch gibt. Dort konnte man auf den Militärhafen schauen und dort müssen min 3 große weiße Schiffe liegen mit einer großen Kuppel mit einer Halmnummer mit ein A am Anfang.
    Wenn die da nicht liegen sind die wohl auch dort in der Nähe von Syrien…

  3. die US Navy hat mehrere Ueberwassereinheiten die auf COMINT ELINT bzw SIGINT spezialisiert sind.

  4. Sierrawhiskey84 | 05. September 2013 – 22:57
    „Im Jahr 2010 war ich auf einen der beiden zu Besuch, in meiner Aktiven Dienstzeit, bei der Kieler Woche. Ich war mit meiner Besatzung sogar in einer der 4 OPZs. Die so groß sind wie eine Basketballfeld.“

    Das dürfte wohl die USS Mount Whitney gewesen sein, das Kommando- und Flaggschiff der 6. Flotte:
    http://cdn.fotocommunity.com/Schiffe-und-Seewege/Kriegsschiffe/USS-Mount-Whitney-a21511177.jpg

    Wie gesagt, kein Schiff mit genuinen Aufklärungsaufgaben.

    ExKaleu | 06. September 2013 – 7:08
    „Für solche Fragen empfiehlt der geneigte Seemann Janes Fighting Ships. Das Büchlein kostet allerdings eine Kleinigkeit.“

    Die Anschaffung lohnt sich aber, und die älteren Ausgaben sind gebraucht sogar halbwegs erschwinglich.

  5. spontan aus der erinnerung und kurzem googlen: USNS Waters http://en.wikipedia.org/wiki/USNS_Waters_(T-AGS-45) hat reichlich platz für wechselbare antennen und scheint schon länger keine zivilen positionsmeldungen abzugeben. USS Mount Whitney http://www.mtwhitney.navy.mil/ ist nicht nur das us-mittelmeerflaggschiff, sondern auch schwimmender antennenwald. mindestens zu kalten kriegszeiten gab es mehrere kleinere „forschungs“schiffe über diverse us-haushaltsposten verteilt, die erstaunlich gut russisch verstehende besatzungen hatten.

  6. Sierrawhiskey84

    ‚Also die US Navy hat nach meinem Wissen 2 große Seefernaufklärer, die die größe eines kleinen Träger haben.‘

    Das sind keine Aufklaerer, sondern Amphibious Command Ships, speziell die Blue Ridge u Mount Whitney. Beide haben SIGINT-Faehigkeiten, sind aber eher als schwimmende Kommandozentren ausgelegt.
    Die USN ist in ihren SIGINT-Faehigkeiten eher auf Unterwasser-Aufklaerung ausgelegt (frueher gegen sowjetische, jetzt russische und zunehmend chinesische Aktivitaeten).

    Weitaus potenter und eher der Aufmerksamkeit wert duerften die RC-135 der USAF sein.

  7. Moin,

    also mal zum Thema Frankreich. Generell haben die zwei Klassen zur Verfügung.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Aufkl%C3%A4rungsschiff

    Meines Erachtens nach ist es wahrscheinlich, dass die Dupuy-de-Lome gerade wieder mal da unten ist. In meinen bisherigen Einsätzen durfte ich diverse Fotos von ihr im Mittelmeer machen. Ein sehr schönes Boot mit bis zu 80! Spezialisten aus den verschiedenen Ressorts drauf – damit da auch Synergieeffekte entstehen und man gleich vor Ort das große Picture generieren kann. Eine Bestätigung habe ich allerdings nicht. Mal sehen ob ich da noch eine Info bekommen kann.

    http://en.wikipedia.org/wiki/French_ship_Dupuy_de_L%C3%B4me_%28A759%29

  8. Was ist eigentlich mit den ganzen russischen Flottenbewegungen, gibt es dazu inzwischen mal Bestätigungen aus anderen Quellen als der „Stimme Russlands“ etc.?

    Hier wurde ja in den letzten Tagen so einiges darüber gepostet, und wenn die Meldungen alle stimmen würden dann sollte inzwischen ein Großteil der Schwarzmeer- und die halbe Nordflotte im Mittelmeer kreuzen. Fällt mir nur etwas schwer das zu glauben. :-)

  9. Auf der verlinkten Seite Bosporus Naval News ist eine hübsche Tabelle der russischen Flottenbewegungen vom Schwarzen Meer ins Mittelmeer. Und der Kollege sitzt da vor Ort.

  10. Das dürften dann also ein Zerstörer der Udaloy-Klasse sein, und evtl. auch der Kreuzer der Slava-Klasse Moskva. Dazu kommen die ganzen Ropucha-Landungsschiffe, von denen man gern wüsste ob sie in Tartus anlegen und dort Nachschub entladen.

  11. Janes:
    Für noch Uniformträger
    Auf den Seiten des MUKdo im Intranet sind insgesamt 21 Janes Online Werke verlinkt. Fighting Ships gibt es dort auch.

  12. fast OT: Ich bin immer wieder entzückt über die Möglichkeiten der deutschen Sprache… Flottendienstboot. Klingt so nach 10 Meter Länge und 4 Mann an Bord

  13. Iltis: Manchmal hat die dröge deutsche Sprache eben auch ihre Vorzüge – siehe Amt für Militärkunde ;-)

  14. Namensgebung ist aber auch bezeichnend für der innerstaatlichen Identitätskrise wenn es darum geht, militärische Mittel beim Namen zu nennen.

    Noch ein maritimes Beispiel: Die F124: mit 6000t, und 3D-Lenkwaffen (naja, evtl. mit Ausnahme der nächsten 90´er Erfolgsgeschichte, dem MU90 Torpedo) würde in keiner Marine der Welt als „Fregatte“ gelistet werden, in der Deutschen Semantik klingt das aber einfach besser und weniger „böse“ als das eigentliche internationale Äquivalent, klassifiziert als „Destroyer“.

    Um das Projekt seinerzeit durch BT und in Beschaffung zu bringen gab es m.W. sogar eine Anweisung „höchster“ Stelle, das Schiff auf gar keinen Fall „Zerstörer“ zu nennen (hab ich aber nur über dritte).

    Vielleicht überspringt DEU ja irgendwann einfach den bösen „Zerstörer“ und baut dann dafür gleich die nächste Ebene, den „Kreuzer“, klingt doch netter und man fühlt sich eher an AIDA und Kreuzfahrtschiffe erinnert, als an Lenkwaffenträger. (ach ja, die F125 mit 7.500 t wird ja auch eine „Fregatte“, da passt aber wenigstens wieder die Bewaffnung zur Klassifizierung :-( ) Also denn, auf in die nächste „Stabilisierungsoperation“ ;-)

  15. Buzz | 06. September 2013 – 11:46
    „Derzeit is KEIN Slav(w)a-Kreuzer im Mittelmeer.“

    Ist denn bekannt, wohin die Moskva dann im Juli gefahren ist?

  16. Eine Tour nach Mittelamerika… Panama, Cuba ….. usw. Derzeit ist sie auf Höhe der Capverdischen Inseln und wird wohl wieder ins Mittelmeer verlegen…..

  17. Wobei Kreuzer gerade auch (Kreuzfahrtschiffe die die Umwelt) belasten böse sind…….

    Aber man frägt sich doch, warum Russland erst nun Aufklärung betreibt, Syrien beschäftigt uns ja auch schon länger. Wie sieht es eigentlich mit der Möglichkeit aus begrenzte Funkaufklärung auf regulären Marineschiffen zu betreiben? Gibts da was?

  18. „Wie sieht es eigentlich mit der Möglichkeit aus begrenzte Funkaufklärung auf regulären Marineschiffen zu betreiben?“
    In meiner Zeit als (Heeres-)Fernmelder konnte ich einiges nicht für uns Bestimmtes auf dem eh schon vorhandenen Empfänger mithören. In den großen grauen Kästen ist sicher mehr Platz für ein paar Extra-Racks als in meinem Unimog. Aber: Für sinnvolles Mithören würden dann aber auch Besatzungsangehörige oder Badegäste benötigt, die das verstehen.

  19. Die „Badegäste“ von SKB bzw. Zivil dürften das geringste Problem sein, die sind ja auch auf den Flottendienstbooten.

  20. @klabautermann

    coole Spekulation. Aber diese Gedanken hat sonst noch keiner entwickelt/verbreitet, oder? Russische Spezialkräfte entschärfen syrisches Chemiewaffenarsenal – Warum bin ich noch nicht darauf gekommen?

  21. @T.W.

    Vielleicht weil man Putin immer noch völlig unterschätzt hinsichtlich seiner machtpolitischen cleverness ??

  22. ….anders formuliert: Assad übergibt den Russen seine chemischen Kampfstoffbestände zur sicheren Verwahrung und erhält im Tausch die Waffensysteme, die die Russen bislang zurück gehalten haben, wie z.Bsp die S-300………..

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