RC N Watch: Schwedens Blackhawks in Afghanistan – mit CSAR-Fähigkeit?

Über den Einsatz von Blackhawk-Hubschraubern der schwedischen Streitkräfte in Afghanistan, die von dem skandinavischen Land eigens für den MedEvac-Einsatz am Hindukusch relativ kurzfristig beschafft wurden, habe ich hier und hier schon mal berichtet. Auf die Mission weist jetzt ein Artikel bei DefenceIQ hin, der wohl schon als Werbung für diesen Helikopter zu verstehen ist – und als Werbung für eine MedEvac-Konferenz im Oktober in London.

Dennoch für die Interessierten der Link: Swedish Black Hawks fly in to bolster MEDEVAC capabilities in Afghanistan

Die schwedischen Hubschrauber sind im RC North, in Masar-i-Scharif, stationiert. Und in dem Artikel stolpere ich über eine eher beiläufige Bemerkung: Following delivery of the “green” aircraft, FMV outfitted them with a suite of medical and CSAR equipment. Und frage mich, ob damit wirklich Combat Search and Rescue in seiner ganzen Breite gemeint ist (was ja auch für den NH90 erwogen wurde, allerdings wurden die CSAR-Kits bislang nicht beschafft)  – oder lediglich etwas robustere MedEvac?

(Foto: Sikorsky Aircraft)

26 Gedanken zu „RC N Watch: Schwedens Blackhawks in Afghanistan – mit CSAR-Fähigkeit?

  1. „CSAR-Equipment“ kann sich auch nur auf einen ELT/PLB-Peiler für Notfunkbaken, kryptofähige Kommunikationsmittel oder ähnliche Ausstattung beziehen.
    CSAR selbst ist ohnehin eine so umfangreiche Geschichte, daß sie bei weitem nicht allein von einem Hubschrauber und seiner Ausstattung abhängt.

  2. Zumindest auf diesem Bild sieht der Blackhawk eher nach normalem Medevac aus. Flare Dispencer (?) hinten unten und sonst recht brav. Keine Luftbetankungssonde etc. Hinter dem Schiebefenster zwischen Cockpit und Ladetür???? Aber immerhin „battleprooved“ und nix aus dem Prototypenstadium 2.0. Vielleicht können die Amis den Kameraden aus Schweden auf dem Obergefreiten-Dienstweg sogar den einen oder anderen Tipp geben.

  3. sorry, mein Fehler: Das Foto ist etwas älter, von der Übergabe der ersten Maschine an die Schweden, ohne jegliche Ausrüstung.

  4. .. ach Herr Wiegold. Macht nix. Immerhin ist ihr Link ja auch nicht verkehrt gewesen (und die Schweden scheinen mir weder EC noch NHI verpflichtet zu sein):

    „… would not have been chosen to provide this “long-term solution to the MEDEVAC mission” if the platform was not considered to be the best option for the job.“

    (( Und da gibt es ja auch noch andere Nachrichten aus dem Inland (leider nur für diese einzige Maschine – und nur zufällig gefunden unter http://www.lokreport.de):

    “ … Ein interessanter Gütertransport ist am Donnerstagmorgen auf der Bahn Rinteln – Stadthagen von Stadthagen West nach Obernkirchen mit der DB-Lok 294 574 gefahren. Über zwei Flachwagen verteilt transportierte die Lok einen in Munster bei Soltau verladenen Hubschrauber der sogenannten Tiger-Klasse nach Obernkirchen, wo er mittels Bundeswehr-Kran und Soldaten von der Bahn auf die Straße umgesetzt wurde und die letzten knapp zehn Kilometer ins Bückeburger Hubschraubermuseum zurückliegte.
    Da es im Umland zumindest bei der DB keine Ladebahnhöfe mehr gibt und ein Straßentransport von Minden nach Bückeburg wesentlich mehr Schwierigkeiten mit sich gebracht hätte, wählte die Bundeswehr den sonst nur noch zur Abstellung von Kesselwagen genutzten Obernkirchener Güterbahnhof und nutzte das Manöver gleichzeitig als Übung. …“ ))

    Die einen kaufen Blackhawks oder Apachen, die anderen müssen abnehmen, was Großvater bestellt hat ;-(((

  5. Eine leihenhafte Fage:
    Schließt „CSAR“ nicht eine Notfallmedizinische Ausrüstung ein, oder warum heißt es „medical and CSAR equipment“?

  6. Ich ziehe die Frage zurück; Wikipedia hat weitergeholfen. :)
    (Allerdings wäre demnach CSAR ohne medizinische Ausrüstung auch von jedem anderen Transporthelikopter mit Bewaffnung zu leisten?)

  7. Bitte nicht schon wieder die ganzen Begrifflichkeiten durcheinanderschmeissen:

    CSAR ist etwas anderes als PR, PR ist etwas anderes als MEDEVAC; das wieder was anderes als CASEVAC.

    Erschwerend kommt jetzt noch hinzu, das die USA unter „MEDEVAC“ etwas anderes verstehen als wir Deutschen…..

    CSAR (also „Combat Search and Rescue“) bedeutet in den USA genau das: Ein Rettungseinsatz über feindlichem Gebiet.

    Dies kann im Einzelfall ein einziger Hubschrauber sein; im „Normalfall“ besteht eine CSAR Operation aber aus dutzenden verschiedenen Luftfahrzeugen und vielen vielen Soldaten..

    (man google hierzu einmal „O´Grady Kosovo“..

  8. @huey

    *klugscheißmodus ein*

    Wenn man bei Scott O´ Grady anstelle von „Kosovo“ nach „Bosnien“ schaut, ist man schneller. Er wurde über Bosnien abgeschossen. ;-)

    *klugscheißmodus aus*

  9. Herr Wiegold, leider unterliegen auch sie, wie viele andere auch einer falschen Interpretation von CSAR. CSAR wird nicht durch etwaiges Eqipment oder die Form der Operation definiert, sondern alleine durch den Kunden. Es werden LFZ-Besatzungen gerettet oder Spezialkräfte welche ausgerüstet und ausgebildet dazu ist. Geht also theoretisch auch mit einem Taxi… Weil jetzt aber der Kunde eventuell eine Jetbesatzung ist, welche sich dadurch auszeichnet, mit ihrem Gefährt weit hinter feindlichen Linien in hoher Bedrohung zu operieren, resultieren gewisse Anforderungen an Mensch und Material. Möchte man überall operieren, wo der Kunde sein könnte, ist also Luftbetankung unumgänglich. Aufgrund der Bedrohung sollte die Plattform entsprechend überlebensfähig sein. Ein weiterer wichtiger Baustein ist umfangreiche Kommunikationsfähigkeit. Hier ist Secure Comms, Linkfähigkeit und eine Interrogationsmöglichkeit kompatibel mit den Radios der Jetbesatzung.(Letzter Punkt wahrscheinlich das, was SWE als begrenzte CSAR Fähigkeit angibt. Sie sehen, ein nicht unwichtiger aber einzelner Punkt.) Da es im Bereich CSAR aufgrund Eindringtiefe und Bedrohung wohl zu einer composite air operation COMAO kommen wird ist einer der wichtigsten Bausteine die Ausbildung der Besatzungen der Hubschrauber und entsprechend fähige Aufnahmeteams, die den Hubschrauber verlassen und sich ebenfalls entsprechend durchsetzen können. Ausbildung der Besatzungen ist der Schlüssel, der immer Unbeachtet bleibt. Tolle Ausrüstung nützt gar nichts, wenn man sich in beschriebenem Umfeld mangels Kenntnissen aber nicht in einer verbundenen Luftkriegsoperation bewegen kann oder will. Zur Zeit werden alle Kriterien nur von der US Air Force mit Pavehawks realisiert. Jedes andere Konstrukt kann CSAR nur sehr begrenzt durchführen. Bei den meisten Ländern hapert es an der Reichweite der Hubschrauber und an wenig ausgebildeten Besatzungen…

  10. Whatever, die Kiste fliegt wenigstens, hat sich bewährt und kann umgehend nach Schäden repariert werden! ;-)

  11. @Memoria: Na da würde ich die NH90 FAM schnellstens von „Murphy“ in „Nightingale“ und die neuen 18 NH90 NFH NGEN „ESK dowgraded SEA LION“ in „SEA ANGEL“ umtaufen. 3:D

  12. Eine kleine Anmerkung für diejenigen, die sich für das Thema „Personnel Recovery“ generell interessieren: Das im JAPCC-Dokument (S. 28) erwähnte „EU Concept for Personnel Recovery in Support of the Common Security and Defence Policy“ wurde Ende 2011 genehmigt und bietet einen ganz guten Überblick über das Thema. Die begrifflichen Abgrenzungen sind an die der NATO (JOG) angelehnt. Immerhin wurde in den letzten Jahren erreicht, dass sich die europäischen Mitgliedsstaaten ihrer Fähigkeitslücken bewusst wurden, und nun einheitliche Begriffe eingeführt sind – wenn dies auch in der Praxis immer wieder verwässert wird. Eine Professionalisierung erreicht man zuallererst über die Ausbildung, die in Europa seit 2011 mit dem „Personnel Recovery Controller and Planner Course“ mit Schweden als Führungsnation und anfänglicher Unterstützung u.a. der amerikanischen „Joint Personnel Recovery Agency“ auf dem Markt ist. In Europa kann man tatsächlich sagen, die Schweden seien ganz weit vorn, wobei man Wissen und Können dann bei so einer Nischenfähigkeit letztendlich auf einzelne Personen herunterbrechen kann.

  13. Buchtipp für alle MedEvac-Interessierten:
    http://www.michaelyon-online.com/dustoff-medevac-general-medal-of-honor-recipient-slams-army.htm

    Zeigt sehr schön wie risikoavers und zentralistisch die U.S. Army in den letzten 30 Jahren wurde. Zeigt sich ja auch in der NG-Reportage „Combat Rescue“.

    Gleichwohl ist deren Leistung immer noch beeindruckend (Karfreitagsgefecht). Eine Woche zuvor waren diese noch nicht verfügbar.

    Die Risikoaversion erinnert auch an die Weigerung der USAF nach 9/11 Angriffe auf Ziele in AFG zu fliegen solange keine CSAR-Fähigkeiten im Operationsgebiet sind. Einer der Gründe warum das DoD auch Ende September 2001 keine eigenen Vorschläge hatte wie man in AFG zeitnah zuschlagen soll (siehe: Woodward, Bush at War).

    Dann kamen CIA und SOCOM mit der Nordallianz-Idee…

  14. @Memoria

    Darf ich meine Bitte erneuern, nicht ganz so bekannte Abkürzungen wenigstens beim ersten Mal auszuschreiben?

  15. @T.W.:
    Natürlich – dachte da die Begriffe im Filmbeitrag vorkommen geht das diesmal ohne.

    DCSU – Damage Control Surgery Unit
    LLRZ – Luftlanderettungszentrum (Teile bilden das deutsche DCSU)
    FST – Forward Surgical Team (vergleichbare Fähigkeit im RC-N von SWE)

    Hintergrund:
    Bei der Operation in Warduj bemerkte man, dass es bisher an mobilen, vorgeschobenen chirurgischen Fähigkeiten mangelt (siehe Berichterstattung hierzu).

    Bewertung:
    Zeigt für mich mal wieder wie wenig vorausschauend geplant wird.
    Trotz – oder gerade wegen? – all der Planer.
    Rückzug aus der Fläche + Begleitung ANSF bis Ende 2014 = Mobiler Einsatz (einschl. sanitätsdienstl. Versorgung)

    Nun hat man hektisch eine Übergangslösung mit dem LLRZ in den Einsatz gebracht.

    Es muss halt immer erst was passieren, bevor was passiert.

  16. Nachtrag zu “Murphy” in “Nightingale”: Zu „Seelöwe“ dürfte ja alles klar sein. “SEA ANGEL“ = engl. für „Ruderschnecke“ (wissenschaftl. „Gymnosomata“, gebildet aus altgriechisch γυμνός gymnós = „nackt“ und altgriechisch τό σωμάτιον tó somátion = wörtl. „Nacktkörper“), also durchaus für einen „abgespeckten“ NH90 NFH-NGEN als SEA-KING-Nachfolger ebenfalls zutreffend. Da scheint mir ein StS AIN mit der Englischen Sprache wohl ziemlich auf Kriegsfuß zu stehen?

  17. @Memoria:
    Fehlende CSAR/PR-Möglichkeit in Syrien dürfte ein wesentlicher Punkt für eine rein aus Abstandswaffen bestehende planerische Vergeltungsaktion der USA sein.
    Die Luftabwehr von Assad ist eben ein anderes Kaliber als die der Taliban.

  18. @Schorsch52 Bin jetzt nicht vom Fach, daher die Frage, wieso wandert denn der erste Tiger bereits ins Museum? Und wieso fliegt er nicht einfach dahin?

  19. Das dürfte einer der ersten Protoypen sein und daher schon recht alt. So etwas wandert schnell ins Museum, so steht z.B. ein BOXER-Prototyp schon in Koblenz (soweit ich weiß).

  20. @memoria:
    Hier mein „Klugscheiss-Modus“:
    Inside Combat Rescue hat nichts mit US Army zu tun. In der Reportage geht es um Pararescue, welche unter dem Callsign Pedro in RC South zu finden sind. Dies sind die in diesem Thread schon erwähnten CSAR assets der US Air Force, welche in AFG mangels CSAR Einsätzen Bereitschaft stehen, um so ziemlich jeden zu retten. Mit Dustoff hat das also nicht viel zu tun.
    Auch kann ich nicht wirklich erkennen, wer bei Inside CR „risikoavers“ handelt. Die Besatzungen fliegen in hoher Bedrohung und in „heisse Landezonen“, in die sich viele andere Einheitdn nicht trauen. Den dort zu erkennenden Ausbildungsstand der Besatzung und PJs werden sie auf der ganzen Welt nicht finden, die 160th mal aussen vor. Risikoavers (sie scheinen das Wort ja zu mögen) ist dort keiner. Die in mancher Folge abgelehnten Einsätze beruhen auf mittlerweile sehr strikter Auslegung der ROE.
    Bei Michael Yon ruhig mal weiterstöbern. Er hat per Petition versucht, das Konzept Dustoff zu kippen. Meint: eine Maschine mit rotem Kreuz und nur eine Bewaffnet. Um so zu fliegen, wie es die Pedros z.B. durchführen. Bisher gescheitert. Man vergleiche das mal mit unserem famosen Konzept ForwAirMedevac… Die Arbeitsebene USA versucht das Konzept mit aller macht zu kippen, wir erfinden es neu. Bravo.

    Die Schweden haben hervorragende Arbeit geleistet bei der Beschaffung. Endlich konnte sich mal eine Arbeitsebene durchsetzen. Sie haben aber auch erkannt, dass bei der Ausbildung deutlich nachgebessert werden muss und bedient sich hier internationaler Unterstützung. Ein toller Prozess. Bei uns in allen Bereichen undenkbar…

    Zum irgendwo erwähnten CSAR Rüstsatz:
    Dieser ist mausetot. Er wurde vor Jahren gekippt. Die Geschichte dazu etwas länger. Wurde am Ende zu teuer. Es sollte dann ein marktverfügbares Konkurrenzmodell beschafft werden. Auch gestoppt. Gesichtet wurde viel, auch das Schwedische Modell war weit vorne. Die Luftwaffe hätte sogar schon ausgebildetes Personal auf UH/HH-60… Einzelplan 14 hält immer noch Haushaltsmittel für ein CSAR LFZ bereit. Wird nie kommen. Obwohl dringend nötig.
    CSAR ist weiterhin in der Lw beheimatet, siehe neue KdB. Eine Hubschrauberstaffel mit PR Auftrag gibt es auch…

  21. @Cäsar

    Ich hätte bei echtem CSAR jetzt eher auf die CV22B getippt. Ich bin bisher davon ausgegangen, dass die CV22B die Rolle von den MH-53 Pave Low übernommen hatten.
    Gibt es da eine gute offene Quelle, wer was macht?

  22. Eine Frage die ich mich als Laie immer stelle:

    C-130J ist die x-te generation eines Fufziger-Jahre Flugzeugs. Dort ist es wohl moeglich gewesen, dass die Konstruktion neuen Gegebenheiten angepasst wird, und wenn Zellen zu alt werden neue beschafft werden.

    Sea King, CH-53(E), CH-46 scheinen alles Hubschrauber aus den 60ern zu sein fuer die es weltweit keinen adequaten Ersatz gibt. Wieso ist etwas das bei einer C-130 moeglich ist nicht bei den og?

    Der Bedarf scheint ja weltweit zu bestehen, also nicht ein spezifisches Problem deutschen Beschaffungswesens.

  23. @SchmidtM:
    CV-22 bei der Air Force sind in der Tat (inadequater?) Ersatz für die Pavelows. Die hatten aber schon lange nicht mehr den Hauptauftrag CSAR sondern gehörten AFSOC für Special Operations. Auch wenn die Osprey technisch brilliant ist, erscheint ihr Nutzen doch sehr begrenzt. Es mangelt an eigener Durchsetzungsfähigkeit. CSAR kann natürlich dargestellt werden, aber nur in entsprechend geringerer Bedrohung. Spezialkräfte schnell und tief ins Hinterland infiltrieren kann sie allerdins wahrscheinlich besser als jedes andere LFZ. Die Frage ist lediglich, ob man für so ein singuläres Fähigkeitsbild ein so teures Waffensystem beschaffen will, welches unter hoher Störanfälligkeit, schlechter Hoverleistung und Zuladung leidet…
    Israel dachte ebenfalls auf der Beschaffung herum, treibt aber jetzt scheinbar das Projekt CH-53 K voran. Ein Themengebiet, das wir mal wieder verschlafen. Sollte es soweit kommen, bestellen wir wieder die Version ohne Luftbetankung…

    @SD: wird so doch gemacht: UH-60M, CH-53K, MH-47G, UH-1Y, AH-1Z…

  24. @sd

    CH-53K wird neu gebaut, ebenso CH-47F (welche Sie wohl gemeint haben, CH-46 ist der kleinere Vorgänger bei der USN)

    Die Frage stelle ich mir aber auch wenn es um (kostengünstige) Nachfolger für Transall, Tornado etc. geht…

    Edit: Da war ja jemand schneller als ich. Passiert, wenn man einen Threat öffnet aber ihn erst 2 Stunden später liest…

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