RC N Watch: Niederländer werfen in Baghlan Bomben zur Unterstützung deutscher Soldaten ab

Niederländische Kampfjets haben deutsche Truppen in Nordafghanistan in einer heiklen Situation mit dem Abwurf von Bomben unterstützt. Der Vorfall ereignete sich in der vergangenen Woche in der Provinz Baghlan, wie die niederländischen Streitkräfte in ihrer wöchentlichen Operationsübersicht berichteten:

F-16 von der Air Task Force gaben einer afghanisch-deutschen Bodeneinheit, die in der nördlichen Provinz Baghlan unter Beschuss geriet, erfolgreich Unterstützung aus der Luft. Die Kampfjets warfen zwei Bomben ab, worauf die Feindseligkeiten stoppten.

Ich bin mir nicht ganz sicher, aber nach meiner Erinnerung ist das der erste bekanntgewordene Fall, in dem die in Masar-i-Scharif stationierten niederländischen Flugzeuge Close Air Support (CAS) für einen Einsatz flogen, an dem auch deutsche Soldaten beteiligt waren. Dass Bomben abgeworfen wurden und es nicht bei einer Show of Force blieb, deutet schon auf eine etwas problematischere Situation hin. Um so merkwürdiger, dass es in Deutschland zu dem Vorfall, bei dem deutsche Soldaten unter Beschuss gerieten, (bislang?) keine Meldung gab – oder hab‘ ich die übersehen? Wo doch sonst ziemlich viel mitgeteilt wird. Dass in diesem Fall nichts kommuniziert wurde, legt die Vermutung nahe, dass es sich um einen Einsatz des Kommando Spezialkräfte (KSK) handelte.

Nachtrag: Ein paar Details werden langsam bekannt – der Zwischenfall ereignete sich am 20. Juli im Distrikt Baghlan-e Jadid. Deutsche Soldaten begleiteten afghanische Polizisten und Soldaten, die beim Vorgehen gegen Aufständische unter Feuer gerieten. Daraufhin wurde die Luftnahunterstützung angefordert.

Nachtrag 2 – wie schon in den Kommentaren erwähnt: Ergänzendes bei SpOn, und die Bundeswehr-Meldung zu dem Vorfall:

Am 20. Juli kam es im Distrikt Baghlan-e Jadid in der Provinz Baghlan im Rahmen einer Search and Clear Operation der afghanischen Sicherheitskräfte zu einem Feuergefecht. Dabei fielen zwei Angehörige der afghanischen Polizeikräfte, ein weiterer wurde verwundet.
An der Operation waren rund 700 afghanischen Sicherheitskräfte unter Beteiligung deutsche Kräfte im Rahmen des Partnering beteiligt. Im Verlauf der Operation erfolgte Luftnahunterstützung durch ISAF.
Es wurden keine deutschen Soldaten verwundet.

(Foto: Eine F-16 der niederländischen Luftwaffe – Flickr-User Gerard van der Schaaf unter CC-BY-Lizenz)

 

30 Kommentare zu „RC N Watch: Niederländer werfen in Baghlan Bomben zur Unterstützung deutscher Soldaten ab“

  • Memoria   |   24. Juli 2013 - 8:58

    Die Kommunikationspolitik ist wirklich interessant.
    Jeder Kfz-Unfall und jedes Knalltrauma wird gemeldet, aber ein TIC mit CAS?

    Es kann sich ja eigentlich nur um ein Unterstützungselement für die 3/209 (MAT oder FwdDeplTF/ NRU) oder eben PRC + TF 47 handeln.

    Mal schauen wann das BMVg etwas verlautbaren lässt.

  • Daniel Lücking   |   24. Juli 2013 - 9:03

    Lol…altes PROBLSM

  • Xarre   |   24. Juli 2013 - 9:04

    Die Gründe liegen auf der Hand. Man möchte es nicht an die Öffentlichkeit kommen lassen, da die Region offiziell als befriedet gilt und die Übergabe der Sicherheitsverantwortung doch wunderbar geklappt hat. Inoffiziell wird aber immer wieder auf die Verschärfung der Sicherheitslage hingewiesen aber das möchte im Zuge des Abzuges keiner hören.
    In Wahrheit hat man aber längst die Fühlung zum Feind verloren und tut so, als ob alles nach Plan laufe. Da jetzt weniger Kräfte im Raum sind, wird das so hingenommen. Wenn man an den Rückzug der Sowjets denkt, kann man nur hoffen, dass die Taliban nicht mehr die Handlungsoptionen besitzen um den von uns aufgegebenen Raum zügig in ihre Hand zu bringen.
    Sollte das geschehen, könnte es durch unsere Politik der Ingnoranz blutig für unsere Soldaten enden.

  • Memoria   |   24. Juli 2013 - 9:28

    @Xarre:
    War nicht schon GenMaj Pfeffer der Ansicht, dass die Aufständischen in Kunduz/Baghlan zerschlagen sind.
    Das Wunschdenken beginnt ja schon in MeS?

    Der Einsatz ist nach meinem Eindruck auch in der militärischen Führung mental abgehakt. Man konzentriert sich aufs Container zählen und rühmt die Verantwortungsübergabe an die ANSF.

    Es ist nicht unser Krieg, aber auf dem Weg zum Ausgang stolpern sollten wir auch nicht. Wenn es der Gegenseite gelingt, sich an den LOCs in Baghlan Bewegungsfreiheit zu verschaffen, dann bekommen wir bei der Rückverlegung aus Kunduz die Rechnung.
    Daher habe ich die Reihenfolge der Auflösung OP-N/ KDZ nie verstanden.
    Wohl eine logistisch (Infrastruktur, Container, etc) und nicht taktisch/ operativ geprägte Planung (was wiederum zum „mindset“ der Führung, s.o., passt).
    Das Thema hatten wir hier ja neulich schon diskutiert.

  • schröter kevin   |   24. Juli 2013 - 10:31

    Memoria: teile deine meinung komplett. Ich bin sogar ziemlich pessimistisch was die reihenfolge des abzuges angeht. Die Reihenfolge op-north/kdz und der grosskalibriken Waffensysteme sehen für mich so aus als wäre man der meinung das für den Gegner der kampf auch vorüber sei. Ich hoffe sehr das man damit recht behält. Wenn nicht möchte ich nicht in einem der letzten kontingente eingesetzt sein.

  • Memoria   |   24. Juli 2013 - 11:47

    Der GI beim diesjährigen Berliner Kolloquium der Clausewitz-Gesellschaft:
    „In Nord-Afghanistan gibt die Lage Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Hier ist es gelungen im Kampf gegen regierungsfeindliche Kräfte sowie durch Anleitung und Beratung afghanischer Sicherheitskräfte ein weitgehend sicheres Umfeld zu schaffen.“

    Die auch sonst lesenswerte Rede hier: http://tinyurl.com/kpmscqb

  • Frank Dietz   |   24. Juli 2013 - 11:53

    So wie ich von vielen Kameraden aus dem Einsatz gehört habe, ist das wohl normal. In der Heimat bekommt man oder soll man nicht viel mitbekommen.

  • Frank   |   24. Juli 2013 - 12:09

    “ 3/209 (MAT oder FwdDeplTF/ NRU) oder eben PRC + TF 47 handeln “

    Ich bitte um Übersetzung

  • Memoria   |   24. Juli 2013 - 12:38

    @Frank:
    In Baghlan sind nur noch deutsche Soldaten eingesetzt, die entweder die 3. Brigade des 209. Korps der afghanischen Nationalarmee (ANA) beraten und unterstützen oder Spezialkräfte der Bundeswehr, die die afghanische Sonderpolizei beraten und begleiten.

    Die Brigade wird 3/209 abgekürzt, die deutschen Ausbilder sind in einem sog. Military Advisory Team (MAT) zusammengefasst. Die Untersützungskräfte werden auftragsabhängig in einer Forward Deployed Task Force (FwdDeplTF) zusammengefasst.
    Mit der Konzentration der Kräfte in MeS wurde als Nachfolger des bisherigen Einsatzverbandes in Baghlan eine Northern Reaction Unit (NRU) aufgestellt. Diese ist die takt. Reserve für Nordafghanistan.

  • Dietmar   |   24. Juli 2013 - 12:41

    Also Soldat vor Ort würde ich mir doch ziemlich verarscht vorkommen, wenn Feindkontakte permanent unter den Teppich gekehrt werden, während sonst über jeden Dünnpfiff aus Afghanistan berichtet wird.

  • Daniel S.   |   24. Juli 2013 - 13:56

    „Afghanistan: Sprengstoffanschlag auf deutsche Soldaten

    Berlin/ Kundus, 24.07.2013, Einstellzeit: 13.30 Uhr.
    Am 24. Juli um 07.14 Uhr Mitteleuropäische Sommerzeit (09:44 Uhr Ortszeit) wurde auf deutsche Kräfte circa sieben Kilometer westlich vom Feldlager Kundus ein Sprengstoffanschlag verübt.

    Der Konvoi befand sich auf dem Marsch vom Feldlager Kundus zum Polizeihauptquartier Chahar Darreh. Die deutschen Kräfte durchstießen die Anschlagsstelle und setzten den Marsch fort.

    Es wurden keine deutschen Soldaten verwundet, ein Fahrzeug wurde leicht beschädigt.

    Stand: 13.19 Uhr

    Ansprechpartner für die Presse: Einsatzführungskommando der Bundeswehr“

    Quelle: bundeswehr.de

  • Oliver   |   24. Juli 2013 - 14:28

    …ist kein Wahlthema!

  • Memoria   |   24. Juli 2013 - 14:37

    Und zu den Vorgängen in Baghlan weiter Funkstille.
    Professionell.

    Wenn Bundeswehr auf Wirklichkeit trifft…

  • Daniel S.   |   24. Juli 2013 - 14:45

    Es ist jedoch auch nicht außergewöhnlich, dass sich die Bundeswehr zu Operationen der TF 47 nicht äußert. Desweiteren stecken wir im Wahlkampf, da kommt ein CAS (womöglich noch von den Deutschen angefordert) in den Medien einfach nicht so gut. ;)

  • Daniel S.   |   24. Juli 2013 - 16:06

    http://youtu.be/x76bpSO4e0E

    „In Masar-e Sharif bilden deutsche KSK Soldaten afghanische Spezialpolizisten im „Fast Roping“ aus. Drunter versteht man das „schnelle Abseilen“ ohne Gurtzeug und Sicherung. Höhepunkt der Ausbildung ist ein „Fast Roping“ in einen für Afghanistan typischen Innenhof. Doch zuvor müssen die Afghanen erst leichtere Hürden meistern.“

    Zum Thema TF 47 passend ein Video, welches die Bundeswehr am heutigen Tag auf ihrem Kanal hochgeladen hat.

  • student   |   24. Juli 2013 - 17:14

    Neueste Meldung BW:
    Am 20. Juli kam es im Distrikt Baghlan-e Jadid in der Provinz Baghlan im Rahmen einer Search and Clear Operation der afghanischen Sicherheitskräfte zu einem Feuergefecht. Dabei fielen zwei Angehörige der afghanischen Polizeikräfte, ein weiterer wurde verwundet.

    An der Operation waren rund 700 afghanischen Sicherheitskräfte unter Beteiligung deutsche Kräfte im Rahmen des Partnering beteiligt. Im Verlauf der Operation erfolgte Luftnahunterstützung durch ISAF.

    Es wurden keine deutschen Soldaten verwundet.

    Wird wohl der angesprochene Vorfall sein…

  • Memoria   |   24. Juli 2013 - 18:37

    Und noch ein Vorfall – zweimalige Schussabgabe bei Sicherheitsüberprüfung.
    Wobei nicht explizit von einem deutschen Soldaten gesprochen wird (Mongolen u.a., haben neben dem G36 auch P8 als Austattungshilfe, oder?).

  • j. hunter   |   24. Juli 2013 - 19:09

    Ich mag mich irren aber ist es nicht das erste Mal, dass SPON auf dieses Blog verweist?

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/bundeswehreinsatz-in-afghanistan-schwere-gefechte-bei-ksk-operation-a-912929.html

  • Benedikt   |   24. Juli 2013 - 19:12

    SpOn zitiert zwar – aber einen Link setzen sie nicht. Den gibts nur für eigene Inhalte…

  • Simulant   |   25. Juli 2013 - 11:11

    Seit Monaten gilt im HQ RC N die unausgesprochene Devise „Only good news“. Solange DEU Soldaten im Rahmen von „Bad news“ nicht zu Schaden kommen, erfährt die geneigte (aber eh desinteressierte) Öffentlichkeit nur das, was in die AFG Welt 2014 ff passt. Wir haben noch viele Monate zu überstehen – viel Glück allen Beteiligten… .

  • TheDude   |   25. Juli 2013 - 11:44

    Ich denke das Problem ist, dass es keine feste Gruppe von Aufständischen in Afghanistan gibt, sondern mehr oder weniger lose Verbände von „Djihad-Touristen“, die sich außerhalb vorbereiten und dann in Afghanistan irgendwo ihr Lager aufschlagen um Unruhe zu stiften. Die „Befriedung“ von Regionen ist also in diesem Sinne garkeine sinnvolle Sprachwahl.

    Wahrscheinlich müsste man erst die Köpfe dieser Leute dutzendweise auf Spiesse stecken oder dergleichen, um den „Tourismus“ in die betreffende Region zu stoppen. Mittelalterliches Land, mittelalterliche Methoden…. ^^

  • autostaedterin   |   25. Juli 2013 - 12:01

    Das geneigte zivile Publikum kann die Lage der BW in/nach AFG (gefühlsmäßig, militärisch, logistisch, finanziell, ausstattungsmäßig) nicht nachvollziehen, wenn die Berichterstattung selektiv nach positiv erfolgt. Oder mal salopp formuliert: Was haben die bei der BW bloß immer, wo doch alles so erfolgreich nach Plan verläuft? Das betrifft gerade diejenigen, die mit psychischen Problemen zu kämpfen haben, denn, wird sich mancher denken, wo keine ernsthafte militär. Auseinandersetzung, da auch kein PTBS.

  • klabautermann   |   25. Juli 2013 - 12:06

    ….und damit PTBS Geschädigte geleakte Domumente vor Gericht nicht verwenden können, muß man eben das Urheberrecht bemühen ;-)

  • hallo123   |   25. Juli 2013 - 13:07

    Man muss ja nur bei Xinhanet schauen, und da ist in Nord Afghanistan schon viel los. Nur nichts Positives.
    http://search.news.cn/language/search.jspa?id=en&t=1&t1=0&ss=&ct=&n1=Afghanistan

  • Memoria   |   25. Juli 2013 - 13:25

    @hallo123:

    Danke für den Hinweis.
    Die INS greifen gerade auch im Norden weiterhin ANSF und Mandatsträger an (siehe: http://news.xinhuanet.com/english/world/2013-07/25/c_132573829.htm).
    Der heutige Angriff in Kunduz auf den NDS reiht sich ja ein in ein größeres Targeting-Programm.

    Sicheres Umfeld ist anders – und die Botschaft kommt sicher auch bei der Bevölkerung an.

    Laut ANSO/INSO sind im Jahresvergleich im Q2/2013 die Angriffe auf NGOs um 47% gestiegen. Mehr Informationen sind leider nicht mehr frei zugänglich.

    Sicheres Umfeld vielleicht im Camp Marmal…

    Aber wie ernst man es mit der Realität nimmt, zeigte ja die SRZ/SIGACT-Korrektur.

    Parole: Alles wird gut bis zum Abzug – hoffentlich.

    Wenn auch nicht im Norden – jedoch ebenfalls nicht gerade positiv:
    http://www.nytimes.com/2013/07/19/world/asia/insurgents-kill-afghans-near-us-base.html?_r=0

    Nachts herrschen die INS, tagsüber die ANSF.

    Wie war das mit Nachtkampf…?

  • T.Wiegold   |   25. Juli 2013 - 13:38

    @hallo123

    Guter Hinweis – und ich hab‘ die Rubrik RC N Watch eigentlich auch eingerichtet, um genau diese Dinge aufzugreifen. Komme nur meistens nicht so recht hinterher…

  • Memoria   |   26. Juli 2013 - 16:33

    Kommentar von gestern auf http://www.sierra-313.de/community/thread.php?threadid=7685&page=248:

    „Hier ist nur noch Chaos… und Feind…

    Alyx aus Khilagay “

    Wohl genauso kurz, wie treffend.

  • Memoria   |   27. Juli 2013 - 14:23

    Recht aktueller Blick in den Süden:
    http://www.youtube.com/watch?v=rOqnBPkiHIc

    ICOM-Chatter plotten wir n.m.W. weiterhin nicht auf Kp- oder Zg-Ebene mit.