Deutsche und Polen: Gemeinsam aufs Joint Support Ship

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Bereits einen Tag vor der weit reichenden Erklärung zur Zusammenarbeit der deutschen und der niederländischen Streitkräfte haben am Montag (27. Mai) Deutschland und Polen eine Vereinbarung zur intensiveren Zusammenarbeit ihrer Marinen getroffen. Verteidigungsminister Thomas de Maizière und sein polnischer Kollege Thomasz Siemoniak unterschrieben die Erklärung im Marinestützpunkt Rostock-Warnemünde (siehe Foto oben).

Zusätzlich zu der offiziellen deutschen und der polnischen Mitteilung dazu erreichte mich erst am (heutigen) Dienstag der Wortlaut der Vereinbarung (die übrigens, wie die mit den Niederlanden, im Original in Englisch abgefasst ist). Interessant ist dabei natürlich die Liste der konkreten Projekte. Da steht zum Beispiel gemeinsame Entwicklung/Beschaffung und Bemannung von Joint Support Ships (JSS) ziemlich weit oben auf der Liste – auch wenn das JSS für die Deutsche Marine, nun, nicht die ganz große Priorität oder besser: Finanzierungswahrscheinlichkeit hat. Aber auch weit oben stehen die gemeinsame Entwicklung und der Betrieb neuer Tanker, die gemeinsame Entwicklung und Beschaffung von Missionsmodulen für das Mehrzweckkampfschiff 180 und die Zusammenarbeit bei Gebrauch, Wartung, Lagerung und Training sowohl für die RBS 15 MK3-Raketen als auch die MU90-Torpedos.

Die Liste ist natürlich was für maritim Interessierte – vielleicht finden Kenner da auch noch wichtigere Punkte. Hier ist das Dokument:

DEU-POL Marine DoI

(Foto: Ministerstwo Obrony Narodowej)

 

 

23 Kommentare zu „Deutsche und Polen: Gemeinsam aufs Joint Support Ship“

  • SebastianB   |   28. Mai 2013 - 22:00

    Super, danke!

  • JCR   |   28. Mai 2013 - 22:26

    Das Witzepotential dieser Meldung ist gewaltig :)

    Aber ernsthaft, wie soll so eine „gemeinsame Bemannung“ aussehen?
    Der Rest ist ja durchaus nicht unerwartet, aber ein gemeinsames deutsch-polnisches Kriegsschiff?
    Gibt es (in Friedenszeiten) irgendeine Parallele?

  • Jas   |   28. Mai 2013 - 22:44

    Kooperation…. Deutscher Ausbildungs und Ausrüstungsvertrag triffts eher :D

    Im Prinzip ist das nicht schlecht jedoch sollten wir uns auch im Anbetracht des Umfangs der polnischen Seestreitkräfte keinen all zu groß Mehrwert für uns erhoffen. Schön wird es sicherlich sein einen verlässlichen Trainingspartner zu haben und die Versorgungswege gemeinsam zu nutzen.

    Die „embarkation of maritime helicopter“ halte ich eher für Wunschdenken. Mal landen ok aber „einschiffen“ ist technisch und baulich ne andere Hausnummer. Da haben der LFz Park POL und DEU wirklich nichts gemein.

    Interessant wäre gewesen wer welche assets liefert oder in Zukunft liefern soll, gerade im Bezug auf die Bording und protection Geschichte. Die haben die Polen eher nicht so ausgeprägt und somit bleibt die Frage ob da nun gepoolt und/oder geschaffen werden soll.

    Die gemeinsame Bemannung (hihi) eines JSS halte ich in weiten Teilen für unkritisch. Steht da aber common development klingeln gleich die Glocken. Denn gewisse Assets FÜR das JSS müssten dann combined und joint beschafft werden. In Sachen BHS wurde ja vor kurzem für uns bestimmt (ich sage bewusst nicht entschieden) was kommt ergo kann man sich denken wie die überfällige Modernisierung der pol. Marinefliegerbrigade abläuft ;)

    Die neuen Groups und Authorities sind nur ein klasse Auffangbecken wenn sie (wie ich stark vermute) nicht als Nebenfunktion aufgebaut werden.

    Bleibt also spannend, aus Erfahrung freu ich mich aber hier genauso wie über Jan Käsekoop und sein Wohnwagenregiment – sind alles gute Jungs und Mädels für ne Kooperation

  • JCR   |   28. Mai 2013 - 22:47

    Die Polen haben SH-2 Seasprite, die müßten doch zu kalte Kriegszeiten öfters mal mit deutschen Fregatten operiert haben. Dieselben Hubschrauber sogar ;)

  • Jas   |   28. Mai 2013 - 22:54

    4 Stück…. Und das Muster is von ’59

    1 fliegt
    1 in der Wartung
    1 in der Ausbildung
    1 kaputt

    Wenn (!) die wirklich noch 4 komplette Sätze für den Vogel haben ;)

  • Vtg-Amtmann   |   28. Mai 2013 - 23:02

    @JAS & @JCR: Die haben, das weiß ich sehr genau und die soweit vorhandenen drei Mühlen komplett in die Luft zu bringen, wäre nur „Strassenmusik“ auf NATO- bzw. FRONTEX-oder SCHENGENLAND-Ebene!

  • Jas   |   28. Mai 2013 - 23:14

    Hehe dacht ichs mir doch ;)

    An sich ist der Vogel nicht schlecht – ein ordentlich dimensionierter Marinehubschrauber. Kann kämpfen, kann tragen, kann absetzen und kann Leute transportieren. Aber mit nem Entwicklungsstand 1989 in der Masse ist er wohl ähnlich wirtschaftlich wie unsere Muster.

    Bin wirklich gespannt ob Polen nun mit auf den MH90+ Zug aufspringt…

  • Andreas   |   28. Mai 2013 - 23:18

    Blöde Frage:

    Wieso hat man das, was man mit den Polen vereinbart hat, nicht gleich in den Vertrag mit den Niederländern hineingepackt?

  • Denker   |   28. Mai 2013 - 23:20

    Wird es nun besser oder noch schlimmer?
    Wieso orientiert man sich nun an Polen und den Niederlanden? NIchts gegen unsere Nachbarn, aber… Und gerade eine Marinekooperation mit Polen. Bei Thema JSS und Polen musste ich doch schnell aufs Datum schauen… Aber die scheinen das wirklich ernst zu meinen. Sollten unsere Nachbarn nicht erst mal „schwimmen lernen“ bevor man sich direkt soweit raus ins offene Gewässer wagt? Aber die deutsche Selbstwahrnehmung ist auch bezeichnend… Anscheinend reicht es für F und GB nicht mehr.

  • JCR   |   28. Mai 2013 - 23:21

    Bei dieser Kooperation wäre die Deutsche Marine der Juniorpartner ;)

  • Jas   |   28. Mai 2013 - 23:22

    Weil sie bilaterale Verträge leichter ändern. Außerdem wäre das ja ein seltsames Konstrukt, da bei einem trilateralem Vertrag NDL und POL gar keine Leistungen miteinander vereinbart hätten

  • Jas   |   28. Mai 2013 - 23:47

    @ Denker

    Besser.

    Was wollen sie denn mit FRA oder GBR? Deren außenpolitische Haltungen korelieren immer seltener mit der DEU. Da ein geminsames Schiff wäre ständig im Clinch

    Der kleinwüchsige Froschliebhaber und sein blasiertes Dentalchaos von der Insel haben dem Michel schon bei vielen bisherigen Operationen klargemacht, das ihre eigenen Interessen stets vor einem partnerschaftlichen Konsens kommen.

    Da haben wirs mit Jan Käsekoop und BMW Blashczyk schon besser getroffen.

  • wacaffe   |   29. Mai 2013 - 1:40

    „Schleswig-Holstein“ kann man somit aus der Liste potentieller Schiffsnamen streichen.. :)

  • Stefan   |   29. Mai 2013 - 2:56

    Seltsam, keines unserer Leitmedien berichtet darüber.

  • T.Wiegold   |   29. Mai 2013 - 7:07

    @Stefan

    Dafür kann ich ja nun nichts.

    @Jas

    So Begrifflichkeiten wie kleinwüchsige Froschliebhaber und sein blasiertes Dentalchaos von der Insel müssen wir hier nicht wirklich einführen…

  • Stefan   |   29. Mai 2013 - 7:59

    @T.Wiegold | 29. Mai 2013 – 7:07
    Dies sollte eher ein Lob und kein Vorwurf sein.;-)

  • Jas   |   29. Mai 2013 - 8:13

    @t. Wiegold

    Ok ok verstanden ;)

    @all

    Man wird erstmal abwarten müssen in welcher Form die Kooperation läuft. Interessante Punkte sind schon dabei wie MCM oder JSS.

    Schade nur das keine Kooperation NSWU vereinbart wurde. Seit OIF haben die Polen in der ganzen SF Sparte interessante Fähigkeiten die sicherlich gut für eine enge Zusammenarbeit reichen.

  • T.Wiegold   |   29. Mai 2013 - 8:40

    Bitte ergänzen:

    – MCM: Mine Counter Measures
    – JSS: Joint Support Ship
    – OIF: Operation Iraqi Freedom
    – SF: Special Forces
    – NSWU: ??

    (Bitte, bitte, bitte: Abkürzungen, vor allem die nicht so gängigen, mindestens beim ersten Mal auch ausschreiben…)

  • Jas   |   29. Mai 2013 - 8:54

    Okok

    NSW = Naval Special Warfare
    NSWU = Naval Special Warfare Unit (die Polen haben da ebenfalls nur eine Kp)
    Kp = Kompanie

  • Newton_McMarv   |   29. Mai 2013 - 9:00

    Ich würde es toll finden, wenn die Abkürzungen bei jedem Eintrag einmal in Klammern dahinter ausgeschrieben werden würde.
    Ich arbeite schon eine ganze Weile bei der Bw (Bundeswehr) aber dieses Abkürzungschaos ist manchmal echt nicht zu durchschauen. Vor allem wenn dann noch Abkürzungen aus dem Englischen hinzukommen ;-)

  • Iroquois   |   29. Mai 2013 - 11:58

    Wirklich, was will man denn momentan mit Franzosen und Briten? Ich halte eine deutsche-französische Zusammenarbeit grundsätzlich auch für fundamental notwendig, aber gegenwärtig zeigen beide Nationen in der AuSiPo, dass Sie – bei allem Verständnis für Ihren Unmut über das Tempo und die Fähigkeiten „Resteuropas“ – zur Zusammenarbeit nicht fähig und willens sind. Und gemeinsame Vorstellungen über den Einsatz unserer Streitkräfte haben wir ebenfalls nicht bzw. ist die Schnittmenge mit POL, NL, BEL, SWE, FIN etc. deutlich höher. Die Erpressung der übrigen 25 Staaten in der Frage des Waffenembargos und das vorzeitige Verlassen der Tagung durch den frz. Außenminister, um mit USA und Rußland zu reden!!! sprechen Bände. Franzosen und Briten wähnen sich auf Augenhöhe mit den anderen Großen der Weltpolitik und das mögen sie militärisch auch noch(!!!) sein, aber in 10-30 Jahren sind sie auf sich gestellt hilflos und GB nicht mehr unter den G20!!! Die Weichen für in 10-20 werden aber jetzt gestellt und das gilt es zusammenzuarbeiten. Wir (DEU, POL, NL, BEL etc.) müssen uns an die eigenen Nase fassen und schnellstens was auf die Beine bringen und letztlich brauchen wir GB und FRA. Dazu müssen die aber kapieren, zu was sie noch in der Lage sind, sein werden und dass sie mit den anderen zusammenarbeiten müssen, kooperieren und nicht erpressen.
    Das DEU-FRA-Verhältnis macht mich wirklich traurig, aber der frz. Verteidigungsminister reist mit dem neuen Weißbuch nach London, Washington und Brüssel, nicht jedoch nach Berlin. Das ist deutlich – von frz. Seite aus – und ein Fehler, ebenfalls von frz. Seite.

  • Marco Thiele   |   29. Mai 2013 - 22:39

    Ich halte diese Vereinbarung für einen sehr interessanten und innovativen Ansatz. Einige Anmerkungen dazu.

    1. Die Entwicklung, Beschaffung und gemeinsame Besetzung eines JSS ist innovativ und zukunftsweisend, Hut ab vor dem Mut so etwas anzupacken. Gibt es Beispiele von ähnlichen Bi-nationalen Kriegsschiffen? Kritiker mögen jetzt anmerken, dass da sehr viele Fallstricke drin sind – Unter welcher Flagge und Disziplinargewalt soll dieses Schiff fahren? Welche Sprache wird gesprochen (hat auch rechtliche Konsequenzen!)? Diese Liste ließe sich endlos fortsetzen.
    ABER: Hier wohnt eine riesiege Chance inne! Pooling und Sharing ist keine Fantasie mehr sondern wird jetzt wirklich angegangen. Ich freue mich, diesen Vorgang unterstützen zu dürfen.

    2. Die Aufstellung einer „Permanent DEU-POL Naval Working Group“ ist meiner Ansicht nach der wichtigste und weitreichenste Zug dieser Vereinbarung. So wird sichergestellt, dass all die aufgezählten Einzel-Vereinbarungen nicht im Sande verlaufen weil die Energie der einzelnen Projekt-Verantwortlichen nach kurzer zeit bereits erlahmt. Diese Gruppe wird sicher auch eine Art Kontroll-Mechanismus für den Fortgang der einzelnen Projekte haben.

    3. Die gegenseitige Einschiffung von H/C und VPT, Boarding-Teams etc. ist ein guter und wichtiger Ansatz um Erfahrungen für ein gemeinsames JSS zu sammeln. Sicher wird die eingeschränkte Kompatibilität von Systemen da noch einige Herausforderungen nach sich ziehen. Aber auch hier glaube ich an das Gute dabei. Wie, wenn nicht auf diesem Wege, werden wir die zu umschiffenden Klippen von Pooling & Sharing erfahren?

    4. Nur konsequent und folgerichtig ist natürlich auch die Intensivierung des gegenseitigen Personalaustausches sowie das Nutzen der Ausbildungseinrichtungen des jeweiligen anderen.

    5. Hinter der gemeinsamen Pflege und Wartung von RBS15 und MU80 verbirgt sich auch hoffentlich die gemeinsame Anschaffung von Prüf- und Wartungsstraßen um vom Hersteller unabhängiger zu werden und vor allem teure und aufwendige Transporte der Munition quer durch Europa zu sparen.

    6. Die gemeinsame Beschaffung von Modulen für das MKS180 deutet daraufhin, dass Polen sich auch für dieses Konzept zu interessieren scheint. Natürlich lässt sich auch ein künftiges JSS als Modulträger gestalten, dort dann keine Kompatobilität herzustellen wäre in Zeiten enger Finanzrahmen sträflich.

    Mir ist bewußt, dass einige Leser jetzt den Kopf schüttlen und mir fehlendes Urteilsvermögen unterstellen. Mir ist auch klar, dass einige Risiken in diesen ganzen Absichtserklärungen stecken. Aber der Ansatz ist gut und innovativ und der Wille der Marine zum Gelingen ist zweifelsohne da.

    Der geneigte Zweifler möge sich an die Worte eines gewissen Herrn Johann Wilhelm Kinau erinnern: „Nicht klagen, wieder wagen. Seefahrt ist Not!“

  • Stefan   |   30. Mai 2013 - 14:36

    @Newton_McMarv | 29. Mai 2013 – 9:00
    Dieses Abkürzungschaos ist eine alberne Macke und reines Imponiergehabe, teilweise um fehlende fachliche Kompetenz zu überdecken. Ein wirklicher Fachmann, der etwas zu sagen hat, verfährt in einer verständlichen Sprache nach dem Prinzip „Wie sage ich es meinem Kinde?“, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Wer dies nicht tut, der will nicht verstanden werden, sondern nur auf den Putz hauen.