Neuer Chef im Einsatzführungskommando

Heute mal nur die Protokollmeldung (natürlich auch, um das Foto zu verwenden): Generalleutnant Hans-Werner Fritz ist neuer Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr. Generalinspekteur Volker Wieker entband am (heutigen) Dienstag den bisherigen Kommandeur Generalleutnant Rainer Glatz von seiner Aufgabe und übertrug das Kommando an Fritz.

Der 62-jährige Glatz, der im Einsatzführungskommando zunächst seit März 2006 Stellvertreter, dann amtierender Befehlshaber und seit April 2009 Befehlshaber war, geht Ende des Monats nach fast 44 Dienstjahren in den Ruhestand. Der 59 Jahre alte Fritz war bisher Abteilungsleiter Strategie und Einsatz im Verteidigungsministerium.

(Foto: Nach der Kommandoübergabe – v. links: Fritz, Glatz und Wieker)

35 Gedanken zu „Neuer Chef im Einsatzführungskommando

  1. Mich beeindruckt die menschliche Geste, die wohl auch im Rahmen eines militärischen Appells „vorzeigbar“ geworden ist.

  2. Ich sehe drei Fälle für die Weight-Watchers.

    Meine „Verschwörungstheorie“:
    Mit der Ernennung zum Berufssoldaten (Offiziere und Portepees) wird man bei der BW verpflichtet ein deutlich erhöhtes Körpergewicht anzufuttern.

    -> Durch Leibesfülle und mangelnde körperliche Leistungsfähigkeit wird dann zum Ausdruck gebracht, dass unsere Soldaten friedliebende, gutmütige Verteidigungsbeamte sind, die in keiner Weise eine Bedrohung ausstrahlen.

  3. Nicht auf die Äußerlichkeiten fixieren! Der Kern ist es, der entscheidet. Neben den zehn Sternen sehe ich vor allem einen Träger, der eine Masseneinschläferungswaffe ist und mehr als er selbst merkt oberster Repräsentant eines gescheiterten Personalentwicklungssystems ist. Ein weiterer Träger hat unter seinem Grauen Rock garantiert Gürtel, Hosenträger und einen MA, der über dieses Schulterklopfen noch einen Aktenvermerk fertigt, der im Erfordernisfalle belegen kann, dass er eigentlich dazu gezwungen worden ist und doch ganz sicher keine Vorschrift missachtet hat. Dieses Exemplar ist Beleg für eine mangelhafte und degenerierte Führungskultur. Tröstlich, dass er den vierten Stern nicht bekam, ist das angesichts einiger anderer Viersterner auch nicht. Und dem dritten Sterneträger geben wir mal den Jugendbonus, da er ja noch unter 60 ist und in der neuen Verwendung nochmal so richtig loslegen kann. So, wie auf den letzten zehn Dienstposten. Wobei er sich schon als Abteilungsleiter SE nicht mehr zu erinnern schien, welche Anträge er als Kommandeur im Einsatz gestellt hatte, die er in der SE jetzt wegwischte.
    Bei den Ein- und Zweisternern sehe ich einige vielversprechende, aber nicht nur viel versprechende Kandidaten für eine bessere Zukunft. So wie hier fotografiert haben wir aber nur eine Traumbesetzung für das „Ministry for Administrative Afairs“, Neigungsgruppe Uniformtragen und Einhaltung der Anzugsordnung.

  4. Wenn spannende Uniformjacken zu Unmut führen, dann muss ja der neue stellvertretende Generalinspekteur Freude auslösen. Denn der passt noch in ein Tornado-Cockpit und hatte letztens seinen letzten Flug und hat auch Jugendbonus und hat Einsatzerfahrung und hat einen Schnäuzer und mehr fällt mir nicht mehr ein ;).

    Im Ernst: Trotz vielleicht berechtigter Kritik sollte man ihm doch eine glückliche Hand als neuer Befehlshaber wünschen. Lassen wir ihm die ersten 100 Tage ;).

  5. Dann kann sich Kamerad Glatz dann ab Juli ganz auf seine Funktionärstätigkeit im BDInf konzentrieren. Langsam ausrollen lassen…

  6. Das passt alles so schön zum zum heutigen Interview mit TdM im Guardian!

    Btw.: Wer folgt eigentlich auf GL Fritz im Ministerium?

    (Eignung, Leistung, Befähigung)

  7. Neuer Abteilungsleiter SE im Ministerium wird in der Tat Markus Kneip, sein Stellvertreter Thomas Jugel.

    Und, hm. Das mit den Uniformen, Anzugsordnungen und optischem Erscheinungsbild ab dem ersten goldenen Stern ist immer wieder ein Reizthema hier…

  8. Ich war sein KpTrpFhr in der 1. Chefverwendung im 4./PzBtl533 E/A.
    Harter Knochen, dem aber das Wohlergehen seiner Männer immer am Herzen lag.
    Eine gute Wahl ihm diesen Posten zu geben. Ich wünsche ihm viel Soldatenglück.

  9. Bei manchen Kommentaren komme ich mir vor, als hätte ich meinen Enkel in den Kindergarten gebracht und wäre aus Versehen noch eine Weile dageblieben.

  10. @T.W.:
    „Und, hm. Das mit den Uniformen, Anzugsordnungen und optischem Erscheinungsbild ab dem ersten goldenen Stern ist immer wieder ein Reizthema hier…“

    Mir scheint das Reizthema ist eher die Führungsleistung (Anspruch/ Wirklichkeit) – die sich u.a. an Äußerlichkeiten fest macht.

    3 drei Herren sind nunmal der Typus des karrierebewußten Verteidigungsbeamten – mit unterschiedlicher äußerer Ausprägung.

  11. Diese Miesepeterei hier geht mir sowas von auf den Senkel. Ich möchte keinem der Spötter wünschen, den Job als Befehlshaber auch nur einen Tag machen zu müssen. GL Glatz hat seinem Land gedient, so gut, wie er es unter den politischen Rahmenbedingungen eben konnte, und sein Nachfolger hat mindestens 100 Tage, seine Fähigkeiten zu zeigen, so, wie wir 100 Tage jedem anderen gönnen. Der Fisch fängt vom Kopf an zu stinken, also in Berlin – und nicht im – aus Berliner Sicht – mental weit entfernten Schwielowsee.

  12. @ LTC007

    Kann ich nur zustimmen. GL Glatz konnte man durch diesen Job beim altern zusehen, insbesondere wenn Berlin mal wieder mental näher rückte.

    Mal sehen wie „der Neue“ sich macht, er hat im Wildpark eine große Lücke zu füllen…

  13. LTC007:
    „…wie er es unter den politischen Rahmenbedingungen eben konnte:“

    Dann ist „die Politik“ wieder allein verantwortlich?
    Gerade in der Zeit von GenLt Glatz gab ves zweifellos erhebliche Herausforderungen.
    Das EinsFüKdo war hier jedoch oft nicht Treiber, sondern Bremser – bei Themen unterhalb der politischen Ebene. Hier hat das EinsFüKdo seinen Handlungsspielraum n.m.E. oft nicht genutzt

    Oder wie sehen sie das?

  14. Memoria: Ich habe keinen Bock auf so eine Diskussion. Sie sollten doch wissen, wie der Führungsvorgang heutzutage in unserer heißgeliebten Bw abläuft und was der Grund für Zögern, Zurückhaltung, Bremsen ist. Handlungsspielraum? Sicher: von der Wache bis zum Kommandogebäude in der HTK.

  15. @LTC007

    Sicher haben Sie mit den 100 Tagen im neuen Amt (und das meine ich mit Blick auf das Einsatzverwaltungskommando in mehrfacher Hinsicht) grundsätzlich Recht, die sollte man ihm zugestehen. Sehen Sie mir aber bitte nach, wenn ich persönlich ihm diese 100 Tage schon zugestehen musste, als er in Regensburg anfing und auch als er in MeS anfing. Die Ergebnisse überzeugten mich nicht, da sein Führungsstil maßgeblich darin bestand, nicht zu führen, sondern abzuwarten, was der unterstellte Bereich denn mal ohne weitere Anweisungen so anstellt. Ich erwarte also von den kommenden hundert Tagen maßgeblich viel Zurückhaltung, ambivalente Aussagen und wenig Handeln. Also nichts neues in Potsdam.

  16. @memoria: Bekanntlich stinkt der Fisch vom Kopfe her. Und der sitzt ganz oben. In der Politik eben.

    Nun werden die Herren wenig Gelegenheit haben, sich auf der Hindernisbahn von ihrem Speck zu trennen. Sie aber auch nie wieder in einen Einsatz gehen…

    @Cynic2: Vielleicht nicht die dümmste Einstellung, die Leute mit der meisten Erfahrung erst mal machen zu lassen, ohne sofort durch operative Hektik alles durcheinander zu bringen.

    Die Vielzahl unterschiedlicher Ansichten zeigt auch nur, daß man es sowieso nie allen recht machen kann. Daher fängt mancher lieber gleich mit dem an, was der will, der ihn bezahlt.

  17. @Cynic2: Sicher gibt es mindestens drei, vier, fünf (mehr?) andere Soldaten Ihrer Ebene, die andere Erfahrungen mit dem neuen Chef gemacht haben, nur sind die nicht in dem Blog hier unterwegs.

    Auch die Verballhornung des Namens EinsFüKdoBw wird durch Wiederholung nicht besser und richtiger. Auch hier gibt es ganz unterschiedliche Wahrnehmungen. Vielleicht ist es ja auch so, dass Schwielowsee faktisch gar nicht führen darf, weil die Führung in Berlin läuft. Blicken Sie, ich und andere da durch?

    Ganz einfacher Tip: Sehen Sie zu, dass Sie auch drei goldene Sterne bekommen, überleben Sie das Casting beim GI und beim Minster – und machen dann alles besser.

  18. @iltis:
    „Bekanntlich stinkt der Fisch vom Kopfe her. Und der sitzt ganz oben. In der Politik eben.“
    Dies ist jedoch auch allzu oft Ausrede für eigenes Nichtstun.
    Zweiteres ist für ein Großteil der Probleme der Bw verantwortlich.
    Ich spreche hier nicht von hören sagen, sondern von jahrelanger persönlicher Erfahrung.
    Das angeliche „nichts-tun-können“ ist allzu oft ein „nichts-tun-wollen“ mit der Standardausrede, das ist politisch nicht gewollt.
    Fängt schon an bei angeblichen rechtlichen Problemen…

  19. @Memoria: Politisch nicht gewollt ist keine Standardausrede, sondern bittere, tägliche Wahrheit. Ist schon heftig, wie tief wir gesunken sind…

  20. @Memoria

    der Kreis der „Unanscheißbaren“ ist eben sehr klein geworden in den letzten 10 Jahren.
    Als Präsident der „No-bullshit-Gang“ denke ich ernsthaft über eine Auflösung des Vereines nach, weil uns der Nachwuchs fehlt. Zivilcourage ist ja auch ein politisch inkorrekter Begriff weil er sich nicht gendern läßt…….;-)

  21. @LTC:
    Ich kenne mehrere Fälle in denen Dinge angeblich politisch nicht gewollt waren, nach Recherche jedoch sehr schnell klar wurde, dass es sich um „bürokratisch nicht gewollt“ handelt. Oftmals von Bürokraten in Uniform.
    Beispiel: Anwendung von zivilen Rechtsvorschriften, obwohl es Ausnahmen für Streitkräfte gibt. Also wird sogar das Gegenteil des politischen Willens umgesetzt.
    Ähnliches galt u.a. für ROE, SanAusb etc.

    Ich damit nicht sagen, dass politisch alles perfekt läuft aber gerade von (Gen)StOffzen und Generalen wird sehr oft eine keineswegs stichhaltige „politische“ Begründung herangezogen, um die eigene Passivität zu begründen.
    Das habe ich genauso zigfach erlebt.
    Aber der schwarze Peter liegt halt bequemer bei der Politik.

  22. @Klabautermann:
    Und leider verlassen einige dieser Leute (StOffze) derzeit die Bw – gerade weil sie weniger von der Politik, sondern von der eigenen Führung und dem Anspruch der Organisation tief enttäuscht sind.

    Wann gibt es am ZInFü ein Seminar „Toxic Leadership?“

  23. @Memoria

    der einzige Minister, der es gewagt hat, die schlimmsten Superbürokraten in der Geschichte der BW und der Spitze der BW (der eine in Uniform, der andere in zivil) zu feuern ist sehr schnell entsorgt worden…….

  24. @klabautermann

    Unsere Gangs haben den gleichen Namen… Das bedeutet Bandenkrieg ;)

    Ich nenns nur immer meine „NBP -No Bullshit Policy“

    @ topic

    Tja durch das ich nenns mal „Sonderkündigungsrecht“ für Gen/AdmStOffz hält sich die Politik den Stress größtenteils vom Hals. Und die Herren da oben wissen wie schnell der Stuhl auf dem sie sitzen wackelt wenn nach oben nicht konform gehandelt wird. Dafür gibts ja unzählige Beispiele und nur wenige die ihr kritisches Denken und Handeln auch konsequent in der B Besoldung durchgezogen haben.

    Besonders deutlich wird dies immer wenn man diesen Personenkreis a.D. trifft, teils privat oder in ihrer neuen Funktion. Da kehrten sich wohl einige Ansichten und Standpunkte mit der Übergabe der Ruhestandsurkunde um 180 Grad – da traue ich immer meinen Ohren nich was die nun proklamieren. Und man selber denkt sich wiederum: „tja hätt er das mal früher gesagt“

    Aus dieser Hörigkeitslogik heraus kann man es übrigends auch verstehen warum teilweise entscheidende Stellen trotz Jahrzentelangem Spardiktats immer wieder auf einen Einsterner angehoben wurde. So einem Oberst spuckt man tatsächlich schwerer in die Suppe ;)

  25. Ungläubig reibe ich mir da die Augen. Da habe ich doch gerade „Soldatenglück“ als Link aus meiner Webpräsenz „entsorgt“, und dann das hier. Die Kommentare sind ja hier teilweise noch hohler. Auf „Soldatenglück“ beließ man es bei Kommentaren über ernste Themen wenigstens noch bei der Reihenfolge irgendwelcher Ordensspangen an der Brust abgebildeter Offiziere, hier geht man dann gleich ins Persönliche. Ist das so schwer zu begreifen, dass eine gewisse Leibesfülle heute nicht das Geringste mit soldatischer Führungskompetenz zu tun hat? Jawohl, Herr Wiegold, Kindergarten!

  26. @Jas

    wie sagte H.B. so treffend ?
    „Die Profis sterben aus, und die Arschlöcher vermehren sich wie die Karnickel !“

    ;-)

  27. Mal unabhängig davon was man von diesen Herren hält, warum wird das Wort Karriere, bei einem Soldaten, immer negativ belegt? Ist es so schlimm karrierebewußt zu sein? Keinem Fußballer spricht man dieses Recht ab. Eines ist auch sicher, Dummköpfe stehen da nicht. Wenn die Politik, sich nach Meinung einiger, Verteidigungsbeamte für höchste Positionen aussucht dann wird es auch nicht der drahtig, schneidige Vorzeigesoldat mit Schreibgerät in der Hand aber dennoch jederzeit Messer zwischen den Zähnen. Wer sucht sich gerne Mitarbeiter aus die einem auf die Füße treten? Karriere sieht dann eben so aus. Eines habe ich auch gelernt über Verantwortung zu reden oder sie zu haben ist ein himmelweiter Unterschied.

  28. Ich sehe es inzwischen so: „Die können nichts dafür, die sind halt so sozialisiert und haben es nicht anders gelernt“.
    Dieser Denkansatz hilft vieles besser zu ertragen.

  29. @ LTC007

    Wahrnehmungen sind unterschiedlich und deshalb spreche ich ja auch nur für mich.
    Nicht nur der Name des EinsFüKdoBw auch die von der kommenden Anfragen und Verlautbarungen wurden mit der Zeit und Erfahrung nicht besser; von Führung mal ganz abgesehen. Das in Potsdam nicht viel Handlungsspielraum für eigene Entscheidungen gegenüber der Regierung besteht, vermute ich ebenso. Dass dieses dann aber in einer Form von Führung im militärischen Sinne aus Berlin resultiert, sehe ich nicht, es sei denn die Abwesenheit von Entscheidungen wird als Führung betrachtet.
    Auch ihren Tip bei Berlin sucht den Super-General mitzumachen, lehne ich dankend ab: Ich tauge einfach nicht zum Politiker. :-)

    @Iltis

    Da stimme ich Ihnen durchaus zu und vermute der Protagonist orientiert sich hier sehr stark an seinem Arbeitgeber. Die allgemeine Null-Fehler-Toleranz kann dann aber auch in eine Null-Handlungs-Toleranz umschlagen.

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