Sicherheitspolitik in der Böll-Stiftung – Vortrag von de Maizière

Die Grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung hatte am Montagabend (25. Februar) zu einer Veranstaltung Sicherheitspolitik im Wandel –Deutschlands Rolle in der neuen Weltordnung eingeladen; Hauptredner war Verteidigungsminister Thomas de Maizière. Der Minister hat einen sehr grundsätzlichen Vortrag gehalten, der die meisten Leser hier kaum überraschen dürfte – deshalb (und angesichts der späten Stunde) verzichte ich mal darauf, alle seine Aussagen hier aufzublättern. In Details ist sicherlich noch manches Interessante dabei, zum Beispiel zum Thema Rüstungsexporte (in der Podiumsdiskussion), worauf ich bei Gelegenheit zurückkommen werde.

Zur von ihm selbst angestoßenen Debatte der vergangenen Tage Giert nicht nach Anerkennung sagte de Maizière direkt nichts – nur sehr indirekt (ziemlich am Schluss seines Vortrags, ab  Minute 32:10):

Und 5.800 Soldaten dienen aktuell in den verschiedenen Einsätzen. Ihr Dienst verdient große gesellschaftliche Wertschätzung. Diese hat sich gut entwickelt, besser als das oft von innen aus der Bundeswehr wahrgenommen wird. Dafür bin ich dankbar und dafür will ich auch weiter werben.

Der Vortrag de Maizières zum Nachhören:

DeMaiziere_Boell-Stiftung_25feb2013     

 

Die anschließende Podiumsdiskussion mit dem Grünen-Bundestagsabgeordneten Omid Nouripour und Constanze Stelzenmüller vom German Marshal Fund, moderiert von Ralf Fücks von der Heinrich-Böll-Stiftung:

Panel_Boell-Stiftung_25feb2013     

 

Nachtrag: Das BMVg hat jetzt einen Text der Rede de Maiziéres online gestellt – allerdings bleibt dabei unklar, ob der unten vermerkte Stand: 26. Februar oder das oben angegebene Es gilt das gesprochene Wort maßgeblich ist (Letzteres würde das Redemanuskript bedeuten, keine Abschrift der tatsächlich gehaltenen Rede).

(Foto Stephan Röhl unter CC-BY-SA-Lizenz)

 

45 Gedanken zu „Sicherheitspolitik in der Böll-Stiftung – Vortrag von de Maizière

  1. Diese hat sich gut entwickelt, besser als das oft von innen aus der Bundeswehr wahrgenommen wird. Dafür bin ich dankbar und dafür will ich auch weiter werben.

    Ich frage hier erneut, hatte einer der Journalisten den Mumm zu fragen woran er das fest macht? Zahlen, Erfahrungen, Befragungen, Anekdoten, Kaffeesatz, Stuhlg…..?

  2. Fred | 26. Februar 2013 – 0:37
    Die gleiche Frage könnte man ja auch umgekehrt stellen. Nach meiner Wahrnehmung hat der Minister (diesmal) recht.

  3. @Klabautermann:
    „Respektiert, aber nicht geliebt…“ sehr lustig…
    Respektiert wird allenfalls die Position, nicht notwendigerweise der Mensch – da sollte man durchaus differenzieren.
    Und bei den drei Säulen der Authorität war die des Dienstgrades/der Dienststellung gemäß Doktrin noch immer die schwächste ;)

    @Heiko Kamann:
    Sehe ich ähnlich… mit Gesellschaftlicher Anerkennung haben wir, so meine ich, weniger ein Problem.

    @Fred:
    Zum Beispiel an Umfragen – google: „Berufe Ansehen Umfrage“

    Ob man den jüngsten Beitrag des Ministers so streng sehen will, dass man seinen Rücktritt fordert sei mal dahingestellt… seine Glaubwürdigkeit in der Truppe hat schon seit langem einen klaren Abwärtstrend. Ungeachtet dessen wählt nicht die Truppe den BMVg – sie muss mit dem Leben, was ihr der Dienstherr zur Verfügung stellt, Verteidigungsminister eingeschlossen ;)

  4. Da TDM festgestellt hat, dass Anerkennung quasi automatisch auf gute Arbeit folgt, dürfte klar sein, woran es liegt, wenn Soldaten denken, sie bekämen nicht ausreichend Anerkennung ;-)

  5. @Sascha Stoltenow
    Wenn ein Journalist eine gute Arbeit macht, gibt es eine Vielzahl von Preisen die er dafür bekommen kann. Aber vor allem darf er darüber reden und sich auch feiern lassen.
    Wenn ein Bäcker gute Brötchen backt werden sie gerne gekauft. Man sagt ihm annerkennend er verstünde etwas von seinem Handwerk.
    Die Aufgabe des Soldaten ist, sich dem Feind zu stellen und ihn zu töten. Wenn er also einen oder viele Feinde getötet hat, welche Anerkennung bekommt er dafür? Darf er überhaupt darüber reden?
    Wenn ein Kommunikationsexperte, wie Sie, über alles reden darf, nur nicht über Kommunikation, was hätte das für ihr Selbstwertgefühl für folgen?
    Für mich ist die Wertschätzung der ureigenste Aufgabe das Thema. Genau da scheitert es bei Soldaten.

  6. @BausC: Ja, genau. Mit Blick auf mich selbst könnte es manchmal nicht schaden, wenn ich die Klappe hielte. Beim großen Ganzen ist es einacher: Man kann nicht nicht kommunizieren ;-)

  7. TdM verwechselt persönliche Anerkennung der Leistungen einzelner und Wahrnehmung in der Öffentlichkeit.
    Nach der Neuausrichtung und AFG verlieren viele Soldaten ihre bis jetzt sinnstiftende Tätigkeit. „Vielen wurden bis jetzt immer wieder Aufträge und sichere Standorte in Aussicht gestellt, die sich dann ebenfalls wieder als zukunftslose Tätigkeiten und aufzulösende Standorte gezeigt haben. Viele sind mit Aufgaben/Einsätzen beschäftigt, bei denen der Erfolg schon zu Beginn fraglich ist. Das ist nach unzähligen Reformen ein System Burnout. Viele werden nicht mehr gebraucht, stehen im Weg und sind schon mit ende dreißig kein Zukunftspersonal mehr. Dies führt innerlich, zu einer massiven Entwertung.“ Offiziere aus dem Ministerium müssen bei den Reformen ständig ihre Maßnahmen als die beste Lösung begründen und bei der nächsten Reform ihre eigenen getroffenen Maßnamen als veraltet erklären. Militärisch waren sie angeblich das Gebot der Stunde und notwendig, doch viele wussten, dass die Begründung sich nicht am militärischen Sachzwang orientierte, sondern an den politischen Vorgaben! Weil wir uns in bei de Bw stark mit der Arbeit identifizierte, können viele irgendwann nicht mehr zwischen sich selbst und seiner Funktion unterscheiden. Spätestens da muss eine gute Innere Führung ansetzen doch TdM macht genau das Gegenteil! „Wir müssen trennen zwischen persönlicher innerer Anerkennung, beruflichen Notwendigkeiten und öffentlicher Wahrnehmung. Vielen Soldaten ist die öffentliche Wahrnehmung der Bw ziemlich egal. Diese Trennung ist ein Grundvoraussetzung für Leistungsfähigkeit, eine faire Bewertung und notwendig, um eine innere Klarheit zu haben. Die persönliche Anerkennung im Aufgabenbereich ist für die meisten mehr wert als monetäre oder zeitliche Entschädigung. Besonders wichtig wird diese Anerkennung wenn zu dienstlichen Belastungen noch private durch Familie und Gesundheit dazu kommen. Es wird zum Problem, wenn der Einzelne erwartet, dass seine persönliche Sinngebung allein durch die Bw stattfindet. Betroffene müssen die Fähigkeit entwickeln, in sich hineinzuschauen, auf seine Gefühle zu hören. Gerade bei TdM ist diese Fähigkeiten nicht gut entwickelt. Seine Pauschalmaßregelungen sind Führungsmittel aus einer vergangenen Zeit.

  8. @BausC

    Okay, ich beiß an…

    In unserer „postheroischen“ (ich kann das Wort nichtmehr hören) Gesellschaft, sind Begriffe wie „dem Feind stellen“, „den Feind töten“, „kämpfen“ nur noch in der filmischen und vllt. noch literarischen Fiktion gern gesehen.

    Ich Frage anders:
    Sollte ein Soldat stolz darauf sein, das er Menschen getötet hat? Definitiv nein!
    Soll ein Soldat stolz darauf sein, das er seinen (legitimierten) Auftrag erfüllt hat, auch wenn er dabei vllt. töten musste? Definitiv ja!

    Wir kommen bei dieser ganzen Debatte um Anerkennung, Selbstwertgefühl, Wertschätzung und Selbstbild um einen zentralen Aspekt nicht herum:

    Welches Verhältnis hat die Gesellschaft (Bürger, Medien, Politik, Wirtschaft) zu deutschem Militär in Deutschland? Wie hat sich dieses in den letzten 25 Jahren gewandelt? Warum?

    Ohne jetzt recherchiert zu haben stelle ich folgende These in den Raum:

    Es ist der Politik zu KEINEM Zeitpunkt gelungen, den neuen Auftrag der Bw (spätestens ab Beginn ISAF) erstens zu formulieren und zweitens der Öffentlichkeit selbstbewusst zu erklären warum die BRD diese und jenen sicherheitspolitischen Interessen hat und dafür auch bereit ist / bereit sein muss, Soldaten in den Kampf zu schicken.

    So lange DEU als Nation sich nicht emanzipiert und ZUSAMMEN mit den europ. und transatlantischen Partnern klare Interessen definiert, formuliert, kommuniziert und verfolgt, wird dieses Spannungsfeld auf ewig bestehen bleiben.

    Nur in einer selbstbewussten Nation können selbstbewusste Streitkräfte existieren.

  9. @Interessierter

    „Wir kommen bei dieser ganzen Debatte um Anerkennung, Selbstwertgefühl, Wertschätzung und Selbstbild um einen zentralen Aspekt nicht herum:

    Welches Verhältnis hat die Gesellschaft (Bürger, Medien, Politik, Wirtschaft) zu deutschem Militär in Deutschland? Wie hat sich dieses in den letzten 25 Jahren gewandelt? Warum?“

    Meiner Einschätzung nach ist das den meisten Soldaten eher egal!
    Viele wären schon zufrieden wenn die Vorgesetzten die Tätigkeit der Soldaten durch Anerkennung und Wertschätzung honorieren, doch viele müssen gerade erklären, warum die Dienstposten/WaSys so wie man es bis zum 09.2011 noch als sipo unbedingt notwendig verkaufte morgen nicht mehr benötigt werden!

  10. @Interessierter
    Sie können es besser formulieren und ich bin da ganz bei ihnen.

    „In unserer “postheroischen” (ich kann das Wort nichtmehr hören) Gesellschaft, sind Begriffe wie “dem Feind stellen”, “den Feind töten”, “kämpfen” nur noch in der filmischen und vllt. noch literarischen Fiktion gern gesehen.“

    Hierzu sei angemerkt, in unserer Gesellschaft darf man sich so nicht ausdrücken. Insofern war meine Wortwahl sehr bewußt gewählt. Ein „Wirkmittel einbringen“ ist eben etwas anderes als „töten“. Anders allerdings nur in der medialen Warnehmung, dass Ergebnis ist das Selbe.
    „Golfkriegsveteranen“ z.B. oder auch generell der Ausdruck Veteran, gab es schon immer für Soldaten anderer Streitkräfte, für die eigenen nicht. Insofern sind wir ggf. gar keine postheroische Gesellschaft, wir beziehen den Heroismus nur nicht auf uns selbst.
    68 Jahre danach ist eben nur ein weltpolitischer Wimpernschlag.

  11. Den Gegner
    -stellen
    -bekämpfen
    -angreifen
    -werfen
    …etc. sind alles Vokabeln, mit denen ich Militärische Aktionen beschreiben kann.
    In keiner BDL, Einsatzweisung habe ich in 42 Dienstjahren die Vokabeln „Feind töten“ gelesen.
    Von daher @BausC bin ich nicht nur semantisch auf der Seite von @Interessierter

  12. @ BausC | 26. Februar 2013 – 9:48
    „68 Jahre danach ist eben nur ein weltpolitischer Wimpernschlag.“
    Ja das ist auch ein richtiger Aspekt, aber vergessen Sie bitte nicht, das noch im Jahre 1989 deutsche Soldaten auf die eigene Bevölkerung geschossen haben. Chris Gueffroy war der letzte getötete. Sind das eigentlich auch Veteranen (NVA), die haben doch an vorderster Front gekämpft?

  13. @Klabautermann
    Mit welchem Wort kann man denn den Tod eines Feindes beschreiben?
    Ich möchte mich gar nicht in Wortklaubereien ergehen. Worte wie z.B. „Robustes Mandat“ hören sich eher so an, wie eine deftige Suppe aus der Feldküche am Lagerfeuer aber nicht, wie ein mögliches Gefecht mit Tod und Verwundung.
    Wie aber soll man anerkennen was jemand tut, wenn man nicht versteht was sich hinter einem Begriff verbirgt. Und warum muss man überhaupt andere Begriffe für eine doch einfach Tatsache finden?

  14. @BausC

    sorry, ich bin noch so erzogen, dass ich als Soldat zwar Gegner habe, aber keine Feinde.
    Stichwort: „Feindbilddiskussion“.
    IMHO können Gegner auch fallen.

  15. @Klabautermann
    Danke verstehe jetzt wie sie es meinen. Aber es gibt ja Feindbilddiskussionen. Wir nennen sie nur nicht so. Aber das wird jetzt ggf. zu sehr OT

  16. @BausC

    Weil der Mensch (zumindest einer unserer Prägung) dazu neigt die kognitive Dissonanz zwischen dem ethischen/moralischen Anspruch („Töten ist schlecht“) und der faktischen Notwendig („im Krieg/Gefecht töten um den Auftrag zu erfüllen“) durch eben diese Euphemismen/Wortklaubereien zu reduzieren.

    Es ist jedoch ein Balanceakt zwischen dem begreiflich machen von Geschehnissen durch möglichst plastische Schilderung, dem wahren der nötigen Distanz und der Einhaltung der „political correctness“ (manchmal auch die selbstauferlegte).

    Ich hätte kein Problem damit zu hören „Durch gezielten Dronenangriff wurden gestern im Kunduz-Baghlan Korridr 12 INS vernichtet (oder meinet wegen auch „ausgeschaltet“)“. Aber ich bin Soldat…wie wirkt das auf Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher?

    @Heiko Kaman

    Nachh allg. Verständnis war die DDR ein Unrechtsstaat (ähnlich wie das Dritte Reich). Da gemäß den Traditionsrichtlinien der Budneswehr aus bzw. auf Armeen solcher Staaten keine Traditionen begründet werden dürfen, denke ich das auch der Veteranenbegriff analog dazu keine Anwendung finden wird.

    Sollte in Ihrem Post Ironie enthalten sein, so ist mir diese entgangen.

  17. @BausC

    Mir ging es nur darum, dass gerade in Deutschland die Selbstbilddefinition von „Soldat“ mMn unmöglich auf „töten und/oder getötet werden“ reduziert werden kann…

  18. @ Baus C und klabautermann

    Man muss im soldatischen Selbstverständnis wohl zwischen dem Zweck des eigenen Handelns und dessen möglicher Wirkung unterscheiden.

    In den Ziffern 2 oder 3 eines Befehls werden Sie wohl (fast) nie den Begriff „Feind töten“ finden, sondern immer einen Auftrag, der mit den von klabautermann beschriebenen Vokabeln ausgedrückt wird. Die tatsächliche Wirkung jedoch, um den Auftrag erfolgreich auszuführen, kann in vielen Fällen (in intensiven Gefechtshandlungen sogar meistens) bedeuten, dass getötet werden muss. Das sollte man sehr wohl beim Namen nennen, ohne um den heißen Brei herumzureden. Dieser feine, aber entscheidende Unterschied ist leider nicht immer klar – weder in der Bevölkerung und auch bei manchen Soldaten nicht.

    @ Gramm

    „Vernichten“ (z.B. als artilleristische Wirkungsforderung) war zu der Zeit, auf die Sie offenbar anspielen, vor allem im Zusammenhang mit atomarer Kriegführung gebraucht. Und auch dort bezog es sich in der Regel auf militärische Truppenkörper oder Einrichtungen, nicht auf einzelne Personen. Wobei das natürlich auch nur Theorie zur Beruhigung des eigenen Gwissens war …

  19. Ein Blick in die Zentrale Dienstvorschrift 10/1 gibt unter der Ziffer 105 Auskunft, wie es sich mit Blick auf „töten und getötet werden“, verhält.

    Nicht ohne Grund fanden diese, an den Dienst des Soldaten gebundenen Herausforderungen, Eingang in die Grundlagenvorschrift für die Gründsätze der Inneren Führung.

  20. Evtl liegt es ja daran, dass wir uns nicht im Krieg befinden und bei Polizeiaktionen spricht man eben nicht von Feinden sondern von Kriminellen, Aufständischen, Terroristen Insurgents, uvm!

    Soldaten sprechen, gerade bei Übungen, sehr wohl vom Feind oder vom Gegner und dabei wird der Kombattant nicht als Unmensch oder Objekt des Hasses klassifiziert, sondern als Kämpfer! Kriminelle sind mit Sicherheit keine Gegner im Sinne von soldatischem Kampf!

  21. Wir schützen DEU und unsere Verbündeten nicht vor einem Angreifer, sondern versuchen mit dem falschen Werkzeug die Probleme, welche uns unsere Bündnispartner eingebrockt haben, zu beheben ….. und scheitern kläglich!

  22. @KaLeBe

    „vernichten“ ist ein immer noch in der allg. Befehlssprache geläufiger begriff…nicht nur eine Feueranforderung/Wirkungsart für die Ari, nicht nur im kalten Krieg.

    Nicht umsonst werden Begriffe wie „bekämpfen/niederhalten/überwachen“ in der Befehlssprache quer durch alle Truppengattungen verwendet.

    Um mal ein absolutes low-level Beispiel zu geben:

    Gruppenführer im Feldposten, Befehl an die Gruppe:

    „Männer , herhören Lageinformation:

    feindliche Schützengruppe, 300m, vor eigener Stellung,
    wir VERNICHTEN Feind im geschlossenen Feuerüberfall auf Pfiff,
    Zielverteilung von links, MG Schweigewaffe, melden wenn fertig“

    Man muss zwischen der INTERNEN und EXTERNEN Kommunikation schon ein wenig differenzieren, auch der nachvolziehbarkeit zu liebe. Wie jede „Fachsprache“ bedarf auch der militärische Jargon einer adäquaten Übersetzung ins zivile.

  23. @Elahan

    von „scheitern“ würde ich nicht reden wollen, ich denke – wenn ich die gegewärtige USA Strategie richtig lese – dann stehen uns die echten Herausforderungen noch bevor…

  24. Interessierter | 26. Februar 2013 – 11:20
    Wie viele andere Mitbürger, habe ich keinen „Traditionserlass der Bundeswehr“ im Haus; dieses ist ja auch kein Blogg der Bundeswehr!
    Der Blick auf die jüngere Geschichte hilft manchmal, um zu verstehen, warum der ein oder andere Mitbürger ressontiments gegenüber Streitkräften hat.

    „Ich hätte kein Problem damit zu hören “Durch gezielten Dronenangriff wurden gestern im Kunduz-Baghlan Korridr 12 INS vernichtet (oder meinet wegen auch “ausgeschaltet”)”.“
    Die Nachrichten sprechen in solchen o.ä. Meldungen von töten, getötet … vernichtet oder ausgeschaltet liest man dann eher in der Pressemitteilung der Streitkräfte oder der NATO.
    Die Buchstaben INS würde man hingegen nicht verwenden.

    „Sollte in Ihrem Post Ironie enthalten sein, so ist mir diese entgangen.“
    Da war keine.

  25. @ Interessierter

    Sie haben bei Ihrem Beispiel recht. Ich bezog mich auf die Artillerie, und dort war „vernichten“ der atomaren Wirkungsforderung vorbehalten, ansonsten war „zerschlagen“ i.d.R. die höchste (konventionelle) Stufe. Mehr war bei einer Flächenfeuerwaffe meist ohnehin nicht drin. Aber das führt jetzt ein wenig vom Thema ab. Mir kam es im Kern auf den Unterschied zwischen Zweck und Wirkung an.

    Ich stimme Ihnen zu, zwischen interner und externer Kommunikation unterscheiden zu müssen. Das ist aber auch gar nicht leicht. Denn oft dominiert dann das eine das andere, ohne dass man es merkt oder will.

  26. @ KeLaBe

    nur eine kleine Korinthe als ehemaliger Artillerist:

    Seit der Einführung der zielsuchenden SMArt Munition ist „vernichten“ auch eine konventionelle Wirkforderung der Artillerie geworden, aber dass ist zugegeben stark OT.

    Ansonsten stimme ich dem Grundtenor der Diskussion zu, dass interne und externe Kommunikation klar zu trennen sind, da die Fachsprache bei Außenstehenden eher Missverständnisse hervorruft.

  27. Ich will mich dem ersten Post von @Interessierter absolut anschließen. Ich denke es geht sehr stark um die Rolle der BW im Spannungsfeld mit Politik, Bevölkerung etc. Und hier wurde wie er richtig schreibt nichts kommuniziert das diese Rolle näher definiert, weil es nichts zu kommunizieren gab denn es hat sich ja da niemand festgelegt.

    Aber ich würde ihren Beitrag gerne erweitern – Denn ich würde diese Rollendefinition nicht nur extern sonder auch intern in Abrede stellen. Ich denke die von Elahan angesprochenen Punkte sind ein direktes Resultat. Dringend notwendiges Personal ist „über Nacht“ obsolet, die letzte Änderung die bis gerade eben noch als unabdingbar verteidigt worden ist wird plötzlich von den selben Leuten als Grund für neue Reformen herangezogen etc. Das passiert nur wenn es keinen roten Faden gibt.

    Ich glaube wenn man erst einmal so einen roten Faden (i.e. grundsätzliche strategische Überlegungen) herleitet und dann auch kommuniziert hat man auch nicht das Problem dass BW-Angehörige ob ihrer internen wie externen Rolle – und daraus folgend auch Anerkennung – in der Luft schweben.

    Das ist meine persönliche Meinung, aber für mich sind die Worte des Ministers, der Unmut über die Reform etc. alles Ausdrücke das es unterschwellige, fundamentale Probleme gibt.

  28. @ TZG90

    Danke für die Ergänzung. Bei der SMArt Mun macht das auch Sinn. Insgesamt kommt es bei der Wahl der jeweiligen Begriffe (neben der Waffe bzw. Munition) auch auf die Ebene an. Ist aber nun wirklich OT.

  29. Am Beispiel des JaboG 32 mit dem ECR oder dem Gepard bei der Flugabwehr kann man es deutlich erkennen! Vor der letzten Reform waren beide ein zukunftfähige, unerläßliche Kernfähigkeit! Und nun?

  30. @ H.K.
    „Ja das ist auch ein richtiger Aspekt, aber vergessen Sie bitte nicht, das noch im Jahre 1989 deutsche Soldaten auf die eigene Bevölkerung geschossen haben. Chris Gueffroy war der letzte getötete. Sind das eigentlich auch Veteranen (NVA), die haben doch an vorderster Front gekämpft?“

    Das ist eine meiner Meinung nach ziemlich dümmliche Provokation, die hier nicht von nöten und der Qualität ihrer Beiträge bislang auch nicht würdig ist. Weder formaljuristisch noch vom Selbstverständnis der beteiligten Organe her waren die Grenztruppen der DDR Teil der NVA, noch wurden sie bei der Abwicklung den Streikräften zugeschlagen.

  31. @Elahan:
    Die Kernfähigkeit des ECR Tornado wird ja anderswo erhalten… wie es bei der Maritimen Rolle auch war. Irgendwann kommt dann der Stille abschied, weil, wie zum Beispiel bei der maritimen Rolle der Tornados, diverse Aufträge mit einem Mangel an Training und Equipment wegenMehrfachbelastung nicht mehr sicherzustellen sind. Der Tod auf Raten ist dann aber medientechnisch weniger wirksam.

    Ebenso ist ja Ozelot als SHORAD-System ja noch da um diese Kernfähigkeit zu erhalten – Breite vor Tiefe eben.

    Diese Salamitaktik ist aber zweifelsohne einer der Kritikpunte der Truppe an der Reform.

  32. @Romann: Die GT der DDR wurden aus der NVA ausgegliedert, um dem Helsinki- Prozeß Folge leisten zu können, ohne die Grenze von Soldaten zu entblößen. Tatsächlich und vom Selbstverständnis her und auch von der gesamten Struktur her kann man GT und NVA durchaus vergleichen. Juristisch mag das anders sein, ist aber nur eine Korinthe.

    Im Übrigen sind die vielen Beiträge, in denen es um töten oder niederwerfen geht, eigentlich Ausdruck dessen, was unserer Gesellschaft fehlt, wenn political correctness wichtiger ist, als klares Ausdrücken von Positionen oder Inhalten. Dem Soldaten, der bewußt erlebt hat, wie ein Gegner durch die eigene Handlung starb, dem ist der semantische pc- Quark egal.

    Ein kleines Beispiel aus der weiteren Familie: Anfang ’45, XY ist nach dem dritten Heimatschuß mit nur noch einem Auge noch mal nach Osten abkommandiert und steht plötzlich einem Russen gegenüber. Nur die beiden, sonst niemand in der Nähe und beide halten ihre Waffen aufeinander. Einen Moment stutzen sie und schauen sich an. Dann fällt ein Schuß, XY kommt lebend nach Hause und der Russe nicht. Nachdem XY 65 Jahre lang nie von seinen Erlebnissen berichtet hat, erzählt er heute aber davon und davon, daß ihn dieser Augenblick noch heute nicht los läßt, weil er nicht weiß, ob sie sich nicht auch einfach hätten ignorieren können. Dann hätte beide ihre Chance gehabt. Die sprachliche Weichspülung hilft niemandem, auch wenn die Freunde des offenen Wortes sich nicht beliebt machen.

  33. @elahan

    ihrer Liste kann man auch die Fernspäher hinzufügen.
    hier wurde auch eine einsatzerfahrene professionelle Fähigkeit quasi beerdigt.

    Vom Einsatz her denken…

  34. Roman | 26. Februar 2013 – 14:40
    Ihre Einlassung mit der „dümmlichen Provokation“ verbitte ich mir.

    Die Grenztruppen gehörten zumindest zum Ministerium für Nationale Verteidigung; die Ausgliederung erfolgte ja nur aus Gründen der Reduzierung der Gesamttruppenstärke.
    Ist aber egal; in der Wahrnehmung waren es alles Soldaten.
    Die Tatsache, das deutsche Soldaten auf ihre eigene Bevöllkerung geschossen haben, ist auch keine Provokation meinerseits, sondern ein Umstand, der dazu beiträgt bei manchen Mitbürgern eine aversion gegenüber Streitkräften zu erzeugen.
    Das wäre bei anderen Nationen vermutlich nicht anderst.

  35. @Heiko Kaman

    Zu Ihrem letzten Post:

    Die von Ihnen so bezeichnete „Aversion“ gegen Streitkräfte bei manchen Mitbürgern ist eher deren politischer Grundeinstellung geschuldet. Ich persönliche stelle eher (nach wie vor) das „freundliche Desinteresse“ oder eine grundsätzlich kritische/skeptische fest.

    Ich habe es auch noch nie erlebt, das bei jemandem im Zusammenhang mit der Bundeswehr dia Assoziation mit den Schüssen an der innerdeutschen Grenze geweckt worden wäre.
    Sollte bei Ihnen der Fall anders gelagert sein, rate ich doch dringend zu einer eingehenderen Auseinandersetzung mit der Materie „Bundeswehr“.

  36. Och, ich will nicht jetzt die ganze Geschichte der Grenztruppen nachziehen, dennoch

    aufgestellt als paramilitärische Einheit wie der BGS, unterstellt abwechselnd zivilen Behörden. Militärische Ränge und Ausrüstung wie beim BGS, nur halt in der Ostversion.

    Unterstellung im Kriegsfall, wie beim BGS, der NVA. Die Angehörigen waren alles Freiwillige.

    Die Unterstellung unter das Ministerium der Verteidigung (ist wie heute das BMvG eine zivile Behörde) erfolgte 1962 aus drei wesentlichen Gründen:
    a) um von der Einführung der Wehrpflicht zu profitieren
    b) um zumindest auf dem Papier die Streitkräfte zu vergrößern und somit endlich dem Druck Moskaus nachgeben zu können ohne die damals extrem angespannte Haushaltslage weiter zu verschärfen
    c) das schärfere und effektivere Militärrecht über die bis dato „desolate“ und „undisziplinierte“ Grenztruppen zu bringen

    Die Gründe für die Ausgliederung wurden ja schon vorgetragen. Eine neunjährige Stehzeit bei knapp 40 Dienstjahren macht daraus keinen festen Verband der NVA. Niemand käme auf die Idee, den BGS als Teil der Bundeswehr zu bezeichnen. Den Grenztruppen ging die Fähigkeit zum Kampf der verbundenen Waffen ab. Das sie dennoch so ausgerüstet waren, ist vielfältig zu begründen, u.a. :
    – mit der Aufrüstung der Gegenseite
    – dem Konzept der „Volksbewaffnung“, die eine einheitliche Bewaffnung ja sinnvoll macht (siehe auch Betriebskampfgruppen, die ja auch keine Soldaten waren)

  37. Interessierter | 26. Februar 2013 – 16:03
    Warum beleidigen Sie mich? So können Sie im Sandkasten mit Ihren Freunden umgehen, aber nicht mit einem Ihnen fremden Erwachsenen.

  38. @Heiko Kamann

    Erstens kann ich in meinen Einlassungen keine beleidigenden oder ehrenrührige Inhalte erkennen. Sie haben gewagte Thesen aufgestellt, welchen ich aus meinem eigenen, persönlichen Erfahrungsschatz widersprochen habe. Sollten meine (zugegeben provaktiven) Äußerungen zu a) der Möglichkeit der WWW-Recherche via Google und/oder b) die Aufforderung sich im Falle einer assoziativen Verknüpfungen von Bw und und Todesschüssen an der deutsch-deutschen Grenze ihrerseits eingehender mit dem Hintergrund zu befassen in Ihrer Ehre gekränkt fühlen, bitte ich sie hier coram publico um
    Entschuldigung.

    Zweitens bin auch ich, Sie werden es kaum glauben, dem Sandkastenalter entwachsen. Also bitte ich auch Sie solche infantilen Bemerkungen zu unterlassen. Ansonsten wäre Ihr Verhalten ambivalent.

  39. @Romann: Zitat – Unterstellung im Kriegsfall, wie beim BGS, der NVA. Die Angehörigen waren alles Freiwillige.

    Nein, waren sie nicht. Es sei denn, Sie interpretieren das Vorlegen einer zu unterschreibenden Verpflichtungserklärung wenn man einen Studienplatz haben möchte, als Akt der Freiwilligkeit.

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