RC N Watch: Abzug aus Afghanistan – der Zoll ist dabei

Ob man es Abzug oder Rückverlegung nennt – bei allen ISAF-Nationen sind die Planungen für die Verringerung der Truppen in Afghanistan und damit für den Abtransport des Materials vom Hindukusch in vollem Gang.

Interessant ist ein Bericht des Wall Street Journal dazu, in dem ich zwei Dinge bemerkenswert finde: Zum einen der Hinweis auf das gigantische Materialdepot der US-Streitkräfte, das in Masar-i-Scharif entsteht, im deutsch befehligten ISAF-Regionalkommando Nord. Und zum anderen ein Detail, das mir bislang so noch nicht bewusst war:

Under an agreement between Kabul and Washington, the U.S. military can bring equipment in and out of Afghanistan without being subject to taxes or customs duties. But Afghanistan’s Customs and Revenue Department still has to review each shipment of U.S. military cargo for export, said U.S. Army Col. Tom Collins, a coalition spokesman.
The Afghan government had issued directives to customs officers to help speed the process, said Mohammad Zaher Ansari, deputy director of the Afghan customs office in Hairaton, the crossing into Uzbekistan.
But Mr. Ansari said the U.S.-led coalition sometimes lacked documentation for items brought previously into the country. „It’s fine that you are going to move your equipment out of the country,“ he said. „But you have to take it through our regulations—our customs law. You should present us with the customs documents you received when you imported them to Afghanistan.“

Das gilt offensichtlich für alle ISAF-Nationen. Hoffentlich hat die Bundeswehr die Einfuhr allen Geräts bei den afghanischen Behörden angemeldet. Viel Spaß mit dem Zoll.

(Foto: Archivbild eines anderen Abzugs: Ein geschütztes Fahrzeug der U.S. Army, ein MRAP (Mine resistant ambush protected) wird nach dem Abtransport aus Irak in Kuwait gereinigt – U.S. Army Photo via Flickr unter CC-BY-Lizenz)

15 Gedanken zu „RC N Watch: Abzug aus Afghanistan – der Zoll ist dabei

  1. Ich habe keine Ahnung, wie ich jetzt darauf komme, aber um aus Wikipedia zu zitieren:

    Bakschisch

    Das Wort Bakshish bzw. Bakschisch kommt aus dem Persischen, wo es ‏بخشش‎ geschrieben wird, und bedeutet so viel wie Gabe oder Geschenk. Es ist im islamischen Raum im ursprünglichen Sinn eine Art Almosen. Das schließt finanzielle Unterstützung ein. …

    Der Begriff Bakschisch ist in Indien übernommen worden. Sowohl hier als auch in arabischen Ländern ist es üblich, durch die Gabe von Bakschisch Verwaltungsvorgänge zu beschleunigen oder einen besonderen Gefallen zu erhalten.

    Im deutschsprachigen Raum, dem Balkan und allen anderen Ländern des ehemaligen Osmanisches Reiches ist Bakschisch umgangssprachlich ein Ausdruck für Schmiergeld.

    ;-)

  2. @ St Michael

    Genau der gleiche Gedanke ist mir auch gekommen.
    Ansonsten dauert der Abzug bis 2050…..

  3. Da zeigt sich, wo wir die Afghanen besonders trainiert und „mentored“ haben: Bürokratie!
    Die Usbeken machen das ja schon lange so und verdienen sich in Termez eine Goldene Nase. Aber die Bindeswehr hat ja bestimmt alle Zollbelege parat. Ganz bestimmt.
    Es könnte dafür allerdings notwendig werden, ein neues Fähigkeitskommando auf Zweisternebene bei IUD zu errichten, welches dann die selbständige Materialnachweis-/Verzollungsbehörde würde. Und zwar sofort! Das ist richtig wichtig.

  4. Um ihren Kollegen Seliger und seinen Blog zu zitieren:

    „…
    Bevor „ausgelutschte Wölfe“ oder andere Kleinfahrzeuge mit teueren Flugzeugen (Antonow, Iljuschin) nach Deutschland gebracht würden, sollten sie eher vor Ort (im Feldlager Mazar-i-Sharif) durch die Schrottpresse geschoben werden.
    …“
    Man würde nebenbei noch die Zollgebühren sparen.

  5. Wenn das in einem Film/Roman wäre fände man es klischeehaft und albern. Die Realität ist ne tolle Sache.

  6. Genial, immerhin dürfte einiges Material bereits zu zeiten in Afghanisten angekommen sein bevor es diese aghanische Regierung überhaupt gab :) Immerhin ist es hauptsächlich diesem Material und Personal zu verdanken dass diese Regierung überhaupt existiert.
    Da sägt einer an dem Ast auf dem er sitzt.

  7. @ fischer … ich wäre mir da über die positionen relativ zur säge auf diesem ast nicht so sicher ;)

  8. Was ist das Besondere an dieser Meldung?

    In Deutschland würde es genauso laufen.

    Ich würde aber darauf bestehen, die evtl. entstehenden Kosten, mit den Kosten für den Einsatz zu verrechnen, denn dieser Einsatz hat ja schließlich dazu geführt, dass diese korrupte Regierung „noch“ an der Macht ist.

    LG

  9. Also wenn man sich mal so die regularien der World customs Orgenisation anschaut, dann verwurndert es mich schon, dass die für die Ausfuhr Geld haben wollen.

    Ich vermute eher mal, dass man damit gut und gerne einiges an nahrichtendienstlicher Aufklärung betreiben kann.

    Oder eben dann rückwirkend Geld für die vorübergehende Verwendung ohne Anmeldung verlangt.
    Genauso für das Material, das zur vorübergehenden Verwendung durch die Bw gedacht war und dann im Einsatz verkauft wurde.
    Auch dafür müssten wir dann quasi afghanischen Zoll und Einfuhrumsatzsteuer zahlen.
    Wenn die sowas haben.

    Stell Dir vor es ist Krieg…..
    und die Verwaltung hat nicht mitgezeichnet….

    Lösung: wie oben geschrieben Bakschisch.
    Nur unter welchem Kapitel/Titel verbucht man das und wird der bestochene Beamte die Quittung unterschrieben ?

  10. man muss ja nicht alles in bar auslösen. wenn aus jedem container so ein paar sahnestückerl abfielen…. „beschädigt“, „beim transport verlustig gegangen“, „gestohlen“

    oder auf institutioneller Ebene – feilschen über die zahl derr überlassenen ausrüstiungsgegenstände, die nicht mehr gebraucht werden *hust*. ausstellung von einreisedokumenten für verwandschaft des Zollinspektors, Hermesbürgschaften für dne Export von wahtever, die vom Exporteur leider wahrgenommen werden müssen, Kompensation durhc eine entwicklungshilfeprojekt in region xy (xy = kinship region des inspektuers)

    von ein wille ist, ist auch ein weg …

  11. „Ob man es Abzug oder Rückverlegung nennt “

    Warum nennen wir es denn nicht nach dem, was es ist: RÜCKZUG!

  12. Das Problem ist doch nicht, dass ISAF von Import-/Export-Regelungen betroffen ist. Die Nato-Regierungen können da immer noch politisch Druck machen, oder schmieren einfach noch ein paar Millionen mehr.

    Kritisch ist, dass Afghanistan was Hürden für den grenzüberschreitenden Handel angeht international sprichwörtlich den letzten Platz belegt. Und der Normalbürger kann sich eben nicht dagegen wehren.

    The Buddha’s Empty Place: In Afghanistan, the number of documents a company has to deal with to export its products is 12. In the case of importation, that number is 11. This shows bureaucracy awfully hampers business activities. The time it takes a small business to export or import goods is the most problematic section. It takes a small business 74 days to export its products while the same business can import goods in 77 days.

  13. Umgekehrt läufts ja bald ähnlich.
    Bis zum 25. März 2013 müssen Unternehmen die Luftfracht versenden, vom Luftfahrt-Bundesamt als „Bekannte Versender“ gemäß EU-Verordnung 185/2010 zugelassen sein.

    Wenn mich nicht alles täuscht – Nein, ich bin mir sogar sehr sicher – betrifft das auch die Bundeswehr. Und zwar jeden einzelnen Bw-Flughafen!
    Erst dann dürfen Waren, ohne einzeln vom Zoll geröntgt zu werden, ins Ausland geflogen werden.

    Das wird aktuell, gerade von der „blauen“ TSK, noch sehr entspannt gesehen.

  14. Guten Abend zusammen,

    Da muss ich die „Graue Irrelevanz“ leider unterstützer und leicht korrigieren – nicht jeder versendende Flugplatz sondern jeder Verband der als Versender im LuTrsp auftritt muß sich als „Bekannter Versender“ qualifizieren.
    Die Sache mit dem Zoll gibt es aber schon so lange wie es Auslandseinsätze der Bw gibt, nur war der Umfang des Materials der in einer bestimmten Zeit wieder ausgeführt werden soll, noch nie so groß.

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