Karzai schmeisst US Special Forces aus afghanischer Provinz raus

Afghanistans Präsident Hamid Karzai zeigt zunehmend Härte gegenüber den internationalen Truppen im Land. Nachdem er erst vor kurzem afghanischen Sicherheitskräften untersagt hatte, Luftunterstützung von ISAF anzufordern, nimmt er es diesmal mit einem entscheidenden Pfeiler der US-Präsenz am Hindukusch auf: Aus mindestens einer Provinz werden Special Forces der amerikanischen Streitkräfte rausgeworfen – ihre Tätigkeit in der Provinz Wardak sollen sie sofort einstellen und binnen zwei Wochen  die Provinz verlassen. In der der Provinz Logar gibt es ebenfalls Probleme.

Aus der am (heutigen) Sonntag vom afghanischen Präsidentenpalast veröffentlichten Erklärung nach einem Treffen des nationalen Sicherheitsrats:

After a thorough discussion, it became clear that armed individuals named as US special force stationed in Wardak province engage in harassing, annoying, torturing and even murdering innocent people. A recent example in the province is an incident in which nine people were disappeared in an operation by this suspicious force and in a separate incident a student was taken away at night from his home, whose tortured body with throat cut was found two days later under a bridge. However, Americans reject having conducted any such operation and any involvement of their special force.
The meeting strongly noted that such actions have caused local public resentment and hatred.
In view of the above situation, the meeting made the following decisions:
1.    The Ministry of Defense was assigned to make sure all US special forces are out of the province within two weeks;
2.    All the Afghan national security forces are duty bound to protect the life and property of people in Maidan Wardak province by effectively stopping and bringing to justice any groups that enter peoples’ homes in the name of special force and who engage in annoying, harassing and murdering innocent people; and
3.    Effective from February 24, 2013 onward, the ISAF has to stop all its special force operations in Maidan Wardak province

Der Sicherheitsrat legte darüber hinaus auch fest, dass die Präsenz internationaler Truppen nach Auslaufen der ISAF-Mission Ende 2014 nur noch aufgrund bilateraler Vereinbarungen zugelassen werden soll – das wird eine interessante Frage für die NATO, wenn jedes beteiligte Mitgliedsland (und die Nicht-NATO-Staaten, die derzeit an ISAF beteiligt sind) ein solches Abkommen schließen muss:

The meeting also held an in-depth discussion on the military presence some countries are seeking beyond 2014 in Afghanistan. The meeting decided that any military presence any country may be seeking to retain under the international coalition after 2014 may be allowed only after Afghan government’s formal agreement and discretion, to be achieved bilaterally.
The meeting underlined that the number, location, scope and the nature of operations of such troops, if agreed, would be determined through direct negotiations with Afghan government.

Vor allem die Aufforderung – fast schon: der Befehl – an die U.S. Special Forces, in einer Provinz nicht mehr aktiv zu werden, dürfte ein Problem zwischen Afghanistan und den USA werden. Denn die Jagd auf Anführer der Aufständischen und auf Al-Qaida-Anhänger ist für die Amerikaner ein wesentlicher Teil ihrer Operationen am Hindukusch, teilweise unabhängig vom ISAF-Einsatz. Für Wardak haben die USA abgestritten, mit den genannten Vorfällen etwas zu tun zu haben, was für  die Anweisung offensichtlich nichts änderte. Ob das ein Einzelfall ist und bleibt oder ob solche Anweisungen auch für andere Provinzen erlassen werden, wird wesentlich bestimmen, welches internationale militärische Engagement es in Afghanistan nach dem Ende der ISAF-Mission geben wird.

ISAF hatte ich am Sonntagmittag via Twitter um eine Stellungnahme gebeten, die bislang aber nicht kam. Dem britischen Guardian gab ISAF eine recht nichtssagende Erklärung:

The Nato-led International Security Assistance Force (Isaf) in Kabul said it was aware of the order, but declined to provide further information. It was also unable to confirm the number of US special forces currently in Maidan Wardak.
„We take allegations of misconduct seriously and go to great lengths to determine the facts surrounding them, but until we’ve had a chance to talk to senior government of Afghanistan officials, we’re not in a position to comment further,“ an Isaf spokesman said.

Nachtrag: Die New York Times hat es etwas ausführlicher erklärt.

(Archivbild: Eine Joint Security Force auf Patrouille in Wardak 2009 – 55th Combat Camera Photo by Spc. Walter Reeves/ISAF Media via Flickr unter CC-BY-Lizenz)

37 Gedanken zu „Karzai schmeisst US Special Forces aus afghanischer Provinz raus

  1. Ui. Tatsächlich steckt hinter der großen Klappe von Karzai mal was. Wenn er es denn durchzieht.

  2. Sollte man gar nicht lange fackeln, 100% Abzug bis 2014, wer unsere Hilfe nicht will, der braucht sie auch nicht und dem sollte man sie auch nicht aufdrängen..

  3. Afghanischer Wahlkampf eben.
    Die zentrale Frage: Wird die neue Regierung daran anknüpfen?
    Wenn ja, dann ist auch ALP/VSO gescheitert.
    Time to say good bye…

  4. @ Section31:

    Genau so ist es! Allerdings bezweifel ich das die Art der „Befriedung“ durch amerikanische Soldaten von afghanischer Seite immer als Hilfe zu bezeichnen ist. ;)

  5. Irgendwie seh ich hier ein Muster……die Franzosen sind raus, die Engländer/Kanadier fast, die US ziemlich rasch in den nächsten 12 Monaten……..Hallo, Berlin: Balkan Mission Creep 2.0 ??

  6. Ein mögliches politisches Szenario aus meiner Vorstellungskraft:

    Vor einiger Zeit gab es ein geheimes Treffen zwischen Männern, die im Bereich der „Taliban“ etwas zu sagen haben mit einem Vertreter der Karzai-Regierung. Inhalt war die Zukunft. Talibanvertreter wollen die NATO (offensichtlich) raushaben. Die Regierung geht darauf ein, wenn dafür weniger Blut vergossen wird und danach immernoch individuelle = bilaterale Verträge akzeptiert werden.

    Könnte glatt eine Win-Win Situation sein. Aber irgendwie bezweifel ich das.

  7. Das ist gut so
    So können wir gehen aus Afghanistan ohne unser Gesicht zu verlieren.
    Er soll alle Richtig rausschmeißen dann gehen wir Heim und der Schuldige sind nicht wir sondern er allein und seine Taliban Freundliche Berater

  8. und nach einer kurzen Schamfrist wird Karsai sich mit seinen Millionen ins Asyl zurückziehen und Afganistan wird (wieder)von Drogenbaronen und Taliban regiert/tyranisiert.

  9. Also zum einen scheren sich die Amerikaner erfahrungsgemäß nicht darum, vor Einsätzen ihrer Special Forces vorher großartig um eine förmliche Einladung zu ersuchen (vgl. Pakistan).

    Zum anderen wird Herr Karzai heilfroh sein, wenn ihn denn dereinst ein amerikanischer Hubschrauber vom Dach seines Präsidentenpalastes in Kabul abholt.l

  10. @Memoria

    Wenn ALP/VSO scheitert, dann sind sofort komplette Landstriche wieder in der Hand der Taliban. ANP, ANA und ANCOP können ohne diese Kräfte einpacken.

    pi

  11. Dann also doch den kompletten abzug, aber dann auch bitte gleich den geldhahn zudrehen und eine große mauer drumrum bauen… Danach kann man zusehen wie Karzai binnen weniger monate alles entgleitet und Afghanistan in das jahr 2000 zurück verfällt. :/

  12. @ chickenhawk
    Inoffiziell werden seit der Musharaf Ära amerikanische operationen in Pakistan toleriert, solange man offiziell dementieren kann. Siehe cia drohnenbasis nahe peschawar usw.

  13. Was sollen hier eigentlich die Beißreflexe?

    Wenn Karzai sich als starker Mann positionieren kann indem er ausländische Truppen mit Caveats belegt die in der Praxis irrelevant sind dann nur zu. Das dient letztlich nur der Stärkung der Anti-Taliban-Seite. Für Karzai gibts ohnehin keine Einigung mit den Taliban undoder Al-Kaida, der steht oben auf der Liste und kann sich nur am Leben halten wenn er die Aufständischen klein hält. Je besser er das alleine hinbekommt um so besser für die NATO.

  14. @ zog | 24. Februar 2013 – 17:30
    „Ui. Tatsächlich steckt hinter der großen Klappe von Karzai mal was. Wenn er es denn durchzieht.“

    Eine sachliche Analyse und daraus folgernde Bewertung sieht anders aus…. Abgesehen davon ist es kein Merkmal der US SOF, Menschen mit durchschnittenem Hals irgendwo abzulegen, diese Vorgehensweise präferieren die „Wehrkollegen mit der anderen (afgh.) TB-Feldpostnummer“. Und kommen Sie nicht mit der Mär, die US Trp hätten bestimmt eine falsche Fährte legen wollen; dass ist Bild-Niveau.
    Weiterhin kann ich den weiteren Kommentatoren nur zustimmen, wenn sie Karzai als das charakterisieren, was er wirklich ist: ein korrupter Stadthalter, der seinen (finanziell) abgesicherten Ausstieg vorbereitet.

  15. Inwiefern habe ich mich denn auf die angeblichen Taten der angeblichen US SOF bezogen?
    Der Kommentar bezog sich rein auf das Statement von Karzai, der bekanntlich viel warme Luft von sich gibt, wenn der Tag lang ist. Taten folgen meistens nicht.

  16. Gestern Abend auf ZDFinfo eine sehr gute Doku über den Vietnamkrieg gesehen. Die Story ist zwar gut 40 Jahre her, aber die Parallelen sind unübersehbar. Allerdings hat Nguyen Van Thieu nicht so laut getrommelt. Er hat recht realistisch eingeschätzt, was von seinem Laden übrig bleibt, wenn der große Bruder keine Lust mehr zum Mitspielen hat. Sein Realitätssinn war offenbar ausgeprägter als der von Karsai.

  17. @iltis

    Interessant war mE vor allem die Tatsache, das die 4 Phasen der Aufstandsbekämpfung (welche fast 1:1 dem Shape-Clear-Built-Hold entsprechen) damals schon nicht funktioniert haben.

  18. Darum schrieb ich ja von den unübersehbaren Parallelen. Wesentliche Frage hierbei ist, wieso lernen die Staaten mit regulären Armeen nie etwas aus den Pleiten der jüngeren Vergangenheit: Vietnam – Somalia, jetzt AFG und demnächst Mali?

    Zitat aus der Sendung: Reguläre Armeen verlieren, wenn sie nicht siegen. Freischärler gewinnen, wenn sie nicht verlieren.

    Das beschreibt, warum die Nadelstichtaktik eigentlich immer erfolgreich ist und warum auch die größte Armee kein Gebiet gegen INS halten kann, wenn sie nicht die vollständige Entvölkerung voranstellt und anschließend totale Kontrolle. Was aber auch nicht geht.

    Mindestens ebenso interessant war, welchen Blutzoll die Vietcong gezahlt haben: runde 600.000 Mann, obwohl die Stärke kaum mal über 200.000 stieg. Außerdem war der Versuch, die Amerikaner offen anzugreifen (Tet-Offensive) ein Fehlschlag, denn die US-Army hätte in offener Feldschlacht jeden Gegner vom Gelände gefegt.

  19. @Iltis:
    „Wesentliche Frage hierbei ist, wieso lernen die Staaten mit regulären Armeen nie etwas aus den Pleiten der jüngeren Vergangenheit: Vietnam – Somalia, jetzt AFG und demnächst Mali?“

    Wirklich DIE wesentliche Frage. Aber diese Frage ist die Existenzfrage moderner Armeen und wird daher verdrängt.
    In Deutschland kommt hinzu, dass man als zukünftiger i.G.ler zwar in der Clausewitz-Kaserne untergebracht ist, aber über Kriegstheorie in 2 Jahren so gut wie nichts lernt.
    Stattdessen werden Apparatschiks herangezogen, die NATO-Verfahren abarbeiten können.
    Auch die Aussagen der Generalität man sei in AFG erfolgreich, weil der Gegner die offene Auseinandersetzung meide zeugt von einem sehr unterentwickelten Verständnis moderner Kriege.

    Ebenfalls aus der Vietnam-Ära, aber weiterhin aktuell (arg viel anders sind die Mechanismen in Nord-Mali nicht):
    http://www.youtube.com/watch?v=3XekeXMLyOo

    Trotz all dem Pathos zeugt der Film von einer gewissen intelektuellen Auseinandersetzung mit dem Thema. Genau diese fehlt aus meiner Sicht immer mehr.

  20. @Memoria: Wenn der Gegner in AFG die offene Feldschlacht meidet, tut er doch genau das, was der Vietcong vorexerziert hat. Und natürlich auch all die anderen Guerillas in ähnlicher Situation. Da wundert man sich schon heftig über so viel Wirklichkeitsverweigerung. Noch spannender ist da die Frage, ob die Schönredner glauben, daß man ihnen glaubt. An welche Adresse geht das Geschwätz denn eigentlich, denn wer mit halbwegs offenen Augen durch die Welt geht, kann alle paar Jahre praktisch erleben, wie die raue Realität so aussieht.

    Scholl-Latour hat bekanntlich eine Reihe hoch interessanter Betrachtungen zum Thema geliefert. Schließlich war bis in die jüngste Vergangenheit fast überall dabei. Fehlt aber vermutlich in der Leh(e)rsaalsbibliothek der Clausewitz- Kaserne.

  21. „An welche Adresse geht das Geschwätz denn eigentlich, denn wer mit halbwegs offenen Augen durch die Welt geht, kann alle paar Jahre praktisch erleben, wie die raue Realität so aussieht.“

    @iltis

    Wir könnten ja jetzt mal den Bogen spannen zur Nachwuchsarbeit und dem neuen Anforderungsprofil an den modernen, jungen Soldaten. Aber das wollen wir an dieser Stelle besser nicht. Ich konnte mir den Kommentar jetzt dennoch nicht verkneifen.

  22. „Reguläre Armeen verlieren, wenn sie nicht siegen…“
    Da reguläre (aka konventionelle aka herkömmliche) Armeen nur Sieg oder Niederlage kennen, KANN es in deren Denke ja nicht anders enden. Aus diesem Grund behaupten auch einige kluge Köpfe, dass reguläre Armeen für diese Art des Konfliktes NICHT geeignet sind. Die selben Köpfe stellen auch die verwegene Behauptung auf, dass es in dieser Art Konflikt „schwache“ (instabile, kurz- bis mittelfristige) und „starke“ Siege gibt- abhängig von Grad und Art der Eindämmung des Aufstandes (Deckelung des Aufstandes durch Sicherheitskräfte vs. Lösung der zu Grunde liegenden Probleme).
    Na, klingt Lösung a) vertraut?

  23. Was der Gute da so vom Stapel lässt ist schon harter Tobak.
    Damit wohl eine der effizientesten Einheiten dieses Konfliktes aus dem Verkehr zu ziehen riecht schon fast nach Sabotage…

    Für die Guerilla-Bekämpfung haben moderne Armeen in der Tat sicherlich viele ungeeignete Mittel in der Tasche, die SOF sind da aber eher das Gegenteil.

    Kennt sich eigentlich jemand mit der Methodik der südafrikanischen Armee gegen div. Insurgentengruppen aus? Die waren damals doch recht erfolgreich, oder? Was haben die anders gemacht?

  24. @iltis:
    „Noch spannender ist da die Frage, ob die Schönredner glauben, daß man ihnen glaubt.“
    Es ist noch schlimmer:Die Schönredner halten die eigene Schönrednerei für Realität – und wer es anders sieht hat es noch nicht richtig verstanden…

    Im Ergebnis fehlt es schon an einem realitätsnahen Lagebild, daher kann es auch kein zielführendes Handeln geben.

  25. Also bei soetwas würde ich nicht lang fackeln und zu sehen, dass wir deutschen Soldaten uns auch recht zügig nach Hause machen.
    Sonst sind wir Deutschen nachher wieder die Dummen, die als letztes gehen.
    Unsere Hilfe ist wohl nicht mehr erforderlich mit den anderen Nationen, also was solls. Dann brauchen wir auch kein NH90 im Frühjahr darunter schicken.

  26. Passend zum Thema:
    http://smallwarsjournal.com/jrnl/art/withdraw-and-win-“go”-for-victory-in-afghanistan

    In der InFü-Armee finden derlei Diskussionen bezeichnenderweise nicht statt.
    Das ist aus meiner Sicht das echte Problem der Bw – nicht der (angebliche) Geldmangel oder die unzureichende Anleitung durch die Politik oder die fehlende öffenrliche Anerkennung.

    Es fehlt mittlerweile die Substanz einer Armee:
    Die ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Krieg.

  27. …und um mal wieder die (mittlerweile) ununiformierte Sichtweise aus dem schoensten aller Hindukusch-Anrainerstaaten beizusteuern: Praesident Saheb macht politisch doch alles richtig. Okay, ist ein bisschen riskanter als das Geld zu nehmen, die Klappe zu halten und dann nach Dubai zu gehen. Aber schneidig: er geht aufs Ganze, meldet sich noch nicht ab. Versteh nicht warum das so schwer zu erkennen ist.

    Wenn er jemanden 2014 aus seinem Umfeld in nur teilmanipulierten Wahlen durchbringen will braucht er nunmal Verbuendete. Neben seinem eigenen Umfeld (ueberwiegend Hezb-e Eslami, Gilani und natuerlich Mojadidi) hat er in der momentanen Konstellation den Marschall, Turan Ibrahim, Salahuddin & Co sowie den illoyalen Teil der Jonbesh und Khalilis zusammengeschrumpfte Rest-Wahdat, ggf. auch wieder Sayyaf & die Salafisten zur Auswahl. Alleine um sie halten zu koennen braucht er aber einen garantierten Sockel an Stimmen aus den Paschtunengebieten (wenn er nach einem sicheren Verlierer aussieht, steht er ueber Nacht so nackig da wie Najib zu Nouruz 1992 – dann ist selbst sein Schatten zur Audienz wahlweise bei Atta & Co oder in Quetta). Wobei nach einem weitgehenden ISAF-Abzug 2014 im Sueden und Osten nicht unbedingt viele Leute mehr ihre Stimme abgeben koennten wenn Quetta das beschliesst… dadurch laeuft Karzai Gefahr dass, wenn er konsequent weiter gegen die Taliban vorgeht, er seine Gegner zu garantierten Wahlgewinnern macht – weil dort wo Jamiat & Co ihre Anhaenger wahlen schicken hat Quetta nicht viel zu melden… ein politischer Deal mit verschiedenen Fraktionen von Hezb (aus der ja praktischerweise eh schon sein ganzer Beraterkreis stammt) und Talibs (die „unzufriedenen Brueder“ wie Praesident Saheb sie nennt) ist also so ziemlich das einzige, was ihn und seiner Bande nach 2014 noch eine echte Machtoption oeffnen kann. Die NATO dagegen zieht ab bzw. reduziert sich selbst in die Versenkung – was in Odins Namen soll Karzai also noch an die NATO binden, wo die doch die erklaerten Feinde seiner potentiell wichtigsten Verbuendeten sind…??? Hat hier irgendjemand Nibelungentreue erwartet, nur weil die NATO ihn anfaenglich mal unterstuetzt hat? Afghanen sind bekanntlich erfrischend flexibel mit ihren politischen Loyalitaeten. Was auch damit zu tun haben mag, dass die meisten Afghanen eine deutlich laengere Stehzeit im Land als 4 Monate haben – und eine etwas ehrlichere Betrachtung der Umstaende sowieso. Und nach Anerkennung „gieren“ sie ja eh nicht, nur halt nach Wirkung im Ziel… und die ist in diesem Fall politisch. Klare Sache, oder?

    Und ja, dass wir das nicht erkennen und uns an den Aufs und Abs in so schlechtem Statistikmaterial („enemy-initiated incidents die sogar wir in unseren hermetisch abgeriegelten Refugien noch irgendwie zufaellig mitbekommen“) aufgeilen sollte echt ein Grund sein die FueAk in Micky-Maus-Kaserne umzubennenen…

  28. @turan saheb

    „…und um mal wieder die (mittlerweile) ununiformierte Sichtweise aus dem schoensten aller Hindukusch-Anrainerstaaten beizusteuern: Praesident Saheb macht politisch doch alles richtig.“

    Wohl eher Präsident Karsai ;)

    Interessante und durchaus nachvollziehbare Sichtweise. So viel Realitätsverlust wie die politische und militärische Führung im Westen (va in DEU) kann Karsai kaum haben… Und über die Auswirkungen lässt sich streiten, was die USA daraus machen sollte klar sein… offiziell abwarten, inoffiziell ignorieren und bei nächster Gelegenheit wieder dem AFG Präsidenten die Pistole auf die Brust setzen… wenn die Entwicklung nicht die Sichtweise ändert…

  29. @ Hans,

    „Saheb“ ist ein hoefliche Anrede, „Praesident Saheb“ heisst etwa so viel wie „Herr Praesident“

    Ansonsten – genau. Alles in allem hat Karzai Saheb nach so vielen Jahren erstaunlich wenig Realitaetsverlust. Koennte er sich auch gar nicht leisten.

  30. @turan – Danke!

    @pi – Wenn ALP/VSO scheitert,

    Sind schon gescheitert und das mehrfach. Dieser Versuch Räuberbanden aufzubauen, und nichts anderes sind die, um eine Bevölkerung zu kontrollieren ist noch immer nach hinten losgegangen.

    Mal etwas zu den Special Forces der Amerikaner. Die haben in Vietnam zusammen mit einigen lokalen Söldnertuppen parallel zum (und als unausgesprochener Teil von) COIN der regulären Armee eine Folter- und Mordkampagne gegen die angenommenen Führungskräfte der Aufständischen geführt. Stichwort Phoenix Program

    Gleiches haben die SOF Truppen unter McChrystal im Irak durchgeführt und gleiches machen sie in Afghanistan.

    Die Bevölkerung in den jeweiligen Ländern weiß so etwas auch wenn es bei uns nicht in der Zeitung steht. Was in Abu Graibh und Bagram abging sind nur Spitzen großer Eisberge.

    Zur Situation in Wardak gibt es nun mehr Daten. Kein Wunder das die Lokalen da auf die Barrikaden gehen.

    In the interview, Khogyani also said 60 tribal leaders were recently rounded up by U.S. special forces — backed by Afghan troops claiming to belong to “Afghan special forces” — then taken to a base and beaten.

    These armed Afghans allegedly allied with the U.S. Special Operations forces are unaccountable to Afghan national security forces, the governor said. Several residents of the province have made similar claims.

    Claims of abuses by individuals whom Wardak residents described as members of U.S.-directed Afghan units began to circulate in December. Residents in Maidan Shahr, the small provincial capital 30 miles south of Kabul, said they feared the units, which manned checkpoints and conducted raids.

    “The situation is so bad that even farmers cannot go to their fields,” said a Kabul resident named Zalmai. He said that as a union representative for bus and taxi drivers in Wardak, he speaks regularly with drivers and passengers from the province. “The tyranny is very widespread,” Zalmai said.

    Ähnliche Anschuldigungen gegen solche lokalen SpecOps unterstützten Kräfte gibt es schon seit langem.

  31. In diesem Kontext aber letztendlich im Kontext leading from behind weise ich auf eine gegenwärtig in den USA stattfindende Diskussio über „disarmament, demobilization and reintegration,” hin, DDR in Ergänzung zu TAA.
    Es gibt da ein Aga – ähnliches Blog namens Belmond Club, das allerdings sehr outspoken ist ;-)
    http://pjmedia.com/richardfernandez/2013/02/25/what-truman-knew/#more-27494

    ach ja, da ist auch ein Unterlink in dem der Vater von TdM zitiert/erwähnt wird:
    http://www.atlantic-times.com/archive_detail.php?recordID=348

  32. Sind wir denn nun alle einhellig der Meinung, daß es keinen Blumentopf für uns zu gewinnen gibt? Bei dem von b erwähnten Foulspiel vor allem der Amerikaner, ist die mangelnde Begeisterung für weitere Beglückungsversuche aus dem Westen nur zu verständlich

    Lesson learned und ab nach Hause wäre dann das Gebot der Stunde. Vielleicht könnte man die Asylunterkunft für Karsai schon mal bereitstellen. Sie dürfte bald benötigt werden.

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