Ehemaliger Kommandeur des RC North „vorsichtig optimistisch“

Der bisherige Kommandeur des ISAF-Regionalkommandos Nord, der deutsche Generalmajor Erich Pfeffer (Foto oben bei der Kommandoübergabe am 21. Februar), hat eine vorsichtig optimistische Bilanz des internationalen Einsatzes für den Norden Afghanistans gezogen. In der Region habe es in seiner einjährigen Amtszeit eine kontinuierliche Verbesserung der Sicherheitslage gegeben, obwohl die Verantwortung dafür zunehmend auf die afghanischen Sicherheitskräfte übergegangen sei und ISAF überwiegend Beratungsaufgaben wahrnehme, sagte Pfeffer am (heutigen) Mittwoch vor der Bundespressekonferenz in Berlin.

Beim Gegner, im RC North mit weniger ideologisch motivierten Aufständischen als in anderen Teilen Afghanistans, habe sich klar ein Verlust der Handlungsfreiheit gezeigt. Der General wiederholte seine Einschätzung, im Norden seien die Anti-Regierungskräfte nicht mehr zu komplexen Operationen in der Lage und beschränkten sich auf Hinterhalte und Sprengfallen – der Charakter der Zwischenfälle hat sich deutlich verändert.

Das Eingangsstatement Pfeffers und die erste Fragerunde hier als O-Ton zum Nachhören (der überwiegende Teil des Pressegesprächs war unter 3, also off the record, davon gibt es natürlich keine Aufnahme):

GM_Pfeffer_BPK_27feb2013     

 

(Foto: ISAF RC North PAO)

19 Gedanken zu „Ehemaliger Kommandeur des RC North „vorsichtig optimistisch“

  1. OT: Mal ne von mir schon öfter gestellte Frage…
    Warum „muss“ die Gebirgsmütze eigentlich so „platt“ getragen werden, wenn man ein richtig Cooler ist?

  2. Kurze technische Frage: Das Foto oben wird mir auf dem Desktop einwandfrei angezeigt, auf dem iPad nicht – hat noch jemand das Problem?

  3. Wurden ihm diese Orden gerade in der gleichen Zeremonie verliehen oder wozu sind die gut?
    (Die Frage ist ernst gemeint, ich will damit nicht eine erneute Diskussion mit dreistelligen Kommentarzahlen anstoßen.)

  4. @T.W.
    Die Antwort von Pfeffer auf Deine 8.000-12.000 ist symptomatisch. Man plant nur in Monaten. In USA nennt man das mittlerweile smart-ad-hocracy ;-)

  5. @Gramm

    Kommandeure bekommen Ihre Einsatzmedaille in der Regel nicht im Rahmen der „Medal-Parade“ mit dem Rest des Einsatkontingentes (die ja in der Regel von Ihnen selbst durchgeführt wird), sondern durch IHREN Vorgesetzten vor der Front im Rahmen der Kommandoübergabe.

    Dies ist vermutlich auch hier der Fall gewesen

  6. Ich dachte immer einen soldaten als „herr“ soundso zu titulierem sei der schwerst mögliche affront. Ist das in vergessenheit geraten ?

  7. Nachtrag:

    Der Artikel ist auch auf den Seiten der Bw Nachzulesen:

    http://www.einsatz.bundeswehr.de/portal/a/einsatzbw/!ut/p/c4/LYxRC4JAEIT_0a1GctRb4kO9-mL2EqtutnTuybkmSD–E5yBgZkPBh4QLfjlHpW9oIM71C2fm8U0S0dPYplQ11jxozM5t0-kKxl89W8UnhQFqu2oI9N6Id1SSZRj9gHVBzP6oG4jcwiRGO6gTtIiT-0x2ZX-Tll2tZU9ZMUtL2EchssfnNVejQ!!/

    Hierbei wird u.a. erwähnt das GM Pfeffer auch eine hohe afghanische Auszeichnung erhalten hat.

    @wacaffe
    Bei vielen Offizieren der Ebene A13+ gehört es inzwischen zum „guten Ton“ alles was Dienstgradmäßig unter einem steht mit „Herr NACHNAME“ oder „Frau NACHNAME“ anzusprechen. Wo diese (Un)Sitte herkommt kann ich aber nicht beantworten.

    Auf Nachfrage wurde mir persönlich mal mitgeteilt: „So lange ich Sie mit Herr und Name anspreche, wissen das alles in Ordnung ist, spreche ich Sie mit Herr Dienstgrad an, gibt es entweder einen Anschiß oder einen unbequemen Auftrag…“ – auch eine sichtweise auf die Dinge.

  8. @T.W.: Inwiefern passen die Fotos nicht? Schräge Farben? Dann würde ich vermuten, das das Ipad in den Bildern eingebettete Farbprofile nicht auswertet, der Desktoprechner aber schon.

  9. @ T.W.: Hab auf dem Mobilgerät (Andriod) einen grauen Rahmen und in der Mitte ein kleines blaues Fragezeichen….

  10. @T.W.
    Technikfrage:

    iPad streikt bei der Bilddarstellung. Klicke ich zusätzlich drauf gibt es Error404.

  11. @ Interessierter

    „Auf Nachfrage wurde mir persönlich mal mitgeteilt: “So lange ich Sie mit Herr und Name anspreche, wissen das alles in Ordnung ist, spreche ich Sie mit Herr Dienstgrad an, gibt es entweder einen Anschiß oder einen unbequemen Auftrag…”

    Genau das selbe habe ich auch gehört und es wird auch so praktiziert, bis einschl. Kdr.
    Allerdings muss ich dazu sagen, dass mir das inzwischen fast egal ist, weil ich es sowiso nicht ändern kann. Dann soll er mich halt mit Herr NAME ansprechen.

  12. @T.W.

    na ja, Inhalte und Kommentare stehen eben in einem proportionalen Verhältnis ;-)

  13. A propos inhaltliche Anmerkungen… es ist nicht zu bestreiten, dass sich die Lage im Norden, v.a. entlang der Hauptverbindungsstrassen anders darstellt als etwa 2009/10. Wer oefters mal zwischen Maimana und Feyzabad unterwegs ist (und das bin ich in den letzten jahren regelmaessig) merkt schon einen Unterschied. Die alten INS-Hochburgen, mit Ausnahme von Faryab (also Chimtal und Char Bulak in Balkh, Baghlan-e Jadid in Baghlan, Char Darra in Kunduz), sind nicht mehr fest in deren Hand. Und die lagen alle entlang der Strasse, man konnte die Jungs also sehen.

    Wobei die INS durchaus noch aktiv sind, nur haben sie sich in andere Gebiete zurueckgezogen und wieder in kleinere Gruppen aufgespalten (und machen zwischendurch laengeren Erholungsphasen im suedlichen Nachbarland). Und vor allem haben sie sich auf andere Ziele eingeschossen, also nicht mehr auf die zunehmend irrelevant werdenden ISAF sondern auf die afghanische Regierung (das bekommt ISAF daher in der Regel auch gar nicht mehr mit in ihren Festungen).

    Das sind alles schon Fortschritte, das muss man anerkennen (wobei diese Fortschritte in meiner Analyse weniger mit ISAF als mit Leuten wie Atta, Daoud, Sayedkheili usw. zu tun haben). Wer aber behauptet, die INS waeren entscheidend geschwaecht, sollte mal in den Sueden von Faryab oder einfach mal die Strasse von Sheberghan nach Sar-e Pol fahren. Von den Alborz-Bergen, der Wueste zwischen Baghlan-e Jadid, Kholm und Char Darra, Sued-Archi oder Warduj ganz zu schweigen. Und man darf nicht vergessen, dass in manchen Provinzen (…Baghlan…) die INS jetzt immernoch bewaffnet entlang der Strasse stehen, nur dass sie jetzt Waffen, Geld, Ausruestung und Training von der NATO bekommen und ALP heissen. Und sich morgen, uebermorgen und jeden neuen Tag immer wieder neu positionieren.

    Also, vorsichtig optimistisch ist nicht ganz verkehrt, und von Phase IV (Gebiete halten) wurden die Aufstaendischen in vielen Teilen in Phase III (starke Praesenz bei Nacht, Guerrillaangriffe auf Regierungstruppen bei Tag) zurueckgeworfen waehrend sie sich neue erschlossen haben (weiter weg von den Hauptstrassen). Und der Rest ist eh Politik, und da war ISAF nur ganz praktisch wenn kluge Leute wie eben Daoud oder Sayedkheili mit der Keule ISAF winken konnten um bestimmte einflussreiche Leute von „60% Taliban, 40% GIRoA“ zu „40% Taliban, 60% GIRoA“ zu bekehren. Im Endeffekt haben sich aber wahrscheinlich der Nutzen und der Schaden von ISAF die Wage gehalten.

  14. @turan saheb:
    Vielen Dank für diese BdL.
    Auch nach meinem Eindruck gibt es zweifellos viele taktische und operative Erfolge (die jedoch nur sehr begrenzt ISAF anzurechnen sind), jedoch sind diese nicht wirklich in strategische Erfolge zu übertragen, da u.a. die Legitimität der GoIRA weiterhin „suboptimal“ ist (da sind wir uns vermutlich einig).
    Derlei müsste auch GenMaj Pfeffer im Blick haben – oder hat er dies nur “ unter drei“?
    Seine Einschätzung, dass sich die ALP nur defensiv verhalten würden, erscheint mir in diesem Zusammenhang ebenfalls bedenklich. Erfasst er die Dynamik der Ereignisse wirklich umfassend?

  15. OT
    @Luftwebel:
    Da es hier schon mal angesprochen wird: Ich habe das eigentlich schon vergessen oder verdrängt, aber es stimmt schon, ab BtlKdr (zumindest bei meinem letzten, aber den konnte ich eh nicht leiden) war diese Anrede Herr NAME auch bei mir / zu meiner Zeit usus.
    Ich fand das immer sehr affig, konnte aber natürlich schlecht widersprechen solange ich aktiver Offizier war.
    Ich hab mir aber den Spaß gemacht bei meiner Verabschiedung in den BfD meinen Kdr nach seinen sehr, sehr, äh, mir fehlen gerade die Worte, also auf jeden Fall nachdem ich mich bei ihm in den BFD abmeldete dankte: Danke Herr Name!
    Das Gesicht werde ich wohl so schnell nicht vergessen.
    Werferfehler

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