Im Windschatten der französischen Intervention: Menschenrechtsverletzungen in Mali?

Malische Soldaten in Niono (Foto: Französische Armee/EMA/ECPA-D)

Quasi im Winschatten der jetzt knapp zwei Wochen laufenden Intervention französischer Streitkräfte im westafrikanischen Mali gibt es erste Hinweise, dass malische Truppen ihre neu gewonnene Bewegungsfreiheit zu Menschenrechtsverletzungen, sogar Gräueltaten wie Massentötungen von tatsächlichen oder auch nur vermeintlichen Gegnern genutzt haben sollen. Vor allem Menschen hellerer Hautfarbe, die als Tuareg oder andere Bewohner Nord-Malis angesehen würden, seien bedroht:

A leading rights group accused Malian soldiers Wednesday of summary killings and serious abuses in the course of a French-led assault against Al Qaeda-linked groups, as concerns rose over the conflict’s civilian toll. (…)
Nearly two weeks after France swept to Mali’s aid to stop an Islamist advance towards the capital Bamako, reports emerged of atrocities committed by Malian soldiers and growing fears of attacks among light-skinned ethnic communities.

berichtet AFP.

Wenn sich diese Vorwürfe auch nur im Ansatz bestätigen sollten, steht die EU vor einem weiteren Problem: Soll und will sie Ausbildungshilfe für Streitkräfte leisten, die nicht nur schlecht ausgebildet und ausgerüstet sind, sondern auch grundlegende Disziplin verloren haben? Anders gefragt: welchen Preis müssen die Europäer bereit sein zu zahlen, und das nicht monetär, um ein Vordringen der militanten Islamisten zu verhindern?

Nachtrag: Dazu passt diese Reuters-Meldung: Army seals off Mali town after reports of ethnic reprisals

Mali’s army sealed off the central town of Sevare to journalists on Wednesday following allegations by residents and human rights groups that government soldiers had executed Tuaregs and Arabs accused of collaborating with Islamist rebels. (…)
A Reuters reporter saw at least six bodies in two areas of the Walirdi district of Sevare. Three of them were lying, partly covered in sand, near a bus station and showed signs of having been burned. Three more had been thrown into a nearby well.

Nachtrag 2: Das Thema erreicht jetzt auch die deutschen Medien:

Spiegel Online: Frankreichs Verbündete sollen Gegner hingerichtet haben

tagesschau.de: Malische Armee soll Menschen hingerichtet haben

56 Kommentare zu „Im Windschatten der französischen Intervention: Menschenrechtsverletzungen in Mali?“

  • zog   |   24. Januar 2013 - 19:01

    @Orontes: Der von Ihnen verlinkte Artikel betrachtet aber den nichtkämpfenden Teil der Bevölkerung. Beim kämpfenden Teil ist die ganze Angelegenheit etwas durchgemischter, z. B. Pashtunen in den ANSF und Uzbeken auf der Seite der INS usw.

  • klabautermann   |   24. Januar 2013 - 19:14

    Meine ganz persönliche Erfahrung aus – nennen wir es – ‚Aufenthalten‘ jenseits des Bospurus ist, dass dort die meisten Menschen eine Bindungsmatrix pflegen, die aus 3 Vektoren besteht:
    Ethnie, Religion….und wirtschaftliche Sicherheit (Geld, bzw. Eigentum). Die Kunst des Überlebens besteht darin, diese 3 Vektoren an einem Punkt zusammen zu halten, bzw. zu verankern.
    Politik, bzw. Ideologie ist Luxus, den sich nur die Reichen und Mächtigen leisten können, oder die, die dieses Koordinatensystem nicht mehr zusammen halten können und sich als Legionäre verkaufen müssen…..

  • zog   |   24. Januar 2013 - 19:29

    @Klabautermann: Politik bzw. Ideologie können aber eben auch Punkt 2 sein…

  • klabautermann   |   24. Januar 2013 - 19:36

    @zog

    Mein Fehler, ich hätte ‚Glaube‘ statt ‚Religion‘ schreiben sollen. Und natürlich kann die „Entankerung“ gerade von jungen Menschen systematisch betrieben werden….Stichwort Madrassa

  • MFG   |   24. Januar 2013 - 22:51

    In diversen Online-Medien heißt es, dass Präsident Hollande französische Soldaten zum Schutz von AREVAs Uran-Minen im Norden Nigers einsetzen möchte. Also hier sollten wir uns wirklich einfach mal heraushalten.

  • Elahan   |   25. Januar 2013 - 5:54

    French special forces  have been ordered to guard uranium mines run by the French state-owned nuclear company, Areva, in Niger.

    http://www.independent.co.uk/news/world/africa/malian-soldiers-accused-of-executing-rebels-8466116.html

    DEU steigt aus Gründen der nationalen Sicherheit aus der Atomwirtschaft aus!
    Da beweist die Regierung mal Weitsicht und dann fehlt die Konsequenz!
    Es ist Frankreichs Fehler an der Atomenergie und an den scheinbar billigen (der Einsatz der Soldaten wird ja nicht auf den Preis geschlagen) Rohstoffen fest zu halten!
    So subventionieren wir den Uranpreis durch unser mili. Unterstützung!Wollten wir nicht den freien Welthandel sichern? AREVA ist das Gegenteil einer freien Wirtschaft!