RC N Watch: Kopf ab in Kundus

Das ist eine der Geschichten aus Afghanistan, die es wohl kaum in die Nachrichten schaffen wird: Ein 15-jähriges Mädchen wurde im nordafghanischen Kundus geköpft, weil es eine Hochzeit verweigerte. Einige wenige Tweets der Kollegen Parwiz Shamal vom afghanischen Sender TOLONews und Bilal Sarwary von der BBC genügen, um das grausame Bild zu zeichnen:

Laut BBC wurden inzwischen zwei Männer wegen der Tat festgenommen.

22 Gedanken zu „RC N Watch: Kopf ab in Kundus

  1. Der Spiegel berichtet von einer 19 Jährigen in der Provinz Kundus, die wegen einem abgelehnten Heiratsantrag seines Cousins enthauptet wurde.

  2. Würde vermuten, dass es sich um den oben genannten Fall handelt. Was das Alter angeht: Einem BBC-Reporter, der noch dazu Muttersprachler in Afghanistan ist, traue ich recht korrekte Recherche zu…

  3. hoffentlich lesen das die Damen und Herren auch, die immer gegen den Einsatz in AGF wettern. Das wird nach dem Abzug wohl zur gelebten Realität in AGF gehören. Dem Taliban ist das geschrei der Grünen und Linken Volksvertreter ziemlich egal

  4. als hätte sich bis jetzt was geändert. wenn sich INS dort frei bewegen können, ist auch die lokale brauchtumspflege der oben zitierten art nicht gefährdet.

  5. Eindrücklicher kann das Scheitern von ISAF und der Idee von Menschenrechten/Demokratie in allen Winkeln dieser Welt nicht verdeutlicht werden.

    Die toten Soldaten aus dem Westen, Afg. Zivilisten, Afg. Soldaten/Polizisten – alle umsonst gestorben. Es wäre besser gewesen, wir hätten diesen Fleck am Hindukusch ignoriert.

    Wenn Afghanistan jemals das Mittelalter verlässt, dann aus eigenem Antrieb. Eine Lehre die wir endlich im Westen begreifen sollten –> Echter Fortschritt wird nur aus eigener Kraft generiert.

  6. A 15 years old girl beheade by knife, wie krank kann man sein, aber bloß keine geziehlten Tötungen der Hintermänner durch das KSK, mann könnte Gabriel und Nuripur schlimmes vorwerfen.

  7. @Frank

    …und auch in der BRD sollte man wohl ohne Gerichtverhandlung vollstrecken, Anlässe gäbe es ja genug.

    Drama in Westfalen Vater tötet Kinder und wirft sich vor Zug
    Ein Familienvater aus Lengerich soll seinen fünfjährigen Sohn und seine zweijährige Tochter getötet haben. Per SMS informierte er über seine Tat und warf sich anschließend vor einen Zug…….München: Jugendliche Schläger töten S-Bahn-Fahrgast…….Mord oder Verzweiflungstat?Frau gibt zu: Ich habe meinen Mann im Auto erschossen
    Montag, 26.11.2012, 19:24…Mord oder Verzweiflungstat?: Frau gibt zu: Ich habe meinen Mann im Auto erschossen – 26.11.2012

  8. Ist das nicht genau die Art von Geschichte, die es in die Medien schafft? So bedauerlich das auch ist, es ist ein dramatisches Einzelschicksal. Ob das repräsentativ für die afghanische Gesellschaft (in Kunduz) ist lässt sich daraus nicht ableiten.

  9. Frank | 29. November 2012 – 0:10
    Was haben nun Gabriel und Nuripur getan, was Sie ihnen vorwerfen wollen? Verstehe ich nicht …. konkretisieren Sie das doch mal.

  10. „Wenn Afghanistan jemals das Mittelalter verlässt, dann aus eigenem Antrieb. Eine Lehre die wir endlich im Westen begreifen sollten –> Echter Fortschritt wird nur aus eigener Kraft generiert.“

    Das ist das, woran kein Weg vorbeiführt. Und das gilt überall auf der Welt, z.B. auch in Simbabwe. Der Leidensdruck oder der Wille was zu ändern der Bevölkerung muss so hoch sein, dass diese SELBST eine Veränderung will. Erst dann jagen die ihre „Herrscher“ vom Hof.

  11. Zu dieser „Geschichte“ passt doch besonders die heute in SPON veröffentlichte Saga über die Kabul-Bank. Da fehlen die Worte. Aber klar ist auch: die Uhren ticken in Afghanistan ganz anders als in Europa. Vergessen sollten wir allerdings auch nicht, dass es Korruption und fehlendes Unrechtsbewusstsein und Mittelalter auch hier gibt. Übrigens: in diesen Tagen soll der Prozess gegen die AGEF in Berlin begonnen haben. Man kann gespannt sein, was da ans Tageslicht kommt, hatte doch die Neue Osnabrücker Zeitung schon vor zwei Jahren den Skandal um veruntreute Gelder in Millionenhöhe offengelegt. Also- auch bei uns stinkt’s.

  12. @diba

    Genau, man verspricht ihnen die D-Mark und schon beginnt die Revolte :-)
    Hätte man die Stasi aus den Häusern gebombt, unter Imkaufnahme von Kollateralschäden, wäre auch diese Revolution blutig verlaufen und es hätte ggf ca fünf deutsche Staaten gegeben.

    Sicherheit schafft man in einem Land nur mit Polizeikräften oder mit Organisationen die sich wie Polizeikräfte verhalten (könnte auch Militär sein)

  13. War klar, dass jetzt wieder die Experten aus ihren Löchern gekrochen kommen. Was genau hat der Vorfall jetzt mit den Taliban zu tun? Was für Hintermänner?
    Was ein Schwachsinn.

  14. Ich war auch anfangs geschockt, aber wenn man länger darüber nachdenkt, komme zumindest ich zu dem Schluß, dass wir halt nicht unser Wertemodell auf andere Kulturen ausdehnen bzw. aufdrücken sollten.
    So grausam das an sich ist, wenn ein solches Verhalten in anderen Kulturen normales Regelwerk ist sollte das, auch wenn es unglaublich schwer fällt, respektiert werden. Man muss es nicht akzeptieren, aber wir würden uns ja auch kräftig aufregen, wenn jemand unsere Regeln als verächtlich betrachtet und uns seinen Willen und seine Regeln aufdrängen will.
    Wir sollten unser Wertemodell nicht pauschal über die anderer stellen!

  15. @ Sneaker

    Kulturen kann man nicht beliebig verpflanzen und schon gar nicht anderen gewaltsam überstülpen. Da stimme ich Ihnen zu. Wegschauen nach dem Motto „Lass sie doch machen, was sie wollen!“ ist nun aber auch keine Lösung. Als Mitglied der Völkergemeinschaft haben wir genau so wie alle anderen Nationen eine Pflicht, die Einhaltung universeller Menschenrechte im Sinne der Charta der Vereinten Nationen bei uns selbst durchzusetzen und bei anderen zumindest einzuklagen – wenn nicht sogar, aber das ist meist eher Theorie, aktiv zu schützen („R2P“).

    In dem hier beschriebenen Fall muss man aber zunächst unterscheiden: Ist es ein Einzelverbrechen, das durch die zuständingen Behörden verfolgt und geahndet wird? Dann brauchen wir nicht mehr groß darüber sprechen. Verbrechen und Verbrecher gibt es überall, auch bei uns. (Und ich denke, @ zog hat Recht, wenn er bezweifelt, dass solch archaische Methoden selbst in Afghanistan die Regel sind.)

    Oder ist vielleicht doch ein Verhaltensmuster, das staatlich bzw. halbstaatlich kulturell toleriert, gedeckt oder gar gefördert wird? Dann allerdings wäre ein Grund zu tiefer Besorgnis gegeben. Das Mindeste, das ich dann für richtig hielte, wäre die eigenen Hilfeleistungen sehr kritisch zu überprüfen. Jede Entwicklungshilfe, die in Staaten mit maroder Regierungsführung und fragwürdigen sozialen Bräuchen fließt, macht die Dinge letztlich nur noch schlimmer (siehe dazu auch so manches Beispiel in Afrika). Geldleistungen eng an den Fortschritt im Bereich good governance zu knüpfen bedeutet daher keinen Kulturtransfer, ist aber Ausdruck unserer freien Entscheidung und darüber hinaus dringend geboten.

  16. Sneaker | 29. November 2012 – 13:11
    […]
    Man muss es nicht akzeptieren, aber wir würden uns ja auch kräftig aufregen, wenn jemand unsere Regeln als verächtlich betrachtet und uns seinen Willen und seine Regeln aufdrängen will.

    Also mit der Einstellung erhalten Sie bestimmt demnächst eine Vorladung des für Sie zuständigen Amtes für multikulturelle Angelegenheiten… ;-)

  17. You say that it is your custom to burn widows. Very well. We also have a custom: when men burn a woman alive, we tie a rope around their necks and we hang them. Build your funeral pyre; beside it, my carpenters will build a gallows. You may follow your custom. And then we will follow ours.

  18. Was genau unterscheidet diesen Vorfall von dem Fall Arzu Özmen? Die Namen der Beteiligten, die Tatwaffe und der Ort, sonst nichts. Eine junge Frau und ihr Freund werden von ihren Brüdern in ihrer Wohnung überfallen, er niedergeschlagen, sie entführt, erschossen und die Leiche ein paar hundert Kilometer entfernt hinter einem Golfplatz abgekippt – weil ihre Familie jemand anders als ihren Ehemann vorgesehen hatte. Das fand nicht am unzivilisierten Arsch der Welt statt, sondern praktisch vor meiner Haustür, ich fahre öfters an der Bäckerei vorbei, wo sie gearbeitet hat.

    Also bitte solche Vorfälle nicht als Maßstab für den Erfolg der ISAF-Mission heranziehen. Solche gesellschaftsinkompatiblen Moralvorstellungen kann man nicht durch Militärpräsenz verhindern. Hier in der Gegend (rund um den TrÜPl Senne) ist nämlich ungefähr die zwanzigfache Anzahl an Soldaten stationiert wie in Kunduz, zudem ein funktionierender Polizeiapparat und nebenbei sowas wie ein aufgeklärter Rechtsstaat, der persönliche Freiheiten garantiert. Hat aber alles nichts genutzt.

    Man kann nur ein Klima schaffen, in dem die Kinder sich sagen „sowas tue ich meinen Kindern später mal nicht an“ und dann muß man lange warten, bis es sich bessert. Aber am Beispiel der Kindesbeschneidung aus pseudoreligiösen Gründen sieht man ja auch, daß es elendig lange dauert. Was wir in Afrika verurteilen, bekommt hier auch wieder Ausnahmen.

    Ich finde aber, daß solche gesellschaftspolitischen Themen den Rahmen dieses Blogs sprengen, damit können und sollen sich andere auseinandersetzen. Hier will ich mich eher darüber aufregen, daß 20 Jahre nach Erstflug des Tigers die BW immer noch keinen brauchbaren Kampfhubschrauber hat.

  19. Also, die Verständnisgrenze ist schon dort zu ziehen, wo um einer Tradition willen eine Verstümmelungen oder Tötung einer Person durchgeführt wird. Selbst eine etwaige Einwilligung des Opfers ist erst mal zu hinterfragen.

    Auch wenn Frauen aus männlicher Sicht gelegentlich schwer zu verstehen sind, doof sind sie per se nicht. In Fällen wie Witwenverbrennung, Beschneidung etc unterliegen sie höchstens dem Recht des Stärkeren und das kann keinen Verfassungsrang haben, wie es manche der Turban- und Bartträger gelegentlich für sich und ihre kruden Vorstellungen reklamieren, wenn auch unter dem üblichen religiösen Deckmäntelchen.

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