Dänische Bomber unter NATO-Kommando im Blindflug über Libyen

Interessante Geschichte, die die Kollegen der dänischen Tageszeitung Politiken da ausgegraben haben: Nach einem Bericht des dänischen Luftwaffenkommandos flogen die dänischen Piloten mit ihren F-16 bei der NATO-Kampagne über Libyen recht planlos herum – wie auch die Jagdbomber anderer Nationen. Die NATO habe zu wenig Aufklärungsergebnisse zur Verfügung gehabt, um den Einsatz sinnvoll zu führen:

A Danish Air Force Tactical Command (FTK) report criticises NATO for its inability to direct bombing raids in Libya last year.
According to the confidential report, which Politiken has obtained as part of the Freedom of Information Act, the Air Force operated without trustworthy intelligence on where and how bombing raids should be carried out.
As a result, Denmark and other allies in Operation Unified Protector were forced to limit operations against Col. Gaddafi’s forces, a central NATO source has confirmed.
“NATO’s command structure was not ready to lead an operation such as Operation Unified Protector when the Libyan operation started,” the FTK document says.
(…)
“NATO did not have sufficient access to tactical intelligence to support the operation,” the report says.

Das wirft kein gutes Licht auf die Allianz, wird aber wahrscheinlich dann in Brüssel dazu genutzt, die Notwendigkeit des geplanten Alliance Ground Surveillance Systems (AGS) zu betonen…

(Randbemerkung: Als Journalist bin ich natürlich beeindruckt, was man in Dänemark über eine Anfrage nach dem dortigen Informationsfreiheitsgesetz so in die Hand bekommt.)

 

Freunde&Verbündete · 20:42h ·  ,

18 Kommentare zu „Dänische Bomber unter NATO-Kommando im Blindflug über Libyen“

  • elahan   |   11. Oktober 2012 - 21:00

    Wer hat schon die Fähigkeiten der Recce Tornados mit Telelens und Scaner ? Wer meint mit einer UAV Gimbel Kamera schnell, aktuell und aussagekräftige Bilder zu bekommen der Irrt oder sagt absichtlich die Unwahrheit! Leider wird oft wird Aufklärung mit Überwachung verwechselt!

  • Memoria   |   12. Oktober 2012 - 8:52

    @elahan:
    Nur leider werden auch die Nassfilmsysteme der Bundeswehr in diesen Tagen ausgephast.
    Obwohl – wie sie sagen – jeder „vom Fach“ weiß, dass die Aufklärungsmöglichkeiten dieser Systeme ene weitaus bessere Bildauflösung ermöglichen.
    Für Aufklärungsziele, die nicht in Echtzeit vorliegen müssen (z.B. Infrastruktur) ein echter Mehrwert – den das AG 51 bald nicht mehr hat: Man möchte nur noch den RecceLite als Pod nutzen. Schade um den Telelens.

  • Marin W   |   12. Oktober 2012 - 9:00

    Nur, was nutzen deutsche Fähigkeiten, wenn der politische Wille, diese auch zu nutzen, nicht vorhanden ist? Das trifft bei Tornados genauso zu, wie bei AWACS-Missionen mit deutscher Beteiligung…

    So ein Informationsfreiheitsgesetz wäre doch mal was, für die deutsche Medienlandschaft. Dann würden vielleicht einige (auflagenstarke) Zeitungen endlich aufhören müssen, Halbwahrheiten zu veröffentlichen, weil Tatsachen endlich nachprüfbar werden.

  • T.Wiegold   |   12. Oktober 2012 - 9:08

    @Marin W

    ;-)

    Es gibt in Deutschland ein Informationsfreiheitsgesetz – dem sich das BMVg nicht so recht unterworfen fühlt. Und selbst wenn, wäre die Wahrscheinlichkeit, dass als vertraulich gestempelte Unterlagen aufgrund einer solchen Anfrage herausgegeben würden, doch recht gering.

  • Elahan   |   12. Oktober 2012 - 10:09

    @Memoria

    Genau dort wo Breite richtig ist machen wir es nicht! Der Schneider verschrottet seine Schere, denn genäht wird mit der Nadel! Der Recce Lite Pod war eine Interimslösung und vom Ursprung nicht für die Aufklärung gedacht. Eigentlich bräuchten wir eine Weiterentwicklung des Telelens Pod und der KS153A. Optik ist Spitzentechnologie und benötigt ggf nur einen digitalen Upgrade. Wieder wird ein Fähigkeit vergeben ohne um Ersatz und Abstimmung in der EU/NATO zu sorgen. Gerade die Aufklärung ist das, was wir in jedem Fall auch in Zukunft benötigen!

  • Elahan   |   12. Oktober 2012 - 10:15

    @Marin W

    Es ist jedoch immer wichtig (ob richtig?) den Einsatz im Einzelfall zu entscheiden!
    Die Frage erübrigt sich, wenn man die Systeme dann nicht mehr hat!
    Die Fähigkeit benötigen wir jedoch!

  • klabautermann   |   12. Oktober 2012 - 11:29

    na ja, das Problem des dynamic targetting war bei OUP extrem schwierig, insbesondere auch wg nationaler release caveats. Hinzu kam die Dringlichkeit (Verfügbare Zeit) für Planung, Aufbau und Durchführung der Operation. Der dänische Bericht ist natürlich a bisserl zwischen politics and policy angesiedelt und ist natürlich dänisches Wasser für den dänischen Smart Defence Mühlenbetreiber ;-)

  • chickenhawk   |   12. Oktober 2012 - 13:08

    Air Force makes redaction blunder in Libya report (Copenhagen Post)

    FTK sent a PDF file in which large portions of the text were blacked out to protect classified material, but journalists at the newspaper removed the black-out themselves with a simple click of a button, revealing highly sensitive information about the Libya campaign.

    […]

    But while Politiken chose not to reveal the classified parts of the report that were supposed to be redacted, the remainder of the document indicated that the NATO-run operation in Libya didn’t progress as smooth as conveyed by military officials at the time.

    According to the report, the Air Force lacked credible intelligence about where and how bombing missions should be carried out, significantly reducing the number of Danish and NATO bombing campaigns targeting incumbent Libyan dictator Muammar Gaddafi’s forces.

  • chickenhawk   |   12. Oktober 2012 - 13:16

    Da habe ich natürlich einen interessanten Teil nicht mitzitiert. Offenbar führten die dänischen Kampfflugzeuge bei den Einsätzen über Libyen Munition aus israelischer Produktion mit:

    The ammunition deficiency problem eventually forced the Danish Air Force to seek precision-bomb munitions parts from Israel, a highly controversial move given that the NATO mission in Libya was backed by the Arab League, consisting of many member states have less than amicable political relations with Israel.

  • Micha   |   12. Oktober 2012 - 17:44

    @Memoria:
    Ich würde nicht die Fähigkeiten des RECCE LITE in Frage stellen – die Einführung dieses Systems stellte einen Quantensprung für das AG 51 dar. Sowohl von der technischen Zuverlässigkeit, der Qualität der Aufnahmen, der Geschwindigekit der Auswertung als auch den Auswertemöglichkeiten („Change Detection z.B.) hat der RECCELITE klare Vorteile gegenüber dem TELELENS.
    Der RECCELITE stellt durchaus Spitzentechnologie dar – auch die US Air Force hat keinen besseren Sensor.
    Nachteil des Systems ist seine nicht mit NATO Führungssystemen kompatible Datenlinkanbindung. In Operationen wie in Libyen ist das Informationszeitalter für Aufklärungsergebnisse im Rahmen Targeting unerläßlich.

    Letztendlich verfügt die NATO als Institution über keine eigenen Aufklärungsmittel (bis Einführung AGS) und ist daher auf die Bereitstellung der Informationen durch die Nationen angewiesen. Letztendlich mussten die USA mit ihren UAS zumindest ein Minimum an Aufklärungskapazitäten bereit stellen, da die Europäer keine ausreichenden Mittel zur Verfügung hatten. Man sollte aber hierbei nicht die Größe des Landes Libyen unterschätzen – verbunden mit einer äußerst diffusen Lage eines Landes im Bürgerkrieg.
    Daher ist der Artikel des Politiken keine Überraschung – ich würde jedoch nicht formulieren, hier wären F-16 „planlos herumgeflogen“ – wenn die NATO etwas kann, ist es Luftkriegsoperationen durchzuführen – vielmehr konnten die Waffen der F-16 auf Grund eines unklaren Lagebildes zum Teil nicht eingesetzt werden.

  • Memoria   |   12. Oktober 2012 - 19:03

    @Micha:
    Sie mißverstehen mich – ich bezweifle nicht die Leistungsfähigkeit des Systems. Insbesondere die Tagkamera ist Weltspitze – made in Germany. Natürlich ist die Echtzeitübertragung ein grosser Vorteil (und die ROVER-Anbindung wird auch vorbereitet).
    Aber: Ein optronisches System selbst höchster Güte erreicht (bisher) nicht die Auflösung eines optischen Systems (limitierender Faktor: Pixelanzahl des Detektors). Daher sind beide Systeme parallel sinnvoll. Sieht man auch im AG 51 so, aber oberhalb hat man halt den Weitblick…

  • Elahan   |   12. Oktober 2012 - 19:17

    Der RECCELITE ist für seinen Einsatzzweck spitze!

    Wenn aber kein Datenlink (Echtzeit nicht notwendig oder nicht möglich) vorhanden ist oder eine große Fläche schnell, aufgeklärt und dokumentiert werden muss, benötigt man andere optische und digitale Systeme!

  • Elahan   |   12. Oktober 2012 - 19:18

    Aber in Mali können ja dann alle zeigen was sie können!

  • Daniel Lücking   |   13. Oktober 2012 - 9:09

    …nicht so recht unterworfen fühlt – hihihi :-) Schöne Formulierung. Gefällt mir ebenso gut, wie „Staat im Staate“. Dahin bewegen wir uns nämlich, wenn Geheimdienste und einzelne Ministerien sich nicht so recht „unterworfen fühlen“.

  • Micha   |   13. Oktober 2012 - 11:15

    Elahan:
    ich denke, darüber läßt sich diskutieren. Die Zeiten, in denen traditionelle Naßfilme hinsichtlich Qualität und Auflösung Vorteile gegenüber der digitalen Aufzeichnung haben, ist eigentlich vorbei. Auch wenn dies tatsächlich noch in Nuancen der Fall sein sollte, die bereits geschilderten Vorteile der digitalen Technik überwiegen deutlich. Am Ende des Tages ist es eine Frage, was man sich mit den knappen verfügbaren Ressourcen noch leisten kann und sollte. Mit einer verbleibenden Staffel TORNADO in Schleswig mit den Aufgaben RECCE, Maritime Air Operations und Interdiction ist eine doppelte Ausstattung für RECCE auf Grund ggf. leichter Vorteile der Bildqualität tatsächlich zu hinterfragen. Wer die „Auswerteanlagen für die Naßflime im AG 51 schon mal gesehen hat ,weiß, mit welchem Aufwand und Personal diese betrieben werden müssen.

  • Memoria   |   13. Oktober 2012 - 11:26

    @Micha:
    Die Auflösungsunterschiede zwischen optronischem und optischen System liegen jedoch immer noch im Bereich Faktor 2. Also deutlich mehr als Nuancen.
    Dann doch lieber auf andere fragwürdige Nebenrollen des AG 51 verzichten.

  • Elahan   |   13. Oktober 2012 - 20:33

    @Micha

    „Wer die “Auswerteanlagen für die Naßflime im AG 51 schon mal gesehen hat ,weiß, mit welchem Aufwand und Personal diese betrieben werden müssen“

    Das liegt aber nicht am Naßfilm sondern an der Auswertung! Aufklärung benötigt immer Personal, welches die Aufnahmen (Digital oder Analog) auswertet, archiviert und die Ergebnisse versendet! Wer glaubt aus wirtschaftlichen Gründen auf eine effiziente Aufklärung verzichten zu können sollt zuerst die Einsätze abbrechen! Je besser die Aufklärung desto wikungsvoller kann man am Boden agieren! Es darf keinen Kampfeinsatz geben ohne vorherige Aufklärung des Gefechtsfeldes und zur Einsatzunterstützung UAV Überwachung.

    P.S. Die Datenfunkverbindung reicht nur 150 Kilometer (10 Flugminuten) weit.

  • Elahan   |   18. Oktober 2012 - 18:04

    Die Kamera des RecceLite hat einen CCD mit 4 MPx (2048×2048) und eine Optikbrennweite von max 500 mm. Die KS-153 von Zeiss hat ein Bildformat von 115×230 mm das entspricht einer theoretischen Auflösung von über 6,6 Gigapixel, und dies mit einer höhere Brennweite (600mm).

    Für die schnelle abbildende Aufklärung gibt es nichts besseres.
    Beobachten und Bilder mit geringer Datendichte kann auch eine UAV mit MX 20.

    http://www.aerosimulators.com/en/gimbal-training/wescam-mx20.html

    Recce Lite ist eine gute Lösung für einen speziellen Einsatzzweck und ersetzt in keinem Fall die Recce Pods.