Von UNIFIL nach Syrien – mit deutschen Truppen?

Hatte ich gestern noch den nächsten Halt Bamako als möglichen neuen deutschen (wenn auch unbewaffneten) Militäreinsatz gesehen, lassen jetzt Äußerungen des UN-Sondergesandten für Syrien, Lakhdar Brahimi, aufhorchen: Nach – bislang nur in englischsprachigen Medien zu findenden – Meldungen aus Istanbul denkt der UN-Vermittler darüber nach, ob nicht die derzeitigen führenden Nationen in der UNIFIL-Truppe vor und im Libanon den Kern einer UN-Friedenstruppe für Syrien stellen könnten.

Nun bedürfte eine solche Blauhelmtruppe natürlich der Zustimmung des UN-Sicherheitsrats – und damit auch Russlands und Chinas, von denen bislang nichts zu erwarten ist, was sich gegen das derzeitige syrische Regime richten könne. Dennoch sind die Berichte interessant…

Aus dem Telegraph:

Instead, Mr Brahimi is thought to be looking at more nations that currently contribute to Unifil, the 15,000 strong mission set up to police Israel’s borders with Lebanon. They alone are thought to have the infrastructure and on-the-ground knowledge that any peacekeeping operation would require.
Countries contributing to Unifil include Ireland, Germany, France, Spain and Italy, one of which would be expected to play a leading role in the Syria peacekeeping force.

Und ein Geschichte in mehreren australischen (!) Medien:

The remarks came as the UN and Arab League envoy to Syria, Lakhdar Brahimi, is reportedly sounding out which countries would be willing to contribute soldiers to a 3000-member peacekeeping force.
Mr Brahimi is thought to be looking at nations that contribute to UNIFIL, the 15,000-strong mission set up to police Israel’s borders with Lebanon. Those countries include Ireland, Germany, France, Spain and Italy.

 

No rush to the exits? Truppenreduzierungen in Afghanistan beginnen 2013

Bei der planmäßigen Reduzierung des internationalen militärischen Afghanistan-Engagements, so lautet ein Standardspruch von Politikern und Offiziellen in der NATO, werde es no rush to the exits, kein Rennen zum Ausgang, geben. Aber man wird ja doch schon noch sagen dürfen, dass in allen Nationen jetzt die deutlichen Kürzungen der Truppenstärken angekündigt werden – aus innenpolitischen Gründen.

Der britische Verteidigungsminister Philip Hammond hat heute angekündigt, sein Land plane für 2013 eine Verringerung der Truppenstärke am Hindukusch fast um die Hälfte: 9.000 Soldaten sollen es Anfang kommenden Jahres sein, dann in den folgenden zwölf Monaten eine Reduzierung um maximal 4.500. I would expect it will be significant, which means thousands, not hundreds, but I would not expect it to be the majority, sagte Hammond mit britischem Understatement. Also vermutlich knapp die Hälfte. Signifikant ist das, weil die Briten nach den USA der zweitgrößte Truppensteller in Afghanistan sind und vor allem im nach wie vor umkämpften Süden eingesetzt sind.

Und Deutschland? Da meldet der Spiegel heute vorab, Verteidigungsminister Thomas de Maizière und Außenminister Guido Westerwelle hätten sich auf eine Verringerung auf deutlich unter 4.000 Mann im neuen Mandat verständigt. Derzeit sind am Hindukusch rund 4.500 Soldatinnen und Soldaten im Einsatz, die aktuelle Personalobergrenze liegt bei 4.900.

Und beim größten und wichtigsten Truppensteller, den USA? Da läuft – im Vorfeld der Präsidentenwahl Anfang November – eine Debatte, die wirklich den rush to the exits andeutet. Wie ein Kommentar in der New York Times heute zeigt:

After more than a decade of having American blood spilled in Afghanistan, with nearly six years lost to President George W. Bush’s disastrous indifference, it is time for United States forces to leave Afghanistan on a schedule dictated only by the security of the troops. It should not take more than a year. The United States will not achieve even President Obama’s narrowing goals, and prolonging the war will only do more harm.

 

RC N Watch: Krim-Kongo-Fieber

Es sind bislang nur vage Hinweise, noch nicht mal Indizien. Aber ein Zusammenhang zeichnet sich ab: Vergangene Woche wurde in Großbritannien der gebürtige Afghane Fazal Ahmad beigesetzt. Der 38-jährige gebürtige Afghane starb am Krim-Kongo-Fieber, dem ersten bekannt gewordenen Fall dieser Krankheit in Großbritannien. Er war schon krank von einer Reise nach Afghanistan zurückgekehrt – unter anderem von einem Besuch in Aibak in der nordafghanischen Provinz Samangan.

Gestern Abend fand ich dann beim BBC-Kollegen Bilal Sarwary diesen Hinweis:

Residents in Baghlan, Samangan, Kundoz&Mazare Sharif: People have been affected by Congo fever. Several people died in last 2months.

Was diese Ortsangaben gemeinsam haben? Alle liegen im Norden, im Bereich des (deutsch befehligten) ISAF-Regionalkommandos Nord. In der Provinz Herat gab es 2008 schon einmal einen Massenausbruch dieser durch Zecken übertragenen Krankheit.