Schuss aus den eigenen Reihen im PRT Kundus

Die Bundeswehr formuliert es zwar recht gewunden (sicherlich auch aus juristischen Gründen), aber es ist schon ziemlich eindeutig: Vermutlich hat ein (deutscher) ISAF-Soldat einen Kameraden angeschossen. Die Bundeswehrmeldung zu dem heutigen Vorfall im PRT Kundus:

Am 3. September 2012 gegen 10.55 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit (13.25 Uhr Ortszeit) wurde im Regionalen Wiederaufbauteam (PRT) Kundus ein deutscher Soldat durch einen Schuss in den Rücken verletzt. Die Verletzung erfolgte nicht durch Feindeinwirkung.

Der verletzte Soldat wurde sofort operiert und konnte selbst seine Angehörigen informieren.

In der Vergangenheit hatte es mehrfach solche Schussabgaben gegeben, soweit bekannt immer unbeabsichtigt – wobei bisweilen Leichtsinn oder leichtfertiger Umgang mit Waffen dahinter stand. Interessant wäre in diesem Fall, ob neue Regelungen bei ISAF die interne Gefährdung erhöhen: Angesichts zunehmender Vorfälle mit afghanischen Sicherheitskräften, die ihre Waffen gegen ihre ISAF-Kameraden richten, sind die internationalen Truppen jetzt verpflichtet, auch innerhalb der Camps geladene Waffen zu tragen.

12 Gedanken zu „Schuss aus den eigenen Reihen im PRT Kundus

  1. Die ISAF Soldaten müssen nach den ganzen green on blue die Waffen auch innerhalb die Lager fertig geladen tragen. Komisch, dass wir jetzt ein ktgt ohne Vorfall hatten und das neue fängt wieder an. Als ich nach der Rückkehr aus baghlan vor einen Monat in mes aus dem Fahrzeug stieg, ging ich mit meiner besatzung an die entladekiste und wir kontrollierten uns wie am ersten Tag im 4-augen-Prinzip.

    Disziplinmangel. Da gibts keine ausrede.

    Pi

  2. Was wird denn da an Waffen im Camp getragen?
    P8? Oder rennt ihr ernsthaft mit fertig geladenen G36 durch die Gegend?
    Der Sicherungshebel ist ja nicht gerade für seine Schwergängigkeit bekannt..
    Schuss in den Rücken muss man aber trotzdem erstmal schaffen.

  3. Selbst wenn die Waffe entsichert ist muss man Sie noch spannen und abkrümmen. Da könnte aber auch wieder der Teufelskreis ins Spiel kommen. Lassen wir uns mal überraschen.

  4. Laut meinen Bekannten drüben, hat jeder seine Stanwaffe( in der Regel G36 und P8) fertiggeladen am Mann/Frau

  5. Scholl-Latour hat’s mal korrekt gesagt: „Wenn wir 10 jahre lang eine Übung mit scharfer Munition fahren würden, hätten wir mehr Verletzte und Tote, als beim Einsatz in Afghanistan“.

    Also shit happens ….

  6. Aus der kurzen Mitteilung der Bundeswehr sind keine Details bzgl. der Umstände der Schussabgabe ableitbar. Daher sind alle Überlegungen über die Schwergängigkeit des Sicherungshebel reine Spekulation.
    Der Hinweis von T. Wiegold ist richtig: „soweit bekannt immer unbeabsichtigt“.
    Schön wäre es, Unreal, wenn jeder ISAF-Soldat seine STAN-Waffe tragen würde, das ist aber nicht der Fall. Dies gilt vor allem für P8 und MP7, aber auch MG3. Und hier liegt doch das Problem: fehlende Handlungssicherheit, vor allem bei Ladetätigkeiten und Sicherheitsüberprüfungen, führt zu der Masse der unbeabichtigten Schussabgaben. Wenn der Schuss dann in die Kiste geht, hat man noch Glück gehabt, weil der Soldat zumindest die Selbstdisziplin aufbrachte, die Sicherheitsüberprüfung dort durchzuführen. Daher Danke für den Kommentar von politisch inkorrekt.
    Wenn jeder die notwendige Ernsthaftigkeit und Disziplin aufbringt, die der Umgang mit Waffen erfordert, spielt die Tatsache, dassoder ob jeder seine Waffe teil- oder fertiggeladen mit sich führt eine nachgeordnete Rolle.

  7. Erstmal die besten Genesungswünsche an den Kameraden!

    Ich habe in all meinen Einsätzen auch im Lager meine Waffen : „Klar zum Gefecht“ getragen! Ob der Sicherungshebel, leicht oder schwergängig ist oder überhaupt nicht vorhanden ist doch völlig egal! Zur Schussabgabe kommt es immer dann, wenn jemand am Abzug zieht! Das geht in 99,9% der Fälle nur, wenn man 1.) den Finger dran legt UND 2.) auch noch dran zieht. Das sind dann schon 2 unbewußte Handlungen !(?) .
    Wenn dann noch Personen zu schaden kommen sind noch ein paar Dinge mehr gemacht worden.

    Es ist nicht immer einfach die Disziplin vorzuleben, es ist anstrengend und mühsam immer wieder auf Mängel hinzuweisen, und -im Umgang mit Waffen- reicht meiner Meinung nach ein Hinweis nicht aus.
    Meine Gruppe konnte ein Lied davon singen. Habe ich einen alleine beim ziehen der Waffe „ohne Trainings-Übungsauftrag“ erwischt, beim „Spielen am Sicherungshebel o.ä.“ dann hat es ordentlich geraucht im Karton und da gab es nie zwei Meinungen.
    In mehr als 1200 Einsatztagen und etlichen Situationen hat sich diese „Null -Toleranz“ Politik für mich, meine Gruppe und mein Umfeld bewährt. Jeder in meiner Gruppe hat auf jeden geachtet, egal wann und unter welcher Belastung.
    Zum Glück hat sich in den letzten Jahren ein wenig in der Ausbildung getan! Es gibt aber immer noch zuviele „Gestrige“ die alleine beim Anblick einer Waffe mit Magazin ein Problem kreieren. Wenn ich dann noch die ganzen „Ritter“ mit ihren 3 Euro Aufbewahrungstaschen für die Pistole vom JalaMarkt sehe -gegen die ebenfalls nicht eingeschritten wird- Dann ist es nur logisch, dass irgendwann irgendwer sich nicht unter Kontrolle hat. Situationen können sich ändern, das die Green on Blue Problematik sich nicht nur außerhalb unserer Camps abspielen kann haben hoffentlich alle verstanden, dass die Folge fertiggeladenen Waffen im Camp sind mag manch einem nicht schmecken, ist aber notwendig und richtig!

  8. Aktualisierung: 4. September, 12.50 Uhr
    Der am 3. September im PRT Kundus verletzte deutsche Soldat wird voraussichtlich am 5. September zur weiteren Behandlung ins Einsatzlazarett nach Masar-i Scharif verlegt. Sein Gesundheitszustand ist stabil. Für den 8. September ist seine Verlegung zur weiteren Behandlung nach Deutschland geplant.

    Die Schussabgabe erfolgte durch einen deutschen Soldaten. Die genauen Umstände der Schussabgabe werden noch untersucht.

    Einstellzeit: 12.55 Uhr

  9. Frage als Laie:
    Die Polizei läuft doch auch jeden Tag mit einer „geladenen“ Waffe rum. Dort habe ich aber noch nie von einem Verletzten wegen einer „unbeabsichtigen Schussabgabe“ gelesen?

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